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Full text of "Lehrbuch der griechischen Bühnenalterthümer"

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Lehrbuch der griechischen 
Bühnenalterth ümer 



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Albert Müller 



M^Tr 



V\ liLtizeaDyvjbOgle 





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77 



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K. F. HERMANN'S 

LEHRBUCH 

DER 

GRIECHISCHEN ANTIQUITÄTEN. 

UNTER MITWIRKUNG 



Dr H. DROYSEN in Berlin, Direktor Dr. A. MÜLLER in Flensburg, 
TH. THALHEIM in Brieg und Dr. V. THTJlVrSER in Wien 

nea herausgegeben von 

Professor Dr. H. BLÜMNER und Professor Dr. AV. DITTENBERGER 

in Zürich. in Halle a. 8. 

12f 4 BAJSJ>£Ii. 



DRITTER BAND. 

Zweite Abtheiinng. 
BÜHNENALTERTHÜMER 

von 

A. MÜLLER. 




FREIBÜRG I. B. 1886 
AKADEMISCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG VON J. C, B. MOUR 

(PAUL SIEBECK). 



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OCJOÜ I 



LEHRBUCH 



der 



Griechischen Bühnenalterthümer 



von 



Dr. albert Müller, 

Direktor du» Köoiglickuu (ijrmua8iuiijtf xu Flensburg. 

\ 



Mit 22 Abbildungen im Text. 




FREIBÜRG L B. 188« 
AKAD£Mi;SCUB V£KliAGSBUCUUANDliUN(il VON J. C. B. MOHH 

(PAUL 8USB£CK). 



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Das Recht der üehersetzung in fremde Sprachen behält sich die Verlagshandlung vor. 



Druck rom C. A. Wagner, Frcibur^. 



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DEN HERREN 

Dr. ernst von LEUT8CH 

GEH. REGUSRUNUSEATU UND PROFESSOR ZU OÖTTINOEN 

Dr. JULIUS SOMMERBRODT 

GEH. REGU5RUNGSRATH UND PHOVENZIAL-SCHULRATH ZV BRESLAU 

Dr. FRIEDRICH WIESELER 

PROFESSOR ZU GÖTTINOEN 

IX DANKBARER ANERKENNUNG DER GEWÄHRTEN 

ANREGUNG UND BELEHRUN(J 

ZUGEEIGNET. 



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Vorwort. 



Als ich es im Jahre 1881 übernahm, die neue Ausgabe des 
von meinem hochverehrten Lehrer K. F. Hermann begründeten 
Werkes durch Hinzufiigung der griechischen Bühnenalterthümer zu 
vervollständigen, verlangte die verehrliche Redaction zunächst nur 
einen kürzeren Anhang zu dem dritten, die gottesdienstlichen Alter- 
thümer behandelnden, Bande. Da jedoch in dieser Weise dem 
Mangel an einer eingehenderen Darstellung jenes Zweiges der Alter- 
thumskunde nicht abgeholfen werden konnte, so entschloss ich mich 
bald zur Ausarbeitung eines umfangreicheren Buches, wobei mir der 
Herr Verleger durch das Zugeständniss der Ausgabe eines selbständigen 
Bandes auf das bereitwilligste entgegenkam. Um diesen indess nicht 
zu sehr anschwellen zu lassen, bin ich dem ursprünglichen Programm 
in mehreren Punkten treu geblieben. So ist das Litterarhistorische 
und Aesthetische nur nebenbei oder gar nicht berücksichtigt, von 
der vollständigen scenischen Analyse der einzelnen Dramen abge- 
sehen, die Chorfrage — um Hypothesen nach Möglichkeit fern zu 
halten — nicht bis ins Detail verfolgt, und in der Anfuhrung der 
Litteratur nur ausnahmsweise hinter diejenige Epoche zurückgegangen, 
in welcher namentlich durch Gottfried Hermann, Julius Sommrr- 
BRODT und Friedrich Wieseler an die Stelle der Willkür die 
ernste Forschung auf dem Gebiete der schriftlichen und monumen- 
talen üeberlieferung gesetzt wurde. 

Lebhaft bedauere ich, dass Dörpfeld's in Aussicht gestellter 
Bericht über die neuesten Untersuchungen der Ruinen des Dionysos- 
theaters beim Abschluss des Drucks noch nicht veröffentlicht ist. 
Die Resultate desselben, welche in einem in den Nachträgen abge- 



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\1II Vorwort. 

druckten Briefe angedeutet sind, dürften eine erhebliche Umge- 
staltung der betreffenden Partie des Textes veranlasst haben. 
Auch die neuesten Schriften von Zielinski und Lipsius haben 
leider nur in den Nachträgen verwerthet werden können. 

Es liegt auf der Hand, dass der Versuch ein weites, an Contro- 
versen überreiches, Gebiet nach langer Zeit zum ersten Male wieder 
zusammenfassend zu behandeln, nicht sofort allen Anforderungen 
genügen kann ; ich verhehle mir daher nicht, dass es auch mir nicht 
gelungen sein wird, bei der Sammlung und Verarbeitung des im 
Laufe der Jahre sehr angewachsenen Materials trotz ausgezeichneter 
Vorarbeiten alle Schwierigkeiten in erwünschter Weise zu über- 
winden. 

Eine angenehme Pflicht ist es mir, allen denjenigen Freunden, 
welche mich durch Mittheilungen auf das bereitwilligste unterstützt 
haben, auch an dieser Stelle meinen wärmsten Dank auszusprechen. 
Derselbe gebührt namentUch Herrn Stud. phil. Hans Petersen zu 
Göttingen, einem lieben früheren Schüler, der sich auf mein Ersuchen 
der Anfertigung der Indices unterzogen und Herrn Oberlehrer Dr. 
WiEOAND hieselbst, welcher mir bei der Correctur der Druckbogen 
zur Seite gestanden hat. 

Plensburg, im Mai 1886. 

Albert Müller. 



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Inhaltsverzeichniss. 

Seite 

Vorwort VII 

Verzeichnisß der Abbildungen XI 

Erstes Kapitel« Das Theatergebäude. 

§. 1. Ursprung und Ausbildung des Theatergebäudea ... 1 

iij. 2. Theaterruinen 4 

g. 3. Grundriss des griechischen Theaters nach Vitruv ... 15 

§. 4. Das Bühnengebäude 22 

§. 5. Der Zuschauerraum und die Orchestra 28 

§. 6. Wahl des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik und 

Dimensionen der Theater 39 

§. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des 

Theatergebäudes 47 

S. 8. Das Odeion 65 

g. 9. Benutznng des Theaters in nichtdecoriertem Zustande . 72 

§. 10. Theatergebäude in Athen und Attika 82 

Zweites Kapitel« Die Elemente der Aufführung. 

§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration. 

Thüren. Periakten. Thymele 107 

ij. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 

Sonstige Maschinerie 13ft 

§. 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenver- 

wandlungen. Auf- und Abtreten der Schauspieler. 

Vorhang 157 

§. 14. Die Schauspieler 170 

§. 15. Schauspielkunst 189 

§. 16. Der Chor 202 

g. 17. Das Cos tum in der Tragödie und dem Satyrdi*ama . . 226 

§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie . . . 245 

§. 19. Die Masken 270 

S. 20. Das Publikum 289 



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X Inhalt. 

Drittes Kapitel. Die Verwaltung des Bühnenwesens. Seit« 

§. 21. Spieltage und Agonen 308 

§. 22. Aufbringung der Kosten ftir die Auftührungen .... 330 
§. 23. Dichter und Chorlehrer. Staatsexemplar. Verloosung 

der Schauspieler 350 

§. 24. Proagon. Gang der Aufifiihrungeu. Kampfrichter. Didas- 

kalieen 363 

§. 25. Dramatische Aufführungen ausserhalb Athen .... 376 

§. 26. Die Vereine der dionysischen Künstler 392 

Nachträge 415 

Sachregister 419 

Geographisches Register 424 

Griechisches Register 428 



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Verzeichniss der Abbildungen. 



Fijf. 1, p. 6. Grundriss des Theaters zu Epidaums nach llf.oixxty.a xy;; h WiHYp 

va»? uy/ri'.okoy.yi.'T^^ iza'.y.rt.^, 1883, iriv. A, Fijf. 1. 
Fijir- 2, p. 6. Aufriss und Orundriss des Hyposkenions des Theaters zu Epi- 

dauros nach ibid. i:iv. B, Fig. 5 und 6. 
Fig. 3, p. 8. Ansicht des Theaters zu Syrakus nach einer Photographie. 
Fig. 4, p. 9. Ansicht des Tlieaters zu Taormina nach einer Photographie. 
Fig. 5, p. 16. Construction des nmiischen Theaters nach Yitruv nach Philol, 

XXin, Taf., Fig. 1. 
Fig. 6, p. 17. Construction des griechischen Theaters nach Vitnrv nach N. 

Jahrbb. f. Philologie und Pädagogik 1872, p. 692, Fig. 3. 
Fig. 7, p. 89. Orundriss des Dionysostheaters zu Athen nach dem ZiLLER'schen 

Plan in Lützow's Zeitschrift für bildende Kunst, XIIT (1878). 
Fig. 8, p. 92. Ansicht einer Gruppe von Ehrensesaeln aus dem Dionysostheater 

nach ibid., p. 197, Fig. 2. 
Fig. 9, p. 94. Ehrensessel des Dionysospriesters nach ibid., p. 196, Fig. 1. 
Fig. 10, p. 95. Ehrensessel des Upeü; 'OXofin'.a; Sixt^i nach Linder, Dionysos- 

theatem i Athen, Taf. XXXII, Fig. 10. 
Fig. 11, p. 96. Ehrensessel der tcpia 'Aftr^vöti; 'AOyjv.ov nach ibid., Fig. 11. 
Fig. 12, p. 97. Ehrensessel des M. Ulpius Eubiotos nach ibid., Fig. 12. 
Fig. 13, p. 227. Priamos vor Achilleus knieend, tragische Scene nach Monuni. 

deir Inst. XI, Taf. 30, 4. 
Fig. 14, p. 228. Tragischer Schauspieler nach Mon. dell' Inst. XI, Taf. 13. 
Fig. 15, p. 244. Chorsatym nach Wieseler, Denkm. d. Bühnenwesens VI, 3. 
Fig. 16, p. 246. Scene aus der alten Komödie nach Archäol. Zeitung XLIII 

(1885), Taf. 5, 2. 
Fig. 17, p. 257. Scene aus der neueren Komödie nach Monum. d. I. XI, 

Taf. 30, 5. 

Tragische Maske nach Wieseler, D. d. B. V, 17. 

Satyrmaske nach Collection Lecuyer, p. 48, Nro. 284. 

Silensmaske nach Mon. deir Inst. XI, Taf. 32, Nro. 2. 

Maske des %e|i.ü>v itpes^ütTj; nach Annali d. I. 1881, Taf. J. 

Maske des 'KpiAwvto; nach Mon. d. I. XI, Taf. 32, Nro. 1. 



Fig. 18, 


P. 


273. 


Fig. 19, 


P. 


273. 


Fig. 20, 


P- 


274. 


Fig. 21, 


P- 


274. 


Fig. 22, 


P. 


275. 



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Erstes Kapitel. 

Das Theatergebände. 



Ursprung und Ausbildimg des Theatergebändes. 

lieber den Ursprung und die allmähliche Ausbildung des Theater- 
gebäudes') fehlt es zwar an sicheren Nachrichten; indessen dürften 
die folgenden Aufstellungen einerseits der Ueberlieferung, andererseits 
der traditionellen Entwickelungsgeschichte des Dramas entsprechen. 
In der ältesten Zeit, als kyklische Chöre einfachster Art um den 
Altar des Dionysos aufgeführt wurden, waren säramtliche Festgenossen 
auch Choreuten*); als aber später die Gesänge kunstreicher und 
die Tänze verschlungener wurden, so dass schon eine gewisse Ge- 
schicklichkeit zur Theilnahme an denselben erforderlich war, son- 
derten sich die Choreuten von den Zuschauem, und die letzteren 
umstanden naturgemäss die Tänzer im Kreise. Der erste Schritt 
zur Entwickelung des Dramas geschah nun dadurch, dass einer der 
Choreuten einen neben dem Altar stehenden Tisch, auf welchem 
das Fleisch der Opferthiere zerlegt wurde, betrat, um sich mit 



*) SoMMERBRODT, De Aeschyli re scaenica = Scaenica, Berlin 1876, p. 115 f. 
A. Müller, Philolog. XXm, p. 280 f. Wieseler, Griechisches Theater in Ersch 
u. öruber's AUg. Encyklop. Band LXXXIII p. 203. 

*) Euknthius, De tragoedia et comoedia p. 4, 13 Reiff. (Ind. Scliol. Breslau 
1874/5): comoedia fere vetus ut ipsa quoque traj^oedia rimplex carmen, quem- 
admodum iam diximus, fiiit, quod chorus circa- aras fumantes nunc spatiatus 
nunc consistens nunc revolvens gyros cum tibicine concinebat. Max. Tyr., Dis- 
sert. 37 p. 205 Reisk. : "Ad^vatot^ $i -rj jiiv ^aXata jioö^a /opol Kai^wv Yj-sav xal 
ftv^pÄv, fY)^ ipfaxai xata ^Tjijloo? bfiiAsvo'. , ^pT» ajtYjXOo xal otpoTOo xexov'p.lvot, 
qtajiata ^^ovxe^ aoxooys^ta. 

Hermann, Lehrbach III. ii. ^ 



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2 § 1. UrBprunfjf und Ausbildung des Theaterj^ebäudes. 

seinen Genossen zu unterreden ^) ; und wie infolge der Trennung 
von Choreuten und Zuschauern die Scheidung des Tanzplatzes und 
des Zuschauerraumes eintrat, so hat sich aus diesem Tische die 
Bühne ^) entwickelt, welche mau jedoch in der festeren Form eines 
Gerüstes vielleicht erst dann errichtete, als ein eigentUcher Schau- 
spieler aufgestellt wurde®). Es ist sehr glaublich, dass schon da- 
mals hinter diesem Gerüste auch ein Zelt oder eine Laubhütte auf- 
geschlagen wurde, welche dem Schauspieler als Aufenthaltsort dienen 
und aus der er auftreten sollte*). Nach Errichtung des Bühnen- 
gerüstes konnten aber die Zuschauer die ehemalige kreisförmige Auf-. 
Stellung nicht mehr beibehalten, mussten sich vielmehr so ordnen, 
dass sie sich jenem Gerüste gegenüber befanden, was dann natur- 



*) Poll. IV, 123: eXso^ 5' yjv xpdicsC'^i, ap/aia, 2^p' i^v izpb Hsairt^o^ sU tt? 
avaßa^ toI^ yfopioxal<; areexpivato. Der Tisch begegnet auch Et. M. p. 458, 30: ^ojisXfj, 
Yj TOü d-satpoo IJ.SXP' ^^^» ^"^^ "^^^ xpajcejvjc tovojiastat • irapi xh Ik aor?]^ xa d'ü-rj 
}j.spiCso^ai, xoütsatt xa -ö-oojisva lepsta . xpdtTCcC'x ^s -f^v, c?p^ r^q ioxuixzi ev xol? «^pot? 
•Joov, jiYjTcoü xdcj'.v XaßoosY)^ xpaYCü^toi?. 0. MÜLLER, Gr. Litteraturgesch. II, 33 
und CüRTius, Ber. d. Sachs. Gesellsch. der Wiss. 1866 p. 151 erkennen, wie 
oben geschehen, in dem sl? "C'.? des Pollux einen Choreuten, BernhardV, Griech. 
Litt. II, 2, 15, will sf^ x'.^ avaßa; xwv )^opsoxuiv öirsxp'lvotxo ändern; Wieseler 
a. a. 0. p. 203 dagegen hält es für möglich, dass es der Anführer des Chors 
gewesen sei. Hu.ler Rhein. Mus. XXXIX p. 329 glaubt, dass, während von den 
Spielen des Thespis die Ueberlieferung entschwunden sei, eine scenische Be- 
zeichnung aus der Zeit vor Thespis sich kaum erhalten haben könne, und ver- 
muthet, der eXso; in der bei Pollux angegebenen Bedeutung gehe auf eine Ko- 
mikerstelle zurück, in der die Anfänge des Dramas verspottet worden seien 
und ein Wursttisch die Stelle der Bühne vertreten habe, was dann von einem 
Gelehrten ernsthaft genommen sei. 

«) Wieselkr a. a. 0. p. 206. 

') Diog. Laert. III, 56: wsrcep 5$ xo TcaXatöv sv xtq xpaY<{)5ia jcpoxspov \i.h/ 
jiovo^ b yophq SisSpap-axitev, ooxspov ^k Hegkk; sva 6::oxptxY^v i^sOpev üTCPp xoö 5tava- 
^raüEoO^at xbv -/opov. Vgl. unten §. 14. 

*) Hesych. axfjvfj: -t] axib J^Xwv yj :cspißoXa[u>v olxto. Placidus Gramm, bei 
Bulengerus, De theatro ludisque scenicis, Tricassibus 1603, p. 38b: item scaenam 
vocari arborum in se incubantium quasi concameratam densationem, ut subter 
positos tegere possit. Igitur e ramis ac frondibus cum racemis ac corymbis per 
initia scaenae fiebant, seu umbracula, quae parietes non haberent.' Servius ad 
Verg. Aen. I, 164: et dicta scaena anb xyj; sxiä? (cfr. Curtius, Griech. Etymol. 
p. 168). Apud antiquos enijn theatralis scaena parietem non habuit, sed de 
frondibus umbracula quaerebant. Postea tabulata componere coeperunt in modum 
parietis. Cassiod. Vai*. IV^, 51 : frons autem theatri scaena dicitur ab umbra ludi 
densissima , ubi a pastoribus inchoante vemo diversis sonis carmina caniaban- 
tur. Mehr bei Wikseler a. a. O. p. 207 Anm. 27. 



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§ l. Ur8i)rung und Ausbildung des Theatergebäudes. 3 

gemäss zu einer halbkreisförmigen Aufstellung fulj|^e *). Darauf ver- 
anlasste der Wunsch der von der Bühne entfernteren Zuschauer, 
durch die derselben näher stehenden im Sehen nicht gehindert 
zu werden, die Errichtung von stufenweise ansteigenden Holz- 
gertisten, welche sich selbstverständKch der Form des Halbkreises 
anschlössen*). Ob die Zuschauer zunächst standen oder sassen, ist 
dabei gleichgültig '), jedenfalls entwickelte 'Sich in dieser Periode das 
Theatergebäude in der Art, dass der alte Tanzplatz der kyklischen 
Chöre nunmehr als Orchestra die Mitte des Baus einnahm, aber 
•nicht mehr in der Form eines Kreises, sondern eines Kreisstückes, 
da ein Theil des Kreises durch die sich längs der Orchestra in 
Form eines Rechtecks hinziehende Bühne, welche mit der Zeit auch 
eine Hinterwand erhielt *), abgeschnitten wurde, während dieser gegen- 
über der Zuschauerraum in Gestalt eines nach oben hin stetig zu- 
nehmenden Kreisstücks die Peripherie der Orchestra concentrisch um- 
gab *). Als diese Holzbauten bei weiterer Entwickelung des Dramas 
nicht mehr genügten, entstanden jene in derselben Form erbauten 
steinernen Theater, deren Ruinen noch heute nicht nur ihre prak- 
tische Anlage beweisen, sondern auch ihre einstige hohe Schönheit 
ahnen lassen*). 



') Ursprünglich runde Form des Theaters nimmt an Ißid. Origg. XVIII, 
42, 1: theatrum est, quo scaena includitur, semicirculi figuram habens, in quo 
stantes omnes inspiciunt. Cuius forma primum rotunda erat, sieut et amphi- 
theatrum, po8t«a ex medio amphitheatro theatrum est factum. Auch Wecklein, 
Phüolog. XXXI, p. 441, meint, die Construction des griechischen Theaters, in 
welchem nur ein Kreisabschnitt als Bühnenraum übrig bleibe, weise darauf hin, 
dass das Gebäude für die Zuschauer sich aus einem vollständig kreisrunden Bau 
entwickelt habe ; doch ist diese Ansicht entschieden zurückgewiesen von Sommer- 
BRODT, Philolog. Anzeiger IV, p. 608 ff. Vgl. A. Müller, Philolog. XXXV, p. 331. 

') Hesych. Ixpta: xal xä 56X'.va, o5tu); tki^ovxo 'A^vTjatv, a^' tuv t^Ewvto nph 
Toü xb 8v Aiovuooo d^atpov Yevsadnxt. Vgl. Suid. Ixpta. Liban. ad Demosth. Olynth. 
I, p. 8: ohx ovxo^ xb icaXawv ^sosxpoo Xt^ivoo itop' oötoi?, aXXot ^oXivuiv aojJLitYjY'^"" 
|j.ivü>v txptcov xtX. Phot. txp'.a. Eustath. ad Od. HI, 350 p. 1472. 

') Schol. Arist. Thesmoph. 895: w? Itt Ixptwv ovkuv tv t<j> ^s<&Tpu> xal iv 
xal^ exxXYjatai^ iiA 5^Xu)v xoiO^|J.svu)v. nplv -^ap •^t'^izd^xi xb ^axpov, 5'iXa c9sap.euov 

xal OUtÜ>( 6^5(üpOOV. 

*) Servius ad Verg. Aen. a. a. 0. S. p. 2 Anm. 4. 

^) Wieseler a. a. 0. p. 231. Dio Chrysost. VII, Vol. I p. 114, 10 Ed. 
Teubn. : xb 5i ^satpov kctiv tuoicsp <papaY5 xoiXov, icXy^v oh ^axpiv h.'xxiput^y, 
ötXXa OTpOY^oXov t? Y|jiboü? oox aüxojiaxov, äXX' (J)xo?ofJLYj|jivov Xt^oi^. 

**) Brunn, Oesch. der griech. Künstler 11, 2 p. 329: „Wie aber hier (im 
Theaterbau) bald, nachdem nur erst die Grundformen allgemein festgestellt waren, 

1* 



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4 §. 2. Theaterruinen. 

§. 2. 
Theaterminen. 

Diese Ruinen finden sich in grosser Zahl in allen Ländern 
griechischer Cultur, wie aus dem folgenden, allerdings nicht auf Voll- 
ständigkeit Anspruch machenden, Verzeichnisse hervorgeht ^). Wir 
übergehen in demselben die in Athen und Attika befindlichen Ge- 
bäude, von denen in §. 10 ausführlicher gehandelt werden wird, und 
beginnen mit dem griechischen Festlande, dem wir die Inseln so^ie 
die europäischen Siedelungen und sodann die von den Griechen 
besetzten Länder Asiens und Afrikas folgen lassen. 

In Böotien giebt es Theaterruinen inTanagra*), Koroneia®), 
und Chäroneia*); in den Lokrischen Ländern, in Doris und den am 
Malischen Meerbusen gelegenen Landschaften fehlen solche, dagegen 
haben wir in Phokis die zu Daulis*) und Delphi^), in Aetolien 
die zu Pleuron'), in Akarnanien die zu Oeniadae^) und Stratos*) 

auch das Höchste geleistet wurde, das lehrt das Theater zu Epidauros, ein Werk 
des Polyklet, von welchem Pausanias (11, 27, 6) bemerkt, dass es in Harmonie 
und Schönheit unübertroffen in aller späteren Zeit sei.** 

*) Bei Aufstellung desselben sind namentlich benutzt Welcker, Griechische 
Tragödien p. 928 f. und p. 1297 ff., sowie die ausserordentlich reichhaltige Ueber- 
sicht bei Wieseler in Ersch und Gruber, Bd. LXXXIU, p. 186—212. 

*) Paus, n, 22, 2. Leake, Northern Greece II, p. 454. Ross, Griechische 
Königsreisen I, 110. Bürsian, Geographie von Griechenland, I, p. 222. LoL- 
LiNQ in Baedeker, Griechenland, Leipzig 1883, p. 164. 

•) Ross a. a. 0. 1, 32; Bürs. a. a. 0. 1, 235; Lolling a. a. 0. p. 145: „mulden- 
förmige Aushöhlung." 

*) Leake a. a. 0. n, p. 112 ff. Ulrich's Reisen und Forschungen in Griechen- 
land I, p. 159. Ross a.a.O. 1,41. Vischer, Erinnerungen und Eindrücke aus 
Griechenland (11. Aufl.), p. 590. Welcker, Tagebuch einer Griechischen Reise 
n, p. 54 ff. BuRS. I, p. 205. Lolling p. 142. 

*) Fiedler, Reise durch alle Theile Griechenlands I, p. 215. 

«) Paus. X, 32, 1. Plut., De defectu orac. 8, p. 414 B. Luc. adv. Ind. 9. 
Heliod. Aethiop. IV, 19. 21. GIG. 1710. Wescher et Foucart, Inscript. de 
Delphes 3-6. Ulrichs a. a. 0. I, p. 108. 114. Welcker a. a. 0. I, p. 76. 
Burs. I, p. 178. LoLL. p. 137. 

') Bei Missolonghi. Dodwell Class. and topogr. Tour through Greece I, 
p. 97. Ders. Views and Descript. of Cyclop. or Pelasg. Remains in Greece and 
Italy p. 17 nnd pl. XXIX. Leake a. a. 0. I, p. 116 ff. Bürs. I, p. 130 f. 

LOLL. p. 17. 

*) Hrüzey, Le Mont Olympo et rAcarnanie p. 445. Burs. I, p. 121 und 
Taf. in, 1. 



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§. 2. Theatenniinen. 



zu nennen. Während sich in Megaris nichts hieher gehöriges findet, 
wird auf dem Isthmos ein halbininder Bau als Tfteater bezeichnet ') 
und existieren in Argolis Ruinen in Nemea*), Argos^) und Epi- 
dauros*). Lakonien hat solche in Sparta**), Gytheion^) und Kaine- 




J-w-.] 



. Fig. 1. 

«) Hküzey a. a. (). p. 336 f. Lkakk, a. a. 0. I, p. 137 f. Buks. J, 109 
lind Taf. II. 

») Luc. Nero 9 -= Philostr. p. 338 K. Paus. 11, 1, 7. Clarkk, Travels II, 2 
p. 75-L Lkake, Travels in thc Morea III, p. 286 und pl. III. Welcker a. a. O. 
I, p. 166 f. CüRTius, Peloponnesos II, p. 542. BuRs. II, 21. Gazette archeol. 
IX pl. 38. LoLL. ]). 220: „Reste eines halbininden Baus, wohl aus römischer 
Zeit, welcher als Theater bezeichnet wird.** 

*) Plut. Phi op. 11. lieber die nach Neniea beuanut^i Technitengesellschaft 
s. § 26. CuRTius II, j). o09. ViscHER p. 285. Bur<*. II, p. 37. Loll. p. 225- 
*) Plut. Cleom. 17. Wieseler, Denkm. des Bühnenwesens, ]). 6 f. zu I, 22. 
CuRTius ir, p. 351. ViscHER p. 321. BuRs. U, p. 52. Lolling p. 238. 

'*) Paus. II, 27, 5: 'KiriSaupiot«; os Izxi O^iatp^ov sv tcj» Ispo), jiiX'.sxa £ji.ol 
5ox£tv ^ea^ a^iov TCt jiev Y^f* 'I'wjjloc'Iüjv noXo oyj ti xal 6ii£f»Yjps xtuv iravtayoö to) 
xÖ5}iü), ixrceö-si ^k 'Apxaocuv xh sv Ms-faX-jj koXs:* apji.ovia^ ^e ^ X'itXXof)^ sivExa 
aoytT£V.Ttijv Roto^ sc. au.iXXav MrA'jx/.s:?«) y^>'>'.'C' ^iv ot;'.oy{iSüi<;; noX'ixXsito^ y^P ^''^' 
xHaxprjv TC'Jro xal oixTjpia xo 7:ipii>i^jZ(; o -oir^za^ -r/y. Die» ältere Litteratur s. bei 
Wieseler, Denkm. d. Bühnen w., p. 7 zu I, 23. Vgl. Curtiüs II, p. 422. Bürs. 
II, p. 76. Ueber die neueren Ausgrabungen s. Kabbadias • AiHjva'.ov IX, p. 464 ff.; 
X, p. 53 ff. Ilapva-sao«; VI, p. 864. llpaxxixa xyj; sv Wö-rjvaK; apyotioAoftxT]^ exai- 
pWK; 1881 und Anhang mit 4 Tafeln; 1882 p. 75; 1883 p. 46 ff. mit zwei Tafeln 



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§ 2. Theatemiinen. 



polis '), Messenieu in Thuria *) und Messene ^), Elis in Aepion *), 
Achaja in Bura*), die Sikyonia sowie die Phliasia je in der 

Hauptstadt ^), endlich Arka- 
dien in Stymphalos'), Manti- 




Vig. 2. 



nach DöRPFKLD. Danach unsere 
Fig. 1, welche den Ghrundriss des 
ganzen Baus und Fig. 2, welche den 
Aufriss und den Grundriss des er- 
haltenen Hyposkenions darstellt. 
LoLL. p. 228 f. 

»j Plut. Agesil. 29. Athen. IV, 
17 p. 139 E. Wieseler, Denkm. 
d. B. p. H zu I, 19. CüRTiüs n, 
p. 220 f. YrscHER a. a. 0. p. 375. 
Welckek a. a. 0. I, p. 122. BuRS. 
II, p. 121. LoLLiNG, p. 262. Ueber 
ein Rundgebäude in Sparta s. § 8. 

«) Ross a. a. 0. H, p. 233. 
CuRTius II, p, 270. BuRs. II, 144. 
LoLLing p. 246. 

^) = Kyparisso, Mitth. d. Arch. 
Inst. I, p. 161. 

*) CURTIUS II, p. 161. BURS. 
II, 169. 

*) Leakk, Morea I, p. 381, pl. 

UI. CURTIÜS II, p. 145 f. ViSCHER 

a. a. O. p. 447. BüRS. II, 167. 
Welcker a. a. 0. I, p. 253. 
LoLLiNo p. 346. 

*} Leakk, Morea II , p. 82 f. 
CuRTius II, p. 89. BüRS. n, p. 
284 f. 

*) Nach Welcker, Gr. Tragg. 
p, 929 Auin. 83 entdeckt durch 
ViETTY, vgl. Tübinger Kunstblatt 
1832, p. 85; sonst nicht erwähnt. 

^) Sikyou: WnfiSELER, Denkm. 
d. B. p. 7 zu I, 24. CüRTros II, 
p. 490, V18CHER, p.275. Welcker, 
Tageb. U, p. 302 f. Burs. U, p. 
27 ff. LoLLmo, p. 224. — Phlius: 
Paus. II, 13, 3. 

CüRTIUS II , p. 
473. ViSCHER, p. 

281. BüRS. U, 
p. 34. 



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§. 2. Theatemiinen. 7 

neia*), Tegea^j, Megalopolis^), Psophis*) und Kleitor*). Verhältniss- 
mässig zahlreich sind die Ruinen in Epeiros, wo sich solche in Niko- 
polis •), Elatria (Rhiniassa'), Phönike **), Hadrianupolis ^), Dodona^**) 
und Dramyssos ") finden, aus Thessalien sind dagegen nur Thebae 
Phthiotides*^) und Larisa^'), aus Makedonien nur Philippi**),Stobi**) 
und Dion**) anzuführen. Unter den Inseln des Aegäischen Meeres 
hat Euböa eine Ruinein Eretria'^), Delos^'*) zwei, Syros**) und 

Welcker, Tageb. I, p. 307. Curtiüs I, p. 204 (Taf. IV) und Burs. II, 
p. 197 halten den Bau für eine Exedra. 

^) Wieseler, Denkm. d. B., p. 6 zu I, 21. Curtius 1, p. 237. Vischer, 
p. 348. BüRS. II, 213. LoLLiNo, p. 276. 

*) Liv. 41, 25. Ross, Reisen imd Reiserouten im Peloponne», p. Ö8. 
CüRT. I, p. 256. Welcker, I, p. 201. Burs. II, p. 220. Lollino, p. 255: „Die 
Kirche ist in einen halbrunden antiken Bau hinein^ebaut, den man fiir ein 
Theater hält.'* 

•) Wieseler a. a. O. p. 6 zu I, 20. Curtius, I, p. 284. Vischer, p. 409. 
Welcker, I, p. 268 f. Burs. II, 248. Lolling, I, p. 291. Das Theater ist von 
auffallender Grösse, welche schon Paus. II, 27, 5 und VIII, 32, 1 hervorhebt. 

*) Leakb, Morea Vol. II, p. 243 und pl. I. CuRxrcs I, p. 387. Burs. 
n, p. 261. 

*) Lkake a. a. O. II, p. 259. Curtrs I, p. 376. Burs. II, p. 264. 

^) Ein grösseres und ein kleineres Theater. Dodwkll, Class. and topogr. 
Tour I, p. 56. Leake, North. Greece I, p. 189. 191. Wieseler, Ersch und 
Gruber a. a. 0. Tafel, Xo. 8. Burs. I, p. 33. 

Wieseler, Denkm. d. B., p. 9 zu I, 27. Burs. I, 30. 

«) Leake a. a. O. I, p. 66. Burs. I, p. 17. 

«) Leake a. a. (). I, p. 75. Burs. 1, p. 19. 
*•) Monuments grecs. 1877 j)l. 4. Carapanos, Dodoua et «es ruiues. 1878 

p. 13—16, pl. in. IV. 

") Wieseler, Denkm. d. B., p. 9 zu I, 28. Burs. I, 25. 

") Leake, Northern Greece IV, p. 362. Burs. I, p. 79 f. 

*•) UssiNG, Inscript. ihr. ined. nro. 15. Desselben Griechische Reisen und 
Studien p. 36. Burs. I, p. 65. Lolling, p. 204. 

**) Heuzey et Daumkt, Mission en Macedoine p. 67 und pl. III. 

'*) Ibid. p. 332. 

*•) Leake, North. (4r. III, p. 409 f. Hkuzkv, Le Mont Olympe et TAcar- 
nanie, p. 115. 

") Leake a. a. O. II, p. 443. Ross, Königsreisen II, p. 117. Baumeister, 
Topogr. Skizze der Insel Euboea, Lübeck 1864, p. 10. Burs. II, 420. Lol- 
LDJG, p. 191. 

*•*) Ueber das ältere Th. s. Wiesklkr, Denkm. d. B., p. 5 zu I, 17. Burs. 
II, p. 462; über das neuere s. Philol. Anzeiger XIII, p. 527; schon Wieseler, 
Ersch und Gruber, p. 194, vermuthete ein zweites Theater in Delos; s. jedoch 
Burs. a. a. 0., Anm. 3. 

»•) Conze, Bullett. dell' Inst. 1859, p. 166. Burs. II, p. 465. 



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8 §. 2. Theaterruinen. 

Keos^) je eine, Melos'^) zwei, Kreta®) mehrere, und zwar in Cher- 
sonesos^), Hierapytna •^), Lyktos^), Gortyna^) und Aptera^). Auf 
den Inseln des Thrakischen Meeres kennt man Theater auf Thasos*) 
und Imbros*®)-, auf den Ionischen Inseln hat sich nichts erhalten, in 
Sicilieu dagegen eine grössere Anzahl von Ruinen, in Selinus'*), 




*) Zu Kaitliaea. Bröndstkdt, Voyages et Recherches dans la GrecQ I, p. 15. 
BuR5». II, p. 472, 



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§. 2. TheateiTuinen. 




*) AViEsKLER, Denkm. d. B, p. 5 f. zu I, 18. Texikr, Descript. de l'Asie 
min. IJI, p. 47. BuRS. II, p. 500. lieber das kleinere als Odeion bezeichnete 
Theater s. Lenormant, Annali deir Inst. I, p. 348. Ross, (ir. Inselreisen III, 
p. 6 und mehr bei Bürs. a. a. O., Anm. 2. 

*) Falkener, A Description of some iniportant Theatres and others Remains 
in Crete, London 1854, enthält die Beschreibung mehrerer Theater, welche in 
den Jahren 1583 ff. von Onorio Belli in Kreta gesehen, a>)er nicht mehr sämmt- 
lich erhalten sind. 

*) Von BuRS. IT, p, 571 nicht erwähnt. 



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10 § 2. Theaterruinen. 

Syrakus '), Katana ^), Tauromenion ^), Tyndaris*) Akrae ^) und Se- 
geste ^). Aus Unteritalien sind nur die Ruinen zu Tarent') und 
bei Monteleone^) zu nennen. 

Auf den Inseln an der Küste Klein-Asiens findet sich je eine 



*) Von den beiden im XVI. Jahrh. vorhandenen Theatern existiert nur 
noch das grössere. Bürs. II, p. 578. 

•) Nach BuRs. 11, p. 569 jetzt verschwunden. 

') Ibid. II, p. 565; ein zweites von Belli gesehenes ist nicht mehr vor- 
handen. 

») Ibid. II, p. 543. 

•) Das von Perrot, Rapport lu ä Tacadem. des inscr. et belies lettres 
(12. Nov. 1858) par Guigniaut p. 44, erwähnte Theater hat Conze nicht finden 
können. S. dessen Reise auf den Inseln des Thrakischen Meeres, p. 17, A. 4. 

*^) Auch dieses von Blau und Schlottmann gesehene Theater hat Conze 
nicht aufgefunden; s. a. a. O. p. 83, A. 1. 

") Ein kleineres Theater nördlich von der Akropolis s. (Isell-Fels a. a. 0. 
p. 827; ein grösseres glaubte ScHUBRiNa in einer Terrainsenkung südöstlich von 
den Tempeln des Osthügels zu erkennen; s. Arch. Zeit. XXX (1872) p. 100. 
Vgl. unten § 25. 

') Wieseler, Denkro. d. B., p. 10 zu II, 1 und Ersch und Gruber a. a. O. 
p. 187, A. 4. Gsell-Fels, Unteritalien und Sicilien II *, p. 744 und Abbild, neben 
p. 293. Holm, Geschichte Siciliens im Alterthum, II p. 325 ff., 502 f. Cavallari 
ed. Holm, Topografia archeologica di Siracusa, Palermo 1883, p. 383 - 390 und 
Atlante Tav. IV. IX- S. unsere Figm* 3 nach einer Photographie. Ueber ein 
zweites theaterähnliches Gebäude daselbst s. Schubrino, Monatsber. d. K. Aka- 
demie der Wissensch. zu Berlin 1865, p. 363 f. 

*) Theater und Odeion. Wusseler, Denkm. d. B., p. 11 zu II, 5 A u. B. 
Holm, Das antike Catania, Lübeck 1873, p. 18 ff. Gsell-Fels a. a. 0., p. 593 ff. 

') Wieseler, Denkm. d. B., p. 11 zu II, 6 und p. 25 zu III, 6. Caval- 
lari, Annali deir Inst. 1854, p. 56. Gsell-Fels a. a. 0. p. 550. Ansicht des 
Bühnengebäudes daselbst Tafel neben p. 576. S. unsere Figur 4 nach einer 
Photographie. 

♦) Wieseler a. a. O, p. U zu II, 4. Gsell-Fels, p. 478 1^ 

*) Theater: Wieseler a. a. O., p. 10 zu II, 2. Das sogen. Odeion (Wie- 
seler a. a. 0. p. 105 f. zu A, 13) erklärt Schluring, N. Jahrbb. f. Philol. 1864, 
p. 667 f. für eine Badeanlage. Vgl. Supplement-Band IV, p. 669. Gsell-Fels 
a. a. 0. p. 768. 

«) Wieseler, Denkm. d. B., p. 10 zu II, 3. Gsell-Fels a. a. O. p. 289 f. 
— Wenn Wieseler, Ersch und Gr. a. a. O. p. 187 auf Grund von Frontin. 
Stratag. III, 2, 6 auch für Akragas ein Theater annimmt, so ist das nach Holm, 
das antike Catania, p. 38 ein Irrthum. Akragas hatte kein Theater. 

Florus I, 13 (18). Val. Max. U, 2, 5. Dio Cass. Frgm. 39, 5. Gsell- 
Fels a. a. 0. I*, p. 740 f. Lenormant, Grände-Grece I, p. 105. 

•*) Lenormant a. a. O. III, p. 198. 



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§. 2. Theatemiinen. H 

Riiine in Lesbos *), Samos*) und Kos'), zwei in Rhodos, und 
zwar zu Lindos *) und Tholöos *). Ausserordentlich zahlreiche Ruinen 
besitzt das Festland von Kleinasien: Bithynien in Prusias am Hy- 
pius*) und Apollonia'); Klein-Phrygien in Myrleia (Apameia)®); 
Mysien in Kyzikos % Parion *^), Neu-Ilion ^*), Alexandreia Troas ^^), 
Assos'®) und Pergamon^*); Lydien in Srayrna**), Klazomenae *^), 
Erythrae"), Teos'®) Ephesos ^^) und Sardes^^); Karien in Magnesia 
am Mäander ^^), Priene^^), Herakleia am Latmos-^), Milet '**), lasos*'*), 

') In Mitylene. Plut. Pomp. 42. Conze, Reise a. d. Insel Lesbos, p. 4 u. 9. 

*) ToüRNEFORT, Voyage du Levant I, p. 417. Pococke, Beschreibung des 
Morgenlandes III, p. 37; Taf. XL VII. Ross, Inselr. 11, p. 150. 

') Archäologisch-epigraphische Mittheilungen aus Oesterreich, VI. p. 156. 

*) Hamilton, Researches in Asia min., Pontus and Armenia, II, p. 56. 

*) Ross, Inselr. IV, p. 58. 

•) Perrot, Bullett. deir Inst. 1861, p. 196. Pkrrot, Güillaümb, Exploration 
de la Galatie et de la Bithynie, p. 22 3'.; pl. I und II. 

^) Hamilton a. a. 0. 11, p. 88. 

*) Perrot, Güillaume a. a. 0. p. 12. 

•) Pococke a. a. 0. III, p. 168. Perrot, Güillaume, p. 78 und pl. III. 

**) Choiseul Goüffier, Voyage pitt. de la Grfece 11, p. 451. 

") ScHLiEMANN, Troja 1884, p. 20 und 234 ff. 

**) Theater: Wieseler, Denkm. d. B., p. 105 zu A, 12. Welckbr, Tageb. 
II, p. 209 ff. Odeion: Chandler, Travels in Asia min., p. 27. 

»») Texier, Descr. de TAsie min. II, p. 203 und 205; pl. CVni. CIX. 
Leakk, Asia min., p. 128. Welcker a. a. 0. 11, p. 200. Neuerdinj^s Clarke, 
Investigations at Assos, p. 35. Taf. HI. 

") Griech. Theater der Köniji^szeit: Conze, Sitzungsber. der Akad. d. Wiss. 
zu Berlin 1884, p. 14 f. Rom. Theater: Cürtius, Beiträge zur Topographie 
Kleinasiens, Abhdlg. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1872, p. 57 f. 

'*) Texier a. a. 0. II, p. 296. Hamilton a. a. 0. I, p. 56. Archäol. Anz, 
1857/58, Nro. 106-111. 

") Lebas et Landron, Voy. en Grdce et en Asie min. Itineraire pl. 72. 

*') Hamilton a. a. 0. 11, p. 8. Lebas a. a. O. pl. 70. 

'») CIG. 3067. 3068 A. B. Pococke a. a. 0. HI, 63, Taf. XLIV. Hamilton 
a. a. 0. II, p. 13. 

*•) Wood, Discoveries at Ephesus, London 1877. Grundriss des Theaters, 
Taf. zu p. 68; Grundriss des Odeions, Taf. zu p. 52. Das Theater erwähnt Act. 
Apost. 19, 29; 31. Philostr. Vit. Apoll. III, 5 p. 68 K. Ueber Fragmente eines 
Frieses, der zum Bühnengebäude des Theaters gehört haben soll, s. C. Curtiüs» 
Arch. Zeit. 1873, p. 82. 

•<») Hamilton I, p. 147. Welcher, Tageb. II, p. 178. 

«>) Pococke HI, p. 81, Taf. XLVII. Welcker a. a. 0. n, p. 156. 

") Leake, Asia min. p. 328. 

•') DoNALDSON in den Alterthümem von Athen UI, p. 241. Choiseul 
Goüffier a. a. 0. I, p. 177. 



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10 § 2. Theaterruinen. 

Syrakus *), Katana ^), Tauromenion ^), Tyndaris*) Akrae *) und Se- 
geste®). Aus Unteritalien sind nur die Ruinen zu Tarent^) und 
bei Monteleone^) zu nennen. 

Auf den Inseln an der Küste Klein-Asiens findet sich je eine 



*) Von den beiden im XVI. Jahrh. vorhandenen Theatern existiert nur 
noch das grössere. Bürs. II, p. 578. 

•) Nach Bürs. II, p. 569 jetzt verschwunden. 

^ Ibid. n, p. 565; ein zweites von Belli gesehenes ist nicht mehr vor- 
handen. 

•) Ibid. II, p. 543. 

*) Das von Perrot, Rapport lu ä Tacadem. des inscr. et belies lettres 
(12. Nov. 1858) par Guigniaut p. 44, erwähnte Theater hat Conze nicht Hnden 
können. S. dessen Reise auf den Inseln des Thrakischen Meeres, p. 17, A. 4. 

***) Auch dieses von Blau und Schlottmann gesehene Theater hat Conze 
nicht aufgefunden; s. a. a. O. p. 83, A. 1. 

") Ein kleineres Theater nördlich von der Akropolis s. Gsell-Fels a. a. 0. 
p. 327; ein grösseres glaubte ScHUBRiNa in einer Terrainsenkung südöstlich von 
den Tempeln des Osthügels zu erkennen; s. Arch. Zeit. XXX (1872) p. 100. 
Vgl. unten § 25. 

') Wieseler, Denkm. d. B., p. 10 zu II, 1 und Ersch und Gruber a. a. O. 
p. 187, A. 4. Gsell-Fels, Unteritalien und Sicilien II *, p. 744 und Abbild, neben 
p. 293. Holm, Geschichte Siciliens im Alterthum, II p. 325 ff., 502 f. Cavallari 
ed. Holm, Topografia archeologica di Siracusa, Palermo 1883, p. 383 - 390 und 
Atlante Tav. IV. IX. S. unsere Figiw 3 nach einer Photographie. Ueber ein 
zweites theaterähnliches Gebäude daselbst s. Schubrino, Monatsber. d. K. Aka- 
demie der Wissensch. zu Berlin 1865, p. 363 f. 

*) Theater und Odeion. Wieseler, Denkm. d. B., p. 11 zu II, 5 A u. B. 
Holm, Das antike Catania, Lübeck 1873, p. 18 ff. Gsell-Fels a. a. O., p. 593 ff. 

•) Wieseler, Denkm. d. B., p. 11 zu IT, 6 und p. 25 zu III, 6. Caval- 
lari, Annali dell' Inst. 1854, p. 56. Gsell-Fels a. a. 0. p. 550. Ansicht des 
Bühnengebäudes daselbst Tafel neben p. 576. S. unsere Figur 4 nach einer 
Photographie. 

*) Wieseler a. a. O, p. 11 zu II, 4. Gsell-Fels, p. 478 1^ 

*) Theater: Wieseler a. a. 0., p. 10 zu II, 2. Das sogen. Odeion (Wie- 
seler a. a. 0. p. 105 f. zu A, 13) erklärt Schubring, N. Jahrbb. f. Philol. 1864, 
p. 667 f. fiir eine Badeanlage. Vgl. Supplement-Band IV, p. 669. Gskll-Fels 
a. a. 0. p. 768. 

•) Wieseler, Denkm. d. B., p. 10 zu II, 3. Gsell-Fels a. a. 0. p. 289 f. 
— Wenn Wieseler, Ersch und Gr. a. a. 0. p. 187 auf Grund von Frontin. 
Stratag. lU, 2, 6 auch für Akragas ein Theater annimmt, so ist das nach Holm, 
das antike Catania, p. 38 ein Irrthum. Akragas hatte kein Theater. 

Florus I, 13 (18). Val. Max. II, 2, 5. Dio Cass. Frgm. 39, 5. Gsell- 
Fels a. a. 0. I*, p. 740 f. Lenormant, Grände-Grece I, p. 105. 

*) Lenormant a. a. 0. III, p. 198. 



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§. 2. Theatemiinen. \\ 

Riuiie in Lesbos *), Samos*) und Kos*), zwei in Ähodos, und 
zwar zu Lindos *) und Tholöos *). Ausserordentlich zahlreiche E^uinen 
besitzt das Festland von Kleinasien: Bithynien in Prusias am Hy- 
pius*) und ApoUonia'); Klein-Phrygien in Myrleia (Apameia)®); 
Mysien in Kyzikos •), Parion ^% Neu-Ilion ^^), Alexandreia Troas *'^), 
Assos **) und Pergamon **); Lydien in Srayrna'*), Klazomenae **), 
Erythrae^'), Teos*®) Ephesos **) und Sardes^^); Karlen in Magnesia 
am Mäander ^^), Priene^^), Herakleia am Latmos-^), Milet^*), lasos^*^), 

') In Mitylene. Plut. Pomp. 42. Conze, Reise a. d. Insel Lesbos, p. 4 u. 9. 

') ToüRNEFORT, Voyage du Levant I, p. 417. Pococke, Beschreibung des 
Morgenlandes III, p. 37; Taf. XLVII. Ross, Inselr. 11, p. 150. 

') Archäologisch-epigraphische Mittheilungen aus Oesterreich, VI. p. 156. 

*) Hamilton, Researches in Asia min., Pontus and Armenia, II, p. 56. 

*) Ross, Inselr. IV, p. 58. 

•) Peerot, BuUett. deir Inst. 1861, p. 196. Perrot, Güa.LAUMB, Exploration 
de la Galatie et de la Bithynie, p. 22 iT.; p1. I und U. 

^ Hamilton a. a. 0. 11, p. 88. 

®) Pereot, Güillaume a. a. 0. p. 12. 

•) Pococke a. a. 0. lU, p. 168. Perrot, Güillaume, p. 78 und pl. UI. 

'^) Choiseül Goüffier, Voyage pitt. de la Grfece II, p. 451. 

") Schliemann, Troja 1884, p. 20 uud 234 ff. 

*•) Theater: Wieseler, Denkm. d. B., p. 105 zu A, 12. Welcker, Tageb. 
II, p. 209 ff. Odeion: Chandler, Travels in Asia min., p. 27. 

") Texier, Descr. de TAsie min. II, p. 203 und 205; pl. CVUI. CIX. 
Lkake, Asia min., p. 128. Welcker a. a. 0. 11, p. 200. Neuerdings Clarke, 
Investigations at Assos, p. 35. Taf. III. 

*"*) Griech. Theater der Königszeit: Conze, Sitzungsber. der Akad. d. Wiss. 
zu Berlin 1884, p. 14 f. Rom. Theater: Cürtius, Beiträge zur Topographie 
Kleinasiens, Abhdlg. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1872, p. 57 f. 

**) Texier a. a. 0. II, p. 296. Hamilton a. a. 0. I, p. 56. Archaol. Anz. 
1857/58, Nro. 106-111. 

") Lebas et Landron, Voy. en Grece et en Asie min. Itin^raire pl. 72. 

") Hamilton a. a. O. 11, p. 8. Lebas a. a. 0. pl. 70. 

^») CIG. 3067. 3068 A. B. Pococke a. a. 0. ni, 63, Taf. XLIV. Hamilton 
a. a. O. II, p. 13. 

**) Wood, Disco veries at Ephesus, London 1877. Grundriss des Theaters, 
Taf. zu p. 68; Grundriss des Odeions, Taf. zu p. 52. Das Theater erwähnt Act, 
Apost. 19, 29; 31. Philostr. Vit. Apoll. III, 5 p. 68 K. Ueber Fragmente eines 
Frieses, der zum Bühnengebäude des Theaters gehört haben soll, s. C. Curtiüs» 
Arch. Zeit. 1873, p. 82. 

«<') Hamilton I, p. 147. Welcker, Tageb. II, p. 178. 

*») Pococke IU, p. 81, Taf. XLVH. Welcker a. a. 0. U, p. 156. 

*') Leake, Asia min. p. 328. 

") DoNALDSON in den Alterthümem von Athen III, p. 241. Ohoiseul 
Goüffier a. a. 0. I, p. 177. 



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12 §-2. TheateiTuinen. 

Bargylia *), Halikaniassos *), Knidos ^), Kaunos % Tralles ^), Nysa *), 
Mastaura'), Aphrodisias^), Alabanda®), Alinda*®), Euromos*^), My- 
lasa'^) und Stratonikeia *^): Lykien und die Kibyratis in Telmis- 
sos«*),Pinara»^), Xanthosi«),Patara»'), Antiphellos»*), Aperlae»«), Kya- 
neae^*^), Myra^^), Limyra^^), Korydallos^^), Rhodiopolis^*), Olympos^*^), 
Phaseiis •^«),Tlos-'), Arykanda^»), amLetoon«»), in Oenoanda»«), Bal- 

") WiKSELER, Deukm. d. B., p. 3 und 115 zu I, 10. Rev. archeol. XXJV, 
p. 389. Raget, Comptes rendus 1872, p. 5' 6. 

*^) Ibid. p. 3 und 115 zu I, 9. Inschriftlich erwähnt Lebas, Asie min. 
Nro. 275. 276. 

*) Odeion, Lebas et Landron a. a. 0. Itiner. pl. 67. 
'-*) Hamilton a. a. 0. II, p. 30. Ross, Inselreiseu IV, p. 36. Newton, A 
History of Discoveries at Halicarnassus, Gnidus nnd Branchidae II, 1, p. 368; 
Atlas pl. I. 

*) Theater und Odeion. Wieseler, Denkm. d. B., p. 2 f. zu I, 7. lieber 
ein drittes kleineres Theater 8. Newton a. a. 0, p. 452 ff. und pl. LIV u. LXXII. 
*) Bullet, de Corr. Hellen. I, p. 342 und 362. 

*) PococKE a. a. 0. III, p. 98. Leake a. a. O. p. 247. Texier a. a. 0. 
III, p. 27. 

*) DoNALDSON in den Alterthümem von Athen UI, p. 244 ff. A- 17. Fellows, 
Account of Discoveries in Lycia, p. 22. Strabo XIV, § 43, p. 649. 
') Hamilton a. a. 0. I, p. 531. 

«) Texier a. a. 0. HI, p. 163. CIG. 2747. 2755. 2782. 
'') PococKE III, p. 85. Taf. LIU. Donaldson a. a. O., p. 241. 
-'') PococKE III, p. 97. Taf. XL VII B. Donaldson a. a. 0. erwähnt auch 
ein kleineres Theater. 

") Donaldson a. a. O. ") Pococke a. a. O. III, p. 88. 
**) Wieseler, Denkm. d. B., p. 3 zu I, 8. 

") Ibid. p. 2 und 115 zu I, 6. v. Warsberg, Homerische Landschaften p. 47. 
'*) Wieseler a. a. 0., p. 104 zu A, 5. Benndorf und Niemann, Reise in 
Lykien und Karien, 1884, p. 51. 

*®) Fellows, As. min., p. 227 und 231. Spratt and Forbes, Travels in 
Lycia, Milyas and the Cibyratis I, p. 14. 

»0 CI(t. 4283. Wieseler, Denkm. d. B., p. 2 zu I, 5. III, 1. 9. Strack, 
das altgr. Theater Taf. II; VII, 5; IX, 3. Benndorf und Niemann a. a. O. Taf. 35. 
*») Leake, As. min., p. 127. Texier a. a. 0. III, p. 199, 228, pl. CXCI 
und CXCn. 

»«) Texier a. a. O. lU, p. 233 pl. CCVI. 

'") Wieseler, Denkm. d. B., p. 104 zu A, 3. 

«») Ibid. p. 2 zu I, 4. Archäol.-epigr. Mitth. aus Oesterr. VI, p. 230; 248. 

**) Leake, Asia min., p. 328. Fellows, Lycia, p. 208. 

*•) Spratt and Forbes a. a. 0. I, p. 163 und Plan. 

^*) Wieseler, Denkm. d. B., p. 104 zu Taf. A, 2. 

") Spratt and Forbes a. a. 0. I, p. 192. 

2«) Ibid. T, p. 196. ") Ibid. I, p. 36. *«) Fellows, Lycia, p. 225. 



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§. 2. Theaterruinen. 13 

bura*), Bubon*), Kibyra*), Kadyanda*), Edebessos*) sowie auf den 
Inseln Megiste*) und Dolichiste ') ; Pamphylien in Perge ®), Aspen- 
dos*) und Side^®), Pisidien in Termessos**), Pednelissos'^), Selge^^), 
Kremna **), Sagalassos '*) und Antiocheia *^); Kilikien in Selinus 
(Traianopolis)"), Anemurion^^), Seleukeia**), Elaeusa*^) und Soloi^*); 
Phrygien in Laodikeia^*), Hierapolis ^*), Apameia Kibotos*^), Ai- 
zanoi'*^), Blaundus^*) und Traianopolis ") ; Galatien in Pessinus^^), 
Ankyra **) und Tavia '®). Auch in Syrien und Palästina haben sich 
einige Ruinen erhalten, so in Phönikien zu Gabala^'), in Galiläa 



^) WiKSELER a. a. 0., p. 104 zu A, 4. Benndorf und Niemakn a. a. 0., 

p. 120. Taf. xxvm. xxrx. 

•*0 Wieseler, a. a. 0., p. 104 zu A, 7. 

') Ibid. p. 106 zu A, 8; über ein zweites Theater daselbst Spratt and 
FoRBEs a. a. 0.. I, p. 269. 

•) Spratt and Forbes a. a. 0. I, p. 265. Bull, de Corr. Hellen. I, p. 365. 

*) Theater und Odeion Wkselbr a. a. 0., p. 105 zu A, 9 und 10. 

*) Ibid. p. 104 zu A, 6. *) Spratt and Forbes a. a. 0. I, p. 169. 

•) Antiquities of lonia II, pl. LVIII. '') Leake, As. min. p. 127. 

*) Texibr a. a. 0. HI, p. 212 f. und 215. 

•) Wieseler a. a. 0., p. 5 zu I, 16. Texier a. a. 0. m, p. 218 f. u. 241. 
pl. CCXXXII— CCXLI. Schönborn, Skene der Hellenen, p. 26 und 83 flF. 
Wieseler, E. u. Gr. Taf. nro. 5—7. Lohde, Die Skene der Alten, p. 3 f. Philo- 
lopr. XXni, p. 296. 

'") Wieseler, Denkm. d. B., p. 1 zu I, 3. ") Ibid., p. 104 zu A. 1. 

") Fellows, Asia minor, p. 198 f. 

'') Spratt and Forbes a. a. 0. p. 24 und 26 f. 

**) Fellows, As. min. p. 172, der von mehreren Theatern spricht. 

") Ibid. p. 167. Habolton a. a. 0. I, p. 488 f. 

") Arundell, Disco veries in Asia minor I, p. 273. 

'0 Leake, As. min., p. 328. 

'*) Theater: Beaufort, Karamania, p. 188. Odeion: WresELER a. a. O., 
p. 105 zu A, 11. 

*•) Beaufort a. a. 0., p. 215. *") Leake, Asia min., p. 213. 

") Ibid., p. 214 und 328. 

'*) Ein grosses und zwei kleine Theater; Gnmdriss des grossen Wiesrler 
a. a. 0. p. 3 zu I, 11. 

*») Ibid, p. 4 und 115 zu I, 12. **) Fellows, As. min., p. 116. 

•*) Wieseler a. a. 0. p. 4 und 116 zu I, 13 und 13a. Texier a. a. 0. 
I, p. 124, pl. XL— XLIX. 

*•) Arundell, Discoveries I, p. 81. *^) Hamilton I, p. 116. 

*«) Wieseler a a. 0. I, 13 b. Texhsr a. a. 0. I, p. 168. 

*•) Perrot, Guillaüme, Exploration de la Galatie et de la Bithynie, p. 266. 

«*^) Ibid. p. 289. 

"*) Wiesrler a. a. O., p. 5 zu I, 15. 



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14 §. 2. Theatemiinen. 

ZU Skythopolis *), in der Dekapolis zu Gadara*), Gerasa^), Phila- 
delpheia*), Kanatha*) und endlich zu Bostra*). In Aegypten ist 
nur eine Ruine bekannt, in Antinoe^), in der Kyrenaike dagegen 
zwei, zu Kyrene®) und Apollonia*). Da noch für viele andere Orte 
die einstige Existenz von Theatern durch schriftstellerische und in- 
schriftliche Zeugnisse nachgewiesen werden kann ^®), so darf man an- 
nehmen, dass seit Alexander's Zeit jede griechische Stadt von einiger 
Bedeutung mit einem Theater versehen war**). 

Was nun die Ruinen anbetrifft, so sind zwar meist die Sitzreihen 
mehr oder weniger gut erhalten, von den Bühnengebäuden existieren 
jedoch, mit Ausnahme des Theaters zu Aspendos und des streng 



») Alterthümer von Athen III, p. 248, A. 38. 

*) Zwei Theater: Irby and Mangles in The Jewish War of Flavius Josephus, 
a new Translat. hy Traill, ed. with Notes by Taylor. I, p. XXXV f., Ansicht des 
einen Theaters auf d. Taf. hinter p. 145. 

•j Zwei Theater, Bückingham, Travels among the Arab. Tribes, p. 362 
und 386. 

*) Ibid. p. 75 f. 

*) Odeion. CIG. 4614. Porter, Five Years in Damascus, with Travels 
and Researches in Palmyra, Lebanon and the Hauran, II, p. 97 f. mit Plan. 

*) Wieseler a. a. 0. p. 4 zu I, 14. 

^j Description de TEgypte IV, pl. 55 und 56. 

') Barth, Archäol. Zeit. 1848, p. 225 f. Dess. Wanderungen durch die 
Küsten des Mittelmeeres I, p. 430 ; vielleicht ein Amphitheater, s. Wieseler, 
Ersch und Grub. a. a. O. p. 188, A. 29. Bei Barth a- a. O. p. 438 werden 
noch zwei römische Ruinen erwähnt. 

•} Barth a. a. O. I, p. 455; vielleicht ein amphitheatralisoher Hafenquai, 
s. Wieseler a. a. 0. Barth a. a. O., p. 402 führt noch zwei Ruinen in Ptole- 
mais auf. 

**) Zahlreiche Zeugnisse der Art gesammelt bei Wieseler, Ersch u. Grub, 
a. a. 0. p. 186—202. 

") Vgl. unten § 26. Dass man sich eine Stadt ohne Theater kaum denken 
konnte, zeigt Paus. X, 4, 1: oxdoia 8i «x Xaiptuvsta^ eixootv i^ llavotcsa^ toxi 
itoXiv <^<uxstt»v, 11^5 ovo|j.ioat xi^ «oXtv xol xoüxoo^, ol^ Y' ^'^^ ^PX^'**» ^*^ YOjxvdi- 
atov 83XIV, oh ^axpov, oöx ce^opäv r/ouGtv, oüy 5Sa>p xaxspx^jievov t^ xp-rjvYjv. 
Dicaearch. 59, 28; Frgm. Hist. Gr. ed. Müller II, p. 260: xal xotg xotvoI<; U 
•fj (XaXxi^ecüv) icoktg ^ia^6pu>c xaxisxjoaaxat , Yüfivaciot^, cxoai^, Upol^, ö-sixpct^, 
Ypatpal?, av^ptaot, x^ x^OYOpqt xstjiivTp izpb^ xa^ xäv tp-^fxQiOiv yp^ta^ ftvoirspßXrjXü*?. 
Vergl. auch Vitruv. V, 3, 1: cum forum constitutum fuerit, tum deorum 
immortalium diebus festis ludorum spectatibnibus eligendus est locus theatro 
quam saluberrimus, und I, 7, 1, wo von der Anlage der Tempel die Rede ist: 
Mercurio autem in foro, aut etiam ut Isidi et Serapi in emporio, A])ollini 
Patrique Libero secundum theatrum. 



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5}. 3. Grundriss des ^echischen Theaters nach Vitruv. 15 

genommen nicht hieher gehörigen römischen Theaters zu Arausio ^), 
nur die Fundamente oder doch nur spärliche Reste *). Nichtsdesto- 
weniger lehren die Ruinen, dass nicht alle Theater nach ein und 
demselben System erbaut waren, im Gegentheil lassen sich zwei ver- 
schiedene Grundpläne nachweisen, je nachdem das Bühnengebäude 
von den Sitzreihen durch offene Seiteneingänge getrennt war oder mit 
denselben zusammenhing, wo denn die Orchestra durch gewölbte 
Eingänge zugänglich war. Im ersteren Falle ist, da das Bühnen- 
gebäude weiter zurückliegt, die Orchestra grösser, als im zweiten, 
wo dasselbe nach dieser zu vorgeschoben ist. Wenn nun sämmtliche 
Ruinen durch kundige Architekten auf ihre Bauzeit hin genau unter- 
sucht wären, so wüi'den wir in den Ergebnissen dieser Prüfung einen 
Anhaltspunkt für die Beurtheilung dieses Unterschiedes haben; da 
das aber nicht der Fall ist, so sind wir in dieser Beziehung auf 
anderweitige Quellen angewiesen. 

§. 3. 
Onmdriss des gfrieohischen Theaters nach Yitray. 

Daher ist es sehr erwünscht, dass Vitkuv ein griechisches 
und ein römisches Theater unterscheidet und eine Anweisung zum 
Bau beider giebt. Hier interessiert zunächst die Construction des 
Grundrisses. Dieselbe ist für das römische Theater folgende*): 
Man construiere mit einem Radius, wie er der beabsichtigten Grösse 



*) A. Caristie, Monuments antiquea k Orange, Are de triomphe et Theätre. 
Paris 1856, p. 33-89; pl. XXX— LIL Wieseler, Denkni. d. B., p. 22 zu 
11, 19; p. 24 und 25 zu ETI, 3 und 7. Lohde, Die Skene der Alten, p. 5 f. und 
Tafel, Fig. 1—6 und 8. 

*) So zu Tauromenion; Wieseler a. a. 0. p. 25 zu DI, 6. Ansicht s. 
oben p. 9 Fig. 4. Zu Telmissos, Wieselbr a. a. 0., p. 26 zu llf, 4; zu Aizanoi 
ibid. p. 25 zu HI. 2. 5. 10. 

') Vitruv. V, 6 : ipsius autem theatri conformatio sie est facienda, uti quam 
magna futura est perimetros imi, centro medio conlocato circumagatur linea 
rotundationis, in eaque quattuor scribantur trigona paribus lateribus et intervallis, 
quae extremam lineam circinationis tangant. — ex bis trigonis cuius latus fuerit 
proximum scaenae, ea regione qua praecidit curvaturam circinationis, ibi finiatur 
scäenae frons, et ab eo loco per centrum parallelos linea ducatur, quae disiungat 
proscaenii pulpitum et orchestrae regionem — cunei spectaculorum in theatro 
ita diyidantur, uti anguli trigonorum, qui currunt circum curvaturam circinationis, 
dirigant ascensus scalasque inter cuneos ad primam praecinctionem. — scaenae 
longitudo ad orchestrae diametron duplex fieri debet. Vgl. Figur 5. 



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16 



§. 8. Orundrisß des griechischen Theaters nach Vitruv. 



der Orchestra entspricht, einen Kreis und schreibe demselben vier 
gleichseitige Dreiecke in der Weise ein, dass ihre zwölf Spitzen die 
Peripherie in zwölf gleiche Abschnitte theilen. Auf einer der Dreieck- 
seiten, deren Auswahl frei steht (mh), soll nun die Bühnenhinterwand 
(scaenae frons) errichtet werden, und ein dieser Dreieckseite parallel 
durch den Mittelpunkt des Kreises gezogener Durchmesser (a g) be- 
stinmit die vordere Gränze der Bühne. Die beiden mit den End- 
punkten des Durchmessers zusammenfallenden (a, g) sowie die fünf der 
Bühne gegenüberUegenden Dreieckspitzen (b, c, d, e, f) bezeichnen 
die Punkte, von denen aus die zu den Sitzreihen fuhrenden Treppen 
aufsteigen. Die Länge der Bühne (on) endlich ist gleich der dop- 
pelten Länge des Durchmessers. Aus dieser Construction ergeben 
sich folgende Verhältnisse : 1) Abstand der Mitte der Bühnenhinter- 
wand vom Mittelpunkte des Kreises = V« Radius ; 2) Abstand der 
Mitte der vorderen Bühnengränze von dem derselben gegenüber- 
liegenden Punkte des Grundkreises der Orchestra = 1 Badius; 
3) Tiefe der Bühne = 7« Radius; 4) Länge der Bühne = 4 Radius; 
5) Verhältniss der Bühnentiefe zur Bühnenlänge =1:8. 

Schwieriger ist das richtige Verständniss der über die Con- 
struction des griechischen Theaters gegebenen Vorschriften, welche 
folgendermassen lauten *) : (V, 7 , 1) : In Graecorum theatris non 





P^ 


\f 




r ^ 


\/\ 6 


mV ., 


V J 






3^ 





Fig. 6. 

*) Abgesehen von den Interpreten des Vitruv und den älteren Schrifl- 
Btellem über das Theatemesen ist die Stelle neuerdings behandelt von ScrföK- 
BORN, Ztschr. f. d. Alterth.-Wiss. 1853 Nro. 40; 41, wiederholt in dessen Skene der 
Hellenen p. 49 f.; von mir Philolojr. XXTII, p. 284 und im Anschluss daran von 
Wieseler, E. u. Gr. LXXXIH, p. 242; von Wecklefn, Philolog. XXXI, 
p. 435 und endlich von mir, X. Jahrbb. f. Philol. und Paedag. 1872 p. 691 ff., 



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§. 3. Grundriss des fjfriechischen Theaters nach Vitniv. 



17 



omnia isdem rationibus sunt facienda, quod primum in ima circina- 
tione ut in Latino trigonorum IUI, in eo quadratorum trium an- 
guli circinationis lineara tangunt, et cuius quadrati latus est proxi- 
mum scaenae praeciditque curvaturam circinationis, ea regione 
designatur finitio proscaenii. et ab ea regione ad extremam circina- 



kurz wiederholt Philolog. XXXV, p. 332 ff. Schönborn irrte in der Erklärung 
der Ausdrücke centrum orchestrae und intervallum, indem er den ersteren von 
der Mitte des auf der Mitte der Prosceniumswand (v w) errichteten und bis zur 
Kreisperipherie verlängerten Perpendikels, den letzteren von dem offenen Ein- 
gang in die Orchestra verstand, und folgte in den entscheidenden Worten den 
älteren falschen Lesarten : ab intervallo sinistro — ad proscaenii dextram partem, 
sowie ab intervallo dextro — ad proscaenii sinistram partem. In meiner ersten Be- 
handlung folgte ich in der Bestimmung des centrum orchestrae, Schönborn gab aber 
eine neue von Wieseler gebilligte Erklärung des inter\'allum ; Wecklein erklärte 
centrum orchestrae richtig, irrte aber in der Construction der beiden letzten Kreis- 
bögen, die er mit dem Durchmesser als Radius ausführte, und sah als Zweck der 
Operation die Herstellung von Bogenlinien an, welche die Orchestra über den Halb- 
kreis hinaus erweitem und sich allmählich von der Peripherie des Grundkreises 
entfernen. Diese Ansicht ist neuerdings wieder warm empfohlen von E. Petersen, 
Wiener Studien VII, p. 119 ff. Durch meine zweite Behandlung, bei welcher mir 
mein damaliger mathematischer Kollege Klandkr die richtige Deutung des Wortes 
intervallum nachwies, und deren Resultat im Texte gegeben ist, sind alle Schwierig- 
keiten gehoben. Es findet sich dort auch eine Würdigung der bisherigen Ver- 
suche. Vgl. Figur 6. 




Fig. 6. 
Werden die Worte in dextro und in sinistro vertauscht, so sind die Aus- 
drücke *rechts* und 'links' für Bühne und Orchestra gleich; die Bögen bleiben 
dann dieselben, werden aber in umgekehrter Reihenfolge ausgefiihrt. Oder, da 
bei dieser Annahme von h aus noch das intervallum ef und von a ans das inter- 
vallum d c erreicht werden kann , so können auch die Bögen r w und p v die 
verlangten sein. 

H«>rniann, Lelirbach III. II. 2 



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18 §.3. Grundriss des ^echischen Theaters nach Vitruv. 

tionem curvaturae paralleles linea designatur, in qua constituitur frons 
scaenae; per centrumque orchestrae a proscaenii regione paralleles 
linea describitur et qua secat circinationis lineas dextra ac sinistra 
in comibus hemicyclii centra signantur, et circino conlocato in dextro 
ab intervallo sinistro circumagitur circinatio ad proscaenii sinistram 
partem, item centro conlocato in sinistro cornu ab intervallo dextro 
circumagitur ad proscaenii dextram partem. 

Nach dieser Anweisung, deren Eingang auf die für das römische 
Theater gegebenen Vorschriften Rücksicht nimmt und daher etwas 
kurz ist, sollen also zunächst dem ebenfalls der Grösse der Orchestra 
angemessenen Grundkreise drei Quadrate in der Weise eingeschrieben 
werden, dass die zwölf Ecken derselben die Peripherie in zwölf 
gleiche Abschnitte theilen. Eine beUebig auszuwählende Quadrat- 
seite (nk) bezeichnet hier die vordere Gränze der Bühne, deren 
Hinterwand auf einer dieser Quadratseite parallelen Tangente (tu) 
errichtet werden soll. Während mm so die Grösse der Orchestra 
und die Tiefe der Bühne bestimmt ist, soll das folgende Verfahren 
die Länge derselben feststellen. Zum besseren Verständniss der Vor- 
schriften Vitruv's möge jedoch zuvor bemerkt werden, dass beim 
griechischen Theater die Ausdrücke „rechts" und „links" nicht fiir 
alle Theile des Gebäudes in gleicher Weise gebraucht werden, son- 
dern dass für den Zuschauerraum der Standpunkt des Zuschauers, 
für das Bühnengebäude der des Schauspielers maassgebend ist '). 
Nur unter dieser Voraussetzung lässt sich die folgende Construction 
richtig ausführen. Man lege also durch den Mittelpunkt des Grund- 
kreises parallel mit der die vordere Gränze der Bühne bezeichnen- 
den Quadratseite einen Durchmesser (ah), sehe die beiden End- 
punkte desselben als neue Centra an und construiere zunächst aus 
dem Punkte a — dem rechten Endpunkte des Halbkreises, da 
dieser Punkt als in den Zuschauerraum fallend vom Standpunkte des 
Zuschauers aus zu bezeichnen ist, — mit dem Radius des Grund- 
kreises von dem Intervall nm aus den Kreisbogen qv — das Inter- 



*) BüTTMANN bei Rohde Uebers. des Vitruv I, p. 280 Note r. Gaoliani 
bei Marini zu Vitruv a. a. 0. Geppert, Altgr. Bühne p. 88 f.. und 127 f. Schön- 
born, Skene d. Hell. p. 73. Meine Ausführungen Philolog. XXIII, p. 322 und 
XXXV, p. 329. Anders Sommkrbrodt, De re scaen. Aesch. I, p. 21 (Scaenica 
p. 134) nach G. Hermann, De re scaen. in Aesch. Orest. p. 5: dextra autem et 
sinistra in re scaenica ea dicuntur, quae spectatoribus ad dextram sunt et ad 
sinistram. Vgl. unten § 13. 



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§. B. Grnndriss des griechischen Theaters nach Vitruv. 19 

vall sowie die Seite der Bühne werden als linke bezeichnet, da 
beide, als in das Bühnengebäude fallend, vom Standpunkte des Schau- 
spielers aus beurtheilt werden müssen — ; hierauf wird, dem vorigen 
Verfahren völlig entsprechend, vom Punkte h — dem linken End- 
punkte des Halbkreises — aus der Kreisbogen sw construiert, 
und zwar vom rechten Intervall Ik nach der rechten Seite der 
Bühne. Die Ecken der Quadrate, soweit sie nicht in das Bühnen- 
gebäude fallen, sind für die Anlage der Treppen maassgebend *). 
Hieraus ergeben sich folgende Verhältnisse: 1) Abstand der Mitte 
der Bühnenhinterwand vom Mittelpunkte des Kreises = 1 Radius; 
2) Abstand der Mitte der vorderen Bühnengränze von dem derselben 
gegenüberliegenden Punkte des Grundkreises der Orchestra = l'Y? 
Radius (genau 1 -f -J^); 3) Tiefe der Bühne = ^/t Radius (genau 
1 — 7^); 4) Länge der Bühne S'/? Radius; 5) Verhältniss der 
Bühnentiefe zur Bühnenlänge = 1 : 12* 

Das Bühnengebäude liegt also im griechischen Theater weiter 
zurück, die Bühne ist weniger tief als im römischen *). Wenn nun 
Vitniv ausserdem bei der Beschreibung des letzteren die gewölbten 
Seiteneingänge der Orchestra hervorhebt *), während er bei der Con- 



') Vitruv. V, 8 (7, 2): jj^radationes scalarum inter cuneos et sedes contra 
qnadatrorum angulos dirigantur. — Die ganze Construction giebt eine eminent 
symmetrische Figur, wie aus den punktiert angegebenen HülfRÜnien erhellt. Da- 
nach ist das Dreieck wxv ein gleichschenklig-rechtwinkliges, die beiden Schenkel 
desselben wx und vx schneiden die Punkte h und a, die Linie zx ist halb so 
gross als die Bühnenlänge; dieselben Verhältnisse wiederholen sich in dem 
kleinen Dreiecke nok, welches ebenfalls gleichschenklig rechtwinklig ist; oz ist 
halb so gross als die Quadratseite nk. 

*) Vitruv. V, 8 (7, 2) : ita tribus centris hac descriptione ampliorem habent 
orchestram Graeci et scaenam recessiorem minoreque latitudine pulpitum, quod 
ko-^^ov appellant. 

•) Vitruv. V, 6, 5: orchestra int^r gradus imos quam diametron habuerit, 
eins sexta pars sumatur, et in comibus utrimque ad aditus eins mensurae perpen- 
diculo inferiores sedes praecidantur, et qua praecisio fuerit, ibi constituantur 
itinerum supercilia . ita enim satis altitudinem habebunt eorum confomicationes 
Zuerst richtig erklärt von Tölken, Ueber die Antigone des Sophokles ; drei Ab- 
handlungen von BoECKH, Tölken und Förster. Berlin 1842, p. 63. Vgl. Schönborn. 
Die Skene der Hellenen p. 72 und meinen Jahresbericht Philolog. XXIII p. 317. 
Ueber diesen Eingängen wurden Logen für bevorzugte Personen hergestellt, 
welche tribunalia hiessen. Vitruv V, 6, 7. S. dieselben aus dem Theater zu Aspendos 
bei WresELKR, E. u. Gr. LXXXIIT, Tafel Fig. 5 u. 6. Vgl. Overbkck, Pompe^ji 
p. 146, Fig. 94. B. Arnold, Das römische Theatergebäude. Würzburg 1873, p. 10. 

2* 



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20 GrundriBS des griechischen Theaters nach Vitniv. 

structioii des griechischen Theaters von solchen schweigt, so dürfen 
wir annehmen, dass auch liiedurch eine charakteristische Eigenthüm- 
lichkeit des römischen Theaters hat bezeichnet werden sollen. 

Wir haben demnach in denjenigen Theatern, welche nach dem 
im vorigen Paragraphen an erster Stelle genannten System gebaut 
sind, griechische und in den dem zweiten System entsprechenden 
römische zu erkennen. Die Gründe, welche zur Vorschiebung des 
Btihnengebäudes und damit zur Vertiefung der Bühne führten, lassen 
sich leicht erkennen. Da nämlich in Kom die Orchestra zu Sitz- 
plätzen für die Senatoren verwandt wui-de *), mussten die agierenden 
Personen jeder Art auf der Bühne auftreten ^), und da der Chai'akter der 
Aufführungen nicht selten eine wesentlich grössere Zahl von Personen, 
als die im griechischen Drama übliche, verlangte^), so musste sich das 
Bedürfinss nach einer tieferen Bühne geltend machen. Als nun der- 
artige Aufführungen sich in den Ländern giiechischer Zunge ver- 
breiteten* j, wurde auch dort bei Enichtung neuer Theater das römische 
System befolgt *), an manchen Orten wurde aber auch ein ursprünglich 
nach griechischer Weise angelegtes Theater durch Umbau in ein 
römisches verwandelt*^). Da übrigens das letztere nur eine Spielart 



*) Vitruv. V, 6, 2: in orchesti*a autem senatorum sunt sedibus loca desijrnata. 
Vgl. Suet. Aug. 35; 44. Tac. Ann. 13, 54. Arnold, a. a. 0. p. 9. Friedländer bei 
Marquardt, Rom. Staatsverw. III, p. 514. Diese Sitte veranlasste auch die Er- 
niedrigung der Bühne im römischen Theater, worüber zu vgl. §. 4. 

*) Vitruv. V, 6, 2 : ita latius factum fuerit pulpitum quam Clraecorum, quod 
omnes artifices in scaena dant operam. Teber das griechische Theater vgl. die 
Fortsetzung der p. 19, Anm. 2 citierten Stelle: ideo quod eo tragici et comici 
actores in scaena peragunt, reliqui autera artifices suas per orchestram praestant 
actiones itaque ex eo scaenici et thjTnelici graece separatim nominantur. 

•) Der Chor in der Tragödie, über den zu vgl. Friedländer bei Marquardt 
a. a. 0. in, p. 532, Anm. 6, musste auf der Bühne auftreten ; von grossen Auf- 
zügen in der Tragödie spricht Horat. Ep. U, 1, 189—193; über den Chor und 
die Musiker im Pantomimus vgl. FrikdläNDER, Darstellungen aus der Sittengesch. 
Roms II*, p. 409 f.; über die Pyrrhiche ibid. p. 419. 

*) Vgl. über den Pantomimus Luc. De saltatione; über die Pyrrhiche in 
Korinth Apul. Metam. X, p. 232—236; in lonien und Bithynien Luc. a. a. 0. 79. 
in Ephesos Philostr. Vitruv. Apoll. Tyan. IV, 2 p. 66 K.; in Athen ibid. IV, 21 
p. 73 K.; Preise für die Pyrrhiche in Aphrodisias Lebas As. min. Nro. 1620 
d. FRiEDiJiNDER, S.-Uesch. II*, p. 574. 17. 

*) So zu Gabala, Aspendos, Dramyssos, Katana, Alexandreia Troas. 

®) So zu Side (?), Laodikeia in Phrygien, HiM^polis, Aizanoi, Pessinus, 
Melos, Syrakus, Akrae, Sogeste, Tyndaris, Tauromenion und in Athen das Dionjsos- 
theater. Doch Hess man auch bei einem Umbau die griechische Anlage im 



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§. 3. Gnmdriss des jjfriechischen Theaters nach Vitruv. 21 

des ersteren war, gestattete es auch Aufführungen nach altgriechischme 
Stil, zumal in griechischen Ländern die Orchestra nicht zu Sitz- 
plätzen verwandt wurde, wie schon aus dem Umstände erhellt, dass 
im Dionysostheater zu Athen im Anfange der Kaiserzeit die Ehren- 
sessel für bevorzugte Personen nicht in der Orchestra, sondern auf 
der untersten Sitzstufe aufgestellt wurden ^). Dass das von Vitruv 
als römisch bezeichnete System schon in der Diadochenzeit in grie- 
chischen Ländern in Anwendung kam, ist nicht wahrscheinlich, da 
verschiedene Theater, welche vermuthlich dieser Zeit ihren Ursprung 
verdanken, noch rein griechische Einrichtung zeigen*). 

Da nun die Theater, von denen Reste existieren, während eines 
mehr als halb tausendjährigen Zeitraums entstanden sind, und da die 
Mode sowie die Prachtliebe, aber auch die Armuth ihr Recht geltend 
gemacht haben werden, so wird man völlige Uebereinstimmung der 
Monumente mit den Lehren Vitruv's nicht erwai-ten dürfen^). Li 
der That zeigen die Ruinen mancherlei Abweichungen von denselben, 
hinsichtlich derer jedoch die Mangelhaftigkeit mancher Grundrisse 
sowie der Umstand zu veranschlagen ist, dass Vitruv nur das rein 
grieechiche und rein römische Theater im Auge hat*), ganz abgesehen 
davon, dass er selbst mancherlei Ausnahmen von seinen Regeln ge- 
stattet ^), Trotz alle dem stimmen, wie durch neuere Untersuchungen 



wesentlichen bestehen, wie zu Pergamou ini sog. römischen Theater das Bühuen- 
gebäude mit den Sitzreihen nicht verbunden worden ist. Vgl. Cürtius, Abhdlg. 
d. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1872, p. 57 f. Conze, Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. 
zu Berlin 1884 p. 14 f ist jedoch der Ansicht, dass dieses Theater in der Kaiser- 
zeit ganz neu aufgeführt sei. 

') Die Aufstellung der Sessel fällt nach L. Julius in Lützow's Zeitschr. 1. 
bi'd. Kunst XIII, ]). 240 in die erste Kaiserzeit. Suet. Aug. 44: facto igitur 
decreto patrum, ut quoties quid spectaculi usquam pubhce ederetur, primus sub- 
selliorum ordo vacaret senatoribus ist auf Aufführungen ausserhalb Roms zu 
beziehen. Vgl. Friedländer bei Marquardt a. a. 0. III, p. 514. A 1. 

•) Das griechische Theater zu Pergamon ist nach Bohn unter Eumenes II. 
(197-158 V. Ch.) gebaut; ferner gehören hieher die Theater Zii Myra, Patara, 
Telmissos, lasos, Termessos, Rhodiopolis, Kadyanda, Oinoanda und Kibyra. 

') Vgl. Schönborn, Skene der Hell. p. 7. 

*) WiESPXER, E. u. Gr. LXXXIU, p. 242. 

*) Vitr. V, 6 ; 7 : nee tarnen in omnibus theatris symmetriae ad omnes ra- 
tiones et effectus possunt respondere, sed oportet architectum animadvertere 
<[uibus proportionibus necesse sit sequi symmetriam et quibus ad loci naturam 
aut magnitudinem operis temperari. sunt enim res quas et in pusillo et in magno 
theatro necesse est eadem magnitudine fieri propter usum, uti gradus diazomata 



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22 §• "^^ ^^ Bühnengebäude. 

nachgewiesen ist, Vitruv's Vorschriften im wesentliclien mit den Ruinen 
überein '). 

§•4. 

Das Btthnengebäude. 

Je mehr wir es zu bedauern haben, dass von den griechischen 
Bühnengebäuden nur in wenigen Fällen mehr als das Fundament 
erhalten ist *), desto wichtiger ist es, dass dieser Theil der römischen 
Theater zu Aspendos'*) und Orange*) in so gutem Zustande auf 
uns gekommen ist, dass wir durch Combination dieser Monumente 
mit jeneu Resten und den schriftUchen Nachrichten uns von dem 
Aussehen eines griechischen Bühnengebäudes im Wesenthchen ein 
deuthches Bild machen können. Zunächst erkennen wir, dass hin- 

pluteos itinera ascensus pulpita tribunalia et si qua alia intercumint, ex quibus 
neceseitas cogit disoedere ab symmetria ne impediatur usus, non minus si qua 
exiguitas copiarum, id est marmoris, materiae reliquarumque rerum quae paran- 
tur, in opere defuerit, paulum demere aut adicere, dum id ne nimium inprobe 
iiat sed cum sensu, non erit alienum. 

^) Die betreffenden Untersuchungen sind zuerst angestellt von Schönborn, 
Skene der Hell. p. 55 — 66; die hier einschlagenden beziehen sich auf die Entfernung 
der vorderen Bühnengränze von dem gegenüberliegenden Gränzpunkte der Or- 
chestra (p. 62, A. 9), die Entfernung der Bühnenhinterwand vom Kreismittel- 
punkte (p. 62, A. 10), die Länge der Bühne (p. 63, A. 11) und die Tiefe der 
Bühne (p. 63, A. 12). Mancherlei Abweichungen im Einzelnen enthalten meine 
Untersuchungen im Philolog. XXIII p. 287 — 290, ergeben aber im ganzen das 
nämliche Resultat. Vgl. Wieseler a. a. 0. p. 242, A. 6. Beim Theater im 
Peiraieus ist die vordere Bühnengi'änze von dem gegenüberliegenden Gränz- 
punkte der Orchestra 23 m entfernt, während diese Distanz nach Vitruv nur 
22*7«8 "^ betragen sollte ; die Entfernung der Bühnenhinterwand vom Kreismittel- 
punkte (UV* n^) i^*- gegen Vitruv's Forderung (13 V«) zu klein. Curtius u. Kaupert, 
Karten von Attika Text I, p. 67. In Epidauros beträgt die erst^re Dimension 
23,10, nach Vitruv 21 m, die letztere 13,85, nach Vitruv 12,25. Ilpaxxixa der archäol. 
Gesellschaft zu Athen 1883 Taf. I und oben pag. 5 unsere Fig. 1. Ueber die 
übrigen Verhältnisse dieser Theater siehe §. 4. 

*) Vgl. §. 2, p. 15 A. 2; ausserdem zu Myra (Wieseler, Denkm. d. Bühnenw. 
p. 2 zu I, 4), Patara (ibid. zu I, 5), Milet (ibid. p. 3 zu I, 10), vielleicht auch 
zu Oinoanda (ibid. p. 104 zu A, 7). Zu Sikyon (Wieselkr a. a. 0. p. 7 zu 

I, 24 und Curtius, Pelop. 11, 490) und Syrakus (Wieseler a. a. 0. p. 10 zu 

II, 1) sind die Grundmauern aus dem Felsen gehauen. 

•) Genaue Beschreibung, leider ohne Abbildung, bei SchÖnborn, Skene der 
Hellenen p. 83—94; Abbildung bei Texier, Descr. de TAs. min. Taf. 332 bis. Da- 
nach GuHL und KoNER, Leben der Griechen und Römer, Fig. 439; vgl. §. 2, 
p. 13 A. 9. 

*) Vgl. §. 2, p. 15 A. 1 und Guhl und Koner, Fig. 438. 



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§. 4. Das Bühnengebäude. 23 

sichtlich der Dimensionen der Bühne die Regehi Vitruv^s sich wohl 
bewähren *). Dieselbe hatte also die Form eines langgezogenen 
Rechtecks und wurde anfangs wohl zu jedesmaligem Gebrauche ganz 
aus Holz construiert *), während später Substructionen aus Stein ^), 
namentlich eine die Gränze der Bühne nach der Orchestra zu bil- 
dende Mauer*), errichtet und mit Dielen '^) belegt wurden. ( Somit 

Schönborn, p. 63 fiF. Anm. 11 und 12. Philolog. XXIII, p. 289 f. habe 
ich gezeigt, dass hinsichtlich der Bühnentiefe von 5 griechischen Theatern 2 dem 
Maasse Vitruv's genau entsprechen, während 3 unerheblich grösser sind; hinsicht- 
lich der Bühnenlänge stimmen von 12 Theatern 6, etwas kleiner sind 4, grösser 3. 
Vgl. WiESELKR, E. u. Gr. a. a. 0., p. 252 A. 136. Im Theater zu Epidauros 
ist nach dem Plane in den Ilpaxxtxd der Archäol. Gesellsch. zu Athen für 1883 die 
Tiefe der Bühne um etwa 1 m zu klein, die Länge derselben müsste nach Vitniv 
42 m. betragen, erreicht jedoch nur 24 m. Im Peiraieustheater beträgt die 
Tiefe der Bühne 3 m, ist also bei einem Radius von 1374 m um 'V»* ni zu 
klein; die Bühnenlänge von 297s m müsste sich nach Yitruv auf 4o7t m be- 
laufen ; auf die ältesten erhaltenen Bauten passen also diese Regeln Yitruv 's nicht. 
CuBTius und Eaupebt, Karten von Attika. Text I, p. 66 A. 42. 

*) Julius in Lützow's Ztschr. f. bild. Kunst, XTII, p. 287 schlieset aus der 
geringen Stärke der ältesten Mauern des Bühnengebäudes im Dionysostheater 
zu Athen, dass vor Lykurg der Bühnenfussboden sowohl wie die denselben 
stützende Vorderwand immer nur provisorisch aus Holz aufgerichtet wurde. Dass im 
Peiraieustheater die Skenen- und Paraskenienwand schon im Niveau mit dem Boden 
der Orchestra Umrisse und Dübel löcher für runde Stützen zeigt, die in gleicher 
Axweite nur mit einer breiten Mittelöffnung angeordnet waren, und dass auf 
dem Fundament der hinter der Skene liegenden, zum Bühnengebäude gehörigen, 
Wand noch ein Säulenstumpf in situ vorhanden ist, lässt darauf schliessen, 
dass der gesammte Bühnen-Oberbau aus Holz aufgeführt war. Cürtius und 
Kaupert a. a. 0. Noch in späterer Zeit finden sich Theater ohne jede Spur 
einer festen Bühne, so das zu Aspendos und die kretensischen Ruinen. Vgl. 
WiESELBR, E. u. Gr. a. a 0. p. 252 A. 137. Beim Theater in Assos besteht 
die Vorderwand der Bühne aus Säulen, deren Zwischenräume durch eingesetzte 
hölzerne Wände geschlossen wurden (briefliche Mittheilung von Dörpfeld). 

') Substructionen haben sich vielfach erhalten, wie die Grundrisse und Be- 
merkungen bei Wieseler, D. d. B. zeigen. In der Inschrift vom Theater zu 
Patara (CIO. 4283) geht der Ausdruck tYjV xoö Xo^etoo xataaxso-rjv auf die Sub- 
structionen. xata'sxsüYi bezieht sich nicht nothwendig auf einen Neubau, vgl. die 
Inschriften aus dem Peiraieus 'A^jvaiov I,p. 11 : oToe tsE^iuxav tl^ fJjv xaTotaxsü*rjv xoö 
O-sdtf/Oo, und ibid. VI, p. 158 von Strassen : Ztzoh; 5v oji-aXiaO-to^tv xal xatacxsoa- 
gO-cös'.v tt><; ^tkv.zxa. CuRTiüs und Kaupert a. a. 0. p. 45. 

*) Bei der Frage, ob diese Mauer mit bildlichem Sckmuck verziert war, 
handelt es sich um die Deutung von 6;:oaxyjvtov bei Poll. IV, 124: t6 ^k üäo- 
axYjv'ov xtoai xoti ayAikazioK; x£x63|j.T|TO ;tpi^ xh O-satpov xeipafi^voi^, ottö xh Xo^siov 
x8t|ir/ov, welches Schönborn p. 101 und Wieseler, E. u. Gr. p. 253 A. 140 von 



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24 §• ^* ^As Bübnengebäude. 

waren stehende Bühnen hergerichtet, deren Höhe nach Vitruv nicht 
weniger als 10 und nicht mehr als 12 Fuss betrugt). In der Vor- 
dermauer fehlten Thüren, so dass die unter der Btihne befindlichen 
kellerartigen Räume mit der Orchestra in keiner Verbindung standen *). 
Die Verbindung der Bühne mit der Orchestra Avurde durch Treppen 
vermittelt^). Den hinteren Abschluss der Bühne bildete eine hohe 

dem unteren Gescboss des Bübnengebäudes versteben, wäbrend der letztere 
D. d. B. p. 62 zu IX, 15 das Wort auf die in Rede stebende Wand bezog; nacb 
meiner Ansicht richtiger, vgl. m. Jahresberichte Pbilolog. XXIU p. 312 ff. und 
XXXV, p. 318 ff. Vasenbilder, wie D. d. B. IX, 15, wo man fünf dorische 
Säulen erblickt, sind zwar nicht beweisend, erwecken aber ein gutes Vorurtheil; 
das Fehlen sonstiger Nachrichten ist nicht entscheidend; aus später Zeit hat 
sich der Reliefschmuck der firaglichen Mauer im Dionysostheater zu Athen er- 
halten, wo jedoch die Reliefs wahrscheinlich von einem früheren Hyposkenion 
herrühren; vgl. Julius in Lützow's Z. f. bild. Kunst Xm, p. 239; Abbildung 
daselbst p. 236. In Epidauros war dieselbe mit 12 Halbsäulen, 2 Viertelsäulen 
in den Ecken der Vorsprünge und 4 Dreiviertelsäulen im ionischen Stile an 
den Vorsprüngen verziert. Ansicht der Reconstruction eines Theils derselben 
in den Hpaxx'.xd a. a. 0. Taf 2 und danach unsere Figur 2, oben p. 6. 

*) Proscaenii contabulatio bei Apul. Flor. XVIII, p. 28, 5 Krügkr, Spuren 
der Dielung in Telmissos, wo sich die Vertiefungen, für die Balken des Bretter- 
bodens erhalten haben. Wieseler, D. d. B. III, 4. Guhl und Koner, Fig. 186. 
Ebenso in Epidauros, ITpaxxtxd a. a. 0. p. 48. Ueber das Odeion des Herodes 
Atticus s. Schillbach, Ueb. d. Od. des Her. Att. Jena 1858 p. 21, und was ich 
aus TüCKERMANN, Das Odeum des Her. Att. und der Regilla in Athen, Bonn 
1868, im Pbilolog. XXXV, p. 365 angeführt habe. Mehr bei Wieseler, E. u. Gr. 
a a. 0. p. 252 Anm. 138. Die XoYetoo irXax(oot<; der Inschrift CIG 4283 bezieht 
sich wohl kaum auf eine Belegung mit Marmorplatten. 

*) Vitruv. V, 7, 2 : eins logei altitudo non minus debet esse pedum X, non 
plus duodecim; vom römischen Theater ibid. V, 6, 2: eins pulpiti altitudo sit 
ne plus pedum quinque, uti qui in orchestra sederint, spectare possint omnium 
agentium gestus. Vgl. §. 3, p. 20 A. 1. Im griechischen Theater agierte in der 
Orchestra der Chor. In Epidauros beträgt die Höhe der Bühne einschliesslich des 
Gebälks 12 Fuss (Il^axTixa a. a. 0. p. 47), 3, 50 m (Mittheilung Dörpfelds). 

*) Eine Ausnahme macht das Theater zu Epidauros, wo sich in der Mitte 
der fraglichen Mauer eine zweiflügelige Thür, und in den beiden kleinen, 1, 74 m 
vorspringenden, Seitenflügeln derselben je eine thürartige Oeffhung mit einem 
Loch in der Mitte der Schwelle befindet. Ilpaxxtxd a. a. 0. Taf. I, 3. Abbil- 
dung einer der beiden letzteren ibid. Taf. II, 5. Aus dem letzteren Umstände 
schliesst Dörpfeld (briefliche Mittheilung) in Zusammenhange seiner §. 11 zu 
besprechenden Hypothese, dass dort die Periakten aufgestellt worden seien. 
Ueber zwei weitere Thüren s. weiter unten. 

•) Bezeugt durch Poll. IV, 137: elosXO^vts^ 51 xata fi]v hpyrpxpa^j etcI tyjv 
oxTj'/fjv ötvotßatvooat $ta xX'.jjlocxojv * xr^g ok xXt^axo<; ol ßad"p.ol xXt|J.axr9]ps<; xaXoövtott. 
Schol. Arist. Pac. v. 727: xdxstot Y^tp si^l t-r^v op-^-rjotpav xXtjia^iv gehört nicht 



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§. 4. Das Bühnengebäude. 25 

Mauer, welche durch Architektur, sowie durch Aufstellung von Säulen 
und Statuen reich verziert war. Nach Vitruv, der davon ein Bei- 
spiel giebt, zerfällt die Mauer, von der Horizontalebene der Bühne 
an gerechnet, in drei Stockwerke und der architektonische Schmuck 
eines jeden derselben in drei Abschnitte, den Säulenstuhl mit Kranz- 
imd Kehlleiste, die Säulen und den verzierten Architrav. Die Maasse 
betragen in dem unteren Abschnitte bezw. 7i«; 'A und 7io des 
Durchmessers des Grundkreises, im mittleren Abschnitte bezw. Y14, 
7i6 und 7^0? im obersten Stockwerk endlich bezw. 7*8, V«* ^^^ 
Vsio desselben Durchmessers *). Indessen kann diese Weise der 



hieher, da h^yfysxpa gleich Xo^etov zu sein scheint. Vgl. Wieseler, E. u. Gr., 
p. 228, A. 139. Erhalten nur in Theatern römischen Ursprungs, im Dionysos- 
theater zu Athen in der Mitte der Bühne unter einem rechten Winkel angelegt, 
vgl. den Plan in Lützow^s Z. f. bild. Kunst XIII, s. unten § 10 Fig. 7; im Theater 
zu Pompeji zwei Treppen ebenfalls unter einem rechten Winkel, vgl. Overbbck, 
Pompeji Abb. zu p. 130. Nach Wieseler, D. d. B. I, 6, vielleicht auch im Th. zu 
Telmissos zu erkennen. Die Proscenien der komische Scenen darstellenden Vasen- 
bilder Wieselbr a. a. 0. III, 18 und IX, 14 sind mit einer Treppe in der Mitte 
versehen; ob diese nämliche Treppe ib. IX, 13 zu erkennen ist, bleibt zweifelhaft, 
da eine auf der Bühne befindliche gemeint sein kann. Bloss ein Proscenium 
mit Treppe ibid. IV, 3. 4. Das Theater in Epidauros hatte diese Treppe nicht, 
wird sie auch, wie die Architektur zeigt, niemals gehabt haben ; dem entsprechend 
fehlt sie auch bei dem Proscenium mit komischer Sceiie bei Wieseler IX, 15. 
In solchen Fällen wurde wahrscheinlich eine hölzerne Treppe, die man, da der 
Chor mitunter die Bühne bestieg, nicht entbehren konnte, angesetzt, yne eine 
solche auch ohne Proscenium bei Wieseler IV, 5 dargestellt ist. Dies Ver- 
fahren scheint im griechischen Theater, namentlich in älterer Zeit, üblich gewesen 
zu sein. Athen. Mech. p. 29 Wesch. : xotisTÄEoasav ^i xtvs^ ev ÄoXiopxta xXtp.axa>v 
Ytv^ KapaffX*fj3ta tot; tiO^ji-svot^ sv lot^ ö-satpoi^ :rpo^ ta TrpooxYjVia xot^ oKoxpixoti^ ist 
wahrscheinlich auf Leitern zu beziehen, wie solche auf den Bühnen benutzt 
wurden und Wieseler IX, 11. 12 dargestellt sind. Vgl. im Allg. Wieseler, Ueber 
die Thymele p. 36 ff. und meinen Jahresber. Philolog. XXXV p. 337. 

*) Vitruv. V, 7 (^ 6, 6): podii altitudo ab libramento pulpiti cum Corona et 
lysi duodecuma orchestrae diametri. supra podium columnae cum capitulis et 
spiris altae quarta parte eiusdem diametri, epistylia et omamenta earum colum- 
narum altitudinis quinta parte, pluteum insuper cum unda et Corona inferioris 
plutei dimidia parte, supra id pluteum quarta parte minore altitudine sint quam 
inferiores, epistylia et omamenta earum columnamm <[uinta parte . item si tertia 
episcaenos futura erit, mediani plutei summum sit dimidia parte, columnae 
summae medianarum minus altae sint ([uarta parte, epistylia cum coronis earum 
columnamm item habeant altitudinis (juintam partem. Schönborn, cfr. p. 22 ff. 
und die unklare Anm. 24, hat den Ausdmck pluteum, der dasselbe bedeutet 
wie podium = Säulenstuhl, missverstanden und auf die an der Bühnenwand zu 
Aspendos horizontal aus der Mauer hervorragenden Steinplatten bezogen, die 



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24 §• ^* ^A* Bühnengebäude. 

waren stehende Bühnen hergerichtet, deren Höhe nach Vitruv nicht 
weniger als 10 und nicht mehr als 12 Fuss betrug ^). In der Vor- 
dermauer fehlten Thüren, so dass die unter der Bühne befindlichen 
kellerartigen Räume mit der Orchestra in keiner Verbindung standen *). 
Die Verbindung der Bühne mit der Orchestra wurde durch Treppen 
vermittelt^). Den hinteren Abschluss der Bühne bildete eine hohe 

dem unteren Geschoss des Bühnengebäudes verstehen, während der letztere 
D. d. B. p. 62 zu IX, 15 das Wort auf die in Rede stehende Wand bezog; nach 
meiner Ansicht richtiger, vgl. m. Jahresberichte Philolog. XXIII p. 312 ff. und 
XXXV, p. 318 ff. Vasenbüder, wie D. d. B. IX, 15, wo man fünf dorische 
Säulen erblickt, sind zwar nicht beweisend, erwecken aber ein gutes Vorurtheil ; 
das Fehlen sonstiger Nachrichten ist nicht entscheidend; aus später Zeit hat 
sich der Reliefschmuck der fraglichen Mauer im Dionysostheater zu Athen er- 
halten, wo jedoch die Reliefs wahrscheinlich von einem früheren Hyposkenion 
herrühren; vgl. Julius in Lützow's Z. f. bild. Kunst XTU, p. 239; Abbildung 
daselbst p. 236. In Epidauros war dieselbe mit 12 Halbsäulen, 2 Viertelsäulen 
in den Ecken der Vorsprünge und 4 Dreiviertelsäulen im ionischen Stile an 
den Vorsprüngen verziert. Ansicht der Reconstruction eines Theils derselben 
in den Hpaxxtxd a. a. 0. Taf 2 und danach unsere Figur 2, oben p. 6. 

*) Proscaenii contabulatio bei Apul. Flor. XVEII, p. 28, 5 Krüger, Spuren 
der Dielung in Telmissos, wo sich die Vertieftingen, für die Balken des Bretter- 
bodens erhalten haben. Wieseler, D. d. B. III, 4. Gühl und Koner, Fig. 186. 
Ebenso in Epidauros, llpaxitxd a. a. 0. p. 48. Ueber das Odeion des Herodes 
Atticus s. Schillbach, IJeb. d. Od. des Her. Att. Jena 1858 p. 21, und was ich 
aus TücKERMANN, Das Odeum des Her. Att. und der Regilla in Athen, Bonn 
1868, im Philolog. XXXV, p. 365 angeführt habe. Mehr bei Wieseler, E. u. Gr. 
a a. 0. p. 252 Anm. 138. Die Xo^stoo ^Xdxiuot; der Inschrift CIG 4283 bezieht 
sich wohl kaum auf eine Belegung mit Marmorplatten. 

*) Vitruv. V, 7, 2: eius logei altitudo non minus debet esse pedum X, non 
plus duodecim; vom römischen Theater ibid. V, 6, 2: eius pulpiti altitudo sit 
ne plus pedum quinque, uti qui in orchestra sederint, spectare possint omnium 
agentium gestus. Vgl. §. 3, p. 20 A. 1. Im griechischen Theater agierte in der 
Orchestra der Chor. In Epidauros beträgt die Höhe der Bühne einschliesslich des 
Gebälks 12 Fuss (Ilf»axTix<i a. a. 0. p. 47), 3, 50 m (Mittheilung Dörpfelds). 

*) Eine Ausnahme macht das Theater zu Epidauros, wo sich in der Mitte 
der fraglichen Mauer eine zweiflügelige Thür, und in den beiden kleinen, 1, 74 m 
vorspringenden, Seitenflügeln derselben je eine thürartige Oeffhung mit einem 
Loch in der Mitte der Schwelle befindet. Ilpaxxtxa a. a. 0. Taf. I, 3. Abbil- 
dung einer der beiden letzteren ibid. Taf. II, 5. Aus dem letzteren Umstände 
schliesst Dörpfeld (briefliche Mittheilung) in Zusammenhange seiner §. 11 zu 
besprechenden Hypothese, dass dort die Periakten aufgestellt worden seien. 
Ueber zwei weitere Thüren s. weiter unten. 

•) Bezeugt durch Poll. IV, 137: eIosXö-ovts^ $1 xata xyjv op/Yj^tpav iiz\ tyjv 
axYjVYjv ötvaßatvooat $ta xXtjJL'ixwv • rrj^ ^k xXi|j.axo^ ol ßad-ji-ol xXt|j.axTYjpE(; xaXoövrott. 
Schol. Arist. Pac. v. 727; xdtetot -(ap tv\ x*rjv opyrjatpav xXt|j.a4tv gehört nicht 



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§. 4. Das Bühnengebäude. 25 

Mauer, welche durch Architektur, sowie durch Aufstellung von Säulen 
und Statuen reich verziert war. Nach Vitruv, der davon ein Bei- 
spiel giebt, zerfallt die Mauer, von der Hoiizontalebene der Bühne 
an gerechnet, in drei Stockwerke und der architektonische Schmuck 
eines jeden derselben in drei Abschnitte, den Säulenstuhl mit Kranz- 
und Kehlleiste, die Säulen und den verzierten Architrav. Die Maasse 
betragen in dem unteren Abschnitte bezw. 7i«; Vi und Yio des 
Durchmessers des Grundkreises, im mittleren Abschnitte bezw. 72*, 
7i6 und Yso, im obersten Stockwerk endlich bezw. 7*8, V«* und 
^/sso desselben Durchmessers *). Indessen kann diese Weise der 



hieher, da opj^Yjoxpa gleich XoYetov zu sein scheint. Vgl. Wieseler, E. u. Gr., 
p. 228, A. 139. Erhalten nur in Theatern römischen Ursprungs, im Dionysos- 
theater zu Athen in der Mitte der Bühne unter einem rechten Winkel angelegt, 
vgl. den Plan in Lützow's Z. f. bild. Kunst XIII, s. unten § 10 Fig. 7; im Theater 
zu Pompeji zwei Treppen ebenfaUs unter einem rechten Winkel, vgl. Ovebbeck, 
Pompeji Abb. zu p. 130. Nach Wieseleb, D. d. B. I, 6, vielleicht auch im Th. zu 
Telmissos zu erkennen. Die Proscenien der komische Scenen darstellenden Vasen- 
bilder WiESELBR a. a. 0. III, 18 und IX, 14 sind mit einer Treppe in der Mitte 
versehen; ob diese nämliche Treppe ib. IX, 13 zu erkennen ist, bleibt zweifelhaft, 
da eine auf der Bühne befindliche gemeint sein kann. Bloss ein Proscenium 
mit Treppe ibid. IV, 3. 4. Das Theater in Epidauros hatte diese Treppe nicht, 
wird sie auch, wie die Architektur zeigt, niemals gehabt haben ; dem ent«i)rechend 
fehlt sie auch bei dem Proscenium mit komischer Scene bei Wieseleb IX, 15. 
In solchen Fällen wurde wahrscheinlich eine hölzerne Treppe, die man, da der 
Chor mitunter die Bühne bestieg, nicht entbehren konnte, angesetzt, wie eine 
solche auch ohne Proscenium bei Wieseleb IV, 5 dargestellt ist. Dies Ver- 
fahren scheint im griechischen Theater, namentlich in älterer Zeit, üblich gewesen 
zu sein. Athen. Mech. p. 29 Wesch. : xaxssxs'jaoav $s xtvs; ev noX'.opxt« xXi}i.d(xu>v 
Yt'/tj TzapaKkrpia xol^ x:{H|Jlsvo'.^ ev toI^ d-satpot^ ^po? xa TtpooxYjvia xoi^ oKoxptxat^ ist 
wahrscheinlich auf Leitern zu beziehen, wie solche auf den Bühnen benutzt 
wurden und Wieseleb IX, 11. 12 dargestellt sind. Vgl. im AUg. Wieseleb, lieber 
die Thymele p. 36 ff. und meinen Jahresber. Philolog. XXXV p. 337. 

*) Vitruv. V, 7 (= 6, 6): podii altitudo ab libramento pulpiti cum Corona et 
lysi duodecuma orchestrae diametri. supra podium columnae cum capitulis et 
spiris altae quarta parte eiusdem diametri, epistylia et omamenta earum colum- 
narum altitudinis quinta parte, pluteum insuper cum unda et Corona inferioris 
plutei dimidia parte, supra id pluteum quarta parte minore altitudine sint quam 
inferiores, epistylia et omamenta earum columnai-um quinta parte . item si tertia 
episcaenos futura erit, mediani plutei summum sit dimidia parte, columnae 
summae medianarum minus altae sint quarta parte, epistylia cum coronis eanmi 
columnarum item habeant altitudinis tpiintam partem. Schönbobn, cfr. p. 22 ff. 
und die unklare Anm. 24 , hat den Ausdruck pluteum , der dasselbe bedeutet 
wie podium = Säulenstuhl, missverstanden und auf die an der Bühnenwand zu 
Aspendos horizontal aus der Mauer hervorragenden Steinplatten bezogen, die 



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26 §.4. Das Bühnengebäude. 

Verzierung nicht als Regel angesehen werden, wie denn auch Vitruv 
das dritte Stockwerk nicht unbedingt fordert und die Monumente 
abweichenden Schmuck zeigen *). Die Höhe der Mauer entsprach 
der der Sitzreihen oder der der Portikus, wenn jene mit einer solchen 
abschlössen^). Die Mauer bildete die Vorderwand eines Gebäudes 
von geringer Tiefe *), in welches von der Bühne aus fünf symmetrisch 
geordnete Thüren*) führten, deren mittelste die Mitte der Mauer 
und der Bühne einnahm. Der innere Raum dieses Gebäudes war 



er für Balkone hält, welche durch aufgelegte Bretter in fortlaufende Gänge ver- 
wandelt seien, um die Maschinen aufzunehmen und Haltpunkte- für die Decoration 
zu bieten. S. dagegen Lohde, p. 4, m. Jahresb. Philolog. XXIII, p. 296 ff. und 
Wieseler, E. u. Gr. p. 235 A. 145. An der zweiten Stelle eine Analyse der 
Vorschriften Vitruv's. Die Front der Bühnenwand imitierte also keineswegs 
irgend ein bei Aufführungen vorkommendes Gebäude. 

•) Beschreibung der Bühnenwand von Aspendos bei Schönborn p. 26 ff. 
liOHDE p. 3 ff., Ansicht bei "Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. Tafel, Fig. 5; von Orange 
Caristie Taf. XXXII, vgl. XXXV; Wieseler, D. d. B., p. 35 zu III, 7; 
Lohde p. 5 f. Von griechischen Theatern s. über Myra Wieseler a. a. 0, I, 4; 
Aizanoi I, 13; III, 5; Telmissos I, 6 mit Text, u. a. m. lieber das römisch 
umgebaute Theater zu Tauromenion ibid. III, 6 und p. 25; Ansicht bei Gsell- 
Fels, Unteritalieu und Sicilien II, Abbildung vor p. 577 und oben pag 9, Fig. 4. — 
In den griechischen Theatern bildet die Hinterwand mit wenigen Ausnahmen, wie 
in Pinara, wo sie nach den Seiten zu in schräger Linie ein wenig zurücktritt, 
und in Kibyra (Theater), wo der mittlere Theil rechtwinkhg vorspringt, eine 
gerade Linie, während sich in den römischen eine Vorliebe für reiche Gliederung 
der Wand unter Anwendung des Kreisbogens zeigt. Vgl. Schönborn, p. 13 und 
65 f., A. 14 sowie meinen Jahresbericht Philolog. XXUI, p. 290 f. 

*) Vitruv. V, 6, 4: tectum porticus, quod futurum est in summa gradatione 
cum scaenae altitudine libratum perficiatur,. ideo quod vox crescens aequaliter ad 
summaa gradationes et tectum perveniet. namque si non erit aequale, quo minus 
fuerit altum, vox praeripietur ad eam altitudinem, ad quam perveniet primo. — 
Die absolute Höhe beträgt in Aspendos jetzt, wo der Boden durch Schutt auf- 
gehöht ist, nach Schönborn p. 84, 25, 94 m, zu Orange 38 m nach Lohde p. 5 ; 
nach Caristie Taf. XL VIII, wo eine restaurierte Ansicht, jedoch nur etwa 28 m- 

') Das Innere des Bülmengebäudes hat zu Aspendos nach Schönborn p. 89 
eine Tiefe von nur 4,13 m im Lichten; im grossen Theater zu Pompeji beträgt 
die Tiefe nach dem Plane etwa 4m; beim Theater zu Orange nach dem Plane 
bei Caristie Taf. XXXIII 18 m; in Epidauros nach dem Plane 6,07 m. 

**) Vgl. Schönborn p. 13 und Aum. 1 p. 45 f.; Anm. 13 p. 64; meine Aus- 
führungen Philolog. XXIII, p. 299 ff'. Sämmtliche griechische Theater mit Aus- 
nahme des zu Kiliyra, dem, was sehr auffällt, die Mittelthür fehlt, haben fünf 
Thüren. Heber das Verhältniss der Monumente zu Pollux IV, 124 und Vitruv, 
V, 6, 8, welche 3 Thüren fordeni, s. unten §.11. Vgl. auch Wieseler, E. u. Gr. 
a. a. O. p. 254 Anm. 148. 



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§. 4. Das Bühnengebäude. 27 

entsprechend der erwähnten äusseren Architektur in mehrere Stock- 
werke getheilt, welche ein oder mehrere Zimmer enthielten ^) ; das 
unterste Geschoss desselben stand mit den unter der Bühne befind- 
Uchen Kellerräumen in Verbindung '). Den Abschluss nach der 
Strasse zu bildete eine mehr oder weniger verzierte Front, in der 
sich auch der Eingang befand^). Während die römischen Bühnen 
von steinernen, mit dem hinteren Gebäude in Verbindung stehenden, 
Seitenflügeln flankiert werden, deren Front in der Linie der vorderen 
Bühnengi*änze liegt und aus deren Seiten Eingänge auf die Bühne 
führen, finden sich solche bei den griechischen Bühnen durchaus 
nicht überaU ; es scheint vielmehr, dass die griechische Bühne meist 
nur durch einfache Seitenniauem von der äusseren Umgebung ab- 
geschlossen wurde*). Das Dach des Bühnengebäudes hat sich 



') In Aspendos beiluden sich drei Stockwerke über einander, die im Innern 
durch Quer- und Zwischenmauern in mehrere Gemächer getheilt waren. Schön- 
BOBN p. 89 f. lieber das Scenengebäude des Odeions des Herodes Atticus sl m. 
Bericht über Tcckermann's Mittheilungen Philol. XXXV, p. 364. In Epidauros 
befand sich im Bühnengebäude ein grosser Saal von 19,49 m Länge, dessen 
Decke von fünf Säulen getragen wurde, flankiert von zwei schmalen Bäumen von 
2,50 m Front und 6,07 m Tiefe. Der Fussboden dieser Räume liegt in der Höhe 
der Orchestra; über Aufbau und Verbindung derselben ist nichts bekannt, da 
sich nur die Fundamente der Wände und der fünf Innensäulen erhalten haben 
(Mittheilung Dörpfeld's). Auch in Oranjfe hat das Bühnengebäude drei Stock- 
werke. S. Caristie Taf. XXXV. Nachrichten der Schriftsteller fehlen. Vgl. 
Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 254 A. 149 und m. Jahresb. Philolog. XXIII, p. 298. 

*) In Telmissos (Wikseler, D. d. B. III, 4 und Guhl und Koner Fig. 186) 
ist der Raum unter der Bühne von den entsprechenden Räumen hinter der Bühne 
zugänglich; dasselbe ist für Epidauros vorauszusetzen; in Aspendos (Schönborn 
p. 88 und GüHL und Koner Fig. 439) aus den Seitenflügeln; auch führten dort 
von den fünf Thüren Treppen in diesen Raum hinab. Schönborn p. 26 und 84. 
Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. p. 253 A. 142 erwähnt nach Arundell As. min. II, 
p. 40 ähnliche Stufen in Sagalassos. 

') lieber Aspendos Schönborn p. 90 ff"., über Orange, wo sich mehrere 
Thüren finden, Guhl und Koner Fig. 438 und Wieseler, D. d. B. III, 3. An- 
sicht bei Caristie Taf. XXXI, vgl. XXXV. Ob in Epidauros ein solcher Ein- 
gang vorhanden war, lässt sich nicht bestimmen. 

*) Schönborn p. 66, A. 15 zählt bei 5 griechischen Bühnen Seitenflügel, 
während sie bei 5 fehlen. Abweichende Resultate (bezw. 7 und 3) in meinem 
Jahresb. Philolog. XXIII, p. 292. Das Einzelne bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. 
p. 254 A. 148 und S<'Hönborn a. a. O. In Epidauros springt zwar das Pro- 
scenium an beiden Ecken um etwas mehr als einen Meter rechtwinklig vor, doch 
sind diese etwa ebenso breiten Vorsprünge nicht als Seitenflügel zu bezeichnen, 
da sie nicht durch Mauern von der Bühne abgesondert sind. Dahingegen ist 



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26 §• ^' I^as Bühnengebäude. 

Verzierung nicht als Regel angesehen werden, wie denn auch Vitruv 
das dritte Stockwerk nicht unbedingt fordert und die Monumente 
abweichenden Schmuck zeigen *). Die Höhe der Mauer entsprach 
der der Sitzreihen oder der der Portikus, wenn jene mit einer solchen 
abschlössen 2). Die Mauer bildete die Vorderwand eines Gebäudes 
von geringer Tiefe *), in welches von der Bühne aus fünf symmetrisch 
geordnete Thüren*) führten, deren mittelste die Mitte der Mauer 
und der Bühne einnahm. Der innere Raum dieses Gebäudes war 



er für Balkone hält, welche durch aufgelegte Bretter in fortlaufende Gänge ver- 
wandelt seien, um die Maschinen aufzunehmen und Haltpunkte' für die Decoration 
zu bieten. S. dagegen Lohde, p. 4, m. Jahresb. Philolog. XXIII, p. 296 ff. und 
Wieseler, E. u. Gr. p. 235 A. 145. An der zweiten Stelle eine Analyse der 
Vorschriften Vitruv's. Die Front der Bühnenwand imitierte also keineswegs 
irgend ein bei Aufführungen vorkommendes Gebäude. 

•) Beschreibung der Bühnenwand von Aspendos bei Schönborn p. 26 ff. 
liOHDE p. 3 ff., Ansicht bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. Tafel, Fig. 5; von Orange 
Caristib Taf. XXXII, vgl. XXXV; Wieseler, D. d. B., p. 35 zu III, 7; 
LoHDE p. 5 f. Von griechischen Theatern s. über Myra Wieselee a. a. 0, I, 4; 
Aizanoi I, 13; III, 5; Telmissos I, 6 mit Text, u. a. m. lieber das römisch 
umgebaute Theater zu Tauromenion ibid. III, 6 und p. 25; Ansicht bei Gsell- 
Fels, Unteritalien und Sicilien II, Abbildung vor p. 577 und oben pag 9, Fig. 4. — 
In den griechischen Theatern bildet die Hiuterwand mit wenigen Ausnahmen, wie 
in Pinara, wo sie nach den Seiten zu in schräger Linie ein wenig zurücktritt, 
und in Kibyra (Theater), wo der mittlere Theil rechtwinklig vorspringt, eine 
gerade Linie, während sich in den römischen eine Vorliebe für reiche Gliederung 
der Wand unt^r Anwendung des Kreisbogens zeigt. Vgl. Schönborn, p. 13 und 
65 f., A. 14 sowie meinen Jahresbericht Philolog. XXIII, p. 290 f. 

*) Vitruv. V, 6, 4: tectum porticus, quod futurum est in summa gradatione 
cum scaenae altitudine libratum perficiatur,. ideo quod vox crescens aequaliter ad 
summas gradationes et tectum perveniet. namque si non erit aequale, quo minus 
fuerit altum, vox praeripietur ad eara altitudinem, ad quam perveniet primo. — 
Die absolute Höhe beträgt in Aspendos jetzt, wo der Boden durch Schutt auf- 
gehöht ist, nach Schönborn p. 84, 25, 94 m, zu Orange 38 m nach Lohde p. 5 ; 
nach Carlstie Taf. XL VIII, wo eine restaurierte Ansicht, jedoch nur etwa 28 m« 

') Das Innere des Bühnengebäudes hat zu Aspeudos nach Schönborn p. 89 
eine Tiefe von nur 4,13 m im Lichten; im grossen Theater zu Pompeji beträgt 
die Tiefe nach dem Plane etwa 4 m ; beim Theater zu Orange nach dem Plane 
bei Carlstie Taf. XXXIII 18 m; in Epidauros nach dem Plane 6,07 m. 

*) Vgl. Schönborn p. 13 und Amn. 1 p. 45 f.; Anm. 13 p. 64; meine Aus- 
fülirungen Philolog. XXIII, p. 299 ff. Sämmtliche griechische Theater mit Aus- 
nahme des zu Kibyra, dem, was sehr auöällt, die Mittelthür fehlt, haben fünf 
Thüren. Ueber das Verhältniss der Monumente zu Pollux IV, 124 und Vitruv, 
V, 6, 8, welche 3 Thüren fordern, s. unten §. 11. Vgl. auch Wikseler, E. u. Gr. 
a. a, O. p. 254 Anm. 148. 



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§. 4. Das Bühnengebäude. 27 

entsprechend der erwähnten äusseren Architektur in mehrere Stock- 
werke getheilt, welche ein oder mehrere Zimmer enthielten*); das 
unterste Geschoss desselben stand mit den unter der Bühne befind- 
hchen Kellerräumen in Verbindung*). Den Abschluss nach der 
Strasse zu bildete eine mehr oder weniger verzierte Front, in der 
sich auch der Eingang befand^). Während die römischen Bühnen 
von steinernen, mit dem hinteren Gebäude in Verbindung stehenden, 
Seitenflügeln flankiert werden, deren Front in der Linie der vorderen 
Bühnengi^änze hegt und aus deren Seiten Eingänge auf die Bühne 
führen, finden sich solche bei den griechischen Bühnen durchaus 
nicht überall ; es scheint vielmehr, dass die griechische Bühne meist 
nur durch einfache Seitenmauern von der äusseren Umgebung ab- 
geschlossen wurde*). Das Dach des Bühnengebäudes hat sich 



*) In Aspendos befinden sich drei Stockwerke über einander, die im Innern 
durch Quer- und Zwischenmauern in mehrere Gemächer getheilt waren. Schön- 
BOBN p. 89 f. lieber das Scenengebäude des Odeions des Herodes Atticus s. m. 
Bericht über Tuckermann's Mittheilungen Philol. XXXV, p. 364. In Epidauros 
befand sich im Bühnengebäude ein grosser Saal von 19,49 m Länge, dessen 
Decke von fünf Säulen getragen wurde, flankiert von zwei schmalen Räumen von 
2,50 m Front und 6,07 m Tiefe. Der Fussboden dieser Räume liegt in der Höhe 
der Orchestra; über Aufbau imd Verbindung derselben ist nichts bekannt, da 
sich nur die Fundamente der Wände und der fünf Innensäulen erhalten haben 
(Mittheilung Dörpfeld's). Auch in Orange hat das Bühnengebäude drei Stock- 
werke. S. Caristie Taf. XXXV. Nachrichten der Schriftsteller fehlen. Vgl. 
WiESELEB, E. u. Gr. a. a. 0. p. 254 A. 149 und m. Jahresb. Philolog. XXIII, p. 298. 

*) In Telmissos (Wieseler, D. d. B. III, 4 imd (tuhl und Koner Fig. 186) 
ist der Raum unter der Bühne von den entsprechenden Räumen hinter der Bühne 
zugänglich; dasselbe ist für Epidauros vorauszusetzen; in Aspendos (Schönborn 
p. 88 und GuHL und Koner Fig. 439) aus den Seitenflügeln; auch führten dort 
von den fünf Thüren Trei)pen in diesen Raum hinab. Schönborn p. 26 und 84. 
Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 253 A. 142 erwähnt nach Arundell As. min. U, 
p. 40 ähnliche Stufen in Sagalassos. 

•) Ueber Aspendos Schönborn p. 90 ff., über Orange, wo sich mehrere 
Thüren finden, Gühl und Koner Fig. 438 imd Wieseler, D. d. B. III, 3. An- 
sicht bei Caristie Taf. XXXI, vgl. XXXV. Ob in Epidauros ein solcher Ein- 
gang vorhanden war, lässt sich nicht bestimmen. 

*) Schönborn p. 66, A. 15 zählt bei 5 griechischen Bühnen Seitenflügel, 
während sie bei 5 fehlen. Abweichende Resultate (bezw. 7 und 3) in meinem 
Jahresb. Philojog. XXIII, p. 292. Das Einzelne bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. (). 
p. 254 A. 148 und Schönborn a. a. (), In Epidauros springt zwar das Pro- 
scenium an beiden Ecken um etwas mehr als einen Meter rechtwinklig vor, doch 
sind diese etwa ebenso breiten Vorsprünge nicht als Seitenflügel zu bezeichnen, 
da sie nicht durch Mauern von der Bühne abgesondert sind. Dahingegen ist 



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28 §• 5. Der Zuschauerraum und die Orchestra. 

nirgends erhalten ') ; dass auch die Bühne bedeckt war, ist neuer- 
dings wahrscheinUch gemacht worden*). 

§. 5. 

Der Zuschauerraum und die Orchestra. 

Der sich dem Grundkreise anschhessende Zuschauerraum-*) 
bildete mit seinen lüntereinander aufsteigenden Sitzreilien ein über 
den Halbkreis hinausgehendes Kreisstück. In den meisten Ruinen 
folgen die Sitzreihen der Peripherie des Kreises, so dass ihre Flügel 



hier im Osten und Westen der Bühne, wie aus Mauerresten geschlossen ist, je 
eine Rampe vorhanden gewesen, auf der man zur Bühne hinaufsteigen konnte. 
Ob dieselben bedeckt waren, ist nicht ersichtlich; der Zugang zu den Rampen 
war durch Thüren verschlossen, deren Schwellen etwa 1 m über dem Stylobat 
der Skenenvorderwand und 2*/« lo unter der oberen Fläche der Bühne lagen. Dicht 
neben diesen Thüren lagen zwei andere, durch welche man zur Orchestra hinab- 
stieg. Die Vordermauem dieser Rampen, welche die offenen Eingänge zur 
Orchestra flankierten, traten von der Gränze des Prosceniums ab in schräger 
Linie etwas zurück, doch nicht genug, um mit den Stützwänden der Sitzreihen 
I)araliel zu laufen; die Hintermauem liegen mit der Hinterwand der Bühne in 
derselben Linie. In den schrägen Vorderwänden befindet sich da, wo sie an 
die Vorsprünge des Prosceniums stosseu, je eine zweiflügelige Thür, durch die 
man aus den unter den Rampen belegenen Räumen in die offenen Eingänge 
zur Orchestra gelangen konnte. Es sind darin die für den Chor durchaus noth- 
wendigen Eingangsthüren zu erkennen, welche bislang an den Monumenten noch 
nicht nachgewiesen waren, und die ich Philolog. XXXV, p. 321 A. 16 voraus- 
gesetzt habe. Hinter den Rampen lagen noch zwei grosse Räume von gleicher 
Tiefe, wie das hinter der Bühne liegende Gebäude; derFussboden derselben liegt 
in gleichem Niveau mit den östlichen und westlichen Eingangsthüren. Da der 
westliche Raum im Westen eine Thür hatte (briefliche Mittheilung von Dörp- 
feld), so wird sich eine entsprechende für den östlichen voraussetzen lassen. 
Vgl. Ilpaxttxa a. a. 0. Taf. I, 3; Taf. II, 1—6, und oben pag. 5 und 6 Fig. 1 
und 2. Das Peiraieustheater hatte, nach den Fundamenten zu schliessen, \vie die 
römischen Theater Seitenflügel, welche um 2,60 m vor der Bühnenhinterwaud 
vorsprangen und je 5,50 m breit waren. Curtius und Kaupert a. a. 0. p. 67. 
Ueber das Dionysostheater s. Jj. 10. 

^) Vermuthungen über dessen Constructiou bei Strack, D. altgr. Theatergeb., 
p. 5 f., und Schönborn p. 95 ff. Mehr bei AVieskler, E. u. Gr., p. 255 A. 150. 

^) Lohde p. 4 f. u. Fig. 6 u. 7 nimmt auf Grnmd von Spuren am Bühneugebäude 
zu Aspendos mit Texier eine schräg aufsteigende Bedeckung der Bühne und ein für 
diese und das Bühnengebäude zugleich bestimmtes Pultdach an. Aehnliche Con- 
stniction für Orange daselbst p. 5 und Fig. 1 — 4. Dagegen Wikseler a. a. O. 

*j Vgl. über diesen ganzen Abschnitt die ausserordentlich eingehende Aus- 
führung von AVieseler, E. u. Gr. LXXXUI, p. 243 ff. 



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§. 5. Der Zuschauerraum und die Orchestra. 29 

sich einander nähern ^) ; es zeigt sich aber auch mehrfach das Be- 
streben, die Plätze auf den Flügeln dadurch zu verbessern, dass 
diese, soweit sie über den Halbkreis hinausgehen, auf Tangenten 
parallel fortgeführt werden 2). Theater, deren Zuschauerraum einen 
reinen Halbkreis bildet, sind durchgehends als römische anzusehen *). 
Die griechischen Theater selbst unterscheiden sich in der Anlage 
darin, dass bei einer gi-ossen Anzahl von Gebäuden die Verlänge- 
rungen der die Flügel der Sitzreihen absclüiessenden Linien in der 
Orchestra unter einem stumpfen Winkel zusammentreffen — wo sich 
denn die Eingänge zwischen dem Bühnengebäude und den Sitzreihen 
allmählich erweitern; — während bei anderen Theatern jene Ver- 
längerungen eine der Bühnenwand und eventuell den Vorderwänden 
der Seitenflügel parallele Linie bilden, so dass die Eingänge in ihrer 
ganzen Ausdehnung von parallelen Mauern begiänzt werden. Jene 
erstere Form findet sich bei den meisten Theatern Kleinasiens, auf 
einigen Inseln und bei einigen festländischen Gebäuden*); die letztere 
begegnet vorwiegend in Sicilien, aber auch bei einzelnen anderen 
Theatern *). Von der kreisbogenförmigen Gestalt des Zuschauer- 

') So zu Side, Myra, Patara, Telmissos, Stratonikeia, lasos, Milet, Lao- 
düceia, Hierapolis» Aizanoi, Pessinus, Gabala, Delos, Hhiniassa, Tjudaris, Kady- 
anda^ Kibyra u. a. m.; vgl. die betreffenden Grundrisse bei "WresKXER. Penlcm. 
d. B. und m. Jahresb. Philoloff. XXIII, p. 291. Schönborn, Skene d. Hell., p. 58 ff. 

*) So zu Akrae, Termessos nach Wieskler, Athen (Juluts in Lützow's 
Ztschr. f. bild. Kunst XHI. Plan zu pag. 200 und unten unsere Fig. 7), im Theater im 
Peiraieus (Cürtius und KaupertJ Karten von Attika, Text p. 67) u. a. m. Zu 
Epidauros bilden die Sitzreihen ^ine Ellipse, deren drei Centren Dörpfeld durch 
Messungen und Berechnungen gefunden hat. Vgl. Hpaxttxdt a. a. 0., Tafel T, 3 und 
oben pag. 5 Fig. 1. Für die acht mittleren Keile ist es der Punkt A (Radius 
12,25 ra; auf d. Plane fälschlich 12,35 m.), für die beiden westlichen der Punkt B 
(Radius 15,90); für die beiden östlichen der Punkt F (Radius ebenfalls 15,90). 

*) Vgl. Schönborn a. a. 0. 'p. 58. Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 243, 
A. 54 vermuthet auch für das Theater zu Mitylene einen halbkreisförmigen Sitz- 
raum, da das Pompejustheater zu Rom (Wieseler, P. d. B. II, 12 A), dem 
jenes nach Plut. Pomp. 42: Yio^ei«; $e tcj) ^eaxpq) nzpir^pr^axo xh cl^oc; aotoö xal 
xhv TüTTOV, u»^ o(JLOiov oticep'C'^'SOjxsvo? xb SV 'Pcojx'jj, fjLStCov ^i xal C5|JLv6T£pov zum 
Muster gedient haben soll, einen solchen zeige. 

*) So zu Side, Myra, Patara, Telmissos, lasos, Milet, Hierapolis, Aizanoi, 
Pessinus, Termessos, Kadyanda, Oinoanda, Balbura, Kibyra, Delos, Melos, Man- 
tineia, Epidauros, Athen, Peiraieus. 

^) So zu Syrakus, Akrae, Segeste, Tjmdaris, Tauromenion, Gabala, Mega- 
lopolis, Rhiniassa. Die wenigen kleinasiatischen Theater dieser Kategorie, z. B. 
Assos, Alexandreia Troas, Anemurion, Teos, Pompejojmlis stammen aus römischer 
Zeit. S. WiKSELER, E. u. (4r. p. 243, A. 52, 



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30 S« •>• I^^*i' Zuschauerraum und die Orcliostra. 

raums giebt es einige Ausnahmen '). Die Sitzreihen der griechischen 
Theater wurden fast immer an einem Abhänge angelegt, wodurch 
die bedeutenden Kosten des bei den Römern übhchen massiven 
Unterbaus gespart wurden'-); daher w^ar die Beschaflfenheit des 
Terrains von der wesenthchsten Bedeutung für die Anlage der Sitz- 
stufen. AVar Felsboden vorhanden, so hieb man dieselben wohl 
unmittelbar aus dem Felsen*); bestand der Boden aus Erde, so 
wurden nach Aptierung des Platzes die einzelnen Bestandtheile der 
steinernen Stufen entweder direct, oder nach Einfügung einer geeig- 
neten Unterlage auf dem gewachsenen Boden angebracht *) ; nöthigen- 



') Hervorzuheben sind das Theater zu Anemurion (Wieseler, D. d. B., 
A,ll), dessen Sitzreihen der Sphendone eines Stadiums gleichen. WennWiESELER 
a. a. O. p. 244, A. 55 auch das Theater zu Messene hieher rechnet, so liegt 
wahrscheinlich eine Verwechslung mit den Ruinen des Stadiums vor, vgl. Bfr- 
siAN, Gr. Geog. II, 167. Ferner das Theater am Letoon (AVieseler A, 4) und das 
sogen. Odeion zu Kibyra (ibid. 10), bei denen sich an die kreisförmige obere 
Partie der Sitzreihen die parallelen Flügel unter scharfer Ecke anschliessen ; 
ganz unregelmässige Form hat das Theater zu Thorikos, Wieseler a. a. O. I, 
25 und besser Bursian a. a. O. I, 353. Peltz, Arch. Zeitung 1878, p. 29. 

'^) Vitruv. V, 3, 3: fundamentorum autem, si in montibus fuerint, facilior 
est ratio, sed si necessitas coegerit in piano aut palustri loco ea constitui, soli- 
dationes substructionesque ita erunt faciendae, quemadmodum de fundationibus 
aedium sacrarum in tertio libro est scriptum, insuper fundamenta lapideis et 
marmoreis copiis gradationes ab substructione fieri debent. Ausnahme ist das 
Theater zu Mantineia, dessen Unterbau durch künstliche Aufschüttung herge- 
stellt ist und durch eine polygone Mauer gestützt wird. WresELER, D. d. B., 
p. 6 zu I, 21. Künstlich hergestellte Anhöhe 'auch zu Eretria nach Ross, Gr. 
Königsr. IT, 117 und bei den bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0., p. 232, A. 1 
genannten Theatern zu Dion, Aphrodisias und Soloi. Das kleine Theater zu 
Messene ruhte auf einem viereckigen steinernen Unterbau. Cürtius, Pelop. II, 14.5. 
Welcker, Tageb. I, 253. Bursian, Geogr. II, 167. Vischer, Erinnerungen 
u. 8. w., p. 447 ; auf einem Unterbau nach römischer Art das Theater zu Milet, 
WiESBLER, Denkm. d. B., p. 3. Zu dieser Kategorie gehören noch die kleineren 
Theater zu Xikopolis, Hierapytna, Gortyna und Chersonesos auf Kreta u. a. m. 
S. Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. A. 2. 

') Dies geschah häufiger in Griechenland als in Kleinasien, Leake, As. min. 
p. 327. Dort in Chaeroneia (Ross, Gr. Königsr. I, 4t ; Burs., Geogr. I, 205), 
in Argos (Wieseler, D. d. B., p. 7 zu I, 22), Sikyon libid. zu I, 24 und Curth^s 
a. a. 0. II, 490); zum Theil im Dionysostheater zu Athen, vgl. unten §. 10. 
Vielleicht in den- Theatern zu Lyktos und Gortyna nach Belli bei Falkener, 
Theat. in Crete, p. 18 u. 21. 

*) Ueber das Dionysostheater s. unten §. 10. Im Odeion des Herodes 
haben die Sitzreihen einen Unterbau \tm Steinen und Mörtel, oder sind wenig- 
stens in Mörtel eingelassen. Scihllbach. Odeion des Herodes Attikos. p. 20 



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§. 5. Der Zuschanerraum und die Orchestra. 31 

falls wurde auch der Abhang durch einen massiven Anbau vervoll- 
ständigt, namentlich mussten meist die beiden Flügel der Sitzreihen 
künstlich hergestellt werden *). Die einzelne Stufe bestand aus dem 
Sitz und einem Platze für die Füsse der Hintermänner, welcher 
letztere zugleich als Circulationsgang diente und meist etwas vertieft 
war^); mitunter ist indessen dieser Baum in zwei Abtheilungen zer- 
legt, von denen die zum Aufsetzen der Füsse bestimmte etwas höher 
ist, als der davorhegende Gang^). E'ür die Höhe der Sitzstufen 
stellt Vitruv als Älaximum 0,4066 m und als Minimum 0,3696 m 
auf, während die Gesammttiefe derselben sich zwischen 0,7392 m 
und 0,5914 bewegen soll, womit auch im Allgemeinen die Ruinen 
übereinstinunen *). Die Profile der Stufen sind verschieden ; theils 
bildet die Vorderseite mit der Sitzfläche einen rechten Winkel und 
föllt selbst lothrecht ab*^); theils hat die Sitzfläche bei sonst gleicher 
Construction der Vorderseite einen kleinen Vorsprung ^) ; theils zieht 
sich die Vorderseite in schräger Linie zurück'); auch künstlichere 
Formen finden sich, welche wie jene einfacheren darauf berechnet 



*) Ergänzungen aus Mauerwerk zu Argos, Sparta und Gytheion, s. CniTnis, 
Pelop. n, 352, 220, 270. 

*) S. die Profile der Sitzstufen aus verschiedenen Theatern bei Wikseler, 
D. d. B. m, 13, 15 und t], t, x, jjl, 4, t, o, rp, y^-^ über das Dionysostheater 
unten § 10 Fig 8; über Epidauros llpaxtcxa a. a. O., Taf. I, 2. Die Vertiefung 
fehlt im Theater zu Dramyssos (Wieseler a. a. 0. III, 14) und Sikyon (ibid. f.) 
u. a. m. Mehr bei Wikseler, E. u. Gr. a. a. O., p. 247, A. 78. 

•) So im Dionysostheater, unten Fig. 8; im Odeion des Herodes, Schill- 
bach Taf. II und p. 21; in Laodikeia, Wieseler, D. d. B. III, ^; im Theater zu 
Epidauros, nur im unteren Stockwerke, ^A(K|va'.ov X, p* 56 und llpaxr.xa a. a. ()., 
Taf. I, 2; im Theater im Peiraieus, Cürtiüs und Kaupert a. a. 0., p. 67. 

*•) Vitruv. V, 6, 3: gradus spectaculorum, ubi subsellia (die gewöhnlichen 
Sitzstufen, nicht etwa besondere Sessel) componantur, ne minus alti sint palmo, 
ne plus pede et digitis sex, latitudines eorum ne plus pedes duo semis, ne 
minus pedes duo constituantur. Vgl. III, 1, 8: relinquitur pes quattuor pal- 
morum, palmus autem habet quattuor digitos, und zur Reduction Hitltsch, Metro- 
logie p. 302, VI, B. lieber das Dionysostheater s. unten § 10. In Epidauros 
sind die Stufen 0,367 m hoch und etwa 0,35 tief; UpaxTtxd a. a. 0. Im Peiraieus- 
theater: Gesammttiefe 0,83 m; Höhe 0,305 m. Cürtius und Kaüpert a. a. (). 

*) So zu Syrakus (Strack, Altgr. Th. IX, 6; Wieseler, D. d. B. III, 15), 
Akrae (Wieseler III, o), Katana (ibid. ^), Aizanoi (Strack IX, 5). Diese Form 
ist mehr aus späteren Theatern bekannt. 

®) Sikyon (Wieseler a. a. O. III, p), Mantineia (ibid. jt), Epidauros 
(IIpaxTtx(i a. a. O. Taf. I, 2», Patara (Strack IX, 3). 

') Tauromenion (Wikseler III, x). 



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32 S- ^' r)pr ZuschaueiTaum und die Orcliestra. 

sind, Raum zum Zurückziehen der Füsse zu bieten '). Die Ober- 
fläche der Sitzplätze bildet meist eine horizontale Linie, oder ist 
leicht nach hinten geneigt^); es haben sich auch vertiefte Sitze er- 
halten, welche auf Anwendung von Sitzkissen deuten ^). Steinerne 
Rücklehnen finden sich selten und zwar nur bei den zunächst unter- 
halb oder oberhalb eines Umgangs Hegenden Reihen^); davon, dass 
hölzerne Lehnen eingesetzt wurden, haben sich Spuren erhalten^). 
Seitenlehnen scheinen nur neben Treppen üblich gewesen zu sein"). 
Die einzelnen Sitze waren mit einer Ausnahme in keiner Weise von 
einander gescliieden '). Neben diesen Reihensitzen finden sich noch 
bevorzugte Plätze auf besondem Lehnsesseln, welche auf niedrigeren 

') In Stratonikeia, Side, lasos, Laodikeia, Melos, Sparta, Megalopolis 
(Wieseler III, a, C, ''l, ^, i» v«? f- und Stra(^k IX, 4). Mehr Wieseler, E. u. Gr. 
a. a. 0. p. 247, A. 86. 

*) Im Theater zu Epidauros (Dodwell, Class. Tour 11, p. 258; auf der 
mehrfach citierten Darstellung in den Ilpaxxixd nicht zu bemerken), im kleinen 
Theater zu Melos (Welcker zu Müll. Archäol. § 289, 6). 

•) Zu Sparta (Strack IX, 4 und Wieseler, D. d. B. III, x). Auch wo sonst 
die Höhe der Sitzstufen gering ist, scheint man auf Kissen gesessen zu haben. 
Vgl. unten §§ 10 und 20. 

*) Zu Patara s. Strack IX, 3. In Epidauros befinden sich sowohl auf 
der untersten und obersten Stufe des unteren Stockwerkes, als auch auf der 
untersten Stufe des oberen Stockwerks an den Sitzen Lehnen; die jedesmal der 
untersten Stufe angehörenden Sitze sind geschmackvoller profiliert, als die der 
obersten Stufe des unteren Stockwerks. Sie waren wahrscheinlich für ange- 
sehene Curgäste bestimmt. Vgl. W^vaiov X, p. 56 ff. und Hpaxx'.xa a. a. 0., 
Taf. I, 2. 4. 6. 7. Auch im Odeion des Herodes Atticus hatte die unterste 
Stufe eine Rücklehne. Schillbach a. a. 0. p. 21 und Taf. 11. 

*) Zu Syrakus ist die erste Sitzreihe vor dem Umgang mit einer niedrigen 
Lehne versehen, in der sich ein schräger Falz zum Einsetzen der hölzernen 
Rücklehnen befindet. Wieseler, D. d. B., p. 27 zu III, 15; deutlich erkennbar 
auf der mir vorliegenden Photographie, nach der unsere Figur 3, pag. 8 her- 
gestellt ist. 

•) Zu Epidauros haben die mit steinerner Rücklehne versehenen Sitz- 
stufen, wo sie an die Treppe stossen, auch Armlehnen. Ilpaxttxot a. a, O. 
Ebenso im Odeion des Herodes Atticus. Schillbach a. a. 0. 

') Dies gegen Strack p. 2: „Die Sitze waren durch Linien abgetheilt und 
numeriert.** Was im Anschluss hieran von mir Philolog. XXIII, p. 293 f. aus- 
geführt ist, ist auf das römische Theater zu beschränken und gehört nicht hieher- 
Vgl. Quintil. Inst. or. XI, 3, 133: transire in diversa subsellia parum verecundum 
est, nam et Cassius Severus urbane adversus hoc facientem lineas poposcit. 
Arnold, Das römische Theatergebäude, p. 9. Ueber ein eigenthümliches System 
von Linien, welches sich ausnahmsweise im Dionysostheater findet, siehe die 
Beschreibung desselben §. 10. 



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S. 5. Der Zuschauerraum und die Orchestra. 33 

und breiteren Stufen zusammengestellt wurden nicht nur auf der 
oder den untersten Stufen, sondern auch in höheren Reihen; auch 
einzelne Sessel an verschiedenen Stellen des Zuschauerraumes haben 
sich gefunden ^). Was sich von diesen erhalten hat, gehört jedoch 
späterer Zeit an. 

Um den Zugang zu den einzelnen Plätzen und das sichere Auf- 
finden dieser zu ermöglichen, musste der Gesammtbau der Sitzreihen 
in verschiedene Abschnitte getheilt werden. Vertical geschah dies 
durch die Treppen, durch welche die Zerlegung in Keile, horizontal 
durch die Absätze, durch welche die Zerlegung in Stockwerke her- 
gestellt wurde. Hinsichtlich der Troppen fordert Vitruv die Anlage 
von 8 von unten bis oben durchlaufenden, zwischen denen dann im 
oberen Stockwerke 7 neue eingeschaltet werden sollen; hiefür finden 
sich indessen in den Ruinen nur selten Belege^). Die Zahl der 
Treppen ist regelmässig grösser. 

Einschaltung beobachtet man in Patara, Laodikeia, Side, Dra- 
myssos, Aspendos, Termessos u. a. m.; etliche Male, wie in M}Ta, 
Stratonikeia u. a. m., sind die Treppen in den verschiedenen Stock- 
werken wechselsweise angelegt; am häufigsten aber findet man, dass 
dieselben von unten bis oben in einer Linie durchlaufen^ z. B. in 
lasos, Telmissos, Hierapolis, Rhiniassa, S}Takus, Tyndaris, Segeste 
u. s. f.'*). Da bei der gesammten Anlage möglichst auf Raum- 

^) Ahbildunpfen der im Dionysostheater erhaltenen SesRel bei Linder, Dit)ny- 
sostheater in Athen, Stockholm 1865 (aus Tidskrifl för Bygr^nadskonst och 
Inj<eniörveteh8kap) Taf. XXXII, Fig. 8—13, und unsere Fig. 8—12 zu §. 10. 
Diese Sessel haben sämmtlich Rück-, zum Theil auch Seitenlehnen. Im Odeion zu 
Melos bildete eine Reihe solcher, jetzt vermuthlich j^änzlich verschwundener, Sessel 
wahrscheinlich die oberste Sitzreihe. Bübsian, Geogr. IT, 500, Anm. 2. Roas, Tnsel- 
reisen JTI, 6. Mehr Wiesfxer, E. u. Gr. a. a. 0. p. 246, Anm. 67. lieber 
den vereinzelten Sessel des Eubiotos im Dionysostheater s. unten §. 10. Im 
Theater zu Catania stand in jedem Keile ein Ehrensessel: von einem ist ein 
Rest erhalten, Holm, das alte Catania. Lübeck 1873, p. 15. Wieseler, D. d. B., 
p. 11 zu II, 5 A. Mehr bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 249, A. 105. 

*) Vitruv. V, 7, 2: pn^dationes scalarum int er cuneos et sedes contra quadra- 
torum angulos dirijjantur ad primam praecinctionem, a praecinctione inter eas 
iterum mediae dirisjantur, et ad summam quotiens praecingimtur, altero tanto 
semper amplificantur. Nach Yitruv's Grundplan (vgl. oben p. 17) fallen 
8 Quadratecken in den Zuschauerraum ; 8 Treppen finden sich im Th. zu Kady- 
anda (Wieseler, D. d. B., A. 6). 

') Vgl. zu sämmt liehen Beispielen die Grundrisse bei Wieseler. In Epi- 
dauros hat das untere Stockwerk 12, das obere 22 Keile, so dass den beiden 
äussersten Keilen des unteren Stockwerks im obern nicht je zwei, sondern nur 
Hermann, Lehrbach III. II- 3 



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32 §• ^' I^t*r Zuschauerraum und die Orchestra. 

siiul, Raum zuni Zurückziehen der Füsse zu bieten '). Die Ober- 
fläche der Sitzplätze bildet meist eine horizontale Linie, oder ist 
leicht nach hinten geneigt^); es haben sich auch vertiefte Sitze er- 
halten, welche auf Anwendung von Sitzkissen deuten ^). Steinerne 
Rücklehnen finden sich selten und zwar nur bei den zunächst unter- 
halb oder oberhalb eines Umgangs hegenden Reihen"*); davon, dass 
hölzerne Lehnen eingesetzt wurden, haben sich Spuren erhalten'*). 
Seitenlehnen scheinen nur neben Treppen übUch gewiesen zu sein"). 
Die einzelnen Sitze waren mit einer Ausnahme in keiner Weise von 
einander geschieden'). Neben diesen Reihensitzen finden sich noch 
bevorzugte Plätze auf besondem Lehnsesseln, welche auf niedrigeren 

') In Sti-atonikeia, Side, lasos, Laodikeia, Melos, Sparta, MegalopoKs 
(WiKSELER in, a, C, r^, t>, t, X, K und Strack IX, 4). Mehr Wieseler, E. u. Crr. 
a. a. 0. p. 247, A. 86. 

*) Im Theater zu Epidauros (Dodwell, Class. Tour II, p. 258; auf der 
mehrfach citierten Darstelhmg in den IJpaxx'.xd nicht zu bemerken), im kleinen 
Theater zu Melos (Welcker zu Müll. Archäol. § 289, 6). 

•) Zu Sparta (Strack IX, 4 und Wieseler, D. d. B. III, x). Auch wo sonst 
die Höhe der Sitzstufen gering ist, scheint man auf Kissen gesessen zu haben. 
Vgl. unten §§ 10 und 20. 

*) Zu Patara s. Strack IX, 3. In Epidauros befinden sich sowohl auf 
der untersten und obersten Stufe des unteren Stockwerkes, als auch auf der 
untersten Stufe des oberen Stockwerks an den Sitzen Lehnen; die jedesmal der 
untersten Stufe angehörenden Sitze sind geschmackvoller profiliert, als die der 
obersten Stufe des unteren Stockwerks. Sie waren wahrscheinlich für ange- 
sehene Curgäste bestimmt. Vgl. 'At*Hjvaiov X, j). 56 ff. und llpaxtixd a. a. O., 
Taf. I, 2. 4. 6. 7. Auch im Odeion des Herodes Atticus hatte die unterste 
Stufe eine Rücklehne. Schillbach a. a. 0. p. 21 und Taf. 11. 

*) Zu Syrakus ist die erste Sitzreihe vor dem Umgang mit einer niedrigen 
Lehne versehen, in der sich ein schräger Falz zum Einsetzen der hölzernen 
Rücklehnen befindet. Wieseler, D. d. B., p. 27 zu III, 15; deutlich erkennbar 
auf der mir vorliegenden Photographie, nach der imsere Figur 3, pag. 8 her- 
gestellt ist. 

•) Zu Epidauros haben die mit steinerner Rücklehne versehenen Sitz- 
stufen, wo sie an die Treppe stossen, auch Armlehnen. Ilpaxxixa a. a. O. 
Ebenso im Odeion des Herodes Atticus. Schillbach a. a. 0. 

^) Dies gegen Strack p. 2 : „Die Sitze waren durch Linien abgetheilt mid 
numeriert." Was im Anschluss hieran von mir Philolog. XXIII, p. 293 f. aus- 
geführt ist, ist auf das römische Theater zu beschränken und gehört nicht hieher- 
Vgl. Quintil. Inst. or. XI, 3, 133 : transire in diversa subsellia parum verecundum 
est, nam et Cassius Severus urbane adversus hoc facientem lineas poposcit. 
Arnold, Das nimische Theatergebäude, p. 9. Ueber ein eigenthümliches System 
von Linien, welches sich ausnahmsweise im Dionysostheater findet, siehe die 
Beschreibung desselben §. 10. 



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§. 5. Der Zuschauerraum und die C)rchestra. 33 

und breiteren Stufen zusammengestellt wurden nicht nur auf der 
oder den untersten Stufen, sondern auch in höheren Reihen; auch 
einzelne Sessel an verschiedenen Stellen des Zuschauerraumes haben 
sich gefunden *). Was sich von diesen erhalten hat, gehört jedoch 
späterer Zeit an. 

Um den Zugang zu den einzelnen Plätzen und das sichere Auf- 
finden dieser zu ermöglichen, musste der Gesammtbau der Sitzreihen 
in verschiedene Abschnitte getheilt werden. Vertical geschah dies 
durch die Treppen, durch welche die Zerlegung in Keile, horizontal 
durch die Absätze, durch welche die Zerlegung in Stockwerke her- 
gestellt wurde. Hinsichtlich der Troppen fordert Vitruv die Anlage 
von 8 von unten bis oben durchlaufenden, zwischen denen dann im 
oberen Stockwerke 7 neue eingeschaltot werden sollen; hiefür finden 
sich indessen in den Ruinen nur selten Belege'*). Die Zahl der 
Treppen ist regelmässig grösser. 

Einschaltung beobachtet man in Patara, Laodikeia, Side, Dra- 
myssos, Aspendos, Termessos u. a. m.; etliche Male, wie in Äf^Ta, 
Stratonikeia u. a. m., sind die Treppen in den verschiedenen Stock- 
werken wechselsweise angelegt; am häufigsten aber findet man, dass 
dieselben von unten bis oben in einer Linie durchlaufen^ z. B. in 
lasos, Telmissos, HierapoHs, Rhiniassa, Syrakus, Tyndaris, Segeste 
u. s. f."). Da bei der gosammten Anlage möglichst auf Raum- 

^) Abbildungen der im Dionysostheater erhaltenen Sessel bei Lindkr» Diony- 
sostheater in Athen, Stockholm 1865 (aus Tidskrill för Byggnadskonst och 
Injfeniörvetenskap) Taf. XXXII, Fig. 8—13, und unsere Fig. 8—12 zu §. 10. 
Diese Sessel haben sammtlich Rück-, zum Theil auch Seitenlehnen. Im Odeion zu 
Melos bildete eine Reihe solcher, jetzt vermuthlich gänzlich verschwundener, Sessel 
wahrscheinlich die oberste Sitzreihe. Bursian, Geogr. II, 500, Anm. 2. Ross, Insel- 
reisen III, 6. Mehr Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 246, Anm. 67. Ueber 
den vereinzelten Sessel des Eul)iotos im Dionysostheater s. unten §. 10. Im 
Theater zu Catania stand in jedem Keile ein Ehrensessel : von einem ist ein 
Rest erhalten, Holm, das alte Catania. Lübeck 1873, p. 15. Wieseler, D.d. B., 
p. 11 zu II, 5 A. Mehr bei Wie«eler, E. u. Gr. a. a. O. p. 249, A. 105. 

*) Vitruv. V, 7, 2: gradationes scalarum inter cuneos et sedes contra quadra- 
torum angulos dirigantur ad primam praecinctionem, a praecinctione inter eas 
iterum mediae dirigantur, et ad summam quotiens praecinguntur, altero tanto 
semper amplificantur. Nach Vitruv's Grundplan (vgl. oben p. 17) fallen 
8 Quadratecken in den Zuschauerraum; 8 Treppen finden sich im Th. zu Kady- 
anda (Wieseler, D. d. B., A. 6). 

') Vgl. zu sämmt liehen Beispielen die Grundrisse bei Wieseler. In Epi- 
dauros hat das untere Stockwerk 12, das obere 22 Keile, so dass den beiden 
äussersten Keilen des unteren Stockwerks im obern nicht je zwei, sondern nur 

Hermann, Lehrbach III. H* ^ 



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34 S- •^. ^^^ ZiiRchauerrauni und die Orcbcstra. 

erspariiiss Bedacht genommen wurde, so erhielten die Treppen nur 
die Breite, welche zur Benutzung durch eine Person zur Zeit er- 
forderlich war *). Auf jede Sitzstufe kamen zwei Treppenstufen *). 
Die Absätze, durch welche die in allen Theatern, mit Ausnahme der 
kleinsten, vorhandenen Stockwerke abgetheilt sind^), werden durch 
etwa vierfache Erhöhung einer Sitzstufe gebildet; sie bilden ihrer- 
seits wieder den Fussplatz für die folgende Stufe. Fast immer be- 
findet sich vor ihnen ein breiter Umgang*). Vitruv's Vorschrift, 



je einer, und zwar ein schmalerer, entspricht; Folge der Terrainverhältnisse. 
Vgl. Ilpav.Tixoc a. a. O., p. 46 u. oben p. 5 Fig, 1. WO-Yjva'.ov X, p. 58 nahm 
Kabbadias im oberen Stockwerk 24 Keile an. 

') Im Dionysostheater beträgt die durchschnittliche Breite der Trep])en 
m 0,70. Vgl. unten §. 10. 

*) lieber Aspendos s. Schönborn a. a. O. p. 94. Ausnahme im Dionysos- 
theater, wo auf jede Sitzstufe nur eine Treppenstufe kommt, vgl. §. 10. — Von 
einem Treppensystem unter den Sitzreihen und demselben entsprechenden Corri- 
doren und Vomitorien konnte in den an einen Abhang addossierten griechischen 
Theatern nicht die Rede sein; demnach waren die Sitzreihen in solchen Theatern 
nur von innen zugänglich; in Epidauros hatte das obere Stockwerk l)esondere 
Zugänge von aussen. Vgl. npaxtixa a. a. 0. Wo jedoch ein Theil der Sitz- 
reihen auf Mauerwerk ruht, finden sich auch in griechischen Theatern unter 
den Sitzen Corridore, welche durch Vomitorien mit dem Innern verbunden sind; 
vgl. die Bemerkungen Wikskler's zu den Theatern in Side (p. 2), Milet (j). 3», 
Hierapolis (p. 4), Sikjon (p. 7), Segeste (p. 10); im Odeion zu Knidos waren 
die Sitzreihen von oben von einer hinter dem Gebäude liegenden Terrasse aus 
zugänglich (p. 2), in Termessos fand sich ein offener Eingang von oben (p. 104\ 
Auch im Peiraieustheater ruhte der obere Theil der Sitzreihen auf künstlichen 
Substructionen. Curtius u. Kaitppkrt, Karten von Attika, Text 1, p. 66, A. 42. 
Ueber einen durch die Cavea des Dionysostheaters führenden Weg s. unten §. 10. 
") Die meisten Theater haben zwei Stockwerke, das zu Argos (Wieselkr I, 22) 
drei; ebenso das grosse Theater zu Ephesos, wo im untern und mittlem 11 Keile 
und 12 Treppen, im ol^ern 22 Keile und 23 Treppen existieren. Wood, Dis- 
coveries at Ephesus, Taf. zu p. 68. 

*) Beispiele von Patara und Syrakus bei Strack IX, 3. 6, wo auch sichtbar 
ist, wie durch verständige Anlage von Treppenstufen dafiir gesorgt A\nirde, dass 
die Communication durch die Absätze keine Unterbrechung erlitt. In Epidauros 
ist der Umgang 1,90 m breit, der Absatz 1,36 hoch; die unterste mit Lehnen 
versehene Sitzreihe des oberen Stockwerks liegt etwas zurück, so dass vor der- 
selben eine freie Fläche von 0,60 m bleibt. ■AiS-fjVatov X, j). 56, und Ilpaxx'.x'x 
a. a. O., Taf. I, 2. Vgl. femer die Durchschnitte des Zuschauerraums von 
Stratonikeia, Dramyssos und Syrakus bei Wieskler, D. d. B. Ill, 13 — 15; die 
Ansicht und den Durchschnitt des Theaters von Aspendos bei Wieseler, E. u. Uv. 
a. a. ()., Tafel, Fig. 5 und 7, vgl. mit Schönrorn p. 94 und oben p. 8, Fig. 3. 
— Ein niedriger Absatz ohne darunter liegenden Umgang findet sich in Syrakus, 



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S. ft. Der ZuBchauerraum und dio Orchestra. 35 

die Absätze nicht höher zu machen, als die Umgänge breit, ist fast 
durchweg beobachtet*). 

Meistens scheinen die Sitzreihen nur durch eine kleine Stufe 
von der Orchestra geschieden gewesen zu sein, mitunter findet sich 
vor der untersten Sitzreihe ein breiter Umgang, oder gar eine der 
Bogenlinie der Sitzstufen sich anschliessende Mauer, die jedoch den 
freien Ausblick der unmittelbar dahinter sitzenden Personen nicht 
beschränken durfte^). Nach den offenen Eingängen^) zu, welche 



und zwar nach Wieseler, D. d. B. lU, 15 und E. u. Gr. a. a. 0. p. 250, 
A. 116 nur einmal im untern Stock um die zur Auftiahme von Sesseln be- 
stimmten Stufen abzusondern; nach unserer Figur 3 existiert jedoch ein solcher 
Absatz ohne Umgang im untern Stock weiter hinauf zweimal, während der von 
WiESELER signalisierte nicht erkennbar ist. Richtiger ist, was Wieseler, D. d. B. 
p. 10 in dieser Beziehung mittheilt. — Ein Umgang ohne Absatz darüber im 
Dionysostheater unmittelbar hinter der Sesselreihe an der Orchestra. S. unten 
§. 10, Fig. 8. Ebenso in Epidauros hinter den bevorzugten Sitzen auf der 
untersten Reihe in beiden Stockwerken. Aehnliches im Odeion des He- 
rodes, nach Sohillbach a. a. O. p. 21, vgl. Philolog. XXIII, p. 505 f. Im 
kleineu Theater zu Pompeji sind die vier untersten für Sessel bestimmten Stufen 
durch eine dünne Wand abgeschieden, hinter welcher der I^mgang liegt. Siehe 
Overbeck, Pompeji p. 146, Fig. 94; besser Gsell-Fels, Unteritalien I, p. 513. 

*j Vitruv. V, 3, 4 : praecinctiones ad altitudines theatrorum pro rata parte 
faciendae videntur, neque altiores quam quanta praecinctionis itineris sit lati- 
tudo, si enim excelsiores fuerint, repellent et eicient e superiore parte vocem 
nee patientur in sedibus summis, quae sunt supra praecinctiones, verborum casus 
certa significatione ad aures pervenire. et ad summam ita est gubemandum, uti 
linea cum ad imum gradum et ad summum extenta fuerit, omnia cacumiua 
graduum angulosque tangat, ita vox non impedietur. Vgl. ausser den angeführten 
Stellen über Stratonikeia, Aspendos und Syrakus das von CrRTirs, Pelop. II, 
352 über Argos Gesagte. 

*) Ein blosser Umgang im Theater zu Syrakus nach p. 8, Fig. 3 und zu 
Aspendos nach Wieseler, E. u. Gr., Fig. 7, wo auch die Treppen sichtbar sind, 
welche aus der Orchestra zu der untersten Sitzreihe führten. Vgl. die be- 
treffenden Abbildungen aus den Theatern zu Stratonikeia und Spart« bei 
Strack IX, 2 und 5. Auch in Patara, Wieseler, D. d. B. p. 2 zu I, 5. Im 
Peiraieustheater lagen vor der untersten Sitzreihe zwei schräg ansteigende Tritt - 
stufen, CüRTius und Kaupert a. a. O. p. 67. — Die aus später Zeit stammende 
Mauer hat sich erhalten im Dionysostheater; vgl. §. 10, Fig. 8 und Wieseler, 
E. u. Gr., Fig. 2a und 2b, und im kleinen Theater zu Pompeji mit der pag. 34, 
Anm. 4 erwähnten Modification. In diesen und ähnlichen Fällen war der Zu- 
gang zu der untersten Sitzreihe nur von den Flügeln her möglich. 

') Die Breite dieser Eingänge, da wo sie in die Orchestra münden, beträgt 
nach den WiESELER'schen Grundrissen in Side, Patara, Termessos '/* Radius; 
weniger in Mj-ra ('/s Rad.), in lasos und im Theater im Peiraieus (Curtiüs und 

3* 



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36 8« ^- ^^J* Zuschauerraum und dio Orchestra. 

sich zwischen dem Bühnengebäude und den Sitzreihen befanden, 
waren die letzteren durch eine Stirnraauer abgeschlossen, welche in 
schräger Linie oder in Absätzen dem Ansteigen der Sitzreihen folgte; 
unmittelbar neben derselben befand sich eine Treppe *). Diese offenen 
Zugänge bilden, wie bereits bemerkt^), eine wesentliche Eigenthüm- 
lichkeit des griechischen Theaters. Nach aussen zu fanden die an 
einen Abhang addossierten Theater ihren Abschluss in einer Um- 
fassungsmauer, welche dem Terrain und den etwaigen Anbauten 
folgte^); erhob sich eine Felswand hinter den Sitzreihen, so wurde 
diese wohl abgeschrägt*). Eine Porticus über der obersten Sitz- 
stufe scheint in guter griechischer Zeit noch nicht üblich gewesen 
zu sein ^). 



Kaupert a. a. O., Text p. 67); mehr in KibjTa, dem Dionysostheat er, am meisten 
in Kadyanda ( V^ Rad.). Absolute Maasse sind in Sikyon 8 Fuss (Gurtes, Pelni)onn. 
IT, 490), im Dionysostheater 5,70 m (Vfscher, Entd. p. 54); in Epidauros etwa 
5,30 m (nach dem Plane); im Peiraieustheater 3,50 m (nach dem Plane). 

*) Eine betreffende Partie aus dem Dionysostheater giebt unsere Fijf. 8, 
§. 10, wo jedoch die Brüstung, welche die die Treppen Hinaufsteigenden vor 
dem Herabfallen schützte, jetzt fehlt; aus dem Theater zu Patara bei Stra<?k 
JX, 3, der p. 2 noch die hieher gehörenden Mauern zu Melos und Pinara er- 
wähnt. In Epidauros hatte das obere Stockwerk an beiden Seiten besondere 
Abschlussmauem, w^elche gegen die des untern Stockwerks, welches näher an 
die Bühne herantrat, etwas zurücklagen, mit diesen auch nicht parallel liefen. 
Vgl. n^axtixa a. a. O. p. 46 und unsere Fig. l, pag. 5. 

*) Vgl. § 3. Das« diese Eingänge verschlossen werden konnten, zeigen 
die in Epidauros erhaltenen Thüren, s. p. 27, A. 4. Im griechischen Theater 
zu Pergamon lag über dem nördlichen Eingange ein masken verziert er Deck- 
balken mit der Inschrill: ' AnoWo^jiu^oi; 'AptejjLtovo? y^'^'^M-^^®? YK^fJ^M-*'^*^? ^tjjioo 
Tov TCüXöiva xal ih iv aoxu) e[jL«sTaa|üLa Aiovugü> xaO-fjY£|J.ov» xotl tu) ^YjiJLa) ; hier war 
also das Thor mit einem Vorhang verschlossen. Vgl. Conzk, Sitzungsber. der 
Akad. d. Wiss. zu Berlin 1884, p. 15; kü/.wv in demselben Sinne bei Athen. 
XIV, p. 622 B; vgl. meinen Jahresbericht Philol. XXXV, p. 308 f. 

•) In Betreff des Dionysostheaters vgl. unten §. 10. 

*) Die Abschrägung deutlich sichtbar oberhalb des Dionysostheaters, cfr. 
Julius a. a. 0. p. 196. Abgebildet bei Lfnper a. a. O. Fig. 1.5. Ueber Chae- 
roneia Leakk , North. Gr. II , 112 f., über Argos und Sikyon Wfxcker, Tage- 
buch I, 191 f. und II, 302. 

^) Erhalten ist sie in Tauromenion, vgl. Wieseler, D. d B. II, 6 und p. 11. 
in Aspendos vgl. Schönborn p. 93 und Wieseler, E. u. Gr., Fig. 5 und 6; in 
Drnmyssos, derselbe, D. d. B. p. 9 zu I, p. 28. Feber Lykto«, Hierapytna 
und GortjTia s. d. Bemerk. Wieseler's, E. u. Gr. a. a. 0. p. 236, A. 29 und 251 
A. 127. Dass sich in Syrakus keine Si)ur einer Porticus befindet, möge gegen 
Philolog. Anz. XI, p. 487 bemerkt werden. Vitruv. V, 6, 4: tectum porticus, 



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§. 5. Der Zuschauerraum und die Orchestra. 37 

Der von der untersten Sitzreihe und der Vorderwand der Bühne 
eingeschlossene Raum, auf den die beiden Seiteneingänge münden, 
])ildet die Orchestra. Dieselbe schliesst sich, soweit sie zwischen 
den Sitzreihen hegt, in ihrer Gestaltung der Form dieser, wie die- 
selbe im Anfang dieses Pai'agraphen beschrieben ist, an und geht, 
entsprechend der Lehre Vitruv's*), über einen Halbkreis hinaus. 
Während sich über ihre absolute Grösse^) ein Gesetz nicht auf- 
stellen lässt, da es ganz in dem Ermessen des Architekten lag, 
unter Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse den Radius des 
Grundkreises zu bestimmen, so bemerkt man, dass die Orchestra in 
einigen Theatern im Verhältniss zu dem Gesammtbau der Sitzreihen 
sehr klein ist^), während sie in anderen eine relativ grosse Aus- 
dehnung erreicht*). Ihr Boden bildet meist eine vöUig freie ebene 
Fläche und liegt mit den offenen Eingängen in demselben Niveau. 
Fast ohne Ausnahme war sie gepflastert*). Zur Abfühnmg des 
Regenwassers dienten Kanäle, die sich in manchen Ruinen noch 
jetzt nachweisen lassen. Der Umstand, dass einige derselben auch 
Wasser zuführen*), so^vie dass hie und da in der Orchestra 



quod futurum est in summa gradatione, cum scaende altitudine libratum i)er 
ficiatur. 

S. §■ B. 

Vgl. die Durchmesser zu Dramyssijs (Wieseler, D. d. B. i>. 9 zu I, 28) 
78 Fuss; zu Epidauros (llpaxitxa a. a. 0. I, 3) 24,50 m; zu Athen nach dem 
Plane von Julius) 22,50 m ; im Peiraieus (Curtius und Kaupert a. a. O. p. Ht> 
A. 42) 16, 50 m; zu Sikyon (Curtius, Pelop. II, 490) 100 Fuss; zu Aspend^js 
(Schönborn p. 84) m 39; zu Sparta (Curtius, Pelop. 11, 220) 170 Fuss. 

^) Z. B. zu Dramyssos, Epidauros und Athen. 

*) So zu Myra, Telmissos, Milet, Aizanoi, Oinoauda, Kibyra (Wieseler, 
D. d. B. I, 4. 6. 10. 13. A. 7. 9). Mehr bei dems., E. u. Ur. a. a. 0. p. 251, 
A. 132, der die Vermuthung ausspricht, dass diese Theater entweder gar 
nicht, oder doch nicht vorzugsweise zu scenischen Auflfiihnmgen dienten, für 
welche eine geringere Ausdehnung der Orchestra in jeder Beziehung ange- 
messener war. 

*) Ausnahmen bilden das sogen. Odeion zu Knidos, s. Wieseler, Ersch 
und Gruber p. 241 Anm. 34 nach Newton, und das Theater zu Epidauros, siehe 
die folgende Anmerkung. 

^) Im Dionysostheator zu Athen läuft vor der Balustrade ein 0,90 ni breiter 
Kanal rings herum, der sich östlich unter dem Bühneugebäude fortsetzt. Vischek, 
Entdeck, p. 49. Julius a. a. 0. ]). 203 und d. Plan unten §. 10, Fig. 7. In Epidauros 
läuft vor den Sitzreihen, etwas weiter als dieselben einen Halbkreis bilden, ein 2,10 m 
breiter, mit grossen Quadern gepflasterter Streifen her, welcher 0,20 m tiefer 
liegt, als der eigentliche Boden der Orchestra. Dieser bildet einen mit der üränzlinie 



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38 §• o. Der Zu8chauen*aum und die Orchestra. 

Quellen und Brunnen *) und in der Nähe der Theater Cisternen 
und Brunnen*) vorkommen, lässt darauf schliessen, dass man auch 
Bedacht darauf nahm, den Zuschauern Trinkwasser zu bieten, 
worüber indessen Nachrichten bei den Schriftstellern nicht er- 
halten smd. 



der 8 mittleren Keile concentrischen Kreisbogen, dessen Radius 10,15 m beträgt, der 
demnach die Bühne fast berührt und von der Mittelthür der Bühnenstützmauer, 
deren Steinschwelle in gleicher Höhe liegt, nur etwa 1 m absteht. Der Boden 
dieser Kreisfläche ist aus gestampftem Schutt hergestellt und ist durch eine 
0,38 m breite Steinschwelle aus dichtem Kalkstein eingerahmt, welche nicht 
aus der Erde hervorragt. In der Mitte liegt ein runder Kalkstein von 0,71 m 
Durchmesser, der in seiner Mitte ein rundes Dübelloch von 0,085 m Breite und 
0,05 m Tiefe zeigt. Der vertiefte Raum zwischen der Kreisfläche und der imter- 
sten Sitzreihe hat den Zweck, das aus dem Zuschauerraum herabfliessende 
Regenwasser zu sammeln und durch vier Löcher, welche, zwei auf jeder Seite, 
vor der je vorletzten Treppe liegen, in unterirdische Kanäle abzuführen. Der 
Kanal unter den Sitzreihen im Odeion des Herodes diente nach Tuckermann 
ebenfalls zur Ableitung des Regenwassers, da die Orchestra um 0,48 m nach 
den Sitzstufen zu geneigt ist; was Schillbach a. a. 0. p. 19, vgl. Philolog. XX ITT, 
p. 504|, und Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 240, Anm. 33 bezweifeln, w^elcher 
letztere nicht hätte übers'ehen dürfen, dass das Odeion sein Licht durch eine 
Oe^'nnng im Dache empfangen musste. Bötticher, Philolog. XXII, 75 f. nimmt an, 
dass l>eide Kanäle von der Klepsydra gespeist wurden. Kanäle an derselben Stelle 
im Theater im Peiraieus s. Curtiüs und Kaupert, Karten von Attika, Text 
p. t^e und den Querschnitt p. 67. Unter einem rechten Winkel unter dem Bühnen- 
gebäude hinführende Kanäle in den Theatern zu Syrakus und Tauromenion, 
deutlich erkennbar auf unseren Fig. 3 und 4 ; vgl. Wieseler, D. d. B. Text zu II, 
1 und 6. 

*) In der Orchestr^des Theaters zu Megalopolis ist die von Pausanias VIII, 
32, 1 erwähnte Quelle nach Cürtius, Pelop. I, 284 noch erkennbar; Quelle im 
Odeion zu Kanatha nach Potter, Damascus II, p. 98. Drei Brunnen in der 
Orchestra des Theaters zu Nikopolis nach dem Plane bei Wieseler, E. "u. Gr. 
Taf. Fig. 8 (nach Donaldson bei Leake, North. Gr.). Eine Cisteme in der Süd- 
westecke der Orchestra im Dionysostheater zu Athen, die jetzt beseitigt ist 
(s. Julius a. a. 0. p. 203 und Plan), stammte aus ganz später Zeit. 

'^) Cisternen unter dem Skenengebäude in Delos (Wieseler, D. d. B. zu 
I, 17) und Samos (Ross, Inselr., U, 150); hinter dem Dionysostheater (Plan), 
neben dem grossen Theater zu Pompeji (Overbeck, Pompeji p. 134 Fig. 86 
und p. 138 Fig. 88. Brunnenschacht beim Odeion des Herodes (Schillbach 
a. a. O. p. 17. Wieseler, E. u. Gr. Taf. Fig. 4); Brunnen oberhalb des 
Theaters zu Syrakus (Schubrino, Philolog. XXII, p. 592), der indessen ur- 
prünglich vielleicht ein Grabgewölbe war (Gsell-Fels, Sicilien p. 745). Reiche 
Sammhmg über diese Wasseranlagen bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. ]>. 238 ff. 
Anm. 33. 



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§. 6. Wahl des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik etc. 39 

§. 6. 

Wahl des Baupiatees, Nebengebäude, Akustik und DimeHsionen 

der Theater. 

Die Griechen bauten ihre Theater selten ausserhalb der Stadt *), 
innerhalb derselben aber bevorzugten sie frequente Stadttheile, nament- 
lich die Agora; oft wählten sie den Abhang der Akroj)oli8, da 
sie es hebten, den Zuschauerraum an eine Höhe anzulehnen*). 
Hiefdr darf mau keinenfalls, wie das vielfach geschieht, den Wunsch 
den Zuschauern eine schöne Aussicht zu gewähren, als Grund an- 
führen^), vielmehr leitete dabei, abgesehen von den Kticksichten der 
Sparsamkeit, das Streben, einen möglichst gesunden Platz für ein 
Gebäude zu wählen, in dem sich eine zahlreiche Versamndung selbst 
bei grosser Hitze während der Tagesstunden lange Zeit aufzuhalten 
hatte *). Dieses Streben wird auch, soweit nicht bereits das Terrain 



*) Dies ist geschehen zu Elateia, Paus. X, 84, 3: zkI x(f> iclpaxt ^k x<p iv 
$s4ta xrfi itoXttü^ ö-iocxpov ti loTt xotl yaXy.oOv 'A&Yjvä^ SiyßX\i.rA ötpyaiov; s. "Wieseler, 
E. u. (tr., p. 235, A. 22; andors Bursian, Geogr. I, 164; Mitylene, Conzk, Lesbos 
p. 9; Perge, Texiek, As. min. III, 213; ApoHonia in der Kyrenaike, Barth. 
Waudcningen I, 454. Dicht an der Stadtmauer lagen die Theater zu Thorikos, 
Peltz, Arch. Zeit 1878, p. 29, und Gerasa, Buckinüham, Trav. in Palest. Plan 
zu p. 342. 

*) Ausser dem Dionysostheater zu Athen liejfen an der Akropolis z. B. die 
Theater zu Chaeroneia, Tanagra, Koroneia, Bursian a. a. O. I, 205; 222; 225; zu 
Kleitor, Psophis, Curtius, Pelop. I, 376; 387. Burg, Agora und Theater lagen 
zusammen zu Tegea, Elis und Sparta, Curtius a. a. O. I, 257 ; II, 31 ; 230 f. In 
Alexandreia Troas lagen zwei Theater *towards the centro of the city,' Chanüler 
bei Wikseler, Denkm. d. B., p. 105 zu A. 12. Mehr bei dems., E. u. Gr. 
p. 235, A. 23. Vgl. oben pag. 30, A. 2. 

*) Trotzdem, dass Geppert's Altgr. Bühne p. 94 u. 95 dahin gehende Aeusse- 
rungen von Schönborn, Skene d. Hell. p. 100, entschieden zurückgewiesen sind, 
ist diese Ansicht sehr oft wiederholt; noch neuerdings von Boetticher, Nord 
und Süd XIX, p. 361. Nur wenige Zuschauer hatten im alten Theater einen 
Blick iu's Freie. Die Aussichten von den Ruinen sind in der That meist sehr 
schön; besonders berühmt die von Taormina. 

*) Vitruv. V, 3, 1 : .... eligendus est locus theatro (juam saluberrimus .... 
per ludos enim cum coniugibus et liberis persedeutes delectatiimibus dctiuentur 
et corj)ora pn)ptor voluptatem immota patentes habent venas, in (juas insidunt 
auranim flatus, (|ui si a regionibus palustribus aut aliis regionibus vitiosis ad- 
venient, nocentes Spiritus corporibus infundent. itaque si curiosius eligetur loc us 
theatro, vitabuntur vitia. 



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40 §• ^- Walil des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik etc. 

darauf hinwies, für die häufige Anlage der Theater in der Nähe 
des Meeres massgebend gewesen sein '). Im Gegensatze dazu steht 
zwar die bei einigen Theatern vorkommende Oeffnung des Zuschauer- 
raumes nach Süden, indessen ist dieselbe wohl nur da behebt, wo 
mit ihr andere unleugbare Vortheile verbunden waren *). Nicht selten 
errichtete man neben einem grösseren Theater ein kleineres^), oder 
das Stadium*), den Hippodrom*), das Gymnasium") oder in der 
Römerzeit das Amphitheater'). Soweit diese Gebäude bedeckt waren, 
konnten sie den Theaterbesuchern bei plötzhch eintretendem Regen 



*) Abgesehen von Syrakus und Tauromenion genüge die Erwähnung der 
Theater von Mitylene, Conze, Lesbos p. 9; Halikarnass und Tholöos auf Rhodos, 
Ross, Inselr. IV, p. 36 bezw. 58; Gytheiou, Curtius, Pelop. II, 270; Eretria, 
Ross, Gr. Königsreisen 11, 117. 

*) Vitruv. V, 3, 2, etiamque providendum est: nene Impetus habeat a 
meridie. sol enim cum implet eius rotunditatem, aer conclusus curvatura neque 
habens potestatem vagandi versando confervesoit et candens adurit excoquitque 
et imminuit e corporibus umores. Das sich gegen Süden öffnende Dionysos- 
theater war durch die Akropolis gegen den Nordwind geschützt und dem sich 
Morgens erhebenden Seewinde zugänglich. Aehnliche A^erhältnisse zu Syrakus. 
Der Oeffnung des Theaters von Schuhba liegt ein hoher Berg gegenüber. 
BucKiNGHAM, Trav. among the Arab Tribcs, p. 259 bei WiEvSELER, E. u. Gr. 
p. 233. A. 10. Das Theater zu Epidauros liegt nach Norden. 

') Beispiele ausser Athen Katana, Holm, Das alte Catania, Lübeck 1873, p. 19; 
Akrae, AVieseler D. d. B. II, 2 und A, 13 mit Text, wo es jedoch zweifelhaft ist, 
ob das kleinere Gebäude wirklich ein Theater war; Alexandreia Troas, ibid. p. 105 
zu A. 12; Smyrna, Aristid. ed. Diud. I, p. 541, Or. 27 und Donaldson in den 
Alterth. v. Athen III, 242, A. 4; Ephesos, Texier, As. min. II, p. 272; Tralles, 
Vitr. VII, 5, 5; Texier a. a. 0. III, 27 b; Alinda, Donaldson a. a. 0. III, 241 ; 
Knidos, ibid. III, 240; Balbura, Wieseler a. a. 0. p. 105 zu A. 8; Daniell, 
Spratt and Forbes, Trav. in Lycia I, 269 ff.; Patara, Wiesbler a. a. 0. p. 2, 
zu I, 5; CIGr. 4286; Kibyra, Wieseler a. a. 0. p. 108 zu A, 9 und 10; Pom- 
peji, ibid. p. 12 zu U, 7. 

*) So zu Megalopolis, Sikyou, Curtius, Pelop. I, 284 bezw. U, Taf. iJIX 
Aegina, Pausan. 11,29,8; Bursun, Geogr. II, 82, jetzt verschwunden; Tralles 
Donaldson a. a. 0. p. 242, A. 4; Leake, As. min., p. 247; Vitruv. V, 9/ 1; 
Aizanoi, Wieseler, D. d. B., p. 4 zu I, 13a. 

*) Zu Pessinus, AVieseler a. a 0. p. 4 zu I, 13b. 

^) Zu Termessos, Wieseler a. a. O. p. 104 zu A. 1; über Nysa in Karien, 
vgl. Strab. XIV, 43, p. 649: T(i> ok O-saTpcj) 56o ^xpat, u»v x^ jjlsv oJioxs'xai x6 
•(oiivaatov xojv vEtuv, x^ ^^a-fopa. x'/t xo ^spovxtxov und Donaldson a. a. 0. p. 244 f. 
Anm. 17. 

') Zu Syrakus, Plan bei Gsell-Fels, Sicilieu zu p. 680; Capua, Winckelmann, 
Gesch. d. K. XII, 1, 5; Pergamon, Ergebnisse der Ausgrabungen etc., p. 10. 



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§. 6. Wahl des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik etc. 41 

Schutz gewähren; theils zu diesem Zwecke, theils zu anderweitiger 
Annehmlichkeit des Publikums, sowie zur BeschaflFung von Baum 
für die Vorbereitung des Bühnenapparates fordert Vitruv die 
Anlage von Säulengängen und damit verbundenen Gartenanlagen 
hinter dem Bühnengebäude ^). Was sich davon erhalten hat, stammt 
aus jüngerer als gut griechischer Zeit^). Für die Annehnüichkeit 

*) Vitruv. V, 9, 1 : post scaenam porücus sunt constituendae, uti cum ira- 
bres repentini ludos iuterpellaveriut, habuat populus quo se recipiat ex thcatro 
choragiaque laxameutum habeant ad comparandum. uti sunt porticus 
Pompeianae itemque Athenis porticus Eumeniae ad thcatrum Patrisque Liberi 

fanum, et exeuntibus e theatro sinistra parte odeum, Smyruae Stratoni- 

ceum, Trallibus porticus ex utraque parte scaenae supra Stadium, ceterisque 
civitatibus, quae diligentiores habuerunt architectos, circa theatra sunt porticus 
et ambulationes. Ibid. 5: media vero spatia quae eruut sub diu intcr porticus, 
adomanda viridibus videntur, quod hypaethroe ambulationes habent magnam 
salubritatem etc. Zur Erklärung der im Druck hervorgehobenen Worte ist aus- 
zugehen von Festus Epit., p. 52, der choragium als instrumentum scaenarum 
erklärt; vgl. Plant. Capt. 61: comico choragio conari desubito agere nos 
tragoediam und Hirschfeld, Verw.-Gesch., p. 182 f über das summum choragium, 
die Verwaltung des Apparates für die kaiserlichen Spiele. Der Plural choragia 
Val. Max. 2, 4, 6: scaenam argentatis choragiis P. Lentulus Spinther adornavit. 
Es handelt sich somit nicht, nach Wikseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 186, A. 134, 
lediglich um Räume zur Ausrüstung der Chöre unmittelbar vor ihrem Erscheinen 
in der Orchestra bei den öffentlichen Aufführungen, sondern vorwiegend um 
sf>lche zur Vorbereitung des Bühneuapparates, die man sich jedoch als abge- 
schlossen zu denken hat. 

*) Aus griechischer Zeit scheint nur die Porticus hinter dem griechischen 
Theater zu Kyrene (vgl. Barth, Wanderungen etc. I, 430 f. und Arch. Zeit. 1848 
S. 225 fg.) zu stammen. Ausser den von Vitruv a. a. 0. erwähnten Fällen sagt 
Paus. IX, 22, 3 von Tanagra: oo Koppio §1 (xoO Wpoiirxyoo too bpoö) ^aipov te 
xal ;rpi^ aoTcj» axoot kskoW^zv., Noch im XVI. Jahrh. waren nach Belli in Hiera- 
pytna, Chersonesos und Gortyna auf Kreta derartige Bauten erhalten, vergl. 
Falkener, Theatres in Crete, p. 13. 16. 21 ; Wieseler, E. u. Gr., Tafel Fig. 10b. 
Reste finden sich ferner zu Patara, Leake, As. min. 321 ; Restauration versucht von 
Strack, Altgr. Th., p. 7 und Taf. II; Perge, Texier, As. min. III, 212; und 
noch am Ende des vorigen Jahrh. zu Antinoe in Egypten, Descr. de l'Egypte 
IV, pl. 55 und 56. Zu Temiessos (Daniell, Spratt a. Forbes, Trav. I, 258 ff.) 
und Ephesos (Falkener, Ephes., p. 171; Welcker, Tageb. II, 149) waren die 
Theater mit der Agora durch eine Porticus verbunden. Zu Alinda (Donaldson, 
Alterth. von Athen III, 241) hatte das kleine Theater mit viereckigem Grund- 
risse zwar nicht an der Bühnenseite, aber an den drei übrigen Säulengänge, 
lieber die sogen, „offenen Scenen" (Müller, Arch. § 289, A. 5) zu Gerasa 
(Buckingham, Trav. in Palest, j). 386) und Philadelpheia (desselben Trav. am. 
the Arab Tribes, p 75), bei denen an die Stelle der Bühnenhinterwand geradezu 
Säuleu traten, die jedoch wohl kaum für dramatische Aufführungen bestimmt 



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42 §• ö- Wahl des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik etc. 

der Theaterbesucber wurde in der Römerzeit auch durch Ueber- 
spannung des Zuschauerraums mit Segeltüchern gesorgt, eine Sitte, 
welche aus Campanien stanmite und durch römische Eintiüsse in die 
Länder griechischer Cultur verpflanzt wurde*). 

Ganz besonders musste bei der Anlage eines Theaters auf gute 
Akustik Bedacht genommen werden, und zwar um so mehr, als in 
den steinernen Theatern das Baumaterial der Resommz entbehrte ^). 



waren, s. Wieseleb, E. u. Gr. a. a. 0. p. 234, Aiun. 21. Ueber vciinuthete 
Halleuanlagen am Dionysostheater s. unten §. 10. 

*) Vgl. die ausführlichen Erörterungen von Lipsius, De amphitheatris c. 
17 und 18. Ueber den Ursprung s. Val. Max. II, 4, 6: Q. Catulus Campanam 
iinitatus luxuiiani primus speetantium conscssuni velorum umbraculis texit. Nach 
Dio Cass. LXm, 6: xa y^ H''*'i^ Kapa7zzxdo\Laxa xöc ?ta toö aspo? ^taxad-ivta otccu^ 
x6v YjXiov aicfpuxoi dXoüpYot y^v xal ev jisacj) aixcuv äppta rXayvwv 6 Nlp6>v ivjaxtxxo 
xxX war der ^griechische Ausdruck jcapaichaaiia. Nach Martial. XFV^, 28: accipe 
quae nimios vincant umbracula soles, sit licet et ventus, te tua vela tegent 
und 29: in Pompeiano tectus spectato theatro: nam ventus populo vela negare 
solet wurden die Segeltücher bei starkem Winde abgenommen. Diese Sitte 
wurde in römischer Zeit in die griechischen Theater verpflanzt, wie die An- 
wendung des lateinischen Worts ^YjXa zeigt. Vgl. CIG 2758, 11 B (Aphrodisias) : 
ßv^Xwv xal Tüjv 5ta l^edxpoo S-rjv. a, (vgl. BoECKH. a. a. 0. II, p. 508) u. 4283 (Patara): 
xo S^evosxaxov xoö SeoxepGO Stajtufiaxo? ßaö-pov xou xa ßYjXa xoö O-cdxpoü xaxaoxsüao- 
O-svxa 6:i6 xe xoo :cax{>ö<; «üxyj^ xal 6:i' oibzrfi «poavEXE^j xal naps^oÖY] xaxa xd 
')Kb rtfi xpaxisxfj^ ßooXt^; s'^Yj^ftcjjiiva. Am Theater zu Aspendos sind an der 
Aussenseite des Skeuengebaudes noch die Kragsteine für die Masten erhalten, 
an denen die Taue des Velariums befestigt wurden, vgl. Lohde, Die Skene der 
Alten p. 5 und Taf. Fig. 6, a und b. Ueber das Theater zu Orange s. Wie- 
SKLER, Denkm. d. B. p. 24; über Pompeji Overbeck, Pomp. p. 133 und 137, 
sowie Fig. 87. 90. 91; über Pednelissos Fellows, As. min. p. 199; über Niko- 
j>(>li8, DoNALDsoN in den Alterth. von Athen III, p. 248, A. 38. Strack, Das 
altgriechische Theatergebäude, Taf. II, sucht die Sache zu veranschaulichen. 
Mehr bei Wieseler, E. u. C4r. a. a. O. p. 238, A. 31. Frieülänüer bei Mar- 
(piardt, Rom. Staatsverwaltung III, p. 512 und 536; Derselbe, Darstell, aus der 
Sittengeschichte II, p. 376 und besonders p. 500. Arnold, Rom. Theater- 
gebäude p. 11. F. BucHHOLTZ, Ueber den Gebrauch der Auläa und Vela in 
Leben und Kunst der Alten in Miscellanea philologica, Göttiugen 1876 p. 32—74. 

*) Vitruv. V, 3, 5: etiam diligenter est animadvertendum, ne sit locus fur- 
dus, sed ut in eo vox (]uam clarissime vagari possit. hoc vero üeri ita poterit, 
si locus electus fucrit ubi non impediatur resonantia. Die akustischen Eigen- 
thümlichkeiten der Baujilätze behandelt V, 8, 1 u. 2. Ueber Mangel an Reso- 
nanz cfr. V, 5, 7 : cum autem ex solidis rebus theatra constituuntur, id est ex 
structura caementorum, lai)ide, marmore, (piae sonare non possunt etc. — Fran- 
ziska HoFEMANN, Die Akustik im Theater der Griechen. Thun 1881, ein höchst 
wunderliches Buch. 



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§. 6. Wahl des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik etc. 43 

Zwar beförderten die Addossierung an eine Anhöhe, die hinterein- 
ander aufsteigenden Sitzreihen*), die geringe Tiefe*) und die Die- 
lung ^) der Bühne, sowie die dem Bau des Zuschauerraumes an Höhe 
gleichkommende Hinterwand*) derselben die Akustik sehr — wie 
Versuche in Theaterruinen mit auch nur zum Theil erhaltener 
Bühnenwand beweisen; indessen wiu'de doch noch eine besondere 
Veranstaltung für nöthig gehalten. Vitruv fordert die Aufstellung 
eherner, nach einem festen System abgestimmter Gefässe, welche, 
wenn ihr Eigenton gesprochen oder gesungen wird, in Schwingung 
gerathen und dadurch den Ton verstärken '^). Die Art und Weise 
der Aufstellung wird durch die Beschreibung nicht ganz deutlich*). 

*) Vitruv. V, 3, 7. 8 : igitur ... in voce cum offeneio nulla primam undam 
interpellaverit, non disturbat secundam nee insequentes, sed omnes sine reso- 
nantia perveniunt ad imorum et ad summorum aures. ergo veteres architecti 
naturae vestigia persecuti indagationibus vocis scandentis theatronim perfecerunt 
gradationes, et quaesierunt per canouicara matheraaticorum et musicam rationem 
ut quaecunque vox esset in scaena, clarior et suavior ad speetatorem perveniret 
aures. Vgl. V, 3, 4, s. oben pag. 35, A. 1. Cfr. Plin. Nat. Hist. XI, 270 fin. 
DoNALDsoN in den Alterth. v. Ath HI, p. 206 bemerkt, dass die von Vitr. an 
letzter Stelle gegebene Vorschrift durch die Kuinen nicht bestätigt wird. 

*) Weinbrenner, Ueber d. Theater in architektonischer Hinsicht u. s. w. 
Tübingen 1809, p. 8. 

') Plut. Non posse suav. vivi sec. Epic. 13, 7, p. 1096 B: xal yaXxoöv 
WXe5av$f»ov ev IUXa')j ßooXojjisvov KOf/joat tö irpooxr^vtov oüx Eiaasv 6 xsr/(yin\^y u)^ 
oia;p9'2poüVTa xdiv »JÄOXpiTOiV rrjv ',p(i>VYjv. 

*) Vitruv. V, 6, 4: tectum porticus, quod futurum est iu summa gradatioue 
cum scaenae altitudine libratum perficiatur, ideo quod vox crescens aequaliter ad 
summas gradationes et tectum perveniet. namque si non erit aequale, quo minus 
fuerit altum, vox praeripietur ad eam altitudinem, ad quam perveniet primo. 
Plin. Nat. Hist. XI, 270. 

*) Vitruv. I, 1, 9: item theatris vasa aerea, quae in cellis sub gradibus ma- 
thematica ratione conlocantur sonituum ad discrimina, quae öraeci r^x^ia appel- 
lant, ad symphonias musicas sive concentus componuntur divisa in circinatione 
diatessaron et diapente et diapason ad disdiapason, uti vox scaenici sonitus con- 
veniens in dispositionibus tactu cum offenderit, aucta cum incremento clarior et 
suavior ad spectatorum perveniat aures.. Vf(l. ausser Poleni Excercitat. Vitruv. 
III, p. 282 ft., Stieglitz, Arch. d. Baukunst II, 1, 154 f. und Donaldson a. a. 0. 
III, p. 207 f. neuerdings die Aufsätze und Mittheilungen von Unger, Wieskler, 
vonCohaüsen und Peters in den Bonner Jahrbb. XXXVI, p. 35 — 40, XXXVII, 
p. 57—65; XXXVIII, p. 158—160, meine namentlich das Musikalische eingehend 
behandebide Ausführung Philolog. XXIU, p. 510 - 517, Wieseler, E. u. Gr. a. a. 
O. p. 234 Anm. 21 und A. AVilmanns in den Commentationes philologae in 
honorem Th. Mommseni, Berlin 1877, p. 259—261. 

®) Vitruv. V, 5, 1 : ita . . . fiant vasa aerea pro ratione maguitudinis theatri 



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44 §. 6. Wahl des Bauplatzes, Nebengebäude, Akustik etc. 

Es erhellt ungefähr Folgendes. Im Zuschauerraum sollen in hori- 
zontaler Richtung und in gleichen Abständen Nischen ausgemauert 
und in diesen die Geßisse — etwa Glocken ohne Schwingel — so 
aufgestellt werden, dass sie keine Wand berühren und, auf keil- 
förmiger Unterlage iiihend, ihre Oeffnung der Bühne zukehren. Vor 
jeder Nische ist in der zunächst miter ihr liegenden Sitzreihe ein 
Kanal anzulegen, wahrscheinUch um den Schallwellen einen freien Zu- 
gang zu den Gelassen zu gestatten. In kleinen Theatern *) soll nur 
eine Reihe solcher, und zwar in halber Höhe der Sitzreihen, auf- 
gestellt werden, während in grossen Theatern *) drei Reihen erforder- 
lich sind. Legt man nun die äohsche Tonai*t, welche im diatonischen 
Klanggeschlecht unserer Mollskala von a bis A entspricht, mit ihren 
Moditicationen im chromatischen und enharmonischen Klanggeschlechte 
zu Grunde ®), so erhält man für die Geßisse folgende Eigentöne. Ist 
nur eine Reihe von Gefassen vorhanden, so sollen dieselben -—13 
an der Zahl, da Vitruv sich einen Zuschauerraum mit 13 Keilen 
vorzustellen scheint — von rechts nach links auf a, e, h, d, a, e, H, 
e, a, d, h, e, a abgestimmt werden*). Da dieses die sogenannten 



eaque ita fabricentur, ut cum tangantur sonitum facere possint inter se diates- 
saron diapente et ex ordine ad disdiapason. postea inter sedes theatri constitutis 
cellis ratione musica ibi conlocentur ita, uti uullum parietem taogant circaque 
habcaut locum vacuum et ab summo capite spatium, ponanturque inversa et 
habcant in parte quae spectat ad scaenani suppositos cuneos ne minus altos 
semipede, contraque eas cellas relinquantur aperturae inferiorum graduum cubi- 
libus lougac pedes duo, altae semipedem. Marini hat auf den Tafeln zu dieser 
Stelle mehrere die Aufstellung veranschaulichende Zeichnungen gegeben , von 
denen jedoch keine annehmbar ist. Die richtigste Art der Befestigung, durch 
Einlassung eines nichttönenden Handgriffs in die hintere Wand der Nische, ist 
durch A^itruv's Worte ausgeschlossen; die Berührung des Clefasses durch die 
Unterlage durfte jedenfalls nur an der Stelle eines Schwingungsknotens statt- 
finden. 

*j Vitruv. V, 5, 2 : si non erit ampla magnitudine theatrum, media altitudinis 
transversa regio designetur et in ca tredecim cellae duodecim aequalibus inter- 
vallis distantes confomiceutur. 

") Vitruv. V, 5, 3 : sin autem amplior erit magnitudo theatri , tunc altitudo 
dividatur in partes XllI, uti tres efiiciantur regioncs cellarum transversae de- 
signatae, una harmoniae, altera chromatos, tertia diatoni. 

*) S. die vergleichende Tabelle bei Wkstphal, Hannonik und Melo[)öic 
der (i riechen, Leipzig 1863, zu p. 132. 

') Vitruv. V, 5, 2: ea cchea quae supra scripta sunt ad noten hyperbolaeon 
souantia in cellis cjuae sunt in cornibus extremis utraque parte ])i'iraa conlocentur, 
secunda ab extremis diatessaron ad neten diezeugmenon , tertia diatessaron ad 



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§. 6. Wahl des Bauplatzes, Nebenjfebäude, Akustik etc. 45 

festen (eatwTSi;, immobiles), allen drei Klanggescjüechtem gemein- 
samen, Töne sind, so lassen sie sieh je nach Bedarf als aus ver- 
schiedenen Klanggeschlechtem entnommen ansehen. Demnach gelten 
sie in den kleinen Theatern als dem diatonischen Geschlechte an- 
gehörig ; in den grossen Theatern dagegen bildet dieses Gefasssystem 
die unterste auf einem Viertel der Höhe aufzustellende Reihe und 
wird als dem enharmonischen Klanggeschlechte entnommen be- 
trachtet ^). Die mittlere Reihe auf halber Höhe enthält, da in dem 
mittelsten Keile aus musikalischen Gründen kein Gefass aufgestellt 
wird, nur die 12 Töne fis, eis, h, fis, eis, h, — h, eis, fis, h, eis, 
fis, welche dem chromatischen Geschlechte augehören*). In der 
obersten Reihe endlich, welche dem diatonischen Geschlechte ent- 
sprechen und auf drei Viertel der Höhe hergerichtet werden soll, 
linden sich die 13 Töne g, d, c, g, d, A, a, A, d, g, c, d, g ver- 
treten'). Aus der Combination aller dieser Töne ergibt sich eine 
durch zwei Octaven durchgeführte H-moll-Skala mit Auslassung von 
h, Zusatz von A und Einschub von c. In Rom war die Anwendung 
der Schallgefässe nicht nachzuweisen, Vitruv beruft sich daher auf 
italische und griechische Theater *). Neuerdings ist die Möglichkeit 



paramesen, quarta ad neten synemmenon, quinta diatessaron ad mesen, sexta 
diatessaron ad hypaten meson, in medio unum diatessaron ad hj-paten hypaton. 

*) Vitruv. V, 5, 3: et ab imo quae erit prima, ea ex hamionia conlooetur 
ita uti in minore theatro supra scriptum est. 

2) Vitruv. V, 5, 4: in mediana autem prima in extremis comibus ad chro- 
maticen hyperbolaeon hal)entia sonitum ponantur, in secundis ab bis diatessaron 
ad ebromaticen diezeugrmenon , in tertiis ad chromatieen sj-nemmenon, quartis 
diatessaron ad ebromaticen meson, quintis diatessaron ad chromatieen bypaton, 
sextis ad paramesen, quod et ad chromatieen hyperbolaeon diapente et ad ebro- 
maticen meson diatessaron habet consonantiae communitatem. in medio nihil 
est conlocandum, ideo quod sonituum nulla alia qualitas in chromatico genere 
symphoniae consonantiam potest habere. A. Wilmanns a. a. O. schreibt statt 
des im Druck hervorgehobenen meson *8ynemmenon\ 

") Vitruv. V, 5, 5 : in summa vero divisione et regione cellarum in comibus 
primis ad diatonon hyperbolaeon fabricata vasa sonitu ponantur. in secundis dia- 
tessaron ad diatonon diezeugmenon, tertiis ad diatonon synemmenon, quartis 
diatessaron ad diatonon meson, quintis diatessaron ad diatonon hypaton, sextis dia- 
tessaron ad proslambanomenon , in medio ad mesen, quod ea et ad proslamba- 
nomenon diapason et ad diatonon hypaton diapente haliet sj-mphoniarum com- 
munitates. 

*) Vitruv. V, 5, 8: sin autem quaeritur, in quo theatro ea sint facta, Romae 
non possumus ostendere sed in Ttaliae regionibus et in pluribus (Traecorum 
civitatibus, etiamque aiictorem habemus L. Mummium, qui diruto theatro Corin- 



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46 S« *^' Wahl des Bauj)latze8, Nebengebäude, Akustik etc. 

der Schallverstärkung auf diesem Wege bezweifelt, die Lehre beruht 
jedoch auf richtigen physikalischen Principien *). In der That haben 
sich für die Aufstellung dieser Gefösse bestimmte Nischen in ver- 
schiedenen Theaterruinen gefunden'^). 

Die Grösse der alten Theater, welche die der modernen be- 
deutend übertrifft, war sehr verschieden^). Die grössten Ruinen in 



thiorum echea aenea Romam deportavit et de manubiis ad aedem Lunae dedi- 
cavit. Dass als Surrogat auch TlMmsferäsae verwandt wurden, zeigen die auf die 
eben citierten folgenden Worte: multi etiam sollertes architecti, qui in oppidi» 
non magnis theatra constituerunt, propter inopiam fictilibus doliis ita sonantibus 
electis bac ratiocinatione compositis perfecerunt utilissimos efFectus. \g\. schon 
Aristot. Probl. XI, 8: eav tt; tc'>ov xal xspa|iia xsva xaxop6?i{j xal TCwjxas-jj, fiaXXov 
Yj/sl Tcc otxYjpLata. Plin. Nat. Hist. XI, 270: in theatrorum orchestns scobe aut 
harena superiacta devoratur vox et in rudi parietum circumiectu doliis etiam 
inanibus, wozu zu vgl. Aristot. Probl. XI, 25: ?'.a xt, oxav a^^P"*^"*''^ **'• ^^P/Tr 
axpat, T^xxov ol x^P**- T'T*"^''*^'^ ' Wie8ELER, E. u. Gr. p. 235 A. 21, ist der An- 
sicht, dass die Schallgefässe erst seit Aristoteles in Anwendung kamen. 

*) Nach Müller, Arch. §. 289 A." 7, hat sich Chladni im 22. Hefte der 
Caecilia j?egen die Möglichkeit der Anwendung der Schallgefösse ausgesprochen ; 
auch BiOT Trait^ de physique experimentale et mathematique, Paris 1816 II, 
p. 187 ist nicht ohne Bedenken. Vgl. dagegen Mi^cke in Gehler's Physik. AVörterb. 
Leipzig 1836. VIII, p. 289. und Müller - Pfaundler, Lehrb. der Physik und 
Meteorologie, Braunschw. 1876, I, p. 550. 

*) Im kleinen Theater zu Gerasa finden sich an der Biüstungsmauer des 
Umgangs ausser Vomitorien zwanzig Nischen so vertheilt, dass unterhalb eines 
jeden der acht Keile, in welchen die obere Abtheilung des Zuschauerraumes 
zerföUt, entweder je drei halbkreisförmige Nischen neben einander, oder je zwei 
zu den Seiten eines Vomitoriums liegen^ Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 234, 
A. 21 u. Fig. 9a nach Bückingham, Trav. in Palestine p. 386. Wieseler, D. d. B. 
I, 13 und III, 2 und 10 zeigen im Grundriss bezw. Aufriss diese Nischen des 
Theaters zu Aizanoi, von denen zwölf Paar an der Stützmauer des oberen Stock- 
werks der Sitzreihen angebracht sind. Vgl. Texier, As. min. I, p. 113 und 
Le Bas und liANPRON, Voy. arch. en Grece et en Asie Min., Archit., Paris 1848; 
As. Min. pl. 3 — 4. Mehr mit Vitruv stimmen die grösseren Theater zu Hiera- 
pytna (Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. Taf. Fig. 10a) und Gortyna, in denen je 
eine Reihe, und das Theater zu Lyktos, in dem drei Reihen zu je 13 Gellen 
vorkommen. Vgl. Falkener, Theatres in Crete p. 31 f. 

•) S. die Zusammenstellung antiker und modemer Grundrisse bei Strack, 
Altgr. Th. Taf. 5; in diesem Werke ist überhaupt durch Anwendung desselben 
Maassstabes eine vergleichende IVbersicht ermöglicht. Leake, As. min. p. 328 f., 
giebt für verschiedene Theater die Durchmesser an. Wie natürlich, weichen die 
Angaben der einzelnen Reisenden oft ziemlich erhebhch von einander ab. Reiche 
Nachweisungen bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. p. 240, A. 34, die für das Fol- 
gende zu vergleichen sind. 



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§}. H. Wahl des Baui)latze«, Nebengel)äude, Akustik etc. 47 

Griechenland sind die zu Megalopolis, Sparta, Epidauros und Athen*), 
in Sicilien nimmt das Theater zu Syrakus den ersten Platz ein, in 
Klein-Asien sind die Dimensionen der Theater zu Ephesos und Milet 
am bedeutendsten; ausserdem hatte Kreta grosse Theater*). An- 
dererseits sind ihrer Kleinheit wegen zu nennen die Ruinen in der 
Nähe von Missolonghi, zu Aepion, Chaeroneia und Psophis ^). Natur- 
geraäss richtete sich die Grösse der Gebäude zunächst nach der Ein- 
wohnerzahl der betreflfenden Orte; bei einigen Theatern scheint jedoch 
von vom herein auch auf Fremde Rücksicht genommen zu sein *). 

§ 7. 

Technische Bezeichiiimgen der einzelnen Theile desTheatergebändes. 

Ueber die den einzelnen Theilen des im Vorigen beschriebenen 
Theaters zukommenden technischen Bezeichnungen ist man im Wesent- 
Hchen zur Klarheit gelangt; da indessen manche der hier in Betracht 

*) Heber Megalopolig vgl. Paus. VIII, 32, 1; nach Strack p. 2 fasste es 
44000 Menschen, da« Dionysostheater nach Plato S>Tnpos. HI, p. 175 E über 
30000, eine Anpfabe, die nur eine prrosse Zahl bezeichnen soll, vjfl. unten §. 20; 
neuerdinpfs hat Papadakis nach Julius, Z. f. bild. K. XTII, p. 202 die Zahl der 
Sitzplätze auf 27500 berechnet. Die Maasse für den Abstand der äusseren und 
inneren Ecken der Flügel sind hinsichtlich der im Text genannten festländischen 
Theater folgende: Megalopolis 600 und 310 F., Sparta 453 i nd 217 F., Epi- 
dauros 400 und 82 F., Athen 88 m und 22 m (theils nach bestimmten Angaben, 
theils nach Messung der Pläne). 

*) Die Nachmessung der Pläne ergiebt folgende Durchmesser: Syrakus 
400 und 90 F., Milet 445 und 205 F. Die Angaben der Reisenden weichen 
ab. Für Ephesos giebt Cockkrell 660 und 240 F. Falkener, Ephesus p. 102 
berechnet die Zahl der Plätze auf 56700. Das Theater in Lyktos hatte nach 
Falkener, Theatres in Crete 600 F. im Durchmesser. 

*) BüRsiAN, Geogr. I, 131 giebt dem Theater bei Missolonghi einen Durch- 
messer von kaum 100 F., nach demselben IT, 285 ist das Skenengebäude zu 
Aepion nur 10 m lang, Leake, Morea II, 13 bestimmt den Durchmesser auf 
15 oder 20 yards. Ueber Chaeroneia und Psophis vgl. Bursian a. a. O. I, 205 
und II, 261, über das letztere auch Curtitjs, Pelop. I, 387. 

■*) Die bedeutenden Dimensionen des Theaters zu Megalopolis, welche 
Welcker, Tageb. I, p. 263 daraus zu erklären suchte, dass darin die Angelegen- 
heiten Arkadiens durch 10000 Repräsentanten verhandelt werden sollt<»n (vgl. 
Leake, Mor. II, 39 f.), sind nach Curtiis, Pelop. I, 285 Folge des Strebens, 
in der neuen Stadt Alles in grossem Maasstabe einzurichten. Das Theater zu 
Dramyssos, welches nach Leake (Topogr. v Athen S. 383 d. üebersetzung) 
etwa 210(X) Menschen fasste, ist wahrscheinlich auf die ganze Landschaft, be- 
rechnet. Beim Dionysostheater nahm man auf die Bundesgenossen und andere 
Fremde, zu Epidauros wesentlich auf die grosse Zahl der Kranken Rücksieht. 



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48 §. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 

kommenden, aus lebendiger Anschauung heraus geschriebenen, Stellen 
gegenwärtig nur durch Combination verstanden werden können, andere 
wiederum nur trümmerhafte Ueberiieferungen sind oder aus einer 
Zeit stammen, welche die genaue Bekanntschaft mit dem griechischen 
Theater verloren hatte, so kann es nicht auffallen, wenn über die 
Deutung der einschlagenden Nachrichten vielfach verschiedene 
Meinungen aufgestellt sind *). Die wesentlichen Ergebnisse der 
Forschung, so weit sie nicht in enger Beziehung zum Bühnenwesen 
stehen und daher einer späteren Besprechung aufbehalten bleiben 
müssen, sind folgende. 

Der gesammte für die scenischen Agonen bestimmte 
Bau heisst ^atpov, theatrum. Dieser Gebrauch des Wortes ist 
ausserordentlich häufig^), jedoch nicht der einzige, wie denn über- 
haupt mehrere der hier zu behandelnden Wörter in verschiedenen 
Bedeutungen vorkommen. Völlig fest steht die Anwendung von 
^datpov auf die versammelten Zuschauer in einer nicht ge- 
ringen Anzahl von Stellen'*), während an anderen, wo mit tHatpov 
das Verbum ^rXrjpoov oder das Adjectivum nXf^^jTfi verbunden ist, zu- 
nächst die Beziehung auf den Zuschauerraum sich zu empfehlen 
scheint, in der That aber ebenfalls die Zuschauer zu verstehen sind *). 



») S. WiESELKR, E. u. Gr. LXXXTTT, p. 202-231, und meine Besprechung 
dieses Abschnittes Philol. XXXV, p. 303—331. 

*) Belej?stellen sind unnöthip. Die richtipfe Ahleitunpf des Wortes pfeben 
Cassiod. Var. FV", 51: Athenienses prinrium acrreste principium in urbanum 
8])ectaculuni collegerunt, theatrum Graeco vocabulo visorium nominantes, und 
Tsid. Ori^^. XV, 2, 34; XVIU, 42, 1: azb tyj? (J-stupiot;; von ^j6? Plut., De mus. 27. 
Andere Form Suid. O-soiTpstov O-Eatpov. 

*) Aristoph. Ach. 629: oujkm saplß-r] 7zpb<; t6 t^-saxpov, Eq. 508, Pac. 735. 
Eq. 233: 'zh '(äp O-saxpov ^sjiov. 1318: ln\ xa'.vai^'.v $' suiuyiai-stv (xp**!) icaiüJViCciv 
t6 ö^atpov. Herod. VI, 21 : xal ^"^ W. KOfrj'savit 4>povty(i> ^pä^a MtAYjToo aXoi^tv 
xal 5i^d4<^vT'. Iq ^axpoa ensos to i^rrjtpov. Plato Conviv. p. 194 A: 'fapji<ixTSiy 
ßooXet [xe . . ., tva iH^opoßfj^oj ^ta xh oieO^at xo d-faipov Tcpoo^oxiav ^-'(^Xr^^^ ^X^'^ 
toc: 5?) spoövTo; 6^00. Aeschin. Ctesiph. § 44: oo fap ''f\ ExxXYjsta vjvmyXs'.xo, aXXa 
To ÖTotTpov. Ael. Var. Hist. TT, 13: xal ^ap loi xal xh xob Kpativoo touto z^ivi^jf^ 
et Koxt <5XXots xal xote, xü> i'^-saxpcu voiTj^a». xck; '^psva;. V^l. TTI, 8. l^hit. Marc. 20; 
Philop. 11; DemoBth. 29. Luc. De saltat. 72; 83; Pisc. 36; Apol. 5; Pseudol. 19; 
Adv. ind. 9. Alciphr. Ep. TT, 4, 5. Der Plural Paus. IX, 12, 4. 

"*) Dem. Mid. 59: oj^ o' STrXfjptulWj xo ^axpov. Plut. Phoc. 5: TiXfjpo'j/AEvoo 
xoü D'S'ixpou. Anton. 56: vtj^o? i'f" •tnii^af; ::oXXa^ xaxYjoXsIxo xal xaxj'ViXXsxo 
::XY|poM|uv(«v ^saxpcov xal yopoiv äYo*v'.C^jjLsvo)v. Herodian. T, 9 (TtX*r|pü>l)-£vxo(;): 
Tsocr. De pac. 82 und Polyaen. Strat. VI, 10, p. 225 Wölffl. (rwXYjps?). Auf 
die im Text indieierte Auffassung: führen Stellen wie Dem. Timocr. 92: ^ixasxYjpta 



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^. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 49 

Es unterliegt jedoch keiuem Zweifel, dass mitunter ^daT(>ov vom Zu- 
schauerraum gesagt ist*), zumal einige Male ^datpov in diesem 
Sinne der Bühne entgegengesetzt wird*). Nur vereinzelt bedeutet 
^aTf>ov einen Schauplatz ohne irgend welche Beziehung auf einen 
Bau*). Wenn femer Lexikographen lehren, dass d^atpov auch für 
Schauspiel oder Theaterstück stehe*), so sind die für diese 
Bedeutung anzuführenden Stellen derart, dass auch der als der ei*ste 
aufgestellte Gebrauch des Wortes zugelassen werden kann^). In 
ganz später Zeit scheint endUch theatrum auch von der Bühne 
verstanden zu sein*). 



7zkf]pobxt; Mid. 209: ^txa'st'rjpioü KX*r]pooji.8voo ex tootcmv; Plut. Quaest. conv. YTT, 
6^ 2, p. 707 D: ta aojxitoota iz\t]poby; femer Aesch. Eum. 570: KX7jpoo|uvoü f^P 
TOü^ff ßoo/w8»>rr)ptoo. Ar. Eccl. 88: Iva nXr^poofiivr^i; 5*'-votpLt r/j^ txxXfiata?: 95: 
st KX-fjp'r|<; Tüxot Btjjao? ü>v. Vgl. Eur. Iphig. Taur. 306; Androm. 1097. CIA 

I, 29, 6: xb Sixa^rriptov icapey6vTa>v ?rX7]p5$. 

*) Plut. Timol. 34: efrst pi']'a<; xb tpiaTtov 5ta jiiooo xob O-satpoo xal repo<; xe 
TtMV ß(ii)-pu>v 5po|i<}) fspopLsvo^ Güvippfjje rrjv xe^paXYjv. Diod. XITI, 97, 6: xoö 
{fsaipfit) KX*f|d'ovto<;. Varro R. r. TU, 5, 13: gradatim sunt structa, ut iS-gaipt^ta 
avium, mutulis crebris in omnibus columnis impositis, sedilia avium. Hör. Ej). 

II, 1, 60: hos arto stipata theatro spectat Koma. Ov. A. am. T, 89: curvis 
venare theatris; 497: cuno sedeat theatro. Aüson. Prolus. ludideVII. sap. 21: 
cuneata crevit haec theatri immanitas. — Beide Bedeutungen concurrieren Cic. 
Q. fr. T, 1, 14, 42. 

*) Plut. Phoc. 34 : käs: xal tzolzoli^ avaTcsKtajiivov xb pr^fia (Bühne) xal xb IKaxpov 
Ttapotoyovte^. Phot. xptxo^ apt^TspoO* b jiiv ocptottpic o'^os/o^, 6 izpb^ xtj* '^^eatpco 
Tjv, h ^i h^ib^ irp6<; tcj) wpooxYjvtcj). Philostr. Vit. Apoll. 6, 7, p. 88 Kays.: oi; 
jiYjte {Haxpov saxt |i*f|xe ox-rjv^ Tcpö? xaüxa. Vgl. auch theatrum et proscaenium 
bei Liv. 40, 51, 3 und Or. 3303, nach RrrscHL, Parerga p. 217, Anm. - . Die 
Bedeutung „Zuschauerraum" weist für ^axpov entschieden zurück Wiksklkr, 
E. u. Gr. p. 230, A. 146. 

«) Schol. Ar. Plut. 1129 = Suid. I, 1, p. 796 Bemh. und Cod. K des 
Harpocrat., p. 37 Bekk.: ev lU'stp xob i^J-eaxpoo txt^svxo aoxoix; KstpooYjfifvoy^ oder 
h/ piaü) xob d^axpoo extO-svxo daxol irt^Owtj|isvot. Anders Mommsek, Heortol. 
p. 361, A. **, der die Chöre ins Theater verlegt. Auch Verg. Aen. V, 287 f. 
mediaque in valle theatri circus erat. 

*) Hes. iSiaxpov* frea[xa yj GüvaYJia. Phot. ^ax^j^* b xb ^saxpov 6pu»v, ^ xb 
O^axpov oovwxAv, wo jedesmal die zweite Notiz auf die Zuschauer geht. 

^) Plut. Alex. 72: t^v ev ^axpot^ xal wavTjfopeatv. Anton. 57: iv irat^tatc; 
Tjv xal ^saxpoi^, Ael. Var. bist. II, 13: xol^ ^<ixpof<; siretpoixa. Alciphr. Ep. 
II, 2 fin.: ^taxwpiw^st oe . . . ev xalg txxXTj^tat^, sv xot; ^sdxpoi?, icapd xol^ olkkoi^ 
zo'fizxal^. Nicol. Damasc. bei Athen. IV, 30, p. 153 F: xd$ xüiv |Aovo|Aa-/ta»v 
{Hag £v ttavTjYüps3t xal ö-edxpotg enoioOvxo. Sicherer Aristox. bei Athen. XIV, 31, 
p. 632 B: ta diaxpa exße^apßapooxai. 

*^) Is. Origg. X, 253: scaenicus, qui in theatro agit. Theatrum enim scaena est. 
Hermann, Lehrbnrb HI. i|. ^ 



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50 S« 7. Tt'chnischo Bezeichnunj^on der einzelnen Theile des Theatcrgel)äudes. 

Das B ü h II e ii g e b ä n d e heisst mriyri^ scaena *) ; insbesondere 
aber wird die den Zuschauern zugekehrte Vorderwand des- 
selben so genannt; griechische Stellen für diesen Gebrauch scheinen 
gänzUch zu fehlen'^); dahingegen scheint das Wort mitunter vom 
ganzen Theatergebäude einschliesslich des Zuschauerraumes ge- 
braucht zu sein^). 

*) Plut. Demetr. 34: xsXs63a<; st^ xo ö'eaipov a^f.o'.30-?jvai ^avta;, o^Xot; jaev 
3'iV£'ff,aj£ TT^v GXYivTjv xal ^op'j'fOf»o!? To Ko-^zlov jT^ptiXa^sv. Arat. 23: eiriarfi-jac 
^s tat? jiapo^O'.^ ^xatepttiö^v to'j? WyaiOü?, aoto^ aiti xyj; oxyiv?]^ st^ [leaov TCpoYjX- 
D-sv. Vgl. m. Ausführung Philolog. XXXV, p. 325. Nicht ganz fest steht diese 
Bedeutung Suid. ol-ko \Lrfj[/jL^9fi : oi Y^p 'f<»v t{>otYU)0'.a»v TrofrjTal .... sitoO-a^». {fio'j? 

Dasselbe beim Schol. zu Luc. Hermotim. 86. Vitruv. V, 6, l: scaenae frons; 
9, 1: post scacnam porticus sunt constituendae ; 9, 9: ambulationum explica- 
tiones . . . post scaenam theatri; 7, 2: scaenam recessiorem. Vielleicht auch 
Eustath. ad Iliad. p. 976, 15: t^ EYx6xX*r)|jLa . . . [iTjyivTjjta yjv Oirotpo/ov, Otp' oo 
3o:'.xvoxo xa sv x-J oxjo^ n?j 3Xfiv^, wenn nicht ^ ax. Glossem ist, wie ich Philol. 
XXTIT, p. 330 vermuthet habe; übrigens würde sich ergeben, dass das Buhnen- 
gebäude auch z'A^^)r^ hiess (G. Hermann, X. Jen. Litt.-Z. 1843 p. 597, Jahn's 
.Fahrbb. 1848 p. 5 imd bei Bernharuy zum Suid. II, 2, p. 785\ wüssten wir nur die 
Quelle des Eust.; WiESELER, E. n. Gr. p. 211, A. 46 schreibt iTLin-Q. Endlich 
CIL I, 206, p. 121, 78: scaenam pülpitum und Isidor. Origg. XVIII, 43 (mit WiE- 
Seler's Besserung, a. a. 0. p. 230, A. 146): scaena autem erat locus intra 
theatrum, in modum domus instructus cum pulpito, qui pulpitus orchestra voca- 
batur, ubi cantabant comici et tragici atque saltabant histriones et mimi. Dicta 
autem scaena Graeca appellatione eo, quod in speciem domus erat instnicta. 

-) Cassiod. Var. IV, 51: frons theatri scaena dicitur. Serx. ad Verg. Aen. 
I, 164: scaena autem pars theatri adversa spectantibus. Vitruv. V, 5, 7: scaenae 
valvae; 6, 3: scaenae compositionem ; 6, 8: ipsae scaenae. Apul. Flor. 18, p. 28, 5 
ed Krueger: nee proscacnii contabulatio, noc scaenae columnatio. Plin. N. bist. 
34, 36: signorum tria milia in scaena tantum fuerunt temporario theatro; 36, 5: 
trecentas sexaginta columnas ... ad scaenam theatri temporari . . . viderunt 
portari; 36, 114: scaena ei tnplex in altitudinem CCCIX columnarum. Wenn 
sich ibid. 36, 50: marmoreos parietes habuit scaena und 36, 189: a parietibus 
scaenae der Plural findet, so sind wahrscheinlich die Wände der Seitenflügel mit 
zu verstehen; anders Wieseler, E. und Gr. 208, A. 32. Endlich Verg. Aen. 
I, 429: columnas rupibus excidunt, scaenis decora alta futuris. 

•'') Hes. XoY'.ov xy]? oxY|VYJ(; x6tco<;, hs" oo . . . oiroxpixal Kt^oo'i'. (XoysIov). 
Et. Gud. p. 503, 30: sxfj'/vj ^ia'fop<a sTj^ialvs'. ... xh ^iaxpov, x*)jv u;c6xp'.3tv, •J^y'''^^ 
xo TrX-iajia, xyjv opyr^-sxfiav xxX. Fest. p. 181 M.: orchestra (^= Bühne nach 
Isidor. XVIII, 43) est locus in scaena (im Theater), quo antea, qui nunc plani- 
l>edes appellantur, non admittebantur histriones. Donat. De comoedia p. 12, 3 
Keiff. : nulnea (piocjue in scaena sternuntur, quod pictus omatus ex Attalica regia 
Koniam us<iue perlatus est, ist diese Bedeutung zweifelhaft. Dagegen steht 
sxTj'rfj fiir „Schau])latz", Schol. Soph. Ai 330: stcsioy^ os axo«ov xov yo^rr/ otno- 



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§. 7. TecbniBche Bezeichniinjj^en der einzelnon Theile dos Thoatergobäudos. 51 

Hinsichtlich der Seitenflügel des Bühnengebäudes können 
wir nur mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuthen, dass sie Trapaaxiijvia 
geheissen haben ^). Einerseits lehrt Theophrast, dass ein für die 
Theaterrequisiten bestimmter, neben der Bühne belegener Raum, 
andererseits Didymos, dass die Eingänge auf jeder Seite der Bühne 
so genannt seien ^) ; die Combination beider Nachrichten führt zu der 
Annahme, dass an jeder Seite der Bühne ein solcher Raum mit auf 
diese fuhrenden Thüren gelegen hat und dass von diesen Räumen 
der Name Tcapaoxiijvia auf die Seitenflügel übertragen ist. Die wenigen 
Stellen der alten Schriftsteller, in denen das Wort vorkommt, ge- 
statten einen sichern Schluss nicht. Bei Demosthenes ^) bleibt un- 



XiTCstv TYjv oxfjVYjV, otvot^o^ sv^o^sv h Ata*:, Iva [itivfi eirl ywpot; 6 X^?''^?* Il>id. 
V. 719: AlavTo; y^P xaiaXiTco'/ro? «po-TjXtJ-sv o ^f(s\o^' clia xob yo^ob trjv axvjvf,v 
sasavto; ^ta f^v C'^ltYjaiv, s^v.i*.^ h \\a^ ztü xt^v irpäjtv. An die Bühue ist in 
))eiden Fällen durchaus nicht zu denken. 

*) ftemeini Jülich ist dies* als sicher angenommen. So Mktnrkk, Frajsfm. 
Com. Gr. TV, Epim. VIT, p. 722 flf. Fritzschr zu Ar. Thesmoph. p. 252 f. 
C F. Hermann, De distrib. person. inter histriones p. 39 f. Gkppert, Altjifr- 
Bühne p. 101. Sommkrbrodt, Scaenica p. 135 f. Lohdk, Skene d. Alten p. 23. 
Schönborn, Skene d. Hellenen p. 98 f. Auffallende Ansicht bei Schneider, Att. 
Theaterw. S. 89, Anm. 112. Vgl. meine eindrehenden Erörterunjren Philolojj. 
XXITT, p. 306 ff. XXXV, p. 320 ff. Wieseler, E. u. Gr. p. 222 ff 

*) Beide Erklärungen enthält Harpocrat. s. v. Kapa^x-rjvta : A*r]jj.03f4vfjc iv 
T'o xaxa Mst^'loo goixs Tcapot'sx'fjv'a xaX?Ia»Viit, uj^ xal H^o-ppa^to? iv slxo^tüi No^wv 

oxsoai?. 3s A'l^üjxo^ Tag kv.axipm^sv x*?]? op/Yja-^pog (^= Xo^iioo wie Isidor. 
XVTTT, 43) eiaoooog ooxt« 'fYjol xaXsi-jö-a'. (Hienach beziehen Groddeck, De 
theatri Gr. part. in Wolfs Litter. Anal. TT, 111 f. und Bernhardt, Gr. Litt. II, 
2, 94 Trapa^x. auf die Einpfänge zur Orchestra.) Schol. Bavar. ad Demosth. 
Mid. 17 ebenso, jedoch mit Auslassung der Notiz über Theophrast, auch Suid. 
und Phot. 8. V. KapaoxYjvia. Die Erklärung des Didymos findet sich auch bei 
Ulpian zur Stelle des Demosth. (s. die folg. Anm.) und Et. M. p. 653, 7; Bekk., 
Anecd. p. 292, 12. Phot. TrapaaxYjvw (1), welche fast übereinstimmend aussagen: 
:capa:;x*/jvia at etao^ot al ei? ttjv ax*r]VY]v. 

*) Dem. Mid. § 17: xal oüx svxaöy egxt) x*f]<; oßpsw;, ahkä xo3o5xov ahrm 
^rspivjv, oiaxs . . . xi icapaaxTjVta cppdtxxtuv, Kpo^-rjXwv i5iu»xY]^ (Sv xa ^-rjpLoata, xaxa xotl 
Tcpaf jjiaxa öijAoO-rjxa p.ot Kaps/aiv ^tsxiXs^sv. lieber die aus diesem Verfahren des 
Meidias entspringende Verlegenheit sagt Ulpian zu d. St. : xa KapaoxYjVta ^potxxo>v, 
xooxsoxtv aTCO'X<pctxxü>v xa? e^l x-^? sxyj'/y];; £i3o$of)?, tva ö /opi? otvaYxaC'rjxai KEptievot* 
O'.a XYj? s4tw^*^sv £'.30^00, xai ouxcu ßpa^ovovxo«; exjivoo, ao^xßaivjj xaxaY^Xä^O-at 
Arj/AOGÖ-ivTjv. Wieseler a. a. O. p. 223 f. meint, der Chor habe durch die 
Mittelthür der Hinterwand auftreten sollen und s(m genöthigt einen Umweg über 
die Strasse zu machen und durch einen der gewöhnlichen Eingänge der Orchestra 

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52 8. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Tlieatergebäudes. 

klar, wie die kyklischen Chöre aufzutreten pflegten, welchen Weg 
der Chor in dem betreff'enden Falle zu nehmen hatte und wie viele 
Thüren vernagelt wurden; bei Alciphron') ist das Wort nur durch 
Conjectur hergestellt, und eine Stelle des Aristides ^) lässt eine 
doppelte Erklärung zu. Nichtsdestoweniger scheint die übliche An- 
nahme das Richtige zu treffen . Vitruv nennt die Seitenflügel versurae 
procurrentes ^). 



seinen Einzug zu halten. Meine Philolog. XXXV, p. 321 geäusserte Ansicht 
ist, er habe durch einen der Seiteneingänge der Bühne auftreten sollen, hin- 
sichtlich des Umwegs stimme ich mit Wieselkr. Petersen, Progr. von Dorpat 
zum 12. Dec. 1878 p. 13, glaubt, der ordnungsmässige Weg habe durch eine 
Thür aus dem Seitenflügel in einen der Eingänge zur Orchestra geführt und 
der Chor sei gezwungen, über die Bühne in die Orchestra hinabzusteigen. 
Daraus ergiebt sich auch Verschiedenheit der Ansichten über die vernagelten 
Thüren, sowie dass Wieseler auch den Baum hinter der Bühne unter itapr/- 
"sxYjv'.a verstanden wissen will. Wahrscheinlich hatte Meidias die aus beiden 
Seitenflügeln sowohl in die Orchestraeingänge, als auch auf die Bühne und in 
den Raum hinter der Bühne führenden Thüren vernagelt und dem Chor nur 
den Weg in's Freie offen gelassen. 

*) Alciphr. Ep. II, 4, 5: t: Y«p ^A^vat X^p''^ Msvav^poo: xi ^k Mevotv^po? 
^(•»olc r/.0X2pac; yjtic: aoTU) xal xä irpOGCuKstrt ^tacxeoctCiu xal Tct^ l's^xaq ev^uio, 
xav tot^ :tpoixT,v'oi^ 5arf)xa xoo? SaxTüXooc: siAaoTTji; «teCoosa, xal xpejAoo^a stu? 5v 

XpOTaX'.3|(J TO l^lr/TpOV TOtS VT] TY]V "ApTSjAlV Otva'j/OXtÜ Xal TTcp'.ß'iXXofJGa 32 TYjV IspOtV 

ix?tv7]v xf^aX-r^v iva'j'xaX'C'JH-'^i, wo Meineke F. C. G. IV^ p. 722 f. mit vollem 
Rechte TCapaGxvjvioic geschrieben hat; Wieseler, E. und Gr. p. 218, Anm. 82 
zieht oTTo-sxYivtotc vor. Benndorf, Beitr. zur Kenntniss des att. Theat. p. 35 
fasst KpoGXYjVioi? als die übereinandefgelegten Decorationen des Hintergrundes, 
wie sie für die verschiedenen Stücke nöthig waren; indess war ein so compli- 
ciortor Apparat wohl nicht erforderlich, Glykera hätte kaum zwischen den Deco- 
rationen stehen und hätte namentlich den Menander nicht spielen sehen können. 
Vgl. Sommerbrodt, Rhein. Mus. XXXI, p. 129 0". und unten § 11. 

') Aristid. II, p. 397 Dind. : xa: so rrjv axYjvJjv tV/o}Aa{(ov xa Kapacx-rjvia Y;xt<xaoi 
xal xo'K XoYGo; a'fsl? exvjpE'.; xa KapatpiS-eYiA^xct. S. m. Analyse der ganzen Stelle 
Philolog. XXXV, p. 322, wo namentlich die ünhaltbarkeit der Ansicht Wie- 
sklkr's, der E. u. Gr. a. a. O. p. 227, A. 129, 3x-r]V7] auf den Schein, 
das Unwahre, TrapasxYjV.a auf das Gegentheil davon bezieht, nachgewiesen 
und gezeigt ist, dass bei gxtjVyj an die decorierte Hinterwand der Bühne, bei 
Trapa-sxYivia an die nicht decorierten Seitenflügel gedacht werden muss, und dem 
Gegensätze dieser beiden Worte der zwischen Xo^oi (dem eigentlichen Inhalt 
der Rede) und :capa'fiS-eY|j.axa (den ne])ei.sächlichen Aeussenmgen) bestehende 
ents]>richt. Indessen könnten mit Beziehung auf Suid. s. v. cxyjvyi — eine 
Stelle, welche §. 11 zur Behandlung kommen wird — auch die Seiten der deco- 
rierten Hinterwand im (iegensatze zu der Mitte derselben gemeint sein. 

^) Vitruv. V, (5, 8: secundum ea loca versurae sunt procurrentes, quae effi- 



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§. 7. Technische Bezeichnunfj^en der einzelnen Theile des Theaterjfebäudes. 53 

Die Bühne heisst zunächst 'JXyjvyj, scaena^), und zwjir so oft, 
dass Belegstellen nicht erforderUch sind ; als Gerüst wird sie oxf^ißa?, 
pulpitum'^) genannt, als Platz zum Auftreten ßr^|i.a^), als Sprechplatz 
XoYstov*); selir oft kommt endlich die Bezeichnung xpöWYJvtov, pro- 

ciunt una a foro, altera a pcregre aditus in scaenam. Schönborn a. a. O. p. 47. 
Phüülog. XXIU, p. 299 ff. 

*) WiESKLER, E. u. ör. p. 209, A. 37 meint, Vitruv habe sich des Wortes 
scaena zur Bezeichnung der eigentlichen Bühne cuthalten. Indessen müssen 
doch wohl V, 3, 8; quaccunquo vox esset in scaena; 5, 3; vox a scaena uti a 
centro profusa; 6,2: quod omnes artifices in scaena dant operam; 6, 8: aditus 
in scaenam so gefasst werden. 

*) Plato Conviv. p. 194 B: I^cmv av5pstav . . . avaßatvovto^ skI tiv oxptßavTot 
/AST« Ttüv OKOV.pizoi'j xal ßXe'j/avTO? Evavxtov xoio'jxoo &sazpoo jiiXXovTo? l-KiZsi^rj.zd'rxi 
aaoiou Xo^oü?, eine Stelle, über die zu vergl. § 24 und zu der der Scholiast, 
Hes. und Phot. s. v. ixptßa; fast übereinstimmend: zb \o'(ilov, s'f' oh ot TpocYcj)- 
ool YjYtüviCovxo. Von einem Gerüst sprechen auch Et. Magn. s. v. öxpißavte«; : 
£'^' (liv äxpu» ioxdotv ol öicoxpitot und Tim. Lex. PI. p. 190 Ruhnk. : oxp'lßa;* 
irrjYfxa xb tv t(j) ^idtpcp ti^jjxjvov, 8'^' oh laxavTat ol ta Zr^\i.6ziOi Xt^ovii;* Ö'ü|jLeX*rj 
Y^p oä^iiwo TjV. kk^ti Yoöv tt^' „XoYJtov »att Ä7j4t^ taxoptajwvtj 4'^^tov" titoc ij-?); „oxpi^a^ 
o' övojictCtTat." Besonders kommt auch in Betracht, was Phot u. Suid. s. v. öxp-lßa^ 
mittheilen : xä irXaaxtxd («Xa-STixÄv Usener) irfjYJAoitot, etp ' ol? ^tccTOTtoö-jt td^ Eixova; 
xal td ü^tspzbjjLaTa twv ^üXivwv O-jdxptuv, und der Zusatz beim Scholiastcn und 
Hes.: x'.vi^ $i xtXXißavxa xp'.5x*X7] ^pao'.v (Hes. xtXXißo^ xpt3xsX-f|c). Vgl. ferner 
Pollux VIT, 129: s^' oh $fe ol «Ivotxe^ ep»'l$ovxai, 3xav '(pä'^ui^n'Jii, ^oXov £3x1 xp:- 
cxiXe?, xal xaXstxat oxp'lßou; xt xal xtXXi^a^. S. die ausführliche Behandlung aller 
dieser Stellen bei Wieseler, E. u. ör. p. 206, A. 20 und Rohde, Rhein. Mus. 
XXX Vin, p. 255 ff., der indessen keinen Grund hatte, die Beziehung von 
oxp'lßa^ auf die Bühne des Theaters zu bezweifeln. Aus falscher Auffassung der 
Stellen ist die Meinung hervorgegangen, oxpiga; sei ein Aufsatz auf denT XoY?tov. 
SoMMERBRODT, Rerum scaen. cap. sei. p. 27^ vgl. aber Scaen., p. 137. - Pulpi- 
tum s. Vitruv. V, 6, 2: ita latius factum fuerit pulpitum; 6, 7: gradus, diazomata, 
pluteos, itinera, ascensus, pulpita, tribunalia; 7, 2. Hör. Ep. II, 1, 174; 3, 215; 
279. Ov. A. am. I, 104; Trist. II, 517; Prop. IV, 1, 16; luven. VI, 78; VII, 93. 
Plin. Ep. IV, 25. CIL I, 206. Isid. Origg. XVIU, 44: pulpitus scaenae als 
Erklärung für orchestra im Sinne von Bühne. 

*) Plut. Phoc. 34: s. p. 49, A. 2. Hes. ,^^a- :rXsiova \kzw Ti]\i.av^zi xoivo- 
xspov (....) ^k of)Xüi<; xot xh XoYstov. Vgl. CIG. 2681 = Le Bas As. niiu. 269 
(lasos): ItüKaxpo? . . . x6 dvdX-rjpL.aa xal xyjv sä' ajxoO xspxloa xal xo ß'^jfta 
Atovt>a(j» xal xm o-f^fAü), von BöcKH irrthümlich nicht auf das Theater bezogen, 
und die Inschrift der Bühne des Dionysostheaters zu Athen CIA. III, 239: Jir^ixa 
0-s-fjxpo'>. Cram. Anecd. Ox. IV, p. 253: spwxYjÖ-jl; xi; ajxoö ^wdaxaXo; Y'T'*''*'^? 
£17], xh xu>v '.Vd^vatiov ffY) ßY]|Jia, £}i^alvu>v, oxt -f] ^la xmv icpaYfJ.'XTtuv E»i.7i£tp'a 
xpnxxoiv 7ca3Y]5 ao'^'.3xtx-rj; $wa'3xaX:a(; e-jx'-v ist nicht vom Theater zu verstehen. 

*) Vitruv. V, 7, 2: pulpitum, <piod Xoysiov appellant. Schol. Ar. Eq. 149: 
tva ex X7)5 ^apo^oo ird xb "Kofzlov avaß-j .... Xsxxiov oov Zxi 3tvaßa:vstv eXsYsto x6 



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54 §-7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 

scaeniuni ^) vor, welche durchaus angemessen ist, insofern die Bühne 
als Gerüst vor der oxTfjvv) (= frons scaenae) betrachtet wird ^). Da 
nun zur Bühne des Theaters wesentHch die Hinterwand gehört, so 
kann es nicht auffallen, wenn an einigen Stellen unter proscaenium 
diese mit zu verstehen ist*); es scheint sogar, dass dieses Wort auch 



Ik\ tö Xo^etov ebievai. Hes. oben p. 50, A. 3. Phryn. p. 163 Lob.: ob jxevxot, 
f/ö^ JJ.SV x(u{jL({)^ol xal Tpa^tpSol a^^MVii^ovxoa, \o'(zlov epsl«;. CIG 4283 (Patara): 
xal lYjv Toö Xo^eioD xaxaoxsüY^v xal irXdxcuo'.v. Plut. Thes. 16: ol Tj>aYtxol tioXXyjv 
aitb toö Xo^stoü xal 'zr^^ axYjvy^^ öt^o^tav aütoö xaxeaxl^aoav führt nicht auf einen 
Unterschied zwischen Xo^eiöv und oxYjvfj, sondern lässt nur Fülle des Ausdiiicks 
erkennen. 

*) Ein Unterschied zwischen Xo^stov und Rpoox-rjvtov ist nicht zu statuieren. 
Gegen Schniuder, der (Att. Theaterw. p. 9) in wunderbarer Weise die eigent- 
liche Bühne, das irpocx-rjviov und das Xo^stov unterscheidet, G. Hermann, nach 
dem (N. Jen. Litt.-Z. 1843 p. 597) proscaenium den vor der Scenenwand be- 
findlichen Baum, Xo^etov dessen mittleren Theil bezeichnet, Geppert, der (Altgr. B. 
p. 120) ähnlich urtheilt, und Sommerbrodt, welcher (Scaenic. p. 138) proscaenium 
als omnem qui ante scaenam est locum, i. e. et ipsam substructionem ex lapide 
factam et pulpitum, in quo loquebantur histriones und logeum als solum pul- 
pitum ligneum superstnictioni impositum erklärt, weist AVieseler, E. u. Gr. 
p. 214 ff., A. 69 die Identität beider Ausdrücke nach. 

*) Apul. Flor. 18 p. 28, 5 Kr.: proscaenii contabulatio (== Dielung). 
Vitruv. V, 6, 1: proscaenii pulpitum (steht parallel dem Ausdruck orchestrae 
regionem und darf nicht zur Scheidung von proscaenium und pulpitum führen). 
V, 8, 1 : finitio proscaenii und proscaenii e regione. Serv. ad Verg. Georg. 11, 381 : 
proscaenia autem sunt pulpita ante scaenam, in quibus ludicra exercentur, wo 
der Plural durch die Worte Vergils motiviert wird (vgl. Philolog. XXIll, p. 310). 
Velius liongus. De orthogr. p. 2245 P.: pulpita, quae ante scaenam sunt, 
proscaenia appellabantur. Suid. irpooxyjv.öv • x6 Tipb xyjc oxyjv?]? Tcapa:tkao|ia giebt 
eine Bedeutung an, welche erst bei Besprechung der Bühnendecoration behandelt 
werden kann, fügt aber eine, wahrscheinlich auf Polybius zurückzuführende, Stelle 
hinzu, welche hieher gehört: -i] ok xo/y] RapsXxo^svrj xyjv jrpo'faotv xaö-d^rsf. eni 
j:po3XTjvtov irotp5Y6|j.v(üO£ xa; aX*r]0'£i(; sittvoia?, da, wie Wecklein, Philolog. XXXI, 
p. 449 durch Vergleichung von Polyb. Exceri)t. leg. 88: xyj? '^^'/y]^ ajairep ent- 
x-rjSe«; avaßißaCouoY]«; zid x4]v oxyjvyjv x-rjv xd»v 'Pooia» ^Yvotav und Hist. XI, 5: 
xtj? ':6'/yi<; ujo^sp sjiixyjOc^ eirl xy^v g^ajaxpav avaßißaCo6oT^<; xyjv ü|JLexlpav a^voiav 
zeigt, TrapeXxEo^at „herbeiziehen" heisst. Scäneider's Att. Theaterw. p. 83, A. 103, 
Streichung von sirl und Wieselek's, E. u. Gr. p. 217, A. 74, Aenderung xaö-d- 
Kzp xt beruhen auf Verkennung des von Suidas in der Citierung der Stelle 
begangenen Irrthums. 

') So Plut. Lyc. 6: oxav tlq dYdX|jLaxa xal Ypa'fd«; -ifi Tcpo'SXYjV.a {)-sdxf»(«v yj 
oxEYa«; ßooXsüxYjpIcov ypxfjjAeva? ^rsj/'xxoi? ixxXY|OidCovxE<; otKoflXliiujGt. Liv. 40, 51, 3 
und Orelli 3303: theatrum et proscaenium. Schwerlich gehören hieher Suet. 
Nero 61: hos ludos spectavit e proscaenii fastigio und ibid. 26: interdiu quoque 



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§. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 55 

das ganze Bühnengebäude bezeichnen konnte^); ja, es wird sich nicht 
abweisen lassen, dasselbe auch einmal auf den Zifschauerraum und 
die Zuschauer zu beziehen *). In späterer Zeit beim Ueberwiegen 

clam gestatoria sella delatus in theatrum seditionibus pantoniimürum e parte 
proscacnii supcriore signifer simul ac spectator aderat; Wieselkr, Donkm. d. B. 
p. 25, sucht die fragliche kaiserliche Loge unter Bezugnahme auf die Theater 
zu Orange, Bostra und Otricoli in der Mitte der Scencnwand über der Mittel- 
thür; LoHDK, Skene d. Alten p. 12, dagegen verlegt solche Logen auf beide 
Seiten des Prosceniums, ebenso Arnold, das altgr. Theatergebäude, Würzb. 1873, 
Exe. S. Philolog. Anzeiger VI, p. 260. Aus d. J. 394 p. Chr. gehört vielleicht 
hieher Cod. Theod. XV, 7, 12: si qua in publicis porticibus vel in his civitatuni locis,. 
in quibus nostrae solent imagines consecrari, pictura pantomimum veste humili 
et rugosis sinibus agitatorem aut vilem offerat histrionem, illud revellatur, ueque 
umquam posthac liceat in loco honesto inhonestas adnotare personas: in aditu 
vero Circi vel in theatrorum proscaeniis ut collocentur non vetamus, worüber ich 
rhilolog. XXXV, 317 gegen Wieseler, E. u. (4. p. 219, A. 94 gesprochen habe, 
der fälschlich an einen Durchgang durch das Bühnenhaus denkt. 

CIG 4283 (Patara): . . . 05tiXia . . . IlpoxXa Ilaxapl^ avE^xtv xal xaö-i- 
pu>38v to t2 itpoax*fjviov, 8 xatssxsuaosv ex ^tfjLtXiwv 6 ;toiT*rjp aüx*?;; K6Tvtc; 06- 
tiXio^ Tttiavo^, xal t6v sv oi6t<j) xoauov xal xa izt^l aoxo, xal xr^v xtiuv av- 
^ptdvTüiV xal afaXjjLdxtov dvdsxaaiv, xal xr^v xo6 Xo^stoo xaxaaxsoT^v xal ffXaxcuoiv, 
OL ejTOiTjasv aox-rj • x^ ^k iv^sxaxov xoö ^joxlpoo ^taCwjJwcxo^ ßd^pov xal xd f;Y|Xa xo'*) 
t^-saxpoo xaxaaxsoagd-svxa oko xs xoö naxpo^ ahxy]^ xal »ja' aOXYj? Kpoavsxli^Yj xa» sap*- 
$6{Wj xaxd xd oTci xtj^ xpaxbxTj^ ßo'jXf^^ i'j/Yj'f t(3|jiva (147 p. Chr.) Sommekbrodt er- 
klärte Scaen. p. 138 wie oben p. 54, A. 1. Schönborn a. a. O. p. 97 verstand die frons 
scaenae, ähnlich m. Jahresb. Philolog. XXIII, p. 311. Wieseler, E. u. Gr. j). 219, 
A. 89 wie im Texte, nur dass er in dieser Bedeutung von irpocxr^viov die Prä- 
position vom Standpunkte des auf der Strasse vor dem Bühneugebäudc Stehenden 
erklärt, wogegen meine Bemerkungen Philolog. XXXV, p. 316 zu vergleichen sind. 

^) Claud., De laud. Stilich. II, 403: Pompeiana dabunt cjuantos proscaeuia 
)>lausu8 (vgl. Claud. II in Eutrop. V, 3, 304: caveae clamoribus resonautes). 
Proscaenium wäre hier als der vor der Bühne belegene Raum anzusehen. Sehr 
schwierig ist Plaut. Poeuul. 17: Scortum exoletum ne quod (Hitschl, vulg. 
ue (juis) in prosceuio sedeat. Ritter ,*Zimmerm. AUg. Schulz. 1830, Abth. 11, 
p. 882 dachte an den Vordergi*und der Theatersitze ; Ritschl, Parerga p. 209 f., 
an den Theil der Sitzstufeu, der sich im grossen Theater zu Pompeji (vergl. 
Wieseler, D. d. B. II, 7 A.; Overbeck, Pomp. p. 134, Fig. 8H) auf beiden Seiten 
der Bühne dergestalt fortsetzt, dass diese Fortsetzungen mit der Bühne pai*allel 
zu stehen kommen; oder wollte „ne qua pro prosceuio" oder .,ue qua sub i)ro- 
scenio** schreiben. Wieseler, E. u. (ir. p. 214 A. 68 nimmt in prosceuio für 
in consi)ectu omuium und schreibt „ne (juasi in proscenio**. Benndork, Z. 1. d. 
österr. Gymn. XXVI, p. 31 f. d. Separatabdrucks Wien 1875, bezieht sich auf 
Alciphr. II, 4,5 (s. oben p. 52 Anm. 1), wo er jedoch xdv rcpoGxr^v'.o:; liest, und 
denkt an Verkehr der Verehrerinnen der Schau}q)ieler hinter den Coulisseu. 
SoMMERBRODT, Rhein. Mus. XXXI, p. 129 fl*. schliesst sich Benmdork an und will 



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56 §-7. Technische Bezeichnungen der einzehien Theile des Theatergebäudes. 

orcliestischer und musikalischer Aufführungen wurde die Bühne auch 
öp/TjoTpa genannf *). 

Der Kaum unter der Bühne und namentUch die diesen 
nach vom abschliessende Stützwand derselben heisst oicooxTjvtov; 
an dieser sprachUch wie sachUch durchaus berechtigten Auffassung 
ist um so mehr festzuhalten, als die in den Theatern zu Athen und Epi- 
dauros, allerdings fragmentiert, entdeckten Vorderwände des Prosceni- 
ums zu der von PoUux gegebenen Beschreibung durchaus stimmen; in- 
dessen darf nicht in Abrede genommen werden, dass bei Athenaeus 
das fraghche Wort auch für das Bühnengebäude vorkommt*). Dem 
in diesem Sinne gebi'auchten griechischen Ausdrucke entspricht das 



bei Plautus nichts andern, fasst jedoch proscaenium als den ganzen Raum vor 
der Bühnenhinterwand, der die Seitenräume, in denen das scortum nicht sitzen 
soll, eiuschliesse, bei Alciphron liest er icapaoxY|viot^. 

^) Ausser Didymos und Isidor (p. 50 Anm. 1 und p. 53, 2) besonders Arg. Arist. 
Nubb. I; ev t§ hpyirioxpcf. tu> vöv XeYojiivcj) Xo^eiti); dasselbe Prolegg. de comoed. 
VII, p. X Vn Dübner. Femer Schol. Arist. Eq. 508 : fcoxaot \ikv f ap xati otoixov 
ot yopsüTotl npbq x-^v hpy(rpxpav a.Kö^'kkKoyztq, 3tav ^h wapaßdiotv, e^eS'rj«; ioTöüTe^ 
xal :cpÖ5 xoü^ O-saxd^ ßXeicovxe^ xöv Xo^ov irotoövxat. Gramm. De com. p. XX, 4 
Dübner: el«; x^^v ^p^^-rjoxpav, 4]v 8*r] xal Xo^elov xaXoöotv; ibid 58: et^ x-rjv op)^Y|oxpav, 
•J]v e^paoav xal Xo^elov. Tzetzes, De com. p. XXV, 21 Dübner: b xiu|jlixÖ5 X^P^? H-^^ 
opyYjoxpa^ xoTtoK;, x-)jv •JJv XoYstov vöv xaXoö|xev, •JjYfAevo^. Mehr bei Wibseber, 
E. u. Gr. p. 228, A. 139. Die Bühne wurde auch O-üiasXy] genannt, wie §.11 
ausgeführt ist. 

*) Poll. rV, 123: pip*ri ^h ö-edixpoo icoXl^ xal '^aXl? xal xaxaxo|JL'fj, xspxiSe^, 
ox-rjvYj, op^^Yjoxpa, Xo^elov, :rpooxY|viov, ÄapaoxYjvtoc, oiCOOxYjvtou Ibid. 124: xö öi 6^o- 
oxYjviov xtoot xal di.'^akiLaxio:^ xEx6o|JL"rjxo irpö^ xö d-eaxpov xexpajJLjiivot^, 6ffö x6 Xo^etov 
xet|i£vov. Vgl. oben p. 23, A. 4. Athen. XIV, 31, p. 631 E: xal itaXai |jlIv x6 irapd 
xoii; o*/Xot(; th^ov.i\ktlv otjjj.sIov yjv xaxoxe^vta^. Sö-sv xal 'AauinoScupog b 4>XtdGto€ 
xpoxaXtCoftsvoü noxi xtvoi; xtüv a6XTjX(i>v Staxpißtov a5x6( ext ev x<j) 6:roox'r]vtt|) „xt 
xoöx'; sItcev, 8y]Xov 5xi jir^a xaxöv '^i-^o^z'^^. Um von ScHi4£iDER*s Att. Theaterw. 
p. 8 und p. 76, A. 97. 98 vorgebrachter, wunderlicher Ansicht abzusehen, so 
haben Stieglitz, Arch. d. Bank. II, 1, 176, Genelli, Th. z. Ath., S. 47, Gbppert, 
Altgr. Bühne p. 100, AVieseler, D. d. B. p. 62 zu IX, 15 und Lohöe, Sk. d. 
Alten p. 21 das Hyposkenion unter der Bühne, Schönborn, Skene der Hell. p. 101 £, 
A. 31 dagegen und Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0. p. 219 hinter der Bühne gesucht; 
letztere identificieren es demnach mit dem Bühnengebäude. Die im Texte ge- 
gebene Auffassung ist die Sommbrbrodt's, Scaen. p. 140. Aus der Anordnung 
bei PoUux, dem Plural 6:toox*fiv'.a, dem Ausdruck öirö xö XoYsiov sind ange- 
sichts der zu Athen und Epidauros gemachten Entdeckungen Gründe gegen 
den ersten Theil derselben nicht zu entnehmen. Ausführliche Würdigung der 
einzelnen geltend gemachten Bedenken Philolog. XXIII, p. 312 ff. und XXXV, 
p. 318 ff 



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§. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäades. 57 

lateinische Wort postscaenium, welches sich einmal, und zwar in bild- 
Uchem Sinne'), findet. 

Sehr dunkel ist das bei Hesychius vorkommende Wort smoxTJvtov; 
trotz vielfacher Erklärungsversuche ist man bis jetzt noch nicht zu 
einem befriedigenden Resultate gelangt; ob ein solches überhaupt 
sich gewinnen lässt, ist zweifelhaft, zumal das entsprechende lateinische 
Wort episcaenium, welches bei Vitruv eui auf die Hinterwand der 
Bühne gesetztes Stockwerk bedeutet, zur Erklärung nicht heran- 
gezogen werden kann'). 

Der ebene, von den Sitzreihen und der Bühne ein- 
geschlossene Eaum heisst öf/Tjotpa, insofewi er als Tanzplatz des 
Chors'), xaraTOjiT}, insofern er als Abschnitt der Sitzreihen*) gefasst 
wird, a^Yjta wird er mit Rücksicht auf seine Form genannt*), und wenn 



') Lucret. De rer. nat. IV, 1185 f.: quo magis ipsae omnia summo opere 
hos vitae poscaenia celant, quos retinere volunt adstrictosque esse in amore. 

■) Hes. ireiaxYjvtov • xb Jicl xr^^ oxt^vy;; x-xTorf tof tov. Vitruv. VTI, 5, 5 : Trallibus 
cum Apaturius . . . finxisset scaenam in minusculo theatro ... in eaque fecisset 
columnas . . ., tholorum rotunda tecta . . . coronasque capitibus leoninis omatas, 
quae orania stillicidiorum e tectis habent rationem, praeterea supra eam nihil- 
ominus episcaenium, in quo tholi pronai semifastigia omnisque tecti varius picturis 
fucrat omatus etc. In etw€w anderer Form, aber derselben Bedeutung ibid. 
V, 6, 6 : item si tertia episcaenos futura erit etc. Zu Vitruv vgl. Schönborn, Skeue 
der Hell. p. 94 f. A. 27. Für Hes. wollten Vitruv fruchtbar machen Schneider, 
Att. Theaterw. p. 92 A. 114, der den Raum über der Bühne und unter dem 
Bühnendache verstand, sowie Gbppert a. a. O. p. 102 und Lohdb a. a. O. p. 14, 
welche an eine Vorrichtung zur Aufstellung und Bewegung von Flugmaschinen 
und Hebezeuge denken. Es versteht sich, dass eine solche vorhanden gewesen 
sein muss, nur geht darauf nicht die Glosse des Hes. "Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. 
p. 227 f. hält für das wahrscheinlichste, dass eine in den Decorationen vor der 
Hinterwand dargestellte Wohnung bezeichnet sei. Vgl. auch Philolog. XXIIT, 
p. 814 f. u. XXXV, p. 330. 

') Phot.: 0f>yYj3T(>a (erster Artikel), ;rp»a»tov exXYjiK] ev rj ayopot • etxa xal 
toü d^atpoo xb xatü) "fjiJL'.xoxXtov, oh xoil ol xopol ^$ov xal (op*/oöyxo. Tim Lex. 
Plat. opy-fjOTpa: xb xoo d'tax^oo |iioov yiuptov xal xbno^ sitt'^avYj«; et^ icavTjYOf'tv, 
evO^x W^ILO^',00 xal 'Aptatofsttovo«; etxove^. Bekk. Anecd. Gr. p. 286, 16 s. unten 
Anm. 0. Et. M. p. 743, 38: r^ b^yrpxpd, xooxiixi xb xitio ^5a<po^ toö O^dipoo. 

*) Phot. 143, 22: xaTatoiA-i^v ol \dv ttjv opyrjaTpav, oi 81 fi^po^ tt toö O-c^xpou. 
Bekk. Anecd. p. 270, 21 : xaxaxo|i*r] -^ opyr^^xpa 4j v5v 3tY}i.a, ^ fjipo«; xt xoö ^d- 
xpo'j xax£X[j.Y|^, Ikz\ ev opst xaxe-Jxs'Saaxat, ^ xaxd xb a'ijA^e^Yjxi^ 6 xoko^ oSxu)^ 
xaXslxat, ^ xb vf>v Xrf6|i.evov 8tdJ(i>|ia. 

*) S. Bekk. Anecd. in voriger Anm.; femer ibid. 286, 16: opyrjaxpa xoö 
^sdxpoo xb vöv Xe^oiJLEvov ot^jJ-« * u)vo|jLdoO-r] ^k ooxax; sksI (exeI) (upyoövxo ol yopoi. 
Fast übereinstimmend Phot. opy/joxpa 2. Artikel, Selbstverständlich konnte diese 



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58 § 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 

er endlich xovtotfa heisst, so ist das ein aus alter Zeit, in der es 
noch kein kunstgerechtes Theatergebäude gab, übrig gebUebener 
Ausdi-uck ^). 

Die beiden zwischen dem Bühnengebäude und den Sitzreihen 
belegenen offenen Eingänge zur Orchestra heissen nach früher 
allgemeiner'*), neuerdings jedoch bestrittener*), Annahme ;rd[>o8oi; es 
wird das zwar nicht überUefeii, lässt sich jedoch aus verschiedenen 
Stellen durch Schlussfolgerung darthun. Wenn zunächst bei Plutarch*) 
die Eingänge zur Bühne at ivco ;capöSot genannt werden, so müssen 
diesen andere, xdT(o irdpoSot, gegenüber gestanden haben, und diese 
können nur die fragliijhen Orchestraeingänge gewesen sein*). So- 
dann gehört hieher das die Bemerkungen von drei Grammatikern 
umfassende Scholion zu einer Stelle des Aristophanes*), und eine 



Benennung erst nach Aufkommen der jüngeren Form des il eintreten, also seit 
Alexander, vgl. Deecke in Baumeister, Denkm. des klassischen Altertums I, p. 51. 

*) Sum. 8. V. 3XYjvYj: 4] xovioTpa, tootssTt tö xdxü» ^acpo^ Toö ä-tdtpoü. In 
dieser Stelle, über die zu vgl. §.11, bedeutet r-oviatpa zwar nur einen Theil 
der Orchestra: es hindert jedoch nichts, diese Benennung auf den ganzen Raum 
auszudehnen. Die oben angeführte Erklärung s. bei Wiesbler, Ucb. d. Thymele 
p. 9. Derselbe, E. u. Gr. p. 202, A. 4 hält es unter Berücksichtigung des latei- 
nischen arena für wahrscheinlicher, dass das Wort erst in der Zeit aufkam, als 
man in Griechenland Gladiatorenspiele in den Theatern gab. Doch war noch 
in Epidauros die Orchestra nicht gepflastert, vgl. oben pag. 37, A. 6. 

*) So O. MüELLER, Aesch. Eumeuiden p. 81 ; Schneider, Att. Thcaterw. S. 188, 
A. 185; G. Hermann, De re scen. in Aesch. Or. p. 7 und 10; Sommerbrodt, 
Scaenica p. 131 und 136; Geppert, Altgr. Bühne p. 129, A. 4: Schönborn, Skcue 
d. Hell. p. 16 f. A. MuELLER, Philolog. XXIII, p. 317. 

•) Wieseler, E. u. Gr. a. a. O. p. 225 ist der Ansicht, dass uuter icapooot 
die der Bühne zugekehrten Wände der Seiteuflügel im Sinne von 'Zugänge' oder 
'Seitenzugänge' zu verstehen seien; p. 231, wo er sich besonders gegen die her- 
gebrachte Auflassung ausspricht, will er allerdings die Möglichkeit derselben 
nicht ganz in Abrede nehmen, vgl. auch p. 225 fi*. Eingehende Besprechung 
der WiESELER'schen Ansicht Philolog. XXXV, p. 324—330. 

**) Plut. Demetr. 34: aoxi^ os y.axa^a^ loonsp ot zpa'(ifi^o\ oiot xoiv ol'/w ::aj>6cuiv. 
Näheres über diese Stelle s. Philolog. XXXV, p. 308. Demetrios trat wahr- 
scheinlich aus der grossen Thür in der Mitte der Hintötwand; die avcu ;i%|iöoct 
sind eine Bezeichnung sämmtlicher auf die Bühne führenden Thüren. Wieskleh, 
E. u. Gr. p. 212. 

^) Anders Wieseler, E. u. Gr. p. 231, A. 152. Die zu Epidauros im Hyi)ü- 
skeuion befindlichen Thüren können hier nicht in Betracht kommen. 

**) Arist. E(j. 148 f.: oj ixaxapis aXXfy.vxoiru>Xa, 8-Opo osOo', J* '^'CKxax-, h^A'^j^tx^n 
otüfJyp r§ TtoXet xal vmv 'favs'(;. Schol. : 1) Iva, 'ffjslv, ix x*?;^ irotpoooo t7^\ xo Xc- 
•(eiov otvaßij. — 2) ^toi xt ouv ex xyj^ :ia(>o$oo ; xooxo y«? ^^f- ocva^xotlov Xsxxeov 



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§. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 59 

richtige Interpretation kann auch bei einer sehr wichtigen Notiz des 
Pollux *) zu keinem anderen Resultate gelangen. EndUch ist an einer 
zweiten Stelle Plutarchs*) diese Bedeutung des Wortes sehr wahr- 
scheinhch. Es steht indessen fest, dass auch sänunthche Bühnen- 



oov, 5x1 avaßouvscv sXrfSTo xö srI xb Xof stov ebtsvai, S xat icpooxeixai. Xexxeov Y^tp 
xaxaßaivstv xö inaXXaxxjod'ai svxcöd-ev oltzo xoö iraXatoö eö-od?. — 3)ü>5 sv ^ü|jleX"5 
U xb or/ctßaivE. S. G. HERMANN, N. Jen. Littztg. 1843, Nr. 20; Geppert, Altgr^ 
Bühne p. 129; Wieseler, E. u. Gr. p. 226, A. 127. Ob der erste Scholiast an 
einen Seiteneingang zur Bühne, oder an einen Eingang zur Orchestra gedacht hat, 
ist nicht zu ermittehi; der zweite nahm jedenfaUs das letztere an und erklärt 
avaßa'lvsiv durch Hinweis auf die alte Zeit, in der die Bühne noch lediglich ein 
Gerüst war; dem dritten genügt die Erläuterung noch nicht, sondern er setzt 
hinzu, ävaßaivriv werde so gebraucht, wie bei dem in der Orchestra aufgeschla- 
genen und ^üjxsXfi genannten Gerüste, will aber damit nicht sagen, der Wurst- 
händler sei in der Orchestra au%etreten, Uebrigens scheint derselbe in der 
That einen der Seiteneingänge zur Bühne benutzt zu haben. S. Philolog. XXXY, 
p. 326. 

') PoU. rV, 126: Kap' bnaxi^a Se xtüv $6o ^optuv xu»v itepl xtjv jiioTjV S^kkai 
56o etev äv, [da exaxspw^ev, irpö^ a^ al icEpiaxxot oo\Lrtzn'i\'(OLQi\ff -fj jUv ös^ia xa iita 
KokiOii; ^irjXoüoa, "fj 5' ixspa xa ex n6Xsu>^, jj.dXtaxa xa ex Xip^evo^ xal ^o6^ xe d-o- 
Xaxxtoü^ e^dYst, ^al icdvö-', 3oa E^ayö-EaxEpa ovxa 4j jiYjyavYj '^speiv dSüvaxet. sl ^k eici- 
sxp»(p£'.ev al ireptaxxoi, •r| $s4ta jaev dfJLeißEi x6 «dv [xonov], dp.;p6xepai $fe yjua^fxy oicaX- 
Xdxxoüoiv. xcMV (isvxot ^apo^cuv -rj |iev $s{id d^poö-ev ^| ex Xipivo? yj ex tcoXeujc dYst* 
ol $B dXXayotJ-Ev TcsCol d'f'xvo6nsvöt xaxd xyjv Ixepav sloiastv. Eine vollständige 
Besprechung dieser Stelle kann hier noch nicht gegeben werden. Die dXXrxt 56o 
O-opai liegen in den Wänden der Seitenflügel, und ebenso befinden sich die 
Periakten auf der Bühne; „rechts" und „links" ist hier vom Standpunkte des 
Schauspielers aus zu nehmen; mit xa»v jjlevxoi Tcapo^tuv geht Pollux auf die Or- 
chestraeingänge über, und wenn man hier, wie einzig möglich ist, „rechts** und 
.,links" vom Standpunkte des Zuschauers auffasst, so entsprechen sich die 
rechte Periakte und die linke Parodos, wie die linke Periakte und die rechte 
Parodos. Wollte man die wdpo^oi aber auf der Bühne suchen, wie Wieseler 
E. u. Gr. p. 225 f, u. A. 125 thut, indem er darunter die der Bühne zugewendeten 
Wände der Seitenflügel als Portale versteht, (wo denn die redpoSoi mit jenen O-opot 
im Wesentlichen identisch sein würden), so entsteht Confusion, die zur Con- 
jectur zwingt; Wieseler schreibt denn auch xa>v jxevto: irapo^wv -rj |j.sx& oeJ:«, 
über dessen Unzulässigkeit wie überhaupt über die ganze Stelle zu vergleichen 
ist Philolog. XXXV, p. 327—330. 

') Plut. Arat. 23 : tKiOVi\zaz ^k xn.1^ jcapooo:? exaxspwO'Ev xoü^ 'A/atotx; aoxo? 
OLKO xrfi 3XYj^/Yi^ St? [lEaov K^orikd^z; wahrscheinlich Hess Aratos die Eingänge zur 
Orchestra durch eine Truppenreihe rechtwinklig durchschneiden; da er, was 
freilich nicht erzählt wird, gewiss auch die Eingänge von der Strasse in das 
Bühnengebäude gesichert hatte, so konnte auch durch die lediglich aus dem 
Bühnengebäude zugänglichen Seitenflügel Niemand kommen. Anders Wieseler. 
E. u. Gr. p. 225 A. 123. 



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60 §• 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 

eingänge ;rdpoSoi genannt werden können *). Ursprünglich bezeichnete 
;rapo8o<; den Einzug des Chors*), dann den Weg, welchen derselbe 
nahm, darauf die diesem parallel liegenden Seiteneingänge der Bühne 
und endüch allgemein die Eingänge zu letzterer. Die Ansicht, dass 
die lange Bahn, welche durch die Eingänge und den zwischen ihnen 
liegenden Theil der Orchestra unmittelbar vor der Bühne gebildet 
wird, S(>ö(JLO<; genannt sei, ist unhaltbar 3). Dahingegen gebraucht 
Ai'istophanes für jene Eingänge wiederholt das Wort 6tboSo<; *). In 
Theatern römischen Stils waren die Orchestraeingänge überwölbt 
und scheinen daher (poXi^ oder a(|){<; geheissen zu haben*). 



') Plut. Demetr. 34 : §ta ta»v avto irapoSwv, s. oben p. 58 A. 4. Seiteneingang : 
Poll. IV, 128: 4j |iifj)^avY] ^h &5ob^ Srlxvüat xal Yjpw? zobq ev ötept, BeXXepo'fovta^ 
^ Utpiia^f v.ol\ xetToti xata ri^v ötpiaxep&v «dpoSov, öiclp ttjv ox-rjvyjv zb ü'^o^. Athen. 
XIV, 16, p. 622 D: ot 5i ;paXXo^6poi . . . Kapsp)^ovxat oi jj.Iv ex wapoSoo, o? Si 
xata jAsooi? ta^ O-opa; ßaivovxs«; ev ^oö-jjkj). Vgl. Philolog. XXXV, p. 308. MüFF, 
Der Chor in der Attischen Komödie vor Aristophanes p. 6 f. 

*) Aristot. Poet. 12. : ?ati hk TtpöXo^o^ |jl^v jx^po^ 3Xov xpa-^a^^ia^ zb Trpö yopob 
irapoioo, vgl. Wbcklbin, Philolog. XLTTT, p. 716. Poll. IV, 108: xal -Jj jOv 
etoo8o< TOÖ yopob tcdpoSo^ xaXeltai. 109: eoO-' 8x3 $i xal xaO-' iva eiioioövxo xr^v 
;tdpo3ov. De comoedia IX a, p. XX, 59 Dübner: exaX^ixo H •?] sloeXeoai^ etoooo^, 
xal sTCYjXüaK; xal sittßaat^ xal Ädpo5o^ xal icapdtßaat^. — Sehr dunkel ist die in 
den Theaterinschriften von lasos (Lb Bas, As. min. 252 — 257) oft vorkommende 
Formel xal 4] i:dpo$o<; thptv Spa/fi-V* ^^^ Erklärungsversuche von Waddington 
und Lüders, welche vermuthen, jedes Mitglied des Chors, bezw. jeder Schau- 
spieler habe eine Drachme erhalten (vgl. Lüders, Die dionysischen Künstler 
p. 124, A. 246), sind unbefriedigend. 

') Genelli, Th. zu Athen p. 44. Schleöbl, Vorles. über dram. Kunst und 
Litt. I, 264 f. unter Berufung auf Hes. opofio? • tj opyf|3xpa xoö Aiovüaiaxoö 
tfaaxpoü :capa TapavxtvoK;. Nach WuäSELER, E. u. Ur. p. 231, A. 155 handelt es 
sich hier um einen Ausnahmefall. 

*) Arist. Nub. v. 326: i^xp. xi xö ypYjpLa; tix; ob xaö-opu). ilu>. Tcapa xy^v 
stao^ov. Av. 296: oü§' töstv Ix' ssO-' 6:t' aoxÄv tcsxojjlevcov xyjv etao^ov, wo der 
Scholiast sagt: etoo^o? $i Xe^stat, tJ b X®P^? Btsetoiv eti; xy]v 3Xfiv*f|v (ox. natür- 
lich für op)(*ri3xpav) xal ev xai^ Xyjsok; „xl ou Xe^st?; sl^lv 5fe «oö; ol^l xax' aüx^^v 
T^y ßXsKs?«; xTjv etoo^ov." Bergk, De reliq. com. Attic. p. 206. Wieseler, E. 
u. Gr. p. 231, A. 154. Plut. Marcell. 20: Y]|jLtfüpLvo(; avairrjOYjaa^ eIHs Tcpo? 
xTjv £4o5ov xoö O-saxpoo bezeichnet e?o$o^ ebenfalls einen der fraglichen Eingänge. 
Anders Wieseler, E. u. Gr. p. 224, A. 117, der an ein Thor mitten in der 
Umfassungsmauer des Zuschauerraumes und an eine Flucht durch das ver- 
sammelte Publikum denkt. Wenig wahrscheinlich. 

*) Cfr. Vitruv. V, 6, 5: s. p. 19 A. 3. Poll. IV, 123: jup-rj U i^sdxpoa «oXl; 
xal '|aXt?, (Aristid. I, p. 451 Dind. Diod. Sic. 2, 9). Vita Aristoph. p. XXVIII, 
A. zu V. 87 Dübner: xa: st |j.^v a>$ aizb Vfj^ iroXsu)^ r^pytxo skI xö ö^axpov, $'.a xy]? 
aptaxEpa^ d'^loo^ slo-^ei. Ueber iroXcüv bei Athen. XIV, 16, p. 622 B: ot ^s tO-o- 



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§. 7. Technische Bezei(!hnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes, fjl 

Für den Zuschauerraum ist oben der Ausdruck diai^jov 
nachgewiesen^); eine specielle technisclie Bezeichnung giebt es im 
Griechischen nicht, namenthch keine, welche dem im Lateinischen 
übUchen und durchaus angemessenen Worte cavea^) entspräche; 
einige Male jedoch findet sich die von den hölzernen auf die steinernen 
Sitzreihen übertragene Benennung txpta^). Die einzelnen Sitzstufen 
heissen avaßa^ot*), ßdlS-pa*), eSpat^), s5a)Xta^, ^scopr^ni^pta®) und dem 



£Kt3Tpc'foo<3tv et? xh ^axpov xtX. 8. p. 36 Anm. 2; Meineke, der zu Athen. Vol. TV, 
p. 298 sagt: conclave, ex quo in orcheetram aditus patehat, wird durch die 
Theater zu Epidauros und Pergamon widerlegt. Da citt^xpecpstv et? xh ^axpov 
„eine Schwenkung nach den Zuschauem zu machen" heisst, so wird dadurch 
schon der Eintritt von der Seite her indiciert. WresELER, E. u. Gr. p. 212 
denkt an die grosse Mittelthür der Bühne und übersetzt sKtaxpl^oootv xxX. „sich 
mit "Worten an die Zuschauer wenden", was schwerlich möglich ist. Vgl. Phi- 
lolog. XXXV, p. 308. 

') S. pag. 49, A. 1 und 2. Dazu Dio Cass.LXITT, 22 und CIG. 2976: ^axpoo 
xoxXo^. Vitruv. V, 3, 2 theatri rotunditas. 

*) Plaut. Amphitr. Prol. 65 f.: ut conquistores singida in supsellia eant per 
totam caveam spectatorihus ; cfr. v. 68. Gic. Lael. 7, 24; De harusp. resp. 12, 26; 
Cat. mai. 14, 48 : prima und ultima cavea. Suet. Octav. 44, media cavea. Seneca 
De tranq an. 11, 8: summa cavea. Das griechische Wort xoiXov, welches Strack, 
Altgr. Theatergeb. p. 1; Rothmann, Theatergeb. zu Ath. p 6 §. 2; Höger, 
(Irundzüge der gr. Bühne p. 29 §. 7; Julius, Lützow's Z. f. b. K. XIIT, p. 195 
unbedenklich gebrauchen, lässt sich nicht nachweisen und keinenfalls aus Dio 
Chrj's. VIT, Vol. I, p. 114, 10 Dind., s. oben p. 3, A. 6, entnehmen. Auch aus 
Phot. opy-fjGxpa • KpÄxov rxX-rjö-r] ev rj «Yopa. elxa xal xoö ^axpoo x^ xaxü» 4jji.t- 
xoxXtov, womit Vitruv. V, 7, 1: in comibus hemicyclii zu vergleichen ist, darf 
nichts geschlossen werden 

") Phot. Ixpta, xa ev x^ afopa, a^f Jiv sd-eoivxo xou? Atovoataxo6<; a-cmva«; 
wpiv ^ xaxaax3oaaS-Yjvai xö ev Atovoaoo -^axpov. Hes. txpta • xal x4 ^o'ki'^a ouxoic: 
l\v(ovxo 'A^vnr]'3tv, atp' uiv eO^Ävxo jcpö xoö x^ ev Aiovuaoo t^laxpov f^via^at. 
Arist. Thesmoph. 395: oiax^ eoO-o? eiotovxs? aico xAv ixptcuv ÖKoßXeitooo^ "fip.«?. 
Dio Chrys. XXXITT, Vol. II, p. 3, 28 Dind.: s^el ^h StoxpdprYj; 5vso gxyjvyj? xal 
ixptüjv eKoiet x6 xoö ö-eoö itpoGxafjAa xxX. Cratin. bei Mein. Fragm. Com. Gr. 
II, 1, p. 192 = KocK I, p. 107: ixpttuv ^6'^t]0i^, 

*) Poll. IV, 121: xoü? ^- avaßaö-jioo? xal ßa^pot xal eSpa^ xal ISoiXia (5v 
ei:roi?). 

®) Plut. Timol. 34: e^et ^i'j/a^ x^ l|JLaxiov ?ta jAgaoo xoö -B^axpoo xal Äp6<; 
xt xd)V ßai^püiv ^p6p.ü) ^spojievo? aovipp'/jSe xvjv xe'^aXrjv. Schol. Arist, Eq. 784: 
tva pL-i] eizl •|tXoi<; xotc: ßatS-poi; eKtxaiS-sffjxat. Malalas Chron. p. 315, 3; Ed. 
Bonn.: opjj-Tjsavxe? sx xAv ßaO-pwv et? xyjv {►ojieXfjv. CIG. 4283, 15: xo iv^exaxov 
xoö 3?oxepof) ^taC(o[jLaxoc ßaiS*pov. 

*) Arist Eccl. 21; 86 und öfters, jedoch von der Volksversammlung. 



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62 §. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 

entsprechend lateinisch gradus^), sedes^), sedilia^), subsellia^) und 
spectacjula^); endlich auch ordines*^). Die auf den breiteren Sitz- 
stufen aufgestellten besonderen Sessel wurden ^(iövot^) oder xa^^- 
Spat^) genannt, ein gewöhnlicher Platz dagegen S-da*), töitoc ^**). 



xaO-eSpa Dion. Hai. ITI, 68: Xi^'lva^ uiS'sp Iv iS-saxpot; oXi^ov »jicjpavs'STYjxoiac: 
xaO-sopa?. Tertull. De spectac. 3: cathedra quoque nominatur ipse in anfractu 
ad conseRsum situs. 

') PoU. IV, 132: xata xct«; ex tcüv l^uiXtuiv xaO-o^o'j«;, und 122: xa e^tuXta 
tat^ ffispvai^ xataxpoostv. 

*) Plut. C. Gracch. 12: ejijXXsv 6 ?"?i^o; d-ca-siV/i jtovojidxofj; sv aYop«, xal 
Tuiv af»y6vttuv ol ;cXsiOtot «^cuipYjrJjpta x'r/Xw xata^xeoa-savts^ eJeijLbö'O'jv. von höl- 
zernen Gerüsten. CTG 2782, 20: uTzh wv -J^otj SeooTot». si^ ji^v xa O-rojpYjXY^ii'.a xoO 
thfixpoo ^vapia |iüpia, (Aphrodisias) von steinernen Sitzen. 

*) Vitruv. V, 3, 4: uti linea cum ad imum gradum et ad summum extenta 
fuerit, omnia cacumina graduum angulosrjue tangat; vgl. 6, 3; 6, 5; 6, 7. Marlial. 
V, 14, 1: sedere primo solitus in gradu semper; vgl. 41, 4: theatra loqueris et 
gradus et edicta. Orell.-Henz. 6593. 

*) Vitruv. V, 3, 4: nee patientur in sedibus summis, quae sunt supra prae- 
cinctiones, verborum casus certa significatione ad arares per\*enirp; vgl. 5, 1; 7, 2. 

■) Horat. Epod 4, 15: sedilibusque magnus in primis e(|ue8 Othone con- 
tempt^ sedet. Ars poet. 205: nondum spissa nimis complere sedilia flatu. 
Apul. Florid. 18: circumferentia sedilium. 

*) Vitruv. V, 6, 3: gradus spectaculorum, ubi subsellia componantur, also die 
einzelnen Steinsitze. Plaut Amph. Prol. 65: ut conquistores singula in sup- 
sellia eant per totam caveam spectatoribus ; vgl Poen Prol. 6 Suet. Octav. 44. 
Martial. V, 8, 2; 14, 9; 27, 3. 

^) Plaut. Curcul. 647: spectacla ibi ruont. Cic. Pro Sest. 58, 124: tantus est 
ex Omnibus spectaculis usque a Capitolio . . . plausus excitatus. Pro Mur. 34, 72: 
At spectacula sunt tributim data et ad prandium vulgo vocati Vgl. Ov. Metam 
X, 668. 

•) Besonders von den 14 für die Ritter bestimmten Sitzreihen im rr»mischen 
Tlioater, daher quattuordecim ordines; Cic. Phil. IT, 18, 44: quod sedisti in quattuor- 
decim ordinibus, cum esset lege Roscia decoctoribus certus locus constitutus. 
Suet. Octav. 14: nam cum spect^culo ludorum gregarium militem in quattuor- 
decim ordinibus sedentem excitari per apparitorem iussisset etc. und sonst sehr 
oft; aber auch quattuordecim allein, so Petron. Sat. 127 Buch. : usque ab orchestra 
quattuordecim transilit et in extrema plebe (juaerit quod diligat, und öfters, 
Vgl. Hübner, Annali dell' Inst. 1856 p. 56. 

') Dio Chrys. XXXI, Vol I, p. 386, 1 Dind.: WiVjvalot ^k sv xco tS^axpco 
i^J-cüivxott XYjV xaX'/jv xaoxYjv IHav (seil, xou? ^jLOvoji'iyoo?) üjt^ aüXY^v x*}]v otxpoKoXiv, 
rj) xiv Atovü-sov etcI XYjv hpyrpxovj xuS^aaiv * unx- ;toXX/ixic ?v aoxoic xtva S'^ocxxc^iVyt 
Toi^ ^povot;, oh xhv tsjio^ot'/xTjV xal xo'jc otXXooc iioü^ otv^YXYj xafKC^'v. also von den 
Ehrenspsseln im Dicrnysostheator. 

*) Hes vijXYjat^ O-ia; * WiWjVoifo'. xa; sv xoi tfsdtxpfj) x«{H§pot^ '^Yj'x^biiaxt 



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§ 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäwdes. 63 

•/a>pa*), '/(optov^), locus ^). Die vier letzten Ausdiücke finden sich 
auch fiir solche zAisammenliegende Plätze, welche ganzen Körper- 
schaften angewiesen sind'*). Die unterste Sitzreihe, deren Plätze 



v2vj[jLfj|jLsva<; irproe^pia^ ispsöstv. Calpurn. Ecl. YII, 27 (vom Flavißchen Amphi- 
theater) : inter femineas spectabat turba cathedras. 

^) So O-sav xaTavs|Asiv Aesch. De fals. leg. 55; Dem., De cor. 28. O^av 
«:ro|X'.3tS'Oüv Poll. VIT, lft9. ^av ÄYopdcfsiv Theophr. Char. IX, 2. Besonders häufig 
Hv/ xaTa/waji.ßav2iv Dem. Mid. §. 178; Luc. De salt. 5; Hermot. 39 (Ttpoxaxct- 
Xa|i^av£iv); Aristid. Panath. Vol. I, p. 163 Dind. Anders ist die auf den In- 
schriften von der Theatermauer in lasos (Le Bas, As. min. 252 ff.) häufig vor- 
kommende Formel -rj ^k ^ka l'^hi'zo ^topsav zu erklären. — Der Titel der Ari- 
stophanischen Komwlie Xxrjvi^ xataXotjj.ßavooaai (Meinkke, Fragm. Com. Gr. 11, 
1140) in Verbindung mit Arist. Pac. 879: ooxo^. xi Tzt^'j^pafSi^ ; OIK. zb ^siv\ 
n^ "Jai^iJLia sxvjv^v sjiaoTO'j z<^ niv, xottaXajtßotvio, wozu der Scholiast: ot y«?* 
{^eXovts^ ^2u)fslv icpoxaTa)>a|xßdvooatv laoxol^ tokov legt den Gedanken nahe, dass 
ein Platz auch ixyjvtj geheissen habe; was dann vielleicht aus Aesch. in Ctesiph. 
§. 76 : OLKkä xoxi irpÄTOv irpea^si; si^ itpoe^ptav cxaXco? (Demosth.) xal 7rpoaxs«p«ätAa:a 
stVjX? xal ?po'.vtxt^a^ ntp'.iizixa'is zu erklären ist. 

^^) Schol. Arist. Eq. 575: s^V . . . ev ^tax^oi^ . . . to»j; TrpoXajj.ß'ivovTa? . . . 
?4sifsipavtot^ aoTO'j^ slq. tov sxeivcuv tokov xotO-iaat. Fast ebenso Suid. s. v. icposopia. 
Femer Plut. Süll. 35: ooicoi xäv totcoiv otaxexpi|i£vu>v. Reip. ger. praec. 31, 8; 
p. 823 A : 00^* hoy\(>iV oixsxoiv ttXtjO^i itspl Xooxpov ^ xaxaX-rj'^sot xotcwv sv ^eaxpc'^. 
Liban. Arg. ad Dem Olynth. I, 2 und die Sitzinschriften CIG 2421 (Xaxos): 
ap/ispecu^ Wpi-sxap/oo xotco; irpoxaxsyexot. Rosa, Inscr. Gr. ined. II, p. 3, b: 
(Andros) 'Fiß^ojtioxoü ö xoko^; c: KXsoiayj^O'j xo5 Setvo^ ö xoko^. 

^) Plut, Süll. 35: «apY^XO-sv eirl xr^v iaux'fjg ycopav. 

■^) Arist. Panath. Vol. I, p. 164 Dind. : xäv ^^üjpttov xoh^ aXXoD? a^op'Covx.*r. 

^) Cic. Pro Mur. 34, 72: ut locus et in circo et in foro daretur amicis et 
tribulibus; vgl. 35, 73. Suet. Octav. 43. Plin. Panegyr. 51: aequatus plebis ac 
imncipis locus; und populo, cui locorum quinque milia adieciati. 

*) Cfr. Poll, IV, 122: exaXsIxo hh xt xal ßooXsüxtxov {lepo^ xoö O^ixpOü v.u'. 
i'^fjßtxov. — ToKO^: Arist. Av 794: x^^^ opa xov 5v^pa xtj? •^o'/w.yi.bf:. jv ßo'jX?»)- 
xixü) und dazuSchol.: 00x0; xoiro^ xoö O^axpoü, 6 avsijisvo^ xotj; ßoüXeoxa»?, tb? xal 
6 xo?; scp-fjßoi? s'fYjßtxo?. Ganz ähnlich Suid. s. v. ßooXeox'.xo?. Hes. ßoüXsoxtxov 
xoTio? xt? \\0-f|vv]3tv cv xij) d^dxpcj), 3tcoo ot ßooXcoxtxol xa9-qfisvot h^zotvxo, xal ou 
oi stp-rjßot e'>p*rjßix^v ExaXetxo. CIG 2436 (Melos): vsavtoxwv xoäo? — 'j|jiv(}»ou)V xoitoc. 
- \tt»pa Dion Hai. III, 68: waxs ev x*g KpooYjxooaiß /'"P? xa^ejojisvov sxa^xov 
ö-sojpsiv. — Xcüptov Dio Cass. LX, 7: xal Icupuiv . . . i^ta xal xaxa O'fa«; ü>? txa^iot 
x6 xs ßoüXeüOv xal x6 Ikksüov xal h 5ji.iAo?, a'^' ouitep xoöx^ svo[j.t39-r], 00 jievxot 
xal xExaYfiiva Gtptct yuipta aTCs^l^etxxo. loseph. Antiq. lud. XIX, 13: ^-i'M oe xoö 
»Haxpo'i xspa? h Kataap si/s. Es findet sich auch iopa Dio Cass. a. a. O. : aXXa 
xoxs h KXaooto? x*fjv xb Eopav xyjv vöv ou-sav xot? ßo'jX?üxaI? assxptvEV. — liOcus 
Cic. Fam. X, 32,2: equester locus. Val. Max. III, 5 honoratissimus locus. CIL 
I, 206, 138: locus seuatorius; 571, 7: uteique ei conlegio . . . locus in theatro 
esset; 1246: coloneis locus datus. 



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64 8- 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 

als Auszeichnung angesehen wurden, hiess TuposSpta oder, nach Er- 
richtung des steinernen Theaters allerdings nicht mehr zutreffend, 
TTpcbtov $&Xov'). Für die den Sitzraum vertical theilenden Treppen 
giebt es eine technische Bezeichnung im Griechischen nicht ^); bei 
Vitruv finden sich ascensus, scalae, scalaria^), gradationes, gradationes 
scalanim, itinera*), sonst auch me*^). Die keilförmigen Ab- 
schnitte der Sitzreihen heissen xspxtSs^, cunei^); für den äusser- 
sten Flügel derselben kommt xipac vor, dem jedoch das lateinische 
comu nicht entspricht^); die beiden Abschlussmauern des Zu- 
schauerraumes werden avaX7]|i.jjLata^), die Stockwerke desselben 

*) Groddeck, De aulaeo et proedria Gr. in Seebode» Mise. crit. vol. I, 
p. 293 ff. 1821. Meist vom Gerichte gebraucht, worüber Richter, Prole^f- ad 
Arist. Vesp. p. 124 ff. Poll. IV, 121: irpÄxov hh i'yXov •/] ::pos^pia, [LOLkizza Zk 
5txaotü)V, 6^' <ov xal t'iV Kpoitov xaOtCovta irpwToßafl-pov 4>EpexpaTY)^ cTpYjxev 6 xu>|1(ü- 
^o^ioaGxaXo^ • tat«^ ?^ 5v xal Iv). ^saxpoo xati xaTdr/p'rjo'.v Xg^ot?. Vom Ge- 
richt: Arist. Vesp. v. 89 f: epa te tootco too oixdcCetv xal oxevtt, ^^v jat] V. to5 
irptoTOü xatVljYjTat foXoo. Von der Volksverßammlung : Ar. Acham. v. 24 f : eita o" 
üiOTioüvxai «0*? 5ox6l? sX^ovT»? aXXYjXoic. Tcspl TTpoiTOf) JüXoo; ibid. 42: tl^ frjv KposSptav 
Tcac: avYjp tocttCexo:. Vom Theater: Eq. 702 ff. KA. a^ioXo» oe vJy rrjv itpoEoptav 
XY^v ix IJoXoü. AAA. i^oo KpoeSp'lav otov o»^ojj.at 0^8^*** ^^ '^l? irpos^pta^ eoyaxov 
O'stMjj.svov. Vgl. ausserdem die Lexikographen Poll. VIII, 133; Phot. irpüixov 
56Xov. Hes. 5'J^ov irpd»xov. Schol. ad Ar. Eq. 575 und Suid. :ipo£^pta. Meineke, 
Fragm. Com. Gr. IT, p. 385 meint, der vom Scho^ Arist. Av. 1555 aus Her- 
mippos, 'A pxoircuX'.^s? erwähnte ookI xäv 5»j/xI«v sei ein mit der Sorge für die 
Sitzreihen beauftragter Diener. 

*) Jedoch Poll. IV, 132: ai ex xiov iott>Xiü>v xaO-oSot. 

') Vitruv. V, 6, 2: dirigant ascensus scalasque; ibid. dirigunt scalaria. 

*) Vitruv. V, 3, 7: archictecti perfecerunt gradationes. V, 7. 2: gradationes 
scalarum inter cuneos et sedes. V, 6, 2: supra autem altemis itineribus superiores 
eunei medii dirigantur. 

*) TertulL, De spcct. 3: vias et cardines vocant balteomm per ambitum 
et discrimina popularium per procli\nim. 

*) Poll. IV, 123 nennt unter den Theilen des Theaters die xspxt^ec;; vgl. 
IX, 44: xal i'haxpoo {J-spo^ Ttpö? xol? ;cpo£tprj|ilvoi? xepxioa, ai; e^xtv eopslv ev Whi- 
4t^o^ Püvaixoxp'xxia • gvxaOiVx Tcspl xtjV i^y^otx^v oel xspxi^a ojAa^ xaO-iCoü^a; ^w- 
pstv ü><; Jsva^. CIG. 2681 = Le Bas, As. min. 269 : xh ava/sTjjijjLot xal xr^v e-^ au- 
xo'j xspxt^a (lasos). Vitruv. V, 6, 2: cunei spectaculorum. V, 7, 2 s. oben Anm. 4. 
Verg. Georg. II, 509; Suet. Octav. 44. Dom. 4. luv. VI, 61. Bei Apul. Florid. 
16, p. 21, Krü^pr heisst jemand, der auf den Sitzreihen keinen Platz findet und 
auf den Treppen oder T'mgängen stehen muss, excuneatus; vgl. Martial V, 14. 

') los. Ant. lud. IX, 1, 13: ?e£'^>v xoo ^sdxpoo xepa? o Kaloap er/s. Comu 
bezeichnet bei Vitruv die Hälfte einer ganzen Sitzreihe, so V, 5, 4: in extremis, 
secundis, tertiis bis in sextis cornibus, dem 5, 5 in medio gegenübersteht. 

•*) CIG. 1104, 21 (Korinth): xal xa avaX-r^jJLjiaxa utto sj'gjiojv xal saXat6x*r]- 



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§. 7. Technische Bezeichnungen der einzelnen Theile des Theatergebäudes. 65 

StaCcbftato, Cwvai ') genannt, die lateinische Benennung lässt sieh nicht 
nachweisen; die Absätze werden durch diazoma, praecinctio, balteus 
und %atato(nj^) bezeichnet, und die meist mit diesen verbundenen 
Umgänge durch praecinctionum itinera, einfiieh itinera oderviae^); 
ein entsprechendes griechisches Wort felüt. 

§.8. 

Das Odeion. 

Ausser den im Vorigen behandelten Theatern, welche zumeist 
zur Auffülming von Dramen dienten, werden andere zur Aufführung 
musischer Agonen bestimmte Schauhäuser erwähnt und mit dem 
Namen c5)5siov (odeum) bezeichnet*). Obwohl eine genaue ßeschrei- 



To; $taXsXo}jiva sirsaxsoaasv, jedoch nicht vom Theater; so CIO- 2681, p. 64 
Anm. 6; vgl. 2747. 

*) CIG 4283: xi ivosxaTov xoö ^soxspoo StaCoi^aio? ßotJ^pov. Malal., p. 222,20: 
7:po-3ed-fjXS S« vMzfJL^ ev iu) ^saipcp ^Avitoysia^ SXXtjv C^w'^v ettocvoi vi\<; irpoitf]^; 
ibid. p. 234: «poaO-sl^ aXXYjv JcmvtjV irpi? ito of»st. 

') Vitniv. V, 6, 7: gradus, diazomata, pluteos, itinera, ascensus. V, 3, 4: 
praecinctiones ad altitudines thcatrorum pro rata parte faciendae videntur, netjue 
altiores quam quanta praecinctionis itineris sit latitudo. Calpum. Ecl. 7, 47: 
balteus ex gemmis, en illita porticus auro. Tertull. De spectac. 3, s. p. 64 Aiun. 5. 
KotxaxojjL-f^: Bekker, Anecd., p. 270, 21: xataTO|jLTj . , . ^xh vöv Xrj'ojievov oiocC^P-«« 
So hiess auch die oben p. 36, A. 4 erwähnte Abschrägung des Felsens hinter dem 
Dionysostheater. Suid. xaTaTO|j.Yj • Ticsptor^i; ev tu) xaxa A*rj}i.oa^voo(;' xal xaO-rjixs- 
vo? üroxfttü» oKh TQ xaTaiojj.*J. xotl ^tXo/opfx;' xal sitrfpa'^sv hO, rr^v xatax'iiJ.Yiv 
xYj; TtExpa;. Vgl. Hari)ocrat. s. v. 

^) Zu den beiden ersten Bezeichnungen s. Vitruv. V, 3, 4 und 6, 7 in der 
vor. Anm. Zu via Martial. V, 14, 8: et hinc miser deiectuB in viam transit; 
wozu Lipsius De amphitheatro cap. 13. Or.-Henz. 6596. 

*} Canina, L'Architettura antica V, IT, 2, p. 492 ff. Klausen, E. u. Gr. 
unter Odeion. Müller, Archäol. § 289, 8. Wieseler, lieber die Thymele, 
Clött. 1847, p. 50 ff. Schtllbach, üeb. d. Odeion des Herodes Attikos, Jena 
1858, p. 10 ff. Wieseler, E. u. Gr. LXXXIII, p. 162 ff. und meine Jahres- 
berichte Philolog. XXin, p. 500 ff. und XXXV, p. 294 ff. - Phot. u. Suid.: 
(w^slov (M-irzp* d-laxpov, o TCcTCOIyjxsv, o»? '^a-si, Uz^irXr^^ si? tb siri^sixvoGiVxt xoo;; 
jjLOü'Sixo'j?* Sta xoüxo xat w^slov sxXYjd-fj ar^i xvj^ <{>^^j?. Hesych. lu^slov xottoc, iv 
(f) Tz^h x6 ^saxpov xaxaaxsoa^O^jVac ot ^a-J^co^ol xal ol xiO-ap(j)^ol '/jyw^v'.Covxo. Vgl. 
SoHRADER, Rhein. Mus. XX, p. 191 f. ~ Wieseler, E. u. Gr. p. 229 schliesst 
aus Aristid. Vol. I, p. 791 Dind. : sav . . , iriJxe'j-r^xE aXYji)^£<; eiva: x^v TzriXrxi xofjxo, 
ü>c aoa 00 ziiyi] oh^jl (oosla ohol axoal oooe h xuiv a'J/oyojv xocjao^ al iroXst? eiev, 
ot/X «Jvopsc a»ixol; E'.oox:«; tV/ppslv, dass infolge des Vorwiegons von Gesang und 
Musik in späteren Zeiten das Wort o)os:ov auf das Theater übertragen sei. 
Hermann, Lehrbacli HL II. 5 



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66 §. 8- Das Odeion. 

bung ihrer Gestalt und Einrichtung nirgends existiert, so zeigen 
doch einige schriftUche Nachrichten in Verbindung mit erhaltenen 
Eesten, dass die Odeien im WesentUchen den Theatern gUchen *). 
Einerseits nämhch bezeichnet eine Inschrift von Kanatha in Palästina 
ein derartiges Gebäude als ^satpostS^«; (j)8slov^), andererseits zeigt die 
Ruine des von Herodes Atticus am Südabhange der Akropohs zu 
Athen errichteten Gebäudes, welches von Pausanias (|)8stov genannt 
wird, eine durchaus theaterartige Einrichtung^); überdies wud dieser 
Bau einmal geradezu als ^atf/ov bezeichnet*). Der Unterschied 
zwischen Theater und Odeion ist nun daiun zu suchen, dass ersteres 
oflFen, letzteres bedeckt war. Dies wird für das Gebäude des Hero- 
des Atticus ausdrücklich bezeugt und durch die Ruine bestätigt '^). 
Es ist also durchaus angemessen, dass dasselbe auch ^datpov Gxco- 
pö^tov genannt wird^). Diesem Ausdruck entspricht das lateinische 
theatrum tectum, welches sich für das ebenfalls vöUig als Theater 
eingerichtete kleinere Theater zu Pompeji findet ^). Da nun der Be- 



*) Aus diesem Grunde scheint Vitruv im fünften Buche, wo er vom Theater 
handelt, die Odeien übergangen zu haben. 

*) CIG 4614: Mdpxo; OuXkio^ . . . icpos^po? e'f'.XoTt|j.Yj3axo t^ fXoy.üta'ng 
KaTptSt ^OLKOLvrpa^ ex xtuv l^iiov ei^ xb xTb|JLa toO O-sottpost^oö^ ü)$s''of> o^vapta /Aopta 

«) Schillbach a. a. 0. Taf. 1 u. 2, Text p. 19—23. Wieseler, E. u. Gr. 
Taf. Fig. 4. - Paus. VII, 20, 3: avr^p ol Wd-rjvalo; l^oWpzv 'Hpu»OYj<; s^ jj.vYjIA'tjv 

ü)5eiov, oxi «poxsp&v EX». eJeipY'itaxo jiot xa l^ 'Aö-TjVaiou^ tj üKYjpxxo 'Ilpa»o*rj^ xoö 

0lx0^0|JLY||AaX05. 

*) Philostr. V. Soph. II, 1, 8, p. 239 Kays: oo yx^ :roxs o5x' ^v 0-saxpov 
abx-Q avaO-slvat xotoöxov. 

*) Ibid. II, 1, 5, p. 236 Kays.: avsO-rjxs U 'lIpwoY]; \\0-r]vato'.^ xal xb ekI 
'PyjYtXXip d-saxpov xEOpoü {^vO-sl? x6v opo'f ov. Tuckermann, Das Odeum des Hero- 
des Atticus und der Regilla in Athen, Bonn 1868, p. 6 schliesst aus einigen 
noch an der Umfassungsmauer der Cavea vorhandenen Strebepfeilern auf 20 
äquidistante Verstärkungspfeiler, denen ebensoviele radial sich nach der Skene 
hinein erstreckende Dachbinder entsprachen. Auch durch die ausserordentliche 
Stärke der Flügelmauem der Treppenhäuser wird eine starke Pressung vom 
Dache indiciert. Vgl. Philolog. XXXV, p. 366. Schillbach a. a. 0., p. 23. 

*) Suid. ^lIptü^Yj^: . . . 30<f'.3XYj?, kkooo'.o^ ex ^aaypoö '^tvoiii'^O!; a^o^pot, 
(«3X8 xal axa^tov xaxsaxeoaaaxo 'AiHjvatoi^ xal d-eaxpov OKOipotpiov. Ebenso vom 
Odeion zu Korinth, Philostrat. V. Soph. II, 1, 5, p. 236 Kays.: ai'.o'jz^ts} Zk 
Xo-fOü xal xb 6:riupo^p'.ov {fsaxpov, o £$£'.jj.axo ^'Ilptu^r^*;) KopivO-to:;. 

^) MoMMSEN, IRN 2241: C. Quinctius C, f. Valg. M. Porcius M. f. duovir. 



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§. 8. Das Odeion. 67 

dachung wegen, welche übrigens keine vollständige sein konnte, weil 
das Dach um der Beleuchtung willen in der Mitte eine OeflFnung 
haben musste ^), diese Classe von Gebäuden die Dimensionen der 
offenen Theater in der Regel ^) nicht erreicht haben kann, so ergiebt 
sich, dass unter Odeien zunächst kleinere bedeckte Theater zu ver- 
stehen sind'*). 

Es gilt dies jedoch nicht von allen als (|)8eia bezeichneten Ge- 
bäuden; es gab auch Odeien, welche als bedeckte Rundgebäude zu 
charakterisieren sind, sich also in der Form wesentUch von den 
O^atpa oTrwpö^ta unterschieden. Sichere Kunde haben wir nur von 
zwei derartigen Bauten, der Sxtdc zu Sparte*), welche wohl als das 
älteste derartige Gebäude bezeichnet werden muss, und dem Odeion 



dec. decr. theatrum tectum fac. locar. eidemque probar. Wikseler, D. d. B., 
p. 12 zu II, 7. OvERBECK, Pompeji, p. 145 ff. Von Neapel sagt Statius Silv. III, 
5, 91: geminam molem nudi tectique theatri. 

*) In Betrefif des Odeions des Herodes s. Tückermann a. a. 0., pag. 6, 
dessen interessante Vermuthung über die Dachconstruction nachzusehen ist; 
hinsichtlich des kleinen Theaters zu Pompeji s. Nissen, Pompejanische Studien, 
p. 241, der ebenso urtheilt: „Bedachung zeltförraig mit einer Lichtöffnung nach 
Art der atria displuviata." Anders Overbeck a. a. 0. 

*) Das Odeion des Herodes, welches nach Schillbach bei besetzter Orchestra 
5438, nach Tückermann ohne Orchestra 4772 Personen fasste, übertriffl aller- 
dings manche offne Theater an Grösse. Der Durchmesser der Orchestra be- 
trägt 60 Fuss 4 Zoll, der des Zuschauerraumes bis zum obersten Umgang 222 
Fuss, 8. Schillbach, p. 21. 

•) In diesen traten die musischen Künstler wahrscheinlich auf der Bühne 
auf. Vgl. Philol. XXIII, p. 500 f.; auch Dramen mögen immerhin darin auf- 
geführt worden sein. Wieseler, E. u. Gr., p. 164. 

*) Paus, m, 12, 8: 'Exepa Zi ex xyj^ öt^opa^ «tlv eJoSo^, xa^"* vjv «gicoifjtat 
C'^'.otv 4j xaXoo|jL£vyj Xx^i^, ev^a xal vöv ?t'. sxxXYjGtdtCouat. xaorfjv ttjv Xxid^a Hso- 
^(upoü toü ^a|xtoo f aolv eivat itoiYjpia . . . svtaö^a exf>e|Jiaaav ol Aaxs^atpLov.o'. tyjv 
TiiAoO-loo xo5 M'.Xyjo'.oü xi^apav xaiaf^ovcsc ^"^^ "/,op^*t? ^'^a '^^^^-i h^yjjxv.^ e^söpsv 
ev T^ xiO-aptü^ta xi-szapa^ yop^a?. Theodoros um Ol. 45 (= 600 a. Chr.), Müller, 
Arch. § 60 A. Brunn, Gesch. d. gr. Künstl. II, 388. Et. magn., p. 717: Xxia^- 
xi (wSetov exaXsIxo xtüv AaxE^at/iovimv xaxa xyjV otp/atav cpmvYjV olxo? y^P ^'^'^' 
axpo^Y^Xo^. xoog 51 xowrSxoü^, Ztä x6 XY^v opO'^Yjv eytiv |jit|XY|pLaxa xa»v sx'.a^stiüv, 
axidSa^ ol TcdXat «pooYjYopsotsav. Urlichs, Rhein. Mus. VI (1847), p. 217. Müller, 
Archäol. §. 55, A. Curtius, Pelop. II, 238, Wieseler, E. u. Gr., p. 200, A. 107. 
BüRSUN, Geogr. II, 125. Auf die Skias bezieht sich wahrscheinlich TertuUian. 
Apol. 6: Video et theatra nee singula satis esse nee nuda. nam ne vel hieme 
voluptas impudica frigeret, primi Lacedaemonii odium i)aenulam ludis excogita- 
verunt. 



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68 §• 8- Das Odeion. 

des Perikles zu Athen ^); ein dritter Rundbau, der sich in Sparta 
erhalten hat, stammt aus später Zeit und scheint ein für musika- 
lische und andere Aufführungen bestimmtes Amphitheater des römi- 
schen Sparta gewesen zu sein^). Ueber die innere Einrichtung 
dieser Art von Odeien sind nähere Nachricliten nicht vorhanden, 
indessen darf man wohl mit Recht voraussetzen, dass die Sitzreihen, 
wie im Amphitheater der Kreisform des Aussenbaues folgend, einen 
runden Platz mit einem Gerüst einschlössen, auf dem die Agonen, 
für welche diese Gebäude bestimmt waren, zur Ausfühnmg ge- 
langten ^). 

Was nun die übrigen Gebäude, welche von den Schriftstellern 
als (j)5sla bezeichnet werden, jetzt aber nicht mehr existieren, anbe- 
trifft, so ist es meist zweifelhaft, zu welcher der beiden Olassen sie 
gehöi-ten; nur darf man mit Gewissheit die zu Caesarea in Palästina 
und zu Korinth sowie mit einiger Wahrscheinlichkeit das zu Patrae 



') Plut. Pericl. 13: 10 ?' ü)0£lov, t^ iihj svxo^ «^totO-sae'. TcoXos^oov v.ol\ «öXo- 
OToXov, z-fi 5^ iplrj/s: irsptxX'.vi? %al xatavts«; ex piia^ xopo^Yj^ irs::oiYjjjLsvov, sixova 
Xs^Goai YsvIoO-at xal jJLt|iY]|ia ty)(; ^fxzi\iiü<; oxyjvyj^, &;«3TaTO'Jvto<; xal tooto) llspi- 
xXeof)?. Ali xal itriXtv Kpatlvo^ sv B&ritTa'.; irat^si irpi? aoxiv o -syivoxstpaXo? 
Zsi)^ 6^1 Kpoijipy2zai 6 llsp'.xXrr]^ twSe'Ov ercl too xpavtoo 6)(0)V, EKEto*}! too^tpaxov 
TcapoiyetaL (Die übrigen Stellen werden §. 10 anj^efuhrt.) Die Hervorhebung 
der zahlreichen Sitze und der zur Stütze des Dachs bestimmten Säulen (Theophr. 
Char. 3: xal TCoaoi s*.3l xIove; toö (ooeloo), die Beschreibung des Dachs und der 
Witz des Kratinos führen auf ein Rundgebäude, wie das auch von Wiksklkr, 
E. u. (rr., p. 162, CüRTius, Text zu den 7 Karten von Athen, p. 36, Wachs- 
MUTH, D. Stadt Athen im Alterth., p. 553 und Milchhoefer, Athen in Bau- 
meister, Denkmäler des klassischen Altertums T, p. 192 (p. 50 des Separat- 
abdrucks) anerkannt wird. Bursian, Geogr. I, 298 dagegen und auffallender Weise 
auch Wachsmuth a. a. 0. p. 277 erklären es für ein theatrum tectum, und diese 
Form findet sich auch in Curtiüs u. Kaupert, Atl. v. Athen, Bl. II. Da die 
Fundamente nach Cirtiüs u. Kaupert, Karten von Attika, Text I, p. 9 unter den 
modernen Häusern östlich vom Theater zu suchen sind, so muss die Entschei- 
dung, welche wahrscheinlich für ein Rundgebäude ausfallen wird, von einer 
späteren Ausgrabung erwartet werden. 

*) Ein Backsteinbau: s. Leake, Morea 11, 533; CuRTas, Pelop. II, 222. 235, 
«) Müller, Arch. 8 289, 8. Wieseler, Tbymele, p. 51 ff. Ders. E. u Gr., 
p. 163. Ferner Philol. XXIII, p. 501 ff. Die Räume, in denen sich die Künstler 
vor dem Auftreten befanden, werden unter den Sitzreihen gelegen haben. Das 
Gerüst hiess f^r^it-^x, da Plat. Ion., p. 535 E : xad-opA y^P cxocgtot« aotO'K fio-j'; 
tJ'Scop.lvo'jc) (^ivcod-sv areo toO ßr^iiaTO^ xXaiovta; ts xal ^stvA^v ijxJiXEjrovTa; xal z'r/^ 
IfajxgoOvta; toI; Xrcojilvoi; auf ein Auftreten im Odeion zu beziehen ist. Vgl. 



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§. 8. Das Odeion. 69 

{Us bedeckte Theater'), die zu Philadelpheia und zu Rom dagegen 
als Rundgebäude ansprechen*). Ueber die Form der üdeien zu 
Smyrna, Patara und Carthago lässt sich nichts bestimmen'*); auch 

SniRADER, Rhein. Mus. XX, p. 192. Dass dithyrambische oder kyklische Chöre 
je im Odeion aufgetreten wären, ist sehr unwahrscheinlich ; s. Wucseler, E. u. 
(ir., p. 163. Bildliche Darstellung, Denkm. d. Bühneuw. IV, 6 

^) Caesarea: Malalas, p. 261, 13: exr.ss o^ xal sv Ka'.3af.8'ot tyj; lIaXa'.0T'//7jg 
ix rrj^ aorr;; 'Io'jSa:xY,^ Tcpai^ag h aoti; i>0£3;:a3iav'>; (p^siov hz^ol :rdvo, d^dtxpoo 
v/ov $td3TT,pLa jir^a, ov-co^ xat aotoo toö t6:coo ;ip(uYjV auva^coY"'!? "Cüiv Moo^aiuiv. 
Korinth: s. oben p. 66 Anm. 6, Philostr. V. Soph. II, 1, 5, p. 236 Kays, und Paus. 
IT, 3, 6: 6i:ip xaorrjv 7:zKoii]xa: tT|V xp-f|VY]v xal zb xaXo6jJi;Vov (w^siov. Patrae: 
Paus VII, 20, 3: r/sia: $k r?;^ ^YOpäg to üi^jiov . . . E:to:-rj9-rj $i ot^ö Xai6pu>v, 
Y^vixa SKI tov OTp'xtiv Td>v FaXaicüV ol Ilaxp3l? "»^^vav AtiojXol^ 'Ay^a'.tov fiovoi. 
X2x6a|ji*rixa: $» xal l^ 5).Xa x6 (j>5siov aitoXoY'^'caxa xtov ev "KXXirjo'. icX-rjv y* 
xoö 'A^^'/T,3'.. Bestimmend ist hier die Vergleich ung mit dem Odeion des 
Herodes. 

•) Warum das Theater zu Philadelpheia, worüber CIG 3422 : xal $6vxa jtg 
«nt3X80"r]v xoü Kixdaoü xoö ä-idxpoo ^Yjvdpta fiüpta, nach Müller, Etrusk. II, 226 
und Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0., p. 163 nicht als Odeion betrachtet werden 
soll, ist nicht abzusehen, da doch der petasus am Grabmale des Porsena nach 
Plin. N. H. XXXVI, 19, 4 und Müller a. a. O. wohl ein Kuppeldach gewesen 
ist. Vgl. Boeckh a. a. O. Das römische war nach Dio Cass. LXIX, 4: xov Ss 
\V;coXX6^<upov xiv ap/txlxxova x^v xt]v aYOpav xal x6 <J)^slov x6 xs '(oii.'^äjio'/, xa xoö 
T^^Ai^'^oö :ro'.Yj{i.axa, sv x:q 'l*<»JJi'*J5 xaxa^xsodaa^/xa s'^OYaosoar/ (seil. Hadrian) ein 
Werk des Trajan (vgl. Brunn, Gesch. d. gr. Künstl. U, 340) und nach Paus. 
V, 12, 4: Ortösa oe e^ £pYü>v e/si ol xaxa^xsa-rjv, av.oAoYoJxaxa S3xt Xooxpa siicüvüjia 
aoxoö, xal Ö-jaxpov (jLrfa xoxXox^pl; Tcavxa/oO-sv ein Rundgebäude. Becker, 
Handbuch I, p. 679 und Prellkr, Kogionen d. St. R , p. 170 identiticieren dies 
Odeion mit dem des Domitian, welches in der IX. Region lag. Suet. Domit. 5: 
item (excitavit) Flaviae templum gentis, et Stadium et odeum, vgl. Eutrop. 7, 15; 
Ammian. Marc. 16, 10, 14; Cassiod. Chron. ad aun. 94 p. Chr.; Curios. und 
Xotit. bei Jordan, Topogr. II, 555. Da diese Verzeichnisse in der That nur 
ein Odeion kennen, so ist jene Annahme nicht unwahrscheinlich. Die Differen- 
zierung mag ihren Grund darin haben, dass Domitian das (Jebäude etwa be- 
gründete, Trajan vollendete. Becker irrt jedoch, wenn er dasselbe als ein 
theatrum tectum ansieht. Sind die Bauten zu trennen, wie Wieseler, E. u. Gr. 
a. a. ()., p. 162 thut, so ist allerdings über die Form des Domitianischen nichts 
bekannt. Dieses wurde errichtet für die musikalischen Aufführungen am Cajii- 
tolinischen Agon, vgl. Friedl;4nder, Darst. aus der Sittengesch. Roms U*, 
p. 438 und 575 ft*. 

') Smyrna: Paus. IX, 35, 2: xal l|Ji'jpvalo'.5 .... sv xto (oosuo Xaptxo^ iattv 
slxwv, WTziWo') YP*"^?*^- Aristid. XXVII, Vol. I. p. 542 Dind.: apxi ^'aoxoö 
;cap'.svai pLsX/.ovio; s'.^ xo (oo.lov lo jrpo<; x<I> Xt|jLr/'.. Patara: CIG 4286: loptv 
WO-rjvalir]^ Tiavxcuv Aiovj j'.ov £pYu>v -rj ^zv^r^ llaxapwv y'^J M-s XaßoO^a xpaxsl TjxcoXoü 
CLK a^TceXosvxo^, t'/jiu ^h xXso^ xal sv a?)xo;^, (j>ostu) jJLr^oXTjv ajjL'^'.ßaXwv opo^-rjv. 



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70 §. 8- JDas Odeion. 

Über das älteste athenische Odeion an der Enneakrunos gehen die 
Ansichten auseinander^). 

Unter den Theaterruinen pflegt man einige kleinere als Odeien 
zu bezeichnen, und vielleicht mit ßecht, sobald auf Bedachung ge- 
schlossen werden kann, oder diese Gebäude, wie das pompejanische, 
dicht neben offenen Theatern liegen^), oder wenigstens in der be- 
treffenden Stadt noch ein Bau letzterer Art vorhanden war. Die 
Bedachung ist indiciert für die Ruinen in der Villa bei Neapel und 
zu Knidos, insofern diese Gebäude nach Analogie des theatrum 
tectum zu Pompeji in einem durch geradlinige Umfassungsmauern 
eingeschlossenen Raiune Hegen und diese einen Theil der Sitzreihen 
abgeschnitten haben ^); ebenso für die Ruine zu Anemurion, welche 
zwar vöUig entwickelte Sitzreihen hat, aber innerhalb eines vier- 



Carthago: TertuU. Resurr. cam. 42: sed et proxime in ista civitate cum odei 
fundamenta tot veterum sepulturarum sacrilega collocarentur etc. 

*) Paus. I, 14, 1: tg ^h xb 'AO-f]VY|otv elotXd-oöatv ^^Selov SXka xc xal 
Aiovooo^ xeltat ^ot^ ä{io^' ::X7]otov hi eoxt xp*fjv/|, xaXoösi hk a5r);v 'Ewedtxpoovov. 
Hesych. <})^slov toito^, ev «p «plv zb O-^atpov xaxaaxeoaa^vat ol pw^i!^ho\ xal ol 
xtO-apcpSol "JjYWvtCovxo. Paus. I, 8, 6: xoö ^eaxpoo hh, 8 xaXoöctv (|)$eiov xxX. 
Schol. Arist. Vesp. 1109: zoko^ toxi ^taxpotihr^y ev (J) elu>0-aac xa icoiYjjjiaxa ÖLTzau^- 
YsXXeiv Tcplv xr^i; elc xb O-saxpov a?caYYeXtag. FoRCHHAMMEB, Topogr. v. Athen, 
p. 42 f. dachte sich das Odeion als einen mit Sitzbänken in Form eines Theaters 
umgebenen, nach aussen eine steile Mauer wie das Colosseum habenden, offenen 
Platz; dem stimmte Wiesbler, Thymele, p. 52, A. 142 bei. Mommsen, Heor- 
tologie, S. 138, A. *** nimmt die Dachlosigkeit als ausgemacht an. Bürsian, 
Geogr. I, p. 299 und Cürtiüs, Erl. Text zu den 7 Karten von Athen, p. 34 
lassen die Form unbestimmt. "Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0., p. 162, A. 18 
nimmt ein bedecktes Rundgebäude an. "Wachsmuth, Die Stadt Athen etc., p. 503 
und 553 denkt an ein theatrum tectum. Curtius u. Kaupert, Atlas v. Athen, 
Bl. II geben halbkreisförmige Gestalt, und Bl. X deutet das Terrain auf dieselbe 
Form. Der Text zur letzteren Stelle sagt : „Die Lage des Odeion ist vermuthungs- 
weise angesetzt nach den Spuren runder Erdterrassen, die noch heute als Tennen 
dienen." Unseres Erachtens lassen Paus. I, 8, 6 und Schol. Arist. Vesp. 1109 
auf ein theatrum tectum schliessen. „Theaterförmige Anlage", Milchhöfer a. a. 0., 
pag. 185 (p. 44 des Separ.-Abdr.). Mehr in § 10. 

') S. oben p. 40, A. 3 und Tertull. Apol. 6, s. oben p. 67 A. 4. 

') Vgl. die Grundrisse bei Wieseler, Denkm. d. B. bezw. IT, 9 B; I, 7; 
II, 7 B. Diese Form ist als ausserordentlich praktisch für ein bedecktes Theater 
neuerdings im Wagnertheater zu Bayreuth (vgl. Bayreuth, ein Wegweiser u. s. w. 
Bayreuth 1882, Plan zu p. 104) in Anwendung gekommen und wird ohne Zweifel 
bei Neubauten vielfach gewählt werden. — Das sogen. Odeion zu Akrae (vgl. 
Wieseler, D. d. B. A. 13 und p. 105) ist von Schubring, Fleckeisen Jahrbb. 
1864, p. 667 f. als Badeanlage nachgewiesen worden. 



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§. 8. Das Odeiou. 71 

eckigen von Mauern umgränzten Raumes belegen ist *). Die Lage 
neben einem grösseren Theater findet sich mit dem ersten Kriterium 
vereint in der Villa bei Neapel^), allein aber bei den Gebäuden zu 
Katana^), Alexandreia Troas und Kibyra^). Die Städte Knidos, 
TraJles, Ephesos und Melos, in denen man die kleineren Theater 
Odeien nennt, hatten wenigstens noch grössere Theater^). Zu 
Bargj'Ua dagegen scheint ein solches nicht vorhanden gewesen 
zu sein, nichtsdestoweniger kann diese Benennung das Richtige 
treffen ^). 

Wie es hienach nicht möglich ist im Einzelnen stets sicher zu 
entscheiden, so bleibt auch im Allgemeinen unklar, welches die Ver- 
anlassung und die Entwickelung des Baus der Odeien war, da einer- 



>) Wieseler, D. d. B. A, 11. 

*) Ibid. p. 14. Auch in der Stadt Neapel scheinen nach Stat. Silv. HI, 
5, 91 (s. o. p. 66 A. 7) Theater und Odeion neben einander gelegen zu haben. 

') Holm, Das alte Catania, p. 19 und Plan Nr. 16. 17. 

*) WiESELER a. a. 0., p. 105 zu A, 12, bezw. A, 10. 

^) Knidos: Wieseleb a. a. 0., p. 5; ein drittes, ganz kleines Theater war 
daselbst nach Newton, History of discov. at Halic, Cnid. and Branchidae II, 1, 
p. 370. 452 ff. Mehr, auch über die beiden folgenden kleinasiatischen Städte, 
bei Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0., p. 190 ff. Anm. 47. — Tralles: über das 
grössere Theater, Pococke, Beschr. d. Morj^enl. III, 98. Texier, As. min. III, 
p 27 *» ; das kleinere Vitruv. VII, 5, 5: etenim etiam Trallibus cum Apaturius 
Alabandeus ele^nti manu finxisset scaenam in minusculo theatro, quod sxxXxj^ta- 
3r/jp'.ov apud eos vocitatur etc. — Ephesos: Pococke III, 71. 74. Taf. 67. 69. 
Texier II, 272. Wood, Discoveries at Ephesus Taf. zu p. 52 (2 Stockwerke, im 
unteren 5, im oberen 10 Keile; im unteren 6, im oberen 11 Treppen; an jeder 
Ecke der Orchestra eine Treppe von 3 Stufen auf die Bühne; Zuschauerraum 
war abgeschlossen durch einen Umgang mit 20 Säulen); bedeckt nach Inschrift 
Nro. 6 (= Herm. VII, p. 29): . . . xal ^it; vscoxopo? tciiv i^Eßa-sttov xaia tot ^©Y" 
jjLaxa TY]5 aofxXYjTOo xal vstoxopo^ \VpT2jAt^o^ xal ^:Xo3Eßaaxc^ 'FL^s^ttov Koki^ t6v 
TCEtaaov Toö O-sotipoo oia'^opYjtfsvta oXov Eiresxsfjaasv xotl afftiottasv sx t» tuiv 5XX<i>v 
Ttopojv xal ov . . . avO-ü^taTo^ Ttvfio; lotxlpou*; (Cons 158 p. Chr.). sox'jyslxs. Auch 
die Inschrift Nro. 3, wo von einer Reparatur die Rede ist (tiv izixazov xoO 
O-edcTpo'j xal Tov (!) nooT/.YjV!ov xal t6 KOo<u|j.a xal xo'j^ -ss'.-ipapOFi; xal ty;v XoitcYjV 
JüXtxYiv ;raf>a3X60Y^v idjv d'E/x&'.xu» xal xa^ Xsoxo'iaag f)-'jf»a^ xal xa Iv xm ö-saxp«}) 
XsoxoX'.O-a) muss der Erwähnung des Daches wegen" auf das kleinere Theater be- 
zogen werden. Anders Wood, der -ka-o^ als the awnings above the head of 
the spcctators fasst. — Melos Wikseler, D. d. B. p. 5 zu I, 18. CIG 2436. 
BuRsiAN, Oeogr. II, 500. 

**; Le Bas et La?«)Ron, Voy. arch. en Grece et en As. min. Itin , p. 167. 
Newton a. a. 0. 11, 2, 608. Auch zu Kanatha war das Odeion das einzige 
Theatergebäude. Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0., p. 164. 



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72 §-8' Das Odeion. 

seits bekannt ist, dass die musischen Agonen in offenen Theatern 
stattfinden konnten und stattgefunden haben '), und wir andererseits 
nicht wissen, welche Form der Odeien als die ursprüngliche anzu- 
sehen ist^). Nur soviel wird sich mit einiger Sicherheit annehmen 
lassen, dass ausser akustischen Rücksichten namentlich der AVunsch 
Belästigung durch Hitze und die Unbilden der Witterung zu ver- 
meiden zur Anlage bedeckter Bauten Anlass gab^); während die 
Ansicht, dass die Odeien dazu dienen sollten, den Besuchern der 
offenen Theater bei plötzlichem B,egen Schutz zu bieten, schon um 
desswiUen unhaltbar ist, weil mehrere als Odeien zu charak- 
terisierende Gebäude keineswegs in munittelbarer Nähe der Theater 
lagen *). 

§9. 
Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 

Das Theater diente in dem vorstehend beschriebenen, lediglich 
durch Architektur hergestellten, Zustande zu scenischen Auffühmngen 



*) Zu Athen wurden die musischen Agonen nach Hesych. ij)§elov (s. oben p. 65 
A. 4) eine Zeit lang im Theater abgehalten. Nach Athen. IV, p. 139 D. traten 
in Sparta Knabenchöre im Theater auf; Philostrat. Nero 9, p. 338 Kays, wurden 
im Theater auf dem Isthmos nie Dramen aufgeführt. In Delphi, wo es nur ein 
Theater gab, wurden die älteren musischen Agonen, denen nach Plut. Quaest. 
conv. V, 2, 1, p. 674 D erst später Dramen hinzugefügt wurden, jedenfalls in 
diesem aufgeführt; vgl. Lucian. Adv. indoct. 9 (vgl. §.25); die Inschriften von 
der Theatermauer zu lasos , Le Bas und Wäddington, As. min. 252 ff. weisen 
Kitharisten und Auleten im Theater nach; Kitharöden im Theater zu Athen 
CIA ni, 1280 c, p. 521; zu Nemea Plut Philop. 11; Dichterwettkämpfe im 
Theater zu Mitylene Plut. Pomp. 42. Ueber Samos zu Antonius' Zeit Plut. 
Anton. 56: piia vy^o^ . . . xarrjüXeiio xal xaT?'|aXXcto. Ueberhaupt wurden alle 
die grossen Agonen zu Orchomenos, Tanagra, Thespiae u. s. w., welche § 25 
genannt sind, und bei denen dramatische und musikalische Leistungen verbunden 
waren, in Theatern aufgeführt. 

*) Ob die einzeln dastehende Skias zu Sparta wirklich, wie Wieseler, 
E. u. Gr. a. a. O., p. 162 A. 18 meint, auf die Anlage von Rundgebäuden in 
Athen Einfluss geübt hat, ist doch zweifelhaft. 

*) Auf die ersteren hat Schillbach a. a. 0., p. 11, auf den letzteren Wieseler, 
E. u. Gr, p. 164 besonders hingewiesen. 

*) Diese oft wiederholte Ansicht beruht auf Vitruv. V, 9, 1 (s. oben p. 41 
A. 1), wo aber nichts anderes hat gesagt werden sollen, als dass das Peri- 
kleische Odeion gelegentlich zu diesem Zwecke benutzt werden konnte. 



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g. 9. Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 73 

nicht; welche Vorkehrungen getroffen wurden, um es dazu zu 
qualificieren , wird weiter unten dargelegt werden. In dem nicht- 
decorierten Zustande ^) wurde es zunächst zu Volksversamm- 
lungen benutzt, wofür indessen weder die für diesen Zweck ausser- 
ordentlich geeignete bauliche Anlage, noch der Wunsch, das zur 
Aufführung von Agonen nur wenige Tage im Jahre benutzte 
Gebäude anderweitig zu verwenden, massgebend gewesen ist^). Die 
Veranlassung dazu gab vielmehr, wie es scheint, die Sitte, nach Be- 
endigung der grossen Dionysien eine Versammlung im Theater ab- 
zuhalten, in welcher über Angelegenheiten der Festfeier verhandelt 
wurde ^). Diese Verwendung des Theaters, welche zu der ursprüng- 
Uch heiligen Bestimmung desselben in naher Beziehung stand, hatte 
sodann zur Folge, dass das Volk auch in einzelnen ausserordenthchen 
' Fällen, in denen anderweitige Gegenstände zur Verhandlung standen, 
sich dort versammelte. So fand im Jahre 411 bei Gelegenheit der 
Auflösung der Herrschaft der Vierhundert eine Versammlung im 
Theater der Munychia statt, welcher eine zweite im Dionysostheater 
folgte*), und auf die Nachricht von der Einnahme von Elateia 



^) Vgl. Wieseler, E. u. Gr. a. a. 0., p. 164—172. Geppert, Altgr. Bühne 
p. 103-108. 

*) Dies die Ansicht Schneider's , Att. Theaterw., p. 7. Vgl. über die 
Benutzung des Theaters zu Volksversammlungen "VVachsmuth, Die Stadt Athen 
im Alterthume, p. 647 f. und 651 f. 

*) Dem. Mid. §9:6 jjlsv vo^o^ ooto^ sottv . . . xat)*' ov al TcpoßoXal ^^Y^oviai, 
Xe'jcov . . . Koislv x-Jjv sxxXY]ctav ev Aiovj^oa jistä xa Udv^w, ev ^h xauxig ETCEi^av 
)(pYj^axb(üaiv ol irposSpot itcpl u>v StcpxYjxsv ö Sipy^uiv, yp*r] |JiaxiCs'.v xal reepl tLv 5v xt^ 
Yj^ixYjxu)^ IQ Kz^\ xYjV eopxi]v ^ iiotpavsvo}i.fjxtt)^. Das Gesetz des Euegoros ibid. 
§. 10: Eocv $s xt^ xooxu» xt «aprtßaivig, 6:r6$'.xo^ eaxw x<|) :ra^6vxt, xal irpoßoXal 
a'jxoö soxwaav tv x*§ exxXrjOta ng iv Aiovoaöo t«? aStxoövxo^, xaO-d izsfi xäv 
aXXwv xtuv aoixoüvxojy ^r^prxKxrjLi. Aechin. De falsa leg. §. 61; CIA U, 114, 
ß v. 6 (aus d. J. 343); 307; 420. Mommsen, Heortol., p. 388 ff. setzt die 
Versammlung auf den XIV. Elaphebolion, den Tag der Pandien. Die In- 
schriften bezeichnen dieselbe als ev Atovo-soo; vgl. Bern, zu CIA II, 307 und 
420. Vgl. unten §. 24. 

*) Thuc. Vni, 93: e^x6 itp^^g xig Moovo/ta Atovostaxov ^eaxpov sX^hjvxs«; . . . 
sJsxXYjataoav. Lys. Agorat. §. 32: eiceiSv] ^k -rj exxXfjctrx Moovjxt'xotv sv xtö O^dxpy 
EY^Y^exo. Ueber die Lage dieses älteren der Theater im Peiraieus s. Ccrtius und 
Kaüpert, Karten von Attika II, Text S. 63 u. A. 96; es ist von dem jüngeren 
kürzlich entdeckten zu unterscheiden ; s. ibid. p. 45 und A. 42. — Ueber die 
zweite Versammlung Thuc. a. a. O. §. 3: 4üvEytopfjadv xe tü3x' ?<; 4j}jL£pav frvjx-i^v 
ExxXrjsiav izoirpai sv xd^ Aiovo^io), und 94, 1 ; etisi^t] hi eirrjXd-EV -q ev Atovoooo bx- 



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74 § ö' Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 

strömte das Volk aus freien Stücken an letzterer Stelle zusammen *) ; 
etwas später fallen hieher gehörige Ereignisse aus dem Leben des 
Phokiou und des Demetrios Poliorketes ^). Endlich; etwa um die 
Mitte des dritten Jahrhunderts, wurde die Abhaltung ordnungsmässiger 
Volksversammlungen im Theater üblich, und dem entsprechend findet 
sich seit dieser Zeit die Ortsbezeichnung IxxXirjaLa iv T(j> ö-eAipcp auf 
den Inscliriften. Diese Sitte hielt sich bis in späte Zeit ^), der Pnyx 
verblieben jedoch die Wahlen^). Aus anderen Städten griechischer 
Cultur ist dieser Gebrauch des Theaters insoweit bezeugt^), dass 



•Afjata. Man beachte, dass in diesen und den folgenden Fällen nicht die 
Bürgergemeinde als solche zusammentrat. 

*) Diod. XVI, 84: 6 $1 ^"^^-o^ ^kol^ 5|i' Tjjispa aüV5$pa|xsv sl; xh S-eaipov Tcpi 

*) Plut. Phoc. 34 : xal TcpooYjv x6 ox'^M-* "^"fi ^op^^^^ Xa:tY)p6v, l«p' djidtjat^ xofjti- 
fo|JilviüV aÖTÄv ^ti toö Kepa^etxoü itpög zb O-Iaipov • exet y^'P 'x^'coög spooaYaYcuv 
6 KXetxo^ ouvsi)^ev, 5ypt oo tr^v exxXvja'lav enX'fjpmsav ol äp)(ovx5(; xxX. Deraetr. 34: 
oöxu)? o5v xTfi :c6Xeü)^ e)^oüOY]g eiaeXO-wv 6 A'fjjiYiXptO(; xal xeXcooa^ st^ x6 ö-saxpov 
a^poio8"?]va'. Tcavxa^ xxX. 

8) S. Reüsch, De diebb. concionum, p. 22. Vgl. CIA. IE, 389, 390, 392, 
463, 465, 469, 494, Add. nov. 477 ^ . exxX. xopta ibid. 377, 403, 408, 435, 436, 
439, 454, 467 472; exxX. aoYxXvjxo; 381. Einmal aus dem Peiraieus verlegt, 459: 
exxX. ev xü> O-eaxptp -q lAexayd-eioa sx Ileipatem^ (vgl. 482: ßooXT] ev xu) d'sdxpm y] 
jtsxa)^tS'sIaa ex xoö llavoc0-r]va':xoö axa^too). In fast allen diesen Versammlungen 
wurden Ehrendecrete beschlossen. Nach Aristot. bei Harpocration s. v. :rspi- 
::oXo; und Schol. Aeschin. De falsa leg. § 167 wurden die Epheben in eiocr 
Versammlung im Theater mit Schild und Speer ausgerüstet. Vgl. Hermann, Staats- 
alterth. §. 121, 8. 10. — Aus späterer Zeit Philostr. V. Apoll. Tyan. IV, 22, p. 74 
Kays.: sXrißexo ^h xal xo'jxojv h 'A:7oXXü»vto^ xal xaXoovxcov aotiv e^ exxXTjatav 
W^jvaicov oOx äv e'^y] itapeXO-slv i(; ycopiov axaO-apxov xal Xoft-poo jjlssxov (das 
durch Gladiatorenspiele entweihte Theater), und Auson. Lud. sept. sapp. Prol. 
V. 6: Atticis theatrum curiae pracbet vicem. 

*) PoU. Vni, 132: irvo; hk -rjv ytopiov K^b<; x^ ixpoiroXei, xaxsaxswaapievov 
xaxa x-rjv «aXatav a;rX6xT^xa, oox el^ fl-eaxpoo :coXoi:paY|J.03'jVY]v. aoi)-'.? o^ xa |iev 
ölXXa ev xü) A'ovoa'.ax(T) ö-eaxpw, jxova^ ?l xok; ap/aipeaia? ev x-jj iroxvt xxX. Hesych. 
8. V. TT/ui' Schol. Plat. Crit. p. 112 A. Philoch. ap. Schol. Arist. Av. 997. 
Schol. Arist. Eq. 746. Wenn Athenion nach Athen. V, p. 213 E im Theater 
zum Strategen gewählt wird, so ist das Ausnahme. Pnyx und Theater als Ver- 
sammlungsstätten erwähnt ibid. 213 D. 

*) Syrakus: Corn. Nep. Timol. 4, 2; Plut. Tiraol. 38; ibid. 34; Justin. 
XXIT, 2, 10. — Katana: Prontin. Strat. lU, 2, 6 (vgl. Holm, Das alt<j Catania 
p. 38). — Enna: Liv. XXIV, 39; Frontin a a. O. IV, 7, 22; Polyaeu. Strat. 
VIII, 21. — Engyion: Plut. Marc. 20. — Tarent: Val. Max. II, 2, 5. — 
Theben: Plut. Reip. ger. praec. III, 11; Liv. XXX lU, 28. — Delphi: Heliod. 
Aeth. IV, 19. 21. — Korinth: Plut. Arat. 23. — Euboea (Karystos?): Dio Chrys. 



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§. 9. Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 75 

Cicero berechtigt war, diese Sitte als den Griechen seiner Zeit 
eigenthümlich zu bezeichnen*). Von welcher Stelle aus der Redner 
in solchen Volksversammlungen zu sprechen pflegte, ist nicht 
mit Bestimmtheit überliefert, indessen ist es mögUch, dass es nicht 
von der Bühne, sondern von einem in der Orchestra aufge- 
schlagenen hölzernen Gerüste aus geschah, welches dann nicht mit 
dem Gerüste des Chors, über welches später zu handeln ist, ver- 
wechselt werden darf^). 

Obwohl streng genommen nicht hieher gehörig, möge schon 
jetzt erwähnt werden, dass auch mit den dramatischen AuflRihrungen 
an den Dionysien, wo also das Theater decoriert war, fremdartige 
Geschäfte verbunden wurden, so die Verkündigung der vom Volke 



Vn, 24, VoL I, p. 114 Bind. - Rhodos: Polyb. XV, 23, 2; Cic. Rep. in, 
35, 48. — Pergamon: Cic. Flacc. 7, 17 und die p. 36 A. 2 citierte Inschrift. — 
Prusa: Dio Chrys. XL, Vol. II, p. 90 ed. Bind. — Epheeos: Acta Apoetol. 
19, 29 flf. - TraUes: Vitr. VII, 5, 5. — Smyrna: Aristid. XXVH, Vol. I, 
p. 541 ed. Dind. — lasos: CIÖ 2681, Mauerinschrift des Theaters . . . Atovoocp 
xal T(j) Syj^<|). — Antiocheia : Tac. Hist. 11, 80. — Alexandreia : Philo adv. Flacc. 
p. 971 u. 975. 

*) Cic. Flacc. 7, 16 : cum in theatro imperiti homines, rerura omnium rüdes 
ignarique, consederant , tum bella inutilia suscipiebant, tum seditiosos homines 
rei publicae praeficiebant, tum optime meritos cives e civitate eiciebant. Zu 
Sparta benutzte man in späterer Zeit wahrscheinlich die Skias, um die kleine 
Volksversammlung, einen Ausschuss der Bürgergemeinde, aufeunehmen. CuRTrcs, 
Peloponn. 11, 238. 

*) So Wieseler, E. u. Gr., p. 170 besonders nach Tim. Lex. Piaton. p. 140 
Ruhnk. ^xpißa(;' ttt^'^ilol zh sv tcJ) d-edxpci) xtÖ-sjjisvov, stp' oh tatavxat ol tct ^-rj/Aoota 
Xl^ovtet;. Nach Müller, Archäol. §. 289 A. 3 und Ueppert a. a. 0., p. 107 
stand der Redner auf der Bühne und nach letzterem das Volk in der Orchestra; 
indessen passt Tim. Lex. Plat. hpyrpxpa ' to ioö d^atpoo |jl^3ov yojptov xal t6«o^ 
eiritf avTjg tlq «avtjY'Jpiv, worauf sich Geppert beruft, durchaus nicht, da die letzten 
Worte sich auf den opy-rjoTpa genannten Platz beziehen, worüber zu vergleichen 
BuRSiAN, Geogr. I, p. 285 und Wachsmuth, Die Stadt Athen im Alterth., p. 170. 
Für Wieseler's Ansicht scheint der Umstand zu sprechen, dass die mit einem 
Kranze Ausgezeichneten diesen in der Orchestra empfingen, vgl. Aeschin. Cte- 
siph. §. 156; |jl*i] 7cp6? ^ih<; xal ^sAv, lo ävSps^ 'Aö-rjvaiot, tpoTcatov roxaie atp' 
u|JL(üv a^TüiV ev Tig toö Atovuooo opyYjatpa. §. 176: au 51 . . . xbv ob TCpoTfjxovxa 
etGxaXel? xot; tpaYtpSolg st; rrjv opx-r]3Tpav.. §. 230: exslvo 5' oh Xü?rr)p6v, eI spo- 
Tcpov ji^v Bvsi:t|ii:XaTO ^j opyrjotpa y po^cbv ots^dvtov olg 6 5y]|j.0(; soxs^avoÖTO ; femer 
Athen. V, p. 213 E : xal «apsXO-üjv 6 TZ£pi7Zfxxi]z'.v.b(; tlc, rrjv hpyrp'zpav . . . süya- 
ptoTTjOE tot<; TS 'A9-rjva'oi; xal ecpfj xtX. Vgl. meine Erörterung Philol. XXXV, 
p. 289 f. 



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76 §• ö. Benatzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 

besclJossenen Ehrenkränze *), die Verthcilung der Ueberschüsse des 
Tributs^), die Vorfülirung der Waisen der im Kriege Gefallenen*). 
Alle diese Geschäfte erhielten durch die Anwesenheit nicht nur einer 



*) Demosth., De corou. §. 120: %al jiT|V rtsp»l toö y' £'' '^<i* ö-saipco xY^pot- 
T'-jO-at, xh jjiev ^optaxig jiop'loo? xsx"r]po/iVx'. TcapaXstTTtü xal ti jcoXXaxt^ aoT^>? eats- 
^otxiüOi^at Äpoxspov. aXXd irp^g ö-ztbv oütcu sxai^? st xal otvabO-fjTo*;, Mzyivr^, toat' 
oü ^»jvaaat Xo^isaGÖ-ai, Zzi tu> |iev aXc'^avoo|iiv(o tov aoxiv syst C*'iX'>v o s-cscpavo^, 
6::oo äv ötvappTjO^, toü 8^ tü*v sts'^avoovTtov svsxa aojupspovTo? iv xw O-saipcj) Y'-Y^stott 
t6 x-rjpüYp.a; Aeschiu. in Ctesiph. §.41 -47; 230 ff.; wo die Worte (231) xal st jjlsv 
Tt^ Tiov Tpa^ixÄv iroirjTCüv twv jista Totöxa STrstsoif ovttov zeigen, dass die Verkündigung 
der Auflfiihrung der Tragödie voranging. Ueber Athen vgl. femer CIA II, 251; 
312; 341; 383; 445; 446; 451; 464; 466- 471 ; 478— 481 ; Addend. 10^ CIG 107 
und über die Formeln Köhler, Mitth. d. arch. Inst, zu Athen 1878, p. 131 ff. 
Vgl. unten §. 21. Luc. Tim. 51. loseph. Ant. lud. XIV, 8, 5. Nach Aeschin. 
a. a. 0., p. 41 ff. wurde mit diesen Verkündigungen insofern Missbrauch getrieben, 
als auch von Demen, Phylen und fremden Staaten verliehene Kränze von den 
Empfängern auf eigene Hand verkündigt, selbst Freilassungen von Sklaven be- 
kannt gemacht wurden. Letzteres auch zu Delos, Bull, de Corr. Hell. VII, 
p. 103 ff. Xro. n aus d. J. 284 v. Chr.: YjXsu^spu»^ ^\pis|jLt; E2)Ö-6jioü. Das 
wurde später gesetzlich verboten. S. fDem.] De coron. §. 120: Scoo? aTS'favoösi 
Ttvsg TÄv ^-qiHDV, TÖt? ttv^Yopsoostg T(ov 3TS?pav(i)v iTotsisB-ai SV aoxot? iv-izzoo^. xoi^ 
ic'lotc OTjjjLOi?, sav jJLYi xtva<; 6 oYjjjlo*; 6 xwv \AÖ-rjvatü>v •?] yj ßooX*)^ Gxs'f avot • xooxo'j^ 
o' sjstvat SV x(j) d"sctxp(|) Atovostoi^ avotYopsossO-ai. Ursprünglich war die Verkün- 
digung geradezu untersagt gewesen. — Derartige Verkündigungen werden auch 
aus kleineren Gemeinden bezeugt: aus dem Peiraieus CIA 11, 589; Salamis ibid. 
469; 470; 594; Tenos CKt 2330—33; Syros ibid. 2347 c; Karthaea ibid. 2354; 
Faros 2374 e. Die Klcruchen von Hephaestia lassen CIA II 592 eine Kranz- 
verleihung in Hephaestia und in Athen an den Diouysien verkündigen. Mehr 
8. bei WiESELKR a. a. 0., p. 170 A. 102. Auch Jjei Komödien im Gau 
Aixone CIA 11, 585 (i. J. 313/312): Aiovoaitov xot^ xu>[j.ti>oo'.(; xotc; At;tov7ioiv sv 

XCÖ 0"SftXpCO. 

*) Isoer. De pac. ij. 82: oüxa> ^^p ocxpifjoi^ supt-jxov s4 t«>v Ävl)-pa>7:ot |ia'M3x^ 
av |U3TjO-stsv, tu-sx' s'}t, vf taavxo x6 icEptYtYvo|isvov sx xtliv ^opcwv apY'jpfjv, otsXovxsg 
xaxw xd/.avxov, s»^ x*rjv op/Yj3xpav xotc Atovo3tot? s'.3'fspstv, STTSioav ^:\r^p^^ -J x6 ö-sa- 
xpov. Vgl. BoKCKH, Staatshaush. d. Ath. I., p. 309. 

') Isoer. ibid. : xal xoüx^ sKotouv, xal KapstjY^fov xo'j«; iraioa^ xu>v sv xto iro- 
)vS|i<i) xsxsXsoxTjxoxojv xxÄs. Aeschin. Ctesiph. §. 154: xt; •,'**? ^'^^ ^'^ ah(rpz'.i'^ 
avO-pwjco^ "KXXtjV xal iratosoö-sl^ sKsoö-spsto^, ava|i."/Yj3«)-«l^ sv xm Ö"saxp(ü sxstvo y^» 
et \Lrfilv exspov, oxt xa'jxvj rzoxh x^ '^if'-^f'? |i.-/>Xovxüiv (o3-sp vjvl xtuv xpaY0)5<uv 
YiYvs'sd-at, 5x' sOvojisixo näXXov tj ito/.'.^ xal ^s*/»xt03t Trpoaxaxats; s/p*rjxo, :iapsXO"üJV 6 
x*rjpo4 xal 7capa3XY]3a|i.svo^ xo'j^ op'f avo'j^ lov o'i itaxsps^ Yjsav sv xtb :roAspo xsxsasfj- 
XTjXoxs;, vsavbxooi; 7cavo:rX'la xsxo3|XY|J1.Ivo'j?. sxY^poxxs ... oxt X0'J303 xo'j; vsavbxoo? 
. . . |Jisypt jJLSv Yj[5T|^ otjiJLOi; sO-ps'J/s, vovt o* xaifoirXba^ xi^^s x-j iravoicXta a'^tY]3tv 
aYaO*^ vr/"^ xpEitsGÖ-at siel xa eaoxtöv, xal xaXst sl^ icposopiav. 



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§. 9. Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 77 

gi'ossen Menge von Einheimischen, sondern auch der Abgesandten 
der Bundesgenossen eine höhere Bedeutung*). 

Seit infolge der VorHebe Alexanders des Grossen für Spiele 
jeder Art^) die dramatischen Aufführungen nicht mehr auf die diony- 
sischen Feste beschränkt bheben, sondern zur Feier beliebiger be- 
deutenden Ereignisse veranstaltet wurden^) und sich den Schau- 
spielern allerlei fahrendes Volk anschloss*), verloren die Theater mehr 
und mehr ihren heiligen Charakter, und es wurde allmählich übHch, 
Productionen, welche den scenischen und musischen Agonen durch- 
aus fem standen, im Theater vorzunehmen. Schon früher waren zu 
Athen im Dionysostheater die auf Gesetz beruhenden Hahnen- 
kämpfe ^) aufgeführt, später reihten sich daran Productionen von 
Gauklern verschiedener Art, wie Schwertverscldinger®), Marionetten-^) 



*) Aesch. Ctesiph. §. 43 ; toug ttvax7jpotTO|jiivoo<; sv x(j) ö-eatpcp pistjoot Ti|jLal^ 
Tijia^d-a' TU)V üico xoO ^t^|jloü oxE'f avoo[jivtt)v ; vgl. §. 41. Dem. De coron, §. 120 im 
Anschluss an die p. 76 A. 1 citierten Worte: ol y«P axoüoavTE^ Srtocvxe^ s'.g t6 
TCotslv so T7]v woXiv TcpotpETTOVTat , xttl TO'j? ÄKO^ioovta^ TYjV yotptv jxäXXov £1Ca'.V0Ö3t 

*) Plut. Alex. 4: cfafvexai ^h xal xaO-oXoo npbi; t6 aö-XYjxüiV fsvo? aXXoxpitu; 
£y^ü>v, TtXebxou^ Y^ '^0- ^«k «Y*"^^^^ ^'-* jJ^^vov xpaY^ocüv xocl aoXYiXcuv xotl xtö-apwoiüv, 
♦iXXa xai pa'J;ci>$Äv fl^jpa^ x« Tcavxo^aJCT]^ xal pafl^Ojxay'la?, ouxs TcoY^i'^i; ooxe naYxpa- 

XIO'J jJLSXa XtVO^ SKOÜ^Yj^ sO^fjXSV ttd-XoV. 

*) Vgl. unten §. 25. 

"*) Welcker a. a. 0., p. 1241. LüdeRvS, Die Dionys. Künstl., p. 59. Bei 
Alexander's Hochzeitsspielen in Susa erschienen an erster Stelle die ^aü|jLaxoicotot, 
Athen. XIT, p. 538 E ff. Antiochos von Syrien liebte die ^at)|jLaxojcot'a Luc. 
Zeux. 12. Uebung derselben in Ae^-pten Luc. De morte Peregr. 17. Bei 
Becker, Charikl. ed. (töII I, p. 277 A. 7 wird darauf hingewiesen, dass solche 
Leute sich gern dort einfanden, wo ein öffentliches Fest gefeiert wurde. BLtJMNER, 
Privatalterth., p. 503. Gaukler bei den Armeen Plut. Oleom. 12. Im Allg. 
Athen. I, p. 19 D ff. 

^) Ael. Var. hist. II, 28: ^2xa xyjv xaxa xwv [lepauiv vixyjv \AO-rjvatot vo|jiov 
sO-evxo aXexxpo6va<; ötY^^'-^'-Cs^O-ai OY^jAoaia sv xü) O-s'xxpo) jjLta^ •fjjiipa? xoö zxooi; und 
erzählt die zufällige Veranlassung. Becker, Charikles ed. GÖll I, 133 ff. BlI^ner, 
Privatalterth., p. 116. Boeckh ad Pind. Olj-mp. XII, 14, p. 210. Ueber die Dar- 
stellungen an der Aussenseite der Armlehnen des für den Dionysospriester be- 
stimmten Thronsessels, welche hieher gehören, s. unten §. 10. Der Zweck soll 
gewesen sein, durch den Muth der Hähne die Zuschauer zur Tapferkeit an- 
zufeuern. 

") Plut. Lyc. 19: ^Ay'.? [asv oüv h ßa-siXeog 3xtü;:xovxo^ 'Axxtxoö xivo? xa? 
AaxoiVtxa^ jia/oipa? st^ xyjv jjLixpoxTjxa xotl Xsy^vxoc, oxi pa^iw; aota^ ot iVz»j|i.axo- 

KOlOl Xr/XaniVOO-SlV EV XOt? D'S'ixpO'.^ xxX. 



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78 §• Ö. Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 

und Becherspieler*) u. a. m.^), endlich die nach Griechenland ver- 
pflanzten Gladiatorenkämpfe ^) und Thierhetzen *). Ob die Theater 



') Athen. I, p, 19E: 'Adnrjvalot hh fToO-ttvo) z(h veopos^daTTU rrjv 3X7]vyjV s^tuxav, 
itp"* Y|^ evfO^ootoDv ol ::8pl Eopiiti^Yjv. V. Pron, Les theätres d^automates en Gr^ce 
au n • siöcle avant Tere chretienne d'apr^s les Aö-conatt^d d'Heron d'Alexandrie. 
Paris 1881. 

*) Alciphron III, 20 giebt die genaue Beschreibung einer solchen Production ; 
vgl. Blümner, Privathalterth., p. 503 A. 4. 

•) So Vorführung von Thieren, z. B. bei Luc. Pisc. 36 einige Affen, welche 
eine Pyrrhiche tanzen. Kunstreiter im Theater zu Alexandreia Dio Chrj^s. 
XXXn, Vol. I p. 401 ed. Dind. Pferde und Ochsen im Theater Plut. Gryll. 9, 7. 
Dahin ist auch das Auftreten des Esels bei Luc. Asin. 53 und Apul. Metara. X, 
223 f. zu rechnen. Ein gymnischer Wettkampf im Theater zu Aspendos wahr- 
scheinlich bezeugt durch CIG 4342 d, d', d'. Baü|iaT07to:ot (so ist zu lesen statt 
oXo|iaxo:cot6(;) im Theater zu Delos, Bull, de Corr. Hell. VTI, p. 103 ff. nr. VII 
und Vni in den Jahren 265 und 261 v. Chr. 

') Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. 11 ^ p. 383. Antiochos Epi- 
phanes gab zuerst in Syrien Gladiatorenspiele, Liv. XLI, 20. In Griechenland 
zunächst in der Colonie Laus Julia Corinthus ; dort allein ist in Griechenland ein 
Amphitheater nachweisbar. Vgl. Bursian, Geogr. II, 15. Cürtius, Pelop. II, 527; 
schwerlich bezieht sich jedoch auf dieses Dio Chrys. XXXI, Vol. I p. 385, 29 
Dind. S. Friedländer a. a. 0., p. 552. Lampros, Das korinth. Amphith. Mitth. 
d. dtsch. arch. Inst, zu Athen 11, p. 282—288, nebst Taf. XIX. Die Athener 
wollten den Korinthem nicht nachstehen, Luc. Demon. 57: 'AO-rjvoitwv hl avsTixo- 
fAlvüjv xatoc C'^Xov tov izph^ Kopivd-ioo^ xataaxYisaaO-at ^sav jJLOvojxi'^wv xxX. Diese 
Spiele wurden dort im Theater gegeben. Dio Chrys. XXXI, Vol. I, p. 386 Dind.: 
''Ad-rjvalot hl SV xä ^edxpu) ^£u>vxa: xy^v xaX*rjv xaox^v Oiav biz* a^xY^v vr^v ixpoTtoXiv, 
00 x6v At6vo3ov em xyjv opyrj^xpav xtO^ao'.v • aioxs KoXXaxt^ ev ahzol^ xtva s'^axxssO-ot 
xol? ^povot^, Oü x6v l6f>0'^<ivxv)v xal xoü^ 5XXoü^ ispet^ otv^Y*"'] xad-tCstv. Philostr. 
V. Apoll. IV, 22, p. 74 ed. Kays.: ol 'A^^valot Jov.ovxe? sg ^axpov xb bizb 
X"g öcxpoitoXsi itpoaslyov a^paY^t? avO*pa»:tü>v xal eaitoo^aCexo xaoxa exet |idXXov ^ ev 
KopfvO-ü) VDV, ypY]naxü>v xe p.eY<iXtüv etMVYj|jLlvot r^-^oy'zo noiyol xal ::opvoi xal xor/ui- 
pü^ot xal ßaXavxtox6p.oi xotl Otv8pa::o5iaxal xal xa xo'.aüxa eO^, ot ^' (uitXtCov aoxoog 
xal exeXeaov JüjjiTCtirxetv xxX. In Folge der Einführung dieser Spiele wurde im 
Dionysostheater vor der untersten Stufe, auf der die Sessel stehen, eine Balu- 
strade aus Marmorplatten errichtet, Vischer, Entd. i. Th. d. Dion., p. 49; Juiiius, 
a. a. , p. 203; m. Jahresb. Philol. XXIIT, p. 494. — S(mst wird aus Griechen- 
land mit Bestimmtheit Ven^'endung des Theaters zu Gladiatorenspielen nicht 
berichtet; gegeben sind sie indessen noch in Megara CIG 1058 = Le Bas und Wad- 
DiNGTON n, 43 (aus der Zeit des Antoninus Pius), in Plataeae Apul. Met. IV, 
72, in Thessal. ibid X, 223, in Larissa ibid. I, 5. Bei Luc. Tox. 59 findet zu 
Amastris in Paphlagonien eine Art Gladiatorenkampf im Theater statt — Ueber 
den |xovo|tayta^ O'^cov, soweit er bei den Griechen schon vor der römischen Zeit 
üblich war, s. Wieseler, E. u. G., p. 167. 

*) Für das Theater von Korinth bezeugt von Julian. Epp. 35, wo die 



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§. 9. Benutzung des Theaters in nicht decoriertem Zustande. 79 

bei solchen Gelegenheiten mit Decorationen versehen waren, ist nicht 
überhefert. 

Es entspricht der doppelten Verwendung des Theatergebäudes 
zu Schauspielen und Volksversammlungen, dass nicht nur Dichtem *), 
Musikern und Schauspielern^), ja selbst banausischen Künstlern^), 



Argiver zu den Venationen der Korinther steuern sollen: skI hi Td xovnrjYSG'.a xd 
noXXdx'.(; ev toi; tfedipot^ enttsXoüiJisva af»xtoü^ xal icapa^dXstg oivoövToti. Vgl. CIG 
1106 = Kaibel, Epigr. (iraeca 885. Für Eleusis bezeugt Arteraidor. Oneirocr. 
I, 8 jährliche Stierkämpfe, wohl im Theater; vgl. Mommsen, HeortoL, p. 266; 
doch sind diese ebensowenig mit den Venationen römischen Brauchs zusammen- 
zustellen, wie die TaapoxaiJ-d'I/io, über welche zu vgl. Hermann, Gottesd. Alterth. 
§ 64, 34. Eine eigentliche Venatio gab Hadrian in Athen im Stadium Spart. V. 
Hadr. 19. — Venationen mit Gladiatorenspielen verbunden zu Amastris im Theater 
wo jene vorangeht, Luc. Tox. 59; zu Plataeae ApuL Metam. IV, 72; ibid. X, 223 
reist Tliiasus in Thessalien, nobilissimas feras et famosas inde gladiatores com- 
paraturus. Dreitägige xovY^Yt'x und p.ovö|jLax.wtt zu Thessalonike bei Heuzey et 
Daitmet, Mission archeol. en Macedoine, 1876, p. 274 nro. 112 (143 p. Chr.). 
Im Theater zu Thessalonike geht das von Luc. Asin. 58 Erzählte vor; es wird 
daselbst (52) ein Weib en^'ähnt, yjti^ xaTtxsxpixo ^ptot; dicoö^vstv, vgl. 53: 
Sjia Zk E^e^Uiv |jiY| TCoo apxto^ ^ Xscov dvaTCYj^-qsjxat ; die Verbindung mit einem 
Gladiatorenspiel erhellt aus 49: dmzyyixo t^ TraTptSt ö-sav irapE^siv dvSpwv okkok; 
Kfjö^ dikX-fjXoü^ ji.ovo|Jiaxeiv et^oxtuv. Apul. Met. X, 223 ff., der den Lucian als 
Quelle benutzt, verlegt die Erzählung nach Korinth. 

*) Plut. Vit. X Oratt. Lyc. 11, p. 841 F.: xov ^k (seil zhr^yft^%t vojiov), 
u)^ -/akmä^ elxovoi^ ftvaö-itvat xoiv KO'.fjxÄv AtoyoXoü Xof oxXsoo^ Küptici^oo. Paus. 
I, 21, 1 u. 3 nennt als Statuen bedeutender Dichter im Theater nur diejenigen 
dieser drei Tragiker und die des Menander. Letztere auch en\'ähnt Dio. Chrys. 
XXXI, Vol. I, p. 384, 6, ed. Teubner. Die Basis mit der Inschrift gefunden 
KüMANüDis, Philistor IV, p. 170. Pervanoglu (Philol. XX, 675, Ephem. arch. 
1862 Septbr.; vgl. ViscHER, Entdeckungen, p. 57) glaubte, die Menanderstatue 
im Vatican passe genau auf diese Baais und stamme aus dem Dionysostheater, 
dagegen weist Förster, Arch. Zeitg. 1874 p. 100 nach, dass die Statue zu gross 
ist; vgl. Julius in Lützow's Zeitschr. a. a. 0., p. 241 — lieber Astydamas, 
dessen Bild im Theater aufgestellt wurde, weil seine Tragödie Parthenopaeos 
sehr gefallen hatte, s. Welcker, Gr. Tragg. III, 1054. — Aus jüngerer Zeit 
sind im Dionysostheater Baseninschriften gehinden für Thespis, Timostratos, 
Dionysios, Diomedes und Q. Pompeius Capito, CIA III bezw. 949, 950, 951, 
952, 769; über Diomedes vgl. Reisch, De mus. Graec. certam., p. 80. 

*) Ein Kitharist im Theater zu Milet Athen. I, p. 19 B. Statuen des 
Auleten Kraton im Theater CIG 3067. 3068 A. Im Dionyaostheater gefundene 
Köpfe als zu Schauspielerstatuen gehörend bezeichnet in Pervanoglu's Bericht 
Arch. Anz. 1866, p. 169 ff.; vgl. meinen Jahresbericht Philol. XXXV, p. 360. 
Wahrscheinlich standen die Statuen, zu denen CIG 1600 und 3072 gehörten, 
ebenfalls in Theatern und stellten Schauspieler dar. 



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80 §. Ö- Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 

sondern auch Staatsmännern, Feldherren und überhaupt politischen 
Persönlichkeiten ^) Statuen im Theater errichtet, sowie Inschrift- 
stelen ^; und Dedicationen^) dort aufgestellt wurden. Auch an den 



•) Statuen eines 'J/Yj'foxXeTCfr]«; in zwei Theatern auf Euboea Athen. 1, p. 19 B, 
und die eines Bauchredners im Dionysostheater ibid. p. 19 E. Vgl. Wiesfxer, 
E. u. Gr., p. 165, A. 47 und Lüder.«?, Dionys. Künstl., p. 60. 

^) Im Dionysostheater: Themistokles und Miltiades jeder mit einem ge- 
fangenen Perser, Schol. Aristid. Vol. ITI, p. 535 Dind.: ^6o sio:v ttvopiavxs«; iv 
ttt) 'A^vYjat iS-eatpü), 6 jj.lv ex Be^tAv B£|j.iaxoxXsoo<;, b 8^ e^ sbwvofiwv MiXtfiSoo 
7tX7]3:ov Be aOTU)v ixatepoü lUpa-r]? a'./jJLaX(uTO(;. uvs? \kh oov ^a-stv oti $6o av- 
optavxeg -Tjoav sv xto ^Eaipo), etc p.iv MtXx'.dSo!), itspo? ?i HsiitaxoxXfoo^ xal XlfO'^'tv 
3x1 M'.Xxta^oo e5 aptjxspdiv, ö §1 Hgjii3xox/veoa(; ex ^s^iüiv. Andocid. Myster. § 38: 
jxsxajo xoö xtovo^ xal xyj; GX*riXy|?, e'f' ^ 6 axpaxY]YO<; ssxtv 6 /aXxoö?. LöscHCKE, 
die Enneakrunosepisode bei Pausanias. Dorpat 1883, p. 4 und 6 verlegt das 
Strategenbild und die Orchestra auf die Agora; doch s. Milchhöfer bei Bau- 
meister, Denkm. des klass. Altert. I, p. 192 (p. 50 des Separatabdr.). Ario- 
barzanes, der Wiederhersteller des Odeions des Perikles CIA III, 542 ; Herodes 
Atticus ibid. 675; Tib. Claudius Lysiades Melitensis 676; M. ülpius Eubiotos 
688, vgl. CIG 378. S. Vischer, Entdeckungen, p. 43; Hadrian als Archont 
CIA III, 464 (112 p. Chr.), und 12 Statuen desselben als Kaiser, gesetzt von 
den Phylen; s. Vischer a. a. 0., p. 44 ff. Dittenberger, Hermes IX, p. 397. 
Hermann, Staats- Alterth. § 176, 18 Vier Inschriften erhalten CIA HI, 469. Ein 
Corrector liberarum civitatum aus Septimius Severus' Zeit ibid. 631. Alle diese 
waren "Wohlthäter der Stadt. Femer Hermeninschriften für Archonten ibid. 
694. 710. " Zu Sikyon Statue des Aratos Paus. II, 7, 5; auf Epaminondas be- 
zügliche Inschrift von Akraephia s. Keil, Sylloge Inscript. Boeot. XXXI, v. 114 
und p. 127. — Auch Statuen von Frauen werden erwähnt zu Side CIG 4345 
und Amastris, ibid 4150b. Vgl. im Allgemeinen die Inschrift von Patara CIG 
4283: xal xov iv aoxü) (seil, xö) TCposxTjvtw) x6g|jiov xal xa icepl aüxi xal x4jv xü>v 
av^p'.avxo)v xal aYotX|Jiaxü>v avasxasiv. 

*) Ehreninschriften für Agonotheten im Dionysostheater gefunden CIA 11, 
307. 420. III, 78; eine solche für den komischen Dichter Philippides (vgl. Plut. 
Demetr. 12) ibid. 314; femer im Theater gefunden CIA II, 28, 39, 158; im 
Odeion des Herodes II, 179. — In Eleusis beim Theater gefunden 11, 574; ein 
Beschluss des Gaus Aixone II, 579. 585. Vgl. femer Lenormant, Rech. arch. 
ä Eleusis n. 26, p. 272. Bullet, d. Inst. 1864, p. 131 ff. Auch Widmungen 
wegen übernommener Archontenämter CIA III, 88; 97; wegen errungener 
musischer Siege ibid. 82; 120. Copie zweier Amphiktyonendecrete betr. die 
Dionysischen Künstler ibid. II, 551. Ein Ephebenkatalog im Odeion des Hero- 
des gefunden, ibid. HI, 1172. 

*) Im Dionysostheater ein Epistyl mit einer dem Dionysos Eleuthereus und 
dem Nero geweihten Inschrift CIA IH, 158. Marmorbasis mit der Inschrift 
Wcppo^ixYj? evaftüvioo ibid. 189. Vgl. Bericht im Arch. Anzeiger 1866, Jan. 
p. 169—172 und Philol. XXXV, p. 360. Ein Altar der Nemesis CIA IIF, 208. 
Daselbst 170 eine im Odeion des Herodes gefundene Widmung an den KaxYjp Ktp-fjVTj;. 



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§. 9. Benutzung des Theaters in nichtdecoriertem Zustande. 81 

Mauern der Theatergebäude brachte man Inschriften an*), und 
aus den zahlreichen zu Athen im Theater sowohl wie im Odeion 
des Herodes Atticus gefundenen, aus römischer Zeit stammenden, 
Grabschriften ^) ist auf die damalige Benutzung des Theaters als 
Begräbnissstätte zu schliessen, wobei es höchst auffallend ist, dass 
sich an beiden Stellen auch christliche Grabschriften ^) gefunden 
haben. Endlich wurden auch wohl ganz ausserordentliche Ehren- 
bezeugungen und Bestrafungen im Theater*) vorgenommen: zu einigen 
anderweitigen, von Geppert statuierten, Zwecken^) wurde das Theater 



*) Zu Delphi, Urkunde über einen Kauf CIO 1710, v. 9: l-^a^diaza ei; 
th Isp^jv Toö llu^oo "AiroXXtüvo? et? Oeatpov xata tiv v6p.ov. Ehreninschriften am 
Theater zu Aphrodisias Cia 2782; 2787; 2788; 2812. Eine Reihe von In- 
schriften über die Feier der Dionysien am Theater zu lasos, Lk Bas, Asie min. 
252 299. 

*) Im Dionysostheater gefunden: Männer aus Attika: CIA III, 1446, 1477, 
1598, 1889: Frauen daher: 1550. Auswärtige Männer: 2235, 2290, 2B41, 2472, 
2765, 2824, 2838. Desgl. Frauen: 2438, 2485, 2677, 2706, 2764, 2821, 2946. 
Frauen ohne Angal>e der Heimath: 2062, 3116, 3165. Ein Ehepaar 1868. Im 
Odeion des Herodes gef: Männer aus Attika: 1492, 1511, 1547, 1602, 1688, 
1933. Frauen daher: 2197. Auswärtige Männer: 2252, 2^)1, 2333, 2408, 2566, 
2932. Desgl. Frauen: 2596, 2603, 2667. Im Odeion war die Regula begraben, 
Philostr. V^ 8oph. IT, 5, p. 236 Kays: avl^^xt os 'llpcuS-r); WiWjvafo'.^ xal xh Irzl 
'lVj*(tXX-(j ö-satpov, vgl. Keil, Syll. Inscr. Boeot., p. 151. — Die älteste bezügliche 
Nachricht ist die mit Vorsicht aufzunehmende über Drakon's Begräbniss im 
Theater zu Aegina bei Suid. s. v. Apaxuivundirstaso^. Orabstein einer Mime Basilla 
in Aquileja CIO 6750, vgl. Wieskler, Oött. Oel. Anz. 1847, p. 21. Keil, Syllog., 
p. 238. Urnen und Leichen vielleicht von Schauspielern im Theater zu Faesulae 
bei WiRSELER, Denkm. d. Bühnenw., p. 27 zu III, 11c. und Dütschke, Archäol. 
Zeitung 1876, p. 101. Orabstein eines Legionars (leg. III. (>yren.) im Theater 
zu Bostra, CIO. 4651 — Die B<»8tattung im Theater muss als Auszeichnung 
angesehen werden. 

») Im Theater Männer CIA. IIT, 3453, 3465. Ehepaare 3455, 3464, 3467, 
3521 ; ein solches im Odeion 3485. So weit die betreffenden Angaben gemacht 
sind, gehören die Männer den niederen Ständen an. 

*) Ausserordentliche Ehrenbezeugung Tür Mithridates im Theater zu Per- 
gamon Plut. Süll. 11; Hinrichtung des Hippo im Theater zu Messana, Plut. 
Timol. 34; Oeisselung von Juden im Theater zu Alexandreia, Philo adv. Flacc, 
p. 975. Mehr bei Wieseler, E. u. Or., p. 171, S. 136 f. 

*) Oeppert, Altgr. B., p. 107 spricht nach Plut. Phoc. 34 (ob. p. 74 A. 2) 
von der Benutzung des Theaters zum Oefängniss; es handelt sich dort aber nur 
um einen kurzen Verwahrsam. Ibid. p. 108 soll auf (irund v. Xen. Hell. IV, 4, 3: 
u>^ 5^ sTTjjxaviWj 01^ stf**rjxo ooc so»t aicoTCTetvai. 3;ra3ocpLSvot zu ii^'t] f-aiov tiv jjiv tiva 
Zfr/z'^TTfA^AA iv xoxXq). x'>v OS xaÖYjfjL^vov, Tov ?s T'va £v Jf-otTpü), s^Ti $^ bv xfxl xp'.rrjv xa- 
tVfj|i.eyov (zu Korinth) das Tneater zum gewöhnlichen Aufenthaltsort gedient haV)en ; 
Hermann, Lehrbuch III. ii. ^ 



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82 §• 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

jedoch, wie hier besonders hervorgehoben werden möge, nicht 
benutzt. 

§. 10. 
Die Theatergebände in Athen und Attika. 

Am Südostabhange des Burgfelsens befand sich von Alters her 
ein dem Dionysos geweihter Bezirk, welcher A^^votiov, Xipai, TS|j,evo<; 



indessen lehrt das Richtige theils der Zusammenhang, theils Diod. XTV, 86: 
öcY^vcüV ovKov ev TU) O-i'/tpü) fövov sro'.Tiaay. Ibid. habe man nach Suid. s. v. 
(j)5sIov im Odeion Markt gehalten ; es ist jedoch die Rede von dem alten Odeion 
an der Enneakrunos, welches seit Erbauung des Dionysostheaters ausser Ge- 
brauch jjesetzt war. Vgl. § 10. Ibid. sollen nach Plat. Apol., p. 26 D: 'Ava- 
Ja^opoü otsi xaTYjfopslv, tu tpiXs MiXTjra; xal oütü) xaxa'fpovsl^ Td>v?5 xa: obi a'jtoj^ 
ÄKeipoo? "^prx^iLrxxviiV elvau a>ots oox eiSsvai oti ta ' Ava^aYOpoo ßißXta toö KXaCo- 
fA?vioo Y^M-^' 'coüTCüv xtüv Xo^wv; xal oy] xal ol vsot laöta Kap' £p.oü ptavi^Jcvousiv, a 
eJesTtv sv'.oxe, zl icavo koXXoO, ^pa/|jLY](; ex tyj^ op^-fictpa^ jrpia|jL£vo'^ Scüxpaioo? 
xaTaYsXöcv, eav TcpoaKOi'yjTat iaoxoü slvai, ÄXXcu^ xs xal o5xü>^ 5xo7ca ovxa in der 
Orchestra des Theaters die Schriften des Anaxagoras feil gehalten sein, vgl. 
BoKCKH, Staatshaush. I, 68, BiTCHSENScHi^TZ, Besitz und Erwerb, p. 572, Stark 
zu Hermanx, Privat alterlh. §45, 13, Polle.N. Jahrbb. 97, p, 770f.; andere dachten 
hier an Aufführung von Euripideischen Stücken, in denen die Lehren des Anax. 
vorkamen, und bezogen den Preis von 1 Drachme auf besonders gute Plätze. 
Vgl. Becker's Charikles ed. Göll II, 164; Blümner, Privat-Alt^rth., p. 433, 
A. 1, und was dort citiert wird; es ist inde?cen die Stelle mit R. Schöne, N. 
Jahrbb. 101, p. 802 in der That auf Buchhandel zu beziehen, jedoch unter 
opyrjaxpa der so genannte Platz auf der Agora zu verstehen, über den zu vgl. 
Wachsmuth. Die Stadt Athen, p. 170 und 509, und Milchhöfer bei Baumeister, 
Denkm. des kl. Altert. I, p. 165 ^^ p. 23 des Separatabdr. — Zu Vorträgen 
wurden in Athen nach Plut. De exsil. 14, p. 605 B: si ?£ zt-rpv. xi^, oxt ^6;av 
ohzoi xal xtjjA^ sO-Tjpsuov, sitl xoj^ GO'fO'j? IX^s xal xa? 3o?pa^ WtHjvrjst oyoXa^ xal 
^laxpißa^* avaTTspLTcaaat xa^ ev Aüx?'.ü), xa^ ev 'Ax-x§YjjA'la, x'rjv üxoav, xo [laXXa- 
?tov, x6 'Ötoslov, vgl. Alexis bei Athen. VIII, j). 336 E -- Mein. III, p. 394; 
KocK II, p. 306 andere Locale benutzt; über das Lykeion s. Milchhöfer 
bei Baumeister, a. a. 0. I, p. 182 (— - p. 40 des Separatabdr.), Diog. Laert. 
V, 2; Cic. Acad. I, 4, 17; über die Akademie, Milchhöfer ibid., p. 176 {-- 34); 
über die Stoa ibid , p. 166 (— 24): über das Palladion ibid., p. 179 (— 37) 
und BücHELER, Ind. Lection. Gryphisw. 1869/70, p. 15 ; über das Odeion, wobei 
an das des Perikles und nicht mit Wachsmuth, Die Stadt Athen, p. 635, A. 1 
an das am Ilissos gelegene zu denken ist, Diog. Laert. VII, 184. Agrippa er- 
richtete zu diesem Zwecke ein besonderes Theater im Kerameikos, das Agrip- 
peion; vgl. Philostrat. V. Soph. II, 5, 3; p. 247 und II, 8, 2: p. 251 Kays. 
BüRsiAN, (teogr. I, p. 292. Wachsmuth a. a. O , p. 672. Cürtius, Erl. Text 
zu den 7 Karten zur Topogr. von Athen, p. 43. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 83 

Too Atovoaoo genannnt wurde *), und in welchem neben einem anderen 
Heiligthume des Gottes der eigentliche Cultustempel desselben stand*). 
Es ist beim Fehlen aller bezüglichen Nachrichten eine ansprechende 
Vermuthung, dass die Dramen, so lange sie sich in den Schranken 
des einfachen kyklischen Chores hielten, auf dem Vorplatze dieses 
Tempels zur Ausführung gebracht wurden^). Schwierig aber ist die 
Beantwortung der Frage, wo dieselben seit den Neuerungen des 
Thespis und vor Erbauung des steinernen Theaters aufgeführt worden 
sind *), da die betreffenden Nachrichten in einem auffallenden Wider- 

*) WiESKLER, E. u. Gr. a. a. 0., p. 172—186. Hes.: inl A-rjvat(j) ot^tuv 
faxtv iv TÄ 5aT5t A-r^vaiov KEfAßoXov s/ov |jl«y'*v. xal sv aoxcj) A*rjvoitoo Atovüooo Ispov, 
ev (}) sTcexsXoovTO ot oc^ihvi^ 'A^vatwv icplv xh ^saxpov o'.xo^OjjLYj^jVat. Phot. 8. v. 
A-r^vaiov. Bekker Anecd. Gr. I, p. 278, 8. Et M. p. 361, 39. — Schol. R. Arist. 
Ran. 216: Xtpivrrj totcoc U^h^ Aiovosoy, iv (j) xal oixog xal vsw? toü ^soö. Thuc. 
ir, 15: zh SV Atavat^ Atovoaoo. Athen. XI, p. 465 A. — CIA II, 420, 19: ava- 
Ypa»}a: Iv cx^'-'jj Xt^vji xal ozrpv, sv tü» lepievs'. toö Atovoaoo; ibid. p. 55 und 
307, 23. -- Vgl. über den Bezirk Mommsen, Heortol., p. 361, A. *; Wachsmuth, 
Stadt Athen im Alterth., p. 243, Cubtiüs u. Kaüpert, Atl. v. Ath , p. 35, 
Karten von Attika, p. 9 und Bl. II. Milchhöfer a. a. 0., p. 189 = 47. Die 
nördliche Gränze bildete der Burgfelsen, die westliche das Asklepieion. Mar. 
Vit. Procl. 29: dpiJLoStojtatYj a&to) xal 4j otxf|oi? öiry)p52v, "J^v xal h icarJ^p . . . xal b 
irpoiraroop . . . uixTjaav, Y^-^ova jiiv ouaav toö aizb £o«oxXeoo^ eittcpavoög 'A<3xX.T,Ätsto?>, 
xal Too iz^h^ TU) ^si-rpü) Atovo^ioo, optojii'./Yjv $1 9j xal SXXm? ataO-rjTYjv YtYvoiiivYjv t'J 
axpoKoXr. r?]; W^vä?. P. Girard, L'Ascl^pieion d'Ath^nes d^apres de n^centes 
decouvertes. Paris 1881. Die südliche Gränze wurde wahrscheinlich durch eine 
dem Boulevard parallellaufende Mauer gebildet, die östliche ist noch nicht be- 
stimmt. Gränzsteine CIA I, Suppl. 499a; Kümantd. 'A^^v. VII, p. 478 n. 1. 

•) Paus. I, 20, 3: toO Atovo-soo ^A eaxt irpi<; T(j) d-satpcj) xb otp/atoxaTov Ispov 
ioo Ze siG'v hvxb^ xob itjptßoXoo vaol xal Atovo^oi, 5 xs 'EXKOtS-tpitx; xal Sv 'AXxa- 
jjLtvTj^ iirot-riojv eXe<pavTo<; xal )^püaoö. Der Cultustempel war deijenige, welcher 
das erstere Bild enthielt, das apyatoxaiov lepiv bei (Dem.) Neaer. § 76. Die 
Lage der Heiligthümer suchte zu bestimmen Rhusopui.os, Ephem. 1862, p. 287. 
Vgl. BcRsiAN, Geogr. I, p. 296 f. Wachsmuth a. a. O., p. 243 und 385. Mommsen 
a. a. O., p. 353, A. * und 360. Wieseler, E. u. Gr., p. 173. Reste des jüngeren 
Tempels hat man in den 14 m. südlich vom westlichen Theile der Skenenreste 
des Theaters belegenen Conglomerat- und Porossteinfundamenten eines etwa 
22 m. langen, 10 m. breiten Gebäudes mit westöstlicher Längenausdehnung er- 
kannt; neuerdings glaubt man auch Spuren des älteren Tempels gefunden zu 
haben, und zwar 10 m. südöstlich von jenem in zerstörten Resten eines Unter- 
haus aus Porossteinen von 11 m. Länge und 4 m. Breite; s. d. Plan in den Ilpax- 
Tixot vri^ sv^'A^vatg apyatoXoYtxYj^ itatpta^ 1879, I. Vgl. MiLCHHÖFER a. a. O., 
p. 189 r= 47. Atlas von Athen, p. 11; Karten von Attika, p. 6. 

•) Wieseler a. a. 0., p. 174. 

*) WrcsELRR, Disputatio de loco, quo ante theatrum Bacchi lapideum ex- 

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84 §• 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

Spruche stehen. Nach der einen Gruppe derselben ist der Schau- 
platz in der bezeichneten Periode das Lenäon gewesen*), nach der 
anderen die Agora^); hinsichtlich ehier dritten Nachricht, welche 
bald zur ersten, bald zur zweiten Gruppe gezogen ist, bleibt e$ 
zweifelhaft, ob ihr überhaupt irgend ein Werth beigemessen werden 
darf ^). Von den Forschern liaben sich die einen für das Lenäon *) 



structum Athenis acti sint ludi scenici, Götting. 1860. Derselbe, E. u. Gr., 
p. 174—176. AVachsmuth a. a. O., p. 510, A. 1. Jahresber. Philolojf. XXXV, 
p. 292—294. 

*) Hes.: Ik\ Afiva'ü) a-f"*'' **• P- 83 A. 1. Phot. p. 162: AY|vatov, TcsotßoXo^ 
jirc**; 'A0*fjvY)3iv, £v J) TOo<; a'fuiya^ r^-^o"^ spö xou xo tfsaxpov otxo^opiYjiHiva'. Brkkrr, 
Anecd. Gr., p. 278: A-r^va'.ov, tspov Atovfj^oü, i^^ oh xoj; äy"^'^'^? £xii)"saav K^b 
xo5 xo ifiaxpov avotxo5o[j.*rjtHjva'.. 

*) Phot. p. 82: ixpta xa iv x^ '^Y0{>'?. ^^'f <«v iiS-sciivxo xoj; Atovo^taxo'j; 
rjL'fiii'/rjt.^^ splv Y| xaxaaxjüoi^iHjvai x^ sv Atovo-soo iH-saxpov. Eustath. Od. III, 350, 
y>. 1472, 4: i-xeov oe 3x1 Ixpia ;rpo;rapo5oxov(o^ sXrfovxo xa» xa ev rj ^yopa, a^^ 
u>v sft-EÄvxo xh TzaKoLih'^ xoj^ Atovo^i'/xo'x; ÄYtova?. jrplv "ifj axEoa-iSY^va» xo iv Aio- 
VJ300 t*Haxpov. 

*) Suid. u. Hes. s. : alfstpoo iS-sa: atYstpo^ y^v \A{KjVTj01v ir/^Yjaiov xoö bpoO, 
EviV/ Tcptv Y«vHiW. t^iaxpov xa ixpta ^kyjyvjov, a»^" r^^ aiYeipou ol jiy] lyovxs? xonov 
sS^mpoüv, wo das Up^^v bald als das des Dionysos im Lenäon, !)ald als das, nach 
mehreren am Südwestabhange der Burg nahe der alten Agora gelegene, der 
W'fpoo'lxYj :ravo7]/i.oc erklärt ist. Vgl. WiESFXER a a. O., p. 175, A. 35: anders 
jedoch CrRTirs, Att. Studien II, 45 f. und Erläuternder Text der 7 Karten etc , 
p. 24. In den Notizen bei Hes. Ifl-x ::otp^ a-.Ystpü*: xöko(; aiyEtpov l/tov, oö-sv EtJ-EtopoFjv. 
E'jxsXyj; ^l s^oxEt -rj EvxEOfl-Ev tS-Ecup'la* jj-axpoO-sv ^äp YjV xal E'xnvoo o xotco? etcoiXeIxo. 
Id. 8. V. irap^ aiYsipoo iHa: "'Kpaxo'sft-ivrrj? f^j'''» Sxt TcX-rj^tov aiYstpoo t'.vo? iHa. . . . 
EYYU(; xtov txptüDV. io>; oov xooxo») xoö cpoxoO eJexeivsxo xal xaxsaxeoajsxo xa txpta, 
a Eaxiv opJJ-a v'*^**» E/ovxa ^avtoa? Tcpo-^s^E/isva?, otov j^ai^ptoo^, e^' ai^ ixaiHJovxo 
Ttpö xoü xaxaaxEoa^lHjva; xh iS-saxpov; Et. M., p. 444, 16; Eustath. Od. V, p. 1523, 25: 
Suid. Q.K a'YS'pof) O-Ea; Brkkrr, Anecd., p. 354 und 419; Suid. und Hes. fjl-^r.ooo 
tH-Ea, welche berichten, hinter den hölzernen Sitzreihen habe eine Schwarzpappel 
gestanden, von der aus diejenigen, welche keinen Platz erhalten konnten, zu- 
schauten, auch seien diese Plätze billiger gewesen, fehlt jede Angabe darüber, 
wo die Gerüste aufgeschlagen waren. Offenbar handelt es sich hier um einen 
ätiologischen Mythus zur Erklärung der si)richwÖrtlichen Redensart Tcap' aiYEi- 
poo O-sa; diese Notizen dürfen in keiner AVeise mit der durch* Andoc. Myst. 
§ 133 bezeugten Sykophantenpappel auf dem Markte, auf die sich auch Hes. 
citC a'YE'ptov bezieht, in Verbindung gebracht werden. 

*) BoECKH, Ueber die Lenäen, Anthesterien und Dionysien in Abb. d. Berl. 
Akad. 1816 und 1817, p. 70 ff. Lkake, Topogr. v. Ath. übers, von Baiter und 
Sauppe, p. 180. Fritzsche zu Ar. Thefm. v. 393. (tEPPErt. Altfjr. Bühne, 
p. 34 ff. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika, 86 

ausgesprochen, andere eine Vermittelung gesucht ^)^ und neuerdings 
hat Wieseler sich für die Agora*) erklärt; indessen stehen dieser 
Annahme wesentliche Bedenken ^) entgegen, und man wird gut thun, 
Wachsäiüth zu folgen, welcher sich zwar jener ersten Ansicht 
zuneigt, es aber vorzieht, den Widerspruch der Nachrichten zu con- 
statieren und die Unfähigkeit zur Hebung desselben offen zu ge- 
stehen *). 

Ueber das damaUge Theatergebäude berichten späte Zeugnisse, 
dass es ein hölzernes war, dessen Bühne vielleicht für jede Feier 
neu aufgeschlagen wurde, und dessen Sitzreilien den Zuschauern 
kaum den nöthigen Raum bieten mochten ^). Als nun Ol. 70, 1 bei 
einem Wettstreite des Pratinas, Aeschylos und Choerilos die Sitz- 
reihen zusammenbrachen"), beschloss man im heiligen Bezirk des 



*) Nach Gr. Hermann, Lpz. Litteraturztg. 1817, p. 478 ff. und Schneider, Att. 
Theaterw., p. 6 und Anm. 24 wurden die Agonen an den städtischen Dionysien 
auf der Agora, an den Lenäen im Lenäon veranstaltet. Nach Cürtiüs, Erl. 
Text etc., p. 25 sind die Spiele im Bezirk des Dionysos aufgeführt, die Sitz- 
reihen aber auf dem westlich an jenen gränzenden Altraarkt aufgeschlajifen. 

*) An den p. 83 A. 4 angeführten Stellen, indem er die Zeugnisse über das 
Lenäon durch Aenderung von Trpo in a;i6 beseitigt. 

') Die Nachricht über das Lenäon ist durchaus unverdächtig, und die Ver- 
muthung, dass in einer alten Erklärung zu Ar. Acham. 504 die Präposition olko 
gestanden habe, welche dann in :rp6 oder icp'lv verderbt sei, ist nicht bewiesen; 
ferner sieht man keinen Grund, warum die Spiele aus dem geräumigen Bezirk 
des Dionysos verlegt werden sollten; bei Ranoabe, Ant. Hellen. IL, 2285 ist 
nicht Atovü3wc la Kspl lloxva, sondern xa IlsioaCx'i zu lesen, s. CIA U, 164. Die 
Nachrichten, dass auf dem Markte Schaugerüste aufgeschlagen wurden, haben 
ihre Berechtigung, aber es ist nicht nachgewiesen, dass es sich um die Diony- 
sischen Agonen handelte. 

*) Wachsmuth a. a. Ü., p. 510, A. 1 hält es für möglich, dass bei Phot., 
p. 82 und Eust. Od. III, 350 zwei Glossen vermengt seien, deren eine die 
•xp:a SV T^ aYop<y (Pol!. VIT, 125 und Wachsmtjth a. a. O., p. 201), die andere 
die scenischen ixf»'.a beti*af, ist aber von dieser Lösung nicht befriedigt. 

^) Schol. Luc. Tim. 49: [j.*fj:tü> 51 toö {fsatpoo 5'.a Xtö-lvwv xais^xEO'x-jtsvoü 
xot: 3üpo*6vT<uv i(üv av^pcuiTuiv jtcI vr^^^ {^sav xal vuxt6^ to'*)^ totcoo^ xaTaXa^övitüv, 
hy\-f(zz'.^ TS £Ysvo'/To xol |JL'r/ai xal TCkr^yii, Vgl. Liban. Hypoth. ad Dem. Ol. 
I, p. 8 Reisk. Hes. s. v. icap' aiY^ipoo O-sa und txpia. Suid. s. v. Ixpia. Gep- 
PERT, p. 83. Vgl. unten § 22. 

^) Suid. llpaitva;: ovi-riYcoviCeto o^ AtT/uXo) x» xotl XoiptXu) enl Tt|; e^^ojJLYj- 
xo3XTj^ "OXo|XJCia^o^ .... £:rtOEixvo|J.svo') oi xooxo'j sovs^t) xa »xpia, r-p" a>v eax^xsaav 
ol 9-saxal, 7tE5«iv, xal ex xo'jxcov t^saxpov wxoooji-rjlW) Wihjvato'?, cfr. dens. s. v. Wz- 
/6Xo<;. Ueber die Zeitbestimmung Bernhardy, Gr. Litt. II, 2, p. 82 „nicht vor 
Ol. 70"; gewöhnlich auf Ol. 70, 1 fixiert. Vgl. "Wachsatuth a. a. ()., p. 511, Anm. 1. 



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85 §. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

Dionysos einen steinernen Bau aufzuführen. Dieser war gewiss an- 
fangs sehr einfach und erlitt vielleicht während der Perserkriege 
einige Beschädigungen*); hierüber jedoch sowie über die etwaige 
Instandsetzung erfahren wir nichts und hören erst, dass der Redner 
Lykurg in seiner wahrscheinlich auf die Jahre Ol. 110,3 bis Ol. 113,3 
anzusetzenden Finanzverwaltung das Theater vollendet hat*). Diese 
Nachricht ist verschieden verstanden worden, indem man einerseits 
an Auffühnmg der steinernen Skenenwand^), andererseits an voll- 
kommenen Ausbau des Bühnengebäudes, das erst jetzt mit einer 
stehenden Bühne und reicherem Schmuck an den diese imigebenden 
Wänden versehen sei*), endüch an Umbau eines alten einfachen 
Steingebäudes gedacht hat*^). Da mm technische Prüfung der Ruinen 
ergeben hat, dass diejenigen Mauern, welche als die Fundamente des 
ältesten Skenengebäudes angesehen werden müssen, für ein steinernes 
Bühnengebäude zu schwach sind®), so hat man die zuerst genannte 
Auffassung als die richtige zu bezeichnen, so wenig annehmbar es auch 



*) Webseler, E. u. Gr. a.a. 0., p. 178; Cürttcs, Erl. Text, p. 34; Wachs- 
MüTH a. a. 0., p. 653. Philolog. XXXV, p. 295. 

») 0. CüETius, Philolojir. XXIV, p. 83-114 u. 261-283. — Hyperid. bei 
Apsin. Walz, Rhet. Gr. IX, p. 545: xax^l; 8' lizl -rj 8totx-f|aet täv xp-rjiAeiTcuv 
ehpt icopoog, (|>xo$6pfrjoe hk xb ö^atpov, xb <|)Setoy, vecupia; Plut. Vit. X. Oratt. 
Vn, 4, p. 841 C: xal xb ev Aiovuaoo O-gatpov eTctotaxÄv mXEünqos; ibid. 3. Pse- 
phisma § 5: itpi^ ^k Tooxot^ rndtp'^a napaka^ui^ xoog xe vswooixouc xal.xvjv oxeoo- 
dYjXYjv xal xb ö^axpov xb Aiovüotaxiv sSetpY^^^'^'fo ^^^ ercsxIXeas xxX.; Paus. I, 29, 16: 
otxo8o|j.Y]|jLaxa $i iicexeXsoe jjlIv xb O^axpov ^epmv 67cap$a{jivu)v. Das Psephisma 
bestätigt durch CIA 11, 240: ri^v Zk o[xeüo^x*rjv xal xb ö^axpov xb] Atovoataxöv 
lir^p^dQOLxo xxX. Vgl. BoECKH, Staatsh. I, p. 567 ff. II, p. 214 ff. Schaefkr, 
Demostb. I, 188. III, 274; Köhler, Hermes I, 320 ff. Michaelis, Parthenon, 
p. 292 ff. Ueber die Zeit der Finanzverwaltung Boeckh a. a. 0. II, 118; 
C. CüRTiüs a. a. 0., p. 91. 

•) ÜRUCHs, Ueb. d. dramat. Motive d. alt. Kunst, Vhdl. d. Phil.- Vers, 
zu Frankfurt 1861, p. 45 ff. Bürsun, Geogr. I, p. 297. 

*) WiESELBR a. a. 0., p. 178, der ab«r nicht angiebt, wann zuerst ein 
steinernes Bühnengebäude aufgeführt sei. Vgl. 0. Curtiüs a. a. 0., p. 270, der 
für die Pracht der scenischen Darstellungen im fünften Jahrhundert ein solches 
unbedingt voraussetzt; vgl. meine Ausführungen Philol. XXIII, p. 539. 

") Wachsmüth a. a. 0., p. 553, A. 1 setzt die Errichtung des älteren 
steinernen Bühnengebäudos in die Zeit des Wiederaufbaus der Stadt nach den 
Perserkriegen und p. 593 den Beginn des Neubaus etwa in*8 Jahr 343/2; dieser 
„totale mit prachtvoUer Ausschmückung verbundene Umbau" sei nicht vor Ol. 
112, 3 zu Ende geführt (p. 599). 

*) Julius in Lützow's Z. f. b. K. Xin, p. 236 u. 240. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 87 

erscheinen mag, dass in der Blüthezeit Athens die Dramen auf 
einem hölzernen Theater aufgeführt sind ^). Sonst hat Lykurg das 
Theater wohl in mannigfacher Weise ausgeschmückt^), ob er aber 
den Zuschauerraum erweitert hat, ist zweifelhaft^), sicher dagegen, 
dass er den Bau nicht begonnen, sondern nur vollendet hat *). Von 
diesen Lykurgischen Bauten sind jetzt nur die Verstärkungen der 
alten Fundamente des Proskenions sowie vielleicht die eines grossen 
hinter der Bühne belegenen viereckigen Baumes erhalten ^). In dem 
Zustande, in welchen es durch Lykurg gesetzt war, blieb das Theater- 
gebäude mehrere Jahrhunderte. Ln Beginn der Kaiserzeit*) zierte 



») Vgl. Phüol. XXni, p. 539; XXIV, p. 270; XXXV, p. 295. 

*) Nach Uruchs a. a. 0. u. C. Cürtiüs a. a. 0. hat Lykurg das Bühnen- 
gebäude mit seinen Wänden und Intercolumnien, die Treppen und Ränder der 
Sitzreihen, die Orchestra und die Parodoi mit Statuen von Dichtem und Staats- 
männern, mit Gruppen nach dramatischen Motiven und anderem plastischen 
Schmuck versehen. Ueberliefert ist Plut. Vit. Lyc. § 11, p. 841 F: tiv U (seil, 
vofiov t'.a'fjvrfxg), ciig yaXxd^ eixova^ ävad-ilvai xwv ÄOtYjxÄv AIt/6Xoü, So^poxXscog, 
E5ptKi^oü. Vgl. Paus. I, 20, 1. 3. 

•) C. CüRTius a. a. 0., p. 272 nimmt mit Rücksicht auf 9itp'(6ti90^'xi und 
im Anschluss an auf der "Westseite des Theaters ausgegrabenes, zur Stütze der 
Sitze bestimmtes, Mauerwerk an, dass Lykurg den Umkreis der Sitzreihen er- 
weiterte. Vgl. Cürtiüs, Erl. Text, p. 39. Dagegen Julius a. a. 0., p. 202, 
nach welchem die Nachricht über das fragliche Mauerwerk irrig, von Umbauten 
keine Spur zu finden, und der Sitzraum ein "Werk des 5. Jahrhunderts ist. 

*) Vgl. Paus. I, 29, 16: ^tspwv 6;coip5oipiv(üv. CIA II, 114 (Ol. 109, 2 -= 343/2 
v. Chr.), wo der Rath belobt wird, weil er xaXo)^ und ^'.xa'to? £;rj|tsX-qö^ vr^^ 
eoxoafjLta? xoö O-zitporj, ist nicht mit C. Cürtiüs a. a. 0. p. 272 und Milchhöfer, 
a. a. 0., p. 190 (= 48) auf den Bau, sondern mit Riedenaüer, Vhdl. d. phil. 
Ges. in "Würzb. 1862, p. 93 auf die Feier der grossen Dionysien zu beziehen; 
vgl. in derselben Inschrift B, v. 6: ("i] ßooXYj) ^ojaaa xaXdi^ £7ctji£[/xsXYjai)'at vffi 
s'jxoajita^ irepl] frjv £opiTjv loO Atovoaou. Ibid. C, v. 5 ist nicht e::l xh ö-eatpixov, 
sondern sitl xb ^Ewpixov zu lesen, womit C. Curtius' (ibid.) Ansicht, dass Kr^y,~ 
ao^ojv KecpaXiwvo? 'A'f i5valo^ als der Vorsteher des Baus anzusehen sei, fallt. 
Vgl. Julius a.a.O., p. 193. - Richtig setzt dagegen C. Curtius die Vollendung 
des Baus auf Ol. 112, 3 = 330/29 v. Chr. nach CIA 11, 176 (aus diesem Jahre, 
vgl. Berok, Fleckeis. N. Jahrbb. 1860, p. 60 ff.), wo Eudemos aus Plataeae ge- 
lobt wird: xal vöv 8ic£Oe5o>xtv sl^ ttjv noifjaiv xoö oxaSioo xal tob ^sdipoo xoö flava- 
0-T]vatxoö yjXi'x C^'^Y*'! ^"^'^ taöta »reKopupsv äreavxa itp6 IIava{)-Yjva{(üv, jedoch sind 
mit C. Curtius (a. a. 0., p. 273) die "Worte xoö navaiS-rjvatxoö hinter oxa^ioo zu 
setzen und ist anzunehmen, dass die Bauten gerade zu den Panathenäen fertig 
wurden. Köhler, Hermes I, p. 321, Anm. 10. Anders Wachsmuth a. a. O., p. 599 ff. 

*) Julius a. a. 0., p. 237. 

®) Dies und das Folgende nach Julius, der die Resultate s. Untersuchungen 
a. a. 0., p. 240 f. zusammenfasst. 



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88 §. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

man sodann den Zuschauerraum durch Aufstellung der noch erhaltenen 
marmornen Thronsessel für ausgezeichnete zur Proedrie berechtigte 
Personen, schob wahrscheinlich das Proskenion vor und versah die 
Bühne mit Seitenbauten. Derselben Zeit dürften auch die den Zu- 
schauerraum und die Orchestra trennende Balustrade sowie die Pflar 
sterung der Orchestra angehören"^). Von allen diesen Verändenmgen 
ist jedoch nichts überUefert. Endlich ist zu einem nicht näher zu 
bestimmenden Zeitpunkte eine neue Bühne, theilweise unter Ver- 
wendimg schon vorhandenen Materials, erbaut worden^). Ob dieser 
Neubau durch Beschädigungen veranlasst ist, die das Theater etwa 
beim Einfall der Barbaren erlitt, welche im J. 267 n. Chr. Athen 
eroberten und verbrannten, lässt sich nicht feststellen*). 

Das Dionysostheater, dessen officieller Name rö d^atpov ib Aio- 
vootaxöv*) wai', kann sich, was den Zuschauerraum desselben 
anbetrifft, an Regelmässigkeit der Anlage mit dem Theater zu 



*) BuRSiAN, Geogr. I, p. 297 und Vischer, Entdeckungen etc., p. 44 u. 58 
setzen die Aufstellung der Throne in Lykurg's Zeit. Dittenberger CIA III, 1, 
p. 84 setzt einige Sesselinschriflen (no. 242. 247. 276) in's zweite Jahrh. v. Chr. 
Die weiteren Veränderungen des Theaters fallen nach Rhüsopülos, Ephem. 1862, 
p. 287, Wieseler a. a. 0., p. 178, Wachsmuth a. a. 0., p. 692 in Hadrian's 
Zeit, ein Irrthum, der nach Julius a. a. 0., p. 241 durch die zufällige Ueber- 
einstimmung der 13 Keile des Sitzraums mit den 13 Hadrianischen Phylen und 
den Statuen dieses Kaisers veranlasst ist. Die allgemein in dieselbe Zeit ge- 
setzte Münze (WiESKLER, Denkm. d. B. I, 1) ist nach demselben nicht zu fixieren. 

•) Die Zeit der Inschrift an der Treppe des Hyposkenions CIA III, 239: 
3ol x6$s xaX^v Etso^e ^tXopfis t^^}^^ ^rfjxpoo ^al^po^ ZtotXoo ßio^cutopo^ 'At^t^o? 
ap/6(; lässt sich nicht fest bestimmen, man denkt jedoch allgemein an das Ende 
des III. oder den Anfang des IV. Jahrhunderts nach Chr. Vgl. Rhüsopülos, 
Philol. XX, p. 573 (Diocletian); Wieseler, E. u. Gr., p. 178 (nach dem Einfall 
der Barbaren); Kumanüdis, Philist. IV, 87 ; Rhüsopülos, Ephem. 1862, p. 131; 
Vischer, Entdeck., p. 51 f,; Archäol. Anz. 1864, p. 181, A. 39; Matz, I rilievi 
del proscenio del teatro di Bacco in Atene. Ann. d. Inst. XLII, p. 97 — 106; 
vgl. Mon. d. inst. IX, tav. 16; Philol. XXm, p. 497; XXXV, p. 360. 
AVachsmüth a. a. 0., p. 704. Julius a. a. 0., p. 238 ist der Ansicht, dass da- 
mals das Proskenion abermals vorgeschoben wurde. 

') Wieseler a. a. 0., p. 178 nennt die Skythen, vgl. Ellissen, Göttinger 
Studien 11, S. 891 ff.; Bessell, E. u. Cxr. LXXV, p. 117 die Gothen; Wachs- 
muth a. a. O., p. 707, A. 1 u. 2 die Heruler. 

*) Saüppe zu Lyc. reliq., p. 78, bestätigt durch CIA II, 240. Andere 
Bezeichnungen x6 ev Atovo-soü (J-saipov, Plut. Vit. Lyc. § 4, p. 841 C. ; Eustath. 
Hom. Od. in, 350; Phot. und Hes. s. ixpta; xö ö-iaxpov mehrfach in Inschriften. 
Vgl. C. CuRTius, Philolog. XXIV, p. 270; x6 A-rjvaixov Poll. IV, 121. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 



89 



Epidauros nicht messen*); namentlich ist der denselben bildende 
Kreisausschnitt von ungefähr 250 Grad im Norden wegen des dort 




Fig. 7. 



*) Berichte von Rhcsopulos in der Ephem. arch. von 1862, und Kuma- 
NUDis im Philistor Bd. IH und IV. Ausfuhrliche Beschreibungen : Vischer, Die 



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90 §• 10, Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

stark vorspringenden Akropolisfelsens etwas abgeplattet, und die öst- 
liche Hälfte ist breiter, als die westliche, so dass die Länge der 
östUchen Stirnmauer (i — k) die der westlichen (g — h) um 7 Meter 
übertrifft. Umschlossen wird die Cavea, abgesehen von diesen Stirn- 
mauern im Westen auf der Strecke g — f— e von zwei Mauern, von 
denen die innere, aus Conglomerat aufgeführte, die eigentUche Futter- 
mauer bildet, während die äussere, aus Porosstein bestehende, nur 
als Blendmauer dient. Auf der nördlichen Hälfte der Westseite 
findet sich nur eine Mauer aus Conglomeratstein, jedoch ist die- 
selbe so weit hinausgerückt, dass ihr Radius dem der Blendmauer 
der südlichen Hälfte entspricht. Im Norden, westUch von der Axe 
AB steigen einigiß Sitzstufen, gestützt durch die Mauer a, über die 
Umfassungsmauer hinaus den Felsen hinan; östlich von der Axe 
bildet die künstliche Abschrägung des Felsens, in welcher sich die 
Grotte der Panagia Spiliotissa befindet, die Gränze^). 

Die südliche Hälfte der östlichen Umgränzung ist durchaus un- 
regelmässig; die einspringenden und sich kreuzenden Conglomerat- 
steinfundamente *) sind offenbar Futtermauem für einen rampen- und 
terrassenartigen Aufgang, der sich in einem Wege quer durch die 
Cavea fortsetzte, imi westhch bei e, wo die Umfassungsmauer unter- 



Entdeckimgen im Dionysostheater zu Athen, Bern 1863 (aus dem Neuen Schweizer 
Museum 1863). A. Müller, Philologus XXIII, p. 482 — 499. Linder, Dionysos- 
theater in Athen (aus Tidskrifl för Byggnadskonst och Ingeniörvetenskap), Stock- 
holm 1865. L. Julius in Lützow's Ztschr. für bild. Kunst XIII (1778), p. 193 
—204; 236—242. Milchhoefer in Baumeister, Denkmäler des klass. Altert. 
I, p. 189 — 192. F. Chr. Kirchhoff, Vergleich, d. Ueberreste vom Th. d. D. aus 
d. 5. Jahrh. v. Chr. Geb. mit den Regeln des Vitruv für die Erbauung griech. 
Theater u. mit m. orchestischen Hypothese. Gymn.-Progr. Altona 1882. Der- 
selbe, Neue Messungen der Ueberreste vom Th. d. D. z. Ath., nebst einigen 
Bem. Altona 1883 (leider ohne Plan). J. R. Wheeler in Papers of the Ame- 
rican School of classical Studies at Athens, Vol. I, 1882—1883, p. 123—179. — 
Pläne von Ziller in der Ephem. arch. 1862, wiederholt bei Linder. Curtius, 
Sieben Karten zur Topographie von Athen Bl. 7 (dazu Erläut. Text, p. 61 f.) 
E. Ziller bei Julius a. a. 0. Skizze bei Vischer a. a. 0. Ansicht aus der Vogelschau 
in Curtius und Kaupert, Atlas von Athen Bl. X. Einige neuere Aufdeckungen 
dargestellt auf dem Plane in den llpaxxixa T-f|(; ev 'A^va'.^ a^yrnoXo^iyirfi statpta^ 
1879. Unsere Fig. 7 wiederholt den ZiLLER'schen Plan aus Lützow's Zeitschr. ; 
derselbe ist zum Folgenden zu vergleichen. 

*) Vgl. p. 65 Anm. 2. Diese Partie ist abgebildet bei Linder a. a. 0. 
Taf. XXX und XXXI Fig. 15. 

') Genau dargestellt auf dem Plane in den Ilpaxxixa a. a. O. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 91 

brochen ist, auf zum Theil noch erhaltenen Futtermauem zum Askle- 
pieion hinabzuführen*). Die beiden Stirnmauem (i — k und g — h), 
aus Conglomeratstein und mit starken Porosmauem verkleidet, stossen 
in ihrer Verlängerung nach der Mitte unter einem sehr stumpfen 
Winkel zusammen. Die Sitzstufen, bestehend aus Porosstein, sind 
zum grössten Theile in die gewachsene Erde gebettet, nur oben 
ruhen sie auf Fundamenten von Conglomeratstein, vor der Abschrä- 
gung des Felsens sind sie aus dem lebendigen Stein hergerichtet. 
Von einem Diazoma findet sich keine Spur, dasselbe wird in gewisser 
Weise durch den erwähnten durch die Cavea fuhrenden Weg ersetzt. 
Vierzehn Treppen, von denen die beiden äussersten dicht an 
den Stirnmauem hegen, theilen die Sitzstufen in dreizehn Keile, Die 
Höhe der einzelnen Treppenstufen beträgt der der Sitzstufen ent- 
sprechend 0,32 m, jedoch sind dieselben der BequemUchkeit wegen 
so eingerichtet, dass ihre Vorderseite nur 0,22 m hoch ist und die 
volle Höhe durch eine Ansteigung erreicht wird, welche 0,10 m be- 
trägt. Zur Sicherung gegen das Ausgleiten hat man in die Tritte 
Querrillen eingehauen. Die Sitzreihen sind zum grössten Theile zer- 
stört, so dass nirgends mehr als 30 Stufen erhalten sind. Die durch- 
schnittUche Höhe der Stufen ist bereits angegeben, ihre Tiefe beträgt 
0,85 m , wovon 0,33 m auf die Sitzfläche, 0,42 m auf den dahinter 
liegenden etwas vertieften Fussplatz und 0,10 m auf den wieder in 
gleicher Höhe mit der Sitzfläche liegenden Theil kommen ^). Auf 
der Stirnseite der Stufen finden sich in Abständen von ungefähr 
0,33 m vertikale Striche eingemeisselt, welche die einzelnen Plätze 
sonderten^). Auf der untersten Stufe, welche breiter ist, als die 
übrigen, jedoch nur mit ihrer Vorderseite die Rundung der Orchestra 
einhält, da ihre Tiefe in der Mitte 2 m, an den Seiten dagegen 3 m 
beträgt, haben 67, für zur Proedrie berechtigte Personen bestimmte 
und mit den betreffenden Inschriften versehene*). Throne aus pen- 



Dieser Abstieg ist dargestellt Mitth. d. arch. Inst. 11 (1877), Taf. XIII 
LM zu KöHLER^s Aufsatz: der Südabhang der AkropoHs zu Athen nach den Aus- 
grabungen derarchäol. Gesellsch. ebds., p. 171 ff. und p. 229 ff.; insbesondere vgl. 
pag. 180. 

*) Linder, Taf. XXX u. XXXI Fig. 5. Julius, p. 197 Fig. 2. 

') Nach brieflicher Mittheilung von Dörpfeld; vgl. oben p. 32 Anm. 7. 

*) Die Inschriften gesammelt CIA III, p. 240 ff., wo auch die sonstige Lit- 
teratur citiert ist. Vgl. namentlich die reichen erläuternden Bemerkungen von 
Vischer a. a. 0., p. 27 ff. und Keil, Philol. XXm, p. 212 ff. und 592 ff.; femer 
A, Müller ibid., p. 490 ff. 



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92 



§. 10. Die Theaterjyebäude in Athen und Attika. 



telischeiu Marmor gestanden, und zwar in den beiden äussersten 

Keilen je 6, in 
den übrigen je 

5 ^). Hinter 
der Thronreihe 
läuft ein 0,81 ra 
breiter Rund- 
gang, auf wel- 
chem ein 0,18 m 
hoher, 0,45 m 
tiefer Fussplatz 
für die zweite 
Sitzstufe,die er- 
ste der gewöhn- 
lichen Sitz- 
reihen, folgt ^). 
Von den Thro- 
nen, welche sich 
erhalten haben, 
betinden sich 
im ersten Keile 
(v. Westen aus) 

6 ^), im zweiten 

') Da die Sessel 
durchschnittlich 
0,64 -m breit sind, 
8o beträgt die 
Breite der beiden 
äussersten Keile, 
vorn bei den 
Thronen gemes- 
sen, 3,84 m, die 
der übrigen 3,20 
m. Die Tiefe der 
Sessel ist 0,(50 m. 
*) S. unsere 
Fig. 8 nach Ju- 
lius a. a. 0., p. 
197 Fig. 2. 
») CIA III, 293: 




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§. 10. Die Theaterjfebäude in Athen und Attika. 93 

bis siebenten je 5 *), im achten und neunten je 3^), im zehnten 5**), im 
eilften keiner, im zwölften 2^), hn dreizehnten 3*); es fehlen dem- 
nach 15 Sessel. Nun aber hat sich im siebenten oder mittelsten 
Keile auf dem Umgang; hinter den Throiisesseln *) und ebendaselbst 
auf der dritten Stufe (die Sesselmhe enigerechnet ^) je ein Doppel- 
thron gefunden, und da diese in ihrer Constiiiction den übrigen Thronen 
gleichen*), so ist es wahrscheinlich, dass dieselben in die unterste Reihe 



xal 4>fp{>8:pdTrr)5 — 294: '.splui^ libt; teXsioo HooCü^^'^ — ^95: Itpiiu^ O-rjaltu^ 

— 296: lepeu)^ Atd-o'^opoo — 297: Ispstu? A'jXa>vlu>^ Aiovyooo — 298: Ispiiog 
WsoXXüJvog Aa'fvtj'^opoo. 

^) IT. Keil; ibid. 288: Ispiui^ 'llcpaiatoo — 289: l*osüi<; Oopavia^ NsjA^aew^ 

— 290: teps(o^ "Avaxcov xa: r^^mo^ 'Kir'T5Y''o'J — 291: ^fatoovtou Aio^ ^()Xo|jlkioo 
SV ^nxr. — 292: ispiux; \V:c6XXtovo; Ao/t^oo. — TIT. Keil; 283: 'fat^ovioo S'.h<; H 
lle^Tj? — 284: tspetog $a»^2xa t^soiv — 285: hpstu^ Aio; ^'Xiou — 286: bpsiu^ 
MooaÄv — 287: b&eto^ \\'3x)sT|:rtoü. — IV. Keil; 277: Isoeüx; KoxXsia^ xal Kovojvla^ 

— 278: i-picw; AtovSsoo M2k:wO|j.r^oo ex xr/vs'.twv — 279: '.sp£u>; \\7ro).Xo>vo^ llot- 
tptiioo — 280: upEiu^ Wvr.vooo yopeUo sx Tsyviticuv — 281: bps«»^ Ai^^^ Ali? lu>- 
TYjpo? xal 'AtWjva? luiTsipac: — V. Keil; 272: Ispsto? Ato; BooXaloa xal WO-r^va? 
liOüXafac — 27B: BooC'J^O'j ispsoi? Aii<; sv llaXXa^'lü) — 274: bpsoi? MsXirojuvoo 
Atvy'jGoo sj Kf)vst^(üv — 275: Upstu; 'ApTeju^o? KoXatvi^c? — 276: bpfu)? Ilo-s?«- 
owvo? PatTjO/oo xal ^HpsytS-im?. — VI. Keil; 267: eJtjYTjIOö eJ KaTtatpt^iov /E'.po- 
TOVTjxoö f):ri xou o*r,|xoo ota jitoo — 268: tspstü? Xaptxtüv xal WpiE/iioo? ^KTC'.irupYt^t''A? 
rop'^opo'j — 269: izpioi^ Ilo^EtO(i>vo? '^otaX|xioü — 270: tipsoi? WhoXXüjvo? AyjXIoo 

— 271: tspo.pavxoo. — VII. Keil; 243: ispsojc Aio; '()),opL:c'.oo — 241: nn^oy^rpro*) 
Izr^'^'f^xob — 240: Ispsm; Atovi-soo "K/.sofl-spEUi? — 242: i*pEoj; Atoc: HoMit«; — 
244: ^oYjy&oo. 

*) VIII. Keil; 251: ispOfJ.'^Yjfxo/o? — 252: bpEw? xal ap/iTpecu; i's.^a-TO'j 
Kat3apr<? — 253: Ispsio«; 'A^ptavou ^KXsoS-spsüi; — Die beiden östlichen Sessel 
fehlen. — IX. Keil; 254: ap/ovro? — 255: ßa-siXito; — 256: KoXcjiap'y^oo — Die 
beiden östlichen, sicher für Thesmotheten bestimmten Sessel fehlen. 

") X. Keil; 257—260: viermal i^e-sjaoiS-etoo — 261: bpox-r^poxo?. 

*) XII. Keil; die drei westlichen Sessel fehlen — 262: ispEco? 'JaxyaYo>YoO 

— 26.S: IspEüj^: 'AoxXfjTTioö llattovo;. 

^) Xm. Keil: 264: tepsüi? rJiyz^rjprjo sj axpoicoXsüj; — 265: iEpson; Ay^^aou 
xal Xap'lxoiv xal 'P(ü|jL"fj; — 266: xyjOuxo? ^ava^oo? xal Ispsw? — Die drei östlichen 
Sessel fehlen. 

®) CIA ni, 246: oa^oü/oü — 247: tcpstü^ WtcoXXwvo? IIoO-Io'j. 

') CIA m, 248: otparrjYO?) — 250: xYjpoxo«;. 

®) Die Construction der Sessel veranschaulicht unsere Figur 8. Sie sind 
meist zu zwei oder zu drei aus einem Stücke gearbeitet. Damit sich in den aus- 
gehöhlten Sitzen kein Wasser ansammle, durchbricht ein kleiner Kanal die vordere 
Leiste; ausserdem ist fast in jedem Throne vom im Sitz ein kleines Ix>ch au- 
gebracht, welches nach der ausgeschweiften Vorderseite hindurchiührt ; diese 
Mcher, welche erst S2)äter eingehauen sind, dienten wahrscheinlich zur Befesti- 



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94 



§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 







Fig. 0. 



^\x\i% von Sossolpolstom. Von allen auf der untersten »Stufe befindlichen Thronen 
hat nur der des Dionysospriesters, welcher die Mitte derpanz(»n Keihe einnimmt, 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 



95 



gehören; dasselbe scheint mit zwei verschleppten, schon früher be- 
kannten, Sesselfragmenten der Fall zu sein *), so dass sich die Zahl 
der Lücken um 6 vermindern \\ürde. Ein ebenfalls im siebenten 
Keile auf der zweiten Stufe befindlicher einfacher Sessel anderweitiger 
Construction ^) scheint dagegen auf seinem ursprünglichen Platze zu 
stehen. Auf der dritten Stufe im vierten Keile fand sich ein durch 
seine Form besonders ausgezeichneter, für eine Priesterin bestimmter 
SesseP); schwerhch auf seinem richtigen Platze, doch ist unklar, 



eine ausgezeichnete Form und Reliefschmuck, und zwar an der Rücklehne zwei 
eine Weintraube tragende Satyrn, an den Armlehnen nach aussen knieendo 
Eroten mit Hähnen, endlich an der Vorderseite unter dem Sitze zwei medisoh 
gekleidete Figuren, welche gegen Löwengreifen kämpfen. Während die Beziehung 
der beiden ersten Darstellungen auf Dionysos bezw. die Hahnenkämpfe (vgl. 
oben p. 77 Anm. 5) an sich klar ist, ist die der letzteren noch nicht gefunden. 
Der Sessel ist abgebildet Eph. arch. 1862 Taf. 21. Illustrated London Xews, 
vom 29. Nov. 1862. Lindkr, Taf. XXXIT, Fig. 13. Vgl. unsere Fig. 9 nach 
Julius a. a. 0., p. 196 Fig. 1. 

*) CLA. ITI, 301: teptto? ^AitokXujvo^ ZtuaiY^pioo — 302: tsplw? Boütoo. 
Ueber die Unterbringung der auf hrJhereu Stufen stehenden Sessel s. Vischer, 
p. 22 ff. und A. Müller, Philol. XXIII, p.485flr. 

*) CIA ITI, 245: lepsto; 'OXojATCia; Nixfj;; vgl. unsere Fig. 10 nach Linder, 
XXXII, Fig. 10; er ist ohne Lehne. 

•) CIA III, 282: Ispta; 'AiS-r^va^ \AO-r^vioo; vg. unsere Fig. 11 nach Linder 
a. a. O., Fig. 11. 





F\g. 10. 



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96 



§ . 10. Die TheatergebSude in Athen und Attika. 



wohin er gehört. Auf der zweiten Stufe des sechsten Keiles steht 
ein sehr schön gearbeiteter Sessel, den die Stadt dem M. Ulpius 
Eubiotos, einem Wohlthäter, gewidmet hatte ^), und endlich auf der 
fiinften Stufe des mittleren Keiles ein Doppelsessel für einen anderen 
Wohlthäter Athens und einen Priester^), lieber zahlreiche auf der 
Sitzfläche mancher Plätze der höheren Reihen, jedoch nicht über die 
24. Stufe hinaus, eingeschriebene Namen, sowie über die dem Hadrian 
auf der zweiten Stufe gesetzten Statuen s. unten §. 20. Schliesslich 




Fig. II. 



*) CIA m, 688: 4] koXi; Mapxw OüXuico EoßtoTti» lo) XajjLnf-OTOiTü) ^TiaTixü» 
xai £Tcu)vupiu> ap»yov7t, x(b eusp^Y^fß, aoxü) xat toi«; bzioiq ot'jToö T£'.3a}j.£vü> xai Ma4''|J.ü). 
vgl. 687. S. unsere Fig. 12 nach Linder Taf. XXXII, Fig. 12. 

*) CTA IIT, 299: iio-j-evoo; sospY^'O'); derselbe war 229 v. Chr. Macedoni- 
scher Phrurarch und stellte nach dem Tode des Denietrios die Athenische Freiheit 
wieder her; vgl. Köhler, Hermes YII, p. 2. — 300: tspltu; WTxdtXo'j E-a>v'jp.oo. 



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§. 10. Die Theatcrg<*bäu(le in Athen und Attika. 



97 



ist zu bemerken, dass im mittleren Keile, auf der dritten und vierten 
Stufe lagernd und in die fünfte eingeschoben, dicht neben der den 
sechsten und siebenten Keil trennenden Trei)pe eine Basis aus pen- 
telischem Marmor (1,33 m breit, 1,60 m tief, 0,78 m hoch) steht, 




Fig. 12. 



Hermann, Lehrbuch HI. U. 



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98 §• 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

welche als Suggest fiir den Tliron des Hadrian gedient haben wird, 
als dieser im Jahre 126 als Agonothet die Feier der Dionysien 
leitete ^). Ueber Vorkehrungen zum Schutze gegen die Sonne siehe 
unten §. 20. 

Die Orchestra hat die Form eines durch Tangenten ver- 
längerten Halbkreises und ist von den Sitzreihen durch eine wohl- 
erhaltene, 1,10 m hohe und oben abgenmdete Balustrade aus Mar- 
mor getrennt. Die Entfernung der Mitte der Balustrade von dem 
jetzigen Proskenion beträgt etwa 17 m, der Durchmesser der Or- 
chestra beim letzteren 22 m. Von der Veranlassung der Aufführung 
der Balustrade und von dem vor derselben befindlichen Kanäle, 
welcher an einigen Stellen mit rosettenartig durchbrochenen Marmor- 
platten gedeckt ist, wogegen der grösste Theil der heutigen Deckung 
aus dem Mittelalter stammt, ist bereits die Rede gewesen^). Der 
Zweck des letzteren, das von den Sitzreihen herabfliessende Regen- 
wasser abzuführen, wurde nach Aufrichtung der Balustrade illusorisch. 
Eine hinter dieser befindliche mittelalterliche Verstärkungsmauer lässt 
vermuthen, dass die Orchestra irgend einmal in einen Wasserbehälter 
umgewandelt w^orden ist. Die Pflasterung der Orchestra ist eine 
ziemüch künstliche. Dem Kanäle zunächst läuft, der Rundung der 
Balustrade folgend, ein sclunaler Streifen aus pentelischen Marmor- 
platten; in dem so eingerahmten Räume liegt parallel mit der jüng- 
sten Hyposkenionswand das Pflaster, dessen Platten aus penteUschem 
und hymettischem Marmor weisse und dunkle Streifen bilden, welche 
an enizelnen Stellen wieder mit Streifen röthlichen Marmors abwech- 
seln. In der Mitte findet sich eine Abweichung, da in der Axe des 
Theaters, etwas näher nach dem Proskenion, als nach der Balustrade 
zu eine viereckige (1,05 m. lange, 0,70 m breite) Platte aus pente- 
lischem Marmor Hegt, welche eine 0,51 m im Durchmesser haltende, 
0,20 m tiefe kreisförmige Einsenkung trägt, und der Raum um diesen 
Stein nach allen Seiten hin mit rhombenfönnigen Platten belegt ist, 

^) Sehr glaubhafte Vermuthung Benndorf's, Beiträge zur Kenntniss des 
att. Th., p. 21. Spart. Hadr. 13, 1: i)ost haec per Asiam et insulas ad Achaiam 
navigavit et Eleusinia sacra exemplo Herculis Philippicjue suseepit, miilta m Athe- 
nienses coutulit et pro agonotlieta resedit. Dio Cass. LXIX, 16, 1 : xd Atovo^iot, 

TTjV |Ar(l3TY]V KOtp^ aÜTOi? ^P/,*''i^ ^^A^^<r-i 5V TQ E^IHjX'. Z'Q £-'.ytop»'(l) Ka^TZ^tih^ irrsTsXcSs, 

Euseb. Chron. II, p. 166 ed. A. Schoenk: 'A5pioiv^>? -apays'.jjLocCiuv sv WO-rjva:? 
jjLOS'.tat xd ^KXeosiv'.a • svft-oi %al yj^sv aY^va, ETrt^xsod^a': jcoXXd xtb x6:rtu xai Ji'.JiX'.o- 
tHjxa^ '3'j'3XYj3d|AJvo;. DCrr, Die Reisen des Hadrian. AVien 1881, p. 45 f. 
Vgl. bezw. p. 78, Anm. 3 und p. 37, Anni. 6. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 99 

welche zusammen wieder einen gi*ossen rhombenformigen Raum aus- 
scheiden; innerhalb desselben stellen die kleinen aus pentelischem, 
hymettischem und röthlichem Marmor bestehenden Platten wiederum 
ein künstliches Rhombensystem dar ^). Die Längenausdehnung des- 
selben beträgt 13,37 m. Die Bestimmung jener Platte bleibt dunkel*'*). 
Auf dem Pflaster sind an verschiedenen Stellen geometrische Zeich- 
nungen eingeritzt, deren Bedeutung sich nicht eraiitteln lässt^). 

Da die Reste des Bühnengebäudes meist nur aus Fundament- 
mauem bestehen, so ist deren Erklärung sehr schwierig *). Das älteste 
Gebäude scheint auf den Mauern 12, t — v, 13, y — z, 14 und 15 
geruht zu haben ; dieselben bestehen aus Conglomeratsteinen und ge- 
hören dem fünften Jalirhundeii: an. Die Mauer y — z trug die Bühnen- 
hin terwand (oxYjvr]); die Mauern 12 und 14 einerseits und 13 und 15 
andererseits scheinen Paraskenien bezw. im Westen und Osten der 
Bühne eingeschlossen zu haben. Die Begränzung dieser nach dem 
Zuschauerraum zu wird zwischen den Mauern 18 und 19 sowie den 
SäuU^n bei m und n zu sudien sein, womit dann die Tiefe der Bühne 
und die Breite der Parodoi, wo sie sich in die Orchestra öfthen, 
(5,70 m) g(»geben wäre. Zwisclien den Mauern y — z und t — v lag 
das eigentliche Bühnengebäude, welches nach verschiedenen, auch 
auf dem Plane angegebenen, Mauerresten zu urtheilen, in mehrere 
Räume zerfiel. Die geringe Stärke aller dieser Mauern (y - z ^ 
1,35 m; t — v -= 0,70 m, letztere hatte wohl ursprüngHch noch eine 
0,75 m starke Verkleidung aus Porosstein) lässt darauf schliessen, 
dass dieselben nur ein hölzerenes Bülmengebäude trugen^). Als 
Lykurg dieses durch eüi steinernes ersetzte, wurden die Vei*stärkungs- 

*) Abgebildet im Altonaer (iymn.-Proorr. von 1885. 

-*) Rhusopulos Epb. arch. .luiii 1862 bielt sie für die Basis der Thymele im 
Sinne eines Altars-, vcr], Yischer a. a. O., p. 51, A. **-, dagegen Piniol. XXIII, p. 495 
und Julius a. a. ()., p. 204. Ue])er eine von mir aufgestellte Vermuthung s. u. §. 24. 

^) Im südöstlichen Theile der Orchestra, nicht weit vom Proskenion findet 
sich eine kleinere kreisförmige Zeichnung, sowie eine grössere, etwa vier Fünftel 
zweier conccntrischer Kreise darstellend und an dem letzten Fünftel mit einer 
geraden Linie abgeschlossen. Rhusopulos erkennt in der ersteren den Crrundriss 
d(^s Odeions, in der letzteren den des Theaters. Im nordwestlichen Thoile ist 
der Aufriss eines von Pfeilern getragenen Bogens eingeritzt. Die zweite und 
dritte Zeichnung sind abgebildet im Altonaer (lymn.-Progr. 1883. 

'*) Neue Untersuchungen über das Bühnengebäudo von D()RPFELD werden 
erwartet. 

*) Aus derselben Zeit stammen die Mauern IH und die östliche Hälfte von 
17; ihre Bestimmung bleibt dunkel. 

7* 



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100 55« lö» I^ic Theatergebäude in Athen und Attika. 

mauern w — x (1,55 m), r — s (1,40 m), die westliche Hälfte von 
17, 18 und 19 (für die Paraskenien) aufgeführt; damals wird auch 
eine steinerne H}T30skenionswand errichtet worden sein, von der 
sich jedoch Reste nicht erhalten haben '). Im Anfange der Kaiser- 
zeit scheint die Bühne durch Vorrücken der Hyposkenionswand ver- 
tieft worden zu sein; vemmthhch gehörten zu dieser Wand die er- 
haltenen ReUefplatten des jüngsten Hyposkenions, wie auch die 
Mauern 1, 20 und die Sänlenstellungen bei m^) und n diesem ITm- 
bau zuzuschreiben sind. Zahlreiche Reste grösserer oder kleinerer 
monolithischer Bögen, welche auf beiden Seiten des Bühnengebäudes 
liegen, lassen auf durch Arkaden geöffnete Hallen schliessen, w^elclie 
gleiclizeitig angelegt sein werden. In dem grossen, durch die Mauern 
r — s, 0, 2 — 3 und 17 eingeschlossenen, Räume hat man die Halle 
des Eumenes, w^elche nach Vitruv hinter dem Bühnengebäude lag, 
vermuthet und auf Grund einiger Funde angenommen, dass in der- 
selben Satyrn als Gebälkträger vei*wandt waren ^). Die Mauer 8 — 9 
ist sicher mittelalterhchen Ursprungs, vielleicht auch 6 — 7, auf der 
Standspuren von Säulen sichtbar sind *). Der jüngsten Bühne geliört 
die H^-poskenionswand 10 — 11 an; dieselbe war soweit vorgerückt, 
dass sie mit der Balustrade in Verbhulung stand und die Parodoi 
verschloss. Der erhaltene westliche Theil ist mit vier Reliefs'') ge- 
schmückt, welche aus der ersten Kaiserzeit stammen und von deren 



') Der nämlichen Periode jyehören die Manem o und 2—3 an ; jünger da- 
j^egon ist das schiefwinklig in die Mauer 2 - 3 bei p einspringende Fundament 
aus Felsstein, und die von o auslaufende Mauer 1 — 2 aus bfissierten (Quadern. 

*) A»»cr(^bildet bei Juuirs a. a. ()., p. 239 Fij?. 4. 

*) Vitr. V, 9. 1 s. oben p. 41 Anm. 1. Die oben ausofcsprochene Ansieht 
ist die Köhlkr's; Julius a. a. ()., p. 237 hält jedoch diesen Raum für alter. — 
Nach Bull. d. Inst. 1870, p. 39, vjrl. Phih.l. Anzeij^er 1870, p. 100, ist im Theater 
der Torso eines Satyr gefunden, der hinten in einen Pfeiler übergeht und als 
(Tcbälkträger gedient hat; derselbe entsi)richt den 4 aus der Villa Albani in das 
Louvre gelangten (Fröhner, Xotice de la scidpture anti((ue du musee imperial 
du Louvre, I, nro. 272—275) und einem sechsten Exemplare, weh^hes sich in 
Stockholm befindet (Clarac, Musee de sculpture ])1. 721, 1725a). Fröhnkr ver- 
muthet, diese Satyrn hätten den Architrav der Bühnenhinterwand getragen, 
(lieber anderweitige Funde vgl. Pervanociu', Arch. Anz. 18HH nro. 205 und 
Philol. XXXV, p. 359 f.). 

*) Julius a. a. ()., p. 238 erklärt, ihre eventuelle Bestimmung für das 
Theatergebäude nicht ermitteln zu krmnen. 

^) Abgebildet Mon. d. Inst. IX, Taf. XVI. Bei Julius a. a. O., p. 236 die 
beiden piit;t leren Platten. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 101 

etwaigem früheren Standorte schon geredet ist. Dieselben sind durch 
drei Nischen getrennt, in deren mittlerer sich ein kauernder Silen 
erhalten hat, der aber nicht in die Nische passt und sicher ursprüng- 
lich anders verwandt war. Eine Deutung der verstümmelten Reliefs 
hat Matz versucht'). Die erste (östliche) Platte zeigt die Geburt 
des Dionysos. Auf einem Felsen sitzt Zeus, vor ihm steht Hermes, 
bereit den kleinen Gott den Ammen zu übergeben; auf jeder Seite 
steht ein Kuret. Das zweite Relief stellt die Verehining des Gottes 
auf dem Lande dar. Dionysos in kurzem Gewände mit leichter 
Nebris steht rechts von einem Altar, hinter ihm ein Satyr; Unks 
zieht ein ländlich gekleideter Mann ein Böckchen zum Altar, ihm 
folgt eine weibliche Gestalt, eine Schüssel mit Obst und kleinen 
Kuchen tragend, wahi'scheinlich Ikarios und Erigone, zumal auch 
die Maipa, der Hund der letzteren, dargestellt ist. Die vierte (west- 
liche) Platte zeigt die Verehrung des Gottes in der Stadt. Dionysos 
sitzt auf einem Throne, hinter ihm sind oberhalb eines Felsens acht 
Säulen sichtbar, vielleicht die Fa^ade des Parthenon bezeichnend; 
links von ihm steht EtpijVYj, dann Theseus und zuletzt 'Eotia. Auf- 
fallend ist, dass sich auf der dritten Platte fast dieselben Figuren 
wie auf der vierten finden, nur in anderer Ordnung; auch ist die Figur 
zumeist links, welche dem Dionysos entsprechen würde, ausgemeisselt. 
Ausser dem Dionysostheater gab es zu Athen drei Odeien, das 
in der Nähe der Enneakrunos gelegene'-^), das des Perikles und das 
des Herodes Atticus. Das erstgenannte existierte schon lange vor 
Perikles, da nach ehiem unverdächtigen Zeugnisse bis zur Erbauung 
des Tlieatei^s die Rhapsoden und Kitharoden in einem Odeion auf- 
traten^), lieber seinen Erbauer ist ebensowenig etwas bekannt, wie 
über etwaige Beschädigung während der persischen Invasion und 
spätere Restauration^). Am Ende des 5. und im 4. Jahrhundert 



») Aiuiali d. Inst. 1870, p. 97 if., danach Philo^ XXXV, p. 3H0 ft'. 

*) Paus. I, 14, 1 : S. oben, p. 70, A. 1 ; AVachsmüth a. a. O., p. 275 u. 278. 
rbilolog. XXXV, p. 297. Karten von Attika, Bl. Ja. 

') Hes. 8. V. (o$slov zoKO^ tv (j) ;cp!v xh O-saipov xax'/^xsoasifYjva'. o« pa'Jmool 
xotl ot xiö-aptuool -rjYwviCovio. Schrader's (Rh. Mus. XX, p. 194) und Hiller's 
(Hermes ^11, [). B95 ff.) Einwendungen ge<;tmdie Richtigkeit dieser Nachricht sind 
von Wachsmcth a. a. O., p. 503, A. 1 zurückgewiesen. Vgl. Löschckk, Pro- 
gramm Dorpat 1883, p. 10 und Milchhöfer ])ei Baumeister a. a. 0., p. 186 
(- P. 44). 

**) Als Erbauer vermutheu Bürsian a. a. 0., I, 299 Solou oder Pisistratus, 



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102 §• lö« I^i© Theatergebäude in Athen und Attika. 

diente es in einem uns berichteten Falle zu politischen und militä- 
rischen Zwecken ') und sonst als Lagerplatz für das dem Staate ge- 
hörende Getreide sowie als Amtslokal der oiToy{)Xax£<; und (xsTpovö(i.oi, 
die dort Gericht hielten^), da es seiner ursprüngUchen Bestunmung 
entfremdet und für derartige Zwecke verfügbar war. AVenn ausser- 
dem berichtet wird, dass der ;c(>odtYa)v, die Einleitungsfeier des 
Dionysischen Agon, in dem Odeion abgehalten wurde ^), so kann sich 
diese Nachricht nur auf das ältere Odeion beziehen, da man sich 
unter diesem ein theatrum tectum vorzustellen hat und das Odeion 
des Perikles als Rundgebäude nicht in Betracht kommen kann. Mit 
jenem Bauwerke wurde von Lykurg eine Restauration oder gar ein 



Wachsmxjth a. a. 0., p. 502, die Tyrannen. Beschädigunpf und Restauration 
nehmen an Wieseler a. a. 0., p. 180. Wachsmuth, p. 553. 

*) Xen. Hellen. II, 4, 9: x^ o"* üaicpat-^f et*; xö (ji^slov TCapexdtXsaav xo'j; ev 
Xü» xaxaX6Y<ü ^rtXtxa? xal xoü^ aXXoü«; \:zKia^. 10: ot ^l Aaxtuvtxol cppoopol £V xw 
•qp-iosi xoü Cühsioo eStüitXtopLEVOt Y^oav. 24: eJex'iO'eüSov hh xal ol iizml^ Iv x(j) <|>?ei(j). 
Dieses letztere Zeugniss suchen diejenigen, welche die Existenz des Odeions an 
der Enneakrunos leugnen, zu beseitigen. Vgl. IMilchhöfer a. a. 0., p. 187 
(= 45). 

'^) Dem. in Phorm. § 37 : ol |i.iv iv x(}» Äaxet oixoövxs(; Stsjjtsxpoüvxo xi aX^f txa 
ev x(p (Jj^eiü), zwischen 330 und 326, Boeckh, Staatsh. I, 123. Arist. Vesp. 1108 f.: 
ot ji^v y^jJLÄv oüTTfip &pX(MV, ol 51 sapa xou; ivosxot, ol 5'ev u>$si(i) ^ixocCoo-s'. (Dem.) 
Neaer. § 52: Xayovxo? 51 xoö iIxEtpavoD aox(}) ^txyjV otxou st^ toSstov, \'^\. § 54. 
Poll. Yin, 33: xa; 8'ei:l x<i> gIxü) olxa; ev to^etü) eS'lxotCov. — Phot. und Suid. 
s. (poslov und Bekk. Anecd. p. 317 f. vermengen das ältere Odeion mit dem 
Perikleischen. Fälschlich beziehen Schillbach, Od. d. Herod. Att., p. 11 imd 
Hiller, Hermes Yll, p. 396 ff. alle diese Stellen auf das letztere. Indessen 
wurde dieser damals noch neuere und prachtvollere Bau schwerlich zu solchen 
seiner Bestimmung fem liegenden Zwecken benutzt; ausserdem eignete sich das 
theatrum tectum an der Enneakrunos seiner Form wegen besser zu diesem Ge- 
brauche als der Perikleische Rundbau. Die im Texte gegebene Anschauung ist 
jetzt die allgemeine. 

*) So Schillbach a. a. O., p. 11 nach Schol. Arist. Vesp. 1109: xojto; ioxl 
fl-saxpoeiB-rj?, iv «L elio^aat xa 7rotYj|Aaxa a;:afY£XX£tv :iplv xyj; ei^ x6 0-eaxpov aiz'X'^- 
YsXia?. Bestätigt durch Aeschin. Ctesiph. § 67: exxXYjclav koisIv xo'j; TCpoxdvsic 
x^ h'f^öfl laxa|i.lvoü xoö 'EXa^YjßoXtcJuvoi; |i.y]v6^, ox' yjv \\oxX*r]7riü> yj O-ooia xal 6 
irpodY<wv und den Schol,: h(i'(vo'^xo 7cp6 xu>v jj.eY«X(uv Atovostojv T||AEpat(; oXiyxiq 
eixirpoaO-Ev ev X(}) (ji^elü) xaXo'jjxevq) xd»v xpaYtjiOOJV ctr^iny xal £;ilo£i4'^ «>v jaeXXoooi 
SpajjLdxtüV ötY*"^^C^'^'*^ ^^ "^4* ^sdxpo), ot' o sxot|j.ü>5 (£x6{jlü>? Ilsen. Symb. philol. 
Bonn., p. 849) irpodYo>v xaXsixa'.. etotaai ol ^I/ol ;:po3a»iciuv ol Ozoxpixai •^oiivr/i. 
Die erste Stelle ist missverstanden von (Ieppert a. a. 0., p. 203, Aum. 6; 
ScHRAüER a. a. 0., p. 193; Wieseler a. a. O., p. 179, A. 65. — Ueber den 
^cpod^wv s. unten § 23. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 103 

Neubau vorgenommen'), und zu Pausanias' Zeit scheint es das 
perikleische Odeion an Glanz übertroffen zu haben. In wie weit es 
damals auch zu musischen Agonen verwandt wurde, ist unbekannt*^). 
Das zweite Odeion, welches nordösthch neben dem Theater lag 
und über dessen kreisrunde Form § 8 gehandelt ist, wurde von 
Perikles erbaut und für die von, ihm der Panathenäenfeier hinzugefüg- 
ten musikalischen Agonen bestimmt^). Es ist wahrscheinlich, dass 
der erste dieser Agonen Ol. 83, 3 — 446 v. Chr. gefeiert wiu-de *), 



») S. Hyperid. p. 86, A. 2. C. Cürtiüs (Philol. XXIV, p. 277 f.) denkt 
an das ältere Odeion, da das Perikleische damals noch keine Itcstauration oder 
g&T einen Neubau bedurfte. Ebenso Cürtiüs, Erl. Text, p. 40. Auf das des 
Perikles beziehen die Stelle Hiller a. a. 0., p. 400 und Wachsmuth a. a. 0., 
p. 602, A. 1. — Bergk, Fleckeis. N. Jahrbb. 1860, p. 61, Wieseler a. a. O., 
p. 180, Hiller a. a. O. identificieren das Panathenäische Theater in CIA II, 176 
mit dem Odeion, s. dagegen p. 87, A. 4 a. E. und Philol. XXXV, p. 299. 

*) Paus. I, 20, 3: Faxt Si 7rXY|3tov loö zs Upoö zob Aiovuooa xal xob O^dipoo 
xaxa3X8uac|JLa, «otYjdr^vat hh ZT^Q oxiqWi^ ahxb sg p.'.|XTjOiv xyj? Ei^^oo X^stat. titot- 
-rjd-rj hh xal ieoxtpov xö y^P öipyatov oxpaxY^fi? 'Pcü}jLa:u)v iviirpYja« SoXXa? 'AO-fjva; 
eXwv nennt das Perikleische Odeion nur xaxaax86ao|j.a, spricht aber von dem 
altem ausser I, 14, 1 (s. ob. p. 70 A. 1) noch I, 8, 6: xo5 ^tax^oo hh 5 xaXoö- 
oiv (jjöstov 3tv^ptotvT85 np6 XY)^ Izohoo ßao'.Xswv Eialv AlYOTTTitüv ; die Veranlassung 
zur Aufstellung derselben ist unbekannt. Nach Wachsmuth a. a. 0., p. 635 ist 
das Odeion in der Kaiserzeit zu Lehrvorträgen, nach AVieseler a. a. O., p. 180 
und C. CuRTius a. a. 0., p. 278, so lange das Perikleische zerstört war, regel- 
mässig, und später bis zur Erbauung des dritten Odeions gelegentlich zu musi- 
schen Auftührungen benutzt. Vgl. auch Milchhöfer a. a. O., p. 187 (= 45). 

') Plut. Pcricl. 13 nach den p. 68, A. 1 angeführten Worten: «piXoxt- 
p.o'j|Ar.o? ^'6 lUptxXvi; xoxs TCpüiXOv i'^Yj'^baxo [j.ooa'.XY](; öi^Äva xo!^ Ilavotö-rjvaiot; 
Ä'i'saö'ott xal ^tsxa^sv oihxbc. otO-Xoö-exYj? atps^l^ xaö-oxi -/pTj xoo^ aftwviCojjivoo^ ao- 
Xslv i^j «Joetv Yj xtt^apiis'.v. 'K^J-süjvto ^k xal xoxe xal x^jv äXXov ypovov £v 'liiostu) 
xo'jc jJLoyatxo'j; a^uiva^. Phot. u. Suid. s. v.: ü>5etoy 'Athfi'/Tjatv a»3JC£p ^axpov, o 
irsTcorrjxEv, loc '^ao:, IUptxXy|C st? x6 sKt^sixvoitJ-at xou; jjlo')3'.xo6?. Vgl. Bekker, 
Auecd., p. 317 f. — Für die Lage zu vergleichen Andoc. Myst. Jj 38: sirsl ^h 
"nrx^fx Xö ;:po*i6)xatov xh Atovosoo yjv, opäv ötvO-poi^oo? TiotXoh^ a:r6 xoo (oosio'j xaxa- 
[i'/'vovxa? £•; xr^v op/Yj^xpav. Vitr. V, 9, 1 : uti . . . Athenis . . • exeuntibus e 
theatro sinistra parte odeum und p. 68, A. 1. Nach Wieseler a. a. ()., ]). 179, 
A. 67 gehörte es nicht mehr zum Lenäon; Bürsian a. a. (). I, p. 298; Wachs- 
muth a. a. 0., p. 553. Nach Cürtiüs und Kaupert, Karten von Attika, Text I, 
p. 8 sind die Fundameute des Odeions unter der Häusergruppe östlich vom 
Theater zu suchen. Neuerdings hat Löschcke a. a. O., p. 7 das Odeion des 
Perikles an die Südwestecke des Burgfelsens, wo das Odeion das Herodes steht, 
verlegt und angenommen, dass Herodes nur den älteren Bau erweiterte. Siehe 
jedoch Milchhöfer a. a. O., p. 192 (= 50). 

*) Vgl. Meier, E. u. Gr. IH, 10, p. 285 ff. Mommsen, Heortol., p. 139; 



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104 §• lö. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

aber unsicher, ob man dabei bereits das Odeion benutzte; jeden- 
falls ist dasselbe vor 444 vollendet gewesen *). Es wii'd von Pseudo- 
Dikäarch iüs das schönste der Welt bezeichnet ^), und man eraälilte, 
in der Form desselben sei das Zelt des Xerxes nachgebildet und 
zu der Dachconstruction seien Masten und Raaen persischer Schüfe 
venvandt^). Als Sulla am 1. März 86 v. Chr. in die Stadt ein- 
gedrungen war, flüchtete Aristion auf die Burg, Uess aber zuvor das 
Odeion in Flammen aufgehen, damit die Römer dies Gebäude nicht 
als Stützpunkt fiir ihre Operationen vei-wenden könnten*). Etwa 
30 Jahre später liess König Ariobarzanes U. Philopator von Kappa- 
dokien dasselbe wieder herstellen ^). Dies ist die letzte nähere Nach- 
richt, welche wir über dieses Odeion haben®). 

Das dritte Odeion erbaute am Südwestabhange des Burgfelsens 
bald nach 160 n. Chr. der bekannte Sophist und Wohlthäter Athens, 



Wachsmuth, p. 554, A. 2. Bei Schol. Arist. Xubb. 971 hat Meier KaXXtoo in 
KfxKh.iicLXoo geändert. Vgl. jedoch von AVilamowitz, Hennes XIV, 319, A. 3 
und Reisch, De musicis certamin., p. 17, A. 1. 

*) O. Müller, De Phidia, p. 9. Saüppe, Abhdl. d. Gott. Ges. d. Wiss. 
1867, p. 31. CüRTiüs, EH. Text, p. 36 setzt den Bau in d. Jahr 447. Nach 
MoMMSEN a. a. O., p. 139, A. ** wurde der Agou vielleicht anfangs im Theater 
gehalten. Anders AVachsmuth a. a. O., p. 554, A. 2. 

'^) Müller, Fragm. Hist. Gr. II, p. 254, Nro. 59, 1 : «uSeIov tu» sv t|^ oixoo- 

\lhjf XOtXX'.OXOV. 

') Plut. Pericl. 13: clxova Ki'(orjzi -^i^izd-ai xal |JLi|i.Y]}ia iyj? Jia-tXsw^ axT^vY];, 
Vitr. V, 9, 1 : Odeum, quod Themistocles columnis lapideis dispositis naviuni 
malis et antennis e spoliis Persicis pertexit, wo damit zusammenhangend ein 
Irrthum hinsichtlich des Griuulcrs begangen ist. Paus. I, 20, 3. Alles Fabelei 
nach AVachsmuth a. a. 0., p. 554, A. 1. 

*) App. Mithrid. 38: oXi^w^ o'y|V a3ÖT/7j5 e^ tYjv axpoTcoXiv op»6|L05 '^*' Apt- 
3XUUV a'jxoi; ouve^ps'JY^''' ^l^-^^'^P^'-^ "^^ (»oslov, tva /jltj £iotjj.ot; JüXot? aüttxa 6 iloXXai; 
s/ot x-r^v axp6:ro)stv evo/Xslv. Der Text folgt Wachsmuth a. a. C)., p. 657. Paus. 
T, 20, 4 scliiebt die Schuld fälschlich auf Sulla. Vitr. V, 9, 1 anschliessend an 
die in voriger Anmerkung citierte Stelle: idem autem etiam incensum Mithri- 
datico belle rex Ariobarzanes restituit. 

*) CIG 357 = CIA III, 541. Ariobarzanes regierte von 65—52 v. Chr. 
zuerst mit seinem Vater, dann allein. Vgl. Vischer, Entdeck., p. 7 A. *. 
BoECKH zum CIG a. a. 0. u. Curtius, Erl. Text, p. 43 nennen fiilschlich den 
Sohn desHclben Ariobarzanes JII. Eusebes Philoromaeos als Erbauer. Brunn, 
Gesch. d. Griech. Künstl. II, p. 380. — Die Architekten waren Gaius und Marcus 
Stallius mid Melanippos. 

*) Wenn AVieseler a. a. ()., ]>. 179 aus Plutarch's Ausdruck xaxa3xs6a3|jLa 
(I, 20, 3) schliesst, das Gebäude sei zu Pausanias' Zeit nicht mehr als Odeion 
benutzt, so geht das zu weit. 



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§. 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 105 

Herodes Atticus, zum Andenken an seine zweite Gemahlin Appia 
Annia Regula, welche voi 161 gestorben war ^). Es war ein thea- 
ti-um tectum und zeichnete sich durch prächtige Einrichtung aus, 
namentlich war die Dachconstruction aus Cedeniholz ^). Von diesem 
Bau sind beträchtliche Ruinen erhalten'*). Ein kleineres, mehr für 
Vorträge der Rhetoren als für Schauspiele bestinmites Theater- 
gebäude hatte der Römer Agrippa im Kerameikos errichten lassen *). 
Ueber einige andere zum Theaterwesen in Beziehung stehende 
Anlagen und Baulichkeiten besitzen wir nur fragmentarische Nach- 
richten. So wird ein am Dipylon gelegenes zm ts-^vitäv ßooXeoTTjpiov ^) 
und ein t^[jlsvo(; zm zr/yizm unbekannter Lage erwähnt*), beides 

Franz im CIG III, p. 922. 925. Dittenberger, Hermes XITL, p. 78. 

«) Paus. VII, 20, 3. Philostr. V. Soph. U, 1, 5 p. 236 K.; ibid. I, 8 p. 239 K. 
Suid. 'IIpio?-r^?; 8. obenp. 66 A. 3—6. Vgl. Bürsun I, p. 304; Wieseler a. a. ()., 
p. ISO-, AVachsmuth a. a. O., p. 246 und 696. Milchhöfer a. a. 0., p. 197 (== 55). 

•) Die Ruine wurde in früheren Zeiten für das Dionysostheater oder auch 
für das Odeion des Perikles gehalten. S. Wieseler, Denkm. d. B., p. 8 f. und 
p. 116 f., wo die ältere Litteratur. Ferner Kanoab^ in Minervini, Bull. arch. 
Nap. 1858, p. 96 f. und 126 f. Schillbach, lieber das Odeion des Herodes Att. 
Jena 1858. Ivanoff, Annal. d. lust. XXX, p. 213 f. und Monum. VI, tav. 16 
und 17. Reconstructionsversuch in Tcckermann, Das Odeum des Herodes Att. 
und der Regula in Athen. Bonn 1868. Vgl. Philolog. XXIU, p. 499 ff. und 
XXXV, p. 362 ff. Curtius, Erl. Text, p. 55 verniuthct, das Odeion sei auch iu 
Gerichtsverhandlungen benutzt. 

*) Philostr. V. Soph. U, 5, 3 p. 247 K.: 4ov*/iY'>vto \i.h 5yj i^ xo ev xtj) Kepauisixu) 
O-eaxpov, o otj 27co>v6pia3Ta'. W-(y.z7zt'.rrj Ibid. U, 8, 2, p. 251 K.: laÖTa jj.lv oov 
SV xa> 'A-fpiirirswo s::f»ayO^. Aus dem Zusammenhang erhellt an beiden Stellen 
die Bestinmmng des (tebaudcs. Wu-iseler a. a. 0., p. 182 meint dagegen, es sei 
zunächst für sceuische Auffühi-ungen bestimmt gewesen. Vgl. was dort u. oben 
p. 81 A. 6 citiert ist. In der Nähe des Theseions gefundene Marmorsitze hat dem 
Agrippeion zugewiesen Köhler, Hermes V, p. 342, A. 2. Doch s. Wachsmuth 
a. a. 0., p. 216. A. 

^) Phil. V. Soph. U, 8, 2 p. 251 K. nach den in voriger Anm. citierteu 
Worten: 5ta\tz<MV $1 •fjjisp/? wq liz'Z'x^jrf.^ irap-rjXi^ev l^ x6 xto xeyvixcüv ßooXsüXYjptov, 
31 (uxo$o|i.*r]xat ^apa xa<; xou K"p»an£txGÖ iroXa^ oü Tzh^^m X(ov tTrirftov. BuRSlAN, 
(leogr. I, 290 und AVachsmcth a. a. O., p. 264 halten es für ein Versammlungs- 
haus der Künstler und Handwerker, eine Ansicht, welche schlecht zu dem dort 
nach Phih)8tr. stattfindenden Redekampfe passt. S. Lüders, Die Dionys. Künstl., 
p. 72, A. 132. Milchhöfer a. a. O., p. 162 (== 20) denkt ebenfalls an die Be- 
stimmung des Gebäudes für die Dionysischen Künstler. 

®) Athen. V, 48, j). 212 D und E: 'jicTjVXYjaav o' aoxo) (dem Tyrannen 
Athenion) xal ot «spt xiv Aiovo^ov xe/vixai, xov ^y^s'^^v "C'^ö >soo Atovjaoo xaXoOvxs; 
Eirl XYjv xotvYjV ^axtav xr/A xi^ ^rspl xa'jXYjV so/a? xs xal ^Tcovoa^ ... ev $1 xo) xsptlvs: 
xwv Xc/vtxuiv ö-üoiat x' siusxsXoövxo iicl x^ 'AO-rjvtü>vf)^ Tiapooata xal [isxa x-r^puxoi; 



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106 §• 10. Die Theatergebäude in Athen und Attika. 

Anlagen, welche wahrscheinlich zum Grundbesitz der athenischen 
Synodos der Dionysischen Künstler gehörten *) ; femer existierte im 
Demos Melite ein grosses ITebungshaus für die Schauspieler 2). Diese 
Nachrichten sind in verschiedener Weise combiniert, jedoch ist den 
betreffenden Vermuthungen gegenüber Vorsicht geboten"). Endhch 
ist noch zu bemerken, dass es im Landgebiete Athens an mehreren 
Oi-ten Theater gab ^) ; auch in Salamis existierte ein solches, und 
im Peiraieus sogar zwei^). 



iipootva©o>v^a5ü); oirovSat. Lage unbekannt, Wachsmüth a. a. 0., ji. 216 A. Bürsun 
a. a. 0., A. 2 rechnet auch die Dionysischen Künstler zu jenen Künstlern und 
Handwerkern, und bringt daher dies tejasvo«; mit jenem ßooXEuxYjptov zusammen. 
Dagegen Lüders a. a. 0. 

*) Vgl. unten §. 26; indessen ist die Sache bei dem fragmentarischen Cha- 
rakter der Nachrichten nicht zu beweisen. 

^) Hes. MeXtT£ü)v oixog : fev xü> tü)V MsXixituv S-tj^K}) oixog r^v ita|j.}jL6YsO-rj^ et? 
ttv Ol ipaY^Sol e|jLeXeTü>v. Phot. MeXiietüv olxo?: ev t(j) hr^\n^ wa|jL}JLSYs^? *?]> otxo?, 
«!(; öv ol tpaY<})Sol ^pottwvxt; ejjisXfcwv, aus deren Combination die Glosse leicht 
herziistellen ist. Et. Magn. p. 576, 39 und Bekker, Anecd. Gr., p. 281, 25: 
MeXjctuv, olxo? 6v <p ol xpaYC|)8ol t|i.eXfcü)v beruht auf Missverständniss, doch stellen 
W lESELER a. a. 0., p. 184, A. 123 und Forchhammer, Topogr., p. 84, A. 140 als 
Namen des Hauses MeXsxscov oder MsXsxwv oIxo<; fest. Vgl. Zenob., Prov. II, 27 
und Bergk bei Mein., Fragm. Com. ü, 2, p. 994. Dieses* vielleicht im Besitz 
der Dionysischen Künstler befindliche Haus ist vermuthlich zu identificiercu mit 
dem Hause des Pulytiou (Paus. I, 2, 5), in welchem die Mysterien nachgeahmt 
waren und das dem Dionysos Melpomenos geweiht wurde. Wahrscheinlich lag 
dasselbe im Demos Melite. Vgl. Bürsian, Geogr. I, p. 279, Wachsmüth a. a. ()., 
p. 215. Lüders a. a. O., p. 71. Soboierbrodt, Scaenica, p. 224. Mo-chhöfer 
a. a. O., p. 171 (= 29). 

') Namentlich ist herangezogen Paus. I, 2, 4 : yj os hi^^a xt«v 3xoii>v syst jjlsv 
bpa O'cÄv . . . £0X1 ^k ev aox-J xotl IlooXoxiüuvo^ oix'la, xaö-' •»]> :capa xY|V sv ^EXeo- 
'jlvt ^paoai xsXexYjV 'AO-fjVafcuv ^aolv oo xoix; a'^avsaxdxoo^ * sk' e/aoü ^l avslxo Aio- 
vc^ci). A'.ovoaov ^6 xoöxov xaXoöoi MeXttojjlsvov . . . ptexa ^A xoö Aiovisoo X£|X£v6^ 
sur'.v oTxTjjjia xxX. Ueber die Lage in Melite s. Bursian a. a. O. und AVachsmuth 
a. a. O. Dieser setzt das Uebungshaus in Melite mit diesem Bezü'k in Verbin- 
dung, AViESELER a. a. 0., p. 184 identificiert letzteren mit dem xljxsvrx; bei Athe- 
naeus, wie auch Mjlchhöfer a. a. 0., p. 162 (=20), und das Haus des Pulytiou 
mit dem Uebungshause in Melite. Vgl. Lüders a. a. ()., p. 71, A. 130. Jahresb. 
Piniol. XXXV, p. 301 f. Die älteren Vermuthungen bei AVu':seler a. a. O., A. 125. 

*) So zu Aixone CIA II, 579. 585. Reste des Theaters Arch. Anz. 1865, 
Bd. XXIII, p. 4*, A. H. Mitth. d. areh. Inst, in Ath. IV, p. 194. Eleusis CIA 
II, 574, V. 6: '(^öl'Ioli Zk x6 '^•f^'^'.z\i.^x st^ sxyjXtjV XttMvr^v xal 3XYj3a'. z\^ xo O-iaxf/Cv 
x6 'KXsu^'.vtiuv xov xajjL'lotv; über die dortigen sceuischen Agonen ibid. 628; mehr 
unten g§. 21 u. 26. Reste, Lenormant, Recherches arch. ä Eleusis p. 274; Kollytos 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 107 



Zweites Kapitel. 

Die Elemente der Anfführung. 



§11. 

Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration. Thfiren. 
Periakten. Thymele. 

Was die Art, wie im griechischen Theater gespielt wurde, und 
die Vorkehrungen anbetrifft, welclie erforderlich waren, um das Bühnen- 
gebäude zur Aufführung von Dramen zu quahfizieren, so ist unsere 
Kenntniss dieser Dinge beim Fehlen jeder Anschauung nur mangel- 
haft. Was spätere Schriftsteller, welche allerdings nicht selten auf 
das Theaterwesen Bezug nehmen, was Vitruv, die Scholiasten und 
Lexikographen, namentUch Pollux Einschlagendes berichten, ist zwar 
zum Theil sehr werthvoU '), darf aber für die Einrichtungen des 
fünften Jahrhunderts, dem die betreffenden Autoren bereits fem 
standen, nur mit Vorsicht benutzt werden, so dass wir für die classische 

Dem. De coron. §. 180 (Tragödien), Aeschin. Tim. §. 157 (Komödien); Phlya 
Isae. De Cironis hercd. §. 15 f.; in Thorikos sind die Ruinen nachweisbar, siehe 
ausser Wieseler, D. d. B., p. 7 zu I, 25 namentlich Bürsian, (reogr. I, 353, 
und Peltz, Arch. Zeit 1878, p. 29. — Weitere Xachweisungen })ei Wieseler, 
E. u. Gr., p. 182 f. Mommsen, HeoHol. p. 330 f. 

*) Ueber Salamis CIA II, 4H9. 470. 594. Ob im Peiraieus ein oder zwei 
Theater existierten, ist eine alte Streitfrage, worül)er zu vgl. Hermann, Staatsalt. 
§. 128, 11, AVieseler a. a. 0., p. 183, A. 103-, Curtrs und Kaltert, Karten von 
Attika Text I, p. 66, A. 42. Die Ansicht von Cürtius, dass zwei Theater zu 
unterscheiden seien, ist durch die Ausgrabungen bestätigt, indem das Theater 
im Peiraieus gefunden ist, während früher nur das in der Munychia bekannt 
war. Vgl. ibid. j). 45 und Bl. 11. ApaYa^CYjC, ta ö-eaTpa too lltipaiA^ xat h Kwf i; 
X'.|i.Tjv ^£ta irivaxo? in lla(iva336c, VI, p. 258 ff. und das. IV, p. 413 ff.; 574 f. 
Bull, de Corr. Hell. IV, p. 415 f. 'Aö-r^vaiov IX, 158. Eph. arch. 1885, Heft 1. 

*) Das von Poll. IV, 123 — 132 in dieser Beziehung Mitgetheilte stammt 
nach RoHDE, De lulii Pollucis in apparatu scaenico enarrando fontibus. Leipzig 
1870, aus des luba O-catpixY] bTopta und geht in letzter Instanz auf Aristophanes 
von Byzanz zurück. Pollux fehlt oft darin, dass er aus seinem reichen Material 
auf einen bestimmten Fall Passendes herausgreift und als allgemein gültig hin- 
stellt. Die Klagen über seine Unzuverlässigkeit, s. z. B. Sommerbrodt, Scaenica» 
p. 132 und sonst, sind nicht recht begründet. 



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108 §• 11' Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

Zeit wesentlich auf die Durchforschung der erhaltenen Dramen an- 
gewiesen sind, und dass diese Quelle, sobald man sich bescheidet, 
nicht mehr wissen zu wollen, als was aus den Tragödien und Ko- 
mödien mit Sicherheit eimittelt werden kann, ehie durchaus ergiebige 
ist, haben neuere Forschungen gezeigt, welche mit dem früher üb- 
lichen Verfahren, den Bühnenweisungen der Scholiasten und den 
Nachrichten der Lexikographen bei den betreffenden Untersuchungen 
gleiche Beachtung zu schenken, gebrochen haben *). 

Zunächst ist nun hervorzuheben, dass die Schauspieler fast aus- 
scldiessUch auf der Bühne, der Chor meist in der Orchestra agierte. 
Diese Anordnung der beiden Pactoren des Dramas entspricht dem 
Ui-sprunge desselben und wird fiir die spätere Zeit durch das un- 
verdächtige Zeugniss des Vitruv und Pollux bestätigt ^). Gleichzeitige 
Nachrichten, welche diese Regel als auch für die classische Zeit gültig 
erwiesen, fehlen zwar; indessen wie es keine Stellen giebt, aus denen 
mit Bestimmtheit geschlossen werden könnte, dass im fünften Jahr- 
hundert die Schauspieler und der Chor gemeinsam entweder auf der 
Bühne oder in der Orchestra zu spielen pflegten^), so lehren einzelne 



') Schon Cf. Hermann zeigte in seiner Recension von 0. Müller's Eu- 
meniden Opusc. A'I, 2 und in der Schrift De re scaenica in Aoschyli Orestea 
gef^cnüljer der bis dahin in Sachen des Bühnenwesens lierrschenden AVillkiir den 
richtigen AVeg. Neuerdings ist von grosser Bedeutung Haupt, De scaena Achar- 
neusiuni Aristophanis, quae parodum sequitur. BerUn, Ind. Schol. 1872/3; ihm 
folgt mit gesundem Urtheil Niejahr, Quaestiones Aristophaneae scaenicae. Greifs- 
wahl 1877. Schönborn k'gt erheblichen AVerth auf die Sclioliasten, welche auch 
MuHL, Symbolae ad rem scaenicam Acharnensium Aviumque Aristophanis fabu- 
larum accuratius cognoscendam. Augsburg 1879, p. 4 unter den (Quellen aufliihi-t. 

*) Vitruv. V, 7, 2: ita tribus centris hac descriptione ampliorem habent 
orchestram Graeci et scaenam recessiorera minoreque latitudine pulpitum, quod 
Xo-j-ciov appellant, ideo quod eo tragici et comici actores in scaena peragunt, 
reliqui autem artifices suas per orchestram praestant actiones itaque ex eo 
scaenici et th>'melici graece separatim nominantur. Poll. IV, 123: xal ov-t^vt] 

jJ.£V UTCOXpiXlüV tO'.OV, Tj OS Op/Tj3XJ>a TOÖ )^Opof>. 

^) Genelli Hess die Schauspieler auch in der Orchestra agieren, s. z. B. 
Theater zu Athen, p. 257; auch O. Müller, Eumenid., p. 107 und (iEPPERT, 
Altgr. Bühne, p. 153 f. zogen die Orchestra in's Spiel; dagi^gen schloss (i. Her- 
mann die Schauspieler von der Orchesti-a aus, liess jedoch den Chor mitunter 
auf der Bühne zu; ihm folgte Sommerbrodt, Scaenica, p. 119. Neuerdings hat 
HÖFKEN in der Abhandlung De theatro Attico saeculi a. Chr. (piinti. Bonn 1884 
und in einem Aufsatze in der Zeitschr. f. d. elegante AVeit aus demselben Jahre 
nachzuweisen versucht, dass im fünften Jahrhundert Schauspieler und Chor nur 
in der Orchestra gespielt hätten und die Bühne lediglich zur Aufstellung der 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 109 

Stellen der Dramen, dass jene Regel auch in classischer Zeit ge- 
golten hat. Schon die AVorte des Hernies im Frieden des Aristo- 
phanes (v. 564 f.): w Hö'KiSov, üx; xaXöv tö ^zlfOQ ootwv ^aivsrai xal 
iTJxvöv xal YopYov wa^rep (laCa xal TtavSat^ia; oder, wenn man daran 
zweifelt, dass der Gott sich auf dem Logeion befunden habe *), die 
Wechselreden der beiden Athener mit dem Epops während des Ein- 
marsches des Chors in den Vögeln (v. 268 ff.) weisen darauf hin, 
da.ss die Schauspieler höher standen, als der Chor; auch die Verse 
175 — 178 derselben Komödie: UFA, ßX^j>ov xaiw. EH. xal 8yj Pasto). 
HEI. ßXsTTs vOv ävtt). EU. ßX^ÄO). DEL ;repiaYs töv zpdyr^oy. EU. vtj 
Ata, a7roXa'3'30[xai tt 5'. st StaaTfyiyrJ^oixat; IIEI. stSd^ tt; Ell. tag vs'^^Xac 
Y£ xal tov oopavov lassen sich mit der Annahme, dass die Schauspieler 



Maschinerie und Decoration benutzt sei. Seine auf missverstandenen Notizen 
beruhende Argumentation, deren "Widerleffung hier zu weit führen würde, ist 
von XrKJAHR, De Pollueis loeo, fjui ad rem seaenicam spectat, Greifsw. Gymnas.- 
Profp'. 1885 und von mir Philol. Anz. XV, p. 525 ff. zurückgewiesen. Vgl. Pk- 
TKRSEX, Wiener Studien VII, p. 175. Hier möge noch bemerkt werden, dass aus 
Arist. Ran. 297, wo Dionysos mit denAVorteu ispsO, ota'^oXaJov ji', iv^ cI» cot ao|JLT:oxY,c: 
den Schutz des Dionysospriesters anruft und aus Pac. 905 f; «iXV, (u ;rf*'>Tav£t^. 
os/j-sife TVjv Hsojf/tav. ■O'sa':^ oi; ::poi)"6[j.(0': o ^rpotavt^ TrapsosiotTo und aus ibid. p. 962 f.: 
xal Totc: O-saial; ptTTi? kov xpiO-cov. OIK. looo xiX. keineswegs darauf zu schliessen ist, 
dass die Schauspieler sich in unmittell)arer Xähe der Zuschauer befunden liätten. 
In allen diesen Fällen, auf welche sich Höpkkn, p. 8 ff. für seine Ansicht beruft, 
bleiben die Schauspieler auf der Bühne; es handelt sich hier nur um eine Eigen- 
thümlichkeit der Aristophanischen Komik, der zufolge der Dichter gern das 
Publikum in die Handlung des Stücks hineinzieht, über welche zu vgl. Arnolpt, 
Die Chorj)artieen bei Aristophanes, p. 5H. S. auch AVecklfjn, Philol. Rundschau 
1884, n. 37. Fast zu gleicher Zeit ist IKJrpfeld auf Grund genauer T^ntersuchung 
der ältesten Gestalt des Theaters zu Ei>idauros zu dem nämlichen Resultate wie 
HöPKK\ gelangt. Seine in mehreren an mich gerichteten Briefen dargelegten 
Gründe sind im wesentlichen die grosse Höhe der Bühne über der Orchestra, 
die geringe Tiefe dersell)en und der Mangel einer directen Verbindung zwischen 
Bühne und Orchestra; von diesen werden sich der erste und dritte durch das 
weiter unten über das für den Chor erforderliche Gerüst Beigebrachte erledigen, 
während die geringe Tiefe der Bühne von nur 2,41 m allerdings höchst aufi'allend 
ist, jedoch den den Dramen entnommenen Beweisen gegenüber nicht ins Gewicht 
ftillt. Auf Komödienaufführungen in Epidauros fühi-t Eph. arch. 1883 p. 27, n. 4: 
Ol ~oXi? tmv 'K-'.oaoj>ioiV Atojj.*fjOYjV 'AlWjVO0Oip»0'i AifYjVaiüiV ;:o'.YjTotv xwjtiüouov 
avEtWjxs. 

^) lieber die Streitfrage, ob die Scene zwischen Hermes und Trygäos in 
der Höhe au der Bühnenhinterwand oder auf dem Logeion vorgehe, vgl. Niejahr, 
Quaest. Ar. scaen., p. 20 ff. 



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110 §• 11« Standort der Schausj^ieler und des CUors. Decoratiun etc. 

in der Orchestra ständen, nicht vereinigen ') ; und da femer Danaos 
in den Schutzflehenden des Aeschylos v. 713 mit denAVorten Ixsra- 
5ÖX0O Yap TfpS' anb oxott/j^ opw zb ^rXotov nicht einen auf dem Logeion 
vorhandenen Hügel, auf den nichts hindeutet, sondern das Logeion 
selbst bezeiclmet^), so fuhrt auch diese Stelle zu demselben Ergeb- 
niss. Einen sicheren Beweis aber haben wir in v. 1514 der AVespen 
des Aristophanes, wo Philokieon mit den AVorten atdtp xaiaßat^ov 
y' sä' aoToix; zu den Tänzern in die Orchestra hinabsteigt ^). In dieser 
stand der Chor meist den Schauspielern, mit denen er zu verhandeln 
hatte, zugewandt und kehrte den Zuschauern den Rücken zu; wir 
haben dai*in eine, von unseren heutigen Sitten allerdings gänzlich 
abweichende Eigenthümlichkeit des griechischen Spiels zu erkennen, 
die ihren Grund im Ursprung des Dramas hatte und in der die Zu- 
scliauer eine Störung der Illusion nicht gefunden haben werden*). 
Dass die Griechen im Uel)ingen nach Illusion strebten und 
dieselbe durch scenische Ausstattung zu erreichen suchten, ist nicht 
zu bezweifeln, jedoch sind die Ansichten darüber, in welchem Grade 

*) Stehen die Schauspieler in der Orchestra, so hat wohl die Aufforderung 
nach oben zu bhcken, nicht aber die nach unten zu sehen Sinn; denn dann 
würde der Epops nur den Boden der Orchestra er])licken. 

*) Es ist hier Clewicht zu legen auf das Epitheton Ixsxaooxo^, welches nur 
auf das mit einem Altar versehene Xo^siov passt; vielleicht ist der Altar selbst 
gemeint, auf dessen Stufen Danaos dann stehen würde. 

*) Dieser Auffassung entsprechen die Verse 151f) f : 'f Ip; vöv 'r^jisi? aoxolc 

mit denen der Chor für den Tanz des Philokieon und der Karkiniten Platz 
macht. Sonst heisst y.axa^^a'!vc'.v einfach „abtreten", Arist. Eccl. 1152: ev ozi» 
fik xaToij^a'lvsi?, k'fo} sKaGö|j.a'. |iiXo; t: jieXXo^s'.Tivixov, und dem entsprecliend ava- 
^aivs'.v „auftreten", Arist. Ecj. 148: osupo hb^\ a> 'fiXtats, avi^aivs cuiir^f/ tq 
TToXsi xal v(i)v 'f avsi;. Aus diesen AVorten ist nicht auf das Auftreten des Wurst- 
händlers in der Orchestra zu schliessen, wie bereits der zweite Scholiast zu 
V. 149 : $'.« Tt Oüv £x x-Tj; naoooofj ; xoöxo y^^P '^^'^ ava^xarov. XsYsxai yj.^ xaxaßoivs'.v 
xo ä::aXX<ixx53^at evxsöO-tv UKh xo'j ::a).a'.oö £t)"Oü(; richtig erkannte. Vgl. Vesp. 1341 : 
wAfjfjüvt Ssüpo -/jiü3opLYjXoX6vO'iov; etwas anders ibid. v. 977 ff. Der Sprachgebrauch 
stammt aus jener Zeit, in der die Bühne noch ein einfaches Gerüst war. Die 
Erklärung von Arist. Pac. 725: ::ü»; oyjx^ v(iti xaxaJiTpojxai; wird sich nach der 
Auffassung von der Darstellung der Scene richten Lysistr. vv. 864, 874, 883, 884 
erklärt sich xaxa.^aivstv daraus, dass Lysistrate bezw. Myrrhine an den Zinnen 
der Akroj^olismauer sichtbar werden. 

"*) HÖPKKN, De theatri Attici orchestra in Tirociuium i)hilologum. Berlin 
1883, p. 14 f. erklärt diese Stellung des Chors für unstatthaft und versetzt daher 
den Chor auf die Bühne. 



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§. IL Standort der Schauspieler und des Chon?. Decoration etc. Hl 

dies der Fall gewesen ist, sehr verschieden. Während die einen 
glaubten, den Griechen habe schon eine geringe Andeutung genügt, 
ihre leicht bewegUche Phantasie in die gewünschte Thätigkeit zu 
setzen'), wurde von anderer Seite behauptet, das Bestreben der 
Griechen sei sichtüch dahin gegangen, alles das, was im Drania als 
sichtbar genannt war, den Zuschauern auch in der That vor die 
Augen zu bringen*^); es wurde sogar die Ansicht ausgesprochen, be- 
kannte Gegenden und Bauwerke seien stets ilu*er waliren Beschafl'en- 
heit entsprechend dargestellt ^), und mehrere Gelehrte haben sich bei 
Reconstniction von Scenerieen geradezu von den durch unser heutiges 
Bühnenwesen henorgerufenen Vorstellungen leiten lassen*). AVir 
tragen kein Bedenken, die zuerst angeführte Ansicht für die richtige 
zu erklären; denn einerseits zeigen die Dramen deutUch, dass auf 
der Bühne Decoration vorhanden war, andererseits aber wird der 
Phantasie der Zuschauer nicht selten zugemuthet, sich Dinge vorzu- 
stellen, welche in keiner Weise dargestellt werden konnten oder an 
sich ungereimt waren. So sollen z. B. im Anfange der Euripideischeu 
Elektra, der Wolken, Wespen, Ekklesiazusen und der Lysistratc die 
Zuschauer glaul)en, es sei Nacht, während es in der That heller Tag 
ist^); in den Acharnern ermahnt Dikäopolis seine Tochter, im Ge- 



') 0. Müller, Gr. Litterat. II, 62. G. Hermann, De re scaep. in Acschyli 
Orestea (Ed. Aesch. II, p. 649) : naturam iniitabantur Graeci — . At(jui naturae 
legem esse constat, quod paucis fieri possit, non efficere per niulta, hoc est, ut 
aliis verbis dicam, nihil instituere, quod non sit necessarium. 

*) SoHÖNBORN, Skene der Hellenen, p. 32 ff. 

•) Geppert, Altgr. Bühne, p. 137—151. Doch s. G. Hermann zu Soph. El. 
V. 4: ceterum vehementer falluntur, qui tragicorum verl)a in huiusmodi rebuc ad 
veros locorum situs exigunt. Nam secus Athenis (juam hodie apud omncs, (jui 
theatra habent, illud specta' atur, quod in scaena repraesentatum erat, ubi salis 
erat cemi, quae fama nota essent, etiamsi et specie et situ multum a veris dif- 
ferrent. Vgl. auch Schönborn a. a. O., p. 36—38 und p. 158 f. Vermulhlich 
befanden sich in den Beständen des älteren Theaters nur sehr wenige Decora- 
tionen für Tempel, Paläste, Höhlen u. s. w., die regelmässig verwandt wurden. 

*) So J. Richter, Prolegg. zu seinen Ausgaben der AVespen und des Friedens. 
Br. Arnold, De rebus scenicis in Euripidis Cyclope, Nordhausen 1875. Wieskler, 
Scenische und kritische Bemerkungen zu Euripides' Kyklops. Göttingen 1881, 
p. 37. Vgl. im Allg. die Bemerkungen von R. A (rnoldt) im Philol. Anzeiger V, 
p. 325 und von mir ibid. VIII, p. 152 f. 

*) Eur. El. V. 54. 79. Arist. Nubb. v. 2 ff.; Vesp. v. 2; Eccl. v. 1. 20; 
Lysistr. v. 15. Dass die Nacht in späterer Zeit durch schwarze Vorhänge dar- 
gestellt ^-urde, hat Muhl, Symbolae etc., p. 7 f. gezeigt aus Gramm, de Comoedia 



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112 §• 11« Standort der Schauspieler imd des CJiorH. Decoration etc. 

dränge auf ihre goldene Selimucksaclien Acht zu hahen, während 
die Prozession docli nur aus Dikäopolis, seiner Tocliter und zwei 
Sklaven besteht*); in demselben Stücke soll das Haus des DikäopoHs 
zunächst als ni der Stadt, sodann aber als auf dem Lande, endlich 
wieder als in der Stadt befindhch betrachtet werden^); in den AVolken 
wird das Landhaus des Strepsiades mit dem in der Stadt liegenden 
Phrontisterion des Sokrates zusammen dargestellt^); in den Bakchen 
des Euripides soll der Palast des Pentheus einstürzen, wird aber 
später, als ob nichts vorgefallen wäre, zum Ein- und Ausgehen be- 
nutzt^); in den Troerinnen wird der schwerlich darstellbare Staub 
des hinsinkenden Troja erwähnt''); ebenso wenig konnte im Oedipus 
auf Kolonos der Hagelsturm sichtbar gemacht werden^); von den 
fliegenden Vögeln im Ion sehen wir ganz ab'). Wir haben dem- 
nach anzunehmen, dass im fünften Jahrhundert nur bescheidene An- 
fänge in der scenischen Ausstattung gemacht w^orden sind, aus denen 
sich allerdings in der Diadochenzeit (irlänzenderes entwickelt halxm 
wird ^). 



hei Dühner p. XX, 28 ff., wo sich entsprechen xaT?5x«o'i^?To -r] <Z7.r^'r^^ -zKoi-Aihiihr^ 

xal v')XTO(; (so zu lesen mit MrilL statt yr^c Wi voxtov). 

*) Arist. Acharn. v. 257: rrj^oJia'.Vi xav xtu/Kw '^'jX^tTit^iH-ai '3xoof»a, lu-r^ v.^ 
Xaft-CMV Goo ::£(>ttpotYjjJ tot ypoG'la. 

*) Der Nachweis, dass keine Scenenveränderunpf statt «refiin den hat, ist jre- 
führt in meiner Aldiandhm^: Die scenische ?iinrichtun^ in Aristophanes' Achanieni. 
Lünehurjj 185H. Zu demsen)cn Resultate trelanort Haupt, Berliner Tnd. Schol. 
1872/3; vjfl. NiKJAHR, Quaest. Arist. scaen. p. .-U). 

') Arist. Nuld). v. 1234: <J>sWo>voc '>loc -x&i'J^t'ioYj; Ktx'iwoO-sv und v. 188: 
rriXo*) yjL^ oix(u t(i»v oiYpüiv. 

**) Eur. Bacch. v. 591 : sTosxs Xottva xioG'.v ?}i.fio>.a ^iot^f>0}j.a xao? und v. 914 : 
jcnH-t rapotö-s o(ojtotxo>v: \'fr\, y. 121 B und 1239. 

^) Eur. Troad. v. 1320: xövtc o^ T'3':* xaTivc» Tzzi^r^i rpoc alt^s&a ai^TOv otxcüv 
£jj.a>v jis tS-f|Gct. 

*^) Soph. Oed. Col. V. 1502: Tj tic ojx^pta y/i/va^ zzi^^äirAza; 

') ?]ur. Ton. Y. 154 f.: ^oikö':" y^oyj Kv.Tzofjz'y xs :ixavol llapva^oO xoixac* 
a^i^io |J.*rj ypfn^XE'.v iVptY*'^^? I"^*^!^^ ^? /P'^^'^il'-'? '>^^'>'>?- 

**) Gramn]. de Comoed. hei Dül»ner i>. XX. 28: ?v eapivu) xai{iu> TzohiziKtz', 
^a-oivat^ xaxeGX£»>'iC^xo yj oxYjrrj xotoipo'^oi^ oixo^ojx-fjjjLaGi, ::?:ro'.x'.Xiir/f] wapotitsx'i-- 
Ha3t xat oifovaic Xsoxa:^ xal |tsXa'.va'.c , ^jfj^zai^ xs «axa^oo^ai? xotl ystpox'.vaxxü) 
w>pt, op'jYjjLaoi xe xocxa^eiOi? xal oROY^ioic, xal o^axoiv or^aiJ-cval; sie xottov IfaXa-s-TjC, 
xaoxapoi), aoof), xspaovtüv xal ^povxtov, Yjjx^pa^ xal vdxxo;^ y*^i? '''•'^- ^^'^p'^tvoO, ava- 
xxof#o*v xa' Travxoiv a::Xw>c . a'j/a; x? O'j jiixpa; s^/v scsipY'^'I'-^^''''^ ^^- ^'}'-^''>^> *'-^ 
xurov opcuv. Vgl. MiTHL a. a. 0., p. 7. Es lie^ in der Natur der Sache, dass 



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§. 11. Stainlort der Sflianspielcr und «Ick Chors. Di-coi-atitiii etc. 113 

Ursprünglich wird nach Analogie der enghschen Bühne *) und 
entsprechend den Anföngen des griechischen Dramas die Decoration 
völlig unbekannt gewesen sehi und zunächst etwa das §. 1 erwähnte 
Zelt, später eine einfache Hinterwand den Ansprüchen der Zuschauer 
genügt haben. Noch in den ersten Jahren des Aeschylos fehlte, wie 
es scheint, die Decoration; denn während in allen anderen Dramen 
die Scenerie, namentlich die dargestellten Gebäude betreffende An- 
deutungen vorhanden sind, fehlen solche gänzhch in den Schutz- 
Hehenden dieses Dichters, in denen nur ein Altar auf der Bühne 
erwähnt^), sonstiger Decoration aber mit keinem Worte gedacht 
wird; im Prometheus wird nur der Fels bezeichnet, an dem Pro- 
metheus angeschmiedet steht und der wahi'scheinlich körperlich dar- 
gestellt war^); auch in den Sieben sucht man vergebens nach der 
Andeutung eines Gebäudes, aus dem die Personen des Fürsten- 
geschlechts auftreten könnten**). Tn allen übrigen Dramen lässt sich 
die Decoration mehr oder weniger deutlich erkennen. Dies beweisen 
schon die folgenden Angnl)en, welche hier genügen müssen, da Ver- 
folgung der Einzelheiten zu weit führen würde. So war bei Aeschylos 
in den Persern''), im Agamemnon^) und in den Choephoren') ein 



sich allmählich ein grösserer Realismus gfoltond maohto und die Fähigkeit, com- 
plicipi-toro Sconorioon horzustoUon und dcMvn Mechanismus zu handhaben slieo. 
Besonders zu Alexandreia wird die scenische Ausstattung; d(Mn (tlanze entsprochen 
liiiben, der in (\^r Pompe des }*tolemaeos Philadelphos (Athen. V, p. 197 Dil.) 
entfaltet wurde. 

^) S.TrKrK^Shakespeare'scheVorschulel, p.XTT; TT,p.V. ÜLKin, Shakespeare's 
dramatische Kunst T^, p. 126 f. Frevtau, Die Technik des Dramas, p. 157. 

*) Aesch. Suppl. V. 188 f.; otjj-Sivov sz-i . . . tzöl-^o^ -po-sUs-'-' x*«vo^ '5f((»vioj 
(f-a,y. Vgl. 209, 21*>f., 218 fV. u. a. m. 

*) Aesch. Prom. v. 20: -poa-a-s^aXs'i-üj two^ oc-avO-{>u>::(u k^-^m, v. 56: ;ra--a).?')z 
iz^jOC. TisTpaic. Dass der Felsen zum Schluss zusammenbricht, lässt sich aus 
V. 1016: :r&o>Toi [isv ^'^p öxptoa '^dtpaYYoi . . . TzrA-cr^r, 'SKapr/j?» tyjVO? v.oti %p'j'}?t oijj.otc 
TO -sov. :i£Tpa'a o" ot-Y^'i/.T^ Zc '^jfAZxazz: schliessen. 

■*) Namentlich bleibt es unklar, woher Anticjone und Ismene (v. 861: f/tXri 
-^rxfj 'Yjxoo'3^ a:o' |-: TrpäYo; ^rixpov W/zr^ovr^ t^ y^o' 'hfjLYj'/Tj) kommen. Zwar wird 
die Burg als Schauplatz erwähnt (v. 240: Ta^j^o-sovc« 'fojso) tocvo' \c otxpo-o/'v. 
Tt|xiov iooc;, ixo|i.av), doch nirgends ein Palast. 

•') Aeschyl. Pers. v. 159: xwnu. oyj KiTZfjfn ix'ivoi y&MaTo-SToXixo'jc oofio'jc xa'i 
To Aapstoü TS xajxr<v -Arjv^'j ?uvatYjj>'.ov, vj^l. 524. 849. 

'^) Aesch. A^m. V. 2: 'fpopj&äc rt^iac jiYjXoc, 'f\'/ xo'.|itujiiVO^ zxr^^n^WTOv.rAu'^ 
ä^xa^-sv, vgfl. 518. 

^) Aesch. Choeph. v. 22;. iaXTo; sx o6p.o)v E^av, vgl. 652 fr. 
Hermann, Lehrbuch III. ii. o 



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114 8- 11' Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

Palast, in den Eunieniden *) sowohl im ersten als im zweiten Theile 
ein Tempel dargestellt ; bei Sophokles zeigte der Hintergrund in der 
Antigone^), dem König Oedipus ^), der Elektra*) und den Trachi- 
nierinnen'^) einen Palast, im Philoktet ®) eine Höhle, in der ersten 
Hälfte des Aias ') ein Zelt und im Oedipus auf Kolonos ^) eine Wald- 
gegend und ein t^jjlsvo^. Auch acht Tragödien des Euripides spielen 
vor einem Palaste, die Alkestis ®), Medeia*®), der Hippolytos**), der 
rasende Herakles*^), die Phönissen*^), die Helena'*), der Orest *'^) und 
die Bakchen***); zwei vor einem Tempel, der lon*^) und die Taurische 
Iphigenie*^); ein Tempel und ein Palast waren in der Andromache*^), 



*) Aesch. Eum. v. 34 f. : ?*'va ^^ o'f iV/Xpiol«; opotxslv iraXtv |jl^ stcjja'Isv sx ^ojxiuv 
id>v Ao^ioo. Von v. 235 an der Tempel der Athene, v. 242: TCf^oGsiju ^(i>|ia Wi 

*) Soph. Antij^. v. 18: xai -s^ Hzh^ otoXeiojv ^tüXoiv toüo' o5v;x' s^iirfjiTCov. 
vjfl. V. 386. 

') Soph. Oed. R. v. 631 : xaiplav o^ »jixtv opo» tyjvo^ sx oojkuv iztiyo'i'zw^ 
'loxa3'n)v. 

■*) Soph. El. V. 8: Ol 0^ Ixävo|jlsv. 'f(i-x?tv Mux-r^va; toc^ izohy/^ozofj^ oodv, 

*) Soph. Trachin. v. 58: ifv^c ^* o^' auii^ apitzo?)^ ^^iu':y,n oojAOt)?. 

*) Soph. Phil. V. 27: ^oxd» Y^p ^i^'^ slica^ avxpov «laopav. 

") Soph. Ai. Y. 3: xal vov sttI -sxYjvai; -3? vototixat? opo». vpfl. v. 9: sv8ov ^^p 
otvYjp* aptt TUYX^^'" 

^) Soph. Oed. Col. v. 16: /««po;; o' o^' Ipoc, t«^ -s-i^f.' sixa-sat, ßp'uwv ^a'x.'/Yj^. 
tXoii'y.^. 6t|jLirsXoo . v. 155: ahV tv/ tüi5* ev a^piJ'SY'^'^H* V-^i tz^oiKi'^^^ visci rcoioclvt: 
und 36: splv vöv ta :rXr.O'/ t-STOpsiv, sx ttjco^ iopa; ?$;XiV- sys'.; ^ol^ /(»ipov ou/ 
<irfviy uatslv. 

•) Eur. Ale. V. 1 : CO o«M|uiaT* ^Aofi-f^Tsf v.tX. 

^'*) Eur. Med. V. 50: tt «po? ÄoXan: ttjv^^ a^oy-:' epfj|jLiav s-stTixa;: 

") Eur. Hippol. V. 171: oiXX^ yj^s Tpo'^o? Yspaia Tcpo iffjpti»v ty^vo? xojxtCoy-* 
t^ü» [ipXai^^pOiv. 

**) Eur. Herc. hir. v. 44: Xsiks: y^P |as totso^ ev ^(i>|i.a3'. tpo'f6v tsxvwv otxoopov. 
") Eur. Phoen. v. 89: SKst -ss [aYjTYjP jrapO-svojvo? exX'.irsiv |jl?iSyjxs pXiJfpcov s; 

^'.•?JpT^ ST/OtTOV. 

*"*) Eur. Hei. v. 68: t»; tävS^ spouvmv o«>ji.dTo>v syst xpaxo;;; 

**) Eur. Or. v. 112: J» tlxvov, e4sX^\ 'Rpjxiov^. o6}jl<«v rApo^. 

*•) Eur. Bacch. v. 60: ßarlXeii x^ ifi'^l otuixaT^ iK^fJiZv. xaos xxoTrstTs lleVtHoj;. 

") Eur. Ion. v. 78: öpÄ Y'^tp sx^oiivovxa Ao^loo Y'iv-v xov^\ w? Kp<!/ vaoö Xa^iirpot 
O-y^ -»jXa»|JLaxa ^i'^rrj^ xXotSoisiv. 

'**) Eur. Iphijar. Taur. v. 34: vaol^». ?' sv xot-so' ispiav xUVr^^i }t?. 

^®) Eur. Androm. v. 21: TviV o'.xov st/s xov^s ra«; WyiXXsojc . . ., v. 42: os»- 
jjLaxoFj|JLsyrj 5' sy*" ooji.ü>v ::apotxov Hit loo; ?•? «vrJty.xopov iVisatu xoo' sXt^oOc', y^v u' 
xuiXu^ij ^avsiv. 



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1$. 11. Standort dor Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 115 

den Schutzflehenden*) und den Herakliden ^), Zeltlager in der He- 
kabe ^), den Troerinnen *) und der Iphigenie in Aulis ^) und endlich 
ein Bauernhaus in der Elektra^) dargestellt. Das einzige erhaltene 
Satyrdrama, der Kyklops ^), spielt vor einer Höhle. In der Komödie 
linden wir Häuser dargestellt in den Achamern ^), Rittern •), Wolken **^), 
Wespen**), dem Frieden*^), den Fröschen**^), Ekklesiazusen **) und im 
Plutos*^); das Akropolisthor und ein Haus in der Lysistrate**), den 
Thesmophorentempel und ein Haus in den Thesmophoriazusen *^), und 



*) Eur. Suppl. V. 1: ATj|jLY^tsp e^tiooy' 'KXsu^t'/Yj«; yö-ovo; 'rYp?\ oi xr vaoo; 
r/sT- :rp63ffoXot ^sa^ . . ., v. 938: ahxob sap^ oTxoo«; touaot aoii.ffY|$a? xa^pov. 

*) Eur. Heraclid. v. 41: vj ^/ oio xh IHjX'j ^rawo^ Waxjjlyjvyj; ^evo;, sawO-s 
vioO xoö^^ 'jzY]Y*'t'itXtaji.£VYj, -301^61 . . . , V. 343: aXV td-^ e^ ^ojiooc, y«P<^^* 

*) Eur. Hec. v. 880: axr^ai xsx.oiV/'s^ ai5? Tpüiaowv S/Xov. 

■*) Eur. Troad. v. 157: Tj;ü>ot3tv, a: xävo* oixujv tt3u> ^ooXsiav aia^oozv/. 

^) Eur. Iphipf. Aul. v. 1 : o> jzohfjo, ooficuv xwv^s ic-ipoit^sv oxst/c, 

•*) Eur. El. V. 77: xal y«p oo tcj^oso» irrj^''/: uLsXatVpiov xu»vB\ 

^) Eur, Cycl. v. 100: ilaxopiov npi? Svxpoi? xov^* 3|jnXov r.^ofxu. 

**j Arist. Ach. v. 202: aja* xa xax^ u'^^oh^ f'^to» Aiovo^ta. Haus des Dikäo- 
polis; V. 394: xott ilo» ^^aot^xs^ s^xiv a»; KoputtOTjV, Haus des EuHpides; v. 566: 
16t A<ijAa/\ Ji flXsÄo>v a^xpaira;, fjorfir^zo'/ , u» '(O^-^oKriyx, ttavsi? wird I^amachos 
aus seinem Hause gerufen. 

^) Arist. Eq. 95: otXV sJ^v^y*^ I^*^' ''^/J"*? oIvo») yoa. 

^") Arist. Xuhb. v. 18: a;rx», Kai, Xuyvov xoix'fips xo yP'*|A|A'äxsIov , Hau.^ des 
Strepsiades; v. 92: öp<i^ xo ^'Spiov xoOxo xal xujxtotov; das Phrontisti»rion. 

") Arist. Vesp. v. 67: e^xiv Y'itf' '^i|JLlv $53::oxY|^ exstvo-si avw xa^s'j^cwv, o jaIy'^C« 
O'JTTJ xoo xi'^ot}^, 

**) Arist. Pac. v. 178: xal ?yj xad-opüi x"Jjv oixiav xy^v xoü Aio;. Dieses Haus 
ist dassel))e, welches anfangs als das des Trygäos gegolten hat. Niejahr, Quaest. 
Arist. scaen., p. 20 ff. 

*') Arist. Ran. v. 38: xi; xy^v i^^opav iiraxahv; das Haus des Herakles ist 
si)äter das des Pluton. NreJAHR a, a. O. 

*■*) Arist. Eccl. v. 1 : c« XajJLTC(>iv o\i.\i.OL xo'j xpoyYjXaxou Xoyvou xaXXiox^ iv ?»>- 
•jxoTTOi^iv s^YjpxYjjAr/ov, das Haus der Praxai^ora; ein zweites Haus v. 33 f.: aüM 
•fif»s, xYjV Y^if'iva XYjvS^ £xxaAS3a*|Aat, xpoYOvdi-a xy^v tJ-'jpav; ein drittes Haus v. 331: 
oüx, aXXoc xTj^ Y'^^^^'^'-*? H*'*'^!^^'*^''"'^ "^0 xpoxüiX'l^'.ov ajj.TC'.'syofiJvo^, oov^usxai. Diese 
Häuser kommen auch im zweiten Theile zur Verwendung. Nirjahr a. a. O., 
pag. 33. 

^^) Arist. Plut. V. 230: zh ^\ u> xpaxt-sxe lIXoöxs wavxiov oaijjLovwv, tlzua ;asx^ 

***) Arist. Lys. v. 5: tcXy^v y^ y ^|J^''i ^«"JA"'!''.; ^jO^ eiepyexai . . ., v. 249: oü y^P 
■:o3a'jxot^ Ciox^ a;r5t),a^ ooxs nwp y^Ioo-s' syovx?; oi-sx' otvol^^*: xa^ ::oXa^ xauxa;. 

") Arist. Thesmoph. v. 26 : <^pa? xi D-öptov xoüxo; Haus des Agathen; v. 278: 
a>? xi XYj^ sxx)»Yj3'la^ 3Tj|jL£lov SV Xü> Hsp|io«of»i(ü '«pafvsxai. 

8* 



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116 §• 11- Standort clor Schauspieler und deB Thors. Decoration etc. 

eine höhlenartige Wohnung in den Vögeln *). Fragen wir nun. 
\\\e diese Decorationen hergestellt waren, so ist es um so weniger 
zweifeliiaft, dass — abgesehen von einigen später zu berührenden 
Ausnahmen — die Malerei dazu diente, als mehrfach die axrjvoYpa'f la 
erwähnt wird. Nach Aristoteles gab Sophokles die Anregung zu 
derselben^), während nach Viti-uv zuerst Agatharchos für eine äschy- 
leische Aufführung einen Hintergrund gemalt haben soll**). Leider 
sind unsere Nachrichten zu dürftig, um diesen Widerspruch zu lösen '*); 
auffallend ist es, dass Aeschylos zw^ar in den vor Sophokles' erstem 
Auftreten gegebenen Persern ^) eine Decoration liatte, in den Sieben 



*) Arist. Av. V. 54: tu) TicsXe: iH-svs itjv irkpav. — Im allgemeinen ist das, 
was mit oos oder ootosi oder ooto? bezeichnet wird, als dargfestellt anzusehen. 
Vgl. Droysen, Quaestiones de Arist ophanis re scaeniea. Bonn 18H8, p. 2; doch 
finden sich auch Ausnahmen, wie Oed. Col. v. 898 die ^ci>|iot trotz too-sos nicht 
sichtbar gewesen sein können, üeber die sonstigen Kriterien, die Ausdrücke 
op«), o'V/ Opa?; die Imperative sy?, kafA, loo'i, die Verba zhisvat und sjuvat mit 
ihren Synonjmen und die Adverbien stoo), ^^uk svoov, sv^oO-sv, osüpo. iS-ooaC? vgl. 
MiTHL, Symbolae etc., p. 3 f. 

*) Aristo!. Poet. 4, 16: xal to ts twv »jTroxp'.Kuv tc^yjA-o? s^ e'^o? sie o6o 

") Vitruv. VII, Praef. 11: ]>rimum Agatharchus Athenis Aeschylo docente 
tragoediam scaenam fecit et de ea commentarium rehVjuit. Auch die Vit. Aesch. 
p. 121, 74 f. Westemiann: Tzofhxoc. AW/'Vuc. KOtiS-?^'. Y^'^v'.v.coTspo'.; xvjv tpotYüJO'otv 
Y^'j^Tj':-. TY^v ol "sxYjvYjV vAoz\irq'jt y.ai ty^v o'l/tv töjv ^süi^tlvuiv xaiJit/.YjCJ xy^ /.aimpo- 
TY^tt. '[OfÄ'^rj.1^ %*/• |JLY]yavai<;, ^üiixo*? Tt xal fi'fo'.?, GaXs'Yv'.v. JiooiXoi?, Mvv'.v»j-'., 
tö'K TS 'i?roxpiTa? y.^'f ^'' '^s'T'ioac; xal tu) G'ipiJ.aTi sJoYXui-sac:, n-iCo-:' xt zn\z. xoi%pvo'c 
fisTSüj&bac;. 

') Dahlmann, Forschungen 11, 1, p. 4H meinte, die Erfindung sei in der 
Zeit des Sophokles von Aeschylos gemacht. O. Miller, zu Völkel's Archäol. 
Xachlass, p. 149 ist der Ansicht, da der AVettkami>f zwischen Aeschylos und 
Sojihokles im .1. 468 stattgefunden und ersterer die Orestee im J. 458 aufgeführt 
habe, so sei es möglich, dass der erste Anstoss zu der neuen Kunst von Sojdiokles 
gegeben sei. Vgl. sonst AVklckkr, Aeschyl. Tril., }). 515, A. 804. O. MtiXKR, 
Aesch. Eumen., j). 108 imd Archäol. g. 107, 3; 185, 1; 13«, 2. Brunn, (lesrh. 
d. (rriech. Künstler II, p. 51. Sommerbrodt, Scaeniea, ]). 143 f. AVoerman'N, 
Die Landschaft in der Kunst der alten Völker, München 187H, p. 182. - 
BöTTRiKR, Kl. Schriften I, 401 leugnete das Vorhandensein gemalter Decorationen 
gänzlich; s. dagegen Schönborn a. a. ()., p. 30 f. und Lohpe a. a. ()., p. H 1". 
(tknelu, Tlieater zu Athen, ]). 55; 59 nahm für den unteren Theil des Hinter- 
grundes plastisch ausgeführte Decoration an; s. dagegen Schönborn a. a. (>., p. 34 

*) Ol. 7H, 4 — 473 nach der Didaskalie: ^7:1 Mivoivoc TpaYtüoojv Ai-y'/Ao; 
evixtt ^'.vsl, llipsai?, n.a6x(i>, lipojiY^^si. 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 117 

dagegen wieder zui* alten Sitte zurückgekehrt zu sein sclieint. Dass 
diese Kunst si)äter fleissig betrieben wui'de, steht fest*). Nähere 
Nachricliten über die Herstellung der Decorationen fehlen fast gänz- 
Uch. Für die Annahme, dass dieselben direct auf die Bühnenhinter- 
wand, d. h. so lange dieselbe ehie hölzerne war, gemalt wurden, 
spricht nichts; bei der späteren steinernen Wand wäre das geradezu 
unmöglich gewesen; es werden also bemalte Vorhänge angewandt 
worden sein, wie das in späteren Quellen auch berichtet wird ^) ; wie 
diese aber vor der Hinterwand angebracht wurden, ist nicht über- 
liefert; indessen ist es eine sehr ansprechende Vermuthung^), dass 
dieselben nicht unmittelbar an der Hintei*wand befestigt wurden, was 
nach Errichtung reich verzierter steinerner Wände schon des Statuen- 
und Säulenschmucks wegen nicht möglich gewesen wäre, sondern an 
einem hölzernen Rahmenwerke, welches jedenfalls so weit von der 
Hinterwand abstand, dass die Schauspieler zwischen dieser und 
jenem sich bewegen konnten. Der technische Ausdruck für die De- 
coration scheint :cpo37tTf5vtov*) gewesen zu sein. Wie hoch die Decoration 



*) Vitruv. VII, Praef. 11: ex eo mouiti Democritus et Anaxapforas de 
eudeiii rc scripseruut, quemadniuduni opurteat ad aciem oculoruni radidruiiupie 
extentiuuem certo loco centro coustitutu lincas mtione naturali rosiKnidorc, uti 
dv incerta re certae iniaj^ucs aediticioruni in scaeuaruni picturis roddcrent specieni 
et (|uae in directis plauisquc f'rontibus siut Hj^furata, alia abscedcntia alia pro- 
niiuentia esse videautur. I)iot(. Laert. 11, 125 nennt aus der Zeit Platu's den 
Klristhenes als Skenographen. \^\. Brunn, Gesch. d. (ir. Künstler 11, p. 215. 
(). Müller, Archäol. j^- <iS^4, 'S. 

^) In der}). 112 A. 8 citierten Stelle beisst es: ;xc:iO'.x'.Xjj.fvY^ ;:apa:ista3[ia:3i. 
1N)11. IV, 181 : xaiaJj"/»Yj|Jiaxa 02 'rfa'3jiaTa y^ -ivxv.sc YjS'/v s^/ovts; •,'r^'^'f ^^ ''^ /r'^'-? 
Ttü./ oj/ajidTiüv ::{iO"'f opo'j^ • xaii^ci/JaTO o' si:l TOt^ HtV.dxToo; of-o; o*iy.v'jvTa 
Yj {fa^aTTav Yj -oxaitov Yj a/j.o v, TOioOtov. Es bindert nicbts, den ersten 
Satz auf die Decumtion des Hinterj^undes zu beziebeu. Wikskler, E. u. (ir. 
a. a. O., p. 216, A. 72 tasst :r:va/.s; als Deconitionstafelu. Schönborn a. a. O., 
p. 85 spricht von Tapeten; Lohde a. a. ()., p. 7 von einer j^enialten Decorat ious- 
binterwand; Sommerbrodt, Scaen., p. 131: .,paries pictus"*. 

^) LoHDE a. a. O., p. 7 f. und Wie^eler a. a. ()., p. 216. Schönborn, p. 39 
meinte, die Decoration sei an den von ihm fälscbHcb (s. oben, p. 25 Anm. 1) 
angenommenen Balkouen der -xyjVYj betest igt gewesen. 

*) Athen. Xlll, 51, p. 587 13: 'Avxt'^'ivY,; o' iv t«) -if: STai^io» „irposxYiViov 
(•fYj^lv) snsxa/.s'TO Yj Ndvv.ov, ot: -po3uj;:öv xi UzziW/ cl/e xa: s/rtto /po^'lo:^ xoti 
IjtaT'oi; ::rjh}xi)>iz'., sxoOoa oz YjV 'x:r/|iOTaTY,.'* Phot. und Suid. s. v. Navv.ov: Wvii- 
•i^a'/Yj^ Ol fj vKoTSpo^ iv tm Tzzctl xo**/ Eta'.pcöv ttjv Notvv.ov 'fYj3'. ;:f«03XYjv:ov s;iovo- 
ILÖL^izd-ai o'.a To s4u>9*£v ^oxsiv 5Ö}jL0f»'f oxsf«av slvat. Die richtige Erklärung gab schon 
:Mel>ieke, f. CG. IV, p. 722; vgl. Philol. XXUI, p. 327. Wusseler, E. u. Ur. 



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118 §• 11« Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

an der Hintervvand hinaufreichte, lässt sicli nicht bestimmen *). Dass 
die dargestellten Gegenstände nicht ohne eine gewisse Kunst aus- 
geführt wai'en, zeigt das ChorUed im Ion des Euripides, in welchem 
der Chor die Metopen des Tempels beschreibt ^). Die Thüren der in 
der Decoration dargestellten Tempel, Paläste, Häuser, sowie die 
Eingänge der Höhlen mussten auf die in der Hinterwand durch Archi- 
tektur hergestellten Thüren gerichtet sein, um den Schauspielern das 
Auftreten zu erleichtem. 



p. 218 f. ebenso, jedoch mit einigen Bedenken ; vgl. m. Jahresb. Philol. XXXV, 
p. 310. Wecklkin ibid. XXXI, p. 449. Sommerbrodt, Philol. Anz. IV, p. 512 flf. 
Femer gehören hieher Suidas s. v. icposxTjvtov: zb Kpb xi^^ ox-rjvvj^ TCapajrttaojia. 
Gramer, Anecd. Paris. I, 19: st jiiv 5*^ irdvta tt< Ai3)^6Xq> ßooXsta: zä kz^i frjv 
sxy^vYjv eöpYjjJiaxa TtpoovIjjLStv, gxxDxAYjjj.ata xat Trsfiaxioü? xai (XYjyava;, i^utozpaq xe 
xal i:(>oox4jvia xal ^izxt'^ioLi^ xal xEpaüvooxo:cs?a xal ßf>ovt£ta xal ^eoXoYeta xal 
YSpavoü? xat :coo xal {ostt^a? xal ßaxpaytSa? xal xoO-opvot)^ xal taüxl la noixiXa, 
cüpjjLaxa T£ xal xaXoictpav xal %oknoi\i.a xal T^apanriyo xal ä^p*^^^^ ^'*'' 6iioxpirr]V eitl 
Ttt> SsDxepü) xöv xpixov • yj xal So^poxXrj^ ^oxw a xoüxwv irpooejiYj/avfjsaxo xal irpo3- 
e^sDptv, faxt xo!^ ßoDXopLSVotc 6itip xooxtov spijtiv xal iXxjiv sn' ä}j.(p(u xy^v ^Yjfi.'rjv 
xoö Xo^oü, wo "Wieseler, E. u. Gr., p. 216, A. 72 an Decorationstafeln denkt. 
Benndorf, Beiträge zur Kenntniss d. att. Th., p. 35 fasst bei Alciphr. II, 4, 5 
(s. o. p. 52, A. 1 u. p. 55, A. 2) TtpooxYjvioi^ schwerlich richtig als die übereinander 
gelegten Decorationen des Hintergrundes. — Es kommt für die Decoration jedoch 
auch oxy^'/Yj vor. Phylarch. bei Athen. XIV, 3, p. 614 EF: cptXoYsXiu^ 8"" «r^v 
xal AYjjAYjxpjo^ 6 noXtopxY|X7]5, tü^ 'fTjat ^6Xap'/o^ ev x-j sxx*g xwv toxopuibv * o^ f s 
xal „XYjv AoaijAd^oo aoXv^v xtujjLtxv]^ oxyjvyj^ o'j$£v ^ta'^ipstv" HsE^sv • „sjiivat Y^^p olk 
aoxYjg rtttvxa^ StaüXXaßot)^". Plut. Demetr. 25: Xot$opd>v et? xöv epu>xa xyj^ Aafiia^ 
eXe^e vöv ;rpd>xov ewpaxlvai iropvYjv :tpoepyo|iivT|V ex xpa^tx*?]? oxy^vY](;. Schol. Acsch. 
Choeph. V. 973: avotYsxat -rj oxyjvyj xal iicl ixxüxXYj|i.axo(; opctxat xa otop-axa. 

*) Schönborn a. a. 0., p. 32 f. sucht nachzuweisen, dass die sxtjvy^ in ihrer 
ganzen Höhe mit der Decoration bekleidet gewesen sei, wie denn (p, 149) Orcst 
am Schluss der gleichnamigen Euripideischen Tragödie auf dem Scenendache 
stehen soll. Danach würden jedoch die Dimensionen der Decoration zu be- 
deutend; zu Aspendos z. B. ist die sx*r]«>Y] etwa 26 m hoch. Lohde a. a. 0., 
p. 14 vermuthet ansprechend, dass zur Aufstellung der Flugmaschinen \md Hebe- 
zeuge eine über den Bühnenraum gebreitete Balkendecke hergestellt wurde; 
diese, welche in Aspendos 17 m über dem Logeion gelegen haben soll (dagegen 
AVieseler, E. u. Gr., p. 254, A. 147), würde passend eine obere Gränze der 
Decoration abgeben. Der höhere Theil dieser war vielleicht stabil und stellte 
den Himmel dar, was um so angemessener sein würde, als die Dramen nie in 
den Häusern spielten. Der ^Lsxrpa (s. §. 12) wegen musste allerdings dieses 
Stück des Hintergrundes der sxyjvy] näher liegen, als das untere, welches die 
Gebäude u. dgl. darstellte. Vgl. Philol. XXIH, p. 318 f. 

^ Eur. Ion v. 184 ff.; es versteht sich von selbst, dass die Malerei dem 
Wortlaut des Chorliedes nicht genau zu entsprechen brauchte. .1. Klinkknberg, 
Euripidea I. Progr. des Gymn. zu Aachen 1884. 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 119 

Ueber diese Thüren und ilir Verhältniss zu denen der Decoration 
ist noch Folgendes zu bemerken. Während, wie in §. 4 nachgewiesen 
ist, die Ruinen griecliischer Bühnengebäude meistens fiinf Thüren 
zeigen, bezeugen Pollux^) und Vitruv*), dass in der Decoration 
höchstens drei dargestellt waren. Wenn nun an beiden Stellen be- 
richtet wird, dass neben den beiden Seitenthüren der Decoration an 
jeder Seite sich noch eine Thür befunden habe, so liegt die Ver- 
muthung nahe, dass diese beiden letzteren jener vierten und fünften 
Thür der Ruinen entsprachen; indessen ist aus anderen Notizen mit 
Sicherheit zu schliessen, dass dies nicht der Fall war und dass diese 
Thüren nicht in der Hinterwand lagen, sondern mit dieser parallele 
Eingänge zur Bühne bildeten^). Dies zeigen auch die erhaltenen 
Dramen. Im König Oedipus wird Kreon (v. 77 ff.) ebensowenig 
durch eine im Hintergi-unde liegende Thür aufgetreten sein, als 
Odysseus und Neoptolemos bezw. Odysseus und seine Gefährten 
im Philoktet und im Kyklops, in denen nur eine der Hintergrunds- 
thüren für den Eingang zur Höhle verwandt wurde. Von besonderer 
Wichtigkeit für diese Frage sind solche Scenen, in denen die Schau- 
spieler und der Chor nach demselben Ziele hin abgehen, und zwar 
die ersteren auf der Bühne, die letzteren in der Orchestra, wie das 
z. B. in Euripides' Alkestis v. 739 bei der Bestattung der Alkestis 
und am SclJuss von Aeschylos' Sieben bei der Beerdigung der beiden 
Brüder vorkommt. Li beiden Fällen, in denen zu der Annahme, 
die Schauspieler hätten sich mit den Leichen in die Orchestra, oder 
die Choreuten sich auf die Bühne begeben, durchaus kein Grund 
vorUegt, wird das Spiel nur dann verstanden werden können, 
wenn beide Factoren sicli nach derselben Richtung liin bewegen; 

') Poll. IV, 124 : ipiiwv ok xiuv xaxa it^v sxt^vy^v O-opcöv Y| \iiz'r^ - > -, '^i ^£ osjta 
. . .• Tj 0» apistsp»«'. . . 126: :rap' h%d'zzpfA ol tu» ouo ö-optbv xcuv icepl xy^v jj.ioYjV aXXa: 
o'io sitv av, |jL'la exaxsptoö'sv, Hf>&? aq at icepiaxxoi soixffaXTjfitaiv. 

*) Vitruv. V, 6, 3: ei (anguli) auteni, qui sunt iu inio et dirij^mt scalaria, 
erunt numero VII, reliiiui quiuque ncaenae designabunt compositiunem , et unus 
medius contra se valvas regias habere debet, et qui crunt dextra ac sinistra 
hospitaliorum designabunt compositioueni , extremi duo .spectal)unt itinera ver- 
surarum. 

') Vitruv. V, ö, 8: secuuduni ea loca (die Stelle der Periakteu) versurae sunt 
prueurrentes, quae efticiunt una a foro, altera a peregre aditus in scaenani. Et. 
M. p. 653, 7: ::otp.'/oy.Yjvtot al si; x-rjv 3xyj'/Yjv a'^o^yz^i: zizoW., Bekkkr, Auecd. (Ir., 
p. 292, 12: napot'SXYjV'.a ssxtv iizo^oi al »•$ xyjv sxyjvyjv aYO'j^ai. Phot. s. v. Tcapa- 
oxYjvta: al et30§ot al sl^ xyjv oxyjvyjv. Mehr s. oben, p. 51, A. 2. 



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120 §• 11- Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

daliingegen wiiixle das Verständniss in holiem Grade erschwert, wenn 
die Schauspieler schliesslich durch eine in der Hinterwand gelegene 
Thih' verschwänden und somit eine von dem Wege des Chors ver- 
schiedene Richtung einsclilügen. Lelirreich ist ferner die Scenerie 
in den Acharnern. Hier sind drei Thtircn der Bühnenhinterwand 
in der Decoration durch die Häuser des Dikäopolis, Lamachos 
und Euripides in Anspruch genommen; lägen nun die vierte und 
fünfte Thür ebenfalls in der Decorationswand, so würden alle Per- 
sonen, welche nicht aus jenen Häusern auftreten, aus der Hinter- 
wand erscheinen, also auch Amphitheos (v. 175), der doch, als vor 
dem V. 204 durch einen der Eingänge der Orchestra auftretenden 
Chor der Acharner fliehend, mit diesen von derselben Seite her auf- 
getreten sein muss. Hiezu kommt, dass das Theater zu Epidauios, 
wie bereits bemerkt ^), derartige Seiteneingänge zeigt. Ist demnach 
anzunehmen, dass auch im fünften Jahrhundert von den fünf Thüren 
der Hinterwand durch die Decoration höchstens drei in Anspruch 
genommen wurden, ausserdem aber zwei Eingänge von den Schmal- 
seiten her auf das Logeion führten^), so entsteht die Frage, zu 
welchem Zwecke jene durch die Monumente bezeugten beiden äusser- 
sten Thüren der Hinterwand gedient haben, und es drängt sich die 
Vermuthung auf, dass durcli Ennchtung zweier mit der Bühnen- 
hinterwand pai'allelen Vorderwände und zweier auf jener senkreclit 
stehenden Seitenwände zum Zweck der Aufführungen Paraskenien 
aus Holz hergestellt wurden, durch welche die Zahl der für die 
Decoration zur Verfügung stehenden Thüren der Hinterwand auf 
drei beschränkt, jene Seiteneingänge geschaffen und für den Aufent- 
halt sowold der Schauspieler unmittelbar vor dem Auftreten, als des 
Regisseurs während des Spiels sowie für mancherlei sonstige Zwecke 
unentbehrliche Seitem-äume hergestellt wurden^). Daim fühi-ten die 



S. oben p. 27, A. 4. 

") Schönborn a. a. ()., p. 45 ft". sucht irrthünilich zu zeijrcn, dass die 
fünf Thüren sämmtlich in der Hintcrwaud lagen, und dieser Fehler i)flanzt sich 
dann durch das ganze Buch fort. Ihm foljjt Droyskn, Quaestiones de Aristo- 
phauis re scaenica. Bonn 18^8, namentlich p. B8. Vgl. meine ausführliche Er- 
örterung der ganzen Frage Philolog. XXIII, p. 299 f. 

') V^4. WiKSELER, D. d. B., p. 19 zuTaf. U, 13, meine AuHführung Philol. 
a. a. O. und Wieseler, E. u. Gr., p. 254, A. 148. Ob die Seitenwände 
dieser Paraskenien die Bühnenhinterwand berührten, oder nicht, wo dann im 
l(»tzten Falle ausser den fraglichen Seiteneingängen an jeder Seite noch ein Ver- 
bindungsweg zwischen der Bühne und den Paraskenien vorhanden gewesen wäre, 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Thors. Decoration etc. 121 

beiden äussersteii jener fünf Thüren der Hinterwand aus dem 
Bühnengebäude in die Paraskenien und stellten die Verbindung jenes 
mit diesen her.' Die Erriclitung dieser Paraskenien war in Theatern 
ohne Seitenflügel, deren Bühne seitwärts durch einfache Mauern ohne 
Eingänge von der Umgebung abgeschlossen war, durchaus erforder- 
lich, war aber auch in Theatern, welche, wie das in Epidauros, in 
den Seitenwänden bereits durch die Architektur hergestellte Ein- 
gänge hatten, nothwendig, wenn man nicht annehmen will, diiss von 
der Seite kommende Personen direct aus dem Freien und auf einem 
Wege, der mit den Räumen des Skenengebäudes nicht in Verbindung 
stand, aufgetreten seien ; auch in Theatern, welche fünf Thüren und Seiten- 
flügel ohne Eingänge hatten, war ein Bedürfiiiss für diese Paraskenien 
vorhanden; nur Theater mit fünf Thüren und Seitenflügeln mit Ein- 
gängen hätten dieselben entbehren können; solche Bühnen aus grie- 
chischer Zeit sind aber nicht bekannt. Bei der gi*ossen Bedeutung 
der Thüren für die Decoration kann es nicht auffallen, dass die von 
Vitruv*) und Pollux^) gegebenen Charakteristiken der verschiedenen 
Arten der Scenerie sich wesentlich an die Thüren anschliessen. 

lässt sich nicht bestimmen. Wenn Wikseler, a. a. O., p. 224, A. 119 iür 
solche l*oll. IV, 126 anführt, wo es nach den p. 119, A. 1 citierteu Worten lieisst: 
Y| |X£V ^jziiä xa s^to iroksüi^ ovjXoO^a, y^ o' STspa xa sx ;c6X*a);, näXt^xa xa Iv. Xi^i- 
vo«;* xal ö-soo^ X£ ö-aAaxx'loo? z'xä'(V. X'/t ^idvö-' o-a sjroi/ö-s'SXcpa ovxoc r^ n-r^'/a'/r^ 
•fEpstv ao'jvaxEi, so beweisen diese Worte nichts; vgl. Philol. XXXV, p. 323 f. 
(eine Stelle, welche Wecklein in Bnrsian's Jahresberichten XIX, p. 640 niiss- 
vei-standen zu haben scheint). In s})äteren Zeiten, als man eine scaena ductilis 
hatte, waren solche Verbindungswej^e zur Bergung der nach beiden Seiten hin 
weggezogenen Decorationen allerdings erforderlich. 

*) Vitruv. V, 6, 8: ii)sae autem scaenac suas liabent rationes explicatas ita, 
uti mediac valvac ornatus habeaut aulae regiae, dexti*aac sinistra hospitalia. .. . 
genera autem sunt scaenarum tria, unum quod dicitur tragicum, alterum comi- 
cum, tertium satyricum, horum autem ornatus sunt inter sc dissimili dispari(pie 
ratione, quod tragicae deformantur colunmis et fastigiis et signis reli(iuis(|ue 
regalibus rebus, comicae autem aediticiorum pi-ivatonnn et maenianorum habent 
speciem prospectusque fenestns di8i)ositos imitationo communium aedificionnn 
rationibus, satyricae vero ornantur arboribus si)eluncis montibus reliciuiscpie 
agrestibus rebus in topiarii speciem deformatis. Diese Bemerkungen haben eher 
allgemeine Geltung, als die des Pollux. 

'^) Poll. IV, 124: xp'.ojv ^jk xtov xaxa xtjv ^xyjVtjv rt-opmv -r] {Jlssyj |jlcv flasiXatov 
•^ 3:ri]Xoitov yj oIxo«; sv^o^o? yj ;räv xoO :cpü>xaY"*'''-'X'>0 (so Bekker, früher tcäv xo 
:if>(oxaY(ovi3X0öv) xoo ^p^itiaxo;, y] ok os^ta xo'> 0;üX2(>aYtuv:3xoOvxo; x^xa^oiY-'^"' * ''i ^^ 
ap'.axspa xö eoxsXs'Sxaxov lysi TCpoatuirov y] ispov £;Yjf»YjpopLsvov, yj ^xoixo? saxtv. (125) 
h ^h xpaY(j)3tqt yj jjlIv Ss^'« 0"jpa ^ivwv saxtv, sipxxYj o^ yj Xf*:«. xo ^k xXbtov ev 



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122 §• 11- Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

Auch die durch die Paraskenien hergestellten Seitenwände der 
Bühne blieben nicht ohne Decoration, indem neben denselben je ein 
auf einem Zapfen ruhendes und drehbares dreiseitiges Prisma, :t3(>i- 
axTog, angebracht wurde, dessen Seiten mit zum Hintergrund passenden 
Decorationsstreifen versehen waren*). Die Höhe derselben sowie 

xü>/Aü)oiot ;cap.dx£tTat ;:apa xtjv olx'lav, ;rapotrtSTa3jj.ai: By^Xou|i*vov. xat soxi jülIv stad-- 
(XÖ5 OitoCoYiwv, xal al ö-opa: aüxoö jjlsiJo'j? ooxoös:, xaXo'jjjisvat xXtstd^c^, ;rpo? x6 
xal xot^ djjLdt^ot? sbsXa'jvstv xal xd axsoo'fopa. sv os 'Avxt^dvoo^ 'Axsoxpfa xai 
ipYaaxYjp'.ov Y^f'^vsv (rechts und links vom Standpunkte des Schauspielers). 
Offenbar gi-eift Pollux einzelne Fälle heraus und trägt dieselben in confuser An- 
ordnung vor. Er vermischt zwei Principien der Anordnung, das nach der 
Gattung der Dramen, insofern ßasiXsiov, OKYjXatov und o:xo< Moio^ auf Tragötlie, 
Satyrdrama und Komödie, Ispöv ziy]^'ri\i.itiiiM/ov und arA-Ao^ auf Satyrdrama und 
Komödie gehen, und das nach der äusseren Stellung der Rollen, da npwxaYm- 
vt-sxoO und ^s'jxspotY«>v'.3xoövxo? hier nicht in dem später zu erörternden tech- 
nischen Sinne gebraucht, sondern vom Glänze der Hollen zu verstehen sind^ 
z'yxzKhz'Azov irpoaioKov bezeichnet eine untergeordnete Rolle ; 8t{>xx*i] ist ergastulmn, 
Sklavenwohnung. x6 xXiaiov . . . iiap'xicsxdsji.a':; 5yjXo6|jl5vov betreffend, hat man 
an Malerei gedacht; es ist jedoch dadurch angedeutet, dass der fragliche Ein- 
gang keine Thürflügel hatte, sondern nur mit einem Vorhange verhängt war. 
S. Wieseler, D. d. B., p» 81 zu X, 10; X, 3 und A, 29. Ferner beachte man 
Hcsych. s. v. 03(>pi56Y0|i.f 0: : TtoXa: kippst; r/oosat sapaR*xd3|yLaxa und die oben 
}). 36 A. 2 citierte Inschrift vom Theater zu Pergamon. Vgl. im Allgemeinen 
Schneider, Att. Theatei-w. A. 106; G. Hermann, Opusc. VI, 2, p. 173; Geppbrt, 
Altgr. Bühne, ]>. 122 f.; Sommbrbrodt, Scaenica, p. 132 f.; Schönborn a. a. O., 
]». Uff. und A. 18; Philologus XXIU, p. 320 f.; Wecklkin ibid. XXXI, p. 442 ff. 
*) Poll. IV, 126: Ttap' exdxspa ^h xiuv Suo O-o&mv xwv ji.pl xy^v jjlegy^v äXXa'. 
o»jo clsv dv, |i,'>/ exaxspcüO-sv, Tipö^ d^ ai :rjptaxxoi 3'j|xji£tc^y'^^'^> '0 H-^^ os^id xd 
ziiti JioXjcu^ OY^Xoü3a, Y] 0' exEpa xd ex jioXstu^, jj.dXt3xa xd ?x Xi|ievo<;" xal O-eoo? 
XE ^oiXaxxioix;, sTcdYsi, xal TidvO*" 03a i;taytJ-£3XSpa ovxa 'q fJ^Y^"//^vYj '.fspsiv doovaxs:. 
= • o'sTiisxpacpsleV al ::*p'axxoi, yj osjtd |Jilv djislßei x6 Kdv, dfji^oxcpa'. $i •/U}pfjL'^ u^aX- 
Xdxxoo3iv. Die nähere Erklärung dieser Stelle s. §. 13. Vitruv. V, 6, 8: secundum 
autem spatia ad ornatus comparata, quae loca Graeci itsptaxxoo? dicunt ab eo, 
<piod machinae sunt in his locis versatiles trigonoe habentes singulae tres species 
ornationis, (juac, cum aut fabularum mutationes sunt tuturae seu deonmi adveutus 
cum tunitribus repentinis (wahrscheinUch Verwechslung mit der von Poll. IV, 130 
erwälinten * ::£plaxxo^ 6'}y]Xyj, dem x£paovo3xo;rs'.ov, vgl. LoHüE a. a. 0., p. 18; 
anders Schönborn, p. 39), versentur mutentcpie speciem omatiouis in fronte. 
Servius ad Verg. Georg. III, 24 : scaena, (juae fiebat, aut vei*silis erat aut ductilis 
erat, versilis tum erat, cum subito tota machinis (juibusdam convertebatur et 
aliam pictiirae faciem «»stendebat, ductilis tum, cum tractis tabulatis huc atque 
illuc species iiictuine nudabatur iuterior. Plut. De esu carn. I, 7. p. 996 B: 
xY^v Oft dp'/Yjv xoü ooY}J.axoc oxvoj |jlsv sxi xü> X6y«> xtvsiv, tu3:tsp vaöv sv yst|itt»v'. 
va'ixXYjpo^, tj M-Y]yavYjV aipi». ;totYjx'.xo^ dvYjp sv {l-saxpcp axYjvYj^ iCspi^spOjjLSVYj«;. Id. 
De gloria Athen. 6, p. 348 E: r/d-sv jjlIv ^yj :rp03ixui3av oit' aoXoi(; xal Xopat? 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 123 

die etwaige Befestigung am oberen Ende lässt sich nicht bestimmen *). 
Die Annahme, dass die Periakten zugleicli mit der Decoration der 
Hinterwand eingeführt wurden, lässt sich zwar aus den Dramen nicht 
beweisen^), jedoch stehen derselben wesentliche Bedenken nicht ent- 
gegen 3). 

Das Hyposkenion ^) und die Parodoi^) bUeben ohne alle Deco- 
ration in ihrem durch die Architektur hergestellten Zustande. 



ä^o axYjvr^; Ksp'.axToa;, xal ipiiro^a^ sji'.vtxio'j^ xo|i.'Covt»;. Poll. IV, 131 s. oben 
S. 1 17 A. 2. Nicht zu erweisen ist die von Sommerbrodt, Scaeu., p. 134 aufgestellte 
Ansicht, dass ursprünglich die drei Seitenflächen der Periakten mit je einer 
Decoration aus den drei verschiedenen Gattungen des Drama versehen ge- 
wesen seien. • 

*) Wenn AVieselbr, E. u. Gr., p. 224, A. 1 19 meint, die Periakten hätten 
Zugäuge gebildet, so muss er sie so aufstellen, dass sie in Lücken der Seiten- 
wände der Paraskenien standen, wobei jedoch ihre Decoration schwerlich recht 
zur Geltung gekommen sein würde; daher erscheint die im Texte befolgte Auf- 
fassung als richtiger. Nach Wieseler wären die Periakten am oberen Ende in 
den Paraskenionswänden befestigt, nach Lohde a. a. O., p. 14 dagegen in der 
für die Maschinen bestimmten Balkenlage; ihre Höhe wäre dann der der gc- 
sammten Hintergnmdsdecoration j(leich gewesen. Die Annahme ist jedoch nicht 
uhnc Bedenken, da die Höhe der Periakten zu bedeutend wäre und die Balken- 
lage zu weit vorspränge. Es wird also besser iiyend eine andere leicht herzu- 
stellende Befestigung? anzunehmen sein. 

*) Auf Periakten deuten die Anfangsverse von Sophokles' Elektra und der 
Anfang von Euripides' Helena. 

') Der (»rammadker in Cramer, Anecd. Paris. I, 19 (s. oben, p. 117 A. 4) 
schreibt ihre Erfindung dem Aeschylos zu; ihm folgt Sommerbrodt, Scaeu., p. 1B5. 
Niejahr, Quaest. Arist. scaen., p. 8 — 12 leujriiet die Existenz der Periakten in 
classischer Zeit, geht darin aber zu weit; v^rl. Philol. Anzeig. IX, p. 623. 

*) Die Abbildungen bei Wieseler. D. d. B. IV, 4 und IX, 15 lassen auf 
architektonischen Schmuck des Hyposkenions schliessen, der zu dem des Theaters 
zu Epidauros stimmt und einfacher ist, als der in Athen erhaltene; auf Malerei 
vielleicht die Abbildunj^en ibid. III, 18; IV, 3; IX, 14. Nirgends findet sich 
aber eine Spur von Schmuck, der am Hyposkenion erst zum Zweck der Auf- 
führuuffen angebracht worden wäre. Daher sind die von Genelli (a. a. O., p. 71) 
und Geppert (a. a. O., p. 115) angenommenen Verkleidungen des Hyposkenions 
zu verwerfen. 

*j Aristot. Eth. Nicom. IV, 2: otov . . . xaifimooii; yo^Yj-ftuv ev tij Tcapoom itop-;p6- 
poiv gi3'f Epiov, to3itep» ol Mrfrxpii<; ist ein Spott über die Grossthuerei der Mej^areuser 
im Allgemeinen und beweist nicht, dass die Choregen in Megara den Eingang 
zur Orchestra mit Purpur ausgeschlafen hätten. Cfr. Aspas. zu d. St. ; zfy^^z(; 
SV xüip.(]>8ta Tza^fAKZxoL'siiaxrjt. osppsi; KO'.stv oh irop'f oftöa^. . . . ota-sopoviou ^af» oi MsYa- 



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124 §• 11« Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

Um nun die Frage beantworten zu können, ob in der Ordiestra 
für den Chor besondere Vorkehrungen getrofl'en werden mussten, 
haben wir uns nach Anleitung der erhaltenen Dranien das Spiel des 
('hors zu vergegenwärtigen, und da ergiebt sich zunächst, dass der Chor 
der Bühne naJie stand. Dies wird im Aias des Sophokles^), im Ion-) 
und in der Medeia^) des Euripides, sowie ni den Ekklesiazusen ^) 
des Aristophanes geradezu ausgesprochen. Zu demselben Resultate 
führt die Betrachtung einiger lebhaft erregter Scenen, in denen der 
Chor, oder wenigstens der Chorführer den Schauspielern so naJie 
tritt, dass er sich geradezu an dem Spiele derselben betheiligt. In 
Euripides' Helena^) tritt der Chor dem Theoklymenos und in Sophokles' 
Oedipus aufKolonos*) dem Kreon in den Weg, in den Acharneru^) 

louaap'lwv 6 y-aTap^a? xiupp^ia^ Ms-fapcü^. cu^ cpopx'.xol loivov xal '{'O/pot oiotfiäX- 
Xovtai xal rtop'f opi^i yptujijvot £v r§ irapoocp. Vgl. von Wilamowitz-Möllendorf, 
Hermes IX, p. 328. Unter Tzapo^o^ dürfte hier indess wohl einer der Zugänge 
zur Bühne zu verstehen sein. Anders Welcker, Gr. Tragöd. III, p. 1301: 
Geppert a. a. 0., p. 115; Wjeselkr, E. u. Gr., p. 198, A. 86; p. 213, A. 59. — 
Von der Anwendung rothen Leders spricht Suid. s. v. ^opiLo^i eypYjaato 5s 
Kpuixo^ ev§üji.ata itoS-fjps: xal 3X7]v^ ^fpfidtiuv foiv.xaiv, eine Nachricht, die sich 
auf die Anfänge der Komödie bezieht und schwerlich für attisches Theater- 
wesen Geltung hat. Vgl. Beknhardy, Gr. Litt. Il'', 2, \k 516 f. 

^) Süph. Ai. V. 1182: 6[ie:<; is \i.r^ •^o'^r^iY.z^ avx^ avoptov irjXa? :iap23Tat\ 

") Eur. Ion. v. 510 f. ; AposjcoXo: y'»'^->^£?> '^^ xtovo' ajjitpl xpTj;r!oa; 5&|jlu>v 
i>«)oo6xt«v '^po6pYj/x' £you3at os3::ötyjV 'i-uXdsssis. 

^) Eur. Med. v. 135 : zk ä|i.'f.i:6Kö'j -(oip £3u> {JL-Xocifpoo -(rjoy s'xXoov, v. 1293 : 
Y'Jvaixs«;, at zr^zo* sY*p*S s3toit£ zxr^r^q. 

*) Arist. Eccl. 1114: ü|J.st; &\ 03'/.: iiapestax^ eicl xaistv ^ö^aiq. In allen 
diesen Fällen wird der Chor angeredet, und es liegt durchaus kein Grund zu 
der Annahme vor, dass er aul' der Bühne gestanden habe. Dass einige Male 
der Staudpunkt des Chors ein entfernter genannt wird, ändert an der im Texte 
befolgten AuftaHsuug nichts. Eur. Cycl. v. 635: -fifJ-ei; /asv £3Jjl-v }j.axpoxapov npo 
x(öv ö-fjptuv Esxwxs? diD-stv zq xöv O'fO-aXjAov xo ko^ wird dies nur in Bezug auf 
eine bestinmite Handlung gesagt, imd aus Soph. Oed. Col. v. 164: ;roXX« xsXs'j- 
fro*; ipax'ki ist nur zu entnehmen, dass eine Distanz zwischen dem Chor und 
dem Schauspieler sich befindet; ausserdem sind die Bezeichnungen nah und 
fern relativ. 

^) Eur. Hei. V. 1627: ohxoq ü>, not 3iv ;r6o* alpc'.c, osareox', s; iroiov fovov; 
und die folgenden Verse bis 1642, wo die Dioskiiren erscheinen. Hier wird 
sich die Chorfiihrerin allein auf die Bühne begeben haben. 

^) Soph, Oed. Col. v. 856: XO. i-b/s; aoxo6, izivz. KP. iir^ '}aösiv )A'(Ui. 

XO. OUXOl 3^a'fYj3U>, XIUV>£ Y^ £"X£pYJ|J.r>0;. 

') Arist. Ach. v. 325 f.: XOI*. o)^ xgö-vrj^tov Izd". vjv;. AIK. otj^oji.' ocp' 6|xä; 
£-(<'>. otvxan-oxxcVüj Y^p 'JfiJv to>v 'f'.Koiv xo'j^ 'i»:Xxotxo'JC' w«; s'X"* Y' '\"*''' ^.'^''^ip^'^?» ^'^? 
aTC03cpa4u) Xaßu»v. cfr. v. 333. 



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§. 11. Standort der Schauspiclor und dos Thors. Dccoration etc. 125 

dringt er auf den Dikaeopolis ein, so dass dieser im Stande ist, den 
acharnischen Greisen einen Kohlenkorb wegzunehmen; in demselben 
Stücke *) will der eine Halbchor den Dikäopolis schlagen, \N*ird aber 
von dem anderen Halbchor zurückgehalten ; in den Rittern ^) nähert 
sich der Chor dem Wursthändler so weit, dass er ihm ein Salb- 
gefiiss und Knoblauch ehihändigen kann; in den Vögeln^) end- 
lich macht der Chor einen förmlichen Angriff auf die Bühne. In 
allen diesen Fällen ist durchaus keine Andeutung davon vorhanden, 
dass der Chor sich schon vorher auf der Bühne befunden habe. 
Endlich steht es fest, dass der (>hor einige Male für längere Zeit 
die Bühne betritt. Bei Aeschylos findet dies zunächst in den 
Sieben*) statt; in den Schutzflehenden geschieht es sogar zweimal '*) ; 
im Prometheus ^•) erscheint der Chor zunächst auf der Bühne und 
begiebt sich ei-st später in die Orchestra; dasselbe ist in den (^hoe- 
phoren^) und Eumeniden'*) der Fall, und hi den Persern^) geleitet 



M Arist. Ach. v. 563 f.: HM IX. ciKk" ooxi yaipojv Tafita xr/Kii-rpr. hi-^vy. 
MM IX. o'iTO^ -3'') TtrA O-si^, o'j jxsvsl;: tue: t\ ^tvtl^ xov avopa toötov, aot^vc apiKj- 
-Ti Taya. 

*) Arist. Eq. V. 490 f.: v/t vov, aXst'j^ov tov xpayfjXov loottüi, :•/ i^oXi-iH-avtiv 
O'j'/ijj tac ^'.aßoX'4^, v. 493: v/3 vr>v. sTirfxa'lov Xajiwv xa^L 

') Arist. Av. 353 f.: EVE. xoox^ sxsivo- -o? '^o-fiu ^o^x^vo;: II Kl. ooxo;, o'j 
uLsv='(;: KTK. W »j-o xooxoiv oia'^ooTj [)■(?*; und die fol^ondon Verse bis v. 400, wo 
der Chor mit den Worten avaY^ H xa|iv ::aXiv i; xa'*)Tov wieder in seine Stellung 
zurüek^eht. 

*) Aesch. .Sept. v. 95: Koxjf»a Zr^z v^ut ;:ox'.:rsatü Ji,osxYj oaijxoviuv lietritt der 
Chor die Bühne, die er v. 265: xai k&o? y* xoüxoic, sxxic o'yz ur^aKii^L'^o}^/, vr/yj 
xi xpjb-uj 4o[j.jiayofj; ?:vaj ^sof)^ wieder verlassen hat. 

^) Aesch. Su]>])l. V. 222 ff. : iravxtov $Viv/ixx<ov xdivo- xotvoß(»|i.iav asßc^iV. sv 
aYV(j> Z'^kzii.h^ d>; Ke/.siaodiv r^s-sJ^s nähert sieli der Chor dem Altar auf der Bühne; 
V. 506 ff. : 15 A. v.Xaoo'j? juv aoxoO Xsl?:?, ^yjjis'.ov irovoo. \0. xa: 5yj ^cpe X^titw. ys'.f/l 
xar Xo"(Oi^ oiiV?v. HA. Xsopov xax^ o/^ao^ vOv SÄt'SxpE'fO') xo^s geht er wieder in die 
Orehestra. Vgl. Wkcklein, Philol. XLIIT, p. 713 f. Für das zweite Mal sind 
die Worte v. 832: ^/tv? '^'>^^ ^f'^^? aXxav und v. 954: 'j}i.st? ^s :rä-3at ^'J'«' 'fiXai; 
h-fAfi'A ifpaGO-: KfAfjr.hzfx'. '3Xo7?x' s-ispxTj itoXiv und das Lied v. 966 ff. signifioant. 

*^) Aeseh. Prom. v. 129: '«p-iXia -focp yj^s xa^i; Tcxspo^"*'' ^^^'^•'? '^P-'-'*'*''*'? ^P^"^ 
xovos TTo^ov. Der T'ebergang in die Orchestra wird durch v. 279: xat vov sXa- 
'X-;/ü> -0^1 xjia'.rvo'süxov {^äxov rpoXiKoO-;' a'i**ipa li-* a^'/ov -opov otO)vu>v öxpiof^-Y; 
yifovt xY't K-KOi bezeichnet. 

^) Aesch. (^hoeph. v. lOff. : xi yp*?]}J.'ii Xs^-s-vO); xtc -oiV yjo^ ojA*rj*f'j&!C ix^iysi 
Y'jvatxuiv '^aps':'v //.cXaYyi^ot; -f^siroo-sa; erscheint der Chor aus dem Palaste, 
scheint aber die Parodos v. 22 ff. in der Orchestra zu singen und am Schluss 
des Stückes in den Palast zurückzukehren. 



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126 §• 11- Standoi-t der Schausjiielt'r und des Chors. Dccoration otc. 

der Chor den Xerxes zum Sclüuss über die Bühne in den Palast. 
Während bei Sophokles Beispiele fehlen, finden sich solche bei Eu- 
ripides wieder häufiger. In der Helena*) begleitet der Chor die 
Helena in den Palast und kehrt später aus demselben über die 
Bühne in die Orchestra zurück; im Orest'^) tritt der Chor in 
der Orchestra auf, begiebt sich dann an das Lager des Orestes 
und verlässt die Bühne erst nach wiederholter Aufforderung; im Ver- 
lauf dieses Stückes hat der Ciior noch einmal Veranlassung, die Bühne 
zu betreten^); in den Schutzflehenden ^) ist er von vornherein auf 
der Bühne und wird erst später angewiesen, sich in die Orchestni 
zurückzuziehen. Auch in der Komödie finden sich Beispiele. In 
den Rittern *) tritt zwar der f vhor in der Orchestra auf, begiebt sich 
aber sofort auf das Logeion und verweilt dort in zwei Halbcliöre 
getheilt längere Zeit; in den Wespen**) folgt der (Jhor dem Hülfe- 
ruf des Philokieon und bleibt auf der Bühne, bis er vom Bdelykleon 
vei-scheucht wird; im Frieden") betritt der (>hor die Bühne auf Auf- 

**) Aosch. Eumon. v. 185: ooto: ?6|jlo!3'. xrAzo- yy.ikzxtz^ai r.^izv. wird dpi- 
Chor vom Tempel wpj? in die Orchestra verwiesen. 

*) Dies ergieht sich aus der Comhination von Aesch. Pers. v. 10H8; SK. 
ot'jXTOi; t^ oojiooc x»? und v. 1076: XO. irE|i.'i(i> toi zz ^o-sO-poo»; z'*^ yjoi^, 

') Eur. Hei. v. 327: O-eXo) oI x^yw zrA -'jv=t?s).l>-siv ocjao^, diese Absicht 
wird V. 330-385 ausjfefiihrt; mit dem Liede v. 515 — 527 kehrt der Chor wieder 
in die Orchestra zurück. 

*) Eur. Or. v. 132: at^^ ao za^tiz: •zol^ sjjiot; {^p,y^vfjjj.a^t 'x-iXat $'>vü»oot. Aul- 
treten. — V. 147 : Io\ 6ctps|jLa»av u»; 'iK o&O'f ov '^spiü j^ooiv, Hinaufp^ehen auf die 
Bühne. — v. 170 f.: oox cn'!»" yj|jloiv, o-jx arC oixtuv saXiv ava ::ooa aov stXi^--?« 
/is8's^sva xToiiov; erfolglose Aufforderunjf wej?zupfeh(n. — v. 183 f.: xioirov •'j^'i- 
Yjt\ ö'V/l zlyA z'^'ffA '^'jXas^ojjLSva aT6[iaT0^ ayaxiXaoov ar^o ).r/*o; r^z^y/y* onvoo /a&'.v 
::'jtp6ie'.?, ^piXa: zweite Aufforderung; v. 298 ist der Chor wieder in der Orchestra. 

*) Eur. Or. v. 1251 : "xy^iV al jiev 6ji.ü»v tovo* d(xot^Yjf>Yj xp^ijiov. at o* ivO-ao' 
a/.Xov oi|JLov g? ^poupotv ^ojjlüjv. Vgl. 1258 ff.; v. 1365 ist der Chor wieder in der 
Orchestra. 

*) Eur. Suppl. V. 8 ff.: s; xi-:?* ^ap iV/J'Vx^' inYjuJ&iuLyjV xaos v&oi»);, ai 
).t-o5aat ooiftrxx' '.\f»Y--'''*? '/^^'*h^ txxYjpi iWaXü» rpo*37:txvo'j3' iji^v -(ovo. v. 3.59: 
a///.\ o» Yspa'.a'l, 5£|xv^ a^aipslxi oxe^pYj jj.Y]Xjio^. 

'") Arist. Eq. V. 247: Tcah TJtXt xiv navoopY^-v *''•• I^or Chor ist v. 304 
wieder in der Orchestra. 

**) Arist. Vesp. v. 403: 8'.k? jtoi. xt ^tD./.ojisv xivsiv jxeivYjV xy^v /oXyjV xxa. - 
V. 458: o'V/l oori'3<J'\ oox s; xopaxa?: oox aiitx?: -ot:? xu» 5'J'-t*> >tf'*- 

^) Arist. Pac. 426: a/j.ot xai^ «»i'/'.^ stciovx-c <oc x-i/t-xa xo'jc ).iiVi»j; ft^ft/- 
xsx?. - Y. 550: KI*M. \^\ v'jv. av-ti:? xo''>c Y^"*f'V'''>> ärtlvoti. TIM*, 'xv-r^'n-t X?ü 
xot><; Y^tupY^^? anif/ai xxX. 



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§. 11. Standort der Schauspieler nnd des Chors. Decoration eic. 127 

forclerung und verlässt dieselbe auf Befehl des Trygäos; in der 
Lysistmte *) begiebt sich zuerst der Chor der Männer, dann der der 
Frauen auf das Logeion, und beide kehren später getrennt in die 
Orchestra zunick \ am Schluss dieses Stückes kommt endlich der La- 
konerchor aus dem Burgthor und beginnt dann seinen Tanz in der 
Orchestra. Indess muss diese Stellungsveränderung immerhin mit 
einiger Unbequemlichkeit verbunden gewesen sein, wie aus mehreren 
Stellen zu schliessen ist, an denen es die Oekonomie des Stückes 
nahe legt, den Chor auf die Bühne zu rufen, dieser sich aber weigert, 
der Aufforderung Folge zu leisten und in der Orchestra bleibt. Bei 
Euripides will im Hippolytos^) der eine Halbchor das Logeion be- 
steigen, um der Phädra Hülfe zu bringen, der andere ist jedoch 
abweichender Meinung und verweist auf die Dienste der Haus- 
sklaven; in den Bakchen^) fordert Dionysos den Chor auf, den Pa- 
last des Pentheus in Brand zu stecken, wozu derselbe die Bühne 
hätte besteigen müssen, der Chor weist aber auf die auf dem Grabe 
der Semele brennende heiUge Flamme hin und bleibt in der Or- 
chestra; im Kyklops*) soll der Chor, als Odysseus dem Polyphem das 
Auge ausbrennen will, Hand anlegen, entschuldigt sich jedoch mit 
mancherlei leeren Ausflüchten. 

Auch auf andere Weise wird der Chor abgehalten, die Bühne 
zu betreten. Im Aias des Sophokles'^) wird er von Tekmessa 
ersucht, ihr auf die Bühne zur Hülfe zu eilen; die gleich darauf 
ertönenden Schmerzensinife des Aias lassen ihn aber die Sache nicht 



* j Arist. Lys. v. 2b6 : a)X tu^ tayisia Tz^b^ t:oX:v '37:E')3tt)|j.*v, tu <l>tXoöpf * ^-'c'»- 
(Chor der Männer). — v. 326: akka xfißoojiai toos, ^ojv »j-stspoiroü^ ^or^^Ot (Chor 
der Frauen). — v. 476 — 483 Ahzuj^slied der Männer; v. 539 — 547 Abziigslied 
der Frauen. — v. 1242: o» soA'jyapt^a. Xa^e t« ^üsarrjp'.a. ;*/ h^ut ^tiroo:«^«» y^ 

*) Eur. Hippol. V. 782 ff. : UMIX. '^iXat. xi opJjjisv; •/] §oxst Tispav oo^om;. 
Xü-ai r ava^^av gj sKt-STTot^ioj v ßf»6y tuv; UMIX. xiZ^: oo izol^zizi TzpozKOKO'. v?av'oii: 

*) Eur. Bacch. v. 594: Ali)\. «ttts xspaüv.ov ait%:ra Xa}i:rdt?a* zöiwu^r^z 
^'j^^Xq-e ^lojJLaxa IlsviS-siü^. HM IX. -op» oh Xs'jaar.^ ooo^ ao^^iCe'.? ilsjieXa; bpov 
OLiL'j>\ Td'fov xxX. 

**) Eur. Cycl. v. 630 ff.: <^A. afe vov ^kco; a'^^s's^e too oaXoö yspotv -Iziii 
jj.oX6vT~?* otaiiopo^ S^e^xlv xaXoi^. XOl*. ooxoov 30 xä^i'.^ oooxiva^ ?rpu»xoo? /f^ccuv 
xaoxov jjLoyXov Xaßovxa;; sxxdsiv xo 'fo»^ K6xXü»7:o; xxX. ; v. 635 f. s. ohen j). 124 
A. 4; V. 637: r^iLtl^ os yotKrA 'f dp»xi(«c 7s*fsVYj^£iSa xxX. 

''•) Soph. Ai. V. 328: ukk Jj ',tr/»oi. xootüiv y«P oüvsx' s^xd/.YjV, äp-fjV** sis-"/.- 
•^dvxß^ si ^üvasO-i XL 



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128 §• H- Standort der Schausjiieler und des C-h(»rs. Deooratinn etc. 

weiter verfolgen. Bei Euripides in der Hekabe*) ist der Chor ge- 
neigt, dieser zum Beistand die Bühne zu betreten, kurze Zeit darauf 
tritt aber Hekabe selbst aus dem Zelte hervor; in der Andromache*'*) 
richtet die Amme eine ähnliche Aufforderung an den (vhor, doch 
kommt Hermione alsbald aus dem Hause; in den Schutzflehenden**) 
wünscht Adrastos, die Mütter möchten zu den Leichen ihrer Söhne 
heran und auf die Bühne treten, indessen ist Theseus anderer Meinung, 
und Adrastos lässt die seinige fallen; im Ion**) endhch fragt der 
Chor, ob es gestattet sei in die Nähe des Tempels zu kommen, 
wird aber vom Ion abschlägig beschieden. 

Aus dem Vorstehenden ergiebt sich mit Sicherheit, dass der 
(Jhor der Bühne nahe stand, dass es ihm möglich war, mit den 
Schauspielern rasch in Berührung zu treten und dass er sogar die 
Bühne schnell besteigen konnte, mochte dies auch mit einiger 
Schwierigkeit verbunden sein. Aus der baulichen Einrichtung des 
griechischen Theaters ergiebt sich aber mit gleicher Sicherheit, dass 
die Ausführung aller dieser Dinge ohne weitere Vorkehrungen ge- 
radezu unmöglich war. Denn da, wie Vitruv lehii und das Theater 
zu Epidauros bestätigt^'), das Logeion sich über die Orchestra um 
10 bis 12 Fuss erhob, so würde bei der Annahme, dass der (Jhor 
auf dem ebenen Boden der (3rchestra stand, zunächst die Ungereimt- 
heit entstehen, dass der Clior nur etwa bis zur halben Höhe des 
Logeions hinangeragt und bei seinen Gesj)rächen mit den Schau- 
spielern wie aus einem Keller zu diesen hinauf ges])rochen hätte. 
Da femer, falls wir das Theater zu Epidauros **•) für die classische 
Zeit als Norm annehmen dürfen, jede Verbindung zwischen dem 
Logeion und der Orchestra fehlte, so würde eine Berührung des 
(>hoi*s mit den Schauspielern und die Möglichkeit das Logeion zu 
besteigen ausgeschlossen gewesen S(»in. Da aber die oben aus den 
Dramen gefolgerten Sätze durchaus sicher sind, so ist anzunehmen, 



*) Eur. Hec. v. 1042 f.: ßo'i/.s^iV £::s37:s'3(i»p.?v : u)C axfiY^ xaXr« 'Kxaß*^ -ao^lv«-. 
Tptüdaiv xz -s'ijJLjJLot/ooc, v. 1044 tritt Hekal>e auf. 

'"*) Eur. Androni. v. 817 f.: üjuic oi fAzai töjvoj ^üjnaxüiv F-soj ifavottoo v.v 
Ex/.'j3oi'30's , V. 823 tritt Hemiione auf. 

') Eur. Suppl. V. 941: h\ J» "JxKrk'.^frßx p.Y|Tf&3C, Tfxvüiv -?Xac. HIIY. ^^/.izS 
"Aof.ot";':?, toOto ;:po3'fop»ov \k'[z\z, v. 947: AAl*. vixo:c xtX. 

^) Eur. Ton. v. 219: zk lot t^jv ;iaoi va&v ot'jotü, O-sjj.!«; y'^^'**"'' o-?f»^YjVat iks'jxiw 

*) S. oben, p. 24, k, 1. 
ß) S. oben, p. 24, A. 3. 



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§. 11. Stiimlurt der SchauHpioltir und des Clmrs. Decoi-atinii etc. 129 

(iass eine besondere Vorkehrung für den Chor getroft'en wurde, welche 
demselben die Möglichkeit gewährte, das wirkUch auszufiihren, was 
die Dramen lehren. Diese Vorkehrung kann nun in nichts Anderem 
bestanden haben, als dass in unmittelbarer Nähe des Logeions in der 
Orchestra ein Gerüst aufgeschlagen wurde, welches nur um weniges 
niedriger war als die Bühne, dem Chor aber den geeigneten Stand- 
punkt verschaffte, und dass dieses vermittelst einiger vielleicht etwas 
schmaler Treppenstufen mit dem Boden des Logeions verbunden 
wurde. Die Existenz eines solchen Gerüstes ist bezeugt *), und dass 
der für dasselbe gebrauchte Ausdiiick ^(x^Xt) ein Gerüst bezeichnen 
kann, steht auch anderweitig fest^), namentlich wird das Geiiist für 

') Poll. TVj 123: xal ax*r]'/Yj p.lv fjsoxp'.Tojv i^tov. vj ok hy/y^z^rt. toO yr,^rth^ 
iv -J xal Yj i%jie/»Tp ?its ßr^ji« v. oh^rx sits ßojjio;. Anthol. Gr. ed. Jae. Tom. T,, 
p. 100, Epijjramin des Simmias Thel>.: tov z- yo^ol^ jJLsX'Vxvta üo'foxXsa. ::at5a 
iIo',piXo'j. Tov tpaY'.xYjc: Mo''}zr^(; azxipa Kexposiov, :toX).axt? tv iS-oiasa-^oi xal ev 
oxYjV-J3t xeiV^Xo»; ^Xa'.ao; Wyaovirr]^ ni'S'zh^ sp*'}? xo|i.TjV xxX. CIU H750, (Ti*al)- 
schrift der Schaiis])ielerin Basilla: ty]v iroXXoi? Zr^ikoizi 'xa^o^, TcoXXa:^ fA 
izfjfstzzif ^ojav '^(o'/Tis^-jav svl ^XTjvalai Xaßoö^av :iavtoi7]? -up^tTj? sv p.st}i.ot?. stxa 
yopot^i -oXXotxig EV iJ'oji.iXai? xtX. Phryniehos l)ei Hesych. s. v. y' '^^spH* -i^«"^'-*«* ' 
opctjia Se iaitv, sv o) ty^? iS-oji-sXtj^ apysxat ooxiu?* il'ocwviov aax«) Xittovxs^ xai opo^spav 
''Apa^ov. wo walirscheinlicli sv o) xa oitco xyj-; iS-op-eXY]^ zu schreiben ist, um das 
Chorlied zu ])ezeichnen; v^l. Wkcklein, Pliilol. Rundschau 1884, Nix). 37. Isidor. 
Oricfjif. XYITT, 47: thxTnelici autem erant musioi soaenici, qui in orjjanis et lyris 
et eitharis praecinel)ant. et dicti thymelici, quod olim in orchestra stantes 
cantabant su]>er pulpitum, quod thymele vocabatur. Schol. Aristid. III, p. 53H 
Dind.: ajisivov oov Yjfia^ lit^-^o.zrxs^ai, Zv, o yop^^* oxs eta'ßsi ev x-j op/Yj-ixpa, y^ 
(so statt Y^) £3x1 {fü}xsXYj, s5 apfsxspwv oi'*»xYj!; s'.rripysxo, vj(l. § 16. Vitruv. V, 7, 2 
ita tribus centris hac descriptione ampliorem habent orchestram Graeci et scae- 
nam reeessiorem minoreque iatitudine pulpitum, c|Uod Xoye'.ov appellant, ideo 
(juod eo tragici et comici actores in scaena perajfunt, relicjui autem artifices suas 
jier orchestram i)raostant actiones itaque ex eo scaenici et thymelici ^raece 
sej>aratim nominantur. Schol. Arist. Eq. 149: oi; ev ifrijjLsXjjj yj avi^aive, v^l. 
Philfd. XXXV, p. 326. Vielleicht gehört, hieher auch Schol. Aristid. TTI, p. 444 
Dind.: xojjiuj^TjO'ci? ('AXxi^i'i^*^?) Y*"^?* """^p^ K''>iro/.'.^o? sppi'!/sv aoxiv sv xf^ iV/Xixx-^ 
iv ilixsXi« ^o-sxpaxs'jojisvov si-ojv • Bdffxe jis (besser ^utzxz^ ii) sv iS-oiuX-ijjstv, cycu 
oi s- x'jjxa':'. icovxou ^'x^txiCojv oXsaco vijj.a-'. Kixpoxaxoi? (ähnlich Cramkr, Anecd. 
Paris. I, 7; vjrl. Cic. Att. yi, 1, 18: quis enim non dixit K'^SiroXiv xov xYi(; otpya'.a? 
ab Alcibiade navijjante in Siciliam deiectum esse in mare? redarguit Eratosthenes, 
affert enim, (|uas ille post id ipsum fabulas docuerit und Lfrbkr, Observationes 
criticae in histoi-iam veteris Graecc»rum comoediae. Berlin 1883, p. 22. PiccoLOMiNr, 
Sulla morte favolosa di Eschilo, Sofocle, Euripide, C'ratino, Eupoli. Pisa, 1883), 
wenn hier nicht ifoiieXai in der übertragenen Bedeutung fiir Gesänge steht. 
■-) (tIoss. Philox. ed. Vulcan., p. 176, 18: pulpitum, tJ-ujir^Y], oavt^tujia em- 
:rsoov. Charis. I, p. 552, 18 Keil : pulpitus ^üueXyj. 

Hermann, Lehrboeh III. II. q 



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130 §• 11. StÄndort der Schauspieler und des Chorf«. Pecoration etc. 

Auleten und Kitharoeden *), sowie fiir den kyklischen Chor mehrfach 
so genannt-). Auffallend ist nur, dass dieses AVort, welches zunächst 
an ^os'.y erinnert und in classischer Zeit von Dichtern für Altar*) 
oder Tempelhalle*) gehraucht ^^^rd, zu jener Bedeutung gelangt 
ist. Uehrigens scheint 9"3»jtiXrj erst eine jüngere Bezeichnung des 
Gerüstes gewesen zu sein; ein Grammatiker warnt geradezu vor 
diesem Gehrauche imd empfiehlt die Bezeichnung öfz/TjOTf^a als die 
richtigere ■*). Es kann nicht hefremden, das man sich hei der Viel- 
deutigkeit ^) des Wortes {J^j'iiXr) im Laufe der Zeit verschiedene Vor- 



') Thora. Mag., p. 179 Ritschi: i^ixiXfjv ol otpy//io'. avxl toö {fo^iav exil*'0?jv, 

aXXo'. T'.vs; a-fui^/i^o'^za: jjlcu^'.xyjV. Strabo X, 9, p. 468 Casaub. : idiv jio'jgivuov =i^ 

'ffioKa^tia^ Tps-ovxo» xotc xf/vac sv xo:? 50jJLT:oaioi<; xal iS-oii-s/yx»; xal axYjvat; xai 

aXXo'.c xo'.o'ixo'.;. Darüber, dass in den Odeien runder Form sich dies Gerüst 

in der IVIitte befand, vpfl. oben, p. 68 A. 3. 

-) Pratinas l)ei Athen. XFV', 8, p. 617 C: xi; o iV>poßo(; oBs: xi x^^s -zu 

)^opS!j|jLv.xa; x''(; rijip'* 'V'>Xsv sttI Atovy^iotoa ^roXoTrotxaYa iS-oiJLsXav: T^lpian. ad Dem. 

Mid., p. 532: ixsXsos '(cio h vojioc; xohc. ^svofj? TrpoaxaXnv npo^ xov apyovxa, xooi; 

$1 ax?{j.o')? £r:Xa|ji3'iv*':0*a: xvj? /*'p^'? "''•''^' si^YS'-v sx x*?]? i%|tiX*f|c. 

*) Aeschyl. Suppl. v. 667: xa* Y-p'^f''^^'' ^ps^J^oxo^oxo». •pf^'^vtwv ifo}iiXai. 

Eur. Suppl. V. 63: sjxoXov ^£;t;rooo'j? IVsow fl"j|j.lXa;. Eur. Ion. v. 46: fj-izi^ zt 
^oalXa? o'.Ofybai ttj/oO-o/io; y^v. Ibid. v. 114: -poroXEa/ia oci'^pva;. ot xav <l>oiJio'i 
O-ojjLsXav zrv.r^v,:; h-Rrj vaolc. Dies bestätigfen folgende (4rammatikerstellen: Hes. 
9. V. fl-ojjiXaf ol [icüjjLOi. Id. iS-'jjisXtj' oox(i)C sXr^ov ano xvjc i^-oyjXyj? xov ßiujiov. o: 
^j xo j-in'jp^ov. 1'^' fih stc'iS-öoogiv, •?] »oafoc '.soov. Schob Luc. De saltat. c. 76. 
Tom. V, p. 327 Lehm.: iH-oitlX-fj. o ^jm\),hz oltzo xoo I^os'.v. Cramer, Anecd. Oxon. 
II, p. 449: t)">}j.eXa' • oi ßtopLo». otico xoO iS-'W-tfa: yj v.^fz^Ai. Et. Gud. p. 266, 44: 
t^DiJLsXaf xootTJsC'it', opyYj'Sst?' Ai-syOXoc xo»)^ ßuiiJLO'jc Xr^si otro xoö iS-s^iVxi (richtiger 
D-uc3tS-ai) Yj uKo xo5 xifl-s^iV/t. — Eustath. ad Iliad. VIII, 441, p. 722, 25: ßtü}io; 
0«) fiovov l'i-' «ov 5iS-oov, otXXa xal xx'.-jjLa xi otirXü>? xal avoi3XYjji,a, £:p' o') s-sxi ^Yjvai x? 
xal xnS-rjva'. zeigt die Möglichkeit eines Bedeutungsübergangs, auch ist zu vgl. 
Füll. IV, 123 oben, p. 129 A. 1. 

*) Eur. El. V. 713: i%jj.sXa'. o' j-txv/vxo "/^»o'SYjXaxoi. Eur. Ion. v. 161: 
00; T:p6C i^'jjJiiXa? aXXoc spi^-s: x'jxvo(;. Ibid. v. 226: ?l jj.jv et)"j3ax2 TteXavov . . . 
rrapix^ £; *^')|jLsXa;. Burg bedeutet es Eur. Iphig. Aul. v. 151 : -otX'.v ijopjjia . . . ItX 
K»jxXü>t:{i>v islt; i^opLsXot?. 

•'*) Phrynich., p. 163 Lob. giebt zunächst dasselbe wie Thom. Mag. oben 
A. 1, setzt dann aber hinzu: zh jjlevxo:, svifa jisv xoijjLcuocl xal xj^aY^ool siYtovi- 
^ovxo-.'.. Xo^EiOv stiele. r/O-a os ol aoXYjXal xal ot yopol, opyrpxj/av. jrr, Xr,'£ ?l fl'j- 
}x?XyjV. Uober Suidas s. v. 3xy]vyj und Hes. s. v. Yf^afiixat s. unten. 

•*) T^ebertragene Bedeutungen von if')|xsXYj sind Tanz, Et. Gud. ]). 266, 44 
H. oben A. 3; ebenso (.'vrilli Lex. bei All)erti ad Hesych. I, p. 1743, und 
Gesang, Phit. Gallm 14: vjv Zt TäXfiav Trpo^ioova'.. xlva i*ovov »j.YjXpo? s-j'xaXo'Jvxac 
Yj a^pa^Y^v -^o'^rxiy.öq, Yj ::olav aloooaevo'j; (♦o|iiXYjV Y| x[>aYO)oiav xoO aöxoxpaxopO(; ; 



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§. 11. Standr>rt <lt*r Schauspieler und des ChorP. Decoration etc, 131 

Stellungen von der Th}Tnele des Theaters gemacht hat. O. Mi llek 
hielt dieselbe für einen dem Dionysosaltar, um welchen die dithy- 
rambischen Chöre vor der Ausbildung der Tragödie ihre Tänze 
ausführten, entsprechenden, im Mittelpunkte der Orchestra belegenen 
Altar, um den sich der Chor gruppierte und tanzte, auf dessen 
Stufen der Chorführer seinen Platz fand und der im Anschluss an 
die Handlung des jedesmaligen Dramas seine besondere Bedeutung 
und Ausstattung erhalten habe. Im Agamemnon z. B. habe er die 
xotvoßtojjita der argivischen Agora dargestellt und sei als solche mit 
Altären und Statuen versehen gewesen; ähnliche Ausstattung habe 
er in den Schutzflehenden des Aeschylos gehabt und in den Choe- 
phoren und Persern das Grab des Agamemnon bezw. des Dareios 
dargestellt *). Ganz abgesehen aber davon, dass diese Altäre und Grab- 
mäler ihren Platz auf der Bühne gehabt haben, übersah O. MCllek, 
dass der dramatische (Jhor schon wegen sehier viereckigen Aufstel- 
lung sich nicht wohl um einen Altar gruppieren konnte. G. Her- 
mann, der die th|iiX7j ebenfalls für einen Altar hielt, b€»hauptete 
daher, um diesen sei nur für den dithyrambischen Chor ein 6[jyipzrjOL 
genannter Bretterboden gelegt worden, während man für den drama- 
tischen Chor zwischen jenem Altar und dem Logeion ein ebenfalls 
als rjrjyipz^joi bezeichnetes Gerüst aufgeschlagen habe^). Wieseleh 

vielleicht Schol. Aristid. III, p. 444 Dind. s. oben ji. 129 A. 1. Der Bedeutunjzs- 
übergfanor erklärt sich in beiden Fällen leicht. Endlich ist if'j|i.£).Y| auch für die 
Bühne jrebraucht. Et. M., p. 653, 7: -apot'sx-fiv.a: z'^yy/r^ ^A e3tiv r^ vOv i^jjlIXy, 
XsYojisvYj. Phrjn. bei Bkkkkr Anecd., p. 42, 23: tS-opXrj: vov ^Iv ö-ojieXyiv xaXoOjxcv 
TT|V Tou ^BOLxpof) axTjVYjV. Suid. t^ojijXtxot • ot h o-oitf^bs'. t4]v zkyyry/ eK'.?stxvo|i.cVOt. 
Plut. Demetr. 12: toöiov jjtiv ryy/ zizizrfit^ ex?'vü) rapj04jXa|)Lev, T(b «Tti toO flYjiJLaTO^ 
(dem Redner) liv oltzo ty,? O-ojxeX-r^? (den Schauspieler). Id. »Sulla 19: xotorr^': xa 
s::iv'lx'.a Tr^^ 1^^^'/^]^ Yj^sv sv HY|pat; tcsj;; tyjv ( )'.^'.:r65s'.ov xf»YjVYjV xata-xs'jaaac ö-oijls- 
Xy]v. Ibid. 36: c>'jirr|V ^i|io'.; y'^'*"^'?- xal xii^-a^i^ip^iai^ xal ll"j|uX'xoi? avfl-pcu;:©'.^ ... 
O'jTOi "(ip Ol TOT? Trap" a'jnu O')vot|j.-vot ixi^iGiov Yjaav, 'l'ioax'.o? o xtü|xoj^o^ xotl 
loip'5 ap/'.jj.'jjLo? xal aMyjtoo^'.oc o Xo^imooc:. Mehr unten §. 26 und Wikseler, 
E. u. Gr., p. 228, A. 140. Auf der Verkennun^ dieses Sprachpfebrauchs beruhen 
mehrere der irrigen Folorerungen Höpken's. 

*) 0. Mi'^LLER, Aeschylos' Eumeniden, p. 81 und Anhang: zu dem Buche, 
p. 35 fr. Dapreoren trat zunächst Erftzsohr in seiner „Becension des Buches 
Aesch. Eumeniden". Leipzig 1834 auf. (tkppert, p. 112 flf. folgte Müller, dessen 
Ansicht, obwohl sie sich durchaus nicht beweisen lässt, viele Anhänger gefunden 
hat. S. Strack, das altgriechische Theatergebäude, p. 4: Vischer, die Jlut- 
deckungen im Theater des I)ir)nysr)s, p. 50. Vgl. hiei'über und zu dem Folgen- 
den Philol. XXTII, p. 337 ff. und XXXV, p. 303 ff. 

*) (t. Hermann, Recension von Müller'« Eumeniden, Opusc. VI, 2, j). 152 ff. 

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132 §.11- Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 

eiuUich wollte den Altar giuiz aus der Orchestra beseitigen und 
unter i)"ijiiXr^ eben jenes (xerüst verstehen*). Er berief sich dabei 
hauptsächlich auf eine Stelle des Suidas, die jedoch einer neueren Ent- 
deckung zufolge lückenhaft ist. überhaupt an l-nklarheiten leidet und 
bei unbefimgener Betrachtung doch für das Vorhandensein eines 
Altai'S spricht^), wie denn auch stets Opferhandlungen im Theater 



und N. Jenaer Littoraturzoit. 1843, Xro. 14H. 147. Vgl. Phrynichus, p. 163 Loh., 
s. «). p. 130 A. 5 und was dort sonst citiert ist. Neuerdings sind für die Her- 
MANN'sche Ansicht eingetreten Wkcklefn, Philol. XXXI, p. 439 ff', und Rohdk, 
Rhein. Mus. XXXVTII, p. 257, A. 2, während Petersen, Wiener Stiuhen VII, 
1». Hoff*, das (xerüst leu^iet. Doch s. Philol. XLV, p. 237. 

') WresELER, T^eher die Thymele des trriechischen Theaters, (löttingen 1847 
und E. n. Gr., p. 203 ff*. 

-) Suid. und Et. M. s. v. zv-r^vr^ (die Ahweiehnnofen des letzteren sind ein- 
geklammert): -y.TjvYj iaiiv -rj \iizr^ i)"ö{ia zoh y^toiz^o'}. ::apa^y.YjVta (;:sp'.5y.YjV.a) os 
TOI sv»l-sv %al svfl-sv (jvooJl-v) TYj; }ie3Y,c: i^'j{>a? (yaXv.ä v.'X'^Y.iKKrji), tvot ol (xotl tva) 

aOtiS^TcOOV elTCOi (oXYj'/Yj Y,) ^STOt TYjV ^V.YjVY^V sÖll"'>? XOtl TOt -apa'SXYjVt''/ ("sji'.'Sy.YjV!'/) 

Yj fjO'/rpx^a. aoTY] os eat'.v o toicoi; o ex "javiooiv sytov xo s^a'^oc. ot'^^ 0^ ) ♦^'^ 
i^TatpiCo'J3'.v ot jtI|J.o • 33t'. (nxa) jjlst« ty,v op/Yj^xpav jicujAo; (yjv) xoo A'.ovj^oo 
(':?Tp'iY<"v'5v o'.xooo;xY||ia %;V^>v s-l toö jis-so»)). o; (o) xaXsItai (^ojjlsXy] ::apa (-p^>?) 
To {>')S'.v. jJLSta 0^ lYjV iJ'ojjLeX'rjv •»] xr^v-GTO'/ (opyYjGtpa), toots-ti xo xaxoi soot'fo^ 
xo'j iS-saxpoo. Tn einigen Handschriften des Suidas steht o xaXslxa!, woraus er- 
hellt, dass die vorherpfehenden, im Et. M. erhaltenen AVoHe anstrefallen sind. 
Favorinus s. v. gxyjvyj stimmt fast ganz mit dem Et. M. überein. Bei der Er- 
klärung dieser Stelle geht Wieseler davon ans, dass unter opyriGxp'x das Xo-j'^Iov 
zu verstehen sei. Indessen lauten in einem Florentiner Codex des Gregorius 
von Nazianz (vgl. Hormes VT, p. 490) die Worte nach '/y)'öL yA'(v,2K\rA folgender- 
maassen: wv xa £vx^>q: xal xy]<; jjlegyi; iV>f.ac:, vj tva zrß.'^iz'zt^o^ «iTcto, gxy^^/Yj' jisxa 
xYjv oxYirrjV xx)v., woraus hervorgeht, dass die Stelle zwar auch jetzt noch lücken- 
haft ist, dass aber GXYjvri an zweiter Stelle des AOYsiov bezeichnet, also &p/Yj-xf»a 
im Sinne G. Hermaxn's zu nehmen ist. Dei Verfasser steht also auf dem Stand- 
punkte des Phrynichos und giebt die ältere Xomenclatnr der Theatertheile. 
Hiedurch ist die von Wecklein, Philol. a. a. 0. ausgesprochene Vermuthung 
bestätigt und die Stelle für AVip:seler's Ansicht nicht mehr anzuführen, die sich 
indessen von der (t. Hermann's wesentlich nur durch die Beseitigimg des Altars 
unterscheidet. Sommerbrodt. Scaen., p. 85 f. und 160 ff*, schloss sich Wieselkr 
an und nahm seine früheren Aufstellungen, Scaen., j). 22, zurück. Teber die 
Stelle des Suidas, in der ausserdem die Deutung der )i.k'ir^ Ifopa als -sxyjvy,. die 
•//Axöc yA-^^'AiWri.^ die Versetzung der Mimen auf das Gerüst und das x£Xf»aYtuvov 
o'xooojAYj}i.a xEvov E-l xoO ixe-so') auffallen, vgl. femer G. Hermann, Opusc. VT, 2, 
]). 145 flr.; Wkcki.ein, Burs. Jahresber. XIX, j). 640: Höpken, Tin>cinium philo- 
logum. Berlin 1883, y. 16: dens. De theatro Attico, p. 24; Kohde a. a. ().; E. 
Petersen, AViener Studien VTl, j). 175 fl'. und meine Ausführungen Piniol- 
XXIU, p. 338 und XXXV, p. 303, die jedoch etwas zu modificieien j-ind. 



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§.11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 133 

vorgeuoimnen wurden '). Zwar fehlt nicht nur uns, sondern auch den 
alten Grammatikern jede Anschauung der fraglichen Dinge, jedoch 
lässt sich schon aus dem Umstünde, dass das Gerüst überhaupt ^3- 
•liXT^ genannt werden konnte, schhessen, dass der fragliche Altar 
nicht auf dem ebenen Boden der Orchestra — xovtorf/a — , sondern 
auf dem Gerüste stand; und wir dürfen in dieser Beziehung an- 
nelunen, da^ss jener alte Dionysosaltar nach Ausbildung des vier- 
eckigen dramatischen Chors und nachdem man angefangen hatte, ein 
Genist für den Chor aufzuschlagen, seinen Platz in der Orchestra 
verlor und auf dieses Gerüst, und zwar, damit er die Tänze nicht 
hinderte, möghchst weit an die von der Bühne abgekehrte Seite des- 
selben gestellt wurde ^). Sein Name ging dann später auf das Gerüst 
über, und wiv werden gut thun, denselben trotz entgegenstehender 
Notizen der Alten beizubehalten, da die Bezeichnung of^yf^atfia leicht 
zu Missverständnissen führen kann. 

Was die Grösse des Gerüstes und das Verhältuiss seiner Höhe 
zu der des Logeions anbetrifft, so sind wir darüber nicht unter- 
richtet; in ei*sterer Beziehung ist jedoch anzunehmen, dass es für 
sämmtliche Evolutionen des dramatischen Chors hinreichenden Raum 
bieten musste, und in letzterer folgt aus dem oben Bemerkten, dass 
es niedriger war, als das Logeion •^). Da das Gerüst ferner dicht 

*) Et. M., !>. 458, BO: 0-j|j.e/xY,, r^ toO t^saif^O'j |ir/f'. vOv, ä;:o rr;; z^aKi^r^<; 

rtsC'^t ^^ V* s'-s"* Y,? s^KÖTi^ iv rot; a'^^rA^ "J^ov, jjlYjTtuj T<iv.v XaJio'JGYj^ tj>aY(j> vla^ : last 
ehenso Et. Orion., p. 72: i)-'i|i.£>.Y] :;apoi 10 Ik aorr^; zid-iz^ai xa *f')ö|i£va upcia* 
Tparer^a ZI YjV -f#6 toütoo, s^' y;; izzön-^ sv xol^ ^Y?'-*'*^ fi^'-'*''« ^'•*^^^t•* Tfiltv Aa^oosYj; 
TT^^ Tp'/Yiooia; ; Cyrill. Lex. l)ei Alberti zu HeKych. 1, \>. 1743: ö-oiieXy,, TpdireC«, 
hf Yji; e-^KÜTsi; iv tote ol-^^oI^ Joov uud Ö-ofis/.Yj xal y^ tj>ot::jia leiten die Tliyniele 
fabehlich aus dem alten Anrichtetische ab. AVieskler, L^eb. d. Thyniele, p. 20 ti'. 
und E. u. (tr., p. 204 f. hat sich dem angeschlossen: man habe diesen Tisch zur 
Verrichtuujf des Brandopfers benutzt uud zu diesem Zwecke ein Hir^o^^ry/ dtii*auf 
gestellt. Indessen hat dem Urhel>er obiger Notiz wohl der Tisch vorgeschwebt, 
von dem Poll. 1\\ 123 sagt: sXtö; 0' YjV xparsCot apyata, s'f"* y^v -f*o Hsairioo; 
•?<; z'.q äva^a; loi': /of^s'jTa:; äirsxp'lvaio (vgl. oben S« 1) und aus dem die BUlme 
entstanden sein soll. Vgl. meine Ausliihrung Philol. XX 111, j). 341 f. Neuer- 
dings hat HÖPKEX, De theatn) Attico, p. 5 den von Pollux erwähnten Tisch 
wieder mit der Thymele identiHciert, doch s. AVkcklein, Philol. Rundschau 1884, 
Nro. 37. — Hätte der Altar seineu Platz auf dem Boden der Orchestra gehabt, 
so würde er bei der immerhin betrachthchen Höhe des (ierüstes nicht zur 
Geltung gekommen sein. 

*) ScHNKU)BR, Att. Theaterw., p. 74, A. 94 nimmt zwischen Thymele uud 



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132 §• 11. Standort der SchauRpielcr und des Chor«. Decoration etc. 

endlich wollte den Altar ganz aus der Orchestra beseitigen und 
unter l^)jiiXT^ eben jenes (jerüst vei-steben *). Er berief sich dabei 
hauptsächlich auf eine Stelle des Suidas, die jedoch einer neueren Ent- 
deckung zufolge lückenhaft ist, überhaupt an Unklarheiten leidet und 
bei unbefangener B(»trachtung doch für das Vorhandensein eines 
Altars sjiricht^), wie denn auch stets Opferhandlungen im Theater 

und N. Jenaer Litteraturzeit. 18415, Xro. 146. 147. Vgl. Plin'niclms, p. 16B Lob., 
s. o. p. 130 A. 5 und was dort sonst citiert ist. Neuerdings sind für die Hf.r- 
MANN'sche Ansicht eingetreten Weoklkin, Piniol. XXXI, p. 489 ff', nnd Rohdk, 
Rhein. Mus. XXXVTIJ, p. 257, A. 2, während Petersen, AViener Studien VII, 
j». 175 ff*, das (re^rüst lenjfnet. Doch s. Philol. XLV, p. 237. 

') Wieseler, Teher dii» Thyniele des (rriechisehen Theaters. Göttinnen 1847 
und E. u. (4r., p. 203 ff*. 

-) Suid. und Et. M. s. v. zv.r^Yf^ (die Ahweiehungren des letzteren sind ein- 
jifeklanimert): Iv-Tj^/Yj s-X'.v yj jis-Tj i)"öj>a to*") fl-saipoo. -apacxYjVia (:rsp»'.3XYjV'.a) os 
Ta r/il'tv y.al svO-sv (r/ooil-sv) ty,; ^-^''^j? ^'>y^^ (yaXv.ä Y.r/.'^Y.iu.rd.). hfA ol (xai Tva) 
^af£3T«pov sirw (^xYjVYj Yj) }XsT«x ty^v 3XYjVY,v sv)i)'»jc xal Tot 7:apa'3XYjV'.a (;:s{>i3xyjV'.'/) 
•'rj opyYj-sTpa. aorrj os e>t'.v o tottoc; o ex oavlodjv syojv lo soa'^oc. ot'^^ (^^ ) ^''^ 
tf;aT&u'>'^"'-v Ol }xtjJ-0 • E^T'. (stia) jJLeT« TYjV of.yYj5Tpoiv j^tojjio; (Y|V) Tor; A'.ovo^oo 
(T-TjiOffüjvov 0'xooo|jLY|jj.a xsv^vv STTi ToO JJLS30')). ö; (ö) xa/.siia'. ih)ji,EXY] Kapa (nj>^^;) 
To t)-'>s'.v. juLSTa 0^ TYJV iH'')|jLeArjV yj xovtsxpa (opyYjOXfia), to'jtjsii to xdioi soot'^o; 
xo'"* il-saijiO'>. Tn einijfen Handschriften des Suidas steht o xaXsliai, woraus er- 
hellt, dass die vorhergehenden, im Et. M. erhaltenen AVorte aussfcfallen sind. 
Favorinus s. v. -sxYj'/yj stimmt fast oranz mit dem Et. M. überein. Bei der Er- 
klänmg dieser Stelle jjeht AVieseler davon aus, dass unter 'jpyYj-Tpa das Xo^slov 
zu verstehen sei. Indessen lauten in einem Florentiner Codex des Gregorius 
von Nazianz (v}?l. Hermes VI, p. 490) die Worte nach /p'isot xot-j'XcXXa folgfender- 
maassen: o»v xa ivx^^; xr/i ri^i; ^e^tj; tS-^ifa?, vj Iva zfi'^kzxt^ry/ eittoi. r^tY^'/Yj* jisxa 
xYjv sxYi'/Yjv xxX., woraus hervorffeht, dass die Stelle zwar auch jetzt noch lücken- 
haft ist, dass aber ?xy]^/y| an zweiter Stelle des "/.oye'-ov bezeichnet, also op/Yj-xf#oi 
im Sinne (I. Hermann 's zunehmen ist. Dei Verfassersteht also aufdemStand- 
jmnkte des Phrynichos und giebt die ältere Nomenclatur der Theatertheile. 
Hiedurch ist die von Wecklein, Philol. a. a. (). ausjres])rochene Vemuithunjj 
bestätig und die Stelle für Wieseler's Ansicht nicht mehr anzuführen, die sich 
indessen von der O. Hermann's wesentlich nur durch die Beseiti^ni^ des Altars 
unterscheidet. Sommerbrodt. Scaen., p. 85 f. und IßOflf. schloss sich Wieseler 
an und nahm seine früheren Aufstellungen, Scaen., )>. 22, zurück. Ueber die 
Stelle des Suidas, in der ausserdem die Deutunjf der jj.Hyj ifof#a als 3xy^'/Yj. die 
yaXyä xaYxsX/vOt, die Versetzung der Mimen auf das (Gerüst und das Xcxp'r,a>vov 
o'.xoooixY^ji.a xsvov i-l xoO jxe-so'j auflallen, vgl. femer (t. Hermann, Opusc. VI, 2, 
p. 145 ff*.: AV'ecki.ein, Burs. Jahresber. XIX, j). <»40: Höpken, Tirocinium philo- 
logum. Berlin 188.3, ]». IH; dens. \)v theatn» Attico, p. 24; Botihe a. a. ().: E. 
Petersen, Wiener Studien Vll, i>. 175 ff', und meine Ausführunjjen Piniol- 
XXUI, p. 338 und XXXV, p. 303, die jedoch etwas zu medificieien j-ind. 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 133 

vorgeuomineii wurden '). Zwar fehlt uiclit uur uns, soncleni auch deu 
alten Grammatikern jede Anschauung der fraglichen Dinge, jedoch 
lässt sich schon aus dem Umstände, dass das Gerüst überhaupt ^)- 
liMXr^ genannt werden konnte, schHessen, dass der fragliche Altar 
nicht auf dem ebenen Boden der Orchestra — xov{'5Tf>a — , sondern 
auf dem Gerüste stand; und wir dürfen in dieser Beziehung an- 
nelunen, dass jener alte Dionysosidtar nach Ausbildung des vier- 
eckigen dramatischen Chors und nachdem man angefangen hatte, ein 
Genist für den Chor aufzuschlagen, seinen Platz in der Orchestra 
verlor und auf dieses Gerüst, und zwar, damit er die Tänze nicht 
hinderte, mögUchst weit an die von der Bühne abgekehrte Seite des- 
selben gestellt wurde ^). Sein Name ging dann später auf das Gerüst 
über, und wir werden gut thun, denselben trotz entgegenstehender 
Notizen der Alten beizubehalten, da die Bezeichnung o^jyrpzpa leicht 
zu Missverständnissen führen kann. 

AVas die Grösse des Gerüstes und das Verhältuiss seiner Höhe 
zu der des Logeions anbetrifft, so sind wir darüber nicht unter- 
richtet; in ei*sterer Beziehung ist jedoch anzunehmen, dass es für 
sämmtliche Evolutionen des dramatischen Chors hinreichenden Raum 
bieten musste, und in letzterer folgt aus dem oben Bemerkten, dass 
es niedriger war, als das Logeion ^). Da das Gerüst ferner dicht 

') Vj<l. 55 24. 

^) Et. M., p. 458, BO: 0-'j|j.s/vY,, y, toO ö-soiif^O'j |is/f'. vOv, Uizh vf^^ x^fAizi^r^^ 

zz^a ^^ Y|V, i'i^ Y,c zzzihzi^ 2v To:^ otYpoi^ -joov, ijLYjTTiu Ta4'.> AotJio'j^Yj? Tj>aY(uoia^: fast 
ebenso Et. Oriou., p. 72: ö-o/aeXy^ T:a(>a tö Ik ai>TYj; zid-iz&rxi 'Ja O-oofxsva Ispeia' 

Tf/aHi^'X Oft YjV Tlf^Ö TO'JTO'), S^' Yj; iz'MZt^ £V TO:^ «YpOi^ -JoOV, /JLYj^lUJ Zrj.^'.'/ X'/^OOSYj^ 

Tf^^ Tf^oc-f cooia; ; Cyrill. Lex. Ijei Alherti zu Hesych. 1, p. 174'i: ti-oji-sAY,, *:f»oi;isCa, 
£f^ Y,^ e^-coiiä? iv loic v{^ry.^ -Joov uud ö-o/xs'/.Yi xal Yj Tf<oiÄ?Ca leiten die Thyinele 
fälschlich aus dem alteu Aurichtetisehe ab. Wikselkk, Ueb. d. Thymele, p. 20 tt*. 
uud E. u. (tr., p. 204 f. hat sich dem augeschlosseu: man habe diesen Tisch zur 
Verrichtunfif des Braudopfers benutzt und zu diesem Zwecke ein £S'l-of*ov diiraul 
gestellt. ludesHcn hat dem Urheber obijjer Notiz wohl der Tisch vorgeschwebt, 
von dem Poll. IV, 123 sagt: sXso; o' yjv tfiot-sC'A «f^/aioi, s-f' y^v -pr> Hg^retoo? 
v.c, v,^ av''/J;oi^ Toi': /op:')xa:; oii:sx{>'vaTo (vj^l. oben S« 1) uiid aus dem die Bühne 
entstanden sein soll. Vgl. meine Ausliihi-ung Philol. XXlll, p. 341 f. Neuer- 
dinjfs hat Höpken, De theatro Atticij, p. 5 den von Pollux erwähnten Tisch 
wieder mit der Thymele ideutiHciert, doch s. Wkcklein, Philol. Rundschau 1884, 
Nro. 37. — Hätte der Altar seinen Platz auf dem Boden der Orchestra jjehabt, 
so würde er bei der immerhin beträchtlichen Höhe des Gerüstes nicht zur 
Creltung gekommen sein. 

') SoHNBU)BR, Att. Theatei-w., p. 74, A. 94 nimmt zwischen Thymele uud 



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134 §-11. »Standort der Schauspieler und des Chors. .Decoration etc. 

an den Vorderrand des Logeions stossen musste, so folgt, dass die 
bei Aeseliylos in dem Prometheus, dem Agamemnon und den Eume- 
niden sowie bei Euripides in der Iphigenie in Aulis, der Elektra und 
den Troerinnen vorkommenden bespannten Wagen nicht in der Or- 
chestra ersclieinen konnten, sondern auf die Bühne zu verweisen 
sind ^). Mitunter, in Aeschylos' Choephoren % in Euripides' Rasen- 



Logeion eine Differenz von 5 Fuss, G. Hermann, Opusc. a. a. 0., p. 153 nur 
eine solche von 2 Fuss an. Wieseler, Ueb. d. Thymele, p. 304 begnügt sich 
mit allgemeinen Erwägungen. 

*) Obwohl dieselben bereits von G, Hermann, De re scaenica in Aeschyli 
Orestea, p. 6 (Ed. Aeschyli, Tom. II, p. 65) aus der Orchestra verbannt sind, 
hat ScHÖNBORN sie infolge seiner falschen Ansicht von der Lage der Seitenthüren 
wieder in dieser zugelassen, vgl. p. 163, p. 204 und sonst. Dass gegen die 
Erscheinung von Pferden und Wagen auf dem Logeion nichts einzuwenden ist, 
hebt auch Wecklein, Philol. Anzeiger XIII, p. 441 hervor. — Die einzelnen 
Fälle sind Aesch. Agam. v. 782, wo der Wagen erscheint, und Agamemnon auf 
die Aufforderung der Klytämnestra v. 905: vöv ^s jjloi, -^iXov xdpa, fxßaiv' otTTf;- 
vY^*: vfp^s V. 940 absteigt. Der Wagen bleibt indess stehen, da Kassandra v. 1039: 
sxßa'.v' aKY^^rr]; trpos und v. 1054: siO-oO X'.Tzobza. töv?^ dtjxa^'fjp'r] O-povov noch auf 
demselben sich befindet und erst v. 1294 aussteigt. Der Wagen fährt dann nach 
der anderen Seite der Bühne zu ab. In den Eumeniden ist die Sache bestritten, 
vgl. SrHÖNBORN, p. 217; indessen ist wohl entscheidend v. 405: xw/vot^ axjjLaiot^ 
xov8* lKi^vji'i.3 oyoy; v. 489 scheint der AVagen wegzufahren. Im Prometheus 
lassen einige die Okeaniden durch die Lufl herabschweben, vgl. Schönborn, 
p. 217; doch ist dagegen Clewicht zu legen auf v. 135: s'jO-TjV ^^äizPyXo^ o/w 
ntsptoto» und V. 279: xal vOv sXa-fjxu -o^l xpat:iv6'3»>xöv O-äxov ;ipoX:::o'Ja', vgl. oben, 
p. 125 A. 6. Das Richtige giebt C. Fr. Müller, Die scenischc Darskdluug des 
äschyleischen Prometheus. Stade 1871, p. 13. Bei Eurii)ides kommt Andromache 
mit Astyanax auf einem Wagen Troad. v. 568: 'Kxa^r^, Xs'jsar.^ rr^vo' 'Avof/o- 
jjLa/fjv ^ev'.xot^ ZK o"/o'.^ :iöpO*[JLSOOf)Lr/Yjv; ffaf^a S' il^izi'x ^aoimv EKsiat 'fiXo; 'Aaxu- 
ava^. Der Wagen fährt v. 774 lort. In der Elektra erscheint Klytämnestra 
^o V. 998: exßTjx' anYjVYj;, T^toaos;, /etp^? ^' SM-"^)? '/^aßs^d*', tv' sjtu xoö8' o/oo 
oxYj-sco :tooa; v. 1135 wird der Wagen weggeführt: aXXa xoüoo' o/oo;, oiraove;, 
f rir/aii; ^-^o^xtq -po-O-eO*'. In der Iphigenie in Aulis sind die Verse 598 — 606, 
welche auf einen Einzug in der Orchestra schliessen lassen könnten, imecht; 
für den Wagen ist significant v. 610: ^iXX' o/*r]|JLdxü>v z^oi iropeüst)*' ä; fipco ^epva; 
xop-/j. Die folgenden Anreden sind an die eigenen Dienerinnen der Klytämnestra 
gerichtet. Das Wegfahren des Wagens ist nicht angedeutet. — Selbstverständ- 
lich erscheint auch Okeanos im Prometheus v. 284 auf seinem Flügelthiere 
reitend nicht in der Orchestra, sondern auf dem Logeion. Dasselbe gilt vom 
Xanthias im Anfange von Aristoi)hanes' Fröschen, dessen Esel v. 36, nach- 
dem X. abgestiegen ist, weggetrieben winl. 

*) Aesch. Choeph. 872 ff.: aitosxaH-ibjjirv irpäYjJLotxo; xs"/.o'j|j.evoo, oikd; ooxü>jj.5v 
ttt)vo^ avaixtai xaxtov slvat* |JL'i/_*rj; Y^^P ^'h '^s^'^f'*""^''^- 'ce'^o;. Der Chor verbirgt, sich 



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§. 11. Standort der Schauspieler und des Chors. Decoration etc. 135 

dem Herakles*) und in Aristophaiies' Acharnern'^) verlässt der Chor, 
lim sich vor den Schauspielern zu verbergen, seinen Standpunkt auf 
der Thymele, steigt auf den Boden der Orchestra liinab und drängt 
sich an das Hyposkenion. Um den Choreuten bei schwierigen Tänzen 
das Einhalten der richtigen Stellung zu erleichtern, wurden, wie das 
auch heute bei jedem grösseren Ballet übUch ist, auf der Thymele 
Linien gezogen^). Endlich ist zu bemerken, dass auf der Thymele 



während der Scene zwischen Orest und Klytämncstra ; v. 930 ist er wieder 
auf der Thymele. 

*) Eur. Herc. für. v. 1081 räth Aniphitryon dem Chor vor Herakles zu 
fliehen: 'f^Y? 'f'^T^» Yepovxj^. olkok^o $tü|xaTtüV oiwxsts, 'f-oYsxs itct^-^o*^ avop^ £ne- 
YEipo^svov, und der Chor verbirgt sich mit den Worten v. 1087: o> ZiO, t- 
Tcato' ^iX^P**? "*^' 'j;r«pxo':ui; lov sov, xotxiuv ok neX^Yo; e? loo' y^Y'''*Y-^' üslss 
während der Worte des Herakles v. 1089 bis 1108 Niemand weiter gesehen 
wird, da auch Amphitryon bei Seite getreten ist, zeigt v. 1106: ujyj, t'1; £YV'j<; r^ 
TTpooü» ^'Auiv tjAtwv, ^üSY'/oiav SsTi; xY,v iuLY,v IdsExai; Amphitryon kommt zurück 
V. 1109: ^i^o'^Xi^, iXfru) ta>v sfituv xaxu>v 7r£Xa^: der Chor v. 1110: xaY">Y« oüv 

*) In Aristophanes' Achamem zieht sich der Chor während der Procession 
des Dikäopolis von v. 239 (ahhä oxOpo :ra; sxnooüV/) bis 280 zurück. Da in allen 
diesen Fällen an einen völligen Abzug des Chors aus der Orchestra nicht zu 
denken ist, so bietet die 12 Fuss hohe Hyposkeniouswand den einzigen Schutz 
vor den Blicken der Schauspieler, wenn man nicht etwa annehmen will, dass 
der Chor auf dem Boden der Orchestra sich hinter der Thymele (»der an den 
Seiten derselben verborgen hätte; ersteres wäre aber etwas umständlich ge- 
wesen, letzteres hätte den Zweck kaum erfüllt. Die Hyposkeniouswand wird 
in Aristophanes' Ekklesiazusen geradezu genannt. Hier hat sich der Chor v. 310 
in die Ekklesie begeben; bei seiner v. 478 erfolgenden Rückkehr ist er ängst- 
lich entdeckt zu werden und tntt daher an die genannte AV'and, um sich von 
der Verkleidung zu befreien; vgl. v. 496 f.: ann sla oiöp' sul 3x:ä; zkxWjüzol Tipo; 
10 Tii/iov, Tcotpa^Xs^toosa ifaisptu, sot/.iv jjLSxa-xsoaJs -a'^XY^v ot'jö'ii: Yjitip Yj^t^c«, xai 
fjiYj ^paoov\ Jedenfalls bilden diese Stellen ein wichtiges Argument gegen die 
Hypothese Höpken's, daas in der Orchestra gespielt sei; denn dann würde 
der Chor, wenn er sich nicht in die :iäpooo'. zurückgezogen hätte, sich 
nirgends haben verbergen können, und das xii/iov würde sich nicht nachweisen 
lassen. 

•) Hesych. s. v. Yp'-*IJL|J.a'l • iv xy^ op/Yj3xpa (im Sinne 0. Hermanns; Yj^av, 
oj^ xov /opov 6v zzoi/iu Taxot^ö-*'.. Eustath. II. I, 525, p. 772, 7: xal oxt lo^rrsp 
ev xo:? opojJLiüa'.v ooxcu xoti £v xi^ öp/Yj-xpa Yp'^ji'i.a'. x'.vi^ r,"lvovxo, :•/ o /opo; '.axYj- 
xoci xotxa ^x'./ov. 0. HERMANN, Opusc. VI, 2, 145 macht die nchtige Ansicht 
gegen 0. Müller geltend, der Eumeu., p. 82 gemeint hatte, die Linien sollten 
den Chor bei der einfachen Stellung xaxa axoi/oo; oder xaxa Joy« unterstützen. 
Vgl. Philol. XXm, p. 343. 



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136 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Dist^gie. Ekkyklema. 

nicht nur die Musiker^) des Chors, sondern auch die Rhabduchen 
oder Rhabdophoren ^) ihren Platz hatten. 



§. 12. 

Setzstficke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. Sonstige 

Maschinerie. 

Mit der ini Vorigen beschriebenen einfachsten Decoration be- 
gnügte sich die giiechische Bühne nicht; sie kannte auch Setz- 
stücke, d. h. Theile der Theaterdecoration, welche entweder isoliert 
auf der Bühne aufgestellt oder an die Hinterginindsdecoration als 
selbständige Stücke angeschoben Avurden^). Die Dramen lehren in 



*) Dass die Musiker beim Einzüge des Chors demselben voraußsogen, ist 
von den Vögeln des Aristophanes nachgewiesen von Wieseler, Adversaria in 
Aeschyli Promethemn vinctum et Aristophanis Aves. Göttingen 1843, p. 37 f. 
Am Schluss der Dramen zogen Choreuten und Flötenspieler zusammen ab nach 
Suid. s. V. s^o^toi vo|ioi, ^C Jiv s^ißsaav o'l X°P®'' ^^'^ °^ aüXYjiat. oBtcu Kpattvoi;* 
Tou<; H^^Sioo; 6|xiv ?v' a'jXui to'j; v6|jlo'j? (Meineke, II, p. 230, n. 170^=KocK, I, p. 95, 
n. 276) und Schol. Arist. Vesp. 582: s9-o? 81 *?jv sv tat? eJoSo:; ituv •:i]<; zpvfi^hirx^ yopi- 
xtüv ::f<oatuiiu>y K^rj'iyf-i'Z^ai aoXrjrrjv, tosie aoXouvroc i:portE|i.7cstv. Da nun aus 
Athcu. XIV, 8, p. 617 B: fipaxtva; ^l b <&Xt<iato?, aoXirjxcwv xal yopsaiiüv 
jx'.a^l-o'foptov xaxr/ovTü>v zäq op/Yj^xpa?, aYavaxxslv xtva? Ik\ xti) xo'j? aoXrjxa? \ir^ 
Zfy/OLoKtlv xoiq yo^olq, xaö-aTcap vjv itdxptov, aXXa xoü? yo^ohq sova^e'.v xoii; aüXfjxai?. 
öv oov slye O-op-^v xctxa xi«v xaöxa Tiotoüvxtuv 6 npaxiva(; Ejj.'faviCei o:a xo'joe xoö 
o:rop/Yjfi,axo(;* (folgen die o. p. 180 A. 2 citiert^n Verse) erhellt, dass bei kyklischeu 
Chören die Musiker auf der Thymelc standen, so darf auch tiir das Drama an- 
genommen werden, dass sie sich nicht von dem Chore trennten. Vgl. AVieselek, 
Ueb. die Thymele, p. 41. Diese Vermuthung wird dadurch bewiesen, dass in 
Aristoi>hane8' Vögeln die Prokne vor der Parabase vom Logeion in die Orchestra 
hinabsteigt: vgl. v. 659: Xi). xyjV $' Yj^ofJisX*?] J'V^*'*^**'^ otTj^ova Moosoii^ xaxaXeif^ 
Yjfjiiv 3-üp' Exfl'^aaa^, :va i:a'Giu|i£v (j-sx' sxeivTj«; und v. 676 flf. : tu 'f iXf], tu Jooöyj, 

lO 'ItXx'/XOV OpVStMV, TTOtVXtÜV ^'^'''^QP'S "^^^ S/AtUV 'J|lVt«V J'JvXpO'f' aY^OOi, YJ^i^c^ "TjXO'c^, 

tu'i.O-r^^, Tjoov •^ö-6yy'^> ^I^'i' 'fspoüs'. aXX', tu xaXXtßoav xpixoos' aüXov ',pO-iYP'*3tv 
Yjp'.voi;, «^tp/oü xu»v ava:cataxo>v — was insofern auffallend ist, als der Chor schon 
beim Einzüge seine Musiker hatte, es müssten denn diese sämmtlich Saitcn- 
spieler gewesen sein. G. Hermann, Opusc. VI, 2, p. 152 setzte den Flöten- 
spieler auf die Stufen des Altars. 

^) Schol. Arist. Pac. 733: -rjaotv 'jk e;:': xy^; ö-ojxf/.Y^i; paftoofopoi xv/iq, oi xyj; 
c'jxo3^ioi? sjis/.ovxo xtüv O-caxtuv. Suid. s. v. pafiooöyoi fast ebenso. Wahrschein- 
lich sassen dieselben auf der Rückseite des (lerüstes, den Zuschauem zugekehrt. 
Mehr s. unten, § 20. 

') S. LoHDE, die Skene der Alten, p. 20. Vgl. die p. 116, A. 3 citierte 
Stelle der Vita Aeschyli. 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 137 

dieser Beziehung zunächst, dass Aufstellung von Altären und Götter- 
statuen etwas ganz gewöhnliches war. So finden wir bei Aeschylos 
im Agamemnon eine xotvoßwjxta, von deren Göttern insbesondere 
Zeus, ApoUon und Hermes genannt werden '). Dasselbe findet sich 
in den Schutzfiehenden -) und den Sieben, und in der letzteren Tra- 
gödie werden Zeus, Ge, Ares, Athena, Poseidon, Kypris, Apollon 
und Artemis hervorgehoben*); in den Eumeniden sehen wir ein 
Standbild der Athena*). Sophokles' König Oedipus wird mit einer 
Scene an einem Altar des Apollon eröflftiet^); in der Elektra 
steht vor dem Palaste eine Statue und ein Altar desselben Gottes*); 
im Oedipus auf Kolonos wird eine Statue des KoXoovö«; iznoxrfi als 
sichtbar genannt ^). Bei Euiipides finden wir Statuen bezw. Altäre 
der Thetis in der Andiomache**), der Ai-temis und der Kypris im 
Hippolytos®), der Demeter und Persephone in den Schutzfiehenden ^^), 



*) Aesch. Agam. v. 88: navtiuv ^i ^£t«v xwv aaTuv6|iü>v, 6rcdtü>v, yO-qvituv, 
tcüv t' oüpavttiiv, Ttt>v x' OYopaicüv ßiujAol ^lüpo'.at cpXiYovxai. v. 508 ff.: vöv X'^'ps |jLiv 
y^tov . . . üTcatog x« X"*?*^ 'Lih^ b Ilö0-:6c x' 5va5 . . . xoü^ x' otr^tuvioo^ d'tob^ navxo^ 

TCpOSaO^ui XOV X' l\l.bv Xt|AdopOV 'KpjJLTjV. 

^) Aesch. Su])!)!. v. 188 ff.: ajtsivov iaxi xavx^^ oovjx', tu xopat, :raYov irpoo- 
iCfitv xovo' OL'^M'Aui'/ ifstuv. vtpstaoov ot ::6&Y^f> r'^^p^ö^, appv^xxov odxo^ xxX. 

') Aesch. Sept. v. 69 : u) Zsö xe xal Fy] xoil KnXiz^oo'/o'. ö-söL v. 95 : itoxspa oyjx^ 
£Y«> :rox:itsaiu j^(>£x*r) xi|i.'.a oai|i6v«iv; vgl. v. 116. 185. 211. 258. 265. Ferner 
V. 105: x: ps^s'.?, ^caXai/O-üiv "ApYj?, xav xsav yäv; vgl. v. 135. v. 130: f*üatiroXi<; 
YEvoO, IlaXXa? 3 0-' Ttttt'.o^ Ttovxo^sotuv ava4 r/O-ofloXw }X''r/ava, Ilo^si^dv, etciXos'.v 
:t6vu»v, £Äu3tv $woo. v. 140: xocl K6;rpi;, dx' £• y^'-^^'^s ^f'Of^'ciup, dX-oaov. v. 145: 
xal 5'j, A'jxsi' dvaj, A'jx2io; y*"^**^ sxpotxu) oatw. v. 149: 30 x' d» f.Xxdxot, .Votxo- 
'(s'/iq xopa Ato?, Gov xoqov Eoxoxd^oo. 

*) Aesch. Eum. v. 235: dvasr 'AO-dva, ... or/oo ol ;:p£up.2V(ü{; dXdoxopoi. 

*) Soph. Oed. R. v. 2: xtva«; jcoö-' io(>a<; xds^s jjloi 0^d{ax£, lxxTjpto'.<; xXd^ot^tv 
e4=2X£ji|12voi, vgl. V. 142. Femer v. 919: ;rp6^ 3', tu A6xEt' "'AitoXXov, äy/i'ixot; 
Yotp ci, Ixexi^ d'fiYjxai xoiaSs ouv xaxdpYP-'^^'-'^« 

*) Soph. El. 1373: dXV o-ov xdyo^ ytupaiv 23tu, iraxpcba ;rpoaxOoav{)'^ i8yj ö-stüv. 
03ot::ep wpoRoXa votioo^tv xd^s uud 1<}76: avaj "ArroXXov, iXsiu; aoxo'v xX6e. Ferner 
V. 634: ETC/'.ps o*rj 30 O-opLaö-' y| Tiapoö^d }i,oi ;:dYxaj>jc', dvoixxt xtü 0' oirtu? XoxYjp»ioo<; 
E'V/d<; dvdaytu ^ii^dxiuv, d vov lytu. xX'jo:; dv y^otj, 4>o:^8 jcposxaxYjpis, xexpfjfjijxEvYjv 
not) ^d^iv. 

') 8oph. Oed. Col. v. 58; oi 0£ ::Xtjg;oi y'^'^^ xovo' t;r;röX7]v KoXtuvov soyovxa 
3'^b'.v dpyr^Y^v siva:. 

*) Eur. Aüdrom. v. 253: Xst'k:; xoo' dYvov xs^jvo; EvaX'a; Ö-soo. v. 246: 
opd^ dY^Aji« Hix'.^o^ sq a' d;co^>i7rov; vgl. v. 411. 

*) Eur. Hippol. V. 70: yaipi fJLoi, tu xdXXt^xoi, . . . "ApxEfxf 301 xovoc kXsxxov 
3X£cpavov £4 dx-r^pdxoo XsijjLtüvo^ . . . •AO-jii.rprxq :piptu. v. 101 : xyjvo' ^i re6W,3i 3at^ 
£'fe3XYJX£V KüTtpt?. vgl. v. 117. 



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138 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 

des Zeus in den Herakliden*) und im Rasenden Herakles^), des 
Apollon im lon^) und der Artemis in der Taurischen Ipliigenie ^). 
Bei Aristophanes werden Statuen und Altar der Demeter und Per- 
sephone in den Thesmophoriazusen ^) und eine Statue des Hermes 
in den Wolken erwähnt^). Ausserdem war der 'A;röXXü)v irpy,ery<; 
im Agamemnon^), in den Plioenissen *) und in den AVespen^) vor 
den betreffenden Gebäuden aufgestellt. Nur den letzteren erwähnt 
Pollux ^^). Sodann waren nicht selten Grabdenkmäler auf der Bühne 



***) Eur. Suppl. V. 33: |i.£vü> :rp&; d-fvai; ST/apa:^ ^üotv iJ'calv, K6pT^< 12 xai 
AYj|XY,xpo;. Vgl. V. 92. 258. 289. 

*) Eur. Heracl. v. 32: MapaO-töva xal 3'JyxXy^pov eXD-ovte^ yO-ova ixsxai xottS-s- 
CoiiEsö-a Jliu|JLiOi ö-scöv. vgl. V. 43. 61. v. 120: ZKiiizi^ s-pO-r^;- Ttpes^o; uiv vKoiepooc 
ßoYj^po|A"fjoa? rfjvo^ zk' ia/dpav Aio^. vgl. 124. 238 und ö. 

') Eur. Herc. für. v. 47: {uv fAYjipl, tßxva jjly^ fl-dvoja' 'HpaxXsoo;, ßtu|i6v xa- 
0*iCiov x6v§£ 3ü>iYjpo(; Ato«;. 

') Eur. Ion. v. 422: zb §' djjLtpl ßu)p.o6;, a> Y'-^^*'» oa'fvYj'^opou^ Xotßoösa xXtüva; 
E^xexvoo; s5you ö"sot;. — v. 1253: KP. koI fOY«) ^t'; 1255: XO. iroi 5' äv ^/.Xoa' 
Yj ':rl ßuifjLOv; 

^) Eur. Iphig. Taur. v. 72: xal ßiu|AÖ;, "EXXy^v oS xaxa^xdCe'. 'fovo?. 

*) Arist. Thesmoph. v. 693: olW* EvO-ä^' £:il xtöv jj.Y,puuv 7;Xy,y^v pia/aipot x^JSe 
'f oivta; -f XE^a^ xaO-atjiaxiuss'. fJuijxov. v. 888 : eJo'/sO'.o . . . 03Xi; y* '^^'»{^'i^ 'Yjiia 
xov ßtüjj.6v xaAEiv. v. 286: ^sairoiv« ::o/.oxip.Y,XE A-r^^Y^xsp 'fi^Y^ xal 4>sp^£faxxa, kokkol 
TroXXctxi^ p.£ 30t {)"n'.v s/ooaav, *l o* [täXXd vöv Xa^-ctv. v. 773: xi 0^ dv, ei xaoi 
xdYdX|i.ax^ dvxl xo»v TtXaxiöv Ypd'ftov oiapp'Tixo'ji:. 

*) Arist. Nubb. v. 1478: oCfX m 'flX' 'KpfiYj, fJtY^oa^tö^ {)"j^a'v£ |io*.. 

^) Aesch. Agam. v. 1080: "AiroXXov, ''Airo/.Xov dY'^'*'^ • diroX/.o» ejaoc. 

'^) Eur. Phoeu. v. 631 : xa: 30 <l>o':ß' dva; dY'J-sO, xal jiiXatfpa /aipEX", Y,/.iX£; 
iV o'jjJLol d-Etbv X« $s4iji.YjX' dYd>.|jLaxa, wonach auch andere Götterbilder auf der 
Bühne standen: vgl. v. 274 und 604. 

^) Arist. Vesp. v. 875: u» ^E^itox' dvaq, y*-'^'^ dY'Jtiü, xoojjlou Tcpoö-opo'j ;cpo- 

TT^Z-aii. 

*®) Poll. IV, 123: sirl os xr^; sxy^vyj; xal dY'J'-s')? exiixo Jkü[j.o; ö ;rpo x<üv 
i^'}p«>v, xal xpdicsja irE^jjiaxa s/oo^a, •*] ft-siupl; cuvo/xd^sxo Yj Ö")o>pt^. Schol. Eur. 
Phoen. 631: xöv dYO'ia icp^ xiuv Tzo/aov iaxaaav • xuov ol o»>xö? YjV ü^ o^'j dno)wYjY<«>v- 
eheI npö xtuv TT'j/.tov i3xa3av dYd/wfxaxa xoö 'A;ro/.Xü>vo^ u>; dXs^ixdxoo $237:0x00 xal 
'f »iXaxo? xtbv oou>v . $td Y^p "^>^>'^o dY^ifj;. Schol. Arist. Vesp. 875. Haq)ocr. s. v. 
dY'J'.d;: . . . i^ioo^ 0^ Eival 'fa3iv a'iXO'^; 'AnoV/auvo;, ol oe A'.ovo30o, 0: ^k d^-fotv xx/». 
Suid. s. v. dY'Jtat. Zonar. s. v. dY'j'.äc. Bkkkkk, Anecd., p. 331. Der Gott hiess 
auch ;:po3xaxYip'o?, Soph. El. 637. Dem. Mid. S. 52, p. 531. CIG 464. 465. 
Hes. 8. v. ;tpo3xaxYjpioc. Phot. s. v. ;:p03xaxYjp'o; 'A-6>.X(üv. Hellad. bei Phot. 
Bibl. p. 535 b. Bekker. Hermann, Gott. Alterth. §. 15, 10. Bkckek, Charikles 
ed. (löll II, p. 133. — Hes. s. v, ö-ooipov: xpdns^av xfjv xd i^»'>yj •^•>Xd330'j3av. 
Suid. 8. v. D-fjoipoc. Et. M. p. 457, 51. Zonaras. s. v. 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Diste^e. Ekkyklema. 139 

sichtbar; wie Alis des Dareios in den Persern^), das des Agamemnon 
in den Choephoren ^), das des Proteus in der Helena ^) und das der 
Semele in den Bakchen*). Von anderen Setzstücken sind zu er- 
wähnen der Fels, von dem sich Euadne in den Schutzflehenden des 
Euripides herabstürzt ^), und die Felssitze, auf denen sich im Oedipus 
auf Kolonos Oedipus niederlässt ^). In den Achamern und in den 
Rittern^) mussten, um das Logeion als Pnyx zu charakterisieren, 
einige Sitze aufgestellt und im Frieden der Stall des Käfers durch 
einen Bretterverschlag hergerichtet werden. Die mancherlei Geräthe 
des häuslichen Lebens, welche in der Komödie zur Verwendung kommen, 
wollen wir nur im Allgemeinen erwähnen. Pollux*) berichtet noch 
von der AVarte, der Mauer, dem Thurme und dem Leuchtthurme, 
indessen lassen sich diese Gegenstände in den erhaltenen Dramen 
nicht nachweisen. 



*) Aesch. Pers. v. t)07: toiY^p xsXeoO'ov rr^v^' avjo t' öXY]|Adtaiv y/i^Tj^ xt 
rr]^ ::apoi^«v ix S6{jlu>v iraXtv faxttXa, ;:ai56? Tiaxpl ;tpsu)jL8vu>^ X°*^ tpipoöo'. — 
V. 684: Xe633ü*v 5' äxoitiv tyjv e|A7jv xacpoü TciXa^ xfxpßtu, yoi? 5i :tpeo^E'/rj<; eSi- 
4a[j.-/jv. Vgl. V. 619. 

*) Aesch. Choeph. v. 4: t6|jLßoo o' eii* '>/**}> "^^^^ xT^p'J33u> :coiTpl xXfkiv 
axoöaa:. — v. 500: xal xYjao^ axoosov Koiz^io'j ^oyj?, :rdx£p, tou)V vxoaoo»); xo6o3' 

E'^Yj^LEVOO; Xd'vpü). 

') Eur. Helen, v. 315: olsO*^ ouv o opdoov; |Av-fj|jLaxo? Xiiioöo' iSpav. Vgl. 
V. 466. 528. 547. 797. 842. 962. 

*) Eur. Bacch. v. 6: opuj oi fiYjXpi; iavy^jjloi xyj; x£pat)vta<; xoo' rfY'J? oixu» 
y.al oo/Aiov spsiTtta xu'f OfJisva. Vgl. v. 597. 

^) Eur. Suppl. V. 1015: cOxXsia; /«p'.v EvtVsv öp[j.d'3u> xdso' d;iö rcExpa; irrp 
^Yjoa^a ;ropö<; sl-a> xxX. — v. 1045: Tj^^ e^w :t£Xpa; e^ci opvt; xi?. Vgl. v. 1069. 

*) Soph. Oed. Cül. v. 19: oo xwXa xdjA'l/ov xoüö' es' d^Eaxoo iCEXpoo. — v. 36 : 
rtplv vöv xd ;r)w£iov' bxopE'v, ex xyj3$' sopa? e^eXö*'. — v. 195: Xr/pto^ y' ^'^' o^'^^po" 
Xäo; ßpa/6(; oxXdsa;. Es sind also zwei zu unterscheiden. 

') Arist. Eq. v. 752: eine Scenenverwandlung findet nicht statt. 

**) Füll IV, 127 : EtTj o' dv . . . xal 3xo:rr] xal XEiyo<; xal iiüpYo; xai 'x^poxxai- 
p'ov. — 129: Y| 3xo:rYi o^ irEiroiYjXat xaxa^xoico'.^ r^ xo:^ dXXo:< 030: :cpo3xo;coüaiv, 
xal zb Xciyo^ xal rcöp-fo? to; d'f^ 5'}ou? l^Etv. xo 0» 'fpoxxtop'.ov xd) ovojjiaxt ^t]Koi 
x6 fpYov. Hieher gehört nicht die s/oirrj Aesch. Supp. 713. Vgl. p. 110, A. 2. 
Das -fpoxxtuptov hält Hermann, De re scaenica in Acschyli Orestea (Ed. Aesch. 
II, p. 650) für einen Leuchtthurin, Sohönborn, p. 158 für einen thurmähnlichen 
Bau Zinn Behufe des Umschauens und der Signalfeuer; keinenfalls ist jedoch mit 
letzterem ein solcher Bau auf dem Palaste im Agamemnon anzunehmen, wo viel- 
mehr der Wächter einfach auf dem Dache liegt. Das x^i/o; ist vielleicht in der 
Lysistrate am Akropolisthor in Anwendung gekommen; vgl. die j). 110, A, 3 
citierten Stellen. 



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140 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 

Sodann ist nicht zu verkennen, class mitunter einzelne Theile 
der Üecoration massiv ausgeführt gewesen sein müssen. Dass der 
Fels, an den Prometheus angeschmiedet war, am Scliluss wahrschein- 
lich zusammenbrach, ist schon oben bemerkt*), und die Sclilussscene 
der Wolken, in welcher das Phrontisterion des Sokrates angezündet 
wird ^), kann ohne massive Decoration nicht dai'gestellt worden sein ; 
dahingegen wird im Orest, obwohl der Palast angezündet werden 
solP), und im Rpasenden Herakles*) sowie in den Bakchen^), wo 
Theile des Palastes einstürzen, gemalte Decoration genügt haben. 

Femer erscheinen einige Male Personen auf' dem Dache eines 
Palastes oder Hauses, wie im Anfange von Aeschylos' Agamemnon 
der Wächter^), in Euripides' Phoenissen Antigone mit dem Päda- 
gogen '') und Orest in der gleichnamigen Tragödie '*), in welcher auch 
der phrygische Sklave ursprünglich vom Dache auf das Logeion 
herabgesprungen sein muss, während er nach Einschub der Verse 
1366 bis 1368 aus der Palastthür trat®). Bei Aristophanes soll in 



') Vgl. p. 113, A. 3. 

*) Arist. Nubb. V. 1490: spiol U 5qi$' r/r^xatu» tt^ *rjjijjLevy|V. v. 1497: otpot 
X'i; Yjjituv :cüp:toXc: rfjV otx'lav; 

') Eiir. Or. V. 1543: anxo'jsi :zi6wjl^ tu; Tcopw^ovx*; oofJLOüi; too; TavxaXcioü?. 
vgl. V. 1573. 

■*) Eur. Herc. für. v. 904 1'.: looj looo, ö-osXXa 3sUi oiö|iaj 3U|i.:rt::T2t zxi'Cf^. 

*) Eur. Bacch. v. 586 1*.: xa/a xa IhvO-lt«; jj.sXotÖ'p^a oiaxivä^sxai ;c£0*fijia3tv 
und die p. 112, A. 4 citierteu Verse. 

*) Aesch. Agara. v. 2: fpou(>ä; itsiot; ji-r^xoc, y^v xoijjliujisvo; axE^Xj? 'Axpswiüv 
'xYxaö'sv xxX. 

') Eur. Phoeu. v. 89: £::»'. os f^V*'^!?' Jc'>if'i^svw>voi? sxXiHctv ^{^yjxs {jis/vdO-piuv 
sc; otvjf»*^ cT/axov xxX. — v. 193: lu xexvov, E3^a otufia xa: xaxa oxi-f'^c ev irapö-e- 
V1Ü31 ji.tji.v5 3o:?. Vgl. Püll. IV, 129. 

*) Eur. Or. v. 15t)7 ff.: O'jxo; 3'j, xX-fjO-ptuv xojvos ji.-/) 'V/'j^if}? /ep:* M£vr/.aöv ctsov, 
0^ KiK*)^'(oiZfÄ'. ö-pdcSii • Yj xü)Oi ö-p'.Y^H* xpäxa ^ovö-paustu gsÖ'-v, pYj|a^ iraXaiot 'fsiaa, xsx- 
xoxov :i6vov. Vgl. Püll. IV, 129. Ferner ibid. v. 1573 ff.: sot, xi yf»Y^|xa; Xajx:raoo>v opto 
■seXac, $oj).iov $' s;:' 5xj>cjüv xooa^* -sn'jpY*"!^'-^'''^^'^^' i'-'f^? ^' sji.y^; ö'^y'-^'f*^^? £;ii'ff»o'jf»ov 
o£p-/j, wonach auch Hermione auf dem Dache erscheint. Ganz verfehlt ist die Bemer- 
kung Schönborn's, p. 149, dass die Schauspieler sich auf dem Skenendache zeigten. 

^) Eur. Or. v. 1369 ff'.: 'Ap-p^ov iv^o^ sx ö-otvAxoo irsfsoY'x fiap^otpoi; sü|j.a- 
pb'.v xs^piuxoi üoijxäoojv oiclp xspa^iva Aioptxd; x* xp'.Y^^'^'f^^'^?* Vgl. Schul, ad v. 136H: 
xo'jxo'j; Oc xoo^ "Cf»*'-? 3X'./oo^ oox av x:^ s^ exoijjloü 3'>Y/«Jf'*J'i^*'.sv Ivjf^'.jT'loo'j stvat, 
aXXa jJLäXXov xwv Oiroxpixtuv, oix'.vs;, tva jjly] xaxo«:aö'to3',v a;:6 xojv ^as'.Xsioiv o6|i.tüv 
xonW/.XöjJLSvo:, :rapavo'.;avx£; sxTcopsoovxot» xi xou 4>P'jy6; s/ovx*; 3/Yjjxa xotl jcpostujiov, 
o:rüj^ ^'.a xy^^ ö-'ipoi; s'jXoYt»;; s^i'^v^'s 'fx'lvwvxat. s^ o>v Oc aoxol Xsyoos'.v ävxi|i.ap- 
X')(>o03'. x:J oi« Xüiv ö-opwv s^'^^tj*« 'f oivspov y^f« sx xwv e^'^j? ^'^' O^tepitsicYjOYjXSv. Vgl. 
NuäJAHÄ, ^uaest. Arist. scaen., p. 35. 



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§. 12. Setzstiicko. Massive Pocoration. Pistep'e. Ekkyklcma. 141 

den Acbarneni die Frau des Dikäopolis der Processiou vom Dache 
aus zuschauen *), in den Wespen schläft Bdelykleon auf dem Hause ^) 
und Philokieon sucht durch den Rauchfang zu entkommen'*), in den 
Wolken endlich steigt Strepsiades auf das Dach des Phrontisterions^). 
Alles dies konnte bei einer einfachen, gemalten Decoration nicht dar- 
gestellt werden. Abhülfe leistete daher eine Vorkehrung, welche von 
Pollux als ^toTSYta bezeichnet und als ein kleiner Oberbau bezw. 
Ziegeldach in der Tragödie, und als einfaches plattes Dach in der 
Komödie leider so kurz charakterisiert wird, dass eine deutliche Vor- 
stellung aus seinen Worten nicht zu gewinnen ist '•) ; jedenfalls ermög- 
lichte dieselbe den Schauspielern den Aufenthalt in der Höhe, und 
eine ähnhche Vorkehrung muss in Euripides' Schutzflehenden, als 
Euadne auf dem Felsen steht **) und in der Lysistrate, als die Weiber 
an den Zinnen der Akropolismauer erscheinen'), zur Anwendung 
gekommen sein, mag die letztere durch die gemalte Decoration oder 
durch ein Setzstück Darstellung gefunden haben. In wie weit in 
den angeführten Fällen die fraghchen Gebäude sonst schon mehr- 
stöckig waren, ist nicht zu ermitteln ; dass jedoch solche Häuser vor- 
kamen, erhellt aus Aristophanes' Ekklesiazusen , wo das alte Weib 
und das junge Mädchen aus hochgelegenen Fenstern schauen**), so- 
wie aus den Wespen, wo sich Philokieon aus einem solchen herab- 
zulassen versucht ®), und ist auch sonst bezeugt **^). Wir dürfen 

') Arißt. Acham. v. 2ß2: zh o\ ot '('Wäi. iS-ec« \l OLizh to5 xi-^o'j^, 

~) Arist. Vesp. V. 67 f.: s"X'.v ^^p *^ll^^'' ^s^-oty^c sv-stvo-sl av(w xai^-fj^tüv, b 

*) Arist. Vesp. 144: HA. outoc. tic el oo : <M. y/Trvi; sYtirf' E^Epy&fxai. 

*) Arist. Nnbb. v. 1502: ooxo;, xi rotsi? stsov. owzl znh tsyoo?: 

^) Poll. TV, 129: 'q ^e oi^TsY*-'"'^ ^^"^^ V-^"^ ^'^ oixto ßot'3t)»«-'!ü) oiYjpsc ouj|i.«X'.f>v. 
oiov «'i^ oh £v <!>o'.v'3aa'.c Yj ■ A'/ttY*''''''^» fjKiTzt'. xKv ^TpotTov. zozk ^E W. xspajio?, acp' 
rJi fAhko^m Tto yt&ajLü) • Ev 07 'AimnüO'.fX rjLTZo TY^; ^i'.zzi'^'vi^ -o^voßo'sx&i tl XaTOrtS'J- 
00-317 Yj '[^rxr^vi Yj y'y^rj.if,, •/r*Taj5).£-='.. CTalon. ac] Hi]>i>ocr. Dp artic. IIT, 23 iierint 
das flache Dach YjXia'3TYjp'.ov. das schräge y.E&'/}io;. \'^, Bij'MXRr, Privatalterth., 
p. 144, A. 2; p. 154, A. 2. Beckkr, Chariklos cd. (4Ö11 II, p. 141 f. Bei Pollux 
ist schwerlich ein schräges Dach zu verstehen. 

•^) Vgl- oben, p. 139 A. 5. 

') Vgl. oben, p. 139 A. 8 und p. 110 A. 3. 

**) Arist. Eccles. V. 877 ff. und 884 ff., namentlich v. 924: aV 07:63a ßooXEi 
x'/t TC'/oav.o'fiV CnzT^t^ ■(aKr^. v. 930: z>i os ti o'.axo;:TE'.c: und v. 961: xal zt) jjlöi 
xaTotopauo'j-'/ TYjV »H-»')&f/v avo'4ov TYjVo". 

^) Arist. Vesp. V. 379: i)j/ scr/'V/^ ota ty,^ OoptSo? zo xaXuj^tov sita xa^tjxa 
OYpa^ sauTov. Vgl. v. 387. 396. 



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142 S- 12. SetzPtücke. Massive Decoratiou. Disteffie. Ekkyklema. 

vielleicht annehmen, dass auf der Büekseite der gemalten Hinter- 
grundsdecoration in richtiger Höhe eine hölzerne Bahn angebracht 
war, auf welcher die Schauspieler Platz zu nehmen hatten, wenn sie 
als im Oberstock, vielleicht auch als auf dem Dache befindlich an- 
gesehen werden sollten. Hieraus aber folgt, dass, wie bereits be 
merkt *), der obere Theil der Decoration, welche nach unserer An- 
nahme den Himmel darstellte, mit dem Rahmen, vor dem die sonstige 
Decoration aufgespannt war, nicht in derselben verticalen Ebene 
liegen konnte. 

Eine der griechischen Bühne eigenthümHche Maschine, welche 
dadurch erforderiich wurde, dass die Decoration niemals das Innere 
eines Hauses darstellte , ist das E k k y k 1 e m a. Ueber dasselbe 
ist Folgendes zu bemerken. Nicht selten werden in den Tragödien 
auf der Bühne Leichen sichtbar; in den meisten Fällen werden die- 
selben, wie sich mit Sicherheit aus den Texten schliessen lässt, durch 
einen der Seiteneingänge hereingetragen^); in einigen Fällen aber, 
wo es sich um die Leichen solcher Personen handelt, welche in den 
durch die Decoration dargestellten Palästen getödtet sind, werden 
dieselben entweder allein oder mit den Mördern ])lötzhch auf der 
Bühne sichtbar, nachdem mitunter im Texte das Ocffnen der Thür 
signalisiert oder wenigstens durch einen Ausi*uf auf das Erscheinen 
der Leichen aufmerksam gemacht worden ist, wogegen jede Andeu- 
tung, dass dieselben herausgetragen worden seien, fehlt. Man k(innte 
nun annehmen, dass die Leichen durch die geöffnete Thür erbhckt 

*") Vitruv. V, 6, 8: comicae (scaenao) autcm aedificionim privatorum et 
maenianorum habont speciem prospectuscpie fenestris dispositis imitatione com- 
munium aedificiorum rationibus. V^]. Poll. I, 81: scxa 'i-spma o'XYjfAaiot , xot 
^j" a'ixa Ttal ^tYjpfj. Et. M., p. 274, 26: oiYjp»Yjc, o 'jrspmoc oixo; * Kop'.nioYj^ ev 
<l>oiv'^3a'^ . . . fJLTzh zob oic otYjpYjc;*. . . "^j cnzh zob O'jo, oiYjpYj;, mzKtp -apa xo jj.6vo; 
jjLOVYj&Yjc. Blümnkr a. a. O., p. 153, 1. Bkckkr, Charikles IT, p. 139 f. Der p. 112 
A. 8 citierte (irammatiker spricht sogar von dreistöckigen Häusern auf der Biiline. 

») p. 118, A. 1. 

*) Aesch. Suppl. V. 848. Soi)h. Antig. v. 1257. Eur. Phoen. v. 1471. 1481. 
Hec. V. H58. 678. Androni. v. 1166. Troad. v. 1119. Electr. v. 895 Leiche des 
Aegisth, die v. 959 ins Haus gebracht, aber v. 1172. 1179 mit der der Klytäm- 
nestra wieder aus dem Hause getragen wiitl. Suppl. v. 794 Leichen der Feld- 
herren, werden v. 954 zur Bestattung weggetragen, v. 1115 wird ihre Asche 
ge})racht, dagegen wird die Leiche der Alkestis Ale. v. 606 iX. zur Bestattung 
aus dem Palaste getragen. Nicht ganz deutbch ist die Sache Eur. Hec. 1118, 
wo Schönborn, p. 235 schwerlich mit Recht ein Ekkyklem angenommen hat. 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distepne. Ekkyklema. 143 

wurden ; dem stellt jedoch die bauliche Einrichtung des Theaters ent- 
gegen, denn dann würde nur ein sehr kleiner Theil des Publikums 
etwas von den Leichen gesehen haben. Da ausserdem die Schau- 
spieler mit den Leichen oder auch mit den neben denselben befind- 
lichen lebenden Personen in nahe Berührung treten, auch die Leichen 
so weit von der Thür entfernt sind, dass hinter denselben Personen 
aus der Thür treten können, so ist vielmehr anzunehmen, dass die 
fraglichen Leichen oder Gruppen auf einer kleinen Bühne aus der 
Thür des Hauses auf das Logeion gerollt wurden. Mit dieser An- 
nahme stimmen sämmtHche einschlagenden Fälle der Tragödien. In 
Eurijades' Rasendem Herakles ist zunächst von dem Oeffiien der 
Thür die Rede, sodann erscheint Herakles gefesselt zwischen den 
Leichen seiner Gattin und seiner Kinder; darauf tritt Amphitr}'on 
aus der Thür und löst Herakles' Fesseln; der später auftretende 
Theseus enthüllt nach mehreren vergeWichen Aufforderungen an 
Herakles, dies selbst zu thun, diesem das Haupt und hilft ihm sich 
zu erheben; nachdem dann Herakles von der kleinen Bühne herunter- 
getreten ist, werden die Leichen zurückgerollt*). Im Hippolytos 
wird ebenfalls das Oeffnen der Thür signalisiert und die auf dem Ek- 
kyklem liegende Leiche derPhädra mehrfach angeredet; dann nimmt 
Theseus derselben den Brief ab; die Leiche bleibt auch noch sicht- 
bar, nachdem Hippolytos aufgetreten ist, und wird erst am Schluss 
der betrefienden Scene zurückgedreht^). Bei Sophokles wird in der 

') Eur. Herc. für. v. 1030: T^sgOt, ^tdvotya xX^t^pa xXivscat o'i/tiroXtuv 3op.iuv. 
— V. 1032: t^E-i^E T« xsxva K^h ratpos; aiV/.'.a xsineva ^»j^xavoo ?5oovto? »j-vov 
^?!vov sx KatW/ '^ovofj • Kzpl OS ^S3jia soX'jßpoy^ aii^iotKuv eprbpxtV 'llpixXiiOv a\L'Z>\ 
csjjia^ Tftoj Xatvoi? a'/yj{j.jjiva xio-iv oIxüjv, vgr). y. 1098. 1172. 1191. — Dass Amphi- 
trjon V. 1039 aus dem Palaste tritt, erhellt daraus, dass v. 725 Lykon in den- 
sell)en genügen und v. 734 Amphitryon ihm dahin gefoljart ist (v. 731: zliv. ^' 
ojs; toüj vsxpov ÄiTciov:'): da nun Amphitryon. inzwischen nicht weiter erscheint, 
so muss er v. 1039 aus dem Palaste kommen. — v. 1123: h'jzu), ^Ipovis;, ^s^^d 
:r'X'5o;, yj xt ^pü> ; — 1154 tritt Theseus auf. — Aufforderungen, das Haupt zu 
enthüllen v. 1203: irdps^ olk oji.jj.rixwv rinXov. v. 1215: a''>oui, 'z^iKOizv* oajxa osix- 
vjvai to oov, V. 1226: d'/bTa-s^ sxxdXo'!*ov dO-Xiov xdpa. — Geschieht durch Theseus 
nach V. 1231: HP. xo oYjxd pioo xpdx" dvexdXo'Vx? *'^|'»'-M^? — v. 1394: otvbxat3\ ü> 
o'j:3xtjVs • ^axpou» dXi;. v. 1398: ^i^o') oi yslp' oKYjpsxiß 'f'Xü>. v. 1402: oioofj ^py^ 
"V /-"P • ooYj-^Yj-u* ^" r,'a». — V. 1406 sind die Leichen noch sichtbar: HyjO-ö, 
::uKi'j |i5 3xp£'}ov. lo; Io(i> xsxvoi. — v. 1426 muss das Ekkyklema verschwunden sein. 

*j Eur. Hippol. V. 808: yaXdxs x/.-jHpa. rposr.oXoi, roXiu/xdxtov, sxXosiV dp- 
jto'ic, ui^ wü> ::'.xpdv tHsav •,'üvoc'.xoc, r^ \ie xaxiV/voöo" fxTziiiK-zv/. - Anreden an 
Phaedra v. 811—816. 826 ff. 838 ff. 848 ff. ~ Brief v. 804: 'i.if, i;s'u;a; ::?p'.- 



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144 §• 12. Setzstückc. Massiv»' Dtvnratioii. l^istcj^o. Kkkyklcma. 

Antigene das Erscheinen der Leiche der Eur^dike durch einen Aus- 
Yut des Chors angezeigt ; sie bleibt bis zum Schluss des Stückes sicht- 
bar '). In der Elektra wird die Tliür auf Befehl des Aegisthos ge- 
öffnet, es erscheint die verhüllte Leiche der Klytämnestra zwischen 
Orest und Pylades ; die Enthüllung wird von Aegisth vorgenoinmen ; 
(Jrest und Pylades treten von der kleinen Bühne herab^ welche bald 
darauf zurückgerollt wird, so dass, als Orest den Aegisth in den 
Palast führt, das Logeion wieder frei ist^). Bei Aeschylos im Aga- 
memnon, wo Klytämnestra neben den Leichen des Agamemnon und 
der Kassandra erscheint und auf dem Ekkyklema sowohl redet als singt, 
fehlt jede Andeutung über das .Oeffnen der Thür sowie jeder Aus- 
ruf des Chors; die Bühne wird zurückgerollt sein, als der Streit 
des Aegisth mit dem Chor sich zuspitzt-, Klytämnestra würde daim 
gegen das Ende des Stückes wieder aus dem Hause hervortreten '*). 
Auch in den Choephoren fehlt die Ankündigung der Erscheinung; 
man erblickt Orest zwischen den Leichen des Aegisth und der Kly- 
tänmestra, auch wird das für Agamemnon verhängnissvolle Netz 
sowie sein Gewand erwähnt; nachdem Orest schHesslich vom Ekky- 
klem herabgetreton und fortgeeilt ist, wird dasselbe zurückgedreht 
sein *). Etwas anders steht es mit der Anwendung dieser Maschine- 



ßoA«; -s'^paYt-iiocxtuv i^u) Ti Xsja: osato; yj^i }ioi iS-sXsi. — Hii>polytos sielit die 
Leiche v. 905: sot. i» /f/T^jAot. '3Y)v ootfiapiV opoj, ;:aT£{>, vs%&6v. — Die Leiche ist 
V. 1032: *'. 5^ Y^os ostu.aivo»)3^ ot-üVAr-siv ßiov noch f?ieht})ar und wird erst um 
V. 1101 zurückjfezogen sein. 

*) Sojdi. Anti^. v. 1293: opäv Tzrx^izv.yf ' of) -^ap sv fAoyoI? iv,. — v. 1298: xov 

0^ V/rß.'nrß. TCpo-S^XsTCd) vrXpOV. ^Vi '^?fj. ^ÖClsp OttV/.'Ot, '^Vi isxvov. V^l. V. 1312. 1340. 

*) Soph. Electr. v. 1458: CYäv avtüfa y.«va'$stxv'>va'. -oXa; -ä-'.v Mov-Y^vat- 

fj\zv* \ApY*^^*? <^'^Jpäv. V. 1463: xal oyj isXs'ia'. larS sfJtou. — v. 14HH: lu Z.iä, 

(an Orest und Pylades gerichtet) nav xa/.o}i/A^ a;t^ O'^iWajkijv, o-t»; to zn'{'{tyiz 
toi xoc;:^ ejaoO tS-pYjVUJV T'j/^. -- v. 1475: oi|jloi. ti /.5'j3'3ü>; — TTin v. 1480 treten 
Orest und Pylades vom Ekkyklem lienmter und das Interesse wendet sieh von 
der Klytämnestra ab, die also bald darauf versehwunden sein wird. - v. 1490: 

') Das Ekkyklema erscheint v. 1372; dass Klytämnestra darauf steht, 
zei^ V. 1379: l^rfjxa o^ sviV z-::vS ItC l^v.pyAZ^i'^rj»,^. v. 1404: ooxo; e-tiv W^*^- 
fxsjivüjv. ejxo; roc'.c, vsxpic os. v. 1440: y^ t^ al/ju/XcoTo; y^o? xal Xrpa-xo-oc. — 
Die Leichen sind v. 1610 noch da: ofjTo> xaXov oyj xal to xaiHavciv sjiol, loovia 
Touiov TYj; AtxYj; sv spxs^iv. — Das Zurückrollen fällt um v. 1625. Klytäm- 
nestra tritt v. 1654 wieder aus dem Palaste. 

*) Aesch. Choeph. v. 972: los-ifs ytupa; ty^v ot->.Yjv Topavvioa. — v. 980: 



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§. 12. Setzstücke. Massive Docoratiou. Diste^ie. Ekkyklema. 145 

rie im Aias des Sophokles. Hier öffnet Tekmessa auf Aufforderung des 
Chors das Zelt; es erscheint Aias zwischen den Körpern der 
von ihm getödteten Thiere; Tekmessa nähert sich dem Aias, wird 
aber zunächst zurückgewiesen, reicht jedoch später den Eurjsakes 
seinem Vater hin, auf dessen mehrfachen Befehl schliesslich das 
Ekkyklem zurückgerollt und das Zelt geschlossen wird *). In den Eu- 
meniden endlich geht die Pythia in den Tempel, kehrt aber sofort 
wieder aus demselben zurück und erzählt, >vie sie drinnen die auf 
Sesseln schlafenden Erinnyen und zwischen diesen Orest mit Schwert 
und Oelzweig am Omphalos gesehen habe. Nach Abgehen der P}-thia 
erecheint diese Gruppe mittelst des Ekkyklema, welches soweit vor- 
gerollt wird, dass Apollo und Hermes hinter demselben aus dem 
Tempel hervortreten können. Orest verlässt die kleine Bühne, um 
sich nach Delphi zu begeben, Hermes geht hinter ihm nach der- 
selben Eichtung hin ab, Apollo dagegen wieder in den Tempel. 
Später erwachen die Eumeniden , bleiben während des ersten Liedes 
auf dem Ekkyklema und begeben sich erst auf die Aufforderung des 
wieder aus dem Tempel getretenen Apollo vom Ekkyklem und dem 
Logeion herab in die Orchestra ^). 

Zweimal wird in der Komödie das Ekkyklem parodiert, und 
da dabei alle Illusion missachtet wird, sind die betreffenden Stellen 



Tos5l*"E 5' aoxc, KuvS"* swYjxoo'. y.axÄv, xh |i.YjyavY|jj/x, ^sspiiv atfXUü zatp'l, Ksoa^ ts 
yfipoiv xocl ico^Oiv Jrjviupwa. v. 1010: [lapTopsl ^s /lot ^apo? lo^', 6>q 6ßa»}eV Aqb- 
ifo'j $i'fo;. 'fovo'j ol x-qxl? J'jv yooyw ?0|JLß(iXX5xau KOKKaq. f^a'^Oi^ t^^tipo*)za xoö 
noix{>./ioiTo;. — Etwa um v. 1062 tritt Orest vom Ekkyklem herab. 

*) Soph. Ai. V. 344: XO* aXX' avo'Ys^s. v. 346: TE. loo'>, Zioi-^tu^ jcpo^fl/i- 
Tzvjv o" zlizv, 'zoi xa xoö5; ^P^T'H' ^^^'^"^^^^ t»^? v/iuv xopst. v. 366: opa? . . . sv ot'fo- 
ßo'c |i5 d-rjp-i ^stviv /epa?, vgl. v. 453. 545. — v. 368: TK. |i.yj, ^egkox^ Ata?, 
Xb-opxt -3', «»jooi xdo2. AI. oox exxo; 5'}oppov sxve/isl s6$a; — v. 545: alp' 
aoxov, alps Ssöpo. — v. 578: olkk" ux; xa/o? x^v iratSa x6v5' "J^^yj or/o'> xrtl ooi/Aa 
:raxxo'j. v. 581: Ttox^Js ^aaaov. v. 593: oo ^ovepJsO-' ot^ xa/o?. 595 geschlossen. 

*) Aesch. Eum. v. 33: /iavx3üO|üia: y'*P ^"? ^'-^ •rjYYjxai ^s6^. — v. 40: öpci> 
?"' In o!X'^a/vü) ptlv ötvSpot (^sopLOT?] i^pav E)^ovxa irposxporaiov, ai|i.axi sxaCovxa yii^fiq^ 
xal VeO-;ca^s? ^i'fQ? e/ovx' EXda; ö*' 0'|iYswf]xov xXaSov xxX. v. 46: rpo-stS-ev ?l 
xav^poc xo'j^s ft-aofia^xi? Xo/o; sSost y'^^**^**"^ ^^ i)-p6voi3tv yj/xsvo?. — Die Pjihia 
ab V. 64, wo dann sofort das Ekkyklem erseheint. Apollo und Hermes kommen 
V. 64. Orestes ab v. 88, Hermes und Apollo v. 93, — v. 140: Iy^'P» ^Y^'P* ^''^^ 
zh x*fjv$\ eY<" ^* '^' eo^st?: avbxü), xctrcoXaxxt-a^' oin^oy. — v. 166: «dpe^xi y^? 
oji'^aXov Kpoo^paxsTv aijiaxo>v ^Xo-opov apojxsvov ^"^o^ eye'.v. — v. 178: sj"*? xsXs'jui. 
xüJvSs ^(opLaxiwv xayo? ytop;tx\ Vgl. Niejahr, Progr. d. Gymn. zu Greifswald 
1885, p. V. 

Hermann, Lehrbarli III. 11. |Q 



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146 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkj'klema. • 

besonders lehrreich. In den Thesmophoriazusen wird Agathon in 
weibischem Aufputze herausgedreht, und während der Unterhaltung, 
die er dann mit Euripides und Mnesilochos führt, nehmen letztere 
ein Rasiermesser und mehrere Kleidungsstücke vom Ekkyklem herab, 
Euripides lässt sich auch hinter demselben weg aus dem Hause 
einen Leuchter bringen; endlich giebt Agathon den Befehl, ihn wieder 
zurückzudrehen ^). In den Achamern wird Euripides geradezu von 
DikäopoUs ersucht, sich herausdrehen zu lassen und folgt dieser 
Bitte, da er keine Zeit habe, herabzukommen. Hieraus sowie aus 
einer anderen Andeutung folgt, dass in diesem Falle auf dem Ekky- 
klem ein recht hoher Sitz gewesen sein muss, der den Eindruck 
machte, als ob Euripides sich im Oberstock befinde. Neben ihm 
steht ein Diener, der dem Dikäopolis einige der zahlreichen 
Garderobestücke, von denen der Dichter umgeben ist, und einige 
andere Gegenstände reicht. Das Ende der Erscheinung wird durch 
eine tragische Formel angedeutet^). 

Wir dürfen hienach als feststehend annehmen, dass die auf 
dem Ekkyklema gezeigten Personen als im Innern des Hauses befind- 
Uch angesehen wurden®), dass die kleine Bühne gross genug war, 
um mehrere Personen aufzunehmen*) und dass dieselbe in der Regel 



*) Arist. Thesmoph. v. 95: RT. "AY<iO'(«v sjspyerat. MN. xal tcoö ttox" s^tiv; 
KT. 00X0? o6xxoxXo6fJ.£vo?. — V. 98: 1'((m "^äp oü)^ opo» 5v5p' ouoe'/ svl^aS^ ovxa, 
KopYjVYjv S' 6pu*. Vgl. V. 136 ff. — V. 219: •/^•ri'zov xt vov -^jitv ^üpov. AV. aozhq 
Xd/ißavs evxeöO-ev ex xyj(; ^^po^oxf]?. v. 252: XajJLßavexe xal y^r^z^'. oo '^O-ovui. 
Vgl. V. 257 ff. — V. 238: he-(%axui xi; £v5oö«ev 8a5' yj Xoyvov. — v. 265: et^to 
xt? u)? zd'/iiQxa \C eoxoxXfjaaxiu. 

*) Arist. Ach. V. 408: AI. akX* exxüxXyj^x'. ET. aXX' a^ovaxov. AI. aXX^ 
3|JL0>?. ET. aXX' 6xxoxXYjao|j.oa, xaxaßaivstv S' oo oyoX*^. — v. 410: AI. Eop'.rei^Yj. 
ET. x'l XlXaxa?; AI. avaßaSfjv «oiet?, ejiv xaxaßa^Yiv oox txh^ ywXoo? irotel?. — 
V. 432: tt) ical, 8ö? aoxw TyjXs^oi) ^axwjiaxa. xslxat $' äviuö-sv X(«v HoEGXstoiV pa- 
xÄv, iLsxa^b x&v 'IvoO?. — V. 479: dcvYjp Ot^pifet* xX-^s n-rjxxa 8a>|i^xo>v. Vgl. AVeck- 
LKiN, Philol. XXXI, p. 451. — Wieseler, (rött. Prorectoratsprogr. 1866, p. 17 
leugnet in den Acharnem das Ekkyklem, s. jedoch Philol. XXXV, p. 337. — 
Es ist eine ansprechende Vermuthung, dass in den Rittern v. 1327: o'^sgiS-s U- 
xal Y^P Ävo'.YVü^Jievwv tj'of o? ^^f] 'cwv KpojcoXattuv der Demos auf dem Ekkyklem 
gezeigt sei. Vgl. Nikjahr, Quaest. Aristoph. scaenic, p. 31 f. 

») Vgl. Aesch. Agam. v. 1379. Eumen. v. 178. Soph. Ai. v. 578. 581. 
593. Eur. Herc. für. v. 1032 ff. Arist. Ach. v. 479. 

*) Die Breite derselben war durch die Breite der in der Bühnenhinterwand 
})elegenen Thür bedingt, in den Eumeniden wird man daher für die Rollbühne 
eine grosse Länge bei verhält nissmässig geringer Breite anzunehmen und voraus- 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distej^ie. Ekkyklema. 147 

nur eine geringe Höhe hatte, damit den Schauspielern die Möglich- 
keit blieb, auf das Logeion herabzutreten. Die Constioiction des 
Ekkyklema sowie der Mechanismus, durch welchen dasselbe in Be- 
wegung gesetzt wurde, sind unbekannt*). Was die Lexikographen 
und SchoUasten über das Ekkyklema lehren^), stimmt mit unseren 
Aufstellungen überein, und ganz ohne Grund hat G. Hermann be- 
zweifelt, dass ein Herausdrehen stattgefunden habe imd nachzuweisen 
versucht, dass nur die Decorationswand nach beiden Seiten hin aus- 
einandergezogen sei, die zu zeigenden Personen aber ruhig an ihrer 
Stelle geblieben seien *). Dass ein solche Maschine hinter jeder der 



zusetzen haben, dass die Choreuten auf den beiden Langseiten derselben ein- 
ander gegenüber sassen, während Orest sich in der Mitte befand. 

>) Was 0. Mt^LEB, Kl. Sehr. I, p. 528 f., Lohde, Die Skene der Alten, 
p. 18 und andere in dieser Hinsicht beibringen, ist lediglich Vermuthung. Vgl. 
m. Ausfuhrung Philol. XXin, p. 328 ff. 

*) Poll. IV, 128: xb /xsv «ty.6xXYifjLa hnl ^üXtuv ü'}/-r]X6v (Wieseler, Götting. 
Prorectoratsprogr. 1866, p. 18 schreibt u^sXxxiv) ßad-pov, cL cKtxsttat ^povo;* 
5ety.vo3i 0^ xa 6itö sxyjvtjv sv tal<; otxiat^ aKoppTjxa jcpay^evxoc. xal xo pY^u.« xoö 
spfoo xaXEixat exxoxXsiv. 8;p' oh ^k slzd'^Bxai xb exxoxXfjjjLa, ei3x6xXYj|xa ovo|j.(iCexa:. 
xal ypTj xouxo voEla^at xaO-' Ixasx-rjv O-opav, olovsl xaiV exdax^jv olx'.av. Diese in 
ihrem ersten Theile wahrscheinlich auf einen einzelnen Fall bezügliche und daher 
unklare Notiz wird ergänzt durch Schob Arist. Ach. 408: sxxüxX-rj^ia 8g X^Y^xat 
jjLYjyavYjfjLa 4'jXtyov xpo/^ou^ ^X^v, oicsp ic£p'.3xp£cp6|i.*vov xa Soxoövxa ev8ov ax; tv olxia 
Tz^OLXXiz^ai -KfA xoX<; ^^lo sBstxvos, Xrfoj ^k xolq. ^saxat^. Femer Eustath. ad II., 
p. 976, 15: xb SYX'jxXfipx (häufiger Schreibfehler für exxoxX-rjiJLa, vgl. Dübner, 
Adnot. ad Schob Arist. Ach. 408; 0. Müller, Kl. Sehr. I, p. 528, A. 2), o xal 
sYXüxXfj^pov X^Y^xat, jJLYjydvY^pia -yiv oitoxpoyov, o'f' (vielleicht S'f') oh e^eixvoxo xa 
£v x^ Gxef>^ ^ oxYjvj (letztere Worte wohl Glossem; oxsoyj = postscaenium, s. 
G. Hermann, Jahn's Jahrbb. 1848, p. 5). Schob B ad II. S, 477 : Bai|j.ovt(«^ xöv 
irXd-sxYjv aoxb^ ^'.iKXaasv, luziztp tizi axTjvTj^ l'^v.DvXrpOLZ (Bekker vermuthet richtig 
rxxoxX-fjaa;) xal ^s'l^aj ^ipilv cv ^^avsptf» xb spYaaxYjpiov. Schob Aesch. Choeph. 
973: avotY^xa: 'q gxtjv^ xal stzI exxoxXY|p.axo^ öpäxai xd ow/xaxa. Schob Aesch. 
Eum. 64: xal Seoxspa ^k y,)/zxfxi 'favxaoia. sxpa',pevxa ^dp /i-rjyav^jpiaxa eSSYjXa icoie: 
xd xaxd xb /xavxslov w^ lyet. Schob Soph. Ai. 346: svxaöö-a exxf>xXY||j,d xt ^v^t~ 
xat, Iva ^av^ sv /isaot^ 6 Ata; ^otfjivloi?. O. Müller, Eumeniden, p. 103. Kl. 
Schriften a. a. 0. Geppert, p. 172. Lohde a. a. 0. Philol. XXIII, p. 329 ff. 
Wieseler a. a. 0. 

*) G. Hermann, Opusc. VI, 2, p. 165 f. beruft sich fälschlich auf Vergib 
Georg, m, 24 : vel scaena ut versis discedat frontibus und Serv. zu d. St. : scaena, 
quae fiebat, aut versilis erat aut ductihs erat. Versilis tum erat, cum subito tota 
machinis quibusdam convertebatur et aliam picturae faciem ostendebat, ductilis tum» 
cum tractis tabulatis huc atque illuc species picturae nudabatur interior, sowie 
auf Sen. Epist. 88 : bis annumeres licet machinatores, qui pegmata per se sur- 
gentia excogitant, et tabulata tacite in sublime crescentia et alias ex inopinato 

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148 8« 12. Setzstückc. Massive Docoration. Diste^e. Ekkyklema. 

drei Thüreii der Hinterwand angebracht werden konnte, wie über- 
liefert wird, ist an und für sich nicht unmöglich, wird auch in Aristo- 
phanes' Achameni vorgekommen sein, nur hätte man für die Ekky- 
kleme hinter den Nebenthüren nicht den Namen :raf.6Xx6xXr^(jLa er- 
finden dürfen *). Die fragUche Maschine konnte nicht angewandt 
werden, um am Anfange von Dramen Personen, welche sich in ruhen- 
der Stellung befinden mussten, vorzuschieben'^), noch um Gebäude 
zu zeigen ^). lieber die e$a)OT(>a ^), welche von O. Müller mit dem 
ixxoxXr^jia identificiert wird, nach G. Hermann dagegen ein hervor- 
geschobener Balkon war^), ist nicht zur Klarheit zu gelangen. 



varietates, aut dehiscentibus quae cohaerebant, aut liis, quac distabaut, sua sponte 
coeuntibus, aut bis quae eminebant, paulatim in se residentibus. Diese Stellen 
beziehen sich aber durchaus nicht auf das Ekkyklema. Sommerbrodt, Scaen., 
p. 151 folgt G. Hermann. Die Unrichtigkeit dieser Ansicht ist nachgewiesen 
Philol. XXIII, p. 330, und von Niejahr, Quaest. Ar. scaen., p. 38, der nament- 
lich darauf aufmerksam gemacht hat, dass im fünften Jahrhundert eine scaena 
ductilis nicht existierte. Buttmann zu Rode's Uebersetzung des Vitruv. I, 
p. 275 ff bezieht das xoxXelv auf das Innere der Scene, welches sich in einem 
Halbkreise umdrehte. Aehnlich 0. Mixler an der p. 147 A. 1 citierten Stelle. — 
Wieseler, Comm. de aliquot locis Soph. nondum satis explicatis aut recte emen- 
datis, Gott. Progr. 1875/6, p. 7 erkennt bei Sophokles das Ekkyklema nur im 
Aias an. 

*) Geppert, p. 172; Schönborn, p. 347; Lohde, a. a. 0. Es beruht dies 
auf Verwechslung mit dem Worte 7caf.eYXüxXy,|j.a, welches gleichbedeutend mit 
irapsTU'Ypoi'fri ist. Vgl. m. Ausfuhrung Philol. XXIII, p. 331 A. 49 und Droysen, 
Quaest. de Aristophanis re scaen. Bonn 1868, p. 25 ff., der freilich ü})erall ^apExy-o- 
xAYj[ia schreibt. 

*) Dies ist die Ansicht Schönborn's. Doch s. Niejahr a. a. O., p. 36 f. und 
das im folgenden Paragraphen Bemerkte. 

») So Arist. Thesmoph. v. 279 nach 0. Müller, Kl. Schr.I, p. 539; da- 
gegen Schönborn, p. 303. Ob mit Wecklein (PostKchrift für Urlichs. Würz})urg 
1882, p. 13) anzunehmen ist, dass, als Merope in Euripides' Kresphontos ihren 
im Zimmer schlafenden Sohn tödten wollte, dieser auf dem Ekkyklema heraus- 
gerollt wurde, ist zweifelhaft. 

*) Poll. IV, 129: lY^v Zk lioiZ'Zf^rAv Ta'jxiv xtt) ixxoxXYj|j.ax'. voiuC^o-siv. Hes. 
i^üiaxpa • sitl xy^^ CTfqvf]; x6 WY,6%\r^ii.a. Polyb. XI, 5: zr^q to/Yj? oi'snso irtxY^os? 
eicl xYjv l^di'sz^fÄV ava^!ßaC':'J3Yj? xYjV üjiexspav ayvoiav. Cic. De prov. cons. 6: 
itaque ille alter aut ipse est homo doctus et a suis Graecis subtilius eruditus, 
quibuscum iam in exostra helliiatur, antea post Fipariiim solebat. 

^) S. 0. Müller, Eumenid., p. 103. G. Hermann, Opusc. VI, 2, p. 165. 
Dagegen scheidet der erstere Kl. Sehr. T, p. 529 den architektonischen Gebi-auch 
des Wortes {= Balkon) von dem scenischen und setzt den Tnterschied zwischen 
£xxfixX7]|jLa und ejiucxpa nur in die Art der Bewegung. So auch AVkcklein, 
X. Jahrbb. 1870, Bd. 101, p. 572, nach welchem durch das'^Ekkyklem ein Theil 



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§. 12. Setzstticke. Massive Decoration. Distejfie. Ekkyklema. 149 

Was nun das Auftreten von Geistern Abgeschiedener und von 
dem Hades angehörigen Wesen anbetrifft, so lassen in den Persern 
des Aeschylos, wo der Chor auf Auiforderung der Atossa den Geist 
des Dareios citiert, und dieser, dem Rufe folgend, auf seinem Grab- 
male erscheint, die Textesworte mit Sicherheit darauf schliessen, dass 
derselbe von unten her aufgestiegen ist*). Weniger klar ist dies 
Aufsteigen beim Erscheinen der Klytämnestra in den Eumeniden"^) 
und des Polydoros in der Hekabe ^) angedeutet, indessen lässt es 
sich in beiden Fällen immerhin als wahrscheinlich annehmen. Hin- 
sichtlich des Thanatos in der Alkestis lassen dagegen die Anmeldung 
desselben durch Apollon und die folgenden Anapästen auf ein förm- 
liches Auftreten schliessen, und es ist nicht mit Bestimmtheit nach- 
zuweisen, dass diese Person von unten gekommen ist*); sollte das 
aber in der That der Fall gewesen sein, so würde das eine andere 
Vorkehrung bedingt haben, als fiir jene Schattengestalten, welche 
wahrscheinlich in ruhiger Stellung erschienen, erforderlich war. Für 
beide Arten des Erscheinens von unten her hatte die griechische 
Bühne, wie Pollux lehrt, Einrichtungen, die yapwv.ot 7tXi|iax6; und 
die avar'i'ju.ata *). Die letzteren entsprachen wahrscheinlich unseren 

lies Palastes vor die Augen geführt, durch die Exostra uur ein einzelner Gegen- 
stand hervorgehoben wurde. So soll Eur. Hec. v. 1055 Polymestor auf dieser 
erschienen sein; doch sprechen dagegen v. 1050: xo-^Xu» sTsiyo'/ra Tc/pa'fopto 5to5i 
und V. 1053: /wps: o, tu; opä;, 3o' sx oojituv. AVecklkin, Philol. XXXI, p. 451 
lässt auch Soph. Antig. v. 1293 die iicu^xpa zur Anwendung komnien. 

*) Aufforderung der Atossa v. 619: olkk\ J> '^iXot, yoaiat xoti^oi vspiEpiuv 
opoo; sicso'^Yjjtsits, xov t3 ^a'lfjLova Aapsiov «YxaXsiaö**. Vgl. aus den Versen des 
(^hors v. 630: ;rgjjL'}ai' r/spÖ-e 'Iü/y^v e; ft?»;, v. 645: rtlfiirsTs o' Svui x^v orov oüicw 
lljpal; ocV sxdXo'^sv, v. 6.50: 'A'iotovs'j«; o* av'itKojjL;rö; 6tv5'lYj;, 'Aioouvsu;, oiov avä- 
xxopa Aaptäva, v. 657 : Ixoö xovo' Ik axpov xopojxßov oyÖ^O'j. 

'•') Aesch. Eum. v. 95: v(m o' o'f' ojJLtov u>$' 0tirrjxtpLa3|i.£VY] aX^oi^tv sv vExpolsiv 
li*; jiiv sxxavov &VcWo; sv '>pi)".xol3'.v oox sxXstTTSxa'., otlsypiö; $' iXtujj.a:. ScHÖNBORN, 
p. 211 lässt die Klytämnestra aus dem Tempel kommen; sie muss v. 139 auf 
demselben Wege, wie sie aufgetreten ist, verschwinden. 

^) Eur. Hec. v. 1: YjXü> vsxpojv xsui^pimva xa: oxoxoo TZ'iKa^ "/»trcwv, :v' "Ai^y^; 
/(«pl; o)xi3xa'. »H-siiv. Schönborn, p. 233 macht beachtenswerthe (iründe dafür 
geltend, dass Polydoros aus dem Zelte der Mutter kommt; jedenfalls deutet 
v. 52: Y*p'^'4 ^' sxiroodiv yiup-fj30|j.a'. *Exaf»jU auf förmliches Abgehen. 

') Eur. Ale. v. 24: t^otj os xovo« Hav/xov zlzo^ih tzzkol^, boY] O-avovxwv, vgl. 
die Anapästen v. 28 — 37 ; nach v. 74 : axsiyto o' l:z' a»)X*f|V geht er v. 76 in den 
Palast. Schönborn, p. 136 lässt ihn auf dem Logeiou auftreten. 

^) Poll. IV, 127: xal yapcuviot (yaptuv-'.oi BÖTTIGER, Kl. Sehr. I, p. 260) 
xXifJiaxt«; xal av'x;it£'3|JLaxa. 132 : at ^k yapiuviot xXtjiaxs^, xaxa xac; ix xwv soojXiojv 



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150 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 

Versenkungen und hoben Personen stehend oder liegend*) empor, 
die ersteren müssen eine aus der Tiefe herauflfiihrende Treppe ge- 
wesen sein. Da wir aus anderen Quellen nichts über diese Dinge 
erfahren und Pollux sich sehr undeutlich ausdrückt, so gehen die 
Ansichten über den Ort, wo sich dieselben befimden haben, sehr 
auseinander. Während sie von den einen in die Orchestra und dort 
fast auf jede mögliche Stelle verlegt werden 2), suchen sie andere 
auf der Bühne ^), und mit vollem Rechte, da es sich nicht um Vor- 
kehrungen flir den Chor, sondern für die Schauspieler handelt*). 



xa^oBoo^ xei{i8vat, ta eT§(uXa iiK* a5xu»v ^vanspiicouatv * td dl dvatctiapLata, xh {xev 
E3t:v ev T^ axYjv^ ui^ KOtapiöv dveXO-zlv ^ xotoöiov t: Tcposwicov, xb hi :rspl toi)^ dva- 
ßad-jjLOü;, itp' u)v ötvsßatvov 'Eptvos?. — Xap(uy?'.a sind Erdfälle oder Schlünde. 
Diog. Laert. VII, 123. Grälen., De usu part. VIT, 8 nennt yapcuvsia ßapa^pa. 
Flin. Nat. bist IE, 93. 208: charonea, aerobes mortiferum spiritum exhalantes. 
Poll. Vm, 102: xoö 5i vopLO'^oXaxtoo d-opa jjita yaptuveiov exaXetxo, Äi' tj^ x7]v eitl 
O-avaxcf) dnYjYovxo. BÖTTIGER a. a. 0. — MuHL, Symbolae ad rem scaenicam 
Acham. Aviumque aecuratius cognosc, p. 8, deutet auf die x^P^^'o^ xXipiaxe^ 
und die dvaicuajiÄxa die Worte des Grammatikers De comoedia p. XX, v. 32 
Dübner: ipo^iiaot xt xaxaYsioc; xal ÖKo^oitot^. 

') LoHDB a. a. 0., p. 22 erinnert an die liegende Stellung der Flussgötter. 

') 0. Müller, Eumen., p. 74 sucht die avaTciGpiaxa bei der Treppe von 
der Orchestra nach den Schausitzen ; Gr. Hermann, Opusc. VI, 2, p. 134 verlegt 
die Charonische Stiege neben die von der Orchestra auf die Bühne führenden 
Stufen; fast ebenso Toelken, Ueber die Antigone des Sophokles und ihre Dar- 
stellung. Berlin 1842, p. 70; Wecklein, Philol. XXXI, p. 442 bringt beide Vor- 
kehrungen mit dem Tanzgerüst in der Orchestra in Verbindung. 

*) BöTTioER, Kl. Sehr. a. a. 0. (zum Theil); Sommerbrodt, Scaen., p. 157 f; 
LoHDE a. a. O., p. 21 f. Es handelt sich um die Bedeutung des xaxa und der 
avaßaO-jjLoL Wird ersteres durch unter, neben oder gegenüber übersetzt, 
und werden letztere als die Treppen zwischen den Sitzreihen oder die auf das 
Logeion führenden, oder die von O. Müller an seiner Thymele vorausgesetzten 
Stufen gefasst, so wird man auf die Orchestra gewiesen. Sommerbrodt und 
LoHOE übersetzen xax-i ebenfalls durch neben, ändern aber den Text, der erstere 
in xaxa xa^ xuiv el^tuXwv xa^^oo?, letzterer in xaxd xd^ sx x<öv s^s^Xicuv xaO^ooo^. 
Jede Aenderung ist überflüssig. Schneider, A. 124, giebt das Richtige: „Die 
•/aptovtoi xXipiaxE^ hatten eine den von den Sitzreihen herabführenden Stiegen 
ähnliche Lage." Der Platz der dv«t;rti3|ioixa auf dem Logeion wird sich nie 
ermitteln lassen, da die dva,3a0'|i.o: dunkel bleiben. Lohde a. a. O. erklärt die 
letzteren als schräge Rampen. Vgl. über die ganze Frage Philol. XXIII, p. 335 f. 
und XXXV, p. 304. 

*) Vgl. Sommerbrodt, Scaen., p. 284. Man beachte auch , dass die 
Orchestra im griechischen Theater keine unterirdischen Gewölbe hatte, wie sie 
sich im römischen Amphitheater finden. 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distej^e. Ekkyklema. 151 

Wir sind jedoch nicht hinreichend unterrichtet, um ihren Platz auf 
dem Logeion bestimmen zu können. 

Die oberen Götter traten in den Tragödien allerdings nicht 
selten, wie die Menschen, auf dem Logeion auf*), indessen ist einige 
Male in solchen Fällen, wo die betreffende Gottheit den Knoten 
der Fabel löst — der Dens ex machina — , in den Texten deutUch 
ein Erscheinen in der Höhe angedeutet. Die hieher gehörenden 
Stellen finden sich nur bei Euripides, und zwar in der Andromache ^), 
im Orest *), in der Elektra *) und im Ion *), wo bezw. Thetis, ApoUon, 
die Dioskuren und Athene erscheinen. Hieraus ist zu schUessen, 
dass die Götter auch da, wo sie zu ähnlichem Zwecke eingeführt 
werden, jedoch jede Andeutung über ihr Erscheinen und Verschwin- 
den fehlt, in der Höhe sichtbar geworden sind. Derartige Fälle 
begegnen uns in Sophokles' Philoktet^) und bei Euripides in der 
Taurischen Iphigenie '), der Helena ^) imd den Schutzflehenden •), wo 
es sich um ein Eingreifen bezw. des Herakles, der Athene, der Dios- 
kui-en und wiederum der Athene handelt. Wenn im Rasenden He- 
rakles Ins und Lyssa ^^) und in der Medeia die Heldin des Stückes 



*) So die den Prolog sprechenden, wie Aphrodite im Hippolytos (vergl. 
V. 53: s^ü) Tiov^? ß-fj-so/iai tokcuv), Apollo in der Alkestis, Hermes im Ion, Dio- 
nysos in den Bakchen, Poseidon und Athene in den Troerinnen; femer Athene 
im Aias, da v. 15: xäv &TtoKzo<; -J; 2jj.ü>? als allj^enieine Bemerkung zu fassen ist^ 
Sonst gehören hieher Artemis im Hippolytos v. 1282, Athene in den Eumeniden 
V. 5Ö4 und Hermes im Prometheus v. 944. 

*) Eiir. Androm. v. 1227 ff.: tt xextrrjxa'.; Ttvo? ataO-dvojjLat O-ztoo; xoöpai, 

') Eur. Or. v. 1629: 'KXIvtj |i.iv, r^y zh ^toKtzai icpoO-oiio^ Jiv ^jjiaf»«^, opYT^v 
M«vEX2(p Ko:o6|i.r/o;, yj $' sstlv, -JJv opdx' iv alO-ifio? Kxoyat^, da jedoch die 
her\'orgehobenen Worte sehr verdächtig sind, ist es fragUch, ob dieser Fall hier 
anzuführen ist. 

*) Eur. El. V. 1233 ft*. : aXV olot oofimv 6:tJp otxpoxaxiuv -f aivooat xivi<; oaipLOvs? 
Yj d-zdiv X(«v oopavltuv • oo Y^p dvTjXoiv y' 'ffi* v.cktf)^*iq, 

*) Eur. Ion. v. 1549 ff. sa • xii; olxwv ^oo^oxcov f)^::s^-:l)A^^ öivxy|\'.ov irpoawitov 
ex^atvsi ^E(I>v; 

«) Soph. Phil. V. 1409. 

') Eur. Iphig. Taur. v. 1435. 

») Eur. Hei. 1642. 

•) Eur. Suppl. V. 1182. — Der Tenor der Stelle Eur. Bacch. v. 1330Mä8st 
auf Erscheinen des Dionysos in der Höhe schliessen, indessen ist der Text vor 
dem genannten Verse defect. 

***) Eur, Herc. für. v. 815 ff. : ea fo, ip' s^ xov aoxöv jcixoXov -Tjxojjlsv '^o^oo, 



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152 §• 1^' Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 

mit ihren Kindern über dem Hause erscheinen *), so sind diese Fälle 
zwar nicht mit jenen gleichartig, jedoch denselben äusserlich amdog. 
In der Komödie gehört hieher nur die Auffahrt des Trygaeos in 
Ai'istophanes^ Frieden ^), da das Auftreten der Iris *) in den Vögeln 
und die Rückkehr des Peithetaeros mit der Basileia in demselben 
Stücke*) wohl kaum die Anwendung einer Maschinerie erforderUch 
machen. Jene Erscheinungen können nun auf dreifache Weise bewirkt 
worden sein, entweder durch Aufsteigen von unten nach oben, oder 
durch Herabschweben von oben nach unten, oder endlich durch 
Hervortreten auf ein in der Höhe befindUches Gerüst bezw. Hervor- 
schieben der Person auf einem Balkon. In der That reden die 
Schriftsteller dem entsprechend von ^soog oTpsiv*), &cOix; xatdYstv*) 



YSpovtE^, oiov 'fa^ji.' 6äIp ^ojuov 6piö; 'fo-fj 'f'JT'ö ''">^^? Tit^atpE xu»/sOv, extio^cuv 
r^a. V. 822; O-apss'is Noxtö? rrjv5' 6pu>vti^ sxyovov Aoasav, '(kpo'^zts;^ xa|jLl r>]v 
O-scuv Xdxptv, 'Iptv. 

*) Eur. Med. v. 1317 &.: rl "zuzh xtvs:; xotvaiio/Xsüct? ^töXa^, vjxpoog cpiovcov 
v-aid X7JV 8lpYa3|i.evTjv; tzolözoli ;c6voo xoü5'. z\ o' spioö /peiav 5/?:^, Xi^' et tt ßo'JXst, 
ystpl $' o*j »J/aoast^ icots. toiov^' ^X'OH-'* Tcatp^i^ "UXto? ^raxYjp 5'$a>3iv •fijj.lv, ^pu^a 
rto/vE'iia^ X5p'>?' Bezüglich der Kinder vgl. v. 1363 f.: lA. J» tsxva, fjLY^Tpi^ cu? 
xaxYj? £x6p3ats. MU. a> icai^E^, to? uiXs^J)-* ;raTp<üot voaw und v. 1370. 1371. 1378. 

*) Arist. Pac. v. 79 : otfiot laXa«; • Xzt ^söpo ^sup', u> ysiiovs; • 6 ^saitoTY^g y^P 
|j.ofj p.cTeu>po^ atpsiat Itcsyj^öv s<; tov oip' i;:t xoO xavIHtpoo.Vgl. v. 93: OTclp 'EX- 
Xyjvü>v -avxcov ;i£xojj/x'. und die folgenden Verse. Diese Scene ist eine Parodie 
des euripideischen Bellerophontes, vgl. Welcher, (Ir. Trag., p. 794. Der lierr- 
schenden Annahme gegenüber, dass Trygaeos zum O-joXoysjov aufgestiegen und 
die folgende Scene auf diesem ge8i)ielt habe (Schünborn, p. 334 ff.; Richter, 
Proleg. ad Ed. Pac. p. 25 ff.), oder dass Trygaeos in der That nicht aufgestiegen sei, 
dagegen sich die Decoration herabgelassen habe ((teppert, i>. 167, Droysen 
a. a. 0., p. 49 ff.), hat Niejahr, a.a.O., p. 25 glaublich gemacht, dass Trygaeos 
sich über das Logeion nur wenig erhebt, dann aber wieder niedergelassen und 
das Logeion als Olymp angesehen wird. 

*) Arist. Av. V. 1199: aOxYj au -ot ttoi izoi :cEXst; |X£v' r^ao/o;, ty- axp£|i.a(; 
auxoö* oxY^O-'- ETitr/s? xoö opojioo und 1196: aO-pst $i rra^ xi; iravxayYj x'JxXu) axoirojv, 
tu«; £YY^*5 '^i'^'fi oot'iiovo; ^ts^ap-too Zbrr^^ icxcpoixo^ ^ptfoYY^^? sj'^^o'^sxa' zwingen nicht zu 
der Annahme Schönborn's, p. 320 und Muhl's, p. 38, dass die Iris wirklich fliegend 
auf die Bühne gekommen sei. 

*) Arist. Av. V. 1709: Tcpoasp/sxat y*P ^^'-^^^ ^^'* Tcaji'^oiYj^ aaxYjp lociv 
EAapL'Jc /pu-aoYE'. oopitp, oofr' yjXioo XYjXaoY^? axxivwv asXa^ xo'.oüxov e4£'*'''*IJ^'t'£'''> ^f*» 
sp/sxat E/wv Y'»»'*-*^? xaXXo; oh ,paxov XiYstv, :tGi>vX(uv xjpotovov xxX. v. 1718: 
ool ol xaüxo^ bxtv sprechen eher für gewöhnliches Auftreten als für Herab- 
schweben, das von Schönborn, p. 322 und Mühl, p. 57 angenommen wird. 

*J Plat. Cratyl. p. 425 D: m-sicsp ot xpaY^oonoiol Ejistoav x: a;copo>3'.v s::: xa^ 
;iY,/ava; xaxafsuYou'St O-sou? atpovxs;. Plut. Them. 10: martep £v xpaY<j>oia ^Y|yavY^v 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 153 

und O-sov sirstoTtDxXsiv ^), und wii* dürfen vielleicht annehmen, dass 
Thetis in der Andromache ^) und Apollon im Orest auf die erste ^)f 
die Dioskuren in der Elektra *) sowie Athene im Ion *) auf die zweite 
Weise erschienen sind, während im Philoktet, in der Taurischen 
Iphigenie, der Helena und den Schutzflehenden der Mangel jeder 
Andeutung im Texte darauf hindeutet, dass die Erscheinung des 
Gottes eine rasche und unvermittelte, tdso der dritten Annahme 
entsprechende gewesen ist. Ueber die Maschinerie, welche bei diesen 
Erscheinungen in Anwendung kam, sind wir leider nur mangelhaft 
unterrichtet; erinnern wir uns jedoch, dass höchst wahrscheinUch vor 
der Bühnenhinterwand in angemessener Höhe ein Balkenlager an- 
gebracht war*), so ist es glaublich, dass das erforderliche, auch be- 
zeugte, Drehwerk') auf diesem seinen Platz hatte und dass Erschei- 

apag. Id. Quaest. conv. IV, 2, 4, p. 665 E : xaO-aitep 8v x(u;jiu>$'l^ |i.Tj/ava^ aipovta; 
xal ßpovTag 8|i.f^dXXov'ca^ Kspl tcoiov ^taXe^safrat irspl xtpaovÄv. Ibid. VIII, 4, 5, 
p. 724 E : xal Kpoarc. Tpa^ixÄ? pLYjyavr^v fipavte^ ^E^iXTJsO'e ttj) ^ü) tou? aviiXi^ovra?. 

*) Suidas 8. V. impr^it/x: h aoi^ ^k xarrj^ov zobi; d-soo^, was sich indessen 
auch auf solche Fälle beziehen kann, in denen Götter auf das Logeion herab- 
^gela88en werden, die sich aber in den erhaltenen Dramen nicht nachweisen 
lassen. Ueber Aesch. Eum. 397 \g\. p. 134, A. 1. 

*) Luc. Philops. 29: O-siv a:r6 |jL7)ya'/T^; E;csi3xoxkYjiHivai |JLOt. Bekkkr, Auecd., 
p. 208, 9: airö p.Yjyayr^;: jATi/a'/rj Izzi ;capa zoiz xco/iixoi^ eYxoxX-fjttaTO^ (rect. sx- 
xoxX.) Ti st^o; CLKO 3'jvO*fjxYj(; :rp^><; o <^i^zxm h (del.) i\^ tyjv ^xt^vTjV $s'1^£u>^ X^P*^ 

' *) Eur. Andr. v. 1232: t^xco Hsti^ Xt::oo-a NT^psoi^ oojjloo?. Wie sie ver- 
Hchwindet, wird nicht angedeutet. 

^) Falls Helena neben dein Apoll erscheint, ist zu beachten, dass erstere v. 125 
in den Palast abgegangen ist. Nach v. 1683: r^oj o' 'K'/ivr^v Zyjv6; jieXdD-pot; tcs- 
Xa^u), Xa|i.sp(MV asiptüv icoXov ev>t''">3a<; verschwindet die Erscheinung nach oben. 
Hieher gehören auch Medeia und vielleicht Iris und Lyssa, von denen die erste 
nach oben (v. 872: ststy' i^ ()^X'>|i.:rov ;cs$a:poo3', 'Ip:, -(z^/^riio^^ i:o$a), die letzte 
nach unten (v. 874: e^ o6|j.oo?o' Y,jui^^:pavTot ^o30|i.£3Ö'"IlpaxXeoo;) verschwindet. 

*) Vgl. die p. 151, A. 4 citierten Verse; sie verschwinden nach oben nach 
V. 1347 : vui $' ettI tcovtov lixsXtxov a;ro')OTj zotzo'/zt vsdiv Kpcppa^ svaXoo':. Sia 5' 
at^pia^ 3i£iyovtt «Xaxog xiX. 

^) Eur. Ion. v. 1555: s^roV/ofio^ ol avj? ä'f'.xo|jLYjv yO-ovo?, llaXXd^, op6^(p 
OTCE'jsa^' WiroXXcovo^ ;c«ipa. 

*) S. p. 118 A. 1. 

') Arist. Daed. frgm. 9. Meineke, p. 1019 = Kock, p. 436 n. 188: o |j.Yjyavo- 
iroi6<;, ^710X5 ßo'SXst xov xpoyov sXäv avexä^, Xsys, y^'-p* f^'Y'^? YjXtoo (otvsxct^ oben nach 
Flut. Thes. 33). Vgl. Arist. Pac. v. 174: ut |jLY|yavoKois, rz^6zr/z xov voöv (ü^ t|u. Schol. 
Luc. Philops. VII, p. 357 Lehmann: ocvcoO-sv r>j:lp xce<; ;cap' exotizpa ty^; fi-i^Yj? tou 
O-socxpoo O-opa? (aoiat ol Jtpi^ rrjv s'j^stav tqO d-sdxpo') :rXs'>pdv dv5(j)Y80av, oG xa: -q 



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154 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 

nungen, welche von unten hinter dem Decorationsrahmen hervor 
aufstiegen, sclüiessUch hinter dem Balkenlager verschwanden, während 
die von oben herabschwebenden hinter demselben hervorkamen imd 
erforderlichen Falls hinter dem Decorationsrahmen verschwanden. 
Die Gestalten standen dabei auf einem Brette, welches in verschie- 
dener Weise, namentUch als Wagen, hergerichtet war*). Die Taue, 
an denen dasselbe hing. Wessen auopat, und danach ist man berech- 
tigt, das in den Quellen erwähnte awopTjjia^) mit dem sonst (XTjj^avTj 
genannten Apparate zu identificieren ^). Wenn Pollux sagt, die Stelle 



oxTjvrj xal xö irpoaxTjviov saxi) jiYj^^avuiv 56o p.6teti>p:Co}Uvti>v 4j «5 ötpt^tspwv d-joo? xal 
Tiptuac eve^^ivtCß ^rapeüO-o, cusicep Xoaiv cpepovxa? xuiv öt|JL7j)^dv(ov xal toüxoo itapa- 
Zr^\oD\t£yoo, io<; ob ypYj aitt3XsTv xoi? §pü>|j.lvoi^, eirel ^eö^ «dpesxt x<j> fpY«}*» 4* f*-'']^^"^ 
dSüvaxov exxsXelv. Schneider, p. 97 denkt an die Thüren der Paraskenionswändc, 
Geppbrt, p. 177 A. 1 richtiger an die Nebenthüren der sxtj'/yj und nimmt als 
Gegensatz zu süfrita ein reXa^ta. Vgl. Poll. IV, 128 unten A. 3. 

*) Eur. Ion. v. 1569: dXX' w^ ^tzpaivu) icpaYfwt xal /pYja|i.o65 O-ju), rf ' o^otv 
fC>i>4' &p|i.at', »baxoooaxov, wo man allerdings ein xd^t vermiest. Herc. für. 
V. 880: ßißaxev 8v St^powtv d :coX6oxovo;, dpjJLasi 8' Mt?ü)3t xlvxp' tirl Xioßqj 
Noxxö^ FopY^v fcxaxoYxs^pdXo:^ ocpscuv la/Yipiaat , Aoaaa {jiap{jLapu):c6(. Med. vgl. 
oben p. 152 A. 1. Meistens wird es mit Wolken umgeben gewesen sein. 

^) Poll. IV, 131: attupa^ 5' dv zXkoi^ xoü^ xdXüx;, oi xaxY|px*r|vxa'. 8$ 5'}oo^ 
dvr/ctv xoo^ M xoö depo^ 'f epsoO-at ooxoövxa? Yip«>; ^ Ö^oo?. Suid. s. v. eiupYijj/x • 
6 BsXXepo'^fovxTjg 3id xoö llrj^d^oo xoö :rxspüJXOÖ ei:c0'ü|i.'rj3sv tt^ x'>v oopavöv dvtX- 
O-ctv. xoi '^Yj-iv E^ptitt^Yj^ „d^' tt> ^iXov jj.ot llfjYdao'j 'f*/^ Tcxspov." |j.exe(upo^ ol 
atpexat ejil |iYjyav7i;. xooxo §» xaXstxott siupYjfAa. ev aoxij §c xax7]Y^^ "^^^^^ %'toh^ xal 
xo6(; SV dipt icoXoOvxa^. 

') Poll. IV, 128: "fi JJ^Yj/avT] ok O-soo? ^sixvjat xai r^pu)^ xoix; ev dspi, IJeXXt- 
pöfovxa^ ri lUpasa^ (Welcker, Gr. Trag., p. 648), xal xsixat xaxd xtjv dptaxspdv 
:rdpo§ov, 6-lp xyjv 3x*rjvr)v xo 5'}o?. 8 5' e^xlv sv xpa^cu^ia |jLYjyavri, xoöxo ev xu>|üui- 
ota xpao-r]. 129. ^yjXov $' Sxt ^oxyj^ ssxl |it;jiYj3i<;- xpdÖT^v ^dp xyjv soxtjv xaXoöatv 
ot 'Axx'.xot. Schol. ad Lue. Hermot. IV, p. 353 Lehmann: ol ^dp xtwv xpaYmotAv 
TTOiTjxal, oxav zlzr^yÄ'fO'j sl^ xtjv axY|'/7jv xoXpiav, . . . slcoÖ'aat li-soi? sladYsiv oox eji' 
aoxYj? xTj; sxTjVfj': ^ip{jL(u^svou(;, dXX' sj O'^oo^ d:?6 xtvo^ f^'^iX'^'^i* "... eXeysxo ol 
JJ-Eo? d;c6 fjL*/jy avYj^. Suid. s. v. d«6 /ifj/a'/r^; ebenso. Plat. Clitoph., p. 407A: 
cuGTCSp £;rl fAYjavr^; xpa^'-XY^^ ö'so?. Luc. Hermot. 86: x6 xu»v xpaYü>$ü>v xoöxo, 
fVso; sx lATjyavY^«; sjrt'^avs»;. Ursprünglich wird das Drehwerk ji-rjyavYj geheisscu 
haben und der Name dann auf den ganzen Apparat übertragen sein. Vgl. 
Böttiger, Dens ex machiua in re scenica veterum illustratus. ()i)usc., p. 348 ft*. 
SoMMERBRODT, Scacn., p. 153 ff. LoHDE a. a. O., p. 14ff. Philol. XXIIl, i>. 333. 
NiE-JAHR a. a. O., p. 39 f. — Nach Pollux IV, 126: xal {J-sou; xs {J-aXaxxioo? e;cdY£t 
(die hnke Periakte) xal irdvO-' 03a EsayO-E^x-pa ovxa r^ jjiT^ya'/Y] ^sps'.v doovaxsi 
sollen Gegenstände, welche ihres grossen Gewichtes wogen von der |tYjyav4] 
nicht getragen werden konnten, durch Umdrehung der Periakte gezeigt werden. 
LoHDE, p. 17 meint, diese führe die Meergötter herbei, weil dieselben auf der 



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§. 12. Setzstücke. Massive Decoration. Distegie. Ekkyklema. 155 

der tragischen ^riyarfi vertrete in der Komödie die xpdSifj, so wider- 
sprechen dem andere Notizen, nach denen die xpASifj ein Haken war, 
der in der Tragödie zur Hebung von Personen verwandt wurde *). 
Ein solcher, den man benutzte, um eine Leiche nach oben hin zu 
entführen, war auch die Y^pavo^, der Krahn*). Für die dritte Art 
der Erscheinungen sind wir ohne nähere Nachrichten, es sei denn, 
dass das ^oXoysiov dazu benutzt wurde, über welches wir ebenfalls 
nur sehr mangelhaft imterrichtet sind, welches jedoch abgesehen von 
dem in der Quelle angeführten Beispiele eine solche Verwendung 
wohl gestattet haben würde *). Ob die Götter in der Mitte der Bühnen- 



Bühne nicht gut anders als gemalt erscheinen konnten. Schnetoeb, p. 95, A. 117 
lässt solche Personen durch die „Thür der linken Seitenscene" auftreten. Die 
Sache ist dunkel; jedenfalls scheint Malerei aushelfen zu sollen, wo die Maschi- 
nerie nicht ausreicht. 

*) PoU. IV, 128 f. Schol. Arist. Pac. 627: xpo^Yj tl8o(; aox'?)(;. raxt Ik xal 
fir^xavY^. Dagegen Flut. Prov. 116 (Paroemiogr. Gotting. I, p. 388): xpdtSir|c 
^ttY^bY]?" vö/ o6x ö oüxtvo^ xXd8o;, iXX' 4j iy^opt^, octp' «yj^ ol 6jcoxptTal iv xaT^ 
xpa^ixal^ 9x-r}yai( l^rjL^xüi'vz'tx ^o5 p.ifiOüfi.(voi tititp^vetav C(»(3'CY]pat xal taivtat^ 
%rMxz*Xf\\i^ho\, Hes. 8. V. xpa^Yj* aoxYj* xX<i^o^* xal oq'^^P^?» H "^^ avYjKtovxo ol 
ev xal; xpaYtxat; |A'rjyavai(; gKt'>patv6jisvot. Wecklein, Philol. XXXI, p. 451 meint, 
wie der Name, so sei auch die Gestalt der in der Komödie üblichen Maschine 
eine Parodie der tragischen gewesen. 

*) Poll. IV, 130: 4] "^l •^iprxyo^ jA-rjyavYjfxa saxtv ex }x«x3u>poo Xaxaipepo/Asvov 
e^' ttpicaY^ 3a>/taxo?, u» xr/pr|Xat 'Hd>; dp:cdCousa zb zm^a Msfj.vovo;, in Aeschylos' 
Psychostasie ; vgl. Welcher, Aeschyl. Tril., p. 432. Bekker, Anecd., p. 232, 5: 
f ipavo; xal ev rj sxyjv^ &p:ca{ xaxs3XEoaap.cvo; »Stc^ xoo fiYjyavoicoioö, ej o5 h soxeoao- 
|xsvo( 6;coxpixtxu>; xpa^w^si. LoHDE, p. 15 meint, die '(i^aLVO(; habe theüs senk- 
rechtes Heben und Senken, theils in Verbindung mit einem auf schwebender 
Bahn hoch über der Bühne in horizontaler Richtung geführten Wagen ein 
Schweben von Personen in schräg aufsteigender Richtung bewirkt, wovon indess 
nichts tiberliefert ist. 

*) Poll. IV, 130: OLTzb ^A xo5 ^oko-^zioo Svxo; 6:cip x4]v axYjvrjv ev o^v. ezt- 
^aivovxat ^oi, w; o Zs'j; xal ol itspl aüxiv ev ^''o^^ooxaal^. Vgl. Plut. De aud. 
poet., p. 17 A: Äapaoxvjsa^ xai^ itAaax'.Y^t xoO libq evO-ev |ilv xy]v Hextv, evOtv 3i 
xYjv 'Ha ^sopiva^ ürtip xcwv oUcov /iaxojj.ev(ov. Welcker, Aesch. Tril. a. a. 0. und 
(Ir. Trag., p. 36 f. Sommerbrodt, Scaen., p. 155 f. erklärt das ^eo^oystov als eine 
Bühne für solche Götter, welche als im Himmel, „quasi in suis sedibus", be- 
findlich dargestellt werden sollen. Lohde, p. 17 hält es wenig wahrscheinlich 
für verwandt mit dem auop*qjj.a, Sommerbrodt's Auffassung stimmt zu dem 
angeführten Beispiele, es bleibt jedoch unklar, ob diese Oberbühne eine feste 
und stets sichtbare war, oder nur im Fall des Gebrauchs hergerichtet wurde. 
Letzteres war erforderlich, wenn sie den Deus ex machina zeigen sollte; sie 
musste dann aus einer Thür, wie solche im Oberstock des Bühnengebäudes z\\ 



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156 §• 12. Setzstücke. Massive Decoration. Disteji^e. Ekkyklema. 

hinterwand oder auf einer der Seiten derselben erschienen, bleibt un- 
klar; die Texte deuten auf das erstere*), die Nachricht dagegen, 
dass das Drehwerk auf der linken (vom Schauspieler) Seite der Bühne 
in der Höhe aufgestellt war, führen auf diese Seite '^), wenngleich 
trotzdem durch eine einfache Vorkehrung doch die Ersclieinung in 
der Mitte bewirkt werden konnte. Das arf»oysiov lernen^) wir aus 
einmaHger Erwähnung nicht genauer kennen, und vom Yj[i.t'3t(>ö'f lov *) 
erfahren wir lediglich den Namen. Völlig dunkel bleibt endlich das 
YjpitxoxXtov *). Auch für die Darstellung von Blitz und Donner, vde 
solche im Prometheus ^), im Oedipus^tuf Kolonos^), in den Wolken ®) 



Aspendos erhalten sind, vorgeschoben werden. Zu beachten ist, dass Pollux das 
O-soXofstov § 127 unter den Maschinen aufführt . 

») Eur. Ion. v. 1549, s. p. 151 A. 5. El. 1233, s. p. 151 A. 4. Herc. 
für. v. 815, 8. ibid. A. 10. 

*) PoU. IV, 128, s. p. 154 A. 3. Schol. Luc. Philops. VJI, p. 357 — 
Lehmann, s. p. 153 A. 7. 

•) Poll. IV, 132: x6 sxpofjiov, o too? YjpoD^ f/Ji to-j? il; lö ö-siov jisO-ssiy,- 
xota;, ^ Too? SV niKOL'^v. ^ :roXift(f) tjXsütcuvta?. ScHNBü)ER a. a. 0., p. 101, 
A. 121 schreibt otpo'f.ov und hält dasselbe seltsamer Weise für eine streifartige 
Decoration, die Wellen vorstellte und hin und her bewegt wurde, um den Schein 
unruhigen Wassers zu geben; ähnlich Muhl a. a. 0., p. 8; Lohde, p. 15 denkt 
richtiger an eine Winde. 

"*) Poll. IV, 127 wird es erwähnt, § 132 scheint aber die Bestimmung über 
den Standort und den (lebrauch ausgefallen zu sein. Vgl. Wecklein, Philol. 
XXXI, p. 452, der den von Pollux an letzterer Stelle dem Yj^txyxXiov zuge- 
schriebenen Gebrauch bei der Lückenhaftigkeit der Stelle für das TjjjLi-xpö'f.ov 
in Anspruch nimmt. Lohde, p. 15 denkt an einen eine halbe Wendung machen- 
den Krahn. 

*) Poll. IV. 131 : lü) Oft •fjpLixfjxXiw to /xiv T/*rjjj.a ovojJLa, "fj oj 0"£3i? xaxa 
rriv op/Yj^Tpav, (132) 4] os ypsioc ^yjXoüv :röppu> ttvot t*?]; TzoKtoDC. zo::fjy r^ to-^; sv 

O-aXdiTig vYjyojiEvoo; r^ zo'x; h iziKotr^zi yj :coXs/x(« xs>»soxoiVTa<; (wenn die 

letzten Worte sich noch auf das YjfjLtx'jxXiov beziehen), (teppert, p. 114 setzt 
es in die Orchestra, so auch Weoklein a. a. ()., der aber annimmt, dass hinter 
opyrpxpav die Bestimmung des •fjp.'.xoxXtov ausgefallen ist. Schneider, p. 100, 
A. 120 und Lohde, p. 20 setzen es auf die Bühne; letzterer denkt an eine zweite 
Hintergrundsdecoration, die durch einen Ausschnitt der vorderen gesehen wer- 
den mochte und die auf ihr dargestellten Gegenstände entfernter erscheinen 
liess. Muhl a. a. O., p. 8 lässt den See in den Fröschen des Aristophaues auf 
demselben abgebildet sein. Weitere Vermuthungen s. Philol. XXIII, p. 334. 

®) Aesch. Prom. v. 1082: f^^'y/y^ ^' yj/«« ;rapa|i'>xäxa'. JlpovxY|;, iX'.xs^ o' 
sxXot/xrcoo^t 3XSf>o:rri; s'i;t'>pot. 

^) Soph. Oed. Col. v. 1456: sxxo;c*v aiiWjp», m 'Aztj. v. 1460: Sihc. üXepcwxoi; 
Yjos |jl' aoxix' o^exa: ß[>o'/rrj Kpo? "AioTjV. v. 1466: oopia yap a^xpaKY^ •f/A'^n tzolkv/, 
V. 1479: ea sot, i$ou fxa)/ oi'>^^ ot|i'>fbxaxat ^laTtpo^io^ oxo^o^. 



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§. 13. Bedeutnnp: der Periakten und der Parodoi. Scenenverwaudlungen. 1 57 

und vielleicht auch in den Vögeln *) des Aristophanes vorkommen, hatte 
man eigene Maschinen, das xspaovoaxoTisiov und das ßfovxsiov^); je- 
doch ist über dieselben zu voller Klarheit nicht zu gelangen. 



§. 13. 

Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenyerwandlungen. 
Auf- und Abtreten der Schauspieler. Vorhang. 

Es war eine Eigenthümlichkeit der griechischen Bühne, dass die 
beiden Seiten derselben eine t)T)ische Beziehung auf die Heimath 
und die Fremde hatten. Pollux ^), dem wir diese Kenntniss ver- 



*) Arist. Nul)b. v. 292: 'J-O-oo ^tovY^^ 5/Aa xal ^povtY^^ /loxirjsa/xevY]^ ^toziiZ' 
to'j; vgl. V. 294. 

*) Arist. Av. V. 1750 ff.: u» p.E*ca ypüsjov astjpor.T^; 'fao?, to lih(; ÄjA^potov 
i'l'/o^ Tcop'fopov u> yiS-ovtai ^apoaye;^ o/i^jio'fopo: iV 5|xa ßpovxai, al^ 3os vOv yiV^va 
3?is'. deuten vielleiclit darauf (vgl. Muhl a. a. O., p. 57), indessen fordern 
V. 1747 ff.: xal xa? yO-ovla; x^Tgaats ßpovi^/?, x«^ xs icuptu^si^ A'6^ ot^x5po::a? or.vov 
x' apY'^i'f'* vepaovov dies mit Rücksicht auf v. 1714 7zi\\iav xEpaov6v nicht be- 
stimmt. Die »Stelle würde das von Vitr. V, 6, 8 (s. p. 122, A. 1) Gesagte 
illustrieren. 

*) Poll. IV, 130: xspaovosxoKstov ^k xal ßpovxzlov, xb |jiv s^xt Ksptaxxo^ 
fylt]K-q' xo ?s ßpovxsloy, otco x^ ^^^n^^ ok'.s^v a-jxol »^/Yj'ftüV ejiTiXeot S'.ü»Yxu>jiivo'. 
'f epovxat xaxi yaXxw/xaxuiv. Gramm. De comoed. bei Dübner p. XX, 28 ff. (s. 
ol)en p. 112, A. 8): ßopaai^ xe Traxa^oocai^ xal y£poxtV(ixx(j) iropi. Lohdk, p. 18 
denkt sich das xepaovoaxorjiov als eine horizontal aufgestellte siebartig durch- 
brochene Trommel, die mit Harz angefüllt war, um beim Drehen ihren Inhalt 
auf eine Flamme zu schütten. Muhl a. a. 0., p. 9 meint, auf der Periakte 
stehende Arbeiter hätten abwechselnd Fackeln geschwungen. - Schob Arist. 
Nubb. V. 292: sv xal^ xtu/itü^ia:^ x'.Vc? ji.Yjyavai, xa xaXo'j|X£va Yjysla, <nv o xxunoc 
GyYjji.axiJrxa; sie. ßpovxYj; a;iYjyrjO'.v. Anders Suid. s. v. ßpovxYj: e-sx». Ä^ xal ^Tj/a- 
Vfj/xa XI. exoXstxo ßpovxstov. fjjzb xtjv ^x-rjvTjv ^^ YjV ä/xcpi'^opeu^ ^Tjcpi^a? .^y^*^ ö-aXax- 
xta^ • YjV Ss AEjiYig y aXxoö;, tl<; ov ai »^^Yjspoi xaxY|YOvxo xal xo/ao|xrvat "rjyov aKsxeXo?>v 
eotxoxa ßpovxf^. Ebenso Schob Arist. Nubb. 294. Vgl. Festus, p. 57, 10 M.: 
Claudiana tonitrua api)ellabantur, quia Claudius instituit, ut ludis post scaenam 
coiectus lapidum ita fieret, ut veri tonitrus similitudinem imitarentur. nam antea 
leves admodum et parvi sonitus fiebant, cum clavi et lapides in labrum aeneum 
c^icerentur. Also nach Pollux aufgeblähte mit Steinen gefüllte Schläuche, die 
gegen eine metallene Tafel geschlagen wurden. Vgl. Lohde, p. 18. Mühi^, p. 9. 
Piniol. XXIII, p. 334. 

') Poll. IV, 126: Kap^ exdtx^pa ok xdiv Soo tS-opAv xtöv icspl xyjV jis3YjV ÄXXai 
^''>o slsv »Scv, {ita exaxiptoö'Ev, KpO(; a^ a: Ttsptaxxot 3üjJL7:s:rfjYa-tv, •!] jj.lv ^sjta xa 
sjto it6XE(o; o*r]Xoo3a, 'fj Z^ exspa xa ex KoXstu^, jj.aXioxa xa sx X;}jl£vo<;. 
. . . xcüv jxlvxoi ;rapooujv Yj »xev os^'.a aYpoft'sv Yj ex Xtjxsvo^ y^ ex xoXsüic afst * o't ^s 



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156 §• A2. Setzstücke. Massive Decoration. Distej^e. Ekkyklema. 

liinterwand oder auf einer der Seiten derselben erschienen, bleibt un- 
klar; die Texte deuten auf das erstere*), die Nachricht dagegen, 
dass das Drehwerk auf der linken (vom Schauspieler) Seite der Bühne 
in der Höhe aufgestellt war, führen auf diese Seite ^), wenngleich 
trotzdem durch eine einfache Vorkehrung doch die Erscheinung in 
der Mitte bewirkt werden konnte. Das atfvo^siov lernen^) wir aus 
einmaliger Erwähnung nicht genauer kennen, und vom Yjjiiatf/ö'f lov *) 
erfahren wir lediglich den Namen. Völlig dunkel bleibt endlich das 
r^pitxoxXtov *). Auch Tür die Darstellung von Blitz und Donner, me 
solche im Prometheus ^), im Oedipus-auf Kolonos^), in den Wolken *) 



Aspendos erhalten sind, vorgeschoben werden. Zu beachten ist, dass Pollux das 
O-soXoYsiov § 127 unter den Maschinen aulführt. 

») Eur. Ion. v. 1549, s. p. 151 A. 5. El. 1233, s. p. 151 A. 4. Herc. 
für. V. 815, 8. ibid. A. 10. 

*) Poll. IV, 128, 8. p. 154 A. 3. Schol. Luc. Philops. VII, p. 357 — 
Lehmann, s. p. 153 A. 7. 

•) Poll. rV^, 132: tö stpo^jiov, o too^ Yjptu? f/Jt to-)^ sl^ zb ö-itov jirO-ssiY,- 
xoia;, ^ 10?)^ SV KiKoLfii ^ :coUfi(f> tsXgotcwvta;. ScHNBU>ER a. a. 0., p. 101, 
A. 121 schreibt axpo^iov und hält dasselbe seltsamer "Weise für eine streifartige 
Decoration, die Wellen vorstellte und hin und her bewegt wurde, um den Schein 
unruhigen "Wassers zu geben; ähnlich Muhl a. a. 0., p. 8; Lohde, p. 15 denkt 
richtiger an eine Winde. 

*) Poll. IV, 127 wird es ei-wähiit, § 132 scheint aber die Bestimnmng über 
den Standort und den Gebrauch ausgefallen zu sein. Vgl. Wecklein, Pliilol. 
XXXI, p. 452, der den von Pollux an letzterer Stelle dem •r,jj.tx6x"Aiov zuge- 
schriebenen Gebrauch bei der Lückenhaftigkeit der Stelle für das Yjfii^Tpof.ov 
in Anspruch nimmt. Lohde, p. 15 denkt an einen eine halbe Wendung machen- 
den Krahn. 

*) Poll. IV. 131: x(b 0£ •fjp.'x'jx'/.Mü x6 |Akv t/YjJi<* ovo|i.a, -rj oz O-I^t^ xaiot 
':r^'^ op"/Y^3Tpav, (132) r^ os /psta ^YjXoöv ;roppü> xtva ty^; ;:6)vS(o^ to::ov yj io'j; iv 

O-aXaiTTU vTj/ofisvoo^ yj xoo? zv tzikv^zi Yj Kokiiim tz/^sotoivTai; (wenn die 

letzten Worte sich noch auf das y,^ix6x"/.:ov bezieheu). Geppert, p. 114 setzt 
es in die Orchestra, so auch Wecklein a. a. O., der aber annimmt, dass hinter 
opy-rpTpav die Bestimmung des y^jx'.xoxa'.ov ausgefallen ist. Schneider, \k 100, 
A. 120 und Lohde, p. 20 setzen es auf die Bühne ; letzterer denkt an eine zweite 
Hintergrundsdecoration, die durch einen Ausschnitt der vorderen gesehen wer- 
den mochte und ilie auf ihr dargestellten (regenstände entfernter erscheinen 
Hess. Muhl a. a. O., p. 8 lässt den See in den Fröschen des Ariatophanes auf 
demselben abgebildet sein. AVeitero Vermuthungeu s. Philol. XXIII, p. 334. 

®) Aesch. Prom. v. 1082: ^^'y/yj- ^' Y|/(i> TrapaiJLoxäiai ßpoviYj?, i).ixs? o' 

^) Sojjh. Oed. Col. v. 145H: sxiotcsv alJHjp, tu /so. v. 1460: l'.oc. Kisptoioi; 
•TjOs [k aöiix' a^etai ^po*/iY| rrpoc "AioYjV. v. 1466: o'jp'la Y«p aGTpa:rrj '^Xr(^st na/.iv. 
v. 1479: ea sa, l5oü /xdX' otoO-t^ a^'>ft3taxoit 5ia:rp'i'3i05 oxo^o^. 



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§. 13. Bedeutung: der Periakteii und der Parodoi. Scenenverwandlungcn. 157 

und vielleicht auch in den Vögeln *) des Aristophanes vorkommen, hatte 
man eigene Maschinen, das xspaTjvooxoirsiov mid das ßfovtsiov ^) ; je- 
doch ist über dieselben zu voller Klarheit nicht zu gelangen. 



§• 13. 

Bedeutimg der Periakten und der Parodoi. ScenenTerwandlungen. 

Auf- und Abtreten der Schauspieler. Vorhang. 

Es war eine EigenthümUchkeit der griechischen Bühne, dass die 
beiden Seiten derselben eine t}'])ische Beziehung auf die Heimath 
und die Fremde hatten. Pollux^), dem wir diese Kenntniss ver- 



®) Arist. Nubb. v. 292: •j'sO'Oo ^mvf^; 5^a xal ßpovr?]^ /loxYjsa^evTj? ö-so'ssi:- 
too; vgl. V. 294. 

*) Arist. Av. V. 1750 ff.: o» p-c^a ypo^eov asTspor.*?]^ 'f«o?, «» «^t^? 5jj.ßp»otov 
r^/o; Ttop'^opov tu ytS-ovioct ßapoayes^ o/i.j^po'f6po'. iV a^xa ßpoviai, al^ 53s vOv yO-ova 
GjIs: deuten vielleicht darauf (vgl. MrHL a. a. O., p. 57), indessen fordern 
V. 1747 ff. : xal xac /^ovta? y.XTgoats ßpovTOt(;, tag ts icuptu^si^ Ati? a-STcpoirct? os'.vov 
i' apY^^xa xspaovov dies mit Rücksicht auf v. 1714 iraXXoiv xspaovov nicht be- 
stimmt. Die Stelle würde das von Vitr. V, 6, 8 (s. p. 122, A. 1) Gesagte 
illustrieren. 

*) Poll. IV, 130: xspaüvo3xo:rslov ^k xal ^povxslov, ti [liv eaxt KSptaxxo^ 
6'{^T,X'Jj" xo 3s ßpovxslov, dreh xtJ ax'rjvj oiti^d-ey Ofjxol '|Yj'fO)V sjjlkXsoi S'.cuyxojjjlsvo'. 
'f spovxat xaxa ya).xü)|jLax(«v. Gramm. De comoed. bei Dt^BNER p. XX, 28 ff. (s. 
oben p. 112, A. 8): ßopaai^ xs KaxaYOfjaa:^ xal yspoxtvixxo) itopt. LoHDK, p. 18 
denkt sich das xspaovooxoKslov als eine horizontal aufgestellte siebartig durch- 
brochene Trommel, die mit Harz angefüllt war, um beim Drehen ihren Inhalt 
auf eine Flamme zu schütten. Mühl a. a. 0., p. 9 meint, auf der Periakte 
stehende Arbeiter hätten abwechselnd Fackeln geschwungen. — Schol. Arist. 
Xubb. v. 292: sv xa*^ xo>;i(i)5'a'.^ xtv^? jj.Yjyavai, xa xaXo»j|jLeva "/lysioi. (T»v o xxono; 
z/r^\Lfx'zi(^txrjLi sl; ßpovx-?]; aKYjyYjatv. Anders Suid. s. v. ßpovxTj: ^zxi Ss xal |i.vjya- 
vYj/id xt, sxaXs'XO ßpovxsiov. 6ico xtjv sx-rjvTiV 51 y^v a|X(p'.c^opsu^ '}Yj(pl3a? fX*"^ O-aXotx- 
xta^' YjV ?s Xsß*r]5 yaXxoö;, el^ ov at '{>Y|vpoi xaxYj^ovxo xal xoXto^fvai •rjyov a;:Exr/.Of>v 
so'.xoxa ßpovx^. Ebenso Schol. Arist. Nubb. 294. Vgl. Festus, p. 57, 10 M.: 
Claudiana tonitrua appellabantur, quia Claudius instituit, ut ludis post scaenam 
coiectus lapidum ita fieret, ut veri tonitrus similitudinem imitarentur. nam antea 
leves admodum et parvi sonitus fiebant, cum clavi et lapides in labrum aeneum 
coicerentur. Also nach Pollux aufgeblähte mit Steinen gefüllte Schläuche, die 
gegen eine metallene Tafel geschlagen wurden. Vgl. Lohdk, p. 18. Mühl, p. 9. 
Philol. XXni, p. 334. 

') Poll. IV, 126: iiap^ £x<ixspa ^k xwv Soo ^upAv xtöv KSp: xyjV jisoyjv äXXat 
fj'io sisv *5tv, |jLia exaxsptoö-sv, rpö^ a<; at sspiaxxoi aüjJ.K£:rfjYa5tv. Y] \i.kv Zs^iol xa 
2 im TCoXsmc OYj)»oö3ot, y] Z" ixspa xa ix ;roX£(uc, jidXtaxa xa ix ). i |jl s v o (;. 
. . . XüiV jjLSVxot irapoomv Yj jj.iv os^ia ^YpoO-sv -Vj ix )»t[jLsvoc y^ ix iToXstoc aYSi * ol ^s 



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1 58 §• 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenverwandlungen. 

danken, bat sicli an der betreflfenden Stelle nur kurz und unklar 
ausgedrückt, so dass seine Worte der Erklärung Schwierigkeiten 
bieten. Er sagt zunächst, dass auf der rechten Periakte Gegen- 
stände, welche sich ausserhalb der Stadt, auf der anderen solche, 
welche sich innerhalb der Stadt, namenthch im Hafen befanden, 
abgebildet worden seien. Es entsteht nun zuerst die Frage, ob fiir 
den Gebrauch der Worte 8e&i und kxipa hier der Standpunkt des 
Zuschauers oder der des Schauspielers massgebend gewesen ist. 
Aus den fraghchen Worten selbst gewinnen wir keinen Aufschluss; 
erinnern wir uns jedoch, dass Pollux oder vielmehr sein Gewährs- 
mann vom athenischen Theater*) spricht, dessen Einrichtungen das 
Vorbild für das gesanunte griechische Theaterwesen waren, so wer- 
den wir geneigt sein, die von ihm überUeferte Bestimmung aus der 
Lage dieses Bauwerks abzuleiten, und da nicht nur ein erheblicher 
Theil der Stadt, sondern auch — und das wird den Ausschlag ge- 
geben haben — der Hafen dem den Zuschauern zugewandten Schau- 
spieler zur linken Hand lag, so ist anzunehmen, dass für die frag- 
liche Bestimmung der Standpunkt des Schauspielers massgebend ge- 
wesen ist^). 

Pollux legt aber auch den Parodoi in ähnlicher Weise ihre Be 
deutung bei. Man hat jedoch an dem, was er in dieser Beziehung 
sagt, mehrfach Anstoss genommen, und zwar zunächst daran, dass 
die eine Parodos einen vom Lande, vom Hafen oder von der Stadt 
her führenden Weg bedeuten solle, indem man behauptete, dass 
aifpö^v zu h, Xt(iivoc und ex ?röXs(x>c im Gegensatze stehe und diese 
Bestimmungen nicht als gleichartig zusammen gefasst werden könnten. 
Man hat daher den Text in verschiedener Weise geändert^); jedoch 



aXXayoO-sv ;;eCol a?ptxvoü|isvo'. xaxa rr^v ixjpav etoiaotv. Die hervorgehobenen Worte 
beziehen sich auf die Periakten. S. G-. Hermann, De re scaen. in Aesch. Orest. 
in Ed. Aesch. II, p. 649. Schönborn a. a. O., p. 71 bezieht sie dagej?en auf 
die Seitenthüren, welche nach seiner irrt hüm liehen Ansicht in der Skeneufront 
liegen sollen. ~ Vgl. über die ganze Frage meine Ausführungen Philol. XXIII, 
p. 322 f. und XXXV, p. 324 ff. und 335 ff. 

*) Poll. IV, 121 : oihxh \i^v Sv zlno*,^ iS-iatpov xal Atovüa'.ax<^>v (Katpov xal Afjvaixov. 

«) O. MILLER, Gr. Litteraturgesch. II, p. 52. Kl. Sehr. I, p. 503. Da- 
gegen G". Hermann a. a. 0., p. 650: haec non| sinunt dubitari, quin dextra et 
sinistra in re scenica rectius ea dicantur, quae spectatoribus ad dextram et 
sinistram sunt. Ebenso Sommerbrodt, Scaen., p. 134. 

*) Schönborn, p. 74 schreibt statt r/r^^rAv/ v^o^rj^ty nach Vitruv. V, 6, 8: ver- 
surae procurreutes, quae efficiunt una a foro, altera a peregre aditus in scaenam. 



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§. 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenen Verwandlungen. 1 59 

mit Unrecht, denn die drei fraglichen Worte ergeben zusammen den 
BegriflF der Heimath, insofern zur Heimath des Atheners nicht nur 
Stadt imd Hafen, sondern auch das Landgebiet gehörte 0- Hieraus 
ergiebt sich hinsichtlich der anderen Parodos, dass die mehrfacli 
falsch verstandenen Worte ol o^Xa^ö^v itsCol a^txvo6{Jisvoi auf solche 
Personen zu beziehen sind, welche aus der Fremde zu Lande an- 
kommen und somit von denjenigen Fremden, vv^elche zur See an- 
kommen imd daher auf der Seite der Heimath eintreten, unter- 
schieden werden^). Sodann hat es Anstoss erregt, dass, während 
der linken Periakte die Beziehung auf die Heimath beiwohnt, diese 
der rechten Parodos beigelegt wird. Man hat hierin sowohl für 
den Fall, dass unter den noLpoSoi die Seiteneingänge zur Bühne, als 
auch dann, wenn imter denselben die Eingänge zur Orchestra zu 
verstehen sind, einen unlösbaren Widerspruch gefunden ^). Es scheint 
nun, dass das Wort hier auf die Eingänge zur Orchestra zu beziehen 
ist, da eine besondere Erwähnung der Seitenzugänge zur Bühne nach 
der Bestimmung der Periakten nicht melir erforderlich war, da ferner 
die Angabe über diejenigen Personen, welche durch die TrapoSot ein- 
treten sollen, durchaus auch für den Chor passend ist^) und end- 



WiRSELER, Gott. Prorect.-Progr. 1866, p. 11 verbessert a-c/oO-sv, das ich Philol. 
XXXV, p. 335 nicht hätte l)illigen sollen. Vgl. Wecklkin ibid. XXXI, p. 447, 
der diese Aenderung für möglich hält. Rohde, De lulii Pollucis — fontibus, 
p. 61 sucht durch Transposition zu helfen und schreibt ol ^h «yP^O^v ^ otXXa- 
Xo!>ev xxX. 

*) Vgl. Soph. Oed. R. v. 112 f.: irotepa V ev olxot? ^ iv afpot^ 6 Adtio; ^ 
'fy<; hrC äXXyj; täSs Gü}i*rifftst ^ovtp ; der obigen Auffassung widerspricht Wiesrler 
a. a. 0., p. 10: doch s. Wecklein a. a. O. 

*) Schönborn, p. 74 setzt aXXa/oO-sv seinem aYop^jö-ev gegenüber und findet 
den Gegensatz zu irsCot in den durch die Luft erscheinenden Göttern. Wieseler 
a. a. 0., p. 11 gesteht für aXXayoO'sv die Bedeutung peregre zu. Wie oben 
G. Hermann a a. 0., p. 649 und Wecklein a. a. O., p. 448. 

') So Wieseler, E. u. Gr., p. 226, A. 125 und im citierten Progr., p. 9, 
der deshalb r^ (ib ^sjtd in r^ jista ^sj'ä ändert, was bedeuten soll : „von den Zu- 
gängen führt der nach rechts hin führende vom Lande her.** Dagegen siehe 
Philol. XXXV, p. 328 und Rohde a. a. O., p. 61, A. 1, welcher sell)st für h^'A 
einfach otpt^tepa schreibt. G. Hermann a. a. O. nimmt zwei verschiedene Quellen 
des Pollux an. 

*) In den erhaltenen Dramen besteht der Chor keineswegs überall aus 
Personen, deren Heimath der Schauplatz der Handlung ist. Vgl. Aesch. Suppl. 
v. 1 ff. : Zs'j^ fj.iv acp'.xToip ekioo: TCpO'^povoj; otoXov •rj^iTrpov vaiov apIHvT^ . 
ajio 7cpo3io|xtüiV X£KiO'i*a|JLaö"U)v NsiXoo. Soph. Phil. v. 135: v. ypY] x'l ypYj pi?, 
?£3t:ot\ ev iv/a 4^vöv sxsf*'^» ^l '^ ^SY*''' '^P^? av^p^ 67c6;:xav; Eur. Suppl. v. 8: 



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160 §• IB. Bedeutung: der Penakten und der Parodoi. Scenenven\'andlungen, 

lieh der Ausdruck selbst eiiien scharfen Gegensatz andeutet. Diese 
Annahme giebt denn auch die Lösung der Schwierigkeit an die 
Hand. Es ist nämlich eine sehr annehmbare Vermuthung, dass, wie 
die Seiten der Bühne vom Standpunkte des Schauspielers aus, so 
die Seiten der Orchestra vom Standpunkte des vorwiegend der Bühne 
zugekehrten Chors oder Chorfiilirers aus bezeichnet wurden*). Hie- 
nach würde die rechte Parodos der linken Periakte, und die linke 
Parodos der rechten Periakte entsprechen. Diese Vermuthung wird 
dadurch noch wahrscheinlicher, dass die Stelle des Vitruv, welche von 
der Construction des griechischen Theaters handelt, nur unter dieser 
Voraussetzung eine Erklärung zulässt^). Es folgt also, dass die dem 
Schauspieler zur linken Hand liegende Seite der Bühne und der 
Orchestra die Seite der Heimath, die entgegengesetzte die 
Seite der Fremde ist^). Man sieht leicht ein, wie sehr dem Zu- 



IxxTjpi d-aXXü) itpo^KiTvooa' sjj.ov f^vu. Ion. v. 184 ff.: oox ev xat? C'^t^s'^tt? 'Ad-avai; 
soxtovsg -rjoav aoXal ö-sü»'/ jxovov, ot>^' a'^frAv.^iSC d-spaTcsiai, ocXXa xotl Kapd Aoi'lot xo» 
Aaxofj; 5'.$6(i.üiv icpo-stüittuv xa^Xi^Xr^apov ^d»;. Iphig. Aul. v. 164 ff.: ?p.oXov aji'fl 
itocpaxTiav '}a/xadov AüX'.Sog svaXiag, Eopiiroo ?ia ycüjj.dttt>v xt^^a-sa, 3xsvojcopO'(iov 
Xa/xxi?a, iroX'.v eptav, TcpoXtitoös'. Arist. Nubb. v. 275 ff. : dsvocoi Xe-^eXai, dpft-tojASv 
?pav5pal ^pO'3»pdv tpoatv eüdY*/)xov, saxpog die' 'üxsavoö ßapoayso;. Vpfl. ScHüLTZR, 
De chori Graeconim tragici habitu externo. Berlin 1856, p. 41. 

*) Vgl. Buttmann zu Rode's Uebersetzunj? des Vitruv I, p. 280 A. r. 
Schönborn, p. 73, der jedoch ^xyjvyj und (^saxpov nicht als zwei getrennte Ge- 
liäude hätte bezeichnen dürfen. Gegen die von Wikskler, E. u. Gr., p. 226, 
A. 125 erhobenen Bedenken s. meine Bemerkungen Philol. XXXV, p. 329, wo 
namentlich darauf hingewiesen ist, dass die Periakten vom Standpunkte des 
Schauspielers, die Seiten der (Vvea von dem des Zuschauers (los. Ant. lud. 
XIX, 1, 13: ^sj'-^iv xoü ^sdxpou xepa; o Kal-sap sl/s), die Eingänge der Orchestra 
aber von dem des Chors aus bezeichnet werden und dass sich von vornherein 
vennuthen lässt, dass entsprechend dem wechselnden Standpunkte des letzteren 
in dieser Beziehung nicht immer dasselbe Princip beobachtet ist. In der That 
zeigen dies Vit. Arist. bei Dübner p. XXVIII, A. zu v. 87: xal et ^Iv tix; ar^h 
TTj; TioXsüi^ '*ip/*'^^ ^^- f^ O-saxpov. $td xyj; dpt^xspä; d'J/ioo; zh-Qv.^ gl oi u»^ dno 
«Ypoö» ^'-a "^^ ^s^'.ä; und die Verse des Tzetzes ibid., p. XXV v. 34 ff. : dv o'jv sTtl 
t^fcaxpov sx roXtapLdxcuv eosixvo ^Yj{H xy^v oo6v ko'.o'S[J.svo;, dpi^xepä; sßotivsv «»{^ioo? 
xoictüv* et ^^ tu«; uiz" otYpoö, ^e^^d^ ^'* toniov, ev xsxpaYOJVifovxt xo6 yo^ob xotzm, »jito- 
xptxaU t^ ^Xsjiji.a ^stxvotuv jiovot^, wo d::' dYpoO dem dXW/oiS-sv des Pollux gleich- 
zustellen ist und einfach die Fremde bezeichnet. Vgl. G. Hkrmann, a. a. ()., 
p. 650. Schönborn, p. 73. 

*) Vgl. oben §. 3. 

*) Daher verlegt Pollux IV, 125: ev os xpaytuot« y^ jilv oiitd t»"jpot irviuv 
e-3xtv die Gastwohuung mit Recht auf die Seite der Fremde. 



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§. IB. Bedeutung. der Periakten und der Parodoi. Scenen Verwandlungen. 161 

schauer, der nicht durch Theaterzettel oder Textbücher unterstützt 
\\'urde, durch diese Symbolik das Verständniss des Bühnenspiels er- 
leichtert werden musste ; es ist auch kein Grund vorhanden, dieselbe 
nicht schon für die classische Zeit anzunehmen. 

Hieraus fällt nun auch Licht auf das, was Pollux über die Ver- 
wendung der Periakten bei Scenenverwandlungen *) sagt, über die 
zunächst Folgendes zu bemerken ist. Dieselben waren der alten 
Bühne nicht fremd, lassen sich aber in den erhaltenen Dramen nur 
zweimal, in den Eumeniden^) und im Aias*), mit Sicherheit nach- 
weisen; man hat auch mehrfach in anderen Stücken Verwandlungen 
angenommen, jedoch ist durch neuere Forschungen festgestellt, dass 
das mehr oder weniger willkürUch geschehen ist*). Was die Art, 



*) J. 0. NiLssoN, De mutationibus scenae quae sunt in fabulis Graecorum. 
Lund 1884. 

') In der ersten Scene war der Tempel des delphischen Apollo dargestellt ; 
V. 35: KttXiv \k ei:3jA'}sv ex ^ojiwv xAv Ao^ioo. Aus v. 17: zr/yr^^ ^i v.v Zco^ ev- 
i^fsov xt'.-a^ ^plva i^zi xeiaptov tovSe jiavxtv sv Ö-povoi^ ist auf eine Statue desselben 
zu schliessen. Nach v. 235 zeigt die Decoration den Tempel der Athene Polias 
und eine Statue derselben; v. 235: ävais' 'Aö-dvx und v. 242: itj>6c8tpLi d(ü|JLa xal 
^psxa^ xo aov, d^a. (t. Hermann verlangte, dass v. 566 die Scene abermals ver- 
wandelt und auf den Areopag verlegt würde. SchÖnborn, p. 213 f. und Gkppert, 
p. 104 versetzen die Scene schon v. 235 auf den Areopag. Gknklli, p. 232 ft. 
und 0. Müller, Eumen., p. 104 leugne^ mit Recht eine zweite Ven^'andlung. 
Beweisend ist v. 1022: itsp^w xs ^hf^tt kap.icdi§üiv asXa^^fOfxuv iq xoo^ mpO^ xai 
X'ixu) yd-ovo^ xoico'j^ 56v KpoaicoXoi^iv, aTxs ippoopODOiv ßpsxa^ xoO(i.6v $txato>{, wo- 
nach die Eumeniden zu ihrem unter dem Areopag liegenden Wohnsitze (vgl. 
MrLCHHÖFER in Baumelster, Denkm. des klass. Altert., p. 199) erst geleitet 
werden müssen. S. Niejahr, Quaest. Aristoph. scaen., p. 64 f. und Todt, Philol. 
XLJ, p. 207 flF. 

•) In der ersten Scene erblickt man das Zelt des Aias, vgl. p. 145, A. 1. 
Die von Niemandem bezweifelte Verwandlung tritt v. 814 ein. 

**) In den Choephoren v. 651 von Schönborn, p. 224 und Todt, Philol. XL, 
p. 221 ff. angenommen; jedoch hat Niejahr, Progr. des Oymn. zu Greifswald 
1885, p. XIII unter Berufimg auf Eur. Hei. v. 1165 ff.: & x^^P^» Traxp6<; jivvi/x^' 
sTc' ijo^oi-si Y^p ^O^'J^a, I1p(uX6D, o"* svjx^ ^M-^j? icpoo^Ypsox; • ael ?e o" e4'<wv xe xelouov 
oop.00? HsoxXfjfisvo^ nai? o$s Tipoaeweiccu, waxep gezeigt, dass auch in den Choö- 
phoren das Grabmal des Agamemnon vor dem Atridenpalaste liegen konnte, 
und in dem Chorliede v. 585 — 651 ist keine Andeutung davon, dass der Chor 
abgezogen sei; dass Orest v. 652 sich nicht an den Chor wendet, ist durch 
V. 565 ff. motiviert. — Auch in der Komödie hat man verschiedentlich Ver- 
wandlungen angenommen, so Ach. v. 204; Av. v. 1553; Lys. v. 253; Thesmoph. 
v. 276; Ran. v. 269; Kccles. v. 876, vgl. die betreffenden Stellen bei Schönborn 
und Droysen, Quaest. de Arist. re scaen. Doch s. hinsichtlich der Acharner 
Hermann, Lehrbuch 111. ii. \'l 



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IßO §• IB. Bedeutung: der Periakten und der Parodoi. Scenen Verwandlungen. 

lieh der Ausdruck selbst eiiieu scharfen Gegensatz andeutet. Diese 
Annahme giebt denn auch die Lösung der Schwierigkeit an die 
Hand. Es ist nämUch eine sehr annehmbare Vermuthung, dass, wie 
die Seiten der Bühne vom Standpunkte des Schauspielers aus, so 
die Seiten der Orchestra vom Standpunkte des vorwiegend der Bühne 
zugekehrten Chors oder Chorführers aus bezeichnet wurden*). Hie- 
nach würde die rechte Parodos der linken Periakte, und die linke 
Parodos der rechten Periakte entsprechen. Diese Vermuthung wird 
dadurch noch wahrschehilicher, dass die Stelle des Vitruv, welche von 
der Construction des griecliischen Theaters handelt, nur unter dieser 
Voraussetzung eine Erklärung zulässt^). Es folgt also, dass die dem 
Schauspieler zur linken Hand liegende Seite der Bühne und der 
Orchestra die Seite der Heimath, die entgegengesetzte die 
Seite der Fremde ist^). Man sieht leicht ein, wie sehr dem Zu- 



cg ta^^s Y*P flX5'}oi3^ firrjoiajj.*qv too* Yf»aö^, at XiKOÖaai 3tt»|xa-'' ^A^'^tifi^ yj^ovh^ 
IxTYjpt ö-aXXcJ) TCp03Ktxvooa' sjxov föv«« Ion. v. 184 ff.: oox ev xal; C'^^O-sat«; WO-ctvaK; 
st>xiovs5 TjOav otoXal ^zihv jxovov, ooo' cc^frAxi^sc O-spaTrsiai, ukkol xal i:apa Ao^'l« tu» 
Aaxoüs o'.^'j^ojv irpoamirtuv xaXX'.^XI'^aftov :pu»;. Iphig. Aul. v. 164 ff. : s^oXov ajifl 
Ttocpaxxiav '}*a/ia^ov AüXi^o; evaXia?, Eopiicoü otot ycojidxtüv xe/v^a-sa, sxevoKOpfl-jiov 
XaXxi^a, icoXiv eji^v, TcpoXtiroos'. Arist. Nubb. v. 275 ff.: alvotot Ne-feXa:, apft-dujJLsv 
^avspal opO'3*pav cß'j^tv süaY*qxov, :raxj>o; az' 'Üxsavoö ßocpoayso;. Vjfl. ScHüLTZK, 
De chori Graecorum tragici habitu externo. Berlin 1856, p. 41. 

*) Vgl. BüTTMANN zu RodeV üebersetzung des Vitruv I, p. 280 A. r. 
ScHÖNBOKN, p. 73, der jedoch ^x-tjvtj und deaxpov nicht als zwei getrennte iro- 
bäude hätte bezeichnen dürfen. Gegen die von Wieskler, E. u. Gr., p. 226, 
A. 125 erhobenen Bedenken s. meine Bemerkungen Philol. XXXV, p. 329, wo 
namentlich darauf hingewiesen ist, dass die Periakten vom Standpunkte des 
Schauspielers, die Seiten der Cavea von dem des Zuschauers (los. Ant. lud. 
XIX, 1, 13: oejtov xo5 ö-saxpoo xspa; o Kalaap sl/s), die Eingänge der Orchestra 
aber von dem des Chors aus bezeichnet werden und dass sich von vornherein 
vermuthen lässt, dass entsprechend dem wechselnden Standpunkte des letzteren 
in dieser Beziehung nicht immer dasselbe Princip beobachtet ist. In der That 
zeigen dies Vit. Arist. bei Dübner p. XXVIII, A. zu v. 87: xal st |ib tu? anh 
TYj^ tJAiok; "i^p/sxo Iki x6 ^axpov. ?•« xyj; ap'.-sxEpä? rx'U^jOs; ilz'QZi, zl Zl ui; aKh 
äf poö, o'.a xTj^ osS'.d; und die Verse des Tzetzes ibid., j). XXV v. 34 ff. : fiv oov zk\ 
{flaxpov sx KOAiop-axtüV e^sixv?) $*?jfl^ xyjv o^ov rotoop-svo?. äp'.^xspöt^ eßatvsv a'^i^o; 
xoictuv sl 0^ tu? GtTc^ «Ypoö, ^^$tä? ^:a xotccuv, ev xsxpaYcuv'fovx: xoü /opoö x6i:ü), üko- 
xptxal? xi ßXsjijia o»ix\6u*v jj.ovo'.?, wo ä::^ offpor) dem aXXayoi^sv des Pollux gleich- 
zustellen ist und einfach die Fremde bezeichnet. Vgl. (t. Hermann, a. a. ()., 
p. 650. Schönkorn, p. 73. 

^) Vgl. oben §. 3. 

*) Daher verlegt Polhix IV, 125: sv Zz x^A-^woifx Yj piiv rj'i'A D-'jp'x crvwv 
5-3Xiv die Gast Wohnung mit Recht auf die Seite der Fremde. 



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§. IB. Bedeutung. der Periakten und der Parodoi. Scenen Verwandlungen. 161 

schauer, der nicht durch Theaterzettel oder Textbücher unterstützt 
wurde, durch diese Symbolik das Verständniss des Bühnenspiels er- 
leichtert werden musste ; es ist auch kein Grund vorhanden, dieselbe 
nicht schon für die classische Zeit anzunehmen. 

Hieraus fallt nun auch Licht auf das, was PoUux über die Ver- 
wendung der Periakten bei Scenenverwandlungen *) sagt, über die 
zunächst Folgendes zu bemerken ist. Dieselben waren der alten 
Bühne nicht fremd, lassen sich aber in den erhaltenen Dramen nur 
zweimal, in den Eumeniden^) und im Aias^), mit Sicherheit nach- 
weisen; man hat auch mehrfach in anderen Stücken Verwandlungen 
angenommen, jedoch ist durch neuere Forschungen festgestellt, dass 
das mehr oder weniger willkürhch geschehen ist*). Was die Art, 



*) J. O. NiLssoN, De mutationibus scenae quae sunt in fabulis Graecorum. 
Lund 1884. 

') In der ersten Scene war der Tempel des delphisehen Apollo dargestellt; 
V. 35: TCOcXiv ji' ei«ji'}sv rx ^6jj.o>v xäv Aojtoo. Aus v. 17: xr/yr^^ hi vtv Ze?)^ ev- 
l^sov %xizrjL^ ^plva tCsi tltaftTov tov^e ^xavtiv ev d-povoi^ ist auf eine Statue desselben 
zu schliessen. Nach v. 235 zeigt die Decoration den Tempel der Athene Polias 
und eine Statue derselben; v. 235: Ävaa-s' 'AO-dva und v. 242: irposet^t ^(üfxa xal 
ßpsxa^ xo aov, O-to. (I. Hermann verlangte, dass v. 566 die Scene abermals ver- 
wandelt und auf den Areopag verlegt würde. Schönborn, p. 213 f. und (teppert, 
p. 104 versetzen die Scene schon v. 235 auf den Areopag. Genelli, p. 232 ft. 
und O. Müller, Eumen., p. 104 leugne^ mit Recht eine zweite Verwandlung. 
Beweisend ist v. 1022: Tci/i^ü> ts fs^Ytt *.ap.7:diSüiv osXaaifopcuv i^ xoog Ivep«^ xal 
%rxxio ydov^^ toito'j; 4^v iip03ic6Xoioiv, aTxs cppou(>ou3tv ßplxa^ xoh\Lhv ^xatcu^, wo- 
nach die Eumeniden zu ihrem unter dem Areopag liegenden Wohnsitze (vgl. 
MiLCHHÖFER in Baumelster, Denkm. des klass. Altert., p. 199) erst geleitet 
werden müssen. S. Niejahr, Quaest. Aristoph. scaen., p. 64 f. und Todt, Philol. 
XLI, p. 207 ff. 

•) In der ersten Scene erblickt man das Zelt des Aias, vgl. p. 145, A. 1. 
Die von Niemandem bezweifelte Verwandlung tritt v. 814 ein. 

**) In den Choephoren v. 651 von Schönborn, p. 224 und Todt, Philol. XL, 
p. 221 ff. angenommen; jedoch hat Niejahr, Progr. des Gymn. zu Greifswald 
1885, p. XIII unter Berufung auf Eur. Hei. v. 1165ff. : o» X*'P^> naxpig |xvyj/v* 
hC E^o^otat Y^p i^'^a, Ilpu^xeO, o' ivsx' s/ayj<; irpO'3[>'rjC6ü>^ • acl ?s o^ ej^oiv xc xelouMV 
oojioo<; HsoxX'i/AEVfx; iral^.o^E npoaeweKcu. Kaxsp gezeigt, dass auch in den Choe- 
phoren das Grabmal des Agamemnon vor dem Atridenpalaste liegen konnte, 
und in dem Chorliede v. 585 — 651 ist keine Andeutung davon, dass der Chor 
abgezogen sei; dass Orest v. 652 sich nicht an den Chor wendet, ist durch 
V. 565 ff. motiviert. — Auch in der Komödie hat man verschiedentlich Ver- 
wandlungen angenommen, so Ach. v. 204; Av. v. 1553; Lys. v. 253; Thesmoph. 
v. 276; Ran. v. 269; Eecles. v. 876, vgl. die betreffenden Stellen bei Schönborn 
und Droysen, Quaest. de Arist. re scaen. Doch s. hinsichtlich der Acharner 
Hermann, Lehrbuch IJI. ii. || 



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162 §• 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenonverwandlungen. 

wie dieselben bewirkt wurden, anbetriflft, so haben wir in den Eume- 
niden nur anzunehmen, dass die Statue des Apollo durch die der 
Athene ersetzt, und im Aias einfach das Zelt beseitigt wurde, wäh- 
rend im Uebrigen der Hintergrund unverändert blieb *). Ueberhaupt 
scheint es, dass im fünften Jahrhundert die Decoration nur mühsam 
und in längerer Zeit zwischen zwei Stücken verändert werden konnte. 
In späterer Zeit bewirkte man nach dem unverdächtigen Zeugnisse 
des Servius^) die Verwandlungen dadurch, dass man die erforder- 
lichen Decorationen voreinander stellte und im richtigen AugenbHck 
die obere nach beiden Seiten hin wegzog — eine immerhin etwrs 
schwierige Manipulation, für welche die mechanischen Mittel der 
classischen Zeit wohl kaum ausgereicht hätten^). Es ist selbst- 
verständlich, dass nicht nur die Schauspieler die Bühne, sondern 
auch der Chor die Orchestra beim Eintreten einer Scenenverwand- 
lung verlassen haben musste*). Hinsichthcli der Verwendung der 



oben p. 112, A. 2 und sonst die Ausführungen von Niejahr, Quaest. Arist. scaen., 
p. "15 — 34, der schlagend nachweist, dass in den erhalteneu Komödien Scenen- 
verwandlunf2fen überall nicht vorgekommen sind. 

') Soph. Ai. V. 3 f.: xal vöv stcI axYjvai? as vauxtxc/.'^ 6pu> AI'itvTor, ev^a xct^tv 
£3xat7)v iyji beweisen nicht, dass ausser dem Zelte des Aias etwas anders dar- 
prestellt war, ebensowenig kann aus v. 862: xpYjvai t? KoxapLoi Ö-^ oT^s auf die 
Darstellunjf dieser Dinge geschlossen werden. Vgl. die Bemerkung p. 111, A. 1. 

*) Servius ad Verg. Georg. III, 24: scaena, quae fiebat, aut versilis erat aut 
ductilis erat. Versilis tum erat, cum subito tota machinis (juibusdam converte- 
batur et aliam picturae faciem ostendebat, ductilis tum, cum tractis tabulatis 
huc atque illuc species picturae nudabatur intei-ior. Auf das im Texte ange- 
deutete Verfahren passt nur, was über die scaena ductilis gesagt wird, während 
die scaena versilis auf die Periakten zu beziehen ist. S. jedoch O. Mülf.kr, 
Kl. Sehr. I, p. 540, der an Decorationsveränderungen denkt, die durch Um- 
drehung der in einzelne Felder zerlegten mobilen Bühuenwand im römischen 
Theater bewirkt worden seien. Sommerbrodt, Scaen. p. 131 und 133 und Wiesklkr, 
E. u. Gr., p. 216, A. 72 fassen die tiibulata als Bretter. Die weggezogenen 
Decorationen konnten nur in den Paraskenien geborgen werden, und zwar unter 
Benutzung der zwischen der Bühnenhinterwand und den Seitenwänden der Holz- 
paraskenien statuierten offenen Zugänge. 

•) Ob demnach Bknndorf mit seiner p. 117 A. 4 erwähnten Annahme 
Recht hat, steht dahin. 

*) Vgl. Aeschyl. Eum. v. 230 ff.: XO. l-^ili o\ a^s: Y^p -^iH^a jirjxpcMov, oixo^ 
/i.fcs»p.t xovos ;pü>xa xaxxovYjYsxw. All. l*(u> o' a^-f^^oi xov txsxYjv xs f^osoiia». Wieder- 
eintritt des Chors v. 299. - Soph. Ai. v. 810 ff.; 'lEK. aX>/ sl^i xa-fto %tW 
8icotK8p 5v cO-svoi. yuipioipLsv, EYxovo)[i.£v, ofVy sop»a<; axjjiTj. XO. ytupstv exoiuo;:, xoo 
Xö^u) ^i'ico |i.6vov. x^i/o« Y«P ^P7^'^ ^"^^ Koowv ol\C s'J/cxai. Wiedereintritt des Chors 
Y. 866. Schönborn, p. 321 findet es selbst auftällend, dass bei der von ihm in 



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§. 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenverwandiungen. 163 

Periakten bei Scenenverwandlungen lehrt nun Pollux *), dass die Um- 
drehung der Periakte der Fremde töicov, die Umdrehung beider Peri- 
akten dagegen /wpav verändere. Diese Bestimmung, von der es 
unklar bleibt, ob sie bereits in der classischen Zeit gegolten habe, 
ist so zu verstehen, dass, da die yß^p^ viele töitot enthält, im ersteren 
Falle nur eine andere Localität derselben Gegend, im zweiten da- 
gegen die Veränderung der Gegend selbst bewirkt wird^). Da, wie 
oben bemerkt, das Vorhandensein der Periakten aus den Dramen 
mit Sicherheit nicht naclizuweisen ist, so können wir es nur für 
möglich erklären, dass der erste Fall im Aias, der zweite in den 
Eumeniden praktisch geworden ist. Vielleicht wurde, wo sonst jener 
Fall eintrat, auch die Hintergrundsdecoration nicht verwandelt. Die 
Annahme S('H(>nborn's, dass die Periakte der Fremde jedesmal ge- 
dreht wurde, wenn die neben ihr liegende Thür ihre Bedeutung ver- 
änderte, ist nicht zu erweisen^). Diese Vermuthung beruht auf der 
Ansicht, dass der durch diese Thür bezeichnete Pfad nicht allgemein 
als ein in die Fremde, sondern als ein nach einem bestimmten 
Orte hin führender angesehen worden sei, so dass demnach die 
Periakte stets die zu dem Orte, woliin der Weg in jedem Falle 
führen sollte, passende Decoration hätte zeigen müssen. 

Auch vom Auftreten der Schauspieler handelt eine Stelle des 
Pollux. Prüfen wir jedoch zuvor in dieser Beziehung die erhaltenen 

den Vöjjreln v. 1553 statuierten Verwandlunj? der Chor in der Orchestra an- 
wesend ist. 

•) Poll. IV, 126: et ?^ sici'Stpa'^psUv al TceptaxTot, 'i\ ^«{ta |i.iv a^iußn xi icav 
(so Bkkkkb, indess sind die her\'orj(ehoy)enen Worte ohne Sinn ; es ist daher die 
ält<»re I^esart totcov beizubehalten), otiifOTepat Ji ywpav 6iraX)»dxToo3'.v. 

*) So ScHNKiDER, p. 90, A. 113; WiKSKLER, Göttiug. Prorectoratsprogr. 
18«6, p. 12. Aehnlich Lohde, p. 7, A. 4. Zum Theil auch Schönborn, p. 107. 
Vj(l. Philol. XXIII, p. 325. Geppkrt, p. 127 ist der Ansicht, die Lehre des 
Pollux beziehe sich nur auf einen einzelnen Fall. 

') Schönborn a. a. 0.; Wieseler a. a. O., welcher daher xoicov oder xh 
-dv in itatov verändert. Vj?l. Philol. XXXV, p. 336. Schönborn nimmt diese 
Umdrehung der einen Periakte oft an, z. B. Soph. Oed. R. v. 924; Eur. Or. 
V. 729; Androm. v. 1070 ^ Suppl. v. 1034; El. v. 431 und 1357, obwohl er selbst 
p. 180 lehrt, dass sich in keiner Tragödie ein mehr als einmalijres Drehen der 
Periakte nachweisen lasse. In der Komödie statuiert er diese Beschränkung 
nicht, vgl. p. 298. Da es jedoch schwerlich nöthig gewesen sein wird, der Phan- 
tasie der Zuschauer in dieser Weise zur Hilfe zu kommen, sich auch nirgends 
irgend eine betreffende Notiz erhalten hat , Jvo ist die ganze Theorie sehr 
bedenklich. 

11* 



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164 8- 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenven\'andluDgen. 

Dramen*), so kann zunächst nach dem im §. 11 Bemerkten kein 
Zweifel darüber sein, dass die Schauspieler sich in der Regel theils 
der Thüren bezw. Oeflfnungen der am Hintergrunde dargestellten 
Häuser, Zelte, Höhlen u. s. w., theils der Seiteneingänge der Bühne 
zum Auf- und Abtreten bedient haben ^) ; docli zeigen die Dramen 
einige Ausnahmen. In Aristophanes' Plutos befieldt Cln^mylos dem 
Karion den Chor der Landleute herbeizuholen; dieser geht ab, um 
den Auftrag auszuführen und kehrt bald darauf mit dem Chor zurück. 
Schon die ganze Situation macht es wahrscheinlich, dass er mit 
diesem in die Orchestra eintritt; zur Gewissheit wird dies aber da- 
durch, dass er einen Tanz beginnt und den Chor dabei anführen zu 
wollen erklärt; endlich begiebt er sich über das Logeion in das Haus*). 



*) Untersuchungen über die Ausdrücke für Auf- und Abtreten bei Ansto- 
phanes s. bei Droysen, Quaest. de Arist. re scaen., p. 2 ft'., wo namentlich fest- 
gestellt ist, dass von den durch die Seiteneingänge kommenden Schauspielern 
das Wort itpostsvat gebraucht wird. 

*) Dass alle Personen, deren Wohnung in den am Hintergrunde dar- 
gestellten Räumlichkeiten gedacht wurde, oder die dort zu thun hatten, durch 
die Thüren derselben auftraten , ist nie bestritten worden ; dahingegen ist hin- 
sichtlich der Personen, für welche oben Auftreten und Abgehen durch die Seiten- 
thüren der Bühne angenommen ist, von Groddeck, De theatri partibus in Wolfs 
Analekten II, p. 105 und von Buttmann in den Anmerkungen zu Rode's 1 • eber- 
setzung des Vitruv a. a. 0. behauptet worden, sie seien durch die Eingänge der 
Orchestra eingetreten und hätten sich dann auf die Bühne begeben. Obwohl 
das Richtige schon durch G. Hermann, Leipzg. Litt.-Zeit. 1818 Nr. 2B9, p. 1911 ff. 
und Jen. Litt.-Zeit. 1843 Nr. 20 sowie durch O. Müixer, Rhein. Mus. V, p. 350 
gelehrt war, nahm Geppert in seiner Schrift Ueber die Eingänge zu dem Pro- 
scenium und der Orchestra. Berlin 1842 und Altgriechische Bühne, p. 128 ff. 
jene Lehre wieder auf. Doch s. Toelken, Ueber die Antigone des Sophokles 
und ihre Darstellung auf dem K. Schlosstheater im Neuen Palais bei Sanssouci. 
Drei Abhandl. Berlin 1842, p. 52, 56 f., 67 und Boeckh, ebendas. p. 80; Sommer- 
brodt, Scaen., p. 63 f., namentlich aber ScnfiNBORN, p. 17 ff. und dessen Be- 
leuchtung aller von Geppert angezogenen Stellen der erhaltenen Dramen in der 
A. 23 p. 76 ff. Dass auch das Scholion zu Ar. Eq. v. 148 ftir Geppert nichts 
beweist, s. Philol. XXXV, p. 325 f. 

•j Arist. Plut. v. 223: XP. xoh^ 4'>7Y**"P7'^'*? xocXs-ov, sof,Y,3st; ^/ i3tü<; sv 
TOt^ a^pol; aütoo? TaXa'.7:(üj>of>}JLEvooc. — v. 229: XI*. äXV «vosok; Tf«r/5. — v. 253: 
KA. tu izokKä Ä^i xü) ^saKOTTg taux^v ^ojxiv 'spa^ovxsc:, /SivSps^ 'ftXot xoil 8Tj|i6xai xotl 
xo5 icovstv l^azxaiy tx' e*(xov2rxs, a:tE»j$eiV, o»? o xaipoi; o'V/l pL?).Xstv. — v. 290: 
KA. xal iiY^v h(u) ^oo)>*fjao|JÄi iS-psxxaveXi x^^v KoxXuiira |jl'.|jloojisvo^ xat xolv ;ioootv 
o'i^l TrocpEvsaXf'juiv 'Jjiäc aY?'.v und v. 295: etts^O-'' är-'Lo/AY|jjL£vot. v. 308: sirsstl'? 
|tY^xpt /olpoi. — v. 318: KA. r^w o' •.())'/ -rjoY] tA^^a j5oo).*fj'30iJLa' xoo oriTtoxoo ).af;i«v 
x».v' a&xöv xal xpla? xx/. 



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§. IB. Bedeiitunjf der Periakten und der Parodoi. »Sceneu Verwandlungen. 1H5 

Dies scheint der einzige Fall des Auftretens eines Schauspielen 
in der Orchestra zu sein; mehrfach dagegen betreten diese die 
Orchestra am Schluss der Stücke , indem sie sich beim Abzüge 
des Chors an die Spitze desselben stellen. In den Eumeniden sagt 
Athene deutlich, sie wolle den Chor wegfuhren und fordert die Äpo- 
TZQ^zoi auf denselben zu geleiten *). Häufiger findet sich dieser Fall 
in der Komödie; sicher ist es, dass Philokieon in den Wespen in 
die Orchestra hinabsteigt und mit dem Chor tanzend abzieht ^) ; 
ebenso fuhrt Peithetaeros in den Vögeln, nachdem er den Chor auf- 
gefordert hat dem Hoclizeitszug zu folgen, mit der Basileia an der 
Spitze desselben einen Tanz aus*); in den Fröschen geht wenigstens 
Aeschylos in die Orchestra und mit dem Chore ab^); in den Achar- 
nern^) und im Plutos^) spricht es dieser geradezu aus, dass er den 
Schauspielern folgen will, und da im Frieden^) der Zug des Chors 
aufs Land geht, wohin sich Trygaeos mit seinem Weibe zur Hoch- 
zeit begeben will, so ist es auch hier wahrscheinlich, dass Schau- 
spieler und Chor in gemeinschaftUchem Zuge abgehen. Die Worte 
des PoUux nun, auf welche oben hingewiesen ist, schliessen sich an 
die p. 157 A. 3 citieite, über die reipoSot handelnde, Stelle an und lauten 
§ 127: £b£X^övT£<; 5s Ttaia njv 6f//T]'3Tf»otv s^rt ttjv oxt^vtjV avaßotivooot 
5ia xXt[j.a>ccov vlfi dh xXt'xaxot; ot ßa^-jiGl xXtjJLaxif;(>e<; xaXoovrai. Die- 



^) Aesch. Euineu. v. lOOB: yoiipits y.ojis:^ • npoTepav $' sjj.1 yyq axEiystv Ö-a- 
Xa^ofj; OTZooüioozvj Tz^h^ '^lij? Ispov luiv^s ;ipo;cofi:cu)v. — v. 1010: tj^zl^ o' •rjYS-^^f) 
;roXt33oö/ot :rat5j? Kpav/oo, xaisos ji-iXO'xoi?. v. 10B3 setzt sich der Zug in Be- 
weg-uug, Athene voran. 

*) Arist. Vesp. 1514: axap xaia^atsov y' £5^' aoxoO? |jlo'.. — v. 1535, an die 
Karkinit^n und den Philokleon gerichtet: aXX' ti6L'(tx\ st xi '^tXslx' opyoojjLgvot, 

') Arist. Av. V. 1757: iitsaifs vöv Y<i|A0t3tv, «> ^jKa Kocvxa 3!)vvo[i.«iv ;ix«^0'f6p', 
Ix' £;rl üsoov Sioc. xal f^^'/o^ yi,ii.'qK%0'/ • optjov, w {laxaipa, cyjv /slp» ymi ;:x*piuv 
Ejiüjv Xaßoösot zo'^'/o^vizo"/ • aipwv os xoo'f uo 3' v^tit, 

*} Arist. Ran. v. 1524: IIA. '^aivzxz xo'lvov 6jj.ei<; xooxcj) Xajj.Z'ioa? '.p*^5 X^H^^ 
:rpro::f}i.7rsxs xois'.y xoüxoo xoöxov jjijXa^tv xal p.oX;ta:3tv xsXaooövx?«;. 

^) Arist. Ach. v. 1231 : 1\. sitsiö-e vov ^^o^/xe; m XTjVsXXa xa/.Xtvtxo?. Xi). aXX' 
vli^zd-a z'lr^'^ //-'p'''' XYjVsXXa xaXXiv.xov ^oovxc^ a* x«l xov aaxov. 

^) Arist. Plut. V. 1209: Oci y*P xax&Tctv xo6xo>v ^$o'/xa^ iiceoil-at. 

') Arist. Pac. v. 1318: xal xa 3xs6tj waXiv i; xov 6r(p'>v vovl ypYj K<ivxa xo- 
{U^s'.v. — V. 1329: TP. osöp', a» y'^'«''^*-» st? ^yP^'''» y<w:ciu? pLsx' iixoO xaX-rj xaXcb? 
xaxaxstsst. Die Annahme, dass in den angeführten Fällen die Choreuten auf 
das Logeion gestiegen und mit den Schauspielern durch einen der Seiteneingänge 
der Bühne abgezogen seien, hat geringere Wahrscheinlichkeit. 



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] 66 §• 1^- Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenverwandlungen. 

selben haben wegen der Verbindung, in welcher sie stehen, und weil 
ein bestimmtes Subjekt fehlt, zu verschiedenen Auffassungen Anlass 
gegeben, indem die einen*) meinten, die ganze Stelle beziehe sich 
auf die Schauspieler, und da unter den TcdpoSot die Eingänge in die 
Orchöstra zu verstehen seien, so werde hier geradezu das Auftreten 
der Schauspieler in der Orchestra gelehrt, während andere^) die 
ffdpoSot für die Zugänge der Bülme hielten und der Ansicht waren, 
die Worte von elaeXS^vre? an seien ßllschlich an diese Stelle gerathen, 
endhch von anderer Seite ^) die ganze Stelle auf den Chor bezogen 
und behauptet wurde, Pollux wollte mit den letzten Worten sagen, 
der Chor besteige das Logeion, wenn es erforderUch sei. Das Richtige 
sah SoaojERBRODT *), der die ganze Stelle folgendermaassen über- 
setzte: „Von den Zugängen führt der von der rechten Seite entweder 
vom Felde oder vom Hafen, oder von der Stadt her; diejenigen, 
die zu Lande von anderen Gegenden herkommen, gehen durch den 
anderen. — Treten sie aber auf der Orchestra auf (d. i. für den 
Fall), so besteigen sie die Bühne vermittelst einer Treppe.'* Diese 
Auffassung, nach der die Worte auf Chor und Schauspieler bezogen 
werden, beseitigt alle Schwierigkeiten, und es bleibt als Regel fest 
stehen, dass die Schauspieler unmittelbar von den Paraskenien aus 
die Bühne betreten haben. 

Am Anfange einiger Dramen finden wir Personen in liegender 
oder knieender Stellung; so liegt im Agamemnon^) der Wächter 
auf dem Dache, im Orestes '^) der Held des Stückes auf einem 
Ruhebett vor dem Palaste und in den Troerinnen ') Hekabe während 

*) Groddeck, Büttmann, Üeppbrt an den p. 164, A. 2 citierten Stellen. 

*) G. Hermann, De re scaen. in Aesch. Or. a. a. 0., p. H51 f. imd Sommer- 
BRODT, Scaen., p. 119, A. 2, welche die Worte von sbs/.ö-ovxs; an in §. 109 hinter 
e'sd'' 5x8 $1 xal xaO-' iva stcoioüvxo xy^v slao^ov einschieben wollen. 

*) Schönborn, p. 75. 

*) SoMMERBRODT, Zcitschr. für die Alterthumswiss. 1845, p. 360 = Scaen., 
p. 66. Dem stimmen bei "Wikseler, Götting. Prorector. - Progr. 1866, p. 14; 
mein Jahresbericht Philol. XXXV, p. 336. "Wecklein, Bürsian Jahresber. XIX, 
p. 641. Vgl. die Kritik der verschiedenen Ansichten bei Wieseler a. a. O., 
p. 12 f. — Sind unter den xXtfiaxs? zwei Treppen zu verstehen, so ist das ein 
Beweis dafür, dass Pollux' Quellen Theater späterer Zeit im Auge hatten. 

*) Aesch. Agam. v. 1 ff.: ^soo? |ikv alxui x(wv$' aTiaXXaY*»)v äov(ov ^(ioopdi; 
txsta^ J^'^pto;, •ijv xoi(JL(upievo^ sxrf-rjg 'Axpst^wv a-^xa^-sv xx/,. 

•*) Eur. Or. v. 34 f.: jvxsöö^v ft^pta 4'>vxaxsl? vo^to osjjiag xX*fjfio>v 'Ops^xTj? 
3^2 ;r83(bv SV ^s|JLVtot^ xitxat. 

') Eur. Troad. v. 36: xyjv o' otO-Xtav xvjvo' st xt; sbopäv {►iXsi, icapj^xiv, 



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§. 13. Bedeutung der Periakten und der Parodoi. Scenenverwandlungen. 167 

des Prologs am Boden ; an Altäi*en belinden sich Amphitryon mit 
der Megara und den Kindern im Rasenden Herakles*), lolaos mit 
den Kindern in den Herakliden^) und der Chor in den Schutz- 
tiehenden des Euripides ^). Bei Aristophanes liegen Strepsiades und 
Pheidippides in den Wolken*), Sosias und Xanthias in den Wespen 
vor dem Hause, und im letzteren Stücke schläft Bdelykleon auf dem 
Dache ^). Die Frage , in welcher Weise diese Personen aufgetreten 
seien, ist in verschiedener Weise beantwortet. Während von einer 
Seite behauptet wurde, dieselben seien durch die Exostra oder eine 
dem Ekkyklema ähnliche Maschine in der bezeichneten Stellung auf 
das Logeion gebracht®), — wogegen jedoch darauf hinzuweisen ist, 
dass diese Anwendung der Bedeutung der genannten Maschinen 
widersprechen würde und ein anderer Apparat, ^der hiezu hätte 
dienen können, nicht bekannt ist — , hat man von anderer Seite') 
diese Fälle als Beweis für die Anwendung eines Vorhangs in An- 
spruch genommen, liinter dem sich die fraglichen Personen in die 
genannte Lage begeben hätten. Da jedoch, wie im Folgenden nach- 
gewiesen werden wird, der griechischen Bühne ein Vorhang fremd 
war, so ist, bis zwingende Beweise vom Gegentheil beigebracht 

'ExaflY^v xs'.|uvyjv i:oXtöv Tidjio?, B'Jtxpua /loüsocv :toXXa xal koXXcuv OTttp. Erst v. 98; 
avot, ^ü^Sa'.fiov, St^o^sv xs'faX-riv sTractps ^gpTjV i^ nchtet sie sich auf. 

*) Herc. für. v. 48: sf"* ^^ . . . 4^^ H-"^"^?'-» texvoc |i*rj Odvo>3' 'Hpoix)»soü?, fnojiöv 
xa9tC«> t6v$* 3u*T*rjpo; Ato^. Vj^^l. v. 53 f. 

^) Eur. Heracl. v. 31 ff.: «drrjg o* /oipa? 'KXXd^o^ rrjxtüjisvot, MapaÖ-uiva 
xal oö'(%Kt]pO'^ sXö"6vTE^ yO'Ova ixetai xad-slofisod-a ßtu^ioi d-scüv. Vgl. v. 61. 

") Eur. Suppl. v. 8 ff. : sg xd^^s ^dp ßXi'J/ao' srtY/>4d|i*rjv Td^^ yP'-^ö?» ^^^ '»^- 
rroOaa: oa»jjLat^ Wp-^sia^ y0'ov6(; ixiT^p; O-aXXd) lipozTzizvoor ejj.6v '^ovo. v. 33: |asvu* 
:rpo? k'^'^fv.^ 53/dpa:(; oootv ^satv, K6pT^<; t» xal A-rjji.T^Tpog. — Auch das Volk im 
Aufaiigü des Oedipus Rex gehört hieher. 

*) Arist. Xubb. v. 8 ff. : dXX' mV o y py^^xog oüto^I vsavia^ rcsipEi^tt xrfi vuxio^, 
d>vXd Tcep^jtat sv jzvm 3i36pai^ E*(xsxop^oXtj^svo^. — v. 12: oikV oo SuvajjLai $?•- 
Xa:o(; EO$*tv. 

*) Arist. Vesp. 5: HA. oIo\ dX/.' SÄt^ofico 3|JLtxp?>v d;cojisp|i.*r]pbat. 112. 0'> ö' 
oov :capaxt'/o6vsü\ sr»l xao'oO y' ^H-^'^ xaxd xoiv xopatv 5:rvoo xt xaxaytixat y^oxü. 
— V. 67: 83XIV ydp •f^jJ-lv o*a;roTYj; exe'.vosI dvto xad-so^tov, 6 |i.r(a;, oonl xoö xrfoo^. 

*) Von Schönborn, der zwar über den AVächter im Agamemnon schweigt, 
bezw. p. 150; 237; 171; 183; 187; 345; 325. Für den Oedipus Rex nimmt er 
p. 124 stummes Spiel an. 

^) Von AViESELER, (TcJtting. Prorectorats-Progr. 1866, p. 6, wo ausser 
dem Prometheus, über den §.14 gehandelt werden wird, Aeschylos' Agamemnon 
und Aristophanes' Wolken und Wespen herangezogen sind. Vgl. desselben 
Scenische und kritische Bemerkungen zu Euripides' Kyklops, p. 37, A. 1. 



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168 §• l«^» Bedeutung der Periakten und der Parodüi. Sceueuverwandluugeii. 

sind , anzunehmen , dass alle jene Personen einfach aus den Häusern 
oder durch die Seiteneingänge der Bühne oder der Orchestra auf- 
getreten sind und dann diejenige Stellung oder Lage eingenom- 
men haben, welche dem Anfange des betreffenden Dramas entsprach. 
Für die allerdings in diesem Verfahren liegende Störung der Illusion 
lassen sich aus neuerer Zeit treffende Parallelen anfuhren*). 

Ob die griechische Bühne einen Vorhang hatte oder nicht, ist 
eine alte Frage, welche von einer Anzahl von Gelehrten bejaht, 
von anderen dagegen verneint worden ist ^). Die ersteren haben 
sich zunächst auf einige Stellen berufen, in denen ihnen das Wort 
TüpoaxTfJviov den Vorhang zu bedeuten schien ^) ; sodann ist behauptet 



1) Philol. XXXV, p. 312 habe ich auf die Episode von Pyramus und Thisbe 
in Shakespeare's Sommemachtstraum V, 1, und im Berliner Ind. schol. 1872/3 hat 
Haupt auf die 15. Scene von Moliere's La comtesse d'Escarbagnas hingewiesen, 
wo die Personen angefordert werden, sich in den Theatersaal zu begeben, aber 
auf der Bühne bleiben, während das bisherige Zimmer durch Aufstellen von 
Sitzen in den Theatersaal verwandelt wird. Vgl. Baudissin, Uebersetzung des 
Moliere III, p. 385. 

*) Einen Vorhang nahmen an öenelu, Theater von Athen, p. 54. 0. Müller, 
Eumeniden, p. 105. Schnetoer, p. 81, A. 103. Lohde, p. 12 f. AVieseler, üötting. 
Gel. Anz.'1854, p. 154; E. u. Gr., p. 21H ff. Götting. Prorectorats-Progr. 1866, 
p. 4 ff. Seen, und krit. Bern, zu Eurip. Kyklops, p. 35 und p. 36 A. Dagegen 
sprachen sich aus Groddeck, üe proedria et aulaeo in Seebode's Miscell. crit., 
p. 299 ff. BöTTiOER, Kl. Sehr. I, p. 402. G. Herm.\nn, Leipzg. Litt.-Zeit. 1818, 
p. 1906. Derselbe, De re scaen. in Aesch. Orest. a. a. 0., p. 656. Schönborn, 
p. 34 ff. Vgl. Philol. XXIII, p. 327; XXXV, p. 310 ff. und 334 f. 

') Duris ap. Athen. XII, 50, p. 536 A: y^'^'^M-svcov ^k tü>v Ar^^kr^z^i^a'/ \\dTjvrj3iv 
e^pdipeio i-nX xoö nposxY^vioo (6 ly^kr^pioq) s;cl xr^i; otxoofjivY^^ (Wieseler OIxoo/aevtj?) 
o)^o6|isvo<;, wo Lohde a. a. 0. und Wieseler E. u. Gr., p. 216, A. 73 Ttpowfjvtov 
für den Vorhang, Sommerbrodt, Scaen., p. 246 für die Decoration nehmen. — 
Suid. 8. V. wpooxTjvtov : t^ :r(iO zrfi sxtjVyj? Kaf>a;rsTaa|JLa * 4] os xoyrj KapsXxo|iE'/Y) 
TT^v :rp6',paotv xad-dicep Inl TcpooxTjVtov na&s-fojivtüaj xa? <iXT,8^'.<; 2;rtvota^. AViESELER 
a. a. 0., p. 217, A. 74 schreibt xi fiir lizi und denkt wieder an den Vorhang; 
8. dagegen die richtige von Wecklein, Philol. XXXI, p. 448 gegebene Deutimg 
oben p. 54, A. 2, nach der Jtf>o3x-»]vtov hier für Bühne zu nehmen ist. — 
Schneider, p. 82 beruft sich auf Synes. Aeg. III, 8., p. 128 C; p. 172 Krab.: 
•fjjjLsi^ oov xo tvdiv^E oüXXoftaiüiJLEÖ'a, :rot05 5v h xexa^^svo^ f^^'^-'^® ^zdvrfi • r^ oaf s^ 
XI oel xal ;rpo?>irxov strcslv, to^ sxeIvo?, o3X'.^ iv vfj /<«>f>ot Kspuki^zi xa OEtxvu^Ev« xaO*' 
Exaoxov tv xa5st spoxoicxovxa xoö ;tapaTC£xd3p.axo; • st Se xt? si? tyjv ax'rjvrjv etcßid- 
Cotxo xal xb \f^6\u*/ov et^ xoöxo xo vocpO-aXiJL'lCo'.to oia xoö KpooxY|ViO'j, xy^v 
irapaaxsoTjV aO-poav ana^av a^idiv ETtonxsö^at, iirl xoöxov 'KXXavoöixai xoo^ jiasxi- 
YO<p6poo<; 0irXiCou3i • xal Xa9"ü>v 51 ooolv zoL'^k^ eIosIyj, |jLoXt^ '(i toilov xal ao-cxs/üjisva 
xal ioiaxpixa. Auch hier wollen Sommerbrodt a. a. O., p. 247 und Wecklein 



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§. IB. Bedeutung der Periaktcii und der Parodoi. Sceuenverwandlungen. 169 

worden, die Arbeiten an der Decoration in den Pausen zwischen 
den Stücken hätten nothwendig durch einen Vorhang verdeckt 
werden müssen*): femer sind, wie bereits bemerkt, die eben be- 
handelten Anfange einzelner Dramen herangezogen und endHch ist 
darauf hingewiesen, dass es keine allgemeinen Gründe gebe, aus 
denen gezeigt werden könne, die Griechen hätten keinen Vorhang 
gehabt^). Alle diese Gründe sind aber, so lange nicht positive 
Beweise gefunden sind, wie wir sie für die Existenz des Vorhanges 
im römischen Theater besitzen ^) , hinfallig ; denn einerseits müssen 
alle jene Stellen anderweitig erklärt werden, andererseits wird wäh- 
rend der Pausen zwischen den einzelnen Stücken ein so reges Leben 
auf den Sitzplätzen geherrscht haben, davss die Vorgänge auf der 
Bühne zur Herrichtung der neuen Decoration von, den Zuschauern 
gewiss wenig beobachtet wurden, zumal in vielen Fällen bei den 
Vorbereitungen zu dem neuen Stücke nach dem oben Gesagten 
nur ausserordentlich wenig zu thun gewesen sein wird *). Ueber- 

a. a. O., p. 549, welche den ersten Satz weglassen, unter :tpooxTjv:ov die Deco- 
ration verstehen; indessen fasst "WrESKLER, E. u. Gr., p. 217, A. 75 mul (f()tt. 
Progr. 1866, p. 7, A. H ::apa;rsTaa|JLa richtig als das sipariiini niinioruni (Schol. 
luven. VIII, 185: siparium velum est, sub (juo latent paradoxi, cum in scaenani 
prodeunt); TtposxTjv.ov ist dann gleichbedeutend mit -af»ajrsTa3p.a, und die Worte 
:tj)ox6;rTovxa toO zaparesTocapLaTO? hindern an die Decoration zu denken. Es kann 
jedoch diese Stelle für einen Bühnenvorhang in guter gi'iechischer Zeit nichts 
beweisen. — Die ebenfalls von Schneidkr angeführte Stelle PoUux IV, 122: 
E^sot». ok xal 10 rtapaTtixa-s/ia aöXaiav xaXstv, TTrspsi^oo elreovio«; sv td) xaia Hatpo- 
xXsoo^ ^ot 0^ evvEa ^pyovts^ sbtuövto sv ty; "loöt, Ttspt'^pa^djJLSvoi xt |JL£p05 aOx*?]^ 
aöXat<y'* gehört nicht hieher, ist aber aus Aesch. Otes. 76 (ob. p. 62, A. 9) zu 
erklären, wonach einzelne Sitze mit Zelten überspannt und vielleicht auch durch 
Vorhänge abgesondert werden konnten. 

*) AViBSELER, Seen, und krit. Bemerk., j). 86, A. 

*) Derselbe, Götting. Progr. 1866, p. 6. 

') Ovid. Metam. III, 111: sie, ubi tolluntur festis aulaea theatris, surgere 
Signa solent, priraumque ostendere vultus, cetera paulatim placidoque educta 
tenore tota patent imoque pedes in margine ponunt. Verg. Georg. III, 24: 
vel scaeua ut versis discedat frontibus, atcjue purpnrea intexti toUant aulaea 
Britanni. Hör. Ep. II, 1, 189: quattuor aut plures aulaea premuntur in horas. 
Cic. pro Cael. 27, 65. Der Vorhang 6el beim Beginn und hob sich am Ende 
des Stücks. Ueber die Art der Hamlhabung vgl. Overbeok, Pompeji, p. 140 und 
Fig. 89. 

*) Im römischen Theater hatte man einen Vorhang, welcher während der 
Zwischenakte benutzt wurde. Donatus, De comoedia p. 12, 3 Reiflf.; aulaea quo- 
que in scaena intexta stemuntur, »piod pictus ornatus ex Attalica regia Roraara 



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170 §• 14. Die Schau8i)ieler. 

luiupt entscheidet auf diesem Gebiete lediglich Sitte und Gewohnheit 
über das Erträgliche und Unerträgliche. 

Dass die Anfänge der Dramen nichts beweisen, ist schon gezeigt, 
mid was den Mangel allgemeiner Gründe anbetrifft, so ist zu be- 
merken , dass die Trennung der Bühne von der Orchestra und dem 
Zuschauerraum durch einen Vorhang der Idee der dramatischen 
AuflFührungen widersprechen würde , welche ursprünglich nicht Schau- 
spiele für das Volk waren, sondern Festspiele vom ganzen Volke 
und im Namen des Volkes zu Ehren des Gottes aufgeführt *). Erst 
im römischen Theater war das Drama ein Schauspiel für das Volk, 
es stand daher dort der Anwendung des Vorhanges die Idee nicht 
entgegen, wie auch dort die Orchestra zu Sitzplätzen benutzt ^vurde. 



§ H. 
Die Schauspieler. 

Die giiechische Bezeichnung für den Schauspieler — ^jKOY.(Axifi 
— ist vei'schieden gedeutet worden , je nachdem man das '>;roxf>iv50^ai 
als respondere, oder in certamine succedere, oder als interpretari 
gefasst, oder endlich vorzugsweise auf freien Vortrag oder Declamation 
bezogen hat^). Während nun auf unserer Bühne jede Rolle ehiem 



usque perlatus est. pro quibus siparia aetas posterior accepit: est autem minutum 
velum, quod populo obsistit, dum fabularuin actus commutautur. Scenenverwaud- 
luiigeu sind auf der griechischen Bühne ohne Zweifel l)ei oftiiem Proskeuion 
vorgenommen worden. 

M So SoMMERBRODT, Scaen., p. 247. Nach (tenelli's (Theat. v. Ath. p. 5H) 
richtiger Bemerkung bezeichnet die Orchestra ü])erall einen Platz, der in Hin- 
sicht auf das Innere der iScene das Drausscn vorstellt: auch hiezu würde die 
Trennung beider Theatertheile durch einen Vorhang nicht passen. 

*) Welcker, Nachtrag zu Aeschyl. Tril., p. 268, A. 224 bezog oicoxptvsaö-ai 
auf die Unterredung des von Thespis eingeführten Schauspielers mit dem Chor. 
O. CüRTius, Vbdl. d. K. Sachs, (^es. der Wiss. Phil.-hist. (Masse 18H0, III, 
p. 148 flf., ging von Hes. und Lex. Apoll. Soph., p. 160Bekk.: onoxpirrj;* 6 a;ro- 
xf»:v6jj.cvo; ;rp6; liv yopöv und Poll. IV, 123: zKtb^ o YjV tp^KjCa apy/Arj., If y// 
;rp6 Heok'So^ tl^ Tt? avaßd(; toU xopsuial? aicsxptvaio aus und meinte, y::oxpivs3{fa' 
bezeichne ursprünglich die unmittelbare Nachfolge in der Unterredung (f)::o- 
ßdXXetv, '>«oXa|jLßdv£'.v), a;rox{>tv5iV/t dagegen die Abwechslung der redenden Per- 
sonen, und bei dem dramatischen uKoxptXYj; sei besonders an die Fortsetzung 
der AuflRihrung durch den die Thätigkeit des Chors aufnehmenden, ihm also 
respondierenden Schausi)ieler zu denken. Sommerbrodt, Rh. Mus. XXII, p. 510 =^ 
Scaen., p. 259 if. nahm Ojroxptvi^O-ai als interpretari und berief sich auf Jl. VII, 406; 



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§. 14. Die Schauspieler. 171 

besonderen Schauspieler zugewiesen wird , war im griechischen Drama 
die Zahl der Schauspieler auf drei beschränkt , unter welche sämmt- 
Uche , auch die weibhchen , Rollen eines Stückes vertheilt wurden *). 
Die Schauspieler hatten daher im Verlaufe des Dramas mehrfach 
das Costüm zu wechseln*^). Indessen ist diese Zahl nicht die ur- 
sprüngUche gewesen. Vor Thespis bestieg während des Chor- 
gesanges ein Choreut den Opfertisch, um durch Erzählung, nicht 
Darstellung irgend einer alten Fabel den Chorgesang zu unter- 
brechen®). Mit Recht sagte man also, der Chor habe damals allein 



'J^a:', TJxoi ji-öO-ov 'A/aidiv ahxb^ öcxoos».^ üi; xo; onöxf^i'/ovra: ; XII, 228: uj^j /' 
OJioxptva'.TO d-soKf^ÖKOi;, S^ o<i'f a fro/xtp si^stv) tspatuv xai ol ssid-oiaio kaot, Od. XV, 
169 ff.; Thuc. Vn, 44, 5; demnach sei öitoxpiT-fj? der Dolmetscher, Vertreter 
eines anderen, der auf der Bühne seine eigene Natur gleichsam aufgiebt, um die 
Rolle eines anderen darzustellen. Demgegenüber stellte Cürtiüs, Rh. Mus. XXIU, 
p. 261 folgenden Stammbaum der Bedeutungen auf: uTroxpivjaO-at I. interpretari, 
6:coxptrfj5 interpres; II. in certamine succedere, daher 1) antworten, 2) im drama- 
tischen Wettkampf ablösen, 6iioxpirr^; Respondent, a) darstellen, öitoxpirf]; Dar- 
steller; ÖTtoxptoic actio; b) simulare, 6jroxp:rfjg Simulator. Bernhardy endlich, 
Gr. Litt. II, 2, p. 111 bezog ^iTröxpivsad-at wesentlich auf freien Vortrag und 
Declamation. — Seit Philipp's Zeit tritt für '>:coxpiTYj? die allgemeinere Be- 
zeichnung tr/vtiTj; auf. S. Lüders, Die Dionysischen Künstler, p. 58. 

*) Die hiefür angeführte Glosse Hesych. v£p.Yjat? Oiroxptxcöv • ol jcotfjxal tKd\L- 
^avov xpstc OiTOXptxa^, xX*fjp(i> vijjLY^^r/xa^, 'jÄOxpivo|jivoo? xä opa|JLaxot, o>v o v.xTjaac; 
£'.g xo'jTctiv (sxo?) 'ixp'.xo^ «apsXafifltivsxo (ebenso Phot. Suid. s. v.) ist miten Jj. 23 
richtiger gedeutet. Arist. Poet. 4, 16 imd Diog. Laert. III, 56, s. p. 173, A. 1 
u. p. 172, A. 1. — Weibliche Rollen Luc. De saltat. 28: xal yotp ^^?) oKtp svjxaXs'.^ 
x*j opXY]3Xtx^, xö av^pa^ ovxa^ '(t)yr/tXY.rj,^ litp-elGÖYÄi, xotv6v xoüxo xal x-rjg xpa^cüSta^ 
xal xYj^ xio/x(t)Ota; rfx/vTj|ia 5v stTj. Ausser der griechischen Sitte, welche den 
Frauen jedes öffentliche Hervortreten untersagte, kommt hiefür die Grösse der 
antiken Theatergebäude in Betracht, die durch Frauenstimmen nicht auszufüllen 
waren. Siehe Bursun, Histor. Taschenbuch 1875, p. 5. K. Bruchmann, Ueber 
die Darstellung der Frauen in der griechischen Tragödie. Berlin 1882. 

*) Schol. Aesch. Choeph. 899: fxsxssxsoaaxai 6 sJoyysXo? et^ lloXaofjv, Iva 
/i-i] o' Xff(ü3iv. Schol. Eur. Phoen. 93: xafixa fi-f))^ava'3{>'at 'fa3i xöv KopiicioY^v, 
Tva xov ;tpaixaYti*vi'3XYjv OLTzb xoO r?]^ 'loxasxYj? spo-(oKoo p.sxa3xsf>aa'jj • ?'.o ow oovijri- 
•fotvsxat aoxo) \\vxtYovrj, aX"/.' uaxspov. Aristid. I, p. 35lDiild. : o*-;:ep sttI ax-rjvYj; 
axpaxtfluxYj; jiexsaxsoayxai o; otpxuo; yjv Y^cupYo?. Luc. Necyom. 16: otjxat 5s 32 
xal eäI xYj? 3x*r]vYj^ iroXXaxt? itupaxivat xo-j; xpaf-xo?)? osoxp'.xa^ xouxoo^ jipo? xa^ 
ypsta^ Xü>v 5pa|JLaxü>v <3tpxi jiiv Kplovxa^ svioxe o£ llp'.a^oot; Ytvo}j.ivoo? •i?j ' Ay'^pili.vova? • 
xal 6 abxo?, st x'r/o:, |JLtxp6v s/i.^rpoaö'sV |JLaXa ssftvü*^ xo xoo Ksxpoiro^ yj ^KpsytHox; 
T/*rjjjLa |JLi|AYjaafAsvoc, jjlsx' oXi^ov oixsx^c :rpo*f]Xö-£v u;t6 xoö icotYjxoö xsxs).£oo|jlsvo^. 

») Poll. IV, 123. S. ob. p. 170, A. 2. G. Hkrmann, Praef. Cyclop., p. VI: 
illud non videtur dubium esse, inter cantus chori unum aliquem de grege pro- 



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172 §. U. I>ic Schauspieler. 

gespielt '). Thespis stellte zueilst einen vom Chor gesonderten 
Schauspieler auf, der die verschiedenen Personen darstellte, welche 
wälirend des Stückes dem Chor entgegentraten, wobei er sich der 
ebenfalls von Thespis erfundenen Masken bediente**); die Haupt- 
partie blieb jedoch beim Chor, bis Aeschylos den zweiten Schau- 
spieler einfiihrte und damit den XÖ70C, d. h. die Rede der Schau- 

disse, qui aHquam autiquam fabulam non ageret, sed uarrando recitaret. So auch 
O. Müller, Gr. Litt. II, p. 33 und G. Cürtius, Verhdl. der K. Sachs. Ges. d. 
Wiss. a. a. O., p. 151, während AVieseler, E. u. G., p. 203 an den Chorführer 
denkt. Berxhardy, Gr. Litt. II, 2, p. 15 will schreiben: si; ti; äva^ri^ t^v /ojiso- 

*) Dioj^. Laert. III, oH: lozzi^ ol t6 ira/.aiov iv ti^ TpaYtooia :c&oTsf>ov |isv 
/JLovo^ ö yo^h^ 5ts$pa|xiTiC8v, f53T»pov ^£ Hsajr:^ iva OTCOxpiTYjv £5*f>p5^ '^•^•p '^'^ ava- 
naöeaö-at xov Xop6v, xal osoispov Alr/fiXo;, t6v $e tp'tov i)o'f oxXy^;, xal aovt;rXY,pü)3sv 
TY^v TpaY(j)5'av. Welcker, Nachtrag, p. 228. 

^) Thespis galt im Alterthum als Erfinder der Tragödie. Pseudoplat. Min. 
p. 321 A: 'i] 8^ z^v/^toolr/. lzx\ TC/.Xot'.ov svO-ct^s, oö/, tu? ovovcat, airo Hi^Tr'.oo? apja- 
|«.tvYj. ot)$' a:cö <I>poviyoo. Theraistios XXVI, p. 316 D (wahrscheinlich auf den 
aristotelischen Dialog izt^l zoir^z^y ziu*ückgehend) : ctXXa xal -^ asjivYj xpOL'(tüoifi 
/jLiXa TrdcYj? o/aoö rfj? ^xtfjY;; xal xoO /opoo xal küv O^toxpiTiuv Tcaps/.Y^/.oifsv jtg tö 
ö-iarpov. xal of> 7cpo3r/o/Asv WptsTOTeXs: ort xo jxiv Tipoixov /op^^? £i3uov 'jjosv et? 
xo'j? O-soo;, HgsTCt? 81 iipoXoYOv x» xal yr^zv/ s^EÖpsv, At^yoXo? os iplxov 'j:roxf»'.XYjv 
(Petav.; xptxov oiroxpixa; ('od. Med.; xp*l? oiroxoixa? Dind.; otxxo'i? ozoxpiia? 
Bernays; xplxov 060 oiroxp'.xa«; l^sener; ortoxpixa; Jahn) xal oxptßavxa?. xa os KKv.^a 
xo'jxüjv lo'foxXeoo? aTisXaö-ajiEv xal Fi'>j>'a:oo') dachte sich Thespis als Urheber der 
Schauspielerrolle. Vgl. Clem. Alex. Strom. 1, 16 Jj. 79: xal xpaytoolav jjlsv (srtsvoYj3c) 
HgsTct; ö \V{>Y|Va:o?. Horat. A. p. 275 f.: ignotum tragicae genas inveuisse 
Uamenae dicitur et plaustris vexisse pocmata Thespis, quae canereut agerentque 
peruncti faecibus ora (mit falschlicher Herbeiziehung der Komödie). Euanthius, 
De trag, et com. p. 4, 2 Reift'.: quamvis igitur retro prisca volventibus 
ivperiatur Thespis tragoediae primus inventor etc. AVelcker, Nachtrag, 
p. 227 ft'.: „Die Tragödie des Thespis-. Bkrnharüy, Gr. Litt. II, 2, p. Uf., 
VON Leüts«'h, Philol. XXXVII, p. 342. Doch fehlt die Autorität des Aristoteles, 
der Poet. 4 die Tragödie (mh xcov eiap/ovxu» x'>v o'.O-opait^ov herleitet, den Thesi)is 
aber und die Einfiihnmg des ersten Schauspielers ganz übergeht. Daher hat 
neuerdings Hillkr, Rhein. Mus. XXXIX, p. 321 tt'. davor gewarnt, von jenem 
Verdienste des Thespis mit zu grosser Sicherheit zu sprechen. Die älteste 
Nachricht sei die im Minos und bei Themist ios sei die aristotelische Fassung 
jedenialls entstellt. Da indess die aristotelische Notiz sich auf die rranfänge 
der Tragödie bezieht, so schliesst sie die Richtigkeit der Auflassung des Themi- 
stios nicht aus. Vgl. AV ecklein, Rurs. Jahresber. XXXVllI, j». 102. — Masken 
Suid. Hs3;rt(;* xal npwxov }isv ypba? xi ;c(iO-o);vOv •^•[ioil-'co £xpa*fmoYj3Sv, slxa av- 
opd/v^u i^XeTra^Ev iv x<u eic'.OEtxvüaO'ai, xal jitxa xaöxa cl^Yjvr^x* xal xyjv xciiv :rpo3n>- 
;i£iü>v XpYj3'.v SV jiövjj oÖH&vTg xaxa^xsoaoa^. AVelcker a. a. O., p. 271. 



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§. 14. Die Schauspieler. 173 

Spieler, zur Hauptsache machte^). Den letzten Schritt that Sophokles, 
indem er den dritten Schauspieler hinzufügte ^) , — eine Neueiiing, 
von der noch Aeschylos jedenfalls in der Orestee, vielleicht auch 
am Schluss der Septem Gebrauch machte'*). Dass das Satyrspiel 
dieselbe Zahl von Schauspielern wie die Tragödie hatte, versteht 
sich bei der engen Verbindung, in der jenes mit dieser stand, von 
selbst *). Hinsichtlicli der alten Komödie ist mehrfach eine grössere 
Anzahl von Schauspielern angenommen^); es wird indess bestimmt 
berichtet, da*!s Kratinos die Zald der komischen Schauspieler auf 
drei beschmnkt habe^) und diese ^Nachricht darf, obwold Aristoteles 
seine Unbekanntschaft mit der Entwicklungsgeschichte der Komcklie 
gesteht'), nicht ohne Weiteres verworfen werden^), da diese Maass- 



*) Diog. Laert. a. a. O. Aristot. Poet. 4, 16: xal to xt xäv oitoxpixAv r>»yj- 

Xoyov 7cp(i>xaYa>vi'3iY|V irapeoxEoaas. Wklcker, Gr. Trajjfjf., p. 70, A. 8 : „Mir schien 
immer Ar. :rpü>TaY<ovt3iY|(; uneigentlich zu nehmen und den Xoyo; als Hauptsache 
dem Chor entgegenzustellen^ so dass xä xob yopoO TjXattco^s nur näher l)estimmt 
wird durch xal xhv Xo^ov etc.** K. F. Hermann, De distributione personarum 
iuter histriones in tragoediis (xraecis. Marburj( 1840, p. 15 f. Bernhardy, 
Gr. Litt, n, 2, p. 33. Andere Erklärungen bei Wklcker a. a. 0. 

*) Dio^. Laert. a. a. O. Arist. Poet. a. a. O. fährt fort : xptt? ^l xal axYjvo- 
fpaf'lav Io^oxXtj?, Vita Soph., p. 127, 26 West.: xal xov xptxov OKOXptxTjv gJsOpsv. 
Suid. ilotpoxXTj^* ooxo«; «piuxo^ xpialv iyj^rpaxo oicoxptxalg xal x(|) xaXoojuvto xptxa- 
Ywvtsxf^. 

^) SoMMERBRODT, Scaen., p. 176 ff^ Bürsian, Histor. Taschenbuch 1875, 
p. 26, A. 7 hält den Herold in den Septem für ein Parachorej^em. -- Dahin- 
gegen ist Eur. Alkestis sehr wohl von zwei Schauspielern aufzuführen. Elmslev, 
(Massic. Joum. XVI, 435. G. Hermann, Praef. Ale. XH. Alb. MI^llkr, 
Scenische Fragen zu Eur. Alkestis, Progr. Hannover 1860, p. 4 ff. Anders 
K. F. Hermann a. a. O., A. 61. 

*) Bernhardy a. a. ()., p. 148 nimmt nur zwei Schauspieler an. Dagegen 
WresELER, Satyrspiel, p. 28 f., da auf dem Vasenlnlde, Denkmäler des Bühnen- 
wesens VI, 2, drei Schauspieler dargestellt und in Eur. Kyklops ebensoviele er- 
forderlich sind, vgl. V. 197 ff. 

*) Ekoer, De histrionum in Aristophanis Thesmophoriazusis numero. 
Ol»peln 1840, p. 1. O. Müller, Gr. Litt. li, p. 205. K. F. Hermann, Berliner 
Jahrbücher 1843, p. 391. 398. 

®) Anon. De comoedia ])ei Dübner, Schob ad Aristoph., p. XVHT, 81 f.: 
xal Y«p •>- £'«' '^i Axt'.x-j Kptüxov ^oaxYj^ajjLr/oc xo SÄ'.XYjOEopwc xyj^ xa>]X(})^ta^ — YjGav 
0^ ol wepl lopj^aptttiva — xa icpoGOiica axaxxoj? tlzr^^ovy xal y^^*''? "'l^ fioxo^ xo ' 
xaxa-sxsoaCofisvov. £;riY5v6|uvoc: oe Kpattvo*; xaxfGXYjas jasv jrpmxov xa sv x'q xm|jLtü0^a 
irpo-joiKa |i.eyp'. xpitwv, sxYj-sac xy^v axa^iav. 

') Aristot. Poet. 5: ai filv oov xyjC xpa^coolac [ifxaj^aast^ xal oC ujv e*(svovxo, 



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174 §• 14. Die Schauspieler. 

regel ungefälir mit der Einführung des dritten Schauspielers durch 
Sophokles zusammenfallen würde *). Wie es sich jedoch mit der- 
selben im Einzelnen verhielt und wie wir uns das frühere Ver- 
fahren der komischen Dichter , welches mit der Wendung ta ic^/yziAita 
ataxTcix; etTfjYov bezeichnet wird, vorzustellen haben, ist nicht zu er- 
mitteln^). Ist es hienach wahrscheinlich , dass die alte Komödie eben- 
falls nur drei Schauspieler hatte, so ist durch sorgfältige Analyse 
der Dramen des Aristophanes nachgewiesen, da^s dieselben, abge- 
sehen von einer Anzahl von Nebenrollen , von deren Darstellung 
noch die Bede sein wird, in der^That von drei Schauspielern auf- 
gefiihrt werden können^). Was die jüngere Komödie anbetrifft, so steht 
auch für diese die Dreizahl fest, und auf den aus der ersten Hälfte 
des III. Jahrhunderts v. Chr. stammenden delphischen Soterien- 
inschriften bestehen die Gruppen der Komödien stets aus drei Per- 
sonen *). Erst die römische PalUata verwandte eine grössere Anzahl 
von Schauspielern ^). 



yop^jv x(upLu>^(uv h*\k t:ot8 o ^pytov s^cuxgv, aW iiffXovxal YjSav. tJot) hk G/Yjjxotta 
tiva ot'JtYj^ iyo'SoT]«; ol As^Ojisvoi a?itYj^ no'.fjTal jJLVYjjjLovsoovxa'.. ttc o^ Kpo^twTra aite- 
^cuxsv Tj ÄpoXo^oog i?| itX*r]IW| fjTtoxp'.Tiov y.al o^a TO'.aÜTa Tj^voT^ta:. 

*J So Mkinekk f. C. G. I, p. 50. 

') Sophokles' erster Sieg fällt nach der Parischen Chronik Ep. 56: l'ocpo- 
xXy^<; sv'xTjOs Tpa^w^iot eT(»iv ü>v AAnil ins Jahr 468; die Orestec wurde 458 ^o- 
gel>en. Kratinos blühte um 456 nach Mefnekk a. a. O., p. 45. 

^) Die Maassregel hing vielleicht mit der staatlichen Anerkennung der 
Komödie zusammen (nacti Köhlkr, Mittheil, des Arch. Instit. in Athen III, 
p. 107 um Ol. 78, vgl. unten § 21). Der Staat stellte nun eine bestimmte An- 
zahl von Schauspielern, dftren Zahl früher desshalb unbeschränkt gewesen zu 
sein scheint, weil sich nach Analogie der freiwilligen Choreuten auch frei- 
willige Schauspieler gefunden hatten. Anders Bodk, Uesch. d. Hell. Dichtk. III, 
2, 16-, Bkkr, Zahl der Schausp. bei Aristophanes. Leipzig 1844, p. 19 und Muff, 
Der Chor in der Attischen Komödie vor Aristophanes. Halle 1871, p. 10. 12.22. 

') S. das eben citierte Buch von Beer. Berok, Griech. Litteraturgeschichte 
ITT, p. 85. 

^) Menand. bei Stob. Flor. CVI, 8 (Meineke F. C. G. IV, p. 135): Kf^axtsi 
o' 6 x6Xa| Äf>t3Ta Tcocvituv, Ssotepa o O'jxo'^dcvtY^c, o xay.OYjiW)^ Tpitoc \i'^t\. — 
Wescher et ForcART, Inscriptions de Delphes 3-6; abgedr. bei Mders, Die 
Dionys. Künstler, p. 187 ff. Berok a. a. O. 

^) Diomed. p. 491, 23 K: in (Iraeco dramate fere tres personae solae 
^gimt .... (piarta semper muta. At Latini scriptores complures personas in 
fabulas introduxerunt, ut speciosiores frequentia facerent. Teitffkl, Rom. Litt. 
55 16, 4. Steffen, l>e actorum in fabulis Terentianis numero et distributione 



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§. 14. Die Schauspieler. v 175 

Obwohl man hieuach erwarten sollte, dass in den erhaltenen 
Dramen stets die den Dichtem zu Gebote stehende Zahl von 2 
bezw. 3 Schauspielern ausreichte*), so finden sich doch Stücke, in 
denen diese nicht genügt. Aeschylos hatte im Prometheus über 2 
Schauspieler zu veriiigen , lässt jedoch in der Anfangsscene vier 
Personen auftreten, von denen zwar Hia als stumme Rolle, wie 
unten gezeigt werden wird, keine Schwierigkeit macht; fiir den 
Prometheus dagegen hat man, da der Titane nackt und von riesiger 
Figur sein musste und es die Kraft eines Schauspielers überstieg, 
während des ganzen Stückes an den Felsen gefesselt zu stehen, 
eine Holzfigur anzunehmen, welche von Kf»dTO(; und Bta hereinge- 
tragen wurde und in die nach Beendigung der ersten Scene der 
Protagonist von hinten hineinstieg ^). In den Choephoren hatte 
Aeschylos zwar 3 Schauspieler, aber v. 900 ft. scheint fiir den in 
den übrigen Theilen des Stückes stummen Pylades ein vierter er- 
forderlich, da sich der otxsnjc zwischen v. 886 und 892 nicht in den 
Pylades umkleiden konnte*). Ebenfalls ist für Theseus im Oedipus 
auf Kolonos ein vierter Schauspieler anzunehmen, wenn man nicht 
seine Rolle unter alle 3 Schauspieler vertheilen will *). Ueberzählige 



in (1. Acta soc. philol. Lips. ed. Ritschelius. II, fasc. 1, p. 107—158. Fr. Schmidt, 
Ueb. d. Zahl der Schauspieler bei Plautus und Terenz und die Vertheilunj]f 
der Rollen unter dieselben. Erlangen 1870. 

') Die Regel ist mehrfach ausgesprochen: Diomed. a. a. 0. Horat. Ars 
poet. V. 192; nee quarta loqui persona laboret. Schol. Aesch. Choeph. 899. 

*) Wfxcker, Trilog., p. 30. Ct. Hkrmann, Opusc. II, p. 146 = Ed. Aesch. 
II, p. 55. K. F. Hermann, De distrib., p. 23. p. 60. Wiesklkr, Gott. Prorector.- 
Progr. 1866, p. 5. Alb. Müller, Philol. XXIII, p. 520, XXXV, p. 310, Phil. 
Anz. III, p. 319. Wecklein, Studien zu Aeschyh)8. Berlin 1872, p. 31 ff. Ab- 
j?elehnt ist diese Ansicht von Sommerbrodt, Scaen., p. 171. Schoemann, Ed. 
Prom., p. 85 f. Richter, die Vertheilunpf unter die Schauspieler der j^echischen 
Tragödie. Berlin 1842, p. 32. C. Fr. Müller, Progr. Stade 1871, p. 7 ff. 
BcRsiAN, Hist. Taschenb. 1875, p. 26, A. 7. Namentlich nahm man Anstoss an 
der Schwierigkeit, die Holzfigur bei Beginn des Stückes an ihre Stelle zu bringien •, 
"Wieseler fordert daher sogar einen Vorhang. Die im Text gegebene Ansicht 
ist die Wecklein's. Solche Figuren wurden wahrscheinlich auch verwandt für 
die Leichen der Alkestis (Eur. Ale. v. 730 ff.), da die beiden Schauspieler des 
Stückes als Admet und Pheres beschäftigt sind, der Klytämnestra in Soph. El. 
V. 1466, da die drei Schauspieler für die Darstellung der Elektra, des Aegisth 
und Orest verwandt werden, vielleicht auch für die des Haemon in Soph. Antig. 
V. 1257, oy)wohl dafür ein solcher Grund nicht anzuführen ist. 

") Wie irrthümlich der Scholiast zu v. 899 will. 

*) So K. F. Hermann, De distrib., p. 42 f.; mit Recht will (>. Mt^XER, 



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176 ^ 8- 14. Die SchauRpieKT. 

Knaben sind erforderlich für den Eunielos in der Alkestis und 
den Molossos in der Androniaebe'). Häufiger tritt in den 
Komödien das Bedürfniss einer vierten Person ein; auch hier sind 
theils Knaben erforderlich , theils Ensachsene ^). Neben dem Chore 
erscheinen in den Wespen die geleitenden Knaben und am Schluss 
die tanzenden Karkiniten ^). Einen ganzen Nebenchor ausser dem 
ordentlichen Chore bilden in den Enmeniden die 7rf>07co[i.iroi *) , im 
Hippolytos die Genossen des Hippolyt^), die Frauen und Mädchen 
in der Parodos der Frösche und am Schluss der Lysistrate die 
Lakonischen Männer und Frauen*). Für seinen Alexander fiihrte 



Eumeniden, p. 127, A. 9 einen vierten Schauspieler. Vgl. Richter a. a. 0., 
p. 54 ff. Bergk a. a. O., p. 84. 

') Eur. Ale. V. 394 ff. Androm. v. 504 ft. In der Medea v. 1271 f. werden 
die Verse der Kinder hinter der »Scene gesprochen. Heraclid. v. 40 ff. und 
Herc. für. v. 70 ff. sind die Kinder stumme Personen. Ebenso Eurv'sakes in 
Soph. Ai. 545. 

*) Brkk a. a. 0., p. 140 ff. giebt folgende Uebersicht: Knabenrollen: 
Ach. Töchter des Megarers v. 729 ff.-, Pac. Töchter des Trygaeos v. 114 ff. 
Knaben des Lamachos und Kleonymos v. 1270 ff. Erwachsene: Ach. Herold 
V. 43 ff. Pseudartabas v. 94 ff. Nikarchos v. 908 ff. Vesp. Ankläger v. 1417 ff. 
Av. Triballer v. 1615 f. Lysistr. Lampito v. 78 ff. Mehrere Frauen. Thesmojdi. 
Heroldin v. 372 ff. ^ Kranzflechterin v. 443 ff. Prytane v. 929 ff. Ran. Todter 
V. 173 ff. Zweite Wirthin v. 551 ff. Pluton v. 1414 ff. 

') Arist. Vesp. v. 248 ff. und 291 ft\; nach G. Hermann, De choro Vesp., 
p. 5 sind es 4 Knaben. - Die 3 Karkiniten v. 1501 ff. tanzen nur. Beer a. a. O., 
]). 50 meint, in beiden Partieen seien dieselben Knaben aufgetreten. 

**) Aeschyl. Eumen. v. 1010: ofJLsi; o^ 'f^'(üz^s, tcomsooü/o; iznlh^ Kf.avaoO. 
•zaii^i |i?Toixot^, vgl. V. 1032 ff. Sie müssen auf der Bühne aufgetreten und dann 
in die Orchestra hinabgestiegen sein, und waren erforderlich, um dem Drama 
den Schlussgesang zu geben, da der eigentliche Chor weggeleitet winl. Schultze, 
De chori (xraecorum tragici habitu externo. Berlin 1856, p. 38 ff. O. Müller, 
Enmeniden, p. 74. 

^) Eur. Hippol. V. 61 — 120, sie treten auf der Bühne auf. Schob ad v. 58: 

OLTzb i«)v y.u'/^Y«^^*"''' 'C'iiöta Xr^etv. ixspoi oi slzi xoO yof.oö, xa^-dicsp ev tü) 'AXs^av- 
opü) KOi/Jilve^. iviaötl-a p.sv or»v oovatat n^oaTZOYj^rpaz^w. toI^ Uizb xoö yopoö, exsi 
OS 5f>vs5xoixo; xob yopoO tr:v,z6.'^ti xoöxo xi al)-po'.sfia. Indessen irrt der Scholiast, 
da der Nebenchor im Hi[)polyto8 erst v. 108 abtritt, während der ordentliche 
Chor bereits v. 121 auftritt. Dem Scholiasten stimmen bei Fritzschk ad Arist. 
Thesmoph., p. 32 und Wecklein, Philol. Anzeig. XIII, p. 440. Beer a. a. ()., 
p. 13 meint, der Jägerchor komme gar nicht auf die Bühne. 

^) Die ersteren müssen zugleich mit dem ordentlichen Chore aufgetreten 
sein; es fehlen Andeutungen darüber; sie sind da v. 409 ff. und gehen v. 444 
ab. Vgl. Muff, l>ber den Vortrag der chorischen Partieen bei AHstophanes. 



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S. 14. Die Schauspieler. 177 

Euripides einen aus Hirten bestehenden Nebenchor ein^). Dahin- 
gegen kfinnen der Chor der Frösche ^) und der des Agathon in den 
Thesmophoriazusen ^) von dem ordentlichen Chor, der erst später 
auftritt, hinter der Bühne gesungen sein. 

Weil nun der Staat nur die drei ordentlichen Schauspieler 
stellte, auch keinen Dichter bevorzugen durfte, so waren diese 
für derartige ausserordentliche Erfordernisse lediglich auf die Güte 
der Choregen angewiesen , deren Verpfüchtung jedenfalls über die 
nächste Aufgabe, die Stellung des Chors, hinausging und sich auf 
die Stellung der Statisten, sowie die Beschaffung von mancherlei 
Material erstreckte*). Somit kann es nicht auffallen, dass solche 
extraordinäre Leistungen der Choregen 7cap»a5(Ofrj775|j.aTa genannt 
wurden. Leider sind wir über das, w^as hierunter zu verstehen ist, 
nur unvollkommen unterrichtet. Der Schohast zu den Fröschen 
v. 209 nennt den Chor der Frösche ein 7rapa"/o(»JYY][i^, der zum 
Frieden v. 114 bezeichnet so die Töchter des Trygaeos*^). Eine 
andere Erklärung giebt Pollux IV, 109 f.: ottöts (x^v ivtl tetapTOo 
oTcoxfvtTOo 8^01 Ttva TÄv yopeoTÄy eIttsiv sv (pS-g, jrapaaxKjviov TtoXsltat 



Halle 1872, p. 166 f. Anders Arnoldt, Die Chorpartieen bei Aristophanes. 
Leipzig 1873, p. 146 ff. — Lysistrate v. 1241 ff. Vj?!. Muff a. a. O., p. 161 ; 
Arnoldt a. a. O., p. 169 f. 

') lieber den Hirtenchor s. Welcker, Gr. Trag., p. 469. 

*) Arist. Ran. v. 209 — 264. Schol. ad v. 209: Taöia xoXelxot irapa^op'rjY'fi- 

|jLaia, 8res'.5r| oo/^ ^pÄvtat sv iij) ^sitpci) ot ßdxpayoi, oo3^ 6 yophq, aXX^ sauiO-sv 

• \i.i\i.obvxrxi 100? ^rxxpocjfoo^. 6 ^k akT^9^6^^ X^f*^^ ^* "^^"^ so^eßöiv vexptov oüvsorrjxsv. 

*) Arist. Thesm. v. 104-129. Schol. ad v. 101: i|JL^6TEpa Zk aotö^ otco- 
xpivsTtti und xoptxa AsY^t jJLeXv] ahxh^ rpö? of'nh'^, tt>^ yoptxa M, ist also der Meinung, 
Agathon singe das Chorlied selbst; s. dagegen Enorr, Fritzschk und Droysen 
zu d. Stelle. 

*) Vgl. unten § 22. Plut. Dem. 29: eSoxsi y^P avcafüivt Ceolat tä 'Ap/ta 
TpaY<{>5i'xv üiroxptvojJLevo? • eüY||JL8p(DV hk xal xaTeywv xb d^axpov, ev^eiqc irapaoxeovjc 
xal yopvjfwc? xpaxsio^jit. Id. Phoc. 19: xai «ots ^tu^vuiv xaivoo? xpa-^m^ob^ 
WiVrjvattüv, h ii.lv xpOL'(w^b<; eta'ivai [xsXXmv ßaatXt^o^ TCp63(ureov ^xet xal xexos|i'rj[iiva^ 
KoWuq TCoXüxsXwg o:caJoü^ xiv yopYj^ov, xal jjlt] «apgyovxo(; •JjYavdxxet xal xaxetye 
xb Iflaxpov 00 ßooX6p,evo(; itpoeX^stv. o ^k X°P''1Y^? MeXdvO-to^ w^oiv aüx<bv zlq xb 
|iiaov sßoa* xoö <I>üjxt(ovog ohy ^pat; Yf^vaixa TrpoKoöoav dsl jjlsxgc fitä? ^panotvtSo^ ; 
Diese Stelle sucht Boeckh, Staatshaush. I, p. 601, A. a zu entkräften. Arist. 
Pac. V. 1020: aXK etow «pgpciiv ^osa«; xa \i.*fipV H^Xüjv Ssöp' rx^eps, yooxoD xö icpo- 
ßaxov xü) yopv)Yij> G(})ssxa:. 

*) Schol. Ar. Banac 209 s. oben A. 2. Schol. Ar. Pac. 114: xa xotaöxa 
itapayopT,'jYj|ia':a xaXc&Giv, cia vüv xa Tiaioia koisI xa/xoOvxa xov Traxipa. slxa wpö^ 
oü^Ev ex: xoüxot; yp-rjoexat. 

Hermann, L«>hrbuch UI. II. 1 2 



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176 ^ S- 14. Die SchauBpieh'r. 

Knaben sind erforderlich für den Eumelos in der Alkestis und 
den Molossos in der Androniacbe '). Häufiger tritt in den 
Komödien da« Bedürfniss einer vierten Person ein; auch hier sind 
theils Knaben erforderlich , theils Erwachsene -). Neben dem Chore 
erscheinen in den Wespen die geleitenden Knaben und am Schluss 
die tanzenden Karkiniten ^). Einen ganzen Nebenchor ausser dem 
ordentlichen Chore bilden in den Eumeniden die 7rpo7co[i.«oi *) , im 
Hippolytos die Genossen des Hippolyt^), die Frauen und Mädchen 
in der Parodos der Frösche und am Schluss der Lysistrate die 
Lakonischen Männer und Frauen*). Für seinen Alexander fiilirte 



Eumeniden, p. 127, A. 9 einen vierten Schausjneler. Vgl. Richter a. a. O., 
p. .54 ff. Bergk a. a. 0., p. 84. 

') Eur. Ale. V. 394 ff. Androm. v. 504 ft. In der Medea v. 1271 f. werden 
die Verse der Kinder hinter der Scene gesprochen. Heraelid. v. 40 ff. und 
Herc. für. v. 70 ff. sind die Kinder stumme Personen. Ebenso Eurysakes in 
Soph. Ai. 545. 

*) Bkkr a. a. O., p. 140 ff. giebt folgende Uebersicht: Knabenrollen: 
Ach. Töchter des Megarers v. 729 ff.; Pac. Töchter des Trygaeos v. 114 ff. 
Knaben des Lamachos und Kleonymos v. 1270 ff. Erwachsene: Ach. Herold 
V. 43 ff. Pseudartabas v. 94 ff. Nikarchos v. 908 ff. Vesp. Ankläger v. 1417 ff. 
Av. Triballer v. 1615 f. Lysistr. Lanipito v. 78 ff. Mehrere Frauen. Thesnioph. 
Heroldin v. 372 ff.^ Kranzflcchterin v. 443 ff. Prjtane v. 929 ff. Ran. Todter 
V. 173 ff. Zweite Wirthin v. 551 ff. Pluton v. 1414 ff. 

') Arist. Vesp. v. 248 ff. und 291 ft\; nach G. Hermann, De choro Vesp., 
p. 5 sind es 4 Knaben. - Die 3 Karkiniten v. 1501 ff. tanzen nur. Beer a. a. ()., 
]). .50 meint, in lieiden Partieen seien dieselben Knaben aufgetreten. 

*) Aeschyl. Eumen. v. 1010: fifj.*«; o^ y^y*'-***"«» «oXta-soö/oi nalh^ Kf.avaoi). 
xan^e fjLtToixoic, vgl. v. 1032 ff. Sie müssen auf der Bühne aufgetreten und dann 
in die Orchestra hinabgestiegen sein, und waren erforderlich, um dem Drama 
den Schlussgesang zu geben, da der eigentliche Ghor weggeleitet wird. SoHrLTZE, 
De chori Graecorum tragici habitu externo. Berlin 1856, p. 38 ff. O. Müller, 
Eumeniden, p. 74. 

^) Eur. Hippol. V. 61 — 120, sie treten auf der Bühne auf. Schob ad v. .58: 
xoöto svtot jtEv T^v 'liriroXuTov 'fasiv ^Seiv. <5}xeivov oI lofjg Ikojjlevou^ x<j» 'IktcoXoxcj) 
OLKh x<T»v xt)'/YjYf3tü>v xa&xa Xrfstv. ixspoi oe s'-st xoö yopoö, xaft-airsp sv xüj ^AXs^av- 
opüi Kot/AEve^. evxauiVx jjlsv oov o'Jvotxai npoairoypYjaaGÖ'ai xol? aito xou yo^ob, exet 
OS 'Sfivs^xoixos: xor» yopoO tireifsaYst xotixo xh aD-potsfia. Indessen irrt der Scholiast, 
da der Nebenchor im Hippolytos erst v. 108 abtritt, während der ordentliche 
Chor bereits v. 121 auftritt. Dem Scholiasten stimmen bei Fritzsche ad Arist. 
Thesmoph., p. 32 und Wecklein, Philol. Anzeig. XIIT, p. 440. Beer a. a. O., 
p. 13 meint, der Jägerchor komme gar nicht auf die Bühne. 

*'•) Die ersteren müssen zugleich mit dem ordentlichen Chore aufgetreten 
sein; es fehlen Andeutungen darüber; sie sind da v, 409 ff. und gehen v. 444 
ab. Vgl. Muff, rel»er den Vortrag der ehorischeu Partieen bei AristiJpbanes. 



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§. 14. Die Schauspieler. 177 

Euripides einen aus Hirten bestehenden Nebenehor ein*). Dahin- 
gegen können der Chor der Frösche^) und der des Agathon in den 
Thesmophoriazusen ^) von dem ordentUchen Chor, der erst später 
auftritt, hinter der Bühne gesungen sein. 

Weil nun der Staat nur die drei ordentlichen Schauspieler 
stellte, auch keinen Dichter bevorzugen durfte, so waren diese 
für derartige ausserordentliche Erfordernisse lediglich auf die Güte 
der Choregen angewiesen , deren Verpflichtung jedenfalls über die 
nächste Aufgabe, die Stellung des Chors, hinausging und sich auf 
die Stellung der Statisten, sowie die Beschaffung von mancherlei 
Material erstreckte*). Somit kann es nicht auffallen, dass solche 
extraordinäre Leistungen der Choregen 7ca(:>a)^0(irjYT5|j.aTa genannt 
wurden. Leider sind wir über das, was hierunter zu verstehen ist, 
nur unvollkommen unterrichtet. Der SchoUast zu den Fröschen 
v. 209 nennt den Chor der Frösche ein Äaf>a-/ofjTfj'pj[j/x, der zum 
Frieden v. 114 bezeichnet so die Töchter des Trygaeos^). Eine 
andere Erklärung giebt PoUux IV, 109 f.: ottöts [isv avrl Terdproo 
oTToxpiTOö Sioi Ttva Twv '/of^soTÄy eiJTelv ev <|)8'5, ÄapaaxTjv.ov xoXeitat 



Halle 1872, p. 166 f. Anders Arnoldt, Die Chorpartieen bei Aristophanes. 
Leipzig 1873, p. 146 ff. — Lysistrate v. 1241 ff. Vgl. Muff a. a. 0., p. 161 ; 
Arnoldt a. a. O., p. 169 f. 

') lieber den Hirtenchor s. Welcker, Gr. Trag., p. 469. 

") Arist. Kan. v. 209 — 264. Schol. ad v. 209: taöxa xoXstTot itapaxopTj-ffj- 

jjLaxa, ei:s'.$r| oo^ optüvtat ev x(^ ^satpif) ot ßdcipayot, oo5^ o yo^h^, aXX^ eacuO-sv 

■ ji.t|jLoövTat Too? gatpayooi;. 6 ^h aXT,0'(«? X^P^^ ^^ "^^"^ eüGsßtov vexptov oüvlarrjxev. 

*) Arist. Thesm. v. 104-129. Schol. ad v. 101: ajicpoiepa o^ ah'zb<; oko- 
xpiveta: und yo^vf-a Xrf et jAeX-r] aoxi^ zp6g w^xhv, 6}<; yopixa $e, ist also der Meinung, 
Agathon singe das Chorlied selbst; s. dagegen Enokr, Fritzsche und Droysen 
zu d. Stelle. 

*) Vgl. unten § 22. Plut. Dem. 29: e^oxsi y^P otvxaftovlCeaO'at tä ^A^yia 
xpaYü)^tav oitoxptvojxevo? * eüYj|i6pü>v 8e xal xaxiyiuv xö ^eaxpov, evoeia icapaoxeo'tjc 
xal yop-rjfwc? xpoxstaO«i. Id. Phoc. 19: xat koxb ^etu|jiv(uv xa'.voü(; xpa^tp^Oü^ 
WO-/|vatcuv, h |x^v xpaY«>56g etstevat [jlIXXwv ßaaiXi^o^ irpootwicov 'Jxei xal xexo5p.'rj[jLeva^ 
:roXXa? noXoxsXtu^ hiza^ob^ xiv yopY^Y^^» *^^- P-'h icapsyovxo^ YjY''^>ct>txe'. xal xaxelxe 
x6 IHaxpov oü ßooXofJievo^ itpoeX^lv. h ok yo^iy^hq MeXav^to^ (m^wv a6x6v et^ xb 
|iioov sßoa* xoü <^a>xt(ovO(; ooy 6pa<; Y'^valxa irpoXoöoav asl |JLExa |j.ia^ ^paTcatvtSo^ ; 
Diese Stelle sucht Boeckh, Staatshauph. I, p. 601, A. a zu entkräften. Arist. 
Pac. V. 1020: aXX^ etow «piptuv d-o^a^ xa ^''ipl' eJsXüjv Ssöp' ex^spe, yooxoj xh «p6- 
ßaxov Xü) yop'^iYtp o<}>C£xai. 

*) Schol. Ar. Banae 209 s. oben A. 2. Schol. Ar. Pac. 114: xa xoiaöxa 
icapayopTjYYjfAaxa xaXcöGiv, cia vov xa Tiaiota Tiotei xaXoovxa xov iraxepa. etxa TCpi^ 
oü^sv ext xooxot; yp-r|aexa'.. 

Hermann, L«>hrbach lU. ri. 1 2 



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178 §• 14. Die Schauspieler. 

xb ^pdYt^a • el 8s x^ap'üO(; oiroxptnijc xi :rapa^d^£aiTo, tooto irapay opKjYYjfia 
ovojJLaCerai, %al Tce^rpa'/^t ^aatv aiyxb §v "AYa|ii(i.vov'- AioyoXoo*), — 
eine Stelle, bei der wir uns eiinnern müssen, dass die Erklärungen 
dieses Compilators meist nur auf einen bestimmten Fall gehen. 
Aus der Combination dieser Nachrichten ergiebt sich zunächst fiir 
das ;ra(>ayopTf]Y7][i.a etwa Folgendes: ist X^f'^/T'^it^ ^^^ Inbegriif der 
gewöhnlichen Leistungen des Choregen , so bezeichnet ;raf>axopTJY'^j|jLa 
alles das, was derselbe über seine gesetzlichen Verpflichtungen 
hinaus leistet, wie die Stellung eines Nebenchors, überzähliger 
Schauspieler, oder der für Kinderrollen erforderhchen Knaben ^). 
Dunkler bleibt der Begriff des TcapaoxTJ^ÄOV. Sucht man die Eigen- 
thümlichkeit desselben ledighch im Gesänge , während beim Trapa/opY]- 
Y7)(i.a gesprochen wurde ^) , so versteht man nicht , warum der Chorege 
einen Choreuten zu stellen hatte, da doch auch ein überzähUger 



*) So lautet die Stelle ohne die üittographie der besten Codd., welche 
nach t6 irjiäYixa die Worte a>g ev 'Ay''/.(jls|i.vovi Ait/oXoü zusetzen und am Schluss 
SV Msfivovi AbyüXou lesen. Die Dittographie erkannte Lachmann, De mensura 
tragoediarum, p. 3, vgl. Ct. Hermann, Opusc. VII, p. 346; Fritzsche, Thesmoph., 
p. 251; K. F. Hermann, De distrib., p. 39 u. a. m., wobei das Beispiel (o<; sv 
"^ Ayxii.z^)^ovi AlT/ßXfif} auf den Pylades in den Choephoren bezogen wird (aller- 
dings ist dort der Scholiast anderer Ansicht). Dahingegen hält Schultze, De 
chori Graecorum tragici habitu extemo, p. 24 an der Lesart Me|xvov' fest; doch 
ist dieser Tragödientitel sehr zweifelhaft, s. Welcher, Aesch. Trilog., p. 435. 

^) Mit dieser Erklärung stimmen im Wesentlichen K. F. Hermann, De 
distrib., p. 39 f.; Beer a. a. 0., p. 12 fF. Sommerbrodt, Scaen., p. 172 fi*. 0. Müller, 
Rh. Mus. V, p. 342. 

•) So Lachmann, De mens, tragg., p. 3. O. Müller, Litt. II, p. 146, A. 4 
ist der Ansicht, Kinderrollen seien von den Kindern agiert, während von hinter 
der Bühne stehenden Chorpersonen die Rollen gesungen seien, und sieht in 
solchem Verfahren ein i:apa3XY|V'.ov : indessen konnten in Athen leicht zu der- 
artigen Rollen befähigte Knaben gefunden werden. Gr. Hermann, Opusc. VII, 
p. 346 stellt auf Grund der Scholiasten bei Pollux folgenden Text her : otcots /aIv 
sa«>{^sv 0801 xtvag to>v )^opsotd»v elirelv ev ü)5^, toCto izfJL^rc/o^rf(f^\i.a exaXstio. el ^l 
xeiapTo; üitoxptrf|; r. Kapa?p0^4<*'-'co, TcapaaxYjviov xaXslxat xo TTpdfjJLa, xotl Kenpäyr-- 
ö-a'l 'faatv noxh sv 'AYa|JLS|ivovt Atx/6Xoo. Fritzsche, Arist. Them., p. 251 liest 
die Stelle ohne Dittographie, vertauscht aber ÄapayoprjfrjiJLa mit r.apasxYjVtov, 
worin sich ihm Schultze a. a. O., p. 23 f. anschliesst. Diese gewaltsame Aende- 
rung beruht auf der Anschauung, dass über das Gewöhnliche hinausgehende 
Jicistungen nicht dem Choregen, sondern dem Theatrones oder dem Dichter 
zur Last fielen, und dass demnach die beiden fraglichen Ausdrücke auf sxtjvtj 
und "/opo? zu beziehen seien; somit sei Jtapacx-fjv:ov eine überschüssige Schau- 
spielerleistung, napayop%Y||j.a ein Nebenchor. Vgl. Muh?, Heb. d. Vortrag der 
chori.schen Partieeu bei Aristophanes, p. 107 — 120. 



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§. 14. Die Schauspieler. 179 

Schauspieler des Gesanges kundig sein musste. Auch hier scheint 
PoUux' Erklärung wieder nur auf einen bestimmten Fall zu passen, 
und es empfiehlt sich die Annahme, unter TcapaoxKjvtov sei das zu 
verstehen, was in den Seitenflügeln der Bühne vorgeht, wonach 
alle in diesen Räumen, d. h. hinter den Coulissen, von ausser- 
ordentlicher Weise beschafften oder verwandten Personen ausge- 
führten Gesänge unter diesen Begriff fallen dürften. Danach 
würden der Chor der Frösche und der des Agathon, da sie nicht 
zum Vorschein kommen, als Paraskenien bezeichnet werden müssen, 
überhaupt aber das TrapaoxTjviov nur eine Abart des 7ca(>a)(Of/'ii]77]ji.a 
sein. Die Ansicht , dass der von Pollux beim wapaoxijvtov geforderte 
Choreut aus überzähligen Choreuten genommen sei, ist irrthümlich *) 
und beruht auf der nicht bewiesenen Annahme O. Müller's, dass 
der Chorege im Ganzen 48 Choreuten gestellt habe, von denen in 
jedem Stücke der Tetralogie 12 verwandt seien ^). Stumme*) Per- 
sonen gehören nicht zu den Parachoregemen , sondern zu den ordent- 
lichen Leistungen der Choregen. Sie waren weder in der Tragödie, 
noch in der Komödie zu entbehren. Einerseits bildeten sie die Be- 
gleitung, ohne welche distinguierte Personen ebensowenig auf der 
Bühne erschienen, wie athenische Bürger oder Bürgerinnen auf 
ihren Ausgängen*); sodann spielten sie stumme Rollen, wie den 



M K. F. Hermann a. a. 0., p. 39 f. 

*) 0. Müller, Eumen., p. 74; widerleoft von O. Hermann, Opusc. VI, 2, 
p. 127 ff.; cfr. Schitltze a. a. O., p. 36 ff. 

') H. KooB, De miitis quae vocantur personis in Graecorum tragoediis. 
Halle 1882. 

*) Sie heissen xtocpa irpoctoKa oder Sop^ücpopTjjAaxa. Et. Magn. Sopott-opov 
xov '.p'jXaxa tö>v xopavvwv xat xh xw^ov ?:p63(üK0v. Schol. Voss, ad Luc. De bist, 
conscr. 4: Sopo^op-f|[j.aTa xaXstTai nap<i tot<; xo>jiixoI^ xa xu>'^a irp6oa>ita, &ttva 
aovc'.alpysTott /xlv toi? x(ü|Jlu*^o13iv, aoxa 81 oo^lv ^laXe^stat, xa^direp ot SoöXoi. 
Plut. Quaest. conv. VIT, 6, 20, p. 709 0: et p.lv -fap oh c?p63pa Gü\rf|0-rj<;, aXX' ^ 
xÄv icXoü3io>v xk; ^ saxpotictxwv, oj? eirl oxyjv^^ ^opo^opr^axo^ Xotjiicpoö 5E6|xevo(; xxX. 
Luc. Tox. 9: oiyovxai ö[xlv extcoSojv aK0i:xa|jL8vat al icoXW. exslvat xpaY<J>8tat, xoT^ 
xjvol? xoüxo:? xal x(u^ot<; Kposoiiretot^ eotxoxa«; ojia? ocTCoXtKoooat, ä 8'.TUp|i.eva xh 
3X0|ia xal irajjLfieYsö^? xsyrjvoxa oö$l x6 a|i.'.xp6xaxov ^^e^'f sxott. Athen. V, p. 190 E : 
?raps|i.ßdX)»ovxo^ xtva Xo-jov xal xoö Ihiataxpdxoo (y^^yi ^dp xoöxov ii*/] irotpslvat Bopo- 
f opYjfJLotxo; xpoitov) xal S'.aXsy^vxo; xxX. K. F. Hermann ad Luc. De hist. conscr., 
p. 23. SoHNEroER, Att. Thcaterw., p. 139. Böttiger, Kl. Schriften I, p. 264 
schliesst fälschlich aus Hippocr. Nomos 2, 5 Foes: ü>; y^P s^stvot a^^^JAot |xiv xal 
'3xoXy]v xal icpoGOiTTOv DTcoxptxoo v/oozv/y o'jx 8tal 5fe ^TcoxpiToi, dicsc stummen Per- 
sonen seien durch Puppen dargestellt; dagegen Boeckh, Trag. Graee. princ, 

12* 



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180 §• l*^' I^Je Schauspieler. 

Hermes in den Eumeniden, die Bia im Prometheus, den Pylades 
in mehreren Stücken*), ferner ühemahmen sie auch in einzelnen 
Theilen der Dramen die Rollen der ordentlichen Schauspieler, wenn 
dieselben zum Theil stumm und ihre Schauspieler anderweitig be- 
schäftigt waren , so z. B. die der Ismene in der Mitte des Oedipus 
auf Kolonos, und die der Alkestis, wo sie von Herakles zurück- 
geführt wird; endlich wurden von diesen Statisten auch Volksmengen 
vorgestellt, wie im Anfange des König Oedipus^). 

Die drei Schauspieler standen nach ihrer Tüchtigkeit in einem 
Rangverhältnisse und wurden in dieser Beziehung als TCfyWTaYwvia'njc, 
8soT6paYü)vi<3tT]<: und tpitaYCöviatTj? bezeichnet^). Dasselbe hing nicht 
vom Dichter ab, sondern dieser erhielt die Schauspieler bereits nach 
Maassgabe desselben geordnet und theilte ihnen danach die Rollen 
zu *). Dem Protagonisten standen die beiden anderen Schauspieler 

p. 91 f. — lieber die Begleitung der Athener Becker, Charikles ed. Göll III, 
p. 19; für Männer vgl. Dem. Mid. §. 158; Xen. Meniorab. I, 7, 2; fiir Frauen 
Athen. XIII, p. 582 B; Arist. Eccl. 593; Lysias Diog. § 16; Plut. Phoc. 19. 
Aus letzterer Stelle folgt die Verpflichtung des Choregen, solche Statisten auf 
der Bühne zu stellen. 

>) K. F. Hebmann, De distrib., p. 24. 

') Soph. Oed. R. v. 1 ff.: J» xexva, Koc^|iou xoö itaXai via xpo<p"r|, Ttvot<; tcoO*' 
s^pa? T^aSg |jLOt d-oaCets xtX., vgl. 15 ff; bleiben bis v. 150. Aesch. Sept. v. 1 ff. : 
Ka§|xoü icoXlxat, /p*!] Xs^stv xa xatpia O'Szk; tpoXaa^st izpä'^o^ ev irpfj^vT|y iroXsw^ 
otaxa vcujjitov, vgl v. 31: ^pfiasO-s icavxs?, ooöo^s cov Tzavxtoyiia xxX. ; bleiben bis 
V. 38. Vielleicht sind auch einige Personen bei der Volksversammlung in den 
Achamem vorauszusetzen; vgl. v. 39: oox "rjYopsüov; xoöx' sxelv^ o6y«> 'Xs^ov- e? 
XTjV TcpOeSpiav irdg ÄvTjp ««oxiCsxat. 

*) Böttiger, De actoribus primarum, secundarum et tertiarum partium in 
fabulis Graecis. Weimar 1797 =■- Opusc, p. 311 ff. Grysar, De Graecorum tra- 
goedia qualis fuit circum tempora Demosthenis. Oöln 1830, p. 24 f. 

*) Plotin. III, 2, p. 484 Creuz.: Ä'STCep ev $pa[xa3i xa jilv xdxxet aoxo; b 
TCOi'rjXY|(;, xol< Sl XP"^*^*^ o?jatv ^St] • oo ^ap a5x6g TCptuxa'i a>vtoxY;v oüSi ÖEOxjpov ooSl 
xp'lxov TCOtei, aXXot S'.Soö^ ^xdsx(j) xooc: itpoTrjxovxag Xo^oo? ^^i] ansSoixsv ixdcxü), v.<; 
xsxdyO-at ^lov. Alciphron Ep. lU, 71, 2: txeXEoev o5v Atovostot; xol<; eirtoöai xh 
xoö O'.xsxoo ^XhV^^ avaXaßovxa x6 ji-spo^ jxsivo xoö $pd|jLaxog 6itoxp'lvaoö*at. «yw 81 
0»]/^ xoö xatpoö xal ^ootv xal eTCtXTj^soji^ jxsxaßaXuiv ?6axoX6(; x'.(; xal ^osjia^? 
i'f aivo^-rjv, eicsl $' oox -riv exepcu^ rpdxxstv, x6 8pdp.a ejsp^^ov, xal ^sXexYjv ft3x*f|3et 
pcuaa^ ixot^o^ et|JLt xip X9?^ cüvxeXelv. Epictet. 23 : a^v ^dp toöx' scxt x6 SoO-sv 6tco- 
xptvttsO-at Kpoatuicov xaXuJ^, tY.Xiirxz^fjLi 8' aoxö dXXoo und Simplicius zu d. St. : 
x6 fJilv ncXs^aGO-at xAv üiroxpixwv ixaaxov irpi{; xö sirtX7j$£'.ov icpoaoiiiOv sv xü> SpdfJiaxi 
... xoö SiSdoxovxo^ xo opa[j.d iaxtv. Synesius, De provid. p. 106 A p. 130 Krab.: 
xaiS-ditEp ekI oxYjVYj«; opotfisv xoo? xyj<; xpaf o>5ta? öicoxptxd? • Zaxtt; xaXto? E5*f|3XT|Cs 
x-Tjv ^oiVYjv, o;i.oitu^ üKOxptvjtxoi' xov X£ Kpsovxa xal Thy T-r^Xe^tov. xal ooSIv ^dXoopYTj 



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§. 14. Die Schauspieler. 131 

wesentlich nach, der Tritagonist war verachtet*). Bei Thespis war 
noch der Chorführer Protagonist, der Schauspieler Deuteragonist ; 
Aeschylos übertrug dem von ihm hinzugefugten Schauspieler die 
Protagonistenrolle und Sophokles schob zwischen beiden den neuen 
ein, wodurch der bisherige Deuteragonist zum Tritagonisten wurde ^). 
Nach welchen Grundsätzen nun unter diese drei Schauspieler mit 
Berücksichtigung ihrer Stellung die Rollen vertheilt wurden, darüber 
ist nur wenig überliefert. Wir wissen indess, dass diejenigen Könige, 
welche nicht wie Oedipus Träger der Hauptpartie sind, sondern 
nur durch die Würde ihrer Stellung wirken, dem Tritagonisten zu- 
fielen*). Die annehmbarsten Grundsätze für die RoUenvertheilung 



Ttuv pax'tov $101331 7:phq xb fJ-rfa xal xaXiv e[j.ßoY|aat, xotl xaxaXotßElv rf/ol toö jjljXoo^ 
xo d-tatpov • aWä xal xyjv O-epdxatvav xal x^jv Sia:to'.vav fircoc xyj^ aüxTjg ijrt^jtjexai 
jjloos'.xtj;, xal Z V. 5v Tzzy.^^xoa Tz^oiiuiztiovy xb xaXui? aoxiv 6 yo^ty^b^ xoö ^pdjxaxo^ 
a:ca:xst • o5x(og -ripLiv ^b^ xal X'jyiyi J^tptt'ld-rjsiv w^Tcsp ;cpo3u>icsla xou? ßtoo^ tv x(j) 
jirfaXu) xoö x6o}Jioo Spdjjwtxt. 

*) Dem. De coron. §. 265: jxptxaYtoviaxat? , iyw ?' tO-iwpoüv, E^lKtTtxt^, «y"» 
o' «uptxxov. Cic. Div. in Caec. §. 15: ut in actoribus Graecis fieri videmus, 
»aepe illum, qui est secundarum aut tertiaram partium, cum possit aliquanto 
clarius dicere, quam ipse primarum, multum submittere, ut ille princeps quam 
maxirae excellat. Luc. Navij?. 46: moicsp ol xoo^ ßaatXtt; »jKoxptvojievot x{>aYtt>Sol 
B^sXö'ovXc^ OLTzb xoö O"tdxp»oo, XijjLioxxovxE^ ot soXXot, xal xaöxa Kpb h)J.'^of} 'AYajisji.- 
vovi^ ovxs^ ^ Kpsovxs^. 

*j Dies die sehr auuehmbare Vermuthung K. F. Hkrmann's a. a. ()., p. 26. 

') Dem. De fals. leg. §. 247: tsxe y^P S-r^Koo xoöO**, oxt sv 5:raoi xoi^ ^pa^asc 
xo:^ xpaYtxol^ jjatpsxov saxiv ui3;cEp Y^P**^ "^^-^ xptxaYtovi^xat? x6 xo'j^ x'^ppavoo^ xal 
xo'j; xa ^xtjTcxpa r/ovxag »httvai. Grund dafür Schol. ad Dem. De f. leg. §. 246: 
Xeye'. 6 xa^ ö-saxpixa^ bxo(>ia(; goyyP'»'}''*? (luba) ?ta xoöxo xot<; xftxaYcuvtaxa:^ xa^ 
0K0xpt3E'.^ xÄv ^ovasxsüovxoiv ::apE)^E3d'ai, ejce'.^-»^ TjXXOv £3Xt rea^x'.xa xal 6::£(>0Yxa. 
Vgl. ferner Dem. De cor. §. 180: xatxo: xtva ßo^Xsi zt, AloytvY), xal xiva Efiaoxov 
EXEtvTjV XY^v "r^iiEpav slvat ^«i» ; ßooXsi E[j.aoxiv [j.«v . . . BaxxaXov, zi ^A ^"rjo^ Yjpo> xov 
xoyovxa, aXXi xooxtov xtvd x«>v a:rö rtfi oxy^vt;«;, Kpss'f ovxyjv ^ Kpsovxa ^^ ov bv KoXXoxoj 
:?oxl Otv6|xaov xaxtt)^ 6«oxptv6|AEvo<; EjrExp'.'j^a^; Plut. Lys. 23: otov ev xpaYü>5tai< l^ttc'.xw^ 
3t)ji^atvEt TCEpl xoix; oKOxp'.xa?, xov ^Iv aYY^Xoo xtvi^ 9j iHpaitovxo^ ?;wxsi|jisvov itpöz- 
(u:rov EüSoxtpLEtv xal Kpo>xaYtovt3xstv , xöv 5i 5ta§*r]pLa xal sx-^jitxpov ^opoövxa [aTjO^ 
ctxooEsd'at ?p^r(Y'^fJ-*'^ov, oüxcu tceoI xov oojjl^ooXov t^v zb Räv a4l«>fJ.a xyj^ ap/*?]^, xm 
oi ßasiXsl xorivo/xa x^< ^ovafAEox; £pT|jiov a^EXslKEXo. Reip. ger. praec. 21, 3, p. 816 F: 
ÄxoTtov Y'^P ^"sxt, x6v jilv EV xpaYcooia KptoxaYtovtsxYjV , Hsootupov ^^ IltiiXov ovxa, 
^toö-foxo) x(b xa xptxa Xrfovxi icoXXaxt^ ESE-i^a'. xal :cpo3o:aXEYE"t^a'. xasEtvu»^, av 
sxEtvo^ E/Tp xö ota^rjjia xal x6 ixYjsxpov. Dass indess auch Protagonisten Königs- 
rollen spielten, zeigt Luc. Apol. 5 : oT jilv xoig xpaYtxot; o;coxptxat; sixa^oo^iv, oi 
Ejcl fiEv Tt]^ oxTjvTj^ "" AyÄiiiiLvoiv Exa-sxo^ ^ Kpstuv ^ aoxo^ 'lIpaxXt|^ slatv, e^cd ol 
llu»Xo(; ^ ' A ptox6$Y||i.o^ airoÖ^/Asvot xa npoaüuicsta Y^^ovxat. Id. Xecyom. 16: t^S'tj 



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182 §• !•*• I^ie Schauspieler. 

sind folgende *). Die grössten und desshalb die schwierigsten Kollen 
fallen dem Protagonisten zu; die Titelrollen nur dann, wenn sie zu- 
gleich die Hauptrollen sind. Die nächstbedeutenden Charakterrollen, 
d. h. derjenigen Personen, welche mit dem Protagonisten am meisten 
in Berührung kommen, gehören dem Deuteragonisten ; bei Sophokles 
sind es häufig weibHche Rollen, wie Ismene, Chrysothemis, Antigone 
im Oedipus^). Der Tritagonist spielt die weniger bedeutenden Per- 
sonen, welche zur Motivierung und Entwickelung oder zum Abschluss 
der Handlung nöthig sind, daher auch die dei ex machina*) und 
die personae protaticae *). Endhch muss bei Vertheilung der Rollen 
darauf gesehen werden, dass den Schauspielern die gehörige Zeit 
zum Wechseln des Costümes bleibt. Irrthtimlich ist die Vermuthung, 
dass Boten, welche eine Todesnachricht überbrachten, von dem 
Schauspieler des Todten gespielt seien ^), und dass die Herolde 



8od-yjTa xal t6 irpoatoTctlov ijcoO'ljiJvog xal xaiflißa^ anb täv sjJißaTwv »zivr^i xal xa- 
iretvög ictpupxetat, o^xix' 'AYafiijivtDV 6 'AxpEco? oü5i Kptaiv 6 Msvotxiu)?, ötXXöt 
TldtXo^ XotptxX^oo? Soovito^ övo|xa{6jjL«vo^ ^ Idixopo^ BeoYsixovo^ MapaO'wvio^. 

') K. F. Hermann, De diBtrib., p. 26 ff., dem wir folgen. Vgl. sonst Lach- 
mann, de mensura tragoediarum. Berlin 1822. Schneider, Att. Th. p. 129—144. 
JuL. Richter, Die Vertheilung der Rollen unter die Schauspieler der griech. 
Trag. Berlin 1842. K. F. Hermann, Berl. Jahrbb. 1843, März, Nro. 49—55. 
Beer, Ueber d. Zahl der Schauspieler bei Aristophanes. Leipzig 1844. O. Müller, 
Crr. Litt, n, 57 ff. Bernhardt, Gr. Litt. 11, 2, p. 115 ff. Bürsian, Histor. 
Taschenb. 1875, p. 9. Berok, Gr. Litteraturgesch. III, p. 87 ff. und manche 
Ausgaben griechischer Dramen. 

*) Hermann a. a. 0., p. 29; jedoch nicht die Heroinen wie Antigone, 
Elektra und Deianira, welche dem Protagonisten zukommen. 

') Grysar a. a. 0., p. 24. Dass indessen auch Protagonisten Götterrollen 
spielten, zeigt Luc. lup. trag. 3: ohy opai y''^P> ^"^s V^^ "c^ xoiaöxa :tapaXfj:rei, if' 
ox(j) UthKo^ Y| "'Aptaxo^'T)}!.©^ avxl lihq yj^Iv ötvaitstfrjva^. 

*) Donat. Praef. Ter., p. 4, 4 Reiff. : persona autem protatica ea intellegitur, 
<iuae semel inducta in principio fabulae in nuUis dcinceps fabulae partibus ad- 
hibetur. K. F. Hermann a. a. 0., p. 30. Die Erzählung vom Schauspieler Theo- 
doros bei Aristot. Pol. VII, 17: oo^svl y«? ^tü:rox? Kap-yjxev iaoxoö «cpoc.adYstv 
ohok xtüv eoxjXäv 6;coxp'.x(ov, ax; o'.xs'.oo}A.evüiv xojv O-saxwv xat<; Kponott^ 6txoai<;, 
welche von Schneider, Att. Th., p. 135; Bernhardt a. a. O. II, 2, p. 115; Schaefer, 
Demosth, I, p. 217 f.; Voelker, De Graecorum fabularum actoribus, Dissertat. Ha- 
lenses IV, p. 194 f.; Bergk a. a. O., p. 88, A. 304 ungenügend erklärt ist, hat 
mit dem Prolog nichts zu thun, sondern bezieht sich auf die Trpoava'ftovTjs:^, 
pronuntiatio tituli, die sonst unbedeutenden Schauspielern zufällt. Vgl. Rohde, 
Rhein. Mus. XXXVIH, p, 268, A. 2. Hierüber in §. 24 mehr. 

^) K. F. Hermann a. a. O., p. 33 f. Dagegen Lachmann, Jahn's Jahrb. XXVI, p. 457. 



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§. 14. Die Schauspieler. 183 

ausserhalb der gewöhnlichen Zahl der Schauspieler gestanden hätten *). 
Uebrigens bleibt auf diesem Gebiete manches Einzelne unklar, und 
die Forscher gelangen bei der Behandlung der einzelnen Stücke 
nicht selten zu verschiedenen Resultaten^). 

Es ist noch zu bemerken, dass in ältester Zeit die Dichter in 
ihren Dramen selbst zu spielen pflegten, und zwar ohne Zweifel als 
Protagonisten*). Sophokles betrat indess die Bühne nur zweimal, 
im Thamyris in der Titelrolle die Cither spielend und wahrschein- 
lich auch sein Spiel mit Gesang begleitend, und in den IIXovTpiai 
als Nausikaa den Ball werfend; gab dann aber wegen seiner schwachen 
Stimme die persönUche Mitwirkung auf*). Nach ihm kam es nur 

>) K. F. Hebmann a. a. O., p. 66 nach Eustath. Iliad. IX, 640, p. 780, 44: 
ol S-fj x*fjpüxjg ... ötp^i xotl vöv TC'Aps'.adYOvTat TzpözoiTzay OKOta iccXXa xal ooxtpov 
•xaO"' öjiotoTYjxa Koiobr.v ol oxyjvixo:. S. jedoch Bernhardt a. a. 0. 11, 2, p. 114. 

*) Richter a. a. 0., p. 101 : „Die ganze Rollenvertheilung ist ein Werk 
der Coiyectur.** Man vgl. die von K. F. Hermann, a. a. 0., p. 46, 0. Müller, 
Eumen., p. HO f. und Richter a. a. 0., p. 92 gegebene Vertheilung der Rollen 
in der Orestee: Agamemnon: Hermann: I. Klytämnestra, II. Kassandra, 
in. Agamemnon, "Wächter, Aegisth, Herold. 0. Müller und Richter : I. "Wäch- 
ter, Herold, Agamemnon, ü. Klytämnestra. III. Kassandra, Aegisth. Choe- 
phoren: Hermann: I. Orest, Aegisth. IL Klj-tämnestra. III. Amme, Sklav, 
Elektra, Pylades. 0. Müller : I. Orest 11. Klytämnestra, Amme. III. Elektra, 
Aegisth, Sklav, Pylades. Richter: I. Orest. 11. Kl^-tämnestra, Aegisth. III. 
Elektra, Amme, Sklav. Pylades ist Parachoregem. Eumeniden: Hermann 
und Richter: I. Orest. II. Apollo. III. Pythia, Klytämnestra, Atheue. 
0. Müller: I. Orest. 11. Pythia, Klytämnestra, Atheue. IH. Apollo. — Trotz 
des bestimmten Zeugnisses des Demosth. De fals. leg. § 246 f., dass Kreon in 
der Antigone vom Tritagonisten gegeben sei, hat Frey, Fleckeis. Jahrbb. 117, 
p. 460 ff. denselben dem Protagonisten zuweisen wollen; dagegen mit Recht 
Härtung in der Festschrift für Urlichs. Würzburg 1882, p. 25. 49. Vgl. übri- 
gens K. F. Hermann a. a. 0., p. 30. Richter a. a. 0., p. 105. 

*) Aristot. Rhet. IH, 1, 3: oTcrxpivovro -^cip ot'^TOt tag xpaYw^'l«? ol TiotT^toil 
TÖ spuiTov. Schol. Dem. De pace 11, p. 47 f. Reisk.: ü:ro*/ptxa^ sxaXoov ol apyatot 
Toos; vöv xf»aY(oooi)5 Xrco}isvoo<;, xoo^ KoiTjta^, oiov töv EopiKtorjV xotl 'Ap'.vTO'^a'/rjv. 
Auch für den Chor waren sie thätig. S. Helbiö, Quaest. scaenicae. Bonn 1861, 
p. 1 ff. Beer a. a. 0., p. 5. Von Aeschylos Athen. I, 21 E: :i(>tütov otoxov 
^rpi T/Yjfi.aTbat toü^ yop^'K op/YjGtoot^asxdXoi^ oo ypYjsajisvov, aWa, xal aoiov 
lot^ X^P^^*» "^^ oy*rj}iaTa so'.oövta xAv h^/rpciuy xal oXto^ ::äaav xy^v x^(; xpaY^ooloi^ 
oixovojjilav Et^ eaoxiv ;:s(>tt3xäv. 

*) Vit. Soph. p. 127, 26 Westerraann: fx^l o^ 5x'. xal xtd-apav avaXa^o>v 
ev jjLOVü) x(o Ba[x6{>iot tzoxi exiO-aftoev. Athen. L, p. 20 F: xal xov Ha|iüptv ^toa-sxtuv 
ahxb<; Extd-dptOEv, axptu^ ol s-s'f alpwsv, oxs x-r]v Naostxdav xaO-?ixs. Eustath. ad Od. 
p. 1533: jidXtoxa 5e, (pastv, E::?|isXYjO-rjoav osxspov 0',patptaxtx'yjc . . . ilo'f oxXfj^ h xpa- 



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184 §• 1-^- I^ie Schauspieler. 

noch ausnahmsweise vor, dass ein Dichter als Schauspieler auftrat, 
wie Astydamas d. ä. (Ol. 100) in seinem Parthenopaeos und Anti- 
phanes in seiner Komödie 'Avaaij)C'5(ievot '). Fälscldich hat man viel- 
fach angenonmien, Aristophanes habe in den Rittern den Kleon 
gespielt^), und ebensowenig ist Agathon als Schauspieler aufgetreten^). 
Dass zwischen den Dichtem und Schauspielern ein näheres Ver- 
hältniss obwaltete, ist natürlich, ebenso dass die Dichter Schauspieler, 
welche ihnen besonders sympathisch waren, vor anderen gern ver- 
wandten. So wird von Aeschylos berichtet, dass er die Schauspieler 
Kleander und Mynniskos vorzugsweise heranzog*); jedoch wird er 



Ytxoc, 8^ xal 3x2, cpaot, xa? X\\ovxpioL<; eS'lSaaxs, xö xyj(; Naootxda^ ;cp63üi7cov ocpcKpa 
:tatCoi>a*rjg ö:roxptv6ji6vo(; layapt««; e55oxi|j.Yjoev. Welcker, Gr. Trag., p. 227. 424. 
Bdrsian a. a. O., p. 7 meint, Sophokles habe nur in den Scenen, in welchen er 
diese besondere Fertigkeiten zeigen konnte, gespielt. — Vit. Soph. p. 127, 
23 Westermann: :cp(Bxov jitv xaxaXoaa^ x'rjv »ireoxptatv xoö sotYjxoö 8ta x**]v t^iav 
p.txpo<ptt)vtav. 

^) Astydamas Zenob. Prov. V, 100: 'AaxüSdp.ag b Mopotfioo süf)|i2p"fj3ag £v X|J 
'jKOxptcjt napd>evoTraioü e'^Tj^pb^ e:x6vo^ ev xu) O-gdxpw dSttoö-rjvat * Ypd'}«? oov rjJixbq. 
l-d'fpaiL\ujL ö 'A3xa^d|i.a5 2Tra'.vov eaoxoo |yov dir-rjvsYxev etil x-rjv gooX*r|V ol 5^ E']/*rj- 
^pbavxo ü>^ 8K0t/iS*^5 aoxö iitjxexi STTtYpa'fV'^'* ^'^ ''^''^^ oxc«:txovx£^ aüxöv ol icofr)xal 
r/.EYO'^- Phot. Lex. p. 502, 23. Suid. s. v. oaoxTjv iKaivsl^. Schol. Liban. Epist. 
317, p. 153. Welcher, Gr. Tragg., p. 1052. Antiphanes nach CIA II, 972: 
Wm^rx^/ric; Ttefiirxo^ 'AvaotoCojjivo!?, 6;r5xpiv£xo 'AvxicpdvT|^. 

*) Vielfach angenommen nach Argum. II Equit. : stf ' ol<; [xy] evE^xtuv 
WpiaxotpdvY]^ xaO-tYjGt x6 xd>v 'Itckbüdv Späpia 8t' a6xoö, eicsI xojv axBooitoitüv oo^sl^ 
ETiXdaaxo xb xoö KXsujvo^ TTpoctoicuv 5td tpoßov. Schol. Eq. 230: Xs^Et ouv, 5xt 
jjLYjOEvo^ ü^rooxdvxoc aüxiv ö::oxpivEaO'at, a6xo? 6 'Aptoxo'fdvYj^ ^iXxwaa^ iaoxöv 
'jjcExptvaxo. Vit. Arist. pag. 156, 13 Westermann. Indcss hat Bergk bei 
Meineke, Fragm. Com. Gr. III, p. 928 diese Nachricht als einen Irrthum der 
Scholiasten nachgewiesen und gezeigt, dass die Maske des Paphlagoniers nur nicht 
porträtähnlich war. Vgl. Helbig a. a. 0., p. 24. 

') So schloss Welcker, Gr. Trag., p. 988 aus Plat. Conv. p. 194 A. Die 
richtige Erklärung dieser Stelle s. unten §. 24. 

*) Vit. Aeschyl. pag. 121, 79 Westennann: v/jtr^'zaxo S"* 6;:oxpiX|§ Tcptoxw 
likv KXsdv^pü), ETTstxa xal ^Eoxspov a?>xü» Kpocrj'}? MowIgxov xöv XaXxt^Eou Ein 
anderer Kleander Dem. Eubul. 18: xal 5xt jilv dXoo^ oizb xiov 7roXE|i.tü>v (izb xov 
AexeXeix^v ::6Xe^ov xotl Tzpad'V.q ti^ Asoxd^a KXsdv5p(p ^cspixoywv x(^ OTroxptxiJ spig 
xoi)? oixEtoo? EocüO-Y] Ssöpo TCoXXo3Xtt) xpovü), itapaXsXotTCocotv. Von Mynniskos das 
choregische Fragment CIA II, 971 b: ... tuv Ilaiotvisu? Exop-rj^si • Msvsxpdx-r]? 
E^'l^aoxEv • üTTOxp'.x^? Movvbxo?. Ein jüngerer Mynniskos bei Athen. VUI, p. 344 D: 
Müvvbxo(; xpa^ixi? OKO'Apixr^q xu>|ico5sixat OKb IlXdxwvo^ ev Xop^paxt w^ 0'}o'i-dYo?, 
s. Meineke F. C. G. II, p. 668. Vgl. Rohde, Rh. Mus. XXXVIII, p. 279 f., Voelker 
a. a. 0., p. 152 ff. 



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§. 14. Die Schauspieler. 185 

die ProtagonistenroUeii sich selbst vorbehalten haben. In ähnlichem 
Verhältnisse sollen zu Sophokles Kleidemides und Tlepolemos '), zu 
Euripides Kephisophon gestanden haben ^), doch halten die betreffen- 
den Zeugnisse einer näheren Prüfung nicht stand. Es geht übrigens 
aus diesen den Aeschylos betreffenden Nachrichten hervor, dass zu 
seiner Zeit dem Dichter ein Einfluss auf die Wahl der Schauspieler 
zugestanden haben muss ^) ; und nur unter dieser Voraussetzung hat 
es Sinn, wenn erzählt wird, Sophokles habe die Rollen unter Be- 
rücksichtigung der Individualität der Schauspieler geschrieben*). 

Von berühmten Schauspielern^) bis auf Alexander's Zeit sind 
hervorzuheben als Tragiker: Mnesilochos®), Molon^, Hegelochos ^), 



*) Schol. Ar. Ran. 791 : KXst5Yijj.tS*rj5 : KaXXbxpaio^, 5t: law«; lo^oxXsoo^ ü16<; 
ohxoi;. 'AiroXXduvto-: 8fe, 3t: ^o'^ovXiooq orzonL^iTTfi. xoöto 31 ttoO-sv, ox^J^aodt. Schol. 
Ar. Nubb. 1264: "AXXo: Sl x^otr^inbv 6:coxptrr]v e(va: töv TXfjÄoXejjLOv, oovs)^ü>^ ö:ro- 
xptvofjLsvov So'foxXst. Vgl. VoELKER a. a. O., p. 159—162. 

*) Vit, Eurip. p. 140, 29 Westermann: (foipaso^ Zk xöv a6toö 6reoxp:t"J^v 
KYicp:oo<p(üvta litl tj Yüva:xl xtX., von Halbertsma Prosopographia Aristoph., p. 97 
und Ribbeck ad Arist. Acham. v. 365 gebilligt. Vgl. Bernhardy, E. u. Gr. 
XXXrX, p. 130, A. 8. 

') BüRSiAN a. a. 0. , p. 8 f. Wie sich das mit der Zulosung der Schau- 
spieler vertrug, ist unbekannt. Vgl. unten §. 23. 

*) Vit. Soph. p. 128, 30 Westermann: cp*rjol 3i . . . "larpo? . . . xal icpcx; xa<; 
?p6a»:<; aüxwv Ypd'^a: xa Spa^iaxa. Paul NnciTiN, Zur Geschichte der dramatischen 
Wettkämpfe in Athen. St. Petersburg 1882 stellt nach Bursian's Jahresb. XL, 
p. 361 folgende Perioden auf: 1) Zeit vor Aeschylos: Dichter und Schauspieler 
identisch ; 2) Zeit des Aeschylos : zugleich mit dem Dichter nimmt an der Dar- 
stellung ein Schauspieler Theil, welcher ziim ersteren als beständiger Gehülfe 
in näherem Verhältniss steht; 3) Zeit des Sophokles: der Dichter spielt nicht 
mehr selbst; dieselben Schauspieler aber stehen stets demselben Dichter zur 
Seite. Die weiteren Perioden s. unten §. 23. 

*) Grysar, De Gr. tragoed. etc. p. 23 ff. E. von Leütsch, Grundriss der 
Metrik. Gott. 1841, p. 406 ff. Schaefer, Demosthen. I, p. 214 ff. Bernhardy, 
Gr. Litt, n, 2, p. 110 f. Bursian a. a. O. Voelker a. a. 0. 

^) Vit. Eurip. p. 134, 26 W.: xa: oloog v.a.xiUT:z xps:«;, Mv7|aapy:3*rjv [j.iv 
Tptöxov, sjjLKOpov, §s6x£pov 5l M'/fjatXo/ov, oTtoxp'.XYjv, veotxepov 3' Eüp:;c:$'rjv, o? 6§:- 
Zr^iz xoö Ttaxpö; hiv. Z^6niMxa Vgl. ibid. p. 139, 23. Welcker, Gr. Tr., p. 82 
meint^ er habe Stücke des Vaters gegeben, doch s. Voelker, p. 163. 

^) Spielte als Protagonist im Phönix des Euripides, Dem. De f. leg. §. 246 
Ar. Ran. 55: HP. ?to^o^; ::6oo5 x:?; AI. |i:xp6^, TjXixo^ MoXtov. mit dem Schol.: 
izoLi^zi' fax: ^ap |JLr(a>.63(o[Ao<; 6 MoXtuv. A:§o}i.6(; ^-rjarv, ox: Zoo M6Xa>vi(; e:G:v, 6 
67roxp:xY^5 xal 6 )»to:io56x7j^ * xol |jLäXXov x6v XtuTcoSüXYjv Xrc*:, 8^ tzxt )jL:xpA^^ xh 
G(ü[A.a. T:[jLa)rt^a(; Zk xov ö?coxp:x*r]v Xl^t^ö'^: vovl MoXcuva, s. die Erkjärer. 
Welcker, Gr. Trag., p. 710; 809 und Voelker, p. 165 f. 



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186 §• 1^ I^iö Schauspieler. 

Kallippides *), Nikostratos ^), Polos ^), Satyros*), Theodoros^), Aeschi- 



8) Spielte den Orest Schol. Eur. Or. 279. Schoh Ar. Ran. 303. Suid. 
8. V. 'HysXo/o^. Bekker, Anecd. II, p. 728. Oft verspottet wegen eines in der 
Aussprache gemachten Fehlers, worüber zu vgl. §. 15. Voelkbr, p. 167. 

^) Mit Nikostratos erwähnt Plut. De glor. Athen. 6, p. 348 E. Polyaen. 
Strateg. VI, 10, s. unten §. 25. Philodemos Vol. Hercul. ed Gros., p. 32: vyj 
A'la aXXä A*rj|jLOc0^vvj(; xal Kpcotov fkt^z xal ^sotspov xal tpltov etvat rr^v 6:r6xptotv 
Ev T-g ^•rjtoptx^* KaXX'.«KtS*rj? ^k xal NtxoatpaTo;, e^"* 'f^^w, xo irav h TpaY(})Sta, 
Auxtuv 8'ev xaj|jLtt)Ma (nach der Restitution von Welcker a. a. 0., p. 1085, A. 7). 
— Kallippides beim Einzüge des Alkibiades 408 a. Chr. Plut. Ale. 32. Athen. 
XII, p. 535 C. Ehrgeizig und arrogant Plut. Ages. 21; Apophthegm. Lac. 57, 
p. 213 E. Apostol. Xin, 66. Xen. Conv. 3, 11. Von Mynniskos ^rtd^xo; 
gescholten Arist. Poet. 26. In der Fabel vom Tode des Sophokles Vit. Soph. 
p. 130, 61 Westermann. Welcker, Gr. Trag., p. 927. Lehrs, Popul. Auft., 
p. 383. ScHOELL, Leben des Soph., p. 348. Mehr bei Voelker a. a. 0., p. 180 ff. 

*) Nikostratos im Sprichwort syü> itoifjao) ^ivta xata Ntxostpatov: 6 Ntxo- 
otpaio? tpoiYtxö^ 6i:oxptx4]<; $oxu>v xaXXtatot stpYjx^ai Append. Cent. 11, 9 a (Paroem. 
Gott. I, p. 395) und Macar. Cent. HE, 46: eirl twv öpO-uig Kdvxot TrotoovTtov -Jjv 
Yctp 6 Ntxoaipaxo? öitoxpirJ]^ xpa^ixö? Sptoiog. Spielte besonders gut Botenrollen 
Prov. Coisl. 124: Äptatog xal fidXiata 8v tat? tcov a^Y^Xaiv eicaYfsXiat?. Sein para- 
katalogischer Vortrag Xen. Conv. 6, 3 ; s. §. 15. 

') Ein älterer (Ioovisü;) und ein jüngerer {AV(iYf^xr^^) dieses Namens richtig 
unterschieden von Schaefer, Demosth. I, p. 219 f. — Jener spielte zu Sokrates' 
Zeit die beiden Oedipus. Arrian. ap. Stob. Flor. 11, p. 211 Meineke: oöy opa? 
Ott oüx sö^pwvotepov oü^l Yjotov h UthKoq xiv xopawov Ol^tnoSa OTztx^'ivzxo ^ xov hd 
KoXiovtt) aX-fjxYjv xal Kxcoyov; Stammte aus Sunion, Luc. Necyom. 16, s. oben 
p. 181 A. 3. Erwähnt Luc. Apol. 5. lup. tragoed. 41. Der jüngere Plut. Dem. 28: 
xoöxov ('Apyiav) $i Hoopiov 2vxa xo» '(hsi X6yo(; eyet xpaYw^ta? uitoxplvsaiVAt iroxe, 
xal xov At^i'^x^jv IldiXov xöv OTTEpßaXovxa x^ "^^/lyfi '^<ivxa5 exsivoü Y^fovivat fi.a8-irj- 
X7]v bxopoöatv. Vit. X Or. Dem. §. 66, p. 848 B; soll den Demosthenes unter- 
richtet haben Anon. ProU. rhet. Rhett. Gr. ed. Walz VI, p. 35: Kpwxov (Xrcoustv) 
'Av^povtxov elTr]YT|X"*]y ^z'^iz^ai x^v ÖTCOxptxYjv, xoö AtjjiosO-svoo^ «spl x4]v xu)V Xoy">v 
Eici^st^tv airox»)Yyavovxo(;, xal 3xt [Ar^'^^'^'*^ '^^ '^Troxpivsod-a». xal p*rjxopix6v o^sXo^, ^apxo? 
aoxi? A'r][j.oaO'r.^j?. IpwxTjO-el^ y'^öv tcoxs, xi Sv sttj p*rjxopix*rj, oTcoxp'Gi^, stp-r), -J^v Svj 
xal x2XE(ux2pov [füiXo^ 6 o-oxptr/)^ Xrcst«: aoxov Exo'.oa4''>^t. — Welcher von beiden 
als Spieler der Elektra Gell. Noct. Att. VT, 5, als kräftiger Greis Plut. An. seni 
sit ger. 3, p. 785 C, femer Reip. ger. i)raec. 21, p. 816 F, De glor. Athen. 6, 
p. 348 E gemeint ist, bleibt unbestimmt. Mehr bei Grysar, De Graec. trag., 
p. 35 f. und Voelker, p. 185 ff. 

*) Vielleicht Lehrer des Demosth. Plut. Dem. 7: o5opo|jL5voo o^ xoö A7]p.o- 
adivoü(; icpöc a&xov, oxt ?cavxtuv (piXoKOvmxaxo^ Jiv xwv Xsyovxoiv . . . y^^p^''' ^^'^ ^X«' 
Kpo^ xov OY^^ov, aXXa xpat:taX<MVXS(; ^vO-pwKot . . . axo6ovxat xal xax£yoo3t xh ßr^fia, 
icapopaxat ^k aüxo?, 'AX*rj^ Xs^st*;, t»> A-rjjioaö'svs;, ^dvat x6v Saxopov, aXX' h(m xb 
aixtov laao^at xaylux;, Äv jioi xAv E'jpiKwoo xtva ^Yjsstuv ^ -ocpoxXeoog eO-sX^fjaiQ^ 
siTcttv a^i Gx6|j.axo^. sikovxo^ o* xoö AfiiAoad-svoo«; jxsxaXaßovxa x^v ^axopov ooxui 



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§. 14. Die Schauspieler. 187 

nes *), Aristodemos*), Neoptolemos *), Thessalos*), Athenodoros*); 



ttj) AY)|ioadiv8t tpavYjvat, femer Luc. lup. trag. 41. Necyom. 16. 

*) Sein Lob Plut. De glor. Athen. 6, p. 348 E; De »e ips. 17, p. 545 F; 
Reip. ger. praec. 21, p. 816 F. Spielte die Aerope (Valcken. Diatr. in Eur., 
p. 182 MjpoiTf]) oder Hecuba vor Alexander von Pherae nach Ael. Var. hist. 
14, 40, bezw. Plut. De Alex. virt. II, 1, p. 334 A und Pelop. 29: spielte die 
Antigone Dem. De f. leg. § 246. Anecdote Plut. Quaest. conv. IX, 1, 2, 7, 
p. 737 B. Sein Monument Paus. I, 37, 3. Grysab a. a. 0., p. 36 f. Voelker, 
p. 192 ff. 

') Seine Statur Dem. De cor. § 129. Seine Stimme Dem. De fals. leg. § 126. 
199. 206. 216. 337. De cor. 280. 285. 291. 309. 313. War Tritagonist De cor. 
129. 209. 262. 265. 267. De fals. leg. 200. 337; diente als solcher dem Theodoros 
und Aristodemos ibid. 246. Spielte in der Antigone den Kreon ibid.; den 
Thyestes in den Kreterinnen und den Talthybios oder Menelaos in den Troe- 
rinnen ibid. 337; im Kresphontes und Oenomaos die Titelrollen De cor. 180; 
den Schatten des Polydor ibid. 267; wurde ausgepfiffen und gab das Spielen auf 
De fals. leg. 337. Sein Sturz auf der Bühne im Demos Kollytos De cor. 180 
und 242. Vit. Aeschin. p. 266, 19 und 269, 26 Westermann. Harpocrat. s. v. 
"layavJpo^ (der nach Dem. De f. leg. 10 des Neoptolemos Deuteragonist war; 
überhaupt der einzige bezeugte Deuteragonist). — Vagabondierendes Leben mit 
Simylos und Sokrates Dem. De cor. 262. Vit. Aesch. p. 269, 32 Westermann. 
Philostr. Vit. Soph. I, 18, 1 p. 215 ed. Kayser. Offenbar übertrieben nach Schae- 
FER, Dem. I, p. 225. 

*) Sein Lob Luc. lup. trag. 3, 41. Apol. 5. Seine erste Gesandtschaft 
an Philipp nach der Eroberung von Olynth Aesch. De fals. leg. § 15 ff. Dem. 
De cor. § 21. Seine z^'eite (jesandtschafb kurz darauf Aeschin. De fals. leg. § 19. 52. 
Arg. Dem. De fals. leg. p. 336. Diente dem Interesse Philipp's Dem. ibid. 
12. 18. 94. 315. Grysar a. a. O., p. 37. 

') Soll Lehrer des Demosthenes gewesen sein Plut. Vit. X Or. Dem. §. 14. 
p. 844 F : toö Zk Tcvso/Aaio^ ahrw jv^sovxo^, Xfo;cToXe|xcp tij) oitoxpiiiß /xopta^ Soövat, 
tva okoL^ itcpto^oü^ OLzvid'jXOiq Xsf Tg. Phot. Bibl., p. 493 a. — Anhänger Philipp's 
Dem. De fals. leg. §. 315. De pace 6 f. — Spielte in Aegae bei Philipp's Er- 
mordung Diod. Sic. 16, 92. Stob. Flor. III, p. 233 ed. Meineke, Suet. Calig. 57, 
vgl. los. Antiq. XIX, 1, 13. Welcker, Gr. Tragöd., p. 1226. — Als Schau- 
spieler inschriftlich bezeugt CIA 11, 973, v. 5: 'AO-dtjiavit oTcexpivexo NsotcioXsjjlo^. 
V. 10: ... 2t, 6:r. X. v. 15: uiroxpiiTj^ N. evtxo. v. 18: icaXat^* Neo:tT. 'OpEaxvj 
KbpiTziZoo. V. 22: Aoxaovi Ox N. v. 25: Oloticoot o::, N. (341/40 v. Chr.) — 
Grysar a. a. 0., p. 37 ff. 

*) Inschriftlich bezeugt CIA II, 973. — Seine Verbindung mit Alexander 
Plut. Alex. 10. Sein Wettstreit mit Athenodoros ibid. 29. De Alex. fort. II, 2, 
p. 334 E. Sein Spiel in Susa bei Alexauder's Hochzeit Athen. XII, p. 538 F. 
Vgl. unten § 25. 

*) Inschriftlich bezeugt CIA II, 973. Alexander's Vorliebe für ihn Plut. 
Alex. 29. S. unten § 25. 



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188 §. 14. Die Schauspieler. 

als Komiker: Krates *), Pherekrates^), Hermon^), Apollodoros*), 
Pliilemon*), Satyros®), Parmenon^), Nausikrates ^) und Lykon®). 
Endlich möge bemerkt werden, dass abweichend vom heutigen Ge- 
brauche der Tragöde nicht in der Komödie, imd der Komöde nicht 
in der Tragödie auftrat; erst spät finden sich Ausnahmen von dieser 
RegeP«). 

*) Spielte in Kratinos' Stücken SchoL Ar. Eq. 537. Anon. bei Dübnbr, 
Schol. ad Arist., p. XV, 34. Meineke, F. C. U. I, 59. Bergk, Com. ant. 
relL, p. 266. 

*) Spielte in den Stücken des Krates Anon. a. a. 0. XV, 38. "Wester- 
mann, Biogr., p. 162, 34. Meinekb, F. C. G. I, 66. Bergk a. a. 0., p. 284. 

') Schol. Ar. Nubb. 542, wo in den jüngeren Scholien die Namensform 
Siaepfittiv. Da in den betreffenden Versen der "Wolken Eupolis verhöhnt zu sein 
scheint (Schol. Nubb. 541. Bergk a. a. 0., p. 338. Meineke a. a. 0. 11, 522. 
VON Wilamowitz-Möllendorf, Hermes IX, p. 328), so ist er wahrscheinlich Schau- 
spieler des Eupolis gewesen. S. Voelker a. a. 0., p. 172 f. Mit Rose, Aristot. 
pseudep., p. 554 ist am Schluss der ersten Hypothesis zu Aristophanes' Frieden 
sein Name herzustellen: svtxa "Ep/xwv 6 ö^toxpiir^?. Vgl. Rohde, Rh. Mus. 
XXX Vm, p. 286 (mehr über diese Stelle bei Voelker, p. 173 ff.). Wahrschein- 
lich auch Poll. IV, 88 gemeint. 

*) Protagonist in Aristophanes' Frieden. S. die erste Hypothesis: zh ^i 
opd|ia »jicsxptvaxo 'AicoXXoocttpo^. 

*) Spielte in der Gerontomania und den Eusebeis des Auaxandrides Aristot. 
Rhot. III, 12, vgl. Athen. XIV, p. 614 C. Melneke, F. C. (J. IH, p. 166. Viel- 
leicht auch Aeschin. Tim. 115 erwähnt. 

*) Stammte aus Olynth Athen. XIII, p. 591 D. — Plut. De sc ips. citr. 17 
p. 545 E: jidXt3ia o' sJsXr^ovta: xot^ aXT|0^.vo:^ TcapaTtd-ciJLEvotg* olov b xu>v TpaY<j>- 
$uöv üKOxp'.Tfj^, Hto^oipo?, stireiv ;toTS :rpi? xöv xü>|i'.xiv Xe^exai -dxopov, cu^ oh ^xo- 
jiaaxov eaxt to '({kav sotslv xo'j^ O-eaxd^, aWä x6 Saxpostv xal xXaistv. — Eine edle 
That von ihm Dem. De fals. leg. §. 192 ff. Diod. Sic. XVI, 55. Aeschin. De 
fals. leg. §. 156, nach welchem er auch Sklavenrollen gespielt haben soll. 

') Spielte an den ländlichen Dionysieu im Demos Kollytos Aeschin. Tim. 
§ 157; ferner Arist. Probl. XXVII, 3. Inschriftlich bezeugt CIA II, 977 frgra. p. 

«) Aeschin. Tim. § 98. InschriftUch CIA II, 977 frgm. p. 

*) Aus Skarpheia, spielte zu Tyrus (332) und zu Susa (324) Plut. Alex. 29; 
De fort. Alex. 11, 2, p. 334 F. Athen. XII, p. 539 A. Inschrittlich bezeugt 
CIA II a. a. (). Auf ihn ging die Komödie Lykon des Antiphanes, Athen. VII, 
p. 299 E und Mkineke, F. C. G. I, p. 327, sowie das Epigramm des Phalaecus 
bei Brünck, Anal. I, p. 421, 2 (Jacobs Autht.l. (^r. I, p. 210). 

***) Plat. Civ. LH, 395 A: ^Akk oooe xoi Osoxptxol xtojuiiooi^ x* xal xpaY<«oo:w 
ol a'jxot. In den Delphischen Soterieninschriften Wesoher et Foucart, Inscr. 
de Delphes 3-6 ist der 3, 59 erwähnte komische Tritagi>nist 6, 55 tragischer 
Protagonist, indess steht an ersterer Stelle die Lesart nicht fest. Vgl. Luders, 
Die Dionys. Künstler, p. 141. CIG 5919 ist eine Tragöde zugleich Komöde 
und Kitharist. Cic. Or. 31, 109: et comoedum in tragoediis et tragoedum in 



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§. 15. Schflnepielkunst. 189 

Schauspielkanst. 

Das Spielen einer Rolle bezeiclmeten die Griechen mit dem 
Worte (JiauiJ-^vat '), welches auch im weiteren Sinne von den Leistungen 
des Rhapsoden und des Tänzers-) gehraucht wurde. Die an einen 
griechischen Schauspieler gestellten Forderungen waren um so be- 
deutender, je mannigfiiltiger die Vortragsweisen waren. Derselbe 
niusste ebenso tüchtig in der Declamation wie im Gesänge und im 
melodramatisclien Vortrage sein und daneben, abgesehen von der 
Beherrschung der Gesticulation^ wenn auch in beschränktem Maasse, 
die Tanzkunst verstehen. Eine ehigehendere Behandlung der Schau- 
spielkunst gehört in eine Theorie der musischen Künste, wir bemerken 
daher nur Folgendes. 

Einfach declamiei't wurden in den Dramen nur die iambischen 
Trimeter des Dialogs^ deren Metrum sich der gewöhnlichen Rede 
am meisten näherte^); es ist dies zwar nicht allgemein zugestanden*), 



in comoediis admodinii placere vidimus. Der Scholiast zu Luc. Tup. trag. 3, 
VI, \u iM2 Lehmann irrt, wenn er ers'.ähltj Polos und Aristodenios hätten in 
der Tragrödie und Komödie gespielt. 

') Phit. Charm. p. 162 I): aüA /j.oi booczv op-j-'.'si^Tjvai wjzw mz-t^ notv^x-fj^ 
ijno'Apivfi xa>t«i<; ^taxiO-sva* zrx latitou 5tot'fj|j.aTa. Das Medium Diod. Sic. XV, 7: 

tof><; T«*v oTcoxf^'.Tmv '5tavh'j-3f>jJLsvo')^ .... t« ^lOiYjjjiaia. AtaiH"'.; Plut. Qu. conv. VIT, 
8, l, p. 711 C. (tkppkkt, p. 237. Sommerbrodt, Scaeu., p. 212 f. Auch 'jiro- 
xpsGtg, Bkkker, Anecd. Gr. II, p. 744, 1 : nKo-A^izi^ sgx'.v a^pio^oriGa tol^ hizo- 
xstp-r/otc; z^ozinKfjiq ev te Xo-ft«» y-^^'-^ G/YjjJLar.. III, p. 1165: üTtöv.fi'.Gi^ e-jTt cpüiVTjc: 
xal a/YjjJLaTOi; T^ix^a'rq O'A^tZiz^ TTpiiroo-ja zm fjroy.sijJLivto ;rf>OGmnm v.ai TZ^a'^iiax'. und 
f>7;oy.pivsa(K/.: Vit A eschin., p. 269, 26 West. : 'j7:oxptvo|jL£VfiV (^IvÖjjl'xov und sehr oft, 

'^) Plat. Legg. II, p. 658 1): pa'|ü>oov . . . y.aX(iJc; "TMotoa xal "OofjGGE'.av -q xt 
yM 'Ih'.o^suuv ^i'xxiiHvxa. Put. Qu. conv. IX, 15, 2. jt, 747 1): Wtzo/.unvoc. yj 
llavic Ti Ttvo<; I5ax-/Yj? '^'/fhV'^ v.at*>iyxc^. — TTcoxptG'.^ auch von dem Vorti-age 
des Redners Philodemos s. olien !>. 186, A. \. Phit. V. X Or. Demosth. 18, 
].. 845 A. 

') AriKtot. Rhet. III, 8: o o^ tafi^o? a?^>XY^ egxiv Y| Xe£t? yj xiT>v ixoXXmv ^to 
jj.dXtGxa iv/iyxojv x«>v |i.£xpüjv tajjijisla ttO-rfY^JVX'/'. "/iY^vxs^. Poet. 4: to xs [j-EXpov ex 
xsxpa^iEXpof) t'/jj.^stov rj'^'''^'^'^' ^^^ H-^^ T^4^ irpmxov xsxpa}j.sxpüi syptüvxo oiä xo ^axo- 

ptXYjV Xal Öp/Yj-X'.XlDXEp'/.V ?Ivai XYp liOtYjGiV. XI^EdJ^ ^E Y*'^''^|*-^'^V ^Jt'J'C'i Yj 'fW:^ xo 

otxsiov [JLSxpov zhot. jxiXiGxa -j'^^p Xixxixfjv xoiv p.£xptüv xö lajjLfiE'öv isxtv. aYjp.Elov Vz 



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188 §. 14. Die Schauspieler. 

als Komiker: Krates '), Pherekrates^), Hermon^), ApoUodoros*), 
Philemon *), Satyros ^), Parmenon ^), Nausikrates ^) und Lykon ^). 
Endlich möge bemerkt werden, dass abweichend vom heutigen Ge- 
brauche der Tragöde nicht in der Komödie, und der Komöde nicht 
in der Tragödie auftrat; erst spät finden sich Ausnahmen von dieser 
RegeP«). 

*) Spielte in Kratinos' Stücken Schol. Ar. Eq. 537. Anon. bei Dübnbb, 
Schol. ad Arist., p. XV, 34. Meineke, F. C. O. I, 59. Bergk, Com. ant. 
rell., p. 266. 

*) Spielte in den Stücken des Krates Anon. a. a. 0. XV, 38. Wester- 
mann, Biogr., p. 162, 34. Meineke, P. C. G. I, 66. Berge a. a. 0., p. 284. 

') Schol. Ar. Nubb. 542, wo in den jüngeren Scholien die Namensform 
Siaepjjiaiv. Da in den betreffenden Versen der "Wolken Eupolis verhöhnt zu sein 
scheint (Schol. Nubb. 541. Bergk a. a. 0., p. 338. Meineke a. a. 0. 11, 522. 
VON WiLAMOwiTZ-MöLLENDORF, Hermes IX, p. 328), so ist er wahrscheinlich Schau- 
spieler des Eupolis gewesen. S. Voelker a. a. 0., p. 172 f. Mit Rose, Aristot. 
pseudep., p. 554 ist am Schluss der ersten Hypothesis zu Aristophanes' Frieden 
sein Name herzustellen: svtxa "Ep/xaiv 6 6::o%pirfjg. Vgl. Rohde, Rh. Mus. 
XXX Vm, p. 286 (mehr über diese Stelle bei Voelker, p. 173 ff.). Wahrschein- 
lich auch Poll. IV, 88 gemeint. 

*) Protagonist in Aristophanes' Frieden. S. die erste Hypothesis: x^ o^ 
opd/xa OTCE'/pivotTO 'A:coXX65tupo;. 

*) Spielte in der Gerontomania und den Eusebeis des Anaxandrides Aristot. 
Rhct. UI, 12, vgl. Athen. XIV, p. 614 C. Meineke, F. C. O. lU, p. 166. Viel- 
leicht auch Aeschin. Tim. 115 erwähnt. 

ö) Stammte aus Olynth Athen. XIII, p. 591 D. — Plut. De se ips. citr. 17 
p. 545 E: jiaX'.ata 5' t^tXi'f/o'^zoii xol<; aKt]^iyol^ TrotpattO-cpivot^* olov b tu>v TpaY<j>- 
§i(«v 6:roxpix^;, HcoSoipo?, stitstv jcot2 ^rpi^ t6v xtujjLtx^v Xff exa». üaxopov, tog oh Orito- 
jxacTÖv 50X1 xö '(zKav tzoisIv xoix; O-Eaxa?, aKKa xi ^axpoetv xal xXaUtv. — Eine edle 
That von ihm Dem. De fals. leg. §. 192 ff. Diod. Sic. XVI, 55. Aeschin. De 
fals. leg. §. 156, nach welchem er auch SklaveuroUeu gespielt haben soll. 

^) Spielte an den ländlichen Dionysieu im Demos Kollytos Aeschin. Tim. 
§ 157; ferner Arist. Probl. XXVII, 3. Inschrifllich bezeugt CIA II, 977 frgm. p. 

») Aeschin. Tim. § 98. Inschriftlich CIA II, 977 frgm. p. 

*) Aus Skarpheia, spielte zu Tyrus (332) und zu Susa (324) Plut. Alex. 29; 
De fort. Alex. 11, 2, p. 334 F. Athen. XII, p. 539 A. InschriHlich bezeugt 
CIA n a. a. O. Auf ihn ging die Komödie Lykon des Antiphanes, Athen. VII, 
p. 299 E und Meineke, F. C. G. I, p. 327, sowie das Epigramm des Phalaecus 
bei Brunck, Anal. 1, p. 421, 2 (Jacobs Anthol. Gr. I, p. 210). 

***) Plat. Civ. III, 395 A: 'AXX' ob^i xot o:coxptxal xtwpooot^ xs xal xpaY«)Oo:c 
ol aoxo'l. In den Delphischen Soterieninschriften Wescher et Foucart, Inscr. 
de Delphes 3-6 ist der 3, 59 erwähnte komische Tritagonist 6, 55 tragischer 
Protagonist, indess steht an ersterer Stelle die Lesart nicht fest. Vgl. Luders, 
Die Dionys. Künstler, p. 141. CIG 5919 ist eine Tragöde zugleich Komöde 
und Kitharist. Cic. Or. 31, 109: et comoedum in tragoediis et tragoedum in 



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§. 15, Schaufljiielkunst. 189 

§. 15. 
Schauspielkunst. 

Das Spielen einer Rolle bezeichneten die Griechen mit dem 
Worte dtar.i>svai '), welches auch im weiteren Sinne von den Ijeistnngen 
des Rhapsoden und des Tänzers^) gebraucht wurde. Die an einen 
griechischen Schauspieler gestellten Forderungen waren um so be- 
deutender, je mannigfaltiger die Vortragsweisen waren. Derselbe 
musste ebenso tüchtig in der Declamation wie im Gesänge und im 
melodramatischen Vortrage sein und daneben, abgesehen von der 
Belierrschung der Gesticulation^ wenn auch in lieschränktem Maasse, 
die Tanzkunst verstehen. Ehie eingehendere Behandlung der Schau- 
spielkunst gehört in eine Theorie der musischen Künste, wir bemerken 
daher nur Folgendes. 

Einfoch declamiert wurden in den Dramen nur die iandnsclien 
Trimeter des Dialogs^ deren Metrum sich der gewöhnlichen Rede 
am meisten näherte^); es ist dies z^^ar nicht allgemein zugestanden *), 



in coiiioediis adinodmn placere vidimus. Der Scholiast zu Luo. Tup. trapr. 3, 
VI, p. 372 Lehm au n irrt, wenn er erzählt, Pohjg und Aristodemo8 hätten in 
der Tragödie und Komödie gespielt. 

^) PhU. Chami. p. 162 D: ötX/.a p.oi Pjohv opY'.al^^jVai aüto» mzm^ ?cot*qfJ]; 
üTcoxptx^ xav.mc; ^tat'.ö-sv'xi ta ^aoxoü Tto'-f|p.aTa. Das Medium Diod. Sic. XV, 7: 
fj ol AiovfWto^ .... £t? |JLiV T-fjv 'OXfj|iTC'.ax-rjv TcarfjYUpiv ii^ATzzzzz'Xz zoht; E'V^iuvöTa- 
to'>? Ttiiv Fj-oxp'.twv ^'.a\Wj30jjL£V0D!; .... za TCoiTjfLaTa. S'A^zzi^ Plut. Qu. conv. VIT, 
8, 1, p. 711 C. Gkppret, p. 237. Sommkrrrodt, Seacn., p. 212 f. Auch (mo- 
xfAQiq, Bekkkr, Auecd. Gr. IT, p. 744, 1: aTcöxpiat; sa-ctv apjxoCoooa toT^ hjzo- 
xstjjLSVOt? Kpr/siuTTO'.^ ev TS Xo^w x^l a/Y^fJ-axt, III, p. 1165: OTioxpi^tc s'ti 'ftiJvT|^ 
xal a/Tijiairj^ ;r'i>avT| O'.<i0-t-'.c, •szpiTZfjnsa tu) 67:oxEt|jt.sv(i) Trpo^mirt» xal TTpa-fitatt und 
utrfjxp'vs3i)-at Vit, Aeschin., p. 269, 26 AVest.: 67:oxp'.v6|jLsvov (Uvojjiaov und Bchr oft, 

^) Plat. Legg. II, p. 658 D: pa'W^ov . . . xaXwg MX:ctSa xai '(»^u^aetav -^^ tt 
xal 'H^to^stüjv ^latti^Evta. Put. Qu. conv. IX, 15, 2. p. 747 D: 'Airo).XtMVo<; ^j 
llavoc 7] ttvot; HaxyYj? "/.'^jf^'^ o'.aO-ivis?. — '1Voxp:-i; auch von dem Vortrage 
des Redners Philodemos s. oben p. 186, A. 1. Plut. V. X (»r. Deniosth. 18, 
p. 845 A. 

') Aristot. Rhet. III, 8: 6 o"* tap.ßrj<; «[JT-rj i^tiv -q Xe^t? *fi '^wv roXXwv ^tö 
ji^iXt-ia navTcuv tcüv jULsxpoiV ta|j.ߣla tpö-sYYfüvxai Xe^ov^sc;. Poet. 4: tö xt piETpov ex 
T5Tpa|jL£Xpofi ta|x^stov EY^^^''^' '^^ H*^^ T^? '^p<"'c<5v XsXpotp.expm r/pdivxo ot«Ä xo ^ax'>- 
ptxYp xal öp/Yj-xixdiXEpav slvat r/jv tcoiyjG'v. Xsiciu^ $£ •(-^'^l^^^l? «'J'cyj Yj 'ffjii^ xo 
otxeiov |jilxpov r'jpE. p.«XiGX/i ^^p Xexxtx&v xöiv jjtixptwy xo tajxjiftov ioxtv, aY^jAsiov Ss 



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190 §• lö. Schauspielkunst. 

doch ist es an und fiir sich glaubUch und lässt sich sehr wahrschein- 
lich machen. Von wesenthcher Bedeutung ist, dass in einigen Hand- 
schriften des Plautus die Trimeter geradezu als Diverbien bezeichnet 
sind *), und bei der Abhängigkeit der römischen Komödie von der 
griechischen gestattet diese Thatsache einen Schluss auf letztere. 
Dasselbe folgt aus verschiedenen Stellen des Aristoteles*), und der 
Umstand, dass Aeschylos in Aristophanes' Fröschen v. 1304*) zur Be- 
gleitung des nachfolgenden Gesanges eine Lyra fordert, zeigt, dass die 



xoüxoü* icXelaTa •(«? tajißeta XrjfOfi-tv 8v tq SwtXexxü) rj icpö? aXXY|Xoü(;. Christ, 
Metrik der Griechen und Römer. Leipzig 1879, p. 315. 

*) (teppkrt a. a. 0., p. 240 f.; Westphal, Griech. Metrik 11, p. 480; 
Ders. ProU. zu Aeschylus, p. 200; Naeke, Rhein. Mus. XVII, p. 521 erklären 
sich mehr oder weniger entschieden für die musikalische Begleitung des Trime- 
ters der Dialogpartieen unter Berufung auf Plut. De mus. 28, p. 1140 F. • älXä 

xb xa jj.^v Xt^eGO-at iiapa 'Vi]'^ xpoöstv, xa 81 qtSsG^at, ''ApyfjXoyo'^ <paot xotxa^ci^ai, 
tW oüxa> y^-fiooLO^'OLi xob^ xpa^'-xQü? icofrjxct? und Luc. De salt. 27: elx' svSo^v 
aoxo^ xsxpaY««?, eaüxov avaxXuiv xal xaxaxXtuv, svtoxs xal icepta8(uv xa lafißela. West- 
PHAL, Proll. stützt seine Behauptung durch Hinweis auf die Responsion der 
Reden des Boten und des Eteokles in Aesch. Septem v. 375 — 673. 

*) Im Cod. vetus und im decurtatus haben sich Reste der von Donat in 
der Einleitung zu den Adelphoe erwähnten Beischriften MMC und DV erhalten, 
nämlich C (canticum) und DV (diverbium), aus denen sich erkennen lässt, welche 
Theile gesungen und welche gesprochen wurden. Zu den cantica gehörten da- 
nach die lyrischen Partieen mit wechselnden Versmaassen, die päonischen, kreti- 
schen und bacchiischen Verse und die stichisch wiederholten anapästischen, iam- 
bischen und trochäischen Tetrameter; einfach gesprochen wurden dagegen die 
iambischen Trimeter. Ritschl, Rhein. Mus. XXVI, p. 599—637 ; Berqk, Philol. 
XXXI, p. 229—246. Abweichend Dziatzko, Rhein. Mus. XXVI, p. 97 f. VgL 
Christ, Metrik, p. 674 ff. und desselben Abhandlung: Die Parakataloge im griech. 
und röm. Drama in den Abhdlg. d. K. bairischen Akad. d. Wiss. Hist.-philol. 
Classe Xni, 3 p. 181 ff*. 

*) Aristot. Poet. 1: etol 8e xtvs<;, at iraai ypth'^xai xo?(; etpYj|jivot?, Kr^ut oi 
otov po^iiw xal jjiXct xal fjixpü), ojairip yj X3 xwv St^üpajjißwv TC0t*rj3'.<; xal '^ xcov 
vo[Jiu>v xoi ^ xe xpaYü)8ta xal »rj Xü>jiü)8ta. 8tatpepoü5'. 85 5xt at jiiv Stj.a Jiaaiv, al 81 
xaxÄ jiepo^. Ibid. 6 : scxtv oüv xpaYü)8ta jiijji'rjat; it&d^sojg 07:oü8ata^ xal xsXsta*;, [is^t^ 
^o<; svo6oY]<; * •fj8oG[iiv(j) Xo-^cj), X*"p'^? ^xiaxü) xiJuv et8u»v ev xoi«; {lopio^. Xs^t" 81 
*/j8t)3|JLevov |xlv XoYOv x6v eyovxa poO-ji^v xal app.oviav xal ^ilXo^. xb 8^ )^toplc: 
xol^ ei8eot xb 8ta jiixptüv evta jiovov «ipaivsolfat xal itaXiv Ixepa 8ta jj-eXod^. Die 
Stasima, Monodieen und Kommoi eigneten sich demnach das [liXoc, der Pr*olog 
und die Epeisodien das jxixpov an. Christ, Parakataloge, p. 197. 

•) Arist. Ran. v. 1304 0".: Evrfxaxfo xic: xo Xupiov. xaixot xl 8»l Xüpa<; lizi 
xoüxov; KOü 'Gxtv Yj xolq oaxpdxoi^ aox*rj xpoxoo-a; 8£üpo. Moü-' Kfjpirtiooo, ::po^ 
Yjvnsp ?K'.XYj8eta xd8^ £'3x'' ^Zz'.y jiiX*rj. 



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§, 15. Schauspielkunst. 191 

vorhergehenden Verse einfach gesprochen sind. Die lyrischen Partieen 
wurden gesungen'). Eine eigenthümUche Bewandtniss hatte es mit 
den iambischen und trochäischen Tetrametem und den 0T>ax7j{i.aTa 
sS 6(i.oi(uv. Diese wurden melodramatisch vorgetragen'^), indem sie 
der Schauspieler zu musikalischer Begleitung declamiert. Diese 
Vortragsweise hiess von ihrer Annäherung an die einfache Decla- 
mation TrapaxatoXoYT] ; sie gewährte den Voiiheil, dass der Vortragende 
im Einhalten des Rhythmus und wohl auch in der Modulation der 
Schlussfiguren durch das Instrument unterstützt wurde. Als Er- 
finder der wapaxataXolfTfJ wird Arohilochos genannt, und man hat an- 



*) Zu diesen gehörten auch die Dochmien, vgl. Westphal, Metrik II, p. 856. 
Christ, Metrik, p. 456. — Suid. |jlovü)$s(v: zb ö-pfjvstv iiciEixuj^ ^^P itäaat al anb 
axYjWjg ü>8al SV vj xpa•^^a^ux ^pYjvot sioiv. Id. jiovco^ta: t] aszb oxtjvyj^ iJ)3*Jj ev xot^ 
Bpa{jLttoc. xal {JLOVip^civ xb ^p*rjv£lv. {j.ov(j)$la Xe^etat Srav st<; p-ovo«; XffT(^ ttjv «LSyjv 
xal &0)r 6fi.oö 6 X^P^^ ^^^" Hes. /Aovtp^si. Aristot. Poet. 12: xotva |j.iv oov diciv- 
ttt)v laota* i$ta Sl x6l ciKb rrj«; Gx*rjv7]^ xal xo|i./xot. . . . xop{JÄg 8i i^pY^vo^ xotvi^ 
yopoö xoil aicö axYjvTjg. 

*) Xenoph. Conv. 6, 3: vj ouv ßooXso^s, etpf), wsicsp NtxosxpaTo^ 6 öitoxpcTY^^ 
tstpttjjLexpa itp6^ TÖv a^Xov xatsXrYsv, ooxüj xat OKb xbv aoXöv 6'xtv ^laX^cufiai; — 
Arist. Pac. 325: oox e|ioö xtvoövxas aoxu* tdi oxiKt] xopiosiov lässt auf musikalische 
Begleitung schliessen, ebenso der Umstand, dass die meist 16 Tetrameter um- 
fassenden Epirrheme der Parabasen in Gruppen oder Strophen von je 4 Versen 
zerfallen. Die Systeme werden bald als Xi^t? bald als jjieXo«; bezeichnet, so die 
Parodos bei Aristot. Poet. 12 als icpuirrj XsSw o^o« /opoö (8Xyj xoö x®P°^) ^*" 
gegen Schol. Eur. Phoen. 202 — 215: icdpooo<; Zi icxiv wB-r) -/opob. Vgl. Tzetzes, 
De trag, poesi 39: ü)$yjv 6 E'jxXet^? 31, Xl^iv oo, Xe^et. Arist. Plut. 1209 vom 
tetram. anap.: 3si y"P ^^^ttoittv to6tü>v qt^ovra^ iicsa^at. Hes. avdica'.Gxa: xupim^ 
xd £v xat? TCttpa^dasGi xd»v yopdiv <jfapxxa. Von der meist anapästischen Exodos 
Schol. Ar. Vesp. 270: xd 8i c^o^txd ifj oiroxtupYjxtxd, ditsp tttl x^ s^odtu xoo Spd- 
|xaxo(; q[3exa& und Po 11. IV, 108: xal /jlIXo? 81 xt bJoSiov, o eiiovxs? ^8ov. Dagegen 
Vit. Aristoph. Adnot. zu p. 158, 78 Westerm. : f^o^o? xb tnl xIXst XsYOfJ>-evov xoö 
/opoö. Aristophanes gebraucht Xrfstv von Anapästen: Ach. 629 5 Nubb. 367; 
427; 942; 961; Plut. 487; vgl. Aesch. Suppl. 625 — von tetram. troch. 
Eccl. 286; Av. 322; 356; Vesp. 334 — von tetram. iamb. Plut. 261; 289; Eq. 
342 — ^doxstv in anap. Vesp. 725 — XoiXeIv in tetr. iamb. Lys. 356 — slicstv 
in tetr. iamb. Plut. 274 — ^pdCstv in anap. Nubb. 374, wobei allerdings bemerkt 
werden muss, dass die Griechen mitunter die Begriffe ^Beiv und Xr^siv confun- 
dieren. Vgl. über X^i^ und fiiXo? Susemdil, Rh. Mus. XXVIII, p. 334. West- 
phal, Metrik II, p. 305. Bei Plautus werden die in iambischen oder trochäi- 
schen Septenaren geschriebenen Scenen, sowie alle Partieen, in denen mehrere 
zu einer Gruppe verbundene Octonare vorkommen, als cantica bezeichnet, aber 
trotzdem in denselben nicht selten die Ausdrücke loqui, colloqui, dicere, ser- 
monem caedere gebraucht. Christ, Metrik, p. 679 f. Parakataloge, p. 171. 



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192 §. 15. Schauspielkunst. 

zunehmen, dass sie älter war, als der einfach recitierende Vortrag, 
welcher erst mit dem Trimeter in dem attischen Drama aufkam^). 
Von den Trimetem wurden jedoch auch solche parakatalogisch vor- 
getragen, welche mit mehschen Paiiieen, namentUch mit Dochmien, 
in engem Zusammenhange standen ^). Die Begleitung des Gesanges 
sowie der melodramatischen Stellen wurde meist mit der Flöte aus- 
geführt, der man vor den Saiteninstrumenten den Vorzug gah, weil 
sich ihre Töne leichter mit der menschlichen Stimme mischen^). 



») Plut. De mu8. 28, p. 1140 F. Xen. Conv. 6, 3. Aristot. Probl. XTX, 6: 
8ia xi -fj TCapaxaxaXoY*»] sv xal^ (pSoti^ xpaYixov ; ^^ $ia x-J^v 6tvü)ji.aXtav ■ ^ca^xixov ^ap 
xh avMp.'xKhi %oX ev jus^sO-st tü/tj^ tj Xuicyj^, xb 3e ^^aXI^ yjxxov yoiüÖs«;. Hcs. xaxa- 
XoY'Tj • xo xä «^ojjLaxa pL-rj dizh jjlsXei Xe^stv meint dieselbe Vortragsweise. Athen. 
XIV, p. 636 B: sv olt; h^'^avoi^ xoh<; tajjißo'x; *J5ov, taji-ßoxa^ exaXoov, ev o:? Zk 
TtapexaxaXoYiCovxo xa ev xot^ jjiexpoi^ xXe^ia^ßotx; nennt ein besonders bei der 
Parakataloge gebrauchtes Saiteninstrument. Auch Plut. De mus. 21 und 36 
scheinen hieher zu gehören. Geppert, p. 241; Westphal a. a. 0. II, p. 480; 
Christ, Parak. a. a. 0. Metrik, p. 675 flf. 

*) Luc. De saltat. 27, s. oben §. 189, A. 4, bezeugt den melischen Vortrag 
einzelner Trimeter. Zwischen Dochmien eingelegte Trimeter Aesch. Agam. 1160 f., 
1171 f.; Arist. Ach. 492 f. — zwischen iambischen Partieen Arist. Ran. 418; 421; 
424; 427; 430 und Lysistr. 288; 298. — strophenartig geordnete Trimeter Aesch. 
Sept. 203—244; Suppl. 734—762; Prora. 574-612; Pers. 256—289; besonders 
künstlich Soph. Oed. Col. 1448 bis 1504. Vgl. Christ, Metr., p. 321. 663. 

') Aristot. Probl. XIX, 43: Sioc xt yjS'.ov xyj<; {xov(|>$ia^ eoxtv, eav xt? rpi? 
rxbkhv 7] Xopav qf^Yj ; . . . -rj [iÄv oüv (LS*/] xal b ahXh^ it.i'^yovxrAi aoxol«; ot' Ojio'.oxTjxa 
(TCveojiaxt Y^P äji(p<o •^ivtxrLi)* b^k xtj? Xopa^ ^^y(o^ . . . ajitxxoxspo^ faxi x^ ^pü>vj. 
Die Soterieninschriften bei Wescher et Foucart, Inscript. de Delphes 3—6 
nennen zu jeder Gruppe von Tragöden und Komöden einen Flötenspieler. In 
den Didaskalieen des Terenz werden nur Flötenspieler erwähnt. Vgl. die itapsTct- 
Yp'xcp'Tj zu Arist. Av. 222: aoXst, welche das Präludium zur Monodie des Epops 
andeutet. Eccl. 891 : ao ^i, tptXoxxaptov aüX-rjxa. xou^ aoXo6(; Xaßd>v 54tov ejioö xal 
ooö itpooaoXfjGov jieXo^. Ueber Av. v. 659 ff. s. oben p. 136, A. 1. Eur. 
Iph. Taur. 146: aXopot; eXrfot<; in der Monodie der Ii)higeneia. S. im Allge- 
meinen Plut. Quaest. conv. VII, 8, 4, p. 712 F: xhv 5e aüXiv oh^k ßouXo|jL6voi<; 
ötittoaaoi^at xr^<; xpaTfeCrj^ egxiv • al y^P ^'^ovSal itoO-ouaiv aüxov äji.a xtf) oxe^avo) 
xal ztyvzKi^^i^'^sxoLi X(j) icaidv. xb O-etov • elx' uizzXi'^avz xal Bis^^jX^e xü»v wxtuv xaxa- 
/eojJLsvo^ cpcDVYjV rfislav äypt x-rjc; '^oyrii; icotoöGav y'*XtjVY)v. De EI ap. Delph. 21, 
p. 394 C: xal Y^p b wAbq b'^k xal TCpcu-rjv IxoXiLri^z «ptuvY^v i^p' IfAspxotGtv ä^ptsvat • 
xiv $1 icpAxov ^povov stXxs xo icpic; xa «svötj xal xyjv i:?pl xaöxa XeixoopYtav ob |üiaXa 
6vxi|JLov ob^A cpat^pav elx^v, sV s|i.ix^*'l Ädvxa iraGt. CHRIST, Parakatal., p. 185 f. 
und Metrik, p. 672 ff. — Die Begleitung mit Saiteninstrumenten scheint älter ge- 
wesen zu sein, Sext. Empir. p. 7-51, 21: otjxeXct y^ "^^^ ^•'*' ^' KOfrjxal ji.eXo- 
wocol XsYOvxat, xal xa '()jj.Yjpoo Ttttj xb naXat «poc Xopav -J^exo. oiaaoxü)^ ol xal xa 
icapa xot? xpaYtxolc p.sX'fj xal GTaaijAa «puGtxov xtva ewsyovxa Xoyov, osoiä sGXt xa 



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§. 15. Schauspielkunst. 193 

Der PlÖtenbläser trat mit dem Chor auf und hatte seinen Platz 
neben diesem auf der Thyraele ^); in denjenigen Stücken, in welchen 
vor dem Einzüge des Chors bereits Gesänge der Schauspieler vor- 
kamen, war entweder ein Musiker hinter oder neben der Bühne auf- 
gestellt — darauf bezieht sich der Ausdruck SiaoXtov — ^), oder es ist, 
wie in Sophokles' Elektra, anzunehmen, dass der Chor bereits vorher 
stumm eingezogen, also der Flötenspieler schon auf der Thymele 
anwesend war. 

Da nun der Schauspieler wesentlich nach seiner Stimme beur- 
theilt wird^), so wurde auf die Ausbildung derselben grosses Ge- 
wicht gelegt, und zwar nicht nur mit Rücksicht auf Biegsamkeit 
und Geschmeidigkeit, sondern auch auf kräftigen Vortrag. Die 
orsteren Eigenschaften waren um so mehr erforderhch, als der Schau- 
spieler fiir die verschiedenartigen Rollen, deren Darstellung ihm oft 
in dem nämlichen Stücke oblag, stets den richtigen Ton zu treflfen 
hatte*); der letztere'^) wurde durch die Grösse der Theater und die 



o5xü> Xe^ojisva (foljfen 7 dim. anap. aus Eur. Chrysippos, vgl. Nauck, Fr. Tr. 
Gr., p. 497, Nr. 836), ist aber später nicht ganz abgekommen. Vgl. Arist. Ran. 
1304 oben p. 190 A. 3. Zwischenspiel und Nachspiel auf Saiteninstrumenten ibid. 
V. 1288 ff. cpXaxTo^paTxo^Xattod'pax, das oft vorkommende x^jvsXXa und vielleicht 
auch xopoxtj Arist. Av. 267. Chbist, Metrik, p. 49 ff. Reiches Material bei 
VON Leütsch, Metrik, p. 341 ff. 

») S. oben p. 136, A. 1. 

*) Eur. Hec. 59—99, während der Chor v. 100 auftritt. In Aristophanes' 
Frieden gehen dem Eintritt des Chors (v. 301) die Anapästen des Trygaeos voran. 
— Diese Musiker bliesen auch Soli. Schol. Arist. Ran. 1264: (^taoXiov «poo- 
aoXsl xt?) Toöxo icap8irtYpottp*rj, u>aitsp xoil SXXa «oXXixt^. tpaot 81 JtaoXtov Xe^eo^t, 
6xav •i]ati'/ia^ itdvxcov fsvojjivY]^ cv^ov 6 aüXYjXT]^ qfo'jp. Schol. Arist. Av. 222: a&Xfit] 
xoüxo KapsKv^k^paKxca &y]Xoöv 5xt {JLijJislxai xt^ x^^v a-rjSova ux; Ixt evSov oooav ev x^ 
X6)^|JLi(j. Hes. s. V.: StaoXtov * ^itoxav cv xoi<; ^Xeat piexaSo itapaßdXXi(^ piXog xt 6 
TcotYjxYj^ icapaoMuirrjoavxog xoö X^P*'^ * itapd ^k xolq jioootxol<; xd xotaoxa juoaüXia. 
Eustath. ad II. XI, 547, p. 862, 19: Yjv Be, cpact, xal jisaaüXtov, xpoö|id xt jircoSo 

X7|5 WO"?]^ a5X0U|JL8V0V. 

*) Plut. Vitt. X Gr. Demosth. 67 , p. 848 B : itapacp^otpel«; U xyjv {pcovr^v 
SV exxXfjota xou ^opußfiO-et^, xoü^ oicoxptxd^ s^irj Sstv xptvetv ex xt]^ tptovTj^, xoo? hk 
^xo^txq ex xyj; ptoji'rj(;. Cic. De orat. HI, 60, 224: ad actionis autem usum 
atque laudem maximam sine dubio partem vox obtinet; quae primum est op- 
tanda nobis; deinde quaecumque erit, ea tuenda. 

*) Aristot. Rhet. III, 1 : eoxt ok ot.ovq jilv ev x-g «ptov^, Tztu^ aüx-J 8et yj^iiid-ai Kpb^ 

exaaxov itdö-0(;, otov icoxe ^Li-^aXf^ xal tcoxb jxtxpd xal icoxe fiicig, xal kok; xot<; xovot<;, 

olov o5ei<y xal ßapsta xal |Jia*g xal (*o^\i.ol(; xt«3t npi? exaoxov. Luc. Piscat. 31: 

xat x6 icpafpia ojiotov eooxet \LOi xaO-dirsp st xt5 ottov.pix'rjc; xpafcpSia^, jiaXO-axcK; 

Hermann, Lehrbuch III. il. 13 



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194 §• 15. Schauspielkunst. 

bedeutende Anzahl der Zuschauer erfordert; jedoch durfte darunter 
die Deutlichkeit der Aussprache, für welche die Athener ein sehr 
feines Ohr hatten, in keiner Weise leiden^). Die künstlerische Aus- 
bildung^) der Stimme wurde daher mit grossem Eifer betrieben. 



abxbq ü»v xal '^ovfxiv.irxq, 'A^tXXea vj B*rjola yj 'HpaxXea ünoxptvotxo ahxby, ji.'rjTe ßa- 
$i(a>v jtYjxe 9d'8YTO|J'-svo? -fjpKüixov, aXXot ö-poicxojjLtvog 6itö tyjXixoüK}) icpoawTCeiip. Id. 
Nigrin. 11. PoU. IV, 114. Rücksichtnahme auf die Maske Fronto De orat. 11, 
p. 253 Ed. Med.: tragicus Aesopus fertur non prius ullam induisse suo capiti 
personam, ante quam diu ex adverso contemplaretur pro personae vultu gestum 
sibi capessere ac vocem. Quintil. XI, 3, 73. — Wie weit die Geschmeidigkeit 
ging, zeig^ die Nachahmung von Thierstimmen, Sturm und Meeresbrausen bei 
Plut. De aud. poet. 3, p. 18 C: woirsp ^dp bb^ ßo-J^v xal «|;6«pöv xpoyj.Xta«; xal 
irvso|i.axa*v ^otjov xal ^aXdxrrjg xxütcov axoüovxsg, svoxXoüjjieö'a xal Boox^paivoiJLev • 
fiv ^e xt^ ittö-avdj^ xaöxa ji.tji.*?jxai, xad-d^ep llapfiivwy x4]v &v, xal Bso^cDpo^ xd^ xpo- 
XtXta<;, 4]S6|i6^a, wozu Wyttenbach; namentlich auch Plat. Civ. lU, p. 396 B. 

') Diog. Laert. III, 20: 8elv ^l scp-rj xiv StaXsYop-svov, Äoitep xot>^ ö;roxpixd? 
X7]v jifev cpü)VY]v xal X7]v Süvajitv ^eY^^^*"!^ I^^'^' I-'UC. De saltat. 27: ev^o^sv xexpaY«»^. 
Id. Anach. 23. Philostrat. V. Apoll. V, 9, p. 89 Kays. Diod. Sic. XVI, 92 
von Neoptolemos: Kpwxjütov x^ [xe^aXo^pcovia. Eur. Hec. 1109: xpaüfYjc: dxooaa^ 
YjX^v. Noth wendig musste die Declamation eine langsame sein; 

*) Hegelochos hatte als Orest in Eur. Or. v. 279 : ex xü|idxojv y«? ao^i? ao 
yxkriv^ 6p(ü das Wort ^aX-^jv' so ge8i)rochen, dass man YaXYjv verstanden hatte 
und vdrd desshalb verspottet von Arist. Ran. 203; Strattis Mein. II, 763. 787. 
= K. p. 711, 1; p. 728, 60; Sannyrion M. p. 874 = K. p. 794, 8. Vgl. Schol. Eur. 
Or. 279; Schol. Arist. Ran. 303; Suid. ^lYeXoxo?. Verschiedene Meinungen über 
die Natur des Fehlers bei Schneider, Att. Th., p. 150; Sommerbrodt, Scaen., 
p. 229; Enger, N. Jahrbb. 1858, p. 537, der denselben darin sucht, dass Hege- 
lochos das geschärfte yj wie ein gedehntes ■/] aussprach. — Cic. Orat. 8, 25: 
(Athenienses) quorum semper ftiit prudens sincerumque iudicium, nihil ut possent 
nisi incorruptum audire et elegans; ibid. 9, 27 werden die Ohren der Athener 
teret^s und religiosae genannt; Plut. V. X Orat. Demosth. 20, p. 845 B. Schaef., 
Demosth. I, p. 297. Diou. Hai. De compos. verbb. 11. Schol. ad Dem. De cor. 
§. 52. Cic. De orat. UI, 50, 196. Parad. III, 2, 26. 

*) Der technische Ausdruck für eine derartig ausgebildete Stimme war irXiojia 
9(i)VY]^. Plut. Qu. conv. VII, 8, 1, p. 711 C: icpoceaxt hk OKOxptGt^ itpeirooaa xd» 
•J^^et Xtt)v 6iTOX6i{JLEVu>v icpoGcuTCbuv, xal (pcüvf]^ «Xacaa xal o)(7]|JLa, xal ^ta^sosi^ ^tco- 
|jL£vai xol^ Xe^oj^ivoi?. Id. Pericl. 5. Demosth. 9. Cic. 3: yj U ^(ovyj äoXXyj [jlIv 
xal ttY*^» oxXYjpi hk xal 5irXaaxo?. 4: yj xe (piov^ XajJißavoüoa icXdotv 4j?eta ^lIv 
Ttpbc; axoYjv ExsO-paTtxo. Leicht hatte diese Uebung eine Verweichlichung der 
Stimme zur Folge. Quint. 1.8, 2 : sit autem in primis lectio virilis . . . nee plas- 
mate, ut nunc a plerisque fit, effeminata. S. Wyttenbach ad Plut. Moral, 
p. 345 f. Jahn zu Persius I, 17 und Hermes II, p. 421, A. 1. Bernhardy 
Gr. Litt. I, p. 24. Wesentlich war, dass das mühsame Studium nicht herausgehört 
wurde. Aristot. Rhet. III, 2: 8st XavO-dvsiv Koioövxac: xal p.Yj ^oxslv Xe-feiv KeitXaa- 
jjLsvtog, aXXa KEcf^üxoxü)^ • xoöxo Y^p iciO-aviv, exsivo ?i xoüvavxiov. . . . olov yj Bso- 



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§. 15. Schauspielkunst. 195 

Wer in guter griechischer Zeit diesen Unterricht ertheilte, wird 
nicht überliefert, bei den Römern und auf griechischen Inschriften 
der Kaiserzeit wird ein pavaoxöc genannter Lehrer*) mehrfach er- 
wähnt. Dass auch diätetische Regehi beobachtet*) und die Gesang- 
studien in den verschiedensten Körperlagen') vorgenommen werden 
mussten, kann nicht befremden: selbst kurz vor dem Auftreten*) 
wurden die Stimmen noch geübt. Nicht weniger lag es den Schau- 
spielern ob, das Gedächtniss zu kräftigen, da es einen Souffleur^) 



$(ufioi> (pcuvY] icknoi^t 'szpb<; rfjv twv aXXwv 6icoxpiitu>v, 4j jjlIv y^P toö Xl^ovto^ foixev 
elvai, al 8' aXXotptou. 

*) Suet. Aug. 84: dabat assidue phonasco operam. Quint. 11, 8, 16. XI, 
3, 19: sed cura non eadem oratoribus, quae phonascis convenit, tarnen multa 
sunt utrisque communia; ibid. 22; CIG 3208 (saec. HI) oizb tpwvasxiv II. ATuoy 
"" AyA^-i^^ov , der xtd^pcp^o? war. CIA III, 109: hnb tptovaaxiv . . . icpÄtov täv 
sitl 'fü>va3xi(f. Bullet, dell' Inst. 1873 p. 142: 8ioü(; (Spiele) oü8sl<; xäv itpö aoxÄv 
xtO-apcpStüv onh cpcovaaxöv M. OoX?ctov Heo^tupov xiv tStov aSsXcpov und dazu Frikd- 
LÄNDER, Ind. lect. Königsberg 1874/5, p. 4. Vgl. Grassbergkr, Erziehung und 
Unterricht im kl. Alterth. 11, p. 273. 289. III, p. 286. 

*) Aristot. Probl. XI, 22: Sia xi xolq jiexd xi otxta xrxpafOGtv •?] «pcovYj ?ta- 
^Ihipexai; xal «ovxa^ 5v tSot^t xoug tpcovaaxoövxa^, olov ÖKOxpixa^ xal /op2uxa^ xal 
xoüg aX).oo^ xotoüxoü?, iwO^v xs xal VYjaxst^ ovxa? xa^ jisXlxo^ icotoufjivoog. Massig- 
keit im Essen und Trinken Athen. VIII, p. 343 E : vöv U jis ^oxpoTcoS?«;, xlpajjLot 
xal ^i]pÖL xd^'/iva x'r^pcuaav ^tovr^? y**^*^?'^ x*P'C°l^*^^^ (Epigramm des luba auf den 
Tragöden Aeovxjo^). Mynniskos war h'^o'^ar^o<; nach Athen. VUI, p. 344 D. Ent- 
haltung vom Liebesgenuss Plut. Qu. conv. IX, 1, 2, 7, p. 737 B. Suet. Nero 
20: clystere vomituque purgari, et abstinere pomis cibisque officientibus. Weitere 
Vorschriften Quintil. XI, 3, 19—22. Vgl. Jahn ad Pers. I, 17. 

') Cic. De orat. I, 59, 251 : (tragoedorum), qui et annos complures sedentes 
declamitant et cotidie, antequam pronuntient, vocem cubantes sensim excitant 
eandemque cum egerunt sedentes ab acutissimo sono usque ad gravissimum 
sonum recipiunt et quasi quodammodo coUigunt. Suet. Nero 20: plumbeam chartam 
supinus pectore sustinere. 

*) Poll. IV, 88 vom Komiker Hermon: Xa^^cuv hk jiexa itoXXoix; 6 jxiv airrjv 
xoö ^jaxpoo, X7j<; «ptuvY]^ dinoTcstptu^svo^, xäv il icpi aüxoö TC<ivxü>v sxireaovxcuv "Ep- 
fAüJva ji.lv ö x-^ipü? avsxtiXsc. Ueber die Beziehung dieser Stelle auf den Prota- 
gonistenwettkampf s. unten §. 21 a. E. 

*) Manche deuten so den 6itogoX?ü<; bei Plut. Reip. ger. praec. 17, 5, 
p. 813 F: p.tji£ioOvxi xoo; oitoxpixa?, icdÖ-o^ jiev t^iov xal •rjd'o<; xal o^^oupLa xcp cc^GiVi 
icpoaxi9^xa(; , xoö Zk unoßoXsü)^ öixooovxa^ xal jiyj irapaßoivovxa^ xou^ ^oO'ji.otx; xal 
xa }j.lxptt XY|^ 8t^o|jL6v-r)5 ejooaia^ bnb xcliv xpacoüvxtuv. S. Heyne ad Hom. H. XIX, 
80; Mein. Comentt. miscell., p. 42; (t. Hermann, Opusc. V, p. 304; Schneider 
a. a. 0., p. 76; BoDE, Gesch. d. Hell. Dichtk. III, 1, p. 161, eine Deutung, 
welcher von Böttiger Opusc, p. 292 und Boeckh ad CIG 3088 widersprochen 
wird; Sommerbrodt, Scaen., p. 225, A. 1 denkt an die Musik des Flöten- 

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196 §• 15. Schauspielkunst. 

nicht gegeben zu haben scheint. Eine Notiz über ein im Demos 
MeHte gelegenes Haus *), in welchem die Uebungen der Schauspieler 
vorgenommen wurden, ist leider so kurz, dass wir über die Zeit, in 
welche diese Einrichtung zu setzen ist, und das Nähere derselben 
im Unklaren bleiben. 

Das Spiel durch Körperbewegung war für das antike Drama von 
hoher Bedeutung^), die Wichtigkeit desselben wird mehrfach betont**), 
und stummes Spiel lässt sich aus den Texten nachweisen *). Die 



Spielers, „qua et histrionum et choreutarum cantus temperatur" und Bern- 
hardt, Gr. Litt. II, 2, p. 121 weist auf den Monitor der römischen Bühne hin, 
wie ein solcher auch den C. Gracchus durch einen Ton seines Instrumentes an 
Mässigung erinnerte. Vgl. Plut. Tib. Gr. 2. Gell. I, 11, 10 ff. Val. Max. VIII, 
10, 1. Quintil. I, 10, 67. Plut. De coh. ira 6, p. 456 A. Grysar, Sitzungsber. 
der hist.-phil. Classe d. Wiener Akad. XV, p. 372. Wieseler, D. d. B., p. 101. 
Auf den Delphischen Soterieninschriften , auf denen sogar die ijiatio^ioO^xt auf- 
geführt werden, findet sich jedoch vom Souffleur keine Spur, und das Geschäft eines 
Monitors würde von den sonstigen Flötenspielern Ijaben versehen werden können. 
Mit Beziehung auf den Vortrag der homerischen Gedichte H oitoßoXTjc:, bei dem 
wir doch wohl an eine Ablösung verschiedener Rhapsoden zu denken haben — 
vgl. über die verschiedenen Auffassungen Hubert, Progr. des Realgymn. zu 
Ilawitsch 1885 — fasse ich den 6itoßoXs6; als einen Regisseur, der dafür sorgt, 
dass bei den Wechselreden der Schauspieler jeder an richtiger Stelle einfallt. 
Grosser, Rh. Mus. XXV, p. 435 verstand unter dem oiroßoXeo^ einen „geistigen 
Beistand". 

*) Vgl. oben p. 106, A. 2. Nach Bekker, Anecd. Gr., p. 72, 17: xop*^- 
fetov b TOTCO^, evO-a h X^P''iT°^ "^^^^ '^^ yj^p^^^ *«^ "^o^^ 6icoxptxa^ oovdYtov oovsxpoxet 
scheint es, dass sonst der Choreg das Lokal für die Einübung der Schauspieler 
zu stellen hatte. 

') Vgl. zum Folgenden das reiche Material bei von Leutsch, Metrik, p. 414 
bis 429; SoMMERBRODT, Scacn., p. 230 ff. und Bürsian, Hist. Taschenbuch 1875, 
p. 17 ff 

•) Aristot. Rhet. II, 8: enel 8' e^fY^^ cpatvojjifiva xa nä^ iXsetva soxi, xot ^k 
|i.üp'.03x6v Exo? '{tvo^LiVa ^ so6}icva o5x' eXutCovxe^ ooxs |JLe|JLv-r)|jivot ^ oXü><; o5x 
eXsoöoiv ^ ohy^ 6[jL0t(u^, avdcfx'r] xo6<; oovairepY'*Co|J^voüg oyfyjLao: xal «ptoval? xal 
cc^Tjxt xal ok(ü^ vfi üTcoxptaei eXesivoxspou^ etvat, e^T^^ T^P '^oioöot «paivsoO-at xo 
xaxiv icpö Ofi^axcuv tcoioüvxs?, ^ co^ jieXXov ^ cu^ f^^^^^- Bekker, Anecd. Gr. 
m, p. 1165: üicoxpiot^ eaxi «f»a)VY](; xal o-/'rj|iaxog TctO-av^j Siad>eai^, Tcpsicoooa X(f) ütco- 
xs(fJiev(}> :rpos(un({> xal np&'^ii.ax'.. Cic. Or. 17, 55: est enim actio quasi corporis 
quaedam eloquentia. Id. De orat. III, 59, 222. Quintil. XI, 3, 1. 2. 4. 

*) Eur. Or. 644 sind die Worte oh yp-f|jiax' stitov Antwort auf einen Gestus 
des Menelaos. Vgl. Bekker, Anecd. II, p. 744, 7: ^Xouxat fäp ix xouxoo, im^ 
00 koY«« Y^T^^*^*' "h ^iro^pt^t?» aXXa fxovc}) xu) o)r*rj^axt, xoö MsvfXaoo xa? '/J^^?*^^ 
avaxeivovxo? xal xpoicov xtva jiexaa/fjpLaxtCop-ivoo uic; ooSsv EiXfj'f oxo<;. Femer Soph. 
El. 610 ff. 822 ff. Aus der Komödie Ar. Ran. 87 und 107. 



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§. 15. Schauspielkunst. I97 

Bewegungen waren in der Tragödie, wo das Costüm sehr hinderte, 
selbstverständlich langsam und feierlich*), namentlich gilt dies vom 
Gange ^). Die Tragöden konnten auf dem Kothurn nur unsicher 
einherschreiten und bedienten sich zur Stützung gern langer Stäbe, 
und Scepter^); nichtsdestoweniger scheinen sie mitunter zu Falle 
gekommen zu sein*); es sind daher auch stürmische Scenen der 
Tragödie fast ganz fremd ^). In der Komödie war das ganze Spiel 



*) Quint. XI, 3, 111: plus autem affectus habent lentiora: ideoque Roscius 
citatior, Aesopus gravior fuit, quod ille comoedias, hie tragocdias egit. Bürsian 
a. a. O., p. 17. 

*) Rascher Gang ist in der Tragödie Ausnahme und wird motiviert. 
Soph. El. 871: 6^' -rj^ovrjg xoi, cpdxdrr], ^luixofiai xb xoofAtov \i.z^zlaoL oov xor/ti 
pLoXelv. Antig. 766: Äv4jp, 5va4, ßißfjxtv ij opf*'!? "ca^o?. 1244: 4j ^o^r^ iraXtv 
«ppoü^, Kplv elicjiv Md'A.^v ^ xaxiv Xofov. Eur. Hei. 543 f. : oby^ to^ Spopiata irioXo^ 
^ ßax)crj ^soö xa^(^ 4t)vd']/u) xiuXov; a^pto^ U xt^ jiop^Yjv 53' eaxlv, 3« ^8 O-rjpdxat 
Xaßalv. Androm. 545 f. : xal fx-^v Si^opxa xovSs Il-riXea jcsXa;, aito'j^^ xiO^vxa Stöpo 
Yfjpatov ;t65tt. Mehr bei von Leütsch a. a. 0., §. 425. In der Komödie häufig: 
Ar. Pac. 956 : 5y» Syj, xb xavööv XaPwv 06 xal x^^v '/ipvi^a Ktpiidt xöv ßtujiiv xa^iof« 
eret^eSta. Av. 1121: aXX' o6xool xpt^^tt xt; 'AXtpjtiv Trvtcuy. Thesm. 571: Tca'joaoB-t 
Xot^opoüfitvoi • xal f otp Y'^^ '^•^ "hH-^^ ftaicoo^axoia itpooxpsy st. VON Leütsch a. a. 0., 
§. 428. 

«) Gerade Stäbe s. Wieseler, D. d. B. IV, 12; VII, 6. 7. 8. 9; VIII, 
7. 11. Mon. deir Inst. XI, 30, 1. 4; 31, 8. 9. In der Komödie ibid. XI, 30, 
2. 5. — Der Krummstab eignete mehr der Komödie, obwohl seine Erfindung 
dem Sophokles zugeschrieben wird. Plut. De lib. educ. 4, p. 2 D: xd^ y^ ^V 
xa|jnt6Xa^ xu>v oicoxpixtwv ßaxx^pia^ a«eüO"OV8tv djiYj)^avov. Vit. Soph. p. 128, 29 
Westcnnann: Sdx'jpo«; $e «frjatv, 0x1 xal X7]v xafjLTruXfjv ßaxx^piav aoxi^ s«cv6y]3£v. 
In der Komödie: Wieseler a. a. 0. IV, 5; IX, 10. 15; XI, 13; XII, 17. 18. 
23. 26. 27. 28. Mon. deir Inst. XI, 33, 16. In der Tragödie ibid. 32, 17. 
Meist wurden die Stäbe links getragen. Ov. Am. III, 1, 13: laeva manus scep- 
trum late regale movebat. Maass, Annali deir Inst. 1881, p. 119. Leo, Rhein. 
Mus. XXXVni, p. 340, A. 2 bestimmt dies näher dahin, dass unmittelbar be- 
nutzte Geräthe in der rechten, andere in der linken Hand getragen wurden. 

*) Aeschines fiel bei der Aufführung des Oinomaos im Demos KoUytos in 
der Titelrolle. Vit. Aeschin., p. 269, 26 0". West.: 'laydvSpoü xoö xpaY(i>5oü xpixa- 
Yü>vtox*r]v Ysve'sö'at xbv AlcyivTjv xal o?coxpivoji.8vov (HvojAaov ^iwxovxa lleXo^a al'3)^p<05 
itsoslv xal ava-r?]va'. Oitö XavvicDvo^ xoö j^opoSt^aaxaXofi. Harpocr. s. v. ^la/avSpo^. 
Dem. De coron., §. 180. Vit. Aeschin., p. 266, 19 West. Luc. Gall. 26 : ^|V U, 
ola TCoXXa Ytvexat, xevsjißaxYjao^ xi^ aoxtt»v ev \i.i'i'Q X'Q oxfjvg xaxaÄSSij^, y^^***'^* 
SYjXa^-}^ wap£/et xol^ ^axal^ . . . xdiv gxsXcov Ik\ «0X6 YwjJi'VOOjievcDV, to^ xrfi xs so^Hrj- 
xo^ xa Iv^oO-sv (paivsoO-at ^axta SoGXYjva ovxa xal xd»v xoO-opvoiV x^^^v 6iroo-atv aaop- 
(poxaxYjv xal 00 xaxa Xoyov xoö wo?6<;. 

*) In den erhaltenen Tragödien Soph. Oed. Col. 820 ff"., wo Antigone fort- 
geschleppt wird. Auf eine ähnliche Scene führt die Parodie bei Wieseler IX, 7. 



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198 §• 1^* Scbauspielkunst. 

lebhafter *). Der eigentliche Tanz wird sich in der Tragödie in sehr 
massigen Schranken gehalten haben, doch fehlte er nicht gänzlich*). 
Ueber die Bewegungen der einzelnen Körpei-theile und namenthch 
über das Fingerspiel, welches das infolge des Gebrauchs der Masken 
fehlende Mienenspiel zum Theil ersetzen musste, gab es eine ins 
Einzelne ausgebildete Lehre, von der wir aus Quintihan und dem 
Commentar des Donat zum Terenz^) Manches erfahren. Zur Ver- 



Femer Eur. Iph. Aul. v. 302 ff., wo es in dem Streite zwischen Menelaos und 
dem Greise nach v. 311: ox-fjKxpq) toy' ^p« o^v xa^ac^d$o> xdpa fast zu Thätlich- 
keiten kommt. Heracl. v. 68 ff., wo loalos von Eopreus zu Boden geworfen 
wird, vgl. V. 76: t^exe xiv Y^povx' a/iaXiv siel iceSq) xojuvov u> xdXo^. Vielleicht 
gehörte hieher auch die Scene des Oinomaos, in der Aeschines fiel. Knieen 
kommt öfter vor, vgl. Eur. Or. 380; Hec. 339. 752; Androm. 892; El. 221; 
Vgl. Mon. d. Inst. XI, 30, 4. Schwierig auszuführen war ohne Zweifel das zu 
Boden Sinken, wie Eur. Troad. 462; 1305. Soph. Phil. 819 und das Aufrichten 
Eur. Troad. 98; Soph. Phil. 886 ff. Ueber das Herabsteigen vom Ekkyklem 
vgl. oben §. 12. 

*) Arist. Eq. 710: iX^«> 08 Kpö^ xöv ^-^jfxov. Schol. ibid.: Tcottl -^äp 5:rep 
eTpvixev xal &jia x(j> Xofq) «Dwxsv aüxov. Eq. 451; Nubb. 58; 1321. Vgl. VON 
Leütsch a. a. 0., §. 431. Bildliche Darstellungen lebhafter Scenen aus der 
alten Komödie: Arch. Zeit. 1849, Taf, IV, 1; V, 1. Annal. d. Inst. XXV, tav. 
d^g. A. B. 4. Mon. d. Inst. VI, 35, 1. 2. Wieselkr a. a. 0. IX, 7, 13. 14. 15. 
A, 25. Aus der neueren Komödie X, 5. 7. XI, 1. 

*) Plat. Legg. Vn, p. 815 B: x-i^v xotvov äjitptoßirixoojisvYjv op/'^l^tv $ei npÄxov 
)^ü)pl^ x^^ ivaiiftoßirjxYjxoo Jtaxejiefv. xt^ oov aox^, xat irj Jsl X*"P^? XKjivtiv £xax6- 
pav; Sttj jiiv ßaX)^8ta x' toxi xal xcov xaoxat^ ^Kojirvtuv, a^ Nopi^pa^ Xc xal Ildvoi^ 
xal SttXfjvoi)^ xal Saxopoo^ £TCOvofAdCovxs<;, u»^ <fa3i, |jLt|JLOö'/xat xax(i)yu>{i.evoo(, ^epl 
xad-apjioü^ xs xca-I xeXexi^ xtva^ dicoxeXoüvxtov, Jojjurav xoöxo xyj^ hpyirptoiq xö -{ho^ 
oSd-' tt»^ etpv|vtxiv oüO-' ü><; KoXejitxiv oü^' 5 xl itoxe ßoüXexat ^a^tov dtpopiaasO-at 
xxX. Schol. Ar. Ran. 896: sfAiiiXstav xoptox; fO'P "^ p^s'^a |i.^Xoo« xpa^tx-J] opx'rjot(;' 
ot Sl Y) Kpb^ xäq f^s«? ÖTCopy-ijat«;. Beispiele: lokaste Eur. Phoen. 316: exetoe 
xal xh Ssöpo icepiyopeuoosa xip'^tv icaXaiav Xaßu) yapjioväv. Ar. Plut. 290: xal ji-^iv 
e^u» ßooX'rjoopLat ^psxxavsXi xiv KoxXcuita p.i}io6^cvog xal xolv äoSoiv w^l «apevaa- 
Xsucuv b\i.ä^ ^YKtv, wo Karion wahrscheinlich in der Orchestra tanzt. Plut. Crass. 
33 vom Schauspieler lason in der Rolle der Agaue: xal avaßaxyeooa«; iicepatvsv 
exetva xa jisXt] jisx' evO-ooo'.aajjLOö xal ü)^*?]? xxX. s. unten p. 201, A. 4. Ueber den Tanz 
des Hippolytos Eur. Hipp. v. 58—70 vgl. die Analyse von Chr. Kirchhoff, 
Die orchestische Eurythmie der Griechen II, 1. Altona 1873. Christ, Metrik, 
p. 697 nimmt an, dass erSt Euripides solche an Kretische Hyporcheme erinnernde 
Solotänze eingeführt habe, worauf die Worte des Aeschylos Arist. Ran. 849: 
tt» Kp-rjxtxd^ jilv 5t>XXeYtüv jiovuiSia^ zu beziehen seien. 

«) Quintil. XI, 65—136. Donat. ad Ter. Adelph. I, 2, 47: gestus abeuntis 
vel abituri; ad Andr. I, 1, 83: gestus cogitantis; II. 5, 4: observantis; IV, 3, 1: 
stomachantis ; Eun. II, 2, 50: supplicantis ; II, 2, 1: parasiti gesticulatio ; Phorm. I, 



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§. 15. Schauspielkunst. 199 

anschaulichung einer grossen Zahl dieser Vorschriften dienen ver- 
schiedene bildliche Darstellungen von dramatischen Scenen, so die 
vaticanische Mosaik *), einige pompejanische Wandgemälde^) und die 
Zeichnungen in den Bilderhandschriften des Terenz^) ; aber obwohl die- 
selben bereits mehrfach von diesem Gesichtspunkte aus behandelt 
sind*j, ist eine genaue Durcharbeitung dieses Gegenstandes, welche 



2. 2: offerentis u. a. m. Die von Quintil. XI, 3, 134 erwähnten Schriften des 
Plotius Gallus, Nigidius Figulus und Plinius d. alt. sind verloren. Die Nach- 
richten aus griechischen Schriftstellern s. bei von Lbütsch a. a. 0., §. 413 — 424. 

*) MUiLiN, Description d'une Mosaique antique du Musce Pio-Clementin k 
Rome. 1819; danach Wieseler, D. d. B., Taf. VII. VIII. 

*) Helbio, Wandgemälde Nro. 1464—1476. Sogliano, Le pitture murali 
campane scoperte negli anni 1867—1879. Napoli 1881, p. 133, Xr. 650 ff. Maass, 
AfiFreschi scenici di Pompei, Annali deir Inst. 1881, p. 109 — 159 und Monu- 
menti dell' Inst XI, 30. 31. 32. Hieher gehören zum Theil auch die Vasen- 
bilder mit scenischen Darstellungen, welche im Abschnitt über das Costüm citiert 
werden. 

') Die Bilderhandschriften des Terenz in der Vaticanischen, Ambrosianischen 
und Pariser Bibliothek enthalten ausser den in den Stücken gebrauchten Masken 
und den Prologi vor jeder Scene die Darstellung der in denselben vorkommenden 
Personen in einem bezeichnenden Momente. Die Originale dieser Bilder scheinen 
nach den Untersuchungen von Leo, Rhein. Mus. XXXVIII, p. 342 ff. nach den 
um 39 vor Chr. herausgegebenen Imagines des Varro — dem ältesten illustrierten 
Buche auf römischen Boden (Plin. Nat. Hist. XXXV, 2, 11) — und vor der 
Zerstörung Pompeji's entstanden zu sein, da sie mit den von Maass herausgegebenen 
Affreschi scenici auf derselben Stufe stehen. Andere Ansichten bei WuiSELER, 
D. d. B., p. 63. Die Vaticanischen Bilder sind publiciert von De Beroeb, Comment 
de personis vulgo larvis seu mascheris. Frankfurt und Leipzig 1723; neben dem 
Texte des Terenz mit italienischer Uebersetzung von Fortiguera Urbini. 1736, 
sumptibus Hieron. Mainardi; von Coqüelines, Rom 1767. Von den Bildern 
des Ambrosianus haben d'AoiNcoüRT, Histoire de TArt par les Monuments, V, 
pl. XXXV und XXXVI und Mai, Ad P. Terent. Comment. et Pict. ined. Tab. I 
Einiges herausgegeben. Vgl. Wieseler, D. d. B., V, 29. 30 und X, 2—8. Aus 
der Pariser Handschrift, die mir bei gelegentlicher Durchsicht mit deu beiden 
anderen im hohen Grade übereinzustimmen schien, sind umfassende Publicationen 
noch nicht gemacht. Einiges in E. Chatelain, Paleographie des Classiques 
Latins. Paris 1884, Lief. 1. 

*) Baden, Bemerkungen über das komische Geberdenspiel der Alten. 
Jahn's N. Jahrbb. Supplementb. I (1832), p. 447 ff. Wieseler, D. d. B., p. 68 ff. 
Leo, Rhein. Mus. XXXVIII, p. 337 ff. Vgl. JoRio, Mimica degli antichi, investi- 
gata secondo il gestire del popolo Xapoletano. Neapel 1832. Mallery, History 
of gesture language in First annual Report of the Bureau <>f Ethnology to the 
secretary of the Smithsonian Institution. Washington 1881, p. 285 ff. Im Allg. 
Sommerbrodt, Scaenica, p. 230 f. 



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200 §• 15- Schauspielkunst. 

freilich von einer zuverlässigen Publication der letztgenannten Bilder 
abhängig ist, noch Bedürfniss. 

Die den Schauspielern obHegende äusserste Berechnung und 
Ausnützung der zu Gebote stehenden Mittel machte eine sorgföltige 
Vorbereitung durch Palästra und Tanzkunst^) erforderhch •, nicht 
minder hatten sie den Sinn für das Decorum ^) auszubilden, zumal 
in der älteren Zeit, wo unter dem Einfluss der grossen Tragiker^) 
einerseits und der Plastik*) andererseits die Schauspielkunst eine 
ideale Richtung verfolgte, während sie seit Euripides in Virtuosen- 



*) Cic. De orat. III, 22, 83: negarem enim posse eum (histrionem) satis- 
facere in gestu, nisi palaestram, nisi saltare didicisset. Id. Or. 4, 14: ut sie 
adiuvet ut palaestra histrionem. Auf den Schauspieler findet Anwendung Luc. 
De saltat. 73: S ?' .ott jJLdXtota em xäv hpyyiozoiy Siraiviaai, xoöxo yj^yj Ipfi' tö -^oip 
lo)^6v TS fijJia xal öf pofrjta täv {JieXwv Inixtfizosiv 6{xottt>^ icapaSo^ov elvat piot Soxst, 
u»^ et Tt^ iv Tip aÖTÄ xal 'HpaxXsoo« xb xapxspiv xal 'Atppoitrrj^ xö dßpiv Sstxvoot. 

*) Cic. Or. 22, 74: histrio quid deceat quaerit. Quint. XI, 3, 67: decor 
quoque a gestu atque a motu venit. ibid. 69 : praecipuum vero in actione, sicut 
in corpore ipso, caput est, cum ad illum, de quo dixi, decorera, tum etiam ad 
significationem. Aristid. Quint. De mus. II, p. 100 : wept fc fi^jv 6ÄOxpto8ü><; exetvo 
^•rjxlov, 8xt xÄv o(u{xaxiX(I>v xivrjaetov, ev ai^ v/ti xyjv öjcoaxaotv, xa? ji^v zh oejAviv 
xal appeviuiciy voYj^a xal Xe^scuv [i.eXu)V xc xal ^o^fitov 6LKo\Li\Loo\t.iya^ xal tlq xb 
avSptCeo^at oovatpojisva^, xa6xa(; jjlIv xal 6paxE0v xol^ saiol xal jit^YjxIov. 

•) Mynniskos, der von Aeschylos gebildet war, tadelte den Kallippides 
wegen seines übertreibenden Spiels. Aristot. Poet. 26, 4: -fj fiiv oov xpaYo>3ia 
xotaoxY] eaxiv, otoo«; xal ol Kpoxspov xoh«; 6oxepoo^ a?>xd)V uiovxo öitoxptxa^. o»r Xtav 
fap 6icepßaXXovxa ki^xov h Movvtoxo^ xiv KaXXtTCKi^Yjv ixaXsi. . . . zlxa oö5i 
xtvYjot? Äitaaa aTco^oxt^aax^a, elreep fi.Y]§' opyyiQ:^' ^W 4j (paoXcov, Sirep xal KaXXiw- 
Rt$T{^ e«sxt|JLaxo, xal vuv <$XXot^, ^? oöx sXeoO-epa^ '^ovodv.OL^ {j.c^ou[i.ivcuy. Völker, 
De Graecorum fabularum actoribus, p. 154. 180. Rohde, Rhein. Mus. XXXVIII, 
p. 280, A. 1. 

*) C. HoFPMANN, Tragoedia Graecorum cum plasticae artis operibus com- 
parata. Mainz 1834. Helbig, Quaest. scaenicae. Bonn 1861, p. 4. Sommebbrodt, 
Scaen., p. 236 wendet mit Recht die Worte Lucian's, Rhet. praec. 9.: stx-i oc 
xeXeuaei CyjXoöv exsivou^ xoix; ap^^atoo^ ävSpa?, icuXa :capa8etYfA'Äxa irapaxtO^l^ xäv 
Xoftov, oh ^a^ta ^i^ieiod-at, ofa xa xv]^ TcaXaict? ep^aata^ eoxiv, 'H^fjaioo xal xcov 
ttjKpl Kpixlav x6v v»]ata)rY]v, aTcea^ptYf^eva xal vsopto^*»] xal oxX-rjpa xal axptßtü^ awo- 
xexajilva xai^ -fpfx\Lii.al(; auf die Schauspielkunst an und verweist bezüglich des 
Aeschylos auf den angefesselten Prometheus, die schweigende Kassandra, Agam. 
1035—1071, Achill und Niobe nach Arist. Ran. 911—913. Vit. Aesch., p. 119, 13 
Westerm. Schol. Arist. Ran. 911. Schol. Aesch. Prom. 436: occokAoi y«P '^^P^ 
KO'.Yjxat^ xa :cp63(u;ca ^ $t' ao^^siav, un; 'A^tXXeo^ ev xol^ 4>po5l So^oxXeoo^ 
(rect. AliyßXoo), ^ 5ta ao^tpopdv, w^ 4] Ntoß*»] ^ap"* Alo/oX«). Vgl. die Citate bei 
G. Hermann, Ed. Aesch, I, p. 351, Nro. 160. 



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§. 15. Schauspielkunst. 201 

thum*) ausartete, welches sich in Bravourarien^) und im Streben 
nach möglichst grosser Naturwahrheit in der Darstellung namenthch 
der Gemüthsbewegungen zeigte. Beispiele dieses Realismus werden 
mehrfach erwähnt ^). In der hellenistischen Periode, wo die griechi- 
schen Schauspieler an die Höfe des Orients zogen, wurde der un- 
gebildete Geschmack des Publikums, an das sie sich wandten, Ver- 
anlassung zu üebertreibungen, welche den Untergang der wahren 
Kunst bezeugten*). 



^) Die Schauspielkunst war in dem Maasse gestiegen, wie die Poesie ab- 
genommen hatte. Aristot. Rhet. III, 1: exet (ev xol<; cr^Mzi) jxetfov ^ovavtat vöv 
Tu»v «o'.fjxfiv ol ^rroxptxai. (trysar a. a. 0., p. 27 — 39. Welcker, Gr. Trag., 
p. 911. 1085. ScHAEFER, Demosth. I, p. 214 ff. Cürtiüs, Gr. Gesch. HI, p. 628. 
LüEDERS, Dion. Künstler, pag. 51. 

2) Eur. Or. 1369 ff.; Hecub. 1056 ff.; El. 112 ff.; Iphig. Aul. 1279 ff.; Phoen. 
301 ff., 1485 ff.; Hei. 164 ff.; Ion. 82 ff.; Troad. 98 ft., 308 ff. Verspottung dieser 
Monodien bei Ar. Ran. 1309 ff. 

*) Gell. VI, 5: Polus unice amatum filium morte amisit. . . . In eo tempore 
Athenis Electram Sophoclis acturus gestare umam quasi cum Oresti ossibus 
debebat (Soph. El. 1126 ff.). . . . Igitur Polus, lugubri habitu Electrae indutus, 
ossa atque umam e sepulcro tulit filii, et quasi Oresti amplexus opplevit omnia 
non simulacris neque imitamentis, sed luctu atque lamentis veris et spirantibus. 
Unklar ist, ob unter Polus mit Schaefer, Demosth. I, p. 220 der ältere, oder der 
jüngere zu verstehen ist, nach Plut. Qu. conv. IX, 1, 2, 7, p. 737 B wurde die 
Elektra auch nach Sophokles' Tode aufgeführt. — Plut. Pelop. 29: xpa^y^iv $e 
icoxs ^8(ü|JLevo^ (Alexander von Pherae) KoptictSoo Tpcpd^a^ 6icoxptv6jisvov wy^exo 
ciKiuiv ex xoö ^edxpoo ical iiefi'J/a^ '^pi^ aoTÖv exeXeue ^appetv xal jjlyjSJv aYu*vt- 
Cea^at StA xoöxo ^^etpov, ou '(ap sxeivoo xaxacppovtov «KeXO-elv, aXX' aloyovojievo^ 
xoü? icoXtxa^, el |x*rj5eva Kioicoxe xu>v 6::' aixoö cpoveoojJLevoiv -rjXcYjxo)^ ewl xol^ 'Exdt- 
ßf)^ xal 'AvSpo^ax*'!? xaxot<; ^^O-rjaexat 5axpucuv. Vgl. Plut. De Alex. virt. 11, 1, 
p. 334 A. Ael. V. Hist. XIV, 10. — Xen. Conv. 3, 11: So y« V-^"" ^\ov, itf-ri 
h A'jxtuv izpb^ x6v 4>iX'.KTCoy, 3xt eitl x(j) Y^XioxoTcoielv ^ef« «ppovet^. Aixaioxepov 
Y\ Ef], otojiat Yj KaXX'.TCiti^T]^ h oitoxpix-rj«;, 8^ öitepaejxvovexat 5xt Bovaxat tcoXXoü? 
xXa'lovxag xad-'Ceiv. Mehrfach warnen die Lehrer der Beredsamkeit vor den Üeber- 
treibungen der Bühne. Proll. Rhet. in Rhett. Gr. ed. Walz VI, p. 35: Xe^Qüoi 
^k a)(*rjp.axtCsot')'ai, 5oov ;cpoa*r|xe'. ^•fjxopi xal |x*r] $ta xoö ^eptxxoö Tcpic; (5XXo xt ^'jfyV-^ 
exTceaelv. Cic. De orat. III, 59, 220: omnes autem hos motus subsequi debet 
gestus, non hie verba exprimens scaenicus, sed universam rem et sententiam non 
demonstratione sed significatione declarans, laterum inflexione hac forti ac virili, 
non ab scaena et histrionibus, sed ab armis aut etiam a palaestra. Vgl. Comif. 
lU, 15, 26. 

*) Plut. Grass. 33: xyj? ok xst^aX*?]^ xoö Kpa33oo xojXtoi^eiTrj^ e;cl ^opa^ a?rr]p- 
jxsvai jiiv Yjaav al xpd?csC^jt'., xpaYtpS'.wv 51 öKOxpiXYj^ Maowv ovofia TpaXXiavi^ 
•J5ev Eopt«l$oo Bax/üiy xa itepl X7]v 'A-j-aoiriv. so$oxt|i.oövxo^ ?"*aoxoö SiXXax-ijg 
s:ctoxa^ x«j) ^tvSpuivt xal ;cpo3xo'^Yjaa^ wpooßaXev el<; jJLeoov xoö Kptiaaoo x^v xetpaX'rjv. 



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202 §. 16. I>er Chor. 

§ 16. 
Der Chor. 

Der Chor^) der Tragödie bestand in älterer Zeit aus 12 Per- 
sonen'); ob diese Zahl überall bei Aeschylos vorauszusetzen ist, 
bleibt zweifelhaft^). Dieselbe ist wahrscheinlich daraus zu erklären, 
dass man den 50 Personen umfassenden dithyrambischen Ohor*) auf 



xpotf]) ^k TU)v Hap^tov jJLSta xpocoY"?!; xal X^?^^ ^tpaalvtuv, töv lltXXdxTjv xaxexXtvav 
ol ÖÄ-rjpexat ßaatXsux; xeXeoaavxo«;, 6 8' 'Idoü>v xä jxsv loo flevO-lo»^ o-nviOKOffi^Laxa 
TcapsBcuxe xtvt xäv ^opeoxüiv, rrj^ 51 xo5 Kpdaaoü x2tpaX*r](; XaßofJievo^ xal dvaßax- 
'j(t6oo4 eirspa'.vev sxelva xd jjlsXtj jiex' evft-ou'JiaafJ.oö xal v^^r^^ „4>spo|i.ev e? op80(; 
iXixa veoxo^ov stcI jieXaÖ-pa ^axaptav ^pav". xal xaöxa iikv itdvxa(; frspirev ^8o- 
pL8Vü)V 81 xÄv fife^**]? djJLOtßatcDV rcpi^ xov /opöv „A. xi? e<p6vcooev; B. tjiöv x6 ^spa^** 
dvaÄY|8-#]oa^ 6 nojxa5dö-pY](; (exo^/avc 81 ^etTcvdiv) dvxsXajißdvexo XTj^ xe^paXYjg, (o^ 
iaax(|) Xq-s'-v xaöxa ji.dXXov ^ exsivip Ttp03Y|X0v. •^jaO'el^ 8' 6 ßaotXgü^ x6v piiv ol^ 
Ädxptov eoxtv eSwpYjoaxo, xcj» 8' 'Idoovt xdXavxov itSwxev. Cfr. Polyaen. Stratag. Vn,41. 

*) 0. MüiiLER, Aesch. Eumeniden, p. 71 ff. G. Hermann, De choro Eumen. 
Opusc. II, p. 129 ff. SoMMERBRODT, De chori tragici principibus. Scaenica, p. 5 ff. 
R. ScHüLTZE, De chori Graecorum tragici habitu extemo. Berlin 1856. Muff, 
Die chorische Technik des Sophokles. Halle 1877, p. 1 ff. B. Arnold bei Bau- 
meister, Denkmäler des klass. Altertums I, p. 383 — 395. 

*) Suid. SotpoxXrj^ • icpotxo^ xiv ^opiv ex icevxexai^cxa ela-fiYa^s vewv, ;tp6- 
xspov 8uoxa'186xa elatovxwv. Vit. Soph., p. 127, 25 West. Boeckh, Trag. Gr. 
princip., p. 60 meint, bei der Zwölfzahl seien der Choi"iuhrer und die Halbchor- 
führer nicht mitgezählt, leugnet dieselbe jedoch nicht gänzlich. 

') 12 Choreuten stehen fest in den Persem und Septem; Muff, De choro 
Persarum fabulae Aeschyleae, p. 16 ff. und desselben Der Chor in den Sieben 
des Aischylos, p, 1 f. Für den Agam. und die Eum. sind 1 5 Choreuteu bezeugt. 
Schol. Ar. Eq. 589: 6 hi xpa^txi^ le', t«? AIo/üXo? 'AYapifAvov*. Schol. Aesch. 
Eum. 585 Dind. : xoöxo oö rpö^ xd^ Tpst? dXXd Ttpi? xöv )^opöv le' fdp Yjcav, so 
dass Aeschylos von der Neuerung des Sophokles Gebrauch gemacht hätte. Die 
älteren Gelehrten mit Ausnahme von 0. Müller, Eum., p. 76 nehmen für den 
Ag. 15 Choreuten an. Die Ansichten gehen neuerdings mehr auseinander; Weck- 
lein, Ueb. die Technik und den Vortrag der Chorges. d. Aesch. N. Jahrbb. 
für Phil. Suppl. Xin, p. 217 erklärt sich entschieden für 12 Choreuteu in 
sämmtlichen äschyleischen Stücken. "Vgl. desselben Studien zu Eur, N. Jahrbb. 
Suppl. VII, p. 435 und den Aufsatz in Zeitschr. f. d. Gymnas.-Wesen XXXU, 
p. 477. Christ, Metrik, p. 670. 

*) Simonid. 147 (203) Bergk: itevxYjxovx' dv^pdiv xaXd jiaö-ovxi /opcj). Schol. 
Aeschin. Tim. p. 721 R.: s4 s^oü«; 'Ad-rjvatoi xaxd ^oX-i^v xaxeaxYj^av ^csvxTixovxa 
watBcov yopby ^ dvSpcüv, tooxe YSvsaO-ai $2xa yopo6?, etcs'.^'tj xal 5sxa tpüXai. Tzetzes 
Proll. ad Lycophr., p. 254 M: Xoptxujv Sl -^yMpitsikazoL . . . xal xop6<; k-ixiaq xoxXtxdi; 
Äv^pa^ e)((uv irevx^xovxa. 



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§. 16. Der Chor. 203 

die tragische Tetralogie übertrug, jedoch, da diese Zahl nicht durch 
4 theilbar ist, in der beschränkten Zahl von 48 und von dieser 
jedem Stücke den vierten Theil überwies*). Zu den 12 Choreuten 
gehörte der Chorführer; demselben lagen also auser der Leitung des 
Chors auch die Pflichten eines Choreuten ob. Um diese CoUision 
zu beseitigen, nahm ihm Sophokles die letzteren Obliegenheiten ab'^ 
und stellte dafür einen neuen Choreuten ein, und da er ausserdem 
dem Chorführer zwei Halbchorfuhrer beigab, so wurde durch ihn die 
Gesammtzahl der Choreuten auf 15 erhöht^). Diese Zahl ist sodann 
für den tragischen Chor die übliche geblieben '), und es ist anzimehmen, 
dass überall, wo von einem Chor von 14 Personen die Rede ist, 
der Chorführer nicht mitgezählt wird*). Ob der Chorege mit der 
Stellung von 15 Choreuten ausreichte, oder ob er die alte Gesammt- 
zahl von 50 bezw. 48 zusammenzubringen hatte, wird später erörtert 
werden. Der Chor der Komödie bestand aus 24 Personen*). Da 



*) 0. Müller, Eumen., p. 75. Schültzb a. a. 0., p. 35. Berge, Gr. 
Litteraturgesch. III, p. 75 f. 

*) Suid. SocpoxX-fj? 8. p. 202, A. 2. Vit. Soph. p. 177, 25 Westermann 
aüt6<; 81 TOü? x^psota^ 7ZoirpOL<; ävtl iß' te'. G. HERMANN, Opusc. 11, p. 141 
meint, schon kurz vor Sophokles sei der Chor auf 15 vermehrt, lieber die 
Bedeutung dieser Neuerung s. O. Hense, Der Chor des Sophokles. Berlin 
1877, p. 12 fF. Sie scheint nicht mit der Auflösung der Tetralogie (0. Müller, 
Eumeniden, p. 75), sondern mit der grösseren Bedeutung zusammenzuhängen, 
welche der Chorführer in der mehr entwickelten Tragödie des Sophokles und 
Euripides hatte. Im Aias nehmen Muff, Chor. Techn. d. Soph., p. 52. 78 ff. und 
Hense a. a. 0., p. 5 nur 12 Choreuten an. 

*) Poll. IV, 109: itsvtsxat^exa ^ap Yjaav 6 x^po«- Schol. Ar. Av. 297. Eq. 
589. Wenn es Poll. IV, 110 heisst: xh 5i TcaXatöv 6 tpa^tx©^ /op^<J wevrf|xovxa 
•r|3av (^xpt TU)V E^^evt^wv Ala^^^^^ ' 'tp^? ^^ 'fov oyXov aüxci>v toö icXyiO-oo;; ex- 
rtTOTjO-evTo^ ooveoTEtXev b v6|iO(; st<; sXaxxov töv /opov, so beruht das einerseits 
auf Verwechslung mit dem dithyrambischen Chor, andererseits auf einem ätiologi- 
schen Mythus. G. Hermann, Opusc, II, 140. 

*) Vit. Aesch. p. 123, 106 West.: X^P^^ ^^ '^*"'^ tpaY^^wv oovtotaTat sx ih' 
av$p(üv, 6 ^k Tü>v xu){j.({>$0TC0t(uv s4 x^'. Tzetzes, Proll. ad Lyc, p. 254 M. : rrjv 
5^ TpaY(|>5iav xal too? aaiüpoo? eTrtoT)^ ji^v ey^iv -^opsoTäq i^' (falsche Lesart ta'). 
Bekker, Anecd., p. 746, 28: Yjaav ^k tiiv pi^v xpaYtxwv -/opsotai 5exa xsaoape^, 
xÄv $£ x(ijfj.txu»v sixoot xs^aapst;. 0. MÜLLER a. a. O., p. 75. G. Hermann, 
Opusc. n, p. 140. Richtig erklärt von Boeckh, Trag. Gr. princ, p. 60. Für 
Eur. Suppl. nehmen Boeckh a. a. O., p. 96 f., G. Hermann, Praef. Ed., p. XVI, 
Schönborn, p. 190 einen Chor von 7 Müttern und 7 Dienerinnen an, Arnoldt, 
Die chorische Technik des Eur., p. 72 ff. dagegen zeigt, dass derselbe aus 
5 Müttern und 10 Dienerinnen bestand. 

*) Poll. rV, 109: 6 ok •Kiii\u.v.b^ X®P^^ xexxape? xal eIxo3tv Yjoav ol x^P-öxat. 



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204 §. 16. Der Chor. 

für die Komödie geringere Aufwendungen gemacht wurden, als für 
die Tragödie, so scheint es, dass man der ersteren nur die Hälfte 
des tragischen Gesammtchors bewilligte, dass diese aber in jeder 
Komödie des Agon in voller Stärke auftreten musste^), weil bei 
einem auch nur aus 3 Stücken bestehenden komischen Agon die 
Theilung durch die Zahl der concurrierendeu Stücke einen zu ge- 
ringen Bestand des Chors ergeben haben würde. Für den Chor 
des Satyrdramas werden wir dieselbe Personenzahl wie für die Tra- 
gödie anzunehmen haben. Diese Vermuthung ist an sich durchaus 
glaublich, die bezüghchen Nachrichten sind jedoch nur sehr dürftig ^). 
Während nun für den dithyrambischen Chor die kreisförmige 
Ordnung üblich war, hatte der dramatische Chor eine viereckige 



Vit. Aesch. p. 123, 106 West. Bekker, Anecd., p. 746, 28. Vit. Arist. p. 158, 
A. ad V. 78 West. Schol. Ar. Av. 297: evieöS-ev aptO-ji-fjoa^ e6pYjaet< xa elxoot 
Texxaoa ;cf>63(una, e5 u)V 6 xtujitxi? X^p^^ soviaxaxat. Schol. Arist. Ach. 211. Die 
äixoXood'oi des Chors Ar. Pac. v. 730: xciSs xa oxeoYj wapaSovxs^ xol^ otxoXood^ot^ 
?tt)fjLev 3(üCetv gehören nicht zu den Choreuten, obwohl sie mit denselben auf- 
getreten sind, sondern zu den Theaterdienem, welche in späterer Zeit 67rrjp83tat 
genannt werden. Vgl. Le Bas As. min. 281, 17. Ar. Eccl. v. 509: xal ji.Evxot a6 jiJv 
xaoxa^ xaxeüX(>e:«C' ist ebenfalls an solche Diener zu denken, die dem Chor beim 
Umkleiden behülflich sein sollen; hieraus ist auch Lysistr. v. 1021 ff., wo der 
Chor der Weiber den Männern die e5"*F'? wieder anzieht, auf Hülfe von Dienern 
zu schliessen. Auch in Eur. Cycl. v. 82 ff.: SK. 'si-^-fpax', o» xsxv', avxpa 5' ec 
::expYjf*8'^'/] itoijJLva^ aO-potaa: icpoaKoXoo^ xeXe'jaaxe . XO. y^topsix' • axap 5yj xiva, 
rectxep, aicooS-rjv exe:«;; kommen sie vor; Wieseler, Seen, und krit. Bemerk, zu 
Eurip. Kyklops, p. 11 nimmt deren 3 an und beschränkt desshalb den Chor auf 
12 Personen. 

*) 0. Müller, Eumen., p. 75 und Berqk a. a. O., p. 76. Bernhardy, Gr. 
Litt. II, 2, p. 101 denkt dagegen an Verdoppelung der alten Zwölfzahl des 
ti*agi8chen Chors, mit der man den Bedarf des komischen Agons zu decken ge- 
glaubt habe. 

*) Tzetzes Proll. ad. Lyc, p. 54 M., s. oben p. 203, A. 4, ist die Zahl 
unrichtig überliefert. Desselben Nachricht, Proll. ad Aristoph., p. XXIV, 
V. 107 ff. Dübner: ota-^opav jiaviVxve xtj; xtu^w^ia«;, yj? etxoatxeacaps«; ol /opsp- 
Y^xott, £xxa(?£xa o^ aaxüpwv, xpa^co^ta^, beruht offenbar auf einem Irrthum. 
O. Müller, Kl. Schriften I, p. 492. Wieseler, Satyrspiel, p. 30 ff. nimmt 
an, dass das Satyrspiel, auf welches sich das in den D. d. B. VI, 2 publicierte 
Vasenbild bezieht, 12 Choreuten gehabt habe, doch ist der Nachweis nicht 
ohne Bedenken. Derselbe in den Scenischen und krit. Bemerk, zu Eur. 
Kykl., 1). 30 A. 2 statuiert bei Euripides 12 Choreuten. Arnoldt, Chorische 
Technik des Euripides, p. 309 dagegen 15. Ebenso (i. Hermann, Ed. Cycl., 
pag. 34 f. 



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§. 16. Der Chor. 205 

Aufstellung und wird daher als tetfidtYwvoc bezeichnet '). Der tragische 
bestand aus 3 ator/ot (Rotten) zu je 5 Mann und aus 5 C^Ya (Glie- 
der) zu je 3 Mann; der komische aus 4 otot^oi zu je 6 Mann und 
6 C07Ä zu je 4 Mann ^). Da indessen die Tetragonalstellung bei den 
Taktikern eine quadratische Aufstellung ist, so ist es mögKch, dass 
auch beim dramatischen Chor durch Erweiterung der Abstände 
der einzelnen Nebenmänner in jedem C07ÖV eine quadratische Form 
hergestellt wurde*). Die Aufstellung konnte nun entweder xatd 
oTotxooc vorgenommen werden, so dass im tragischen Chor die Front 
3 Mann, die Tiefe 5 Mann, im komischen die Front 4 Mann, die 
Tiefe 6 Mann betrug, oder xatd C'^Y» mit einer Front und Tiefe von 
5 bezw. 3 Mann im tragischen, und von bezw. 6 und 4 Mann im 
komischen Chor*). Auf diejenige Formation, in welcher der xatd 
arol^o^C geordnete Chor von 15 Personen von der Seite der Heimath 
her in die Orchestra einzog, und welche hier zur Darstellung ge- 
bracht ist: 



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f^ 


^ 


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*"> 


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«, 




+ 


+ 


+ 


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atot/c 


5 


4 


3 


2 


1 




-f 


+ 


+ 


+ 


+ 


TC. ß' 


10 


9 


8 


7 


6 




+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


or. i 


15 


14 


13 


12 


11 





OXYjVTJ 

gehen die folgenden technischen Bezeichungen der Choreuten zurück. 



*) BekK£R, Anecd., p. 746, 27: ol ^ap y^o^^^'zaX aoxwv cv teTpaftuvc}) ox*'!" 
^ait laiapLEvot xa tü»v xpaYtxwv eiceBetxvovxo. Et. M. xpa^cpSta : xexpdtYtwvov elyov 
ol ^(^opeüxal ry^^^fß.. Tzetzes Proll. ad Lyc. a. a. 0.: xpa^ixÄv ^l xa: Gaxupixuiv xal 
xti>^ixu>v icotYjxwv xoivöv \Lky xö xexpaYwvu)^ ej^eiv bxdjJLevov x6v yopov. Vom ko- 
mischen Chor sagt dasselbe Vit. Arist. p. 158, A. zu v. 78, Westermann. 

*j Poll. IV, 108 : |J.Epi^ ^e y^o^ob oxty.yo^ xal C^fO^ > ^'»^ xpaYtxou jiev yro^ob 
^o-^ä TCEVxs ex xptÄv xal axöl)^&L tpsi? ex itevxe. — 109: b 51 xiü^jlixö^ X°P^^ xsxxape^ 
xal eixost -yjaav ol x^peoxal, Coya e5» exaaxov Sl Coy^v ex xexxapwv, axot^o'- ^^ tex- 
xaps^, §5 ävSpa; lyu>v exaaxo(; oxolyo^. Phot. 8. v. Cu^ov. Schol. Ar. Pac. 733. 

») KöcHLY, Gr. Kriegsschriftsteller 11, 2, p. 253. Aelian. Tact. 37, 9: irXtv- 
^lov 3e, eav ica'.^ ^piXa-fJ». 7:ph(; tzolzolk; 5|ia xag em^paveia? icapaxdcoY^xat xt? ev 
xexpaYtuvc}) c^'^l^^'^'- 

*) Poll. IV, 109 : xal xaxd xpsT^ jjlsv eioigeaav, et xaxd Ct>Y« Ytvotxo tj redpoSo; • 



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206 8- 16. Der Chor. 

Zunächst heissen die Choreuten des ator/oc a die apiOTepootdTai*). 
Für denselben wurden die schönsten Leute ausgewählt, weil der Chor 
bei dem Parademärsche, mit welchem er in die Orchestra einzog 
eben diesen oTor/oc den Zuschauern zukehrte^). In demselben nahm 
der Chorführer den dritten Platz ein*). Die Choreuten des orot/oc 
Y wurden als SsStoardTai oder Ssiiöozov/pi bezeichnet*), die des otot- 
•/o^ ß' hiessen Xaopoordtot und der ozolyj^ selbst dtcoxöXxiov zob X'^pob ; 
es war dies die am wenigsten geachtete Stelle^). Die Flügelmänner 
Nro. 1, 6, 11 und 5, 10, 15 hiessen xpaoTceStTat *). Welche Choreuten 



El 51 xaxa oxotyoü^, avd nivxz elaTg soav. Passow Lex. 8. v. zxoly(o^ und C^^ov giebt 
Falsches. Aus Xen. Anah. III, 4, 22 vgl. mit Arr. Tact. 4, 1, p. 265 K erhellt, 
dass in der Stellung xaiot axot)(^oo? die Männer eines zxolyo^ hintereinander 
stehen. Vgl. Arrian a. a. 0., p. 386 K. 

*) Poll. n, 161: xrjLja ok xat 6 apiaxepoaxdtYj^ ev X°PV 'cpo^Yjxo'. 5v tig api- 
GTSpd ük; 6 ^ajiootdrrj? ttJ Sejt^i. Schol. Aristid. III, p. 535 Dind.: oxe siOTgeGav 
ol X'^P^^ irXaYtt«? ßaStCovxe«; eitoioövxo xoi>^ 5fJ.vou^ xal elyov xoo? ^saxd? ev dpi- 
Gxepi^ aüxÄv xal ol ;cpd>xoi xoö '/opob dpiGxep^v axotyov. Vgl. Poll. lA^, 106. 
SoMMERBRODT, Scacn., p. 7. 

*) Schol. Aristid. III, p. 536 Dind.: 5^eivov oov "r^iLäq i^z^^a'sao^at, 8x'. h 
X0p6^, oxe etoigsi ev rf] ipyY|axpa, ^ eax: ^-ojAeXirj, ej apisxepwv aöxTj? eb-fjpyexo, tva 
eopsdij ex ^e^twv xoö ^pyovxo^ • xoo; oüv xaXou^ xwv yopeoxcov Ixaxxov elotovxe^ ev 
xol? xÄv laox&v aptsxepol^, Iva ebpz^öiT. 7cp6<; xov ^y^jiov 6pü»vxe;. Vgl. ibid. 
p. 535: elxa etcei?*^ fifev ev xot^ X^P**'^ "^^ e?)tovu^ov xijiicoxepov, ev ^k xol$ TCoXejio:? 
x6 Se^tov. 

') Phot. xptxo^ aptsxepoü • ev xol^ xpa^ixo:^ X^P**'^ xptÄv ovxcdv oxoix«» xal 
(xcevxe) C^fÄv, b ji.iv api^xepö^ np^? xü) ö-eaxpip tjv, 6 51 ^e^to; «pig xtj) KpooxYjviij). 
Oüve^atvev ouv x6v jjlIsov xoö aptaxepoö oxotyQ« "c^^v evxijioxaxYjV xal xr^v olov xoö 
T:pü)xo3xaxoo yjüa^av eneyetv xal Gxaotv. Bekker, Anecd., p. 444, 15: ap'.GxepooxaxYj«; 
ev Xü) xtojitxcj) xaXeixai X°P*i*» ^^ ^^ "^V 'cp^Y'^H* H-^^o? apicxepoö. 

*) Poll. IV, 106 erwähnt den 3e5tooxdrrj<;. Hes. ^eStoaxotxot • eplxai ol xaxd 
zb Se^töv {J-Ipo^ • xiO^xat 8i xal ei:l xop^oxÄv. 

*) Phot. Xaopocxdxaf }ieaoo xoö x^p^ö • olovel ^dp ev oxevojirc}) eloiv • cpaoXo- 
xspot ^l o&xot. Hes. XaopoGxdcxai • ol ev xol; pieGOi; {o^ol ovxe? ev xict oxevcuTCoI«; 
jjL-r] ^u>pou]JLevoc * ol ^k yelpoo^ piesoi taxavxat . ol 51 eTcixexaYJievot („qui chori officia 
peragere iussi sunt" Sommerbr.) Kpoixot xal eoxaxoi. Hes. ÖKoxoXirtov xoö x^p^" ' '^? 
oxctaeco^ X**>P*^ ^^ Äxi^oi. 0. Müller, Eum., p. 82 und Sommebbrodt a. a. 0., p. 8 
verstehen darunter nur die Choreuten 7. 8. 9. Schültze a. a. 0., p. 49 richtiger 
den ganzen gxoixo? ß'. Vgl. Muff, D. chor. Techn. d. Soph., p. 5, A. 3. 

•) Plut. Qu. conv. V, 5, 1, 4, p. 678 D: (Set) aöxoü(; ?e Si' eaoxdiv evxoYX°^^^''^ 
aXXY|Xot?, tüGKep yo^ob, xoö go^ttogioü xov xpaGTCeSixY|V x(b xopu^aliu güvyjxoov 
tyovxoi;. Vgl. Xen. Hell. III, 2, 16: xo?j<; 5i ireXxaGxa; IkX xa xpdtGJceSa Ixaxe« 
puiö^v xaO-tGxaGO-ai und Eur. Supi>l. 661. Sc^uvLTZE a. a. ()., \). 50. Etwas anderes 
Müller, Eum., p. 82 f. 



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§. 16. Der Chor. 207 

unter den <j>tXst?^) zu verstehen sind, ist nicht ganz klar; man hat 
sie mit den xpaarsSttot identificiert, wahrscheinUch jedoch ist der 
Ausdruck eine Bezeichnung fiir den dritten otot^o?, wenn der Chor 
Ttatd C«T* ^^^ Bühne zugewandt war. Der Chorführer hiess xopo- 
yato^*), T^^lfejwbv xopoyaio?^), xopcjatdrirj? *) oder /opaT^*?^)- Die Namen 
XOpo>ixn]? und x^po^otö«; *) scheinen den Chorlehrer zu bezeichnen. 
Die dem Chorführer von Sophokles beigegebenen beiden Halbchor- 
fiihrer hiessen itapaatdrat: sie hatten beim Einzüge xata aTot/oo«; 
ihren Platz vor und nach dem xopt>^to<; (Nro. 2 und 4). Die bei 
Aristoteles in Verbindung mit den Trapaordtot genannten tptToatdtat 
sind die Flügelmänner des oxoly(0(; a"'). In den sm|jL6X>jTat®) hat man 



*) Suid. t}/tXeü? • htC axpoo x^poö bxdjievo?. Hes. 4'^Xei^ • ol öaxatot x^peoovts^. 
Id. »{^[sJ-Aeoci xpaaTceSiüst. Schneider, A. Th., p. 199. Muff a. a. 0., p. 6. Der 
Text folgt KöcHLY, Gr. Kriegsschriftst. 11, 1, p. 10. 

*) Suid. xopocpalo?" 6 icpdiTO^ täv )(^opeüt(iiv. Schol. Ar. Plut. 953: xopo- 
cpalo? ior/jxcog- Kpwto«; opO-tu?. Ibid. 954. Themist. Or. XIII, p. 175: 6p^ . . . 
Äaiiep tv x.^p(f) TCpö^ TÖ cvSoatjxov toö xopu^atou xal 6 icptuxoatotTYjg xal 6 Äeotepo- 
stdtrr)? xtX Philostr. mai. Imagg. I, 3, p. 382 K.: xopo^ata hk toö yopoö 4] 
aXa»7rrj5 ^^^olkxoli, Athen. IV, p. 152 B : 5xav ^k irXetove«; aovSeticvdioi, xd^vxa» 
jj.lv SV xüxXif), \i.izo^ ^' 6 xpdxtoxo;, u»; fiv xopütpa^o^ x^poö. SoiolERBRODT a. a. 0., 
p. 9ff. 

•) Dem. Mid., p. 533, §. 60: -^v ^i äoO*' -t^y^H-"^^ "^i? foX-yj^ xopücpaio^. laxe 
5i ^4^1100 xQüO-', oxt x^v •fjfep.ova äv a^eXTp xt^, oTj^exa: 6 Xonzb^ X^9^^' 

*) Himerius Or. IX, §. 3 Wemsd.: h x^p^? otßdx/eoxo^ jj.^vet xoo x'^po^T^'^oo 
xsipievoo. Zonaras xopoaxitfi^ • 6 äp^wv xoö /opoö. Hes. /opo«3xaxd»v • ^opoö 
xaxdcpytuv. 

*) Hes. x°P*T^*S' St^aoxaXo^. ?4apxo<;. Plut. Apophth. Lac, p. 219 E.: 
AapLUivi^a^ xa^^et? ^^OX*"^®? '^^^ X°P^^ ^^^ '^'^^ '^^^ y/)p^^ bxd»vxo^, Eofe, eliiev, 
a> yippa-fi, E^eöpe^, «wg xal aox^ 4j x*"P°^ äxtjiog o&oa evxtfio«; •^ivrjxai. In dieser 
Bedeutung scheint die dorische Form üblicher gewesen zu sein, als die attische. 
Die Bezeichnung p.8o6xopO(; Athen. XIV, p. 152 B ; Philo lud., p. 862 ed. Francof. ; 
Plin. Ep. n, 14; Sidon. Apoll. I, 2; Schol. luv. XI, 170 ist vom kyklischen 
Chore hergenommen ; anders Schultze, p. 49. 

*) Suid. xop<>^^*T"'l< (falsch die Form yopohi%Tf[<-) - h xoö x^poö iz^ot^apyrnv. 
Ael. Hist. anim. XI, 1: tuaicep rx xoö y^ofio'Kkyi.xoo xb svSöotfiov Xaßovxe«;. XV, 5: 
?'l?a>3tv SiOKtp oüv cxpaxvjf i? xi oüvO-rjfia 9j x^po^s^'c^? '^b evS6atp.ov. PoU. IV, 106. 
— Xen. Ages. 2, 17: Skoo txctx^ 6k6 xoö x^po'^otoö. Aristid. XL VI, p. 211 
Dind: xat jxot iidvx' exelva r^ht] Xsfs» t^v vaoirrjY^v tu^ sl^ xd^tv xtO-rjot xd {üXa, 
xöv xsxxova (1)^ et? xdjtv xoo? XtO-oo?, x6v xopo«otov, xöv ovxtva ^YjKoxe. Beide nach 
SoMMERBRODT a. a. O., p. 13 ff. identisch mit dem xopocpatoi;. Dagegen Schultze 
a. a. O., p. 47. 

') Arist. Pol. in, 4: dvdfxi] jj-tj pitav slvai xyjv xd»v «oXtxÄv icdvxü>v dpsxYjv, 
Äa^ep 000^ xÄv y^opioimv xopucpaiou xal Tcapaoxdxoo. Id. Metaph. IV, 11: xaöxa 



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208 §. lö. Der Chor. 

polizeiliche Aufseher des Chors während der ganzen Zeit seiner 
Thätigkeit zu erkennen. 

Ein Chor von 12 Personen zog, xata atoi^oo«; geordnet, von der 
Seite der Heimath her in folgender Ordnung ein: 

3 2 



+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 



Der xopyato<;, welcher bei dieser Zahl zugleich den ersten Halbchor 
zu leiten hatte, war wahrscheinlich Nro. 2, Nro. 3 dagegen der 
Führer des zweiten Halbchors*). 

Der komische Chor war beim Einzüge von der Seite der Heimath 
her xata atotxotx; folgendemiaassen geordnet: 

4 3 



+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 




+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


M 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


m ■ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 





Choi^führer Nro. 3^), Halbchorfiihrer Nro. 4. 
Für den weniger üblichen Einzug xata C^T^^) ergeben sich folgende 
Formen. Für 15 Personen: 



S' sotIv 5aa itpo? xi Sv u>ptap.lvov 5t6Grrjxe xata xhv Xoyov, olov icapaotaxTj^ TpiTO- 
atatoo «pOTspov, xal «apavr^x^ vyjxtj^' ev^ jxiv •^äp h xopo^aTo^, fvOtx ^k 4^ H-^*'*'! 
ap/*/]. Erschöpfend behandelt von Muff a. a. 0., p. 1 1 ff. 

^j Suid. und Et. M. eiripLeXr^xat, iystpoxovoövTO tu»v yopwv, cu^ p.*)] aTaxtelv 
Too^ yopeoxa^ sv Tot<; ^edTpot«;, zu unterscheiden von den Poll. VIII, 89 genannten 
Gehülfen des <3tp/(iiv. Nach Sommerbrodt a. a. O., p. 218, A. 3 und Muff a. a. 0., 
p. 51 waren sie bestimmt, den Chor während der Darstellung in Ordnung zu 
halten. Richtiger Bernhardy, Gr. Litt. IT, 2, p. 100. 

*) So richtig Muff a. a. 0., p. 13. Schultze, p. 44, A. 3 schwankt 
zwischen Nro. 2 und 3. 

«) Nach Bekker, Anecd. p. 444, 15. S. oben p. 206, A. 3. 

') Poll. IV, 109: xal xata Tpel<; jj.^v sloTßsaav, et xaxa C^Y« '[i'^riiio Y| ;:dpoSo^. 
Für Arist. Ach. und Ran. angenommen von Arnoldt, Die ('horj>artieen bei 
Arist. S. 35 und 186. 



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für 1 2 Personen : 



für 24 Personen : 



§• 


16. : 


Der Chor. 




diatpov 




+ 


+ 


+ 


Cot- «' 


+ 


+ 


+ 


Cß' 


+ 


+ 


+ 


CT 


+ 


+ 


+ 


C 8- 


+ 


+ 


+ 


C s' 


8 

•^, 


C1 








■dcyjvtJ 






d^atpov 




4- 




+ 


+ 


+ 




+ 


+ 


f 




+ 


+ 


1- 




+ 


-h 




5X7jVr^ 






d^atpov 








12 




+ 


+ 


+ 


+ 6 


+ 


-1- 


+ 


H- 


+ 


+ 


-f- 


+ 


4- 


+ 


+ 


+ 3 


+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


-t- 


+ 


+ 1 



209 



_^ 



» >- 



Die Plätze des Chorführers^) und der oder des Parastaten lassen 
sich nicht bestimmen. 

Beim Einzüge xotta Oi^cL fallt die Möglichkeit fort, die besten 
Leute den Zuschauem besonders vorzuführen. Der Einmarsch von 
der Seite der Heimath her war der gewöhnliche, weil die Choreuten 
meistens am Orte der Handlung einheimische Personen darstellen; 

') Arnoldt a. a. 0., p. 185. 187 giebt dem Chorführer in diesem Falle 
den Platz Nro. 12; infolpre dessen steht derselbe während der Epeisodien und 
Stasima der Bühne völlijif fem. Christ, Metrik, p. 670 stellt ihn auf Nro. 3. 
Beim Fehlen aller Nachrichten ist eine feste Bestimmung unmöglich. 

Uermaan, Lehrbach UI. Ii. -^^ 



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210 §. 16. Der Chor. 

war dies nicht der Fall, so kam der Einzug von der Seite der 
Fremde her zur Anwendung. In der Stellung xata otot^ooc konnte 
man dann mit Leichtigkeit den besten atot^oc auf die Seite der Zu- 
schauer bringen ^), und in der Ordnung xata Ct>Ta war eventuell ebenso 
leicht der Chorführer in den ersten aToi)^o<; zu stellen. In allen 
Fällen zog der Musiker dem Chore voran 2). Für den Einzug xa^' 
ha oder oiropdÖTjv *), bei welchem die Choreuten die Orchestra einzeln 
betreten, lässt sich keine Regel aufstellen, weil es sich dabei um 
Einzelfalle handelt. 

Während seines Einzuges oder bald nach demselben sang der 
Chor ein Lied, welches TrdpoSo«; genannt wird. lieber den Begriff 
dieses Wortes ist viel verhandelt; es hat sich herausgestellt, dass die 
aristotelische Definition desselben als xpa>t>j X^Si<; oXyj tob /opoö die 
richtige ist, und dass man den ersten zusammenhangenden Vortrag 
des Chors als Parodos zu bezeichnen hat*). Nach den neuesten 



*) So auch Muff a. a. 0., p. 9. 

*) Schol. Arist. Vesp. 582: eö-o? S^ *?]> ev xaXz e^o^oi^ tu»v tyjc TpaY({>Bia5 X^P'" 
xAv wpootüittov icpo*r]f eio^t at>XY|T*qv, u»cts aoXoövca irpouEjJLitEtv. Schol. Aid. Arist. 
Nubb. 312: «poo'r^üXoüv ^äp toIc xpa^'-xot^ xal xolq xcDfiixol^, etc-tjüXoüv 51 icpOTp 
foopLEVüx; Tot<; xoxXiot«; x^poK- Schol. Arist. Pac. 531 : ev ^h lol^ latafievoK; x°P°^^> 
oog oüviGxaoav ol ^^opYj^ol Sti täv Atovüoitov, iravxü>^ xal aoXijxa? ^st «pooilvat. 
SoMMERBRODT a. a. O., p. 161. ScHüLTZE a. a. 0., p. 22. Myriantheüs, die 
Marschlieder des griech. Drama, p. 7. Muff a. a. 0., p. 30 f. Christ, Metrik, 
p. 673. Wieseler, Adversaria in Ar. Aves. Göttingen 1843, p. 37 ff. hat wahr- 
scheinlich gemacht, dass in den Aves beim Einzüge des Chors 4 Musiker voran- 
gehen. Gewöhnlich wird die Zahl der Auleten geringer gewesen sein; auf den 
Soterieninschriften erscheint nur je einer. 

•) Poll. IV, 109: Ecd-' 8xs ^k xal xaO-' iva bicoioüvxo xtjv irdpo^ov. Vit. Äesch., 
p. 119, 48 West.: xtv^^ Se tpaoiv ev rg eitt^etjßi 'C"*^ Eü|JLevi5tov ^icopdSfjv elaaYot- 
Yovxa xov yopöv xoooöxov exicX-rj^a» xiv S-yjjjLov, a>axs xa jikv vrjirta tY.'hb^at, xa hk 
Ijißpoa t^a\L^\oy^'^oLif eine Notiz, die nur beschränkt richtig ist. Jedenfalls hat 
ein solcher Einzug im Oedipus auf Kolonos (v. 117 ff.) stattgefunden. Myrian- 
theüs a. a. 0., p. 7. 

*) Hypothes. ad Aesch. Pers. : xuiv ^k yopÄv xa ^v eaxt ;capoStx(i, 3x2 Xt^et 
3t' -i^v alxiav ic(ip8oxiv, co? xö „Tüpiov oUp.a Xtrcoösa" (Eur. Phoen. 202), xd hk oxd- 
aijjLa, 8x8 taxaxat xal dpyexat Tt\^ oo/jupopd^ xoo 5pdp.axo?, xd ^k xojijJ.axtxd, 5xe 
XoiTzbv £v d-pYjvu) Y^vexat. Schol. Eur. Phoen. 202: xoöxo xb jilXo? cxdo'.fJLov \k^t- 
xaf 2xav fdp 6 yoph^ jiexd xtjv icdpoSov Xl^)? 'ct fieXo? Tcpö? x^v 6j:6^eaiv dvYjxov 
dxtvf]xo^ jj.6Vü)v, cxdGijJLOv X^Y^*^*' '^^ aojxa. Tcdpo^o^ 5e Eoxtv (m84] yopoö ßaStCovxog 
d^ojJLEVT] 5p.a x-g Eta63(}) tu; x6 „21^** ot^a Xetcx^v lyvo«; dp^oX-rj? xtd-sxe'* (Eur. Gr. 
140). Poll. rV, 108: •}] EtGoSo^ xoo yopoö Kdpo3o<; xaXelxat. Schol. Hephaest., 
p. 138 Gaisf.: oüxük; xaXsixat 4| K^toxt] xäv yopÄv etcI xtjv oxyjvtjv eiooSo?. 
lo. Tzetzes, De trag. poes. v. 35 ff.: yj :rdpooo^ [i.lv xol? Osaxat^ Seixvüsi, oC y^v 



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§. 16. Der Chor. 211 

Forschungen ^) auf diesem Gebiete sind nun in Betreif der Coincidenz 
des Choreinzuges mit der Tüptorrj Xi^u; drei Fälle zu unterscheiden. 
Zunächst zieht der Chor nach Schluss des 7rpöXo70<; unter Gesang 
in die Orchestra ein, wie in Aeschylos' Agamemnon ; Sophokles' Aias, 
Antigone, König Oedipus, Trachinierinnen ; Euripides' Alkestis, 
Helena, Rasendem Herakles, Hippolytos, Taurischer Iphigenie, Phoe- 
nissen, Kyklops und vielleicht Aulischer Iphigenie; Aristophanes' 
Achamern, Rittern, Wespen, Frieden und Plutos. Ein Einzug 
o^copaSYjv ist anzunehmen in Aeschylos' Sieben und Sophokles' Oedi- 
pus auf Kolonos. In diesem ersten Falle sind die Einzugslieder 
bald länger, bald kürzer; bei längeren ist vor dem Besteigen der 
Thymele ein förmlicher Parademarsch um das Halbrund der Orchestra, 
bei kürzeren directer Marsch zur Thymele vorauszusetzen. Auch 
lassen mehrere Einzugslieder, wie das in Sophokles' Antigone, darauf 
schliessen, dass der Chor bei einzelnen Theilen desselben stillstand. 
Zweitens zieht der Chor vor dem ersten Chorliede während des 
;cpöXo70? still ein, wie in Aeschylos' Prometheus, Choephoren; So- 
phokles' Elektra, Philoktet; Euripides' Andromache, Elektra, Hera- 
kliden, Ion, Medea, Orest, Troerinnen, Hekabe ; Aristophanes' Vögeln 
und Thesmophoriazusen. Endlich ist der Chor bereits bei Beginn 
des Stückes anwesend, und zwar in der Orchestra, wie in Aeschylos' 



xe icpmrr) xoy/OLVsi. <j>87jv 6 K?)xXet$Tj5 3^, Xsjiv ob Xef ei, 4)5'/|v yopob irptoTtoxov aü- 
tat^ si-jo^oi? u)«;* 3l*fa il'(Oi Xeicxiv tx^o<; apßoXfj^, zabxhv tax.« Xe-^oyte^ ev itoXXot^ 
Xo^o'.?. Dazu 0. Müller, Kl. Sehr. I, p. 509. Waldaestel, De tragoed. Grae- 
corum membris ex verbis Aristotelis recte constituendis. Neubrandenburg 1837. 
Th. KocK, Ueb. die Parodos der gr. Trag. Posen 1850. L. Schmidt, De parodi 
in trag. Gr. notione. Bonn 1855. Ascherson, De parodo et epiparodo tragoe- 
diarum Graec. Berlin 1856 und Umrisse der Gliederung des griechischen Drama. 
N. Jahrbb. f. Philol. Suppl. IV, p. 419—450. Aristot. Poet. 12: xop^^oö ^^ ««po- 
8o; jjifev •/] itpturri XsJk; 3Xoü yo^ob, was Westphal, Proll. ad Aesch., p. 57 ff. in 
Kptorr] Xs^k; oXfj xoö yo^ob verbessert hat. Vgl. desselben Metrik 11, p. 303. Süse- 
MiHL, Rh. Mus. XXVni, p. 336. Diese Aenderung ist fast allgemein anerkannt. 
Christ, Metrik, p. 690. Muff a. a. O., p. 29. Arnoldt, Die chorische Technik 
des Euripides, p. 117 ff. und 177. Es widersprechen Myriantheus a. a. 0., p. 7 
und Oehmichen, De compositione episodionim tragoediae Graecae externa. Er- 
langen 1881, p. 6 ff. — Dass auch der Einzug des Chors icapoSo«; hiess, bedarf 
kaum der Bemerkung. 

*) Myriantheus a. a. 0., p. 66 ff. und p. 122 ff. sowie an den jedes Stück 
betreffenden Stellen. Arnoldt, Chor. Techn. d. Eur., p. 117 ff., namentlich p. 174 ff. 
Muff a. a. O. bei der Analyse der einzelne« Stücke. 

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212 §. 16. Der Chor. 

Schutzflehenden und Persem sowie Euripides' Bakchen, oder auf der 
Bühne, wie in Aeschylos' Eumeniden und Euripides' Schutzflehenden. 
Als besondere Fälle sind zu bezeichnen der Vortrag zweier oder 
einer Strophe vor dem stillen Einzüge, wie in Aristophanes' Wolken 
und Fröschen, der getrennte Einzug des getheilten Chors in Aristo- 
phanes' Lysistrate und endlich der Einzeleinzug der Choreuten bei 
gänzlichem Fehlen der Parodos in Aristophanes' Ekklesiazusen. 

Einige Male verlässt der Chor während des Stückes das Theater 
ganz ((leTdataat?), um später wieder einzutreten (67ctirdpo8o<;) *). Dies 
geschieht nie ohne besonderen Grund, der theils in Scenenverwand- 
lungen, wie in Sophokles' Aias und Aeschylos' Eumeniden, theils in 
der Oekonomie des Stückes, wie in Euripides' Helena und Alkestis, 
sowie in Aristophanes' Ekklesiazusen zu suchen ist. 

Ueber die Stellungen, welche der Chor nach seiner Ankunft 
auf der Thymele einnahm, sind wir bei dem Mangel eingehender 
Nachrichten fast ganz auf Vermuthungen angewiesen; jedenfalls darf 
man drei Fälle unterscheiden, je nachdem der Chor der Bühne oder 
den Zuschauern zugewandt war, oder endHch die Choreuten einander 
gegenüber standen. Der erste FalP) wird stets dann eingetreten 
sein, wenn Schauspieler auf der Bühne waren, also während der 



*) Poll. IV, 108: xal -rj ji^v eIao$o^ toö )(opoö icdpoBo^ itaXekat, 4j Zk xaxoc 
yrpetav s^o^o^ m^ icdeXtv etGtovtwv jjLeTaaxaat^, 4j 8fe \itxä taorrjv EtaoSo^ rictirapoSo?. 
Schol. Vatic. Eur. Ale. v. 897: ^ovatat ^ap 6 X®P^*S Ht^taad-at t-^j«; cxyjvtj^, u>? 
xal ev A lavTt |iaaTiY0<p6pu). Cram. Anecd. Paris. I, p. 20 : si«ii<ipo$o^ $e eottv, oxav 
ixepo? X®P^*» ötcptxvelxai xoö icpoxepoo icapsXö^svxo?. Von einem zweiten Chore 
spricht auch lo. Tzetzes, De tra^. poes. v. 43 ff. und v. 109 ff. Vgl. Ascherson, 
De parodo, p. 27 ff. A. Müller, Scenische Fragen zu Eurip. Alkestis. Han- 
nover 1860, p. 10 ff. Muff a. a. O., p. 31 f. und 72 f. Westphal, ProU. zum 
Aesch., p. Xin. Schönborn, p. 137. 200. 212. 253. 331. Myriantheüs a. a. O., 
p. 16. 36. 52 ff. 87 ff. Westphal, Metr. II, p. 310 irrthümlich: „Wahrscheinlich 
wurde mit dem Namen Epiparodos das (in der Orchestra gesungene) zweite 
Chorikon solcher Dramen bezeichnet, in welcher das erste Chorikon (die Paro- 
dos) nicht in der Orchestra, sondern auf der Bühne gesungen wird. — Ueber 
Soph. Ai. und Aesch. Eum. s. oben p. 162, A. 4; über Eur. Helena p. 126, A. 1. 
Grund ist die Vorbereitung der Erkennungsscene. Eur. Ale. v. 746 jJLexaoxaat?, 
nach V. 861 eictirdpoSo^, um den Rettungsplan des Herakles vor Admet und dem 
Chore geheim zu halten. Arist. Eccl. v. 310 jisxctaxaot;, v. 478 ertiicdpoSo^. 

*) Proll. De com., p. XVII, VII, 2 Dübner : oxe jxlv TCpö<; xoü(; üitoxptxa? 
^leXe^exo, nphq xtjv oxijvyjv acpeuipa (6 X^P^?)? ibid. p. XX, 11: siosXl^wv oov 6 "/o- 
pi? et«; xTjv op)(^Y^oxpav piexpot«; xtol SteXe^exo xot<; ü:toxp!xal? xal irpi«; xtjv oxyjvyjV 
ltt»pa r?j^ xu>fjLU)^ia^. lo. Tzetzes ibid. p. XXIV, 24: oxyjvTjV 7:pb<; auxYjV -riv 
6p<Juv xuipLcpSia^. 



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§. 16. Der Chor. 



213 



Epeisodien, der xofitioi und während mancher Stasima, namentlich 
solcher, bei denen eine Theilung in Halbchöre nicht eintrat. Der 
dritte Fall *) ist wohl nur dann vorauszusetzen, wenn bei leerer Bühne 
sich der Chor in Halbchöre gliederte. Für die Anordnung der 
Choreuten in beiden Fällen liat man verschiedene Schemata auf- 
gestellt, dieselben haben jedoch nur den Werth mehr oder weniger 
annehmbarer Vermuthungen ^). Insbesondere ist es eine Streitfrage, 



*) Proll. De com. p. XX, 17 Dübn. : aiteXS-oviuiv ^k tdiv öicoxpiTtov izpbq 
ajJL'fOTEpa m p.sp*r] xoö ^r^oo 6p(j>v ex TiTpajiexpoo Sexa^i 'zxiyoot; avaitaiOTOu^ 
stpO'^fT^'^^' '^^^^ toöTo exaXslxo axpo<p*r] deutet wenigstens auf diese Stellung hin. 
Hephaest. 14, p. 131 : ?oxt ^i xt^ h xaX^ xa>jic})8tat5 xal -fj xaXof)jJ.8V7j Tcapa- 
ßagig, SKcSav EtseXO^vxc^ tl? zb O-eaxpov xal avxtspoatuicov aXXvjXo'.^ axdvxs^ ol 
Xopsüxal irapsßatvov, wobei zu bemerken ist, dass die Parabase nie nach einem 
Stasimon eintritt. Vgl. Arnoldt, Die Chorpartieen bei Aristophanes, p. 191 f. 
Xen. Anab. V, 4, 12: faxYj^av ötva exaxöv p.dXt-sxa oiov x^^p^^ dvxtaxotxoövxe«; dXX-r^- 
Xot<;. Id. Conv. 2, 20. Schemata dieser Stellung für 12 Personen Muff a. a. 0., 
p. 79 ; für 15 Personen Büchholtz, Tanzkunst des Euripides, p. 87, jedoch 
schwerlich richtig; für 24 Personen Arnoldt, Aristoph., p. 185 flf. Vgl. im Allg. 
ibid., p. 188 f. 

*) Für den ungetheilten Chor Christ, Metrik, p. 670 nach Hbnse, Chor 

des Sophokles, p. 20: 

axY]'/^ 

2 1 3 

• 7^ • 



WO l der Chorführer, 2 und 3 die Parastaten sind ; MuKF a. a. ()., p. 217 für 

die Stellung xotxa oxo'lyoo;: 

ax-rjv-fj 

1 3 



vgl. p. 285, 307, 313. Ebendaselbst p. 19 und 137 für die Halbchorstellung 

ox-rjvYi 
1 

2^3 



von Arnoldt, Eurip., p. 230 falsch wiedergegeben. Vgl. femer Muff, p. 79. 



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214 §. lö. I>er Chor. 

ob der Chor nach Besteigung der Thymele aus der Stellung xata 
oToixo^C durch eine Viertelwendung nach rechts in die Stellung xata 
Co^d übergegangen sei, wo dann der Chorfülirer seinen Platz im 
dritten aTOi)^o<; gehabt haben ^iirde, oder ob eine Rechtsschwenkung 
vollzogen sei, infolge deren die aptatspoatatat den ersten (jzolyp^ der 
Bühne gegenüber gebildet hätten ^). Für die letztere Ansicht spricht 
abgesehen davon, dass so der Chorführer in eine seinen Functionen 
angemessene Stellung gebracht wurde, die Bezeichnung der aptatepo- 
ordtot als itfxoToaTÄTat imd der beiden anderen atoi/ot als SsoTspoatdtat 
bezw. TptTooTiTot, welche nur auf die Stellung Tcata Co^a mit der 
Front nach der Bühne zu bezogen werden kann^). Der zweite der 
genannten Fälle endlich wurde nur in der Parabase der Komödie 
praktisch, in der sich der Chor den Zuschauern zuwandte und die- 
selben anredete ®). Es ist nun zweifelhaft, ob die Umkehr nach den 



261. 279. Arnoldt, Euripid., p. 228. 229. 230. Id. Aristoph., p. 151. 185 f. 
Daselbst p. 184 ist die Litteratur für die Chorstellungen vollständig citiert. 
Vgl. Abnold bei Baumeister a. a. 0., p. 387. Für die Parabase s. Christ, 
Metrik, p. 667. 

*) 0. Müller, Eumen., p. 82 (vgl. Anhang, p. 37) setzte den Chorführer 
auf die Thymele, in der er einen Altar sah, und liess ihn über die beiden an- 
deren Reihen weg mit den Bühnenpersonen sprechen. Die zweite Ansicht 
machte G. Herhann, Opusc. VI, 2, p. 144 geltend. In die dritte Reihe setzen 
den Koryphäos Schultze a. a. 0., p. 44; Arnoldt, Aristoph., p. 187, Euripid., 
p. 228; Muff a. a. 0., p. 9 folgt dagegen mit Recht Hermann. 

*) Im Kriegswesen hiessen in . einem cxolxo^ die Männer mit ungerader 
Nummer itpcoToatctTat, die mit gerader Nummer e?ctaxdxai. Ael. Tact. 5. Köchly, 
Gr. Kriegswesen, p. 107. Damit stimmt Poll. I, 127: xal h jib ex ^sj'-ä; toö 
irptoTOü CofOü «ptuTOoxarr]^, xal :cäv xh jiExa>:iov Tcpüoxoaxdxat. Im Kriegswesen 
haftet der Name also an einem CofO'-'» im Bühnenwesen jedoch waren die irpü>xo- 
oxdxat die ersten Männer jedes C'^Y^v, und daher bezeichnet der Name einen 
oxor/o^. Hes. dptoxspooxdxYj; • h TcptoxoaxdxYj; xoö yopoö. Schol. Aristid. III, 
p. 535 Dind.: xal ol irpÄxot xoo yopoö dptaxcpiv axolyov (seil, etyov). Wenn 
Schultze, p. 44 und Muff, p. 5 das trpojxo^ vom Zuschauer aus rechnen wollen, 
so steht dem entgegen, dass der Chor mit Ausnahme der Parabase und der 
dvxtirpoacDTtov-Stellung den Zuschauem den Rücken zukehrte, und man die Zählung 
der oxoi/ot doch im Theaterweseu ebenso wie im Kriegswesen von der Front 
aus angefangen haben wird. Der 5soxepo3xdxY]<; und xptxoaxdxf]^- werden Poll. 
IV, 106 erwähnt. Die erforderliche Schwenkung wird vielleicht angedeutet Ar. 
Av. 353. Die Notiz Bekker, Anecd., p. 112, 26: «ptuxoßaO-pot • ev xa»^ oxf|vat<; 
ol jcpAxot x(ov yopspjxÄv ioxtoxs; erklärt Berniurdy, Gr. Litt. II, 2, p. 93 für ein 
Missverständniss. 

•) Schol. Arist. Eq. 508: Xrcexai 51 Tiapdßaat^ •i^xot e;c£i5'i] dtryjxxat xtj; 5XXy]? 
67coO>saeu>^ y| sicst^Yj riapaßaivet 6 X^P^^ "^^^ x6;cov. iaxäot fi^v Y^p xaxd axolyov 



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§. 16. Der Chor. 215 

Zuschauem durch eine halbe Wendung hergestellt wurde, oder durch 
eine förmliche Schwenkung *). Jedenfalls wurde die Wendung wäh- 
rend des xo(i|jLdTtov vollzogen; dass während der Ausführung des 
zweiten Haupttheils der Parabase eine Trennung in Halbchöre ein- 
trat, ist sehr wahrscheinHch^). 

Uass sich von der Regel, nach welcher der Chor ebensowenig 
die Bühne betrat, wie die Schauspieler die Orchestra ^), einige Aus- 
nahmen finden, ist bereits hervorgehoben*). 



(ol) Kpö^ rrjv op)^*f|OTpav (gleich Xo^etov) aicoßXjTcovTe^ • 3xav hk icapaßtüotv, e^s^*^^ 
iaxtt»T35 xal izph^ xot>^ O-eati^ ßXiitovxs^ x6v Xofov iroioüvrot. Diesen Worten fiigt 
Suid. 8. V. jcapdßast^ noch hinzu : slxa ^teXO-ovxc^ xvjv xoXoojiivirjv icapdßasiv eaxpi- 
^ovxo KoXiv sl^ rf]v itpoxepav axdtstv. Eine bestimmte ChorsMlung ist indess 
durch diese Worte nicht indiciert. Poll. IV, Ulf.; Hephaest., p. 71; Hes. ava- 
Tcatoxa; ProU. De comoed. Dübner I, 44; VII; IX (p. XX, 3) und viele andere 
Stellen; vollständig aufgeführt bei Arnoldt, Aristoph., p. 140. Kolster, De 
parabasi veteris comoediae Atticae parte antiquissima. Altona 1829. KocK, De 
parabasi, antiquae comoediae Atticae interludio. Anclam 1856. Aqthb, Die 
Parabase und die Zwischenakte der alt-attischen Komödie. Altona 1866, Anhang 
dazu das. 1868. Westphal, Proll. zu Aesch., p. 38 ff. Muff, Ueber den Vor- 
trag der chorischen Partieen bei Aristophanes. Halle 1872, p. 86 ff., und was 
sonst Arnoldt, Aristophanes, p. 140 citiert. 

*) Für die blosse Umkehr sprechen Stellen wie Proll. De com., p. XIII, 
47 Dübner: 6 '/o^h(; 6i;c6jXpo?pov eiroistxo; ibid., p. XVII, VII, 4: irpö? xiv St^jjlov 
a?ce3xpecf»exo, p. XXV, Xc, 26: o xal oxpo(pY|V sT/iy]v.z x4jv xkrpiy cpepov. Dafür 
Arnoldt, nach seinen Arist., p. 185 f. für die Choi'stellungen gegebenen Schematen, 
der auch während der Epeisodien und Stasima den Chorführer den Zuschauem 
zunächst stehen lässt. Für eine Schwenkung spricht der Ausdruck icapaßatvetv 
xov x6:cov und Schol. Ar. Pac. 733: sapaßastv txdXouv aizb xoö Äapaßaivztv xöv 
Xop6v aitb X7]^ v8vopLt3^evt]^ oxdasw^ sl<; xy]v xavxavxtxpu xoö O^dxpoo o'^tv . . . toxpc- 
vpsxo hl b yopb^ xal r^ivovxo axol)^ot 5'. eixa ocsXO-ovxs? xtjv xaXoüjJ.6V7]v napdßaaiv 
eoxps^ovxo saXtv et^ xy^v itpoxepav oxd-tv. o*rjXov 5* jroioöotv auxol ol itotYjXcxt, x6 
axpscps-sO'at o-f]}jLaivovxs(; xal x6 jcapaßatvsiv. KocK a. a. 0., p. 7 ff., Agthb a. a. 0. 
(1866), p. 32 ff. bringen mit der Wendung eine Veränderung der Stellung xaxd 
Gxoi/ou? in die xaxd Cü'fd in Verbindung. Für die als wahrscheinlicher anzu- 
sehende Schwenkung s. Myriantheus a. a. 0., p. 17 ff.; Muff, Arist., p. 86 ff., 
Chrlst, Metrik, p. 666 ff. Schwerlich zu billigen Westphal, Metrik U, p. 313, 
der die Choreuten sich zu beiden Seiten der Thymele (im Sinne eines Altars) 
ordnen lässt. 

*) Arnoldt, Arist., p. 144. Christ, Metrik, p. 666 f. Westphal, Metrik II, 
p. 313. Handschriftlich überliefert in Rav. bezw. Ven. Ach. 1150. 1162. Nubb. 
563. 595. Vesp. 1060. 1091. Av. 737. 769. 1058. 1088. Muff, Arist, p. 91 
denkt an Gresang des Gesammtchors. 

') Poll. IV, 123: xal oxirjvr| |xlv üjroxpixoiv ISiov, -rj 51 op^-rjaxpa xoö y(opob. 

*) S. oben p. 124 ff. 



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216 §• 16- Der Chor. 

Ueber die Exodos ist nur zu bemerken, dass der Chor auf 
directem Wege von der Thymele zur Parodos wahrscheinlich in der 
Weise geordnet abmai'schierte, in welcher er von der der Seite des 
Abzuges entgegengesetzten Parodos her einzuziehen pflegte. Auch bei 
der Exodos schritt der Flötenspieler voran ^), der während der Auf- 
führung seinen Platz auf der Thymele gehabt hatte ^). 

Was nun die Frage nach dem Vortrage der chorischen Partieen 
betrifft, so ist dieselbe namentlich in den letzten Jahren ausser- 
ordenthch oft behandelt worden^). Trotz des grossen in den be- 



^) Vgl. oben p. 136, A. 1. Muff, Arist., p. 97 ; id. Soph., p. 45. 87. 121 
und öfter. Arnoldt, Eurip., p. 350 f. Myriantheüs, p. 20. Christ, Metrik, 
p. 260. 673. 

*) Zur Flötenbegleitung der Chöre Schol. Aristot. Nubb. 313: k^os- 
YjoXoov Y^p *«i "^^H tpafüiStai^ xal xof^ xoxXtot^ Y,opol(;, Schol. Soph. Trach. 
217: KpeO^iCet y*P ^ at)Xö^ xi^ icap^evoo; npbq T-rjv ;^opeiav. Vgl. Stellen, 
an denen die Begleitung eines Saiteninstrumentes ausgeschlossen wird: Aesch. 
Agam. V. 990: töv 5' 5veo Xopa«; 8p.ü)? 6|Jiv(}){ei O-pTjvov xxX. und Eur. Hei. 
V. 184: fv^ev olxxpöv 3p.a^ov IxXoov, ^Xupov eXs^ov. Femer Soph. Oed. R. v. 186: 
KOüäv 81 Xdc^icsi oxovoeooa xe ftipo? SjJiaoXo? und Eur. Ale. v. 445 ff.: itoXXd o« 
}j.ooaoic6Xoi p.iX^j'Ooot xaÄ-' ^icxdtxovov x' öpstav -/(iXoy fv x' aXupot^ xXeovxe? 5jA.vot?, 
die sich nicht auf dramatische Chöre beziehen. Mitunter kam jedoch auch Be- 
gleitimg von Saiteninstrumenten vor nach Sext. Empir., p. 751, 17 Bekk. : (ocau- 
x(o^ ^h (sc. Kpb<; Xopav "jj^ixo) xal xa icapi zolq x^a^moiq p-eX-rj xotl oxdatjia «pootxov 
xtva f/ovxoL Xo-j-ov. Vgl. die Lyra auf dem das Satyrspiel betreffenden Vasen- 
gemälde bei WiESELKR, D. d. B. VI, 2. Christ, Parakataloge, p. 29. 35. 47. 
Metrik, p. 649, Myriantheüs a. a. O., p. 7. Oben p. 192, A. 3. 

*) Aus der umfangreichen Litteratur nennen wir das Wichtigste. Tyrwhitt 
im Commentar zu Aristot. Poet., p. 153: „totus chorus numquam, opinor, nisi 
cantu loquebatur" und „in meris sermonibus coryphaeus unus pro sociis verba 
faciebat." Ct. Hermann, De choro Eumenid. I, p. 9 (= Opusc. 11, p. 130), nach 
dem Aesch. Ag. 1344 — 1371 sämmtliche Choreuten einzeln zu Worte kommen. 
0. Müller, Eumen., p. 71 — 99. Bamberger, De carminibus Aeschyleis a parti- 
bus chori cantatis. Marburg 1832. Gr. Hermann, De choro Vesparum. Leipzig 
1843. Heimsoeth, Vom Vortrag des Chors in den griechischen Dramen (1841) 
verlangte entschieden überall Vortrag des Gesammtchors. Neuerdings für Aeschy- 
los: Muff, De choro Persarum fabulae Aeschyleae. Halle 1878. Id. Der Chor 
in den Sieben des Aesch. Halle 1882. Arnoldt, Der Chor im Agam. des 
Aesch. scenisch erläutert. Halle 1881. Wecklein, Technik und Vortrag der 
Chorgesänge des Aesch. N. Jahrbb. für Phil. Suppl. XIII, p. 215 ff. — Für 
Sophokles: Muff, Die chorische Technik des Soph. Halle 1877. 0. Hensk, 
Der Chor des Soph. Berlin 1877. Derselbe, Recension des Buches von Muff, 
N. Jahrbb. 1878, Bd. 117, p. 1 ff. 81 ff. 145 ff. Derselbe, Heber die Vortrags- 
weise Sophokl. Stasima, Rh. Mus. XXXII, p. 489 ff. Hoppe, Ueb. d. Vortrag 
d. chorischen Interloquien bei Soph., Wissensch. Monatsbl. VII, p. 141 ff. — Für 



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§. 16. Der Chor. 217 

treffenden, nach vielen Seiten liin höchst forderHchen, Forschungen 
bewiesenen Scharfsinnes sind jedoch nur in geringem Grade allge- 
mein anerkannte Resultate erzielt, da bei ungenügenden Nachrichten 
der Alten und schwachen Anhaltspunkten in der Ueberheferung die 
Forscher sich im Wesentlichen auf die Analyse der Chorgesänge 
selbst nach ihrem Inhalte sowie nach ihrer metrischen und gramma- 
tischen Form angewiesen sahen, und bei dieser die Ansichten oft 
weit auseinander gingen. Es ist sogar schon bezweifelt, ob es über- 
all möglich sei, ein deutliches Bild von dem Vortrage der Chor- 
gesänge zu gewinnen ^). Um so mehr haben vsir uns hier auf die 
Hervorhebung allgemeiner Gesichtspunkte zu beschränken. Wir be- 
merken in dieser Beziehung zunächst, dass hinsichtUch der Zahl der 
Vortragenden folgende Fälle unterschieden werden können: Einzel- 
vortrag des Koryphäos, der Parastaten oder der anderen Choreuten, 
Vortrag der ^otyot oder C'^r^? Vortrag der Halbchöre und endlich 
Vortrag des Gesammtchors. Hinsichtlich der Weise des Vortrags 
sind auch hier wieder einfache Declamation, Gesang und Parakata- 
loge möglich. 

Der Koryphäos zunächst hat als Leiter des Chors im Dialog mit 
den Bühnenpersonen die chorische Partie zu übernehmen und reci- 
tiert vielleicht die Einzugs- und Auszugsanapästen der Parodos und 
Exodos, sowie die anapästischen Hypermetra während des Stückes^); 

Euripides: Hense, De lonia fabulae Euripideac partibus choricis. 1876. Arnoldt, 
Die chorische Technik des Eiiripides. Halle 1878. Wecklkin, Recension dieses 
Buches, Ztschr. für (Tymnasialw. XXXII, p. 470 if. Fecht, Quaest. choricae 
Euripid. Freiburg 1878. — Für Aristophanes : Muff, Ueb. den Vortrag der 
chorischen Partieen bei Aristophanes. Halle 1872. Arnoldt, Die Chorpartieen 
bei Arist. scenisch erläutert. Leipzig 1873. — Ueber den Vortrag der Halb- 
chöre handelt besonders Christ, Theilung des Chors im attischen Drama. Abhdl. 
der bayrischen Akad. XIV, p. 198 ft'. ; über den der Marschlieder Myriantheus, 
Die Marschlieder des griech. Drama. München 1873. Vgl. ferner Christ, Die 
Parakataloge im griech. und röm. Drama. Abhdl. d. bayr. Akad. XIII, p. 155 ff. 

*) Zacher, Ueb. d. faktische und praktische Darstellung antiker Dichtwerke 
mit besonderer Berücksichtigung des Chors. Vhdl. der 33. Philol.-Vers. zu Gera, 
p. 64-73. 

*) Gegen Arnoldt, der (Chor im Agamemnon des Aesch. scen. erläutert, 
p. 20 und 22) den anapästischen Theil der Parodos dem Chorführer giebt, 
macht Gührauer in Bursian's Jahresb. XLIV, p. 32 f. geltend, dass der Chor 
schwerlich nach dem gesprochenen Worte eines Einzelnen marschiert sei; das 
Eintreten dos Chors bedeute das Hinzutreten des musikalisch - lyrischen Ele- 
mentes, und der Chor müsse sich als eine Mehrheit charakterisieren. Derselbe 



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218 §. 16. Der Chor. 

das Maass seiner Betheiligung am Vortrage der xojijiot, namentlich 
inwieweit er etwa mit den beiden Parastaten und Tritostaten seines 
Gzoly(0(; abwechselt oder auch ganz schweigt, bleibt zweifelhaft. In 
der Parabase föllt ihm der Vortrag des xo[jL(JL^Ttov, der ovdxat'^TOt, des 
Tcvi^o^ und des 67:ippY)(ia oder auch des avtsTctppYjjia zu. Die Trimeter 
des Dialogs werden einfach declamiert; Trimeter, welche mit lyri- 
schen Partieen in enger Verbindung stehen, sowie die Tetrameter und 
Anapästen werden parakatalogisch vorgetragen; betheiligte sich der 
Koryphäos am Vortrage der xopipiot und atdot|xa, so hatte er zu 
singen. 

Ueber den Vortrag einzelner Choreuten haben wir nur sehr 
dürftige Nachrichten bei den SchoUasten *); Hense hat in der Abc- 
tragödie des Kallias einen Beweis gefunden^), und da Einzelvortrag 
handschiiftUch bestätigt mrd, wie in Aristophanes' Lysistrate^) und 
aus manchen Stellen, von denen wir nur Aeschylos' Agamemnon 
V. 1344—1371 und Eumeniden v. 585—608 anführen, mit Sicherheit 
auf denselben geschlossen werden darf, so unterliegt es keinem 
Zweifel, dass Einzel Vortrag stattgefunden hat, nur wird man den- 
selben, was die melischen Partien anbetrifft, mehr in den xo(i|ioC, als 
in den otdai|JLa anzunehmen haben. Für den Vortrag der oTor;(ot 
und C^Y« giebt es keine Nachrichten, höchstens könnte man ein 

warnt davor, in melischeu Partieen aus den Gedankengruppen Rückschlüsse auf 
die Vortragsart zu machen, da wir mit dem musikalischen Elemente der Auf- 
fuhrungen unbekannt seien. 

*) Schol. Aesch. Eum. 140: ava^t-f^aet aüxd; oox aÖ-poox; fiifi.ofjjievo5 sfj-^paTtxwc; 
TYjy aX-fjö-etav, aXX' t-^Bi^sxai xt^ Kpcux^, («axs jj.*r] aO-pow^ töv yop6v '^O-eY^^^O^:. 
Schol. Aesch. Agam. 1347 : wevxExatSexa stolv ol xoö xpaftxoö yopoö ojcoxpixal xa». 
ixa3X0(; aoxdiv öiGxtyov Y^^^H-'^iv Ki'^ei • elitovxcoy ok xuiv tß', «piv xal xoü^ jcevxcxat- 
5exa eticeiv, TcpoXaßoöaa e4*'1'^^v 4] KXoxatjiVTjOxpa. a[i.tjiYjXov ^ap l^exa xb KOLYza^ 
etTCsiv xd^ otxeia^ f'^"^!^'*? a>G?cep d;r6 oov^jjiaxo«; xtvo? xoxe ejs^^iv X7]v f'>voctxa. 

*) Hense, Die Abctragödie des Kallias und die !Medea des Euripides, 
Rh. Mus. XXXI, p. 582 ff., beruhend auf Athen. VII, p. 276 A: xal ^dp KaXXiav 
bxopei (seil. KXIapyo?) xov 'AO-rjvatov •^pfx\i.iirxxiY,r^v auvO-eiva: xpaYü>5tav, d^' «rjc: 
KOir^za: xd jieXy] xa? x-rjv ^idO-eotv Kopiix'l^fiv ev Mfj^eia xal Xo'f oxXea x6v Olotitoov. 
Ibid. X, p. 453 C, wo eine genauere Beschreibung derselben gegeben ist und 
hinzugefügt wird: mzxe x^jv Eüp'.ixi^Tjv \i.ri jiovov oTrovoslaO-at x^/jv MY|$Etav evxsöO^v 
;c£TCOtY)xevai ;cdaav, dXXd xal x6 jjlsXo^ aoxö piexsvTjvoyoxa ^avep6v elvai. S. jedoch 
die Bedenken von Wkcklein in Bursian's Jahresb. V, p. 83 und Buohholtz 
ibid. IX, p. 16. 

') Im Rav. steht vor einer Anzahl von Versen, z. B. 696, 735, 742, 758, 
760 das Wort aXXY|. 



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§. 16. Der Chor. 219 

Scholion zu Aeschylos' Sieben darauf beziehen*), indessen ist aus 
inneren Gründen sehr oft auf denselben geschlossen worden, und 
die Möglichkeit einer Vertheilung der ChorUeder an solche Gruppen 
ist durchaus nicht zu leugnen. Für die Theilung des Chors in f^jii- 
XÖpta endlich sprechen die Scholiasten ^) und die handscliriftliche 
Ueberlieferung an vielen Stellen des Aristophanes, namentlich in 
Betreff der Strophe und Antistrophe der Parabasen^): gesichert ist 
dieselbe durch die Handlung des Stückes in Sophokles' Aias bei der 
(UTdataat<; und l7ci:cdpoSo<; des Chors ^) ; Muff hat aus inneren Gründen 
die Strophen und Antistrophen fast aller Stasima des Sophokles 
den Hemichorien zugetheilt, während er die Epoden vom Gesammt- 
chor singen lässt^); dagegen sind Wecklein für Aeschylos und 
Arnoldt für Euripides der Ansicht •), dass wer die Strophe singe, 
auch die Antistrophe vortrage. 

Von dieser Theilung des Chors zum Zweck des Vortrages 
scheint die Siy(opia. oder ivri/opta^) getrennt werden zu müssen; sie 
fand zwar ebenfalls in dem Hauptchore statt und darf nicht mit 
den Parachoregemen verwechselt werden, ist aber wahrscheinlich nur 
dann anzunehmen, wenn der Chor, durch das ganze Stück hindurch 
in zwei durch Geschlecht oder Alter und dgl. unterschiedene Gruppen 
zerfällt. So bestand der Chor in Aristophanes' Vögeln ^) und Lysi- 

*) Schol. Aesch. Sept. 97 : taöta os tive? xihv xoö yopoö YovatxAv npö^ xa? 
£tjpa<; cpaaiv. Besonders gefordert von Hense, Chor des Soph., p. 5. 12. 

*; Schol. Arist. Ran. 372: siaO^sat? kepa jieXoo? jJLovoaxpO'^txoö $tatped4vtO(; 
xoö x^poö. 398. 440. Jedoch am Ende des erstgenannten Scholions: tvxtöd-ev 
\\ptaxap)(o? oKEvoirjae |i*r] oXoo xoö yopoö etvat xa ;:ptt>xa. xoöxo ^i oüx a^towtaxov 
TioXXdxt^ -fäp OLKkr^Xoi^ o5xü> irapaxsXeuovxat (ot :c£pl xov yopov). 

®) Zusammengestellt von Arnoldt, Aristoph., p. 180 f., imd in Betreff der 
Parabasen ibid., p. 144. Wahrscheinlich sind jedoch diese Angaben zum Theil 
unrichtig, wie ich das für den Cod. Rav. hinsichtlich Arist. Ach. 557. 560. 
575. 57t) constatieren kann. 

*) Soph. Aias 814. Muff, Soph., p. 70. Anders Schönborn, p. 253. 

*) So auch Chrlst, Metrik, p. 652. 

^) Wecklein, Chorges. d. Aesch., p. 238. Arnoldt, Eurip., p. 212. 

^) Poll. IV, 107: xal 4]jxiy6piov ^h xal Btyopta xal avxtyopta (avxtyopta Bekk.). 
soixe 5o xa^jxöv stvat xaoxl xa xpia ov6}JLaxa • oicoxav f «p ^ X^P^*^ ^^^ ^'^^ F^^P*'! 
xp.1]^, xb fj.lv icpai'fj.a xotXetxat ^lyopta, ixaxspa ?e 4j |J.otpa Y]|j.iy6ptov, a ^' QtvxqL- 
oooatv ivxtyop'.a. Hes. 5tyopiaCstv • ev 56o /opoi<; «Jfostv. S. ScHULTZB, a. a. O., p. 52 f. 

®) Schol. Arist. Eq. 589: afjvet-sxYjxst 51 6 X^P^^ ^ P-^''^ xcupxö^ e4 av^pÄv 
Tj^Yj xal Yovatxcüy ojioö 5i xal ex ;:ai3oiv x5', tu^ xal ooxo^ artYjptO'|J.7]3Ev ev ^'Opvtgtv 
äppeva«; [aIv ^pvt<; iß', OnrjXeta^ ?ji xoaauxa^. 



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220 §. lö. Der Chor. 

strate aus einer männlichen und einer weiblichen Gruppe von gleicher 
Stärke. In den erhaltenen Tragödien existiert kein Beispiel; es ist 
jedoch 8t5(0(>ia mit Recht für Phrynichos' Phönissen *), ohne Grund 
für die Schutzflehenden des Aeschylos ^) und Euripides ^) angenommen 
worden. Die merkwürdige Nachricht, der zufolge bei der Styopta 
in der Komödie auf die nach Alter und Geschlecht angesehenere 
Gruppe 13, auf die andere nur 11 Choreuten entfallen seien, scheint 
auf einem Irrthume zu beruhen^). 

Dass der dramatische Chorgesang mit Tanz verbunden war, ist 
von vornherein um so wahrscheinUcher, als die Tragödie sich aus 
dem Dithyrambus entwickelt hat, und die Verbindung von Gesang 
und Tanz in dem Wesen der griechischen Lyrik lag; es spricht da- 
für die Bezeichnung öp/Tj'3Tpa und der Umstand, dass dramatische 
Dichter op'/rpzal^) genannt Avurden; endlich ist die Sache auch viel- 



») 0. Müller, Ind. schol. Gotting. 1835/6. Welcher, Gr. Trag. I, p. 26. 
ScHULTZE a. a. 0., p. 53. 

*) Aesch. Suppl. V. 954 : 6|Jist5 ^h ^d-at oi)v '^iXat? <»rtaoat O-pdso^ Xaßoöaat 
OTEiyex' 86epxYj tcoXiv. v. 977: xacjead-s, cpiXa; ^fiwi^e?, ootw^, o)'; ecp' Sxdtotiß 5t8- 
xXYjpa)3ev Aavaö ö-epaTiovTi^a? 'fsp'/tjv. v. 1022: '^KoSe^aa^E 5' oica^ol jxeXo^. 
BoECKH, Trag. Gr. princ, p. 61 f., dem Schültzk a. a. 0. beistimmt. Wecklein, 
Vortr. d. Chorges. d. Aesch., p. 228 lässt dagegen richtig zu dem Hauptchor 
wie in den Eumeniden einen Ne])enchor treten. Vgl. dens. Philol. XLUI, p. 715. 
Aehnlich Schönborn, p. 289. Es fehlt indessen jede Andeutung von dem Auf- 
treten dieses Nebenchors, der als Parachoregem zu charakterisieren ist. G. Her- 
mann ad v. 992 (1023 Dind.) wollte von Dienerinnen überhaupt nichts wissen. 

^) BoECKH, Trag. Gr. princ, p. 76, G. Hermann, Praef. Ed., p. XVI, 
S(^HÖNBORN, p. 190 nehmen 14 Ghoreuten an und zwar 7 Mütter und 7 Dienerinnen. 
Schultze a. a. 0., p. 53 hält die Zahl der Dienerinnen für grösser als die der 
Mütter. Dem gegenüber hat Arnoldt, Eur., p. 72 — 78 gezeigt, dass der Chor 
aus 5 Müttern (einem ciol^o*;) und 10 Dienerinnen (zwei atotyoi) bestand und am 
Schluss ein Nebenchor von TzodZzq hinzutrat. Vgl. v. 106 f.: ot 5' a\i.'^\ t6v5e 
Krd^zZ ^ xooTOo Tsxva; .\l. oox, aXXa v2xp(iiv tojv oXcoXotojv xopoi. Es müssen 
demnach ihrer 5 gewesen sein, obwohl v. 1123 ff. nur vier reden. 

*) Schol. Arist. Eq. 589: e-sti ^' oxs xal -rjut/opta laxavTO r^xo». s5 otvopAv 
xal '^^i'^aiY.üli'/ . ev ^s xoi? xoto')XO'.(; yopoli;, el /icv e4 avopujv sIyj xa: •p'''*'^<'>v ^ 
yop6(;, ETrXeovExxet x6 xu>v av^poiv }i.epo<; xal Yjoav ff', al $1 '^ovalY.Z(; ivosxa. si os 
;:ai$(i>v stYj xal ^ij'^OLiv.(hy, al jicv f'jvalxe«; tf' •rjaav, ol 31 icai^E^ ta' . si $1 irpea- 
ß'jxtüv xal vfwv, xoo? TCpsaßoxa^ TiXsovexxsiv ?paai. SCHNEIDER, p. 198 glaubt, die 
eine Hälfte sei durch Zutritt des Chorführers auf 13 gebracht, während die 
andere die gewöhnliche Stärke von 12 Personen gehabt habe. Schultze, p. 52 
wie oben. 

*) Athen. I, p. 22 A: 'faol ^k xal oxt ol apyafo» :to:*r]xal H^-stt'.«;, Ilpaxiva?, Kap- 
xtvoq, 4>p6vtyo? opyrjaxal sxaXoövxo Z'A x6 p.*/) fiovov xa laoxtöv $pap.axa slo^ptpstv 



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§. 16. Der Chor. 221 

fach bezeugt. Fraglich ist jedoch, ob sämmtliche fopiT.cL des Schau- 
spiels von orchestischen Bewegungen begleitet wai^en. Was zunächst 
die atiat|iÄ anbetriflft, so hat man entsprechend der Erklärung, welche 
mehrere durch die Etymologie getäuschte Grammatiker von diesem 
Worte aufstellen, mehrfach angenommen, dass denselben der Tanz 
gefelüt habe *) ; indessen ist diese Ansicht jetzt als falsch erkannt, 
da einerseits die aristotelische Erklärung des Wortes nichts von 
einer solchen Bestimmung enthält^), und andererseits in den be- 
treffenden Liedern mitunter auf die begleitenden Tänze hingewiesen 
wird^). HinsichtUch dieser Tanzbewegungen selbst erfahren wir, der 
Chor habe sich bei der Strophe nach rechts, bei der Antistrophe 
nach hnks gewandt und die Epode stehend gesungen; doch kann 
sich dies wohl nur auf solche Stasima beziehen, in denen eine Thei- 
lung des Chors in Halbchöre nicht eintrat*). Gegen eine andere 



£i; opy*r]aLv Toö /opoö, ötXXa xal e^m xu>v ISicuv itoiYjjxctTüiv ^t^aoxetv too^ ßouXo- 
jievoo^ opyelaO-at. Helbig, Quaestiones scaenicae. Bonn 1861, p. 1. 

^j Hypoth. ad Aesch. Pers.; Schol.Eur.Phoen.202; s. o. p. 210, A.4. Et. Magn. 
p. 725, 2 : 3xdatp.ov xh \Li\o^ toö yopoö • Stav ^ap ^ X°P^^ |i.eti 'njv icdpoSov otaxi^tai 
xt (Jiiviuv axivYjxo^, Kpö? x^v üTcomotv äv slxoxcu^ oxda'.pLov Xl^otxo. Suid. s. v. oxdotjxov • 
sIBo< pLlXoü«;, Sicep bxdjJLsvot ^Sov ol ^opsoxal. Vgl. Schol. Arist. Ran. 1281 und 
Vesp. 270. Mehr bei Myriantheus a. a. 0., p. 119, A. 7. Boeckh, Antigone, p. 280, 
A. 3. KocK, Parodos, p. 17. Ascherson, Umrisse der Gliederung des gr. Drama, 
N. Jahrbb. Suppl. IV, p. 413 f. Kirchhoff, Orchestische Eurythmie 11, 2, p. 1 f. 

') Aristot. Poet. 12: GxdotjJLOv hk jieXo; y^opob x6 ävso dvaTcataxoo xal xpo- 
)^atoo, von Westphal, Prolegomena zu Aeschylos' Tragödien, p. 60 flF, geändert 
in oxd(3tp.ov ^k jjisXo? (xoö) "^/[o^oö xb (piex" eiretao^iov) 5v£ü avairaiaxixoö xal xpO'^aCxoö. 
Tzetzes bei Cram. Anecd. Oxon. III, p. 344, 23: x6 oxaotfiov 3s tpaoi yopoö 
\f.ipoi; ^cXtjv avaitaiaxoü xal xpo^^atoo xäv p.expu>v. Hiemit ist nach Myriantheus 
a. a. 0., p. 119 wohl die Marschbewegung, aber nicht die Orchestik ausgeschlossen. 
Ct. Hermann ad Poet. 12, 8. El. doctr. metr., p. 727. Epit. doctr. metr. §. 665: 
„neque stasimum ab eo, quod immotus stet chorus, dictum est, sed quod a 
choro non accedente primum et ordines explicante, sed jam tenente stationes 
suas canatur". Vgl. desselben Opusc. VI, 2, p. 161. Muff, Sophokl., p. 32 ff^ 
Westpahl, Metrik 11, p. 311. Christ, Metrik, p. 696. Oehmichen a. a. 0., p. 14 
nennt die axaGtjjwt auf Grund einer Bemerkung von 0. Müller, Gr. Litt. IT, 
p. 66 und Eumen., p. 84 (vgl. Arnoldt, Euripid., p. 42) 'carmina stativa', hoc 
est 'tamquam in stationibus quibusdam actionis scaenicae cantata\ 

•) Z. B. Soph. Oed. R. 895: et Y^p «• totafSt irpdjet^ xijjLtat, xl Sei |j.£ yopeoetv. 
Aesch. Eum. 307: S^e Svj xal /opiv &'}ü>}jlev. Arist. Thesm. 953 ff.: op|j.a, x*"p^' 
xoücpa TCoatv, Äf ' e^ xoxXov, /stpl sovaicxs X^^P''-*» ffoO-jJiov x^p^^*? üiraYs itaaa • ^atvs 
xapiraXt|j.oiv soSotv. MüFF, Soph., p. 33 weist auch auf Soph. Oed. Ool. v. 668 ff. 
hin. Vgl. dens. Aristoph., p. 164. 

*) Schol. Eur. Hec. 647 (p. 211 Dind.): toxlov oi oxi x-rjv jjilv 3xpo^7]v xtvoo- 



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222 §. 16. Der Chor. 

Ansiclit, nach der die einzelnen Choreuten durch eine kunstvolle Tour 
ihre Plätze gewechselt hätten, das Ganze des Chors jedoch seinen Platz 
behauptet habe, ist schon vorlängst protestiert worden *). Dagegen 
ist es möglich und nicht unbezeugt, dass nicht stets die singenden 
Choreuten zugleich tanzten, sondern dass ein Theil des Chors, etwa 
der eine Halbchor sang, während der andere den Tanz ausführte ^). 
Analog sind die Fälle, wo der Tanz so arrangiert war, dass der 
Chor zum Gesang des Chorfiihrers tanzte^). Die Parodos betreffend, 
80 dürfen wir Tanz für diejenigen Theile derselben annehmen, zu 
welchen nicht marschiert wurde ^), wie z. B. in den Parodoi des 
Sophokles bis auf die der Elektra und des Oedipus auf Kolonos, 
welche kommatisch sind; bestimmt bezeugt ist der Tanz in den 
Einzugsgesängen von Aristophanes' Frieden und Plutos, wahrschein- 
Uch ist er in den Acharnern und Fröschen. Auch die xo|j.|j.ot 
scheinen bisweilen mit einer massigen Orchestik verbunden gewesen 
zu sein^). Zu den exodischen Liedern, welche in das Gebiet der 
Parakataloge gehören, wurde nicht getanzt; eine Ausnahme machen 
jedoch die Ekklesiazusen und die Wespen, wo der Chor den tanzen- 
den Karkiniten selbst tanzend folgt ^). Auch für die melischen 



[jLevot Tzpb^ tot 8s5ta ol yopsoxal •JBov, xtjv ^jh aviiaipo^ov npb^ xä otptatepd. rrjv 81 
E^cmSöv biajAevot -JSov. Vgl. Arnoldt, Aristoph., p. 191 ; Eurip., p. 188. 

*) 0. Müller, Eum., p. 95 dachte an den militärischen /opeto; tSs^tfixo;. 
Dagegen G. Hermann, Opusc. VI, 2, p. 158 f. 

*) Luc. De saltat. 30: ndcXat |j.^v ^ap at)Xol xal "jSov xal a>p)^oüVTO • eV 
fiTtei^Tj xtvoo|J.evu>v xb aa9*(JLa ttjv <{)5rjV eTcetctpaTTSv, 5|JLe'vov e^ojsv 5XXoo^ aoxol^ 
bnahtiv. Ibid. 16: ev AyjXü) $i oh^k cd d-ooiat äverj h^yr^GSiu^, aXXa ouv xaoTijy Wt 
(JLCxa (JLOoatxTj? l^ifvoyxo. icaiSwv /opol GOveX^vxE? ok* a'jXu) xal xtO-dcpa ol jjl^v 
eyopsoov, oizua^'/obyxo 8i ol 5pioxot «poxpt^evß^ sj aoxwv. Christ, Metrik, p. 699, 
und über die Bedeutung des dnb ibid., p. 700. Ueber Kirchhoff's (Orchest. 
Eurythmie II, 2, p. 8) irrthümliche Auffassung der Sache s. MuF*', Soph., p. 35 f., 
der diese Art des Tanzes auf die Hyporcheme beschränkt -wnssen will. 

') Arist. Plut. 290 — 321 recitierte Karion die Verse, zu denen der Chor 
tanzte. Vgl. Arnoldt, Aristoph., p. 138. Muff, Aristoph., p. 174. Soph. Trach. 
205 ff. sang der Chorführer die ersten Verse allein, v. 216 fiel der ganze Chor 
singend und tanzend ein. Muff, Soph., p. 194 f. Diese Thätigkeit des Chor- 
führers nannte man i^'^ip/siv. Arist. Poet. 4: lir/i.pyb^iuv x^v SttJ'opa^ßov. 

*) Westphal, Metrik II, p. 311. 

*) Muff, Soph., p. 42. Hinsichtlich der Dochmien s. Chrlst, Metrik, 
p. 435. 456. 

^) Arist. Eccl. 1179: aipsaO-' avoj, tat, soai. Schol. Arist. Vesp. 1536: 
etoepysxai fap 6 Xopö<; opyo6|j.svo^ , oü^ajid»^ Zk e^epyexat (seil, opy^oojisvo;). Der 
Chor hebt die Ausnahme selbst hen'or Vesp. 1535 f.: aXX' ijdfsx\ et xt '^t/.etx"* 



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§. 16. Der Chor. 223 

Partieen der Parabasen sowie fiir die Wechselgesänge des Chors 
lässt sich orehestische Begleitung nachweisen ^). 

Wenn nun in den erwähnten Fällen das orehestische Element 
das secundäre gewesen zu sein scheint, so war es die Hauptsache 
in dem sogen. 07cöpx'']l^ 0> welches den lebhaften Tänzen der Kreter 
seinen Ursprung verdankt. Diese galten für die vorzügUchsten Tänzer 
und bildeten einen mimischen Reigen aus, der gleichsam ein Com- 
mentar zu dem gesungenen Liede war. Dem entsprechend hatten 
die Hyporcheme im Drama einen aufregenden Ehythmus und einen 
lebhafteren Tanz *). Beispiele solcher liieder sind bei Sophokles die 



opyo6|j.£vot, ^üpajs 4j|J.d^ '^*X"* '^^öxo ^ap oo5ei<; neu «apo^ SeSpaxev op)^o6|JLevov ooxt«; 
GtiTY^AXaSev */op6v Tpof <}>Su»v. lieber die Exodos der Lysistrate s. p. 224. 

*J Arist. Pac. 776: Moöaa, od |j.^v KoXi|jLOü? aiia)aa|J.5V7j |j.et' e|j.o5 xoo tptXoo 
^opeooov. Ran. 676: Moöoa /opÄv IspÄv eiciß-rj^t xal fK^"" Ik\ xip^iv ao'.§&<; eji.«?. 
Av. 737 ff. : Mooaa Xo)^jj.aia, ^totxtXYj, jisd-"' t^? e^w vasatot xal xopo:pal<; ev opeiai^, 
tC6[J.8vo^ [leXia^ etcl '^üXXox6|J.oü, Sf ß^'•'^? y^vüo^ ^o^O-yj^ jieXituv llavl v6}J.ou^ tepoo^ 
ava^atvtüv oefJiva xe jifjxpl ^op8f>(jLax^ opeiqt. "Westphal, Metrik U, p. 586. Für die 
Wechselgeßänge Eur. Bacch. 1153: ava/ope6aü>|JLev Bdx^^iov, *3cvaßodou>|J.ev ^o[l- 
«popdv xav xoö Bpdxovxo^ ex-^evexa Oevö-siD^. 

*) Gramer, Anecd. Paris. I. p. 19: xtj? xpa-f.xT]^ itofrjacu>c eTSrj elal 8fxa, 
itpoXofo; . . . 67topx*rj|xaxtx6; . . . Athen. XIV, p. 631 C : 4) (jizop'/riii.a'ztyLri op^'^joU caxtv, 
ev tJ qf^(uv 6 X°P^^ op/etxat. Procl. Chrestom., p. 320 b, 33 Bekk.: 6«6px*']|Aa 
zh [lex' äp^^Yjaeo)? ot^oftevov (jlIXo; eXr^exo. Tzetzes, Gram., Anecd., Ox. III, 
p. 346, 23. Den Unterschied zwischen oxdatjiov und ÖTcop/fifta bezeugt Schol. 
Soph. Trach. 216: xb fdp jjLeXtSdpiov o5x eoxi axdotfiov, dXX' öitö X7j<; -rj^ovY]^ 
opxoövxat. Vgl. Schol. Soph. Ai. 693: xp^Tcsxat 6 X°P^? ^'^^ "^^i* iraüsoö'at xyji; voaoo 
xbv Aiavxa, xal tpYjatv, 6^' -/j^ovy]^ e^pi^a xal ßooXojiat x^psöaat • eoeiclcpopo^ 5i 
ÄOtYjxY]^ eirl xct? xoiaoxa^ jjLcXoKottot?, woxe evxi^vat xt xal xoö ^j^io^. 0. MÜLLER, 
Kl. Sehr. I, p. 518. Sommerbrodt, Scaen., p. 220 ff. Bernhardt, Gr. Litt. 11, 1, 
p. 628. Athen. XIV, p. 628 D: 8ta xaöxa fap xal e? ^PX'^l? ouvixaxxov ol irotYjxal 
xoi? eXeo^epot<; xa^ opyrjoet^ xal e^^pAvxo xo:< o/Yjjtaai aYj/Jieiot^ [lovov xduv aSopivmv 
XY]poövxe(; ael xö ei^ev^^ xal avSpu>de^ eit' a^xÄv, 5^ev xal öirop^^YjjJiaxa xa xotaöxa 
TCpooTjfopeoov. Vgl. ibid. I, p. 15 D. — Es war ursprünglich besonders dem 
Satyrdrama und der Komödie eigen: Gramer, Anecd. Paris. I, p. 20: ÖKopxTjfJia 
S' fiv eiY) ^aXXov xuiv oaxopcov. exetvot f ap qtSovxe«; öp)(^oövxat. Athen. XFV, p. 630 
E: 4j ?^ 6K0p/Y][iaxtX'y] (op/Yjot?) x^ xcujJLtxig olxsioöxat, yjxi^ xaXetxat x6p$a$. 

•) Schol. Pind. Pyth. II, 127: evtot jjlIv oov ^paat irpÄxov Ko6pY]xa<; xyjv 
IvokXov op)(TjOao^ai op)(T|atv, aoO-K; ^k Iloppi^^ov KpYjxa Qiyvxd^a^^on HaXvjxav hk 
KpÄxov xa el<; ayxYjv 67iop)(^Yj|iaxa. l)(ootßto^ 81, xd ÖKOpytjfiaxa iiiXfj itdvxa KpTjxixa 
X^eo^at. Athen. V, p. 181 B; XIV, p. 630 B; Soph. Ai. 700: 6ku><; jj.o'. Mnia 
Kv(uaai' 6pyrj/xax^ aoxoSa-?] 5wvo>v la'^'ijj?. Reiche Nachweisungen bei von Leutsch, 
Metrik, p. 242. 379 ff. Vgl. Bernhardt, Gr. Litt. II, 1, p. 592. 0. Müller, 
Dorier II, p. 337. Westphal, Metrik II, p. 575 ff. H. Schmidt, Antike Gom- 
positionslehre, p. 355. Christ, Metrik, p. 695. 



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224 §. 16- I>er Chor. 

Lieder Aias v. 693 ff., Antigone v. 1 1 15 ff., Trachinierinnen v. 205 ff., bei 
Aristophanes Lysistrate v. 1247 ff., 1279 ff. 1297ff., Thesmophoriazusen 
V. 953 ff., Ekklesiazusen v. 1167 ff., vielleicht auch bei Sophokles im 
König Oedipus v. 1086 ff. und im PhUoktet v. 391 ff. und v. 507 ff. »). 
Nach den drei Arten der Dramen imterschied man drei Arten 
von Tänzen, in der Tragödie war die ^[XjjiXeta, in der Komödie der 
xö[>8a£, im Satyrdrama die oixxtvic üblich ^). Die erste hatte einen 
maassvollen Charakter und bewahrte selbst bei der lebhaftesten Ge- 
müthsbewegung eine feierliche Würde ^); der xöp8a£ war ein wilder 
obscöner Tanz *), die aixxivtc endlich war zwar rasch und tumultuarisch, 
doch ohne Pathos und scherzhaft, sie ahmte die ernsthaften Be- 
wegungen spöttisch nach und übertrug sie ins Lächerliche^). Die 



*) Die verschiedenen Ansichten über die beiden letzten stellt zusammen 
Muff, Soph., p. 173. 243. Ueber Arist. Eccl. 1167 s. Westphal, Metr. II, p. 384, 
Muff, Arist., p. 25, wo auf die Worte v. 1165: KpYjxixu>; o?jv xw icoSs xal o» xivst 
(tewicht gelegt wird. Mehr bei Westphal II, p. 582 ff. 

*) Poll. IV, 99: et^fj $i op)^T|jidxü>v spifJiIXeia xpaYtx*fj, xopoaxs^ xuijiixo'l, 
otxtvvK; aaxoptxYj. Luc. De salt. 22: xpuov yoöv oo3u>v xuiv '(zn-KiuzoLZiav op)^Y|osu>v, 
xopoaxo^ xal otxtvviSo? xal ijtjtsXeta;; xxA. Ibid. 26: Boxst^ Zk jj.oi, oxav xu>[JLtu^tav 
xol xpa^cüStav cicatv^c:, eTrtXeX-rjatVxt oxi xal ev ixaxepa exstvcuv op/Yjssu)^ t^t&v xt 
5100? soxtv, olov xpa^tx-J jjlIv r^ g|A|i.eX£ta, X(ujjit})^tx^ 5e o xopSaJ, evioxs ^k xal xptxfj? 
atxtvvtSo? i:p03/vajj.ßavo[ievYj5. Bekkeb, Anecd., p. 101, 16: xop^axa xal xopSaxtCeiv : 
oxt Stj y^^o? op/Y)3jAoö 6 xopoaj, ^Apt3x64evo(; tv xü* Tcspl xpa-ftxYj? op^^Ypstü? 3*rjXot 
OüX(u?' Yjv 51 xö jjiv el5o? x^? xpa-^ixT^? opy^*fjoe(u? -rj xaXoojiivYj sfijxeXeitt, xaS-aitzp 
XYj? oaxopix-fj«; 4j xaXoüjjievTj oixivvk;, xyj? §4 xajjuxTj? 6 xaXoojitvo? x6p3a4. Athen. I, 
p. 20 E. XIV, p. 630 C. Mehr bei von I^.utsch a. a. 0., p. 384. 

*) Athen. XIV, p. 630 E: *rj 5s fO[i.voirai5ix*r] 7capE|xcp5p*i]$ eaxi x^ xpa-ftx-J 
opyrjost, Yjxt? sp.(jiXeia xaXelxa: * cv ixaxspa o^ opäxat xh ßapo xal zb os|j.vov. 8uid. 
gjijAsXeta- /optxY) öpy7]at<;. oi)^d>;, s^ifiiXeta xal ep.}xeXla, y^ sapo^ftta. Plat. Legg. 
VII, p. 816 A: xal Süo xujv opyf|06u>v xu»v xaXtuv eloTj xaxeaxYpaxo, x^ jiiv iroXsjuxiv 
TCüppix*']^» "^^ ^' slpYjvixiv e{j.{ieXetav, ixaxeptp x6 TipEKOv xs xal apptoxxov em^sl? ovofta. 

*) Hes. xopoai* st5o? opyYjGEüi? asEjivü)? xojJLtu (darüber o'). Id. xopoaxlCoooa* ats- 
ypa opyoüjievY]. Theophr. Char. 6, 1 : o Sl a;rovsvoY|/i.svo? xoioüxo? xt? o[o<; . . . opyelaOtxt 
vYjcpüiV xiv x6p5axa. Dem. Ol. II, §. 18: xyjv xa\)' YjpLSpav axpaotav xoö ^tou xal 
jiedYjv xal xop8axto|j.ou; oü ouvdji»vo? 'f Epstv. Arist. Nubb. 540 rühmt, wohl nicht 
ganz mit Recht, seine Komödie obok xopSayJ* eF/^xuoev, dazu Schol. : xopoa^ 
x(ujj.ixY^, Yjxt? aiG/p(I><; xivEl XY)v o-s'f öv. £3X1 ok öpyYpEüx; xa>jiixü>? eISo? aayYjfiovo?. 

^) Et. M. aix'.vvi?* EtpYjxai aixtvvt? napa xo asUa^t xal xivEcaO^t. Athen. 
XrV^, p. 630 C: 00 fap zyti nu^o<; aoxYj yj opyYjoi?, oio ooo^ ßpaoov«'.. Dion. Hai. 
A. R, VII, 72: ooxot xaxssxmKxov xs xal xax£jit|JLOüvxo xa? SKOoSala? xivt^as'.^, sirl 
xa fs^otoxEpa jiExafspovxs?. Welcker, Anhang zur Aesch. Tril., p. 338. Wie- 
seler, Das Satyrspiel, i>. 62- 66. Die begleitende Flötenweise hiess aix'.vvoxopßYi 
nach Athen. XIV, p. 618 C. 



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g. 16. Der Chor. 226 

Scheidung der drei Tanzweisen, ist jedoch nicht so zu verstehen, als 
oh jede derselben unzertrennHch mit einer Art des Drama verbunden 
gewesen wäre; ohne Zweifel hat Aristophanes seine ernsten Chor- 
lieder nicht mit dem TcöpSaJ begleiten lassen '). Das Einzelne des 
Tanzes betreffend, so kennen wir zwar die Namen einer Menge von 
Tanzfiguren (T/f/jXata) '*), man hat auch neuerdings versucht, in das 
Detail der Tanzkunst einzudringen*); es wird jedoch sehr schwer 
bleiben, sich ein klares Bild von den Tänzen zu machen. Die Er- 
findung der oyYjjiaTa war zunächst Sache des Dichters, wie in Bezug 
auf Phrynichos und Aeschylos bekannt ist *), doch waren auch die 
yo(:,o&5doxaXot *) in dieser Kichtung thätig, und je mehr sich die 
Dichter von der Einübung des Chors zurückzogen, desto mehr fiel 
wohl dies Geschäft jenen zu. Während des peloponnesischen Krieges 
scheint es mit der chorischen Tanzkunst abwärts gegangen zu sein, 
wenigstens hören wir Klagen über müssiges Stehen des Chors ^). 
Schliesslich werde noch bemerkt, dass der Chor vor seinem Auf- 

*) Christ, Metrik, p. 695. Vgl. auch Arist. Nnbb. 540. 

*) PoU. IV, 95-105. Reiche» Material bei von Lkutscu, Metrik, p. 378 f. 
392 f., 400. Einiges l)ei Gkppert, p. 25Bff. Ueber die T/-fjiaTa vgl. Kirchhoff, 
Orchest. Eurythmie I, 6; Sommkrbrodt, Scaen., p. 216 (nicht vollkommen richtig). 
Sie sind mimetisch, repräsentieren das Moment der Ruhe und werden durch 
die 'toyd (Tanzschritte) mit einander verbunden. 

*) H. BuniHOLTZ, Die Tanzkunst des Euripides. Leipzig 1871. C*hr. Kirch- 
hoff, Die orchestische Eurythmie der (Triechen. I. Grundzüge der Theorie. 
II. Analyse der Praxis. 1) Die orchestischen Diagramme zu Eurip. Hippol. 
2) Das erste Stasimon in der Anligone des Sophokles. Altona 1873. 

*) Plut. Qu. conv. VIII, 9, 3, 10, p. 732 F; xahoi xal ^pavt/o?, o täv 

£vt Koviü) y.^iAata T.otslxai ^^sijiaTi vüJ h'ho-f^, Athtn. I, j). 21 E: npÄtov aotov (AIg- 
yoXov) fY|0'. oyYjixaxbat to'j? ycpot*? o^yr^z'zoZioazyiäKrj',^ oh yf»Y^sa(JLtvov, aXXa xal 
aotov Tol^ '/o?^'-^ "^^ zyr^\Laxa icotoövia iäv opyf,a£ü)v xal SXoj^ T.ÖLZfxv xy^v xyj^ ipa- 
Ytü^iot«; oixovo|JL(av ti? eaoxov rsf.iGxav, wo in «pAxov eine Ungenauigkeit liegt, 
wie Helbig, Quaestiones tcaen. Pocn 1861, p. 1 gezeigt hat. Vgl. ibid. das 
Fragment des Aristophanes (M. p. 1177 =^ K. n. 677), wo Aefchylos sagt: zolzi 
yopot^ ajTo; T« 3yYjjiax' snoioov. 

^) Athen. I, p. 21 F: xai TeXjc? es yj TbAecxy,;, 6 ycf#c5ioaoxaXo^, r.oXXa 
s-r^pYjXs c/Y^iiaxo, axpu>^ xai? X«p-- "^^ X«*,o^sva oetxvtoüca».?. ibid., p. 22 A: 
TeAs^xY,;, 6 Air/oXotj cpyY]3XY,(;, ooxcu? y^v xs/vixY,<j, u*';xs iv xa* opys'sd^ot: xou? 
'K::xa ekI ^'ijßa? '^pavspot RoiYj'sa'. xa 7:^6L'^\i.ri.za. oi' op»yY|Ssaj?. 

*) S. das Fiagment des Plato oder Aiiit^.phanes bei Athen. XIV, p. 628 E 
(M. II, p. 659 =^ K. p. 636): mzx" st x».; tpyoLx' s^, ^ia|i' y,v vöv ^e ^pAoiv ooolv, 
aX).' cü-nsp a^toTtXYjXXo: oxaoYjV S'sxuix»; üjp6o*/xa'.. Vgl. Hklbig a. a. O., p. 3 f. 
Bonn an n, T.elirbucli III. ll. \^ 



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t- 



226 § 17. Das Costüm in der Tragödie und dem Satyrdrama. 

treten sich in den Bäumen des Bühnengebäudes aufhielt, aus 
denen er in die offenen Zugänge der Orchestra eintrat; die dazu 
erfordcriichen Thüren sind jetzt im Theater zu Epidauros gefunden. 
Nach seinem Abtreten l)egab er sich in jene Käume zurück^). 



§. 17. 
Das Gostfim in der Tragödie und dem Satyrdrama. 

Das Costüm ^) der Schauspieler war nach der Gattung der Dramen 
verschieden; wir haben daher ein vierfaches, das der Tragödie, des 
Satyrspiels, der alten und der neueren Komödie, zu unterscheiden. 
Was zunächst das tragische betrifft, so ist uns dasselbe aus bild- 
lichen'*) und schriftlichen*) Quellen ziemlich bekannt, und wir wissen, 



l' 



') Vgl. oben p. 27, A. 4. Phüolopr. XXXV, p. 321, A. 16. E. Petersen, 
Ueher die Preisrichter clerCrrossen Dionysien zu. Athen. Dorpat 1878, p. 13, A. 25. 

-) ScHOENE, De personarum in Euripidis Bacchahus habitu seaenieo. Leipzio: 
1831. SimNEiDER, Att. Th., p. 158 ff. Sommerp.rodt, Seaenica, p.l83 ff. Wieseler, 
Das »Satyrspiel, p. 72. Derselbe, De difficilioribus (piibusdani Pollucis alioruin(pie 
scriptorum veterum loeis, qui ad ornatum scaenicum 8])ectant. Gott. Ind. Schol. 
18H9;70. A. Müller, PhiLjLjw^l870,_p, 109. Philol. XXIII, p. 522 ff XXXV, 
p. 351 ff. DiERKS, De trapficorum histrionnm habitu seaenieo ai)ud Graeeos- 
«Ott. 1883. """^ 

*) Ein Mosaikfnssboden im Vatikan, s. AVieseler, D. d. B., Taf. VII; VIII, 
l — 11 (aus später Zeit). Pompejanisehe Wandjfemälde, weicheren Charakter«, 
herausgegre})en von Maass, Affresehi seeniei di Pompei, Annal. d. I. 1881, p. 109 
bis 159 und Mon. d. 1. XI, Taf. ;i(). 31. 32, deren Originale nicht viel früher 
als Nero zu setzen sind. Wir geben unter Fig. 13 den vor Achilles knieenden 
Priamns nach Taf. 30, Nr. 4. Sooliano, Le ])itture murali campane scoverte 
negH anni 1867—1879. Napoli 1881; p. 133 N. 650 und p. 134 N. 651 = Bull. *^ 
d. Inst. 1872, p. 239 u. 1876, p. 163. Presühn, Pompeji, die neuesten Ausgrabungen 
von 1878—1881. Lpzg. 1882. Hft. IX, Taf. 4. Weitere Darstell, s. bei Wieseler, 
D. d. B. VIII, 12; IX, 1. 2; XI, 5; XIII, 2. Helri«, Wandgemälde der vom 
Vesuv verschütteten Städte Campaniens, N. 1466, p. 351. Robert, Attore ti-a-"^ 
gico, statuetta d'avorio, Ann. d. I. 1880, p. 206—212 und Mon. d. Inst. XI, v 
Taf. 13; 8. unsere Fig. 14 (aus später Zeit). Blti.sian, Anzeiger f. Schweiz. Gesch. 
und Alterth. 1865, I, Taf. 1, eine Bronzestatuette. Die von Jahn, Arch. Ztg. 
XXV, Taf. CCXXV, 1 und B. Arnold, Festgruss der Philol. Gesellschaft zu 
Würzburg. Das. 1868, p. 142 ff. publicierte Bronzeplatte des Collegio Romano 
wird von DiERKS a. a., p. 22 für unecht erklärt. 

*) Uebersicht der in den Tragödien enthaltenen Andeutimgen l)ei Dierks 
a. a. O., p. 23 ff. Femer Pollux IV, 115—118. Luc. de salt. 27 De bist, 
conscr. 22; lup. ti-ag. 41; Nigrin. 11; Anachars. 23. 32. u. a. m. 



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>;. 17. I)a*; Custüiii in dci- Tniirtitli^' und dein Saiyrdramii. 227 

dass es ein coiiveiitionelles, von dem im Ijeben üblichen dureliiius 
vei'sclii(»denes war. Bei dem TrspruHiie der Tra^()die aus dem 





II»:. i:^ 



Dionysosknlt ist die Aiinalinie selir },daul)licli, dass das (JosUini 
derselben von (Kmi ( iewäiub'ru der l )ionys(>si»riester abf^eleitet 

15* 



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228 §• 1*7. Das Costiim m der Tragödie und dem Satyrdraina. 

ist '). Von welcher Art das Costiim des Thespis^) war, ist unbekannt, 



Fig. H. 

ebenso in wie weit Choerilos **) zur Weiterbildung desselben beitrug. 



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§. 17. Das Costüm in der. Tragödie und dem Satyrdrama. 229 

Uebereinstimniend wird dagegen dem Aeschylos*) die Schöpfung, rich- 
tiger wohl die Ausbildung derjenigen Form des Costüms zugeschrieben, 
welche sich im wesentlichen — eine etwaige Weiterbildung lässt 
sich im Einzelnen nicht nachweisen, höchstens vermuthen, dass in 
der Diadochenzeit die Pracht des Costüms ihren Höhepunkt erreichte 
— so lange gehalten hat, als überhaupt griechische Tragödien auf- 
geführt >Mirden, und es lässt sich annehmen, dass er zu diesem 
Zweck manches der Tracht der eleusinischen Hierophanten und Da- 
duchen entlehnt hat'*). Das von ihm eingeführte Costüm bestand 
aus lang herab wallenden, bunten und reich gemusterten Chitonen, 



») O. Müller, Arch. §. 336, 3. A. MCllkh, Philol. XXIII, p. 523. 
Abbildungen von Dionysospnestem, Wies., D. d. a. K. II, Taf. 48, 603. 606. 
Taf. 49, 616. 619. Uebiigens waren die von denselben getragenen langen bunten 
Chitonen bis zum peloponnesischen Kriege in Athen allgemein üblich, Thuc. 
I, 3, 2: xal ot Kpsoß'jxjpot aüioT? tojv sooa'.jjLov(i>v ot^ zh aßpo^taitov oo itoXo^ xpovo? 
STtsio-rj •/•Tüjva; X'.voo; STCa'J3'r/T0 -f opo'jvis;. Athen. XII, p. 512 B : aXoopYYj jjiv ^ap 
Yjji.::ir/ovTo t|A<5tT'.a, KO'.xtXoo; 5' 6:rf5üvov yituiva^. Ael. V. bist. IV, 22; Poll. VII, 
71; Eustath. ad Hom. D. XUI, 685; Blümner, Priv.-Alterth., p. 178 f. Becker, 
Charikles III, p. 203. Sommerbrodt, Scaen., p. 178 denkt an Ableitung vom 
ionischen Chiton ; dagegen Wieselkr, Cxött. (iel. Anz. 1852, p. 1879. Aus Thes- 
salien abgeleitet von Strabo, XI, 12, p. 530 Cas.; dagegen Wiesbler, Gott. Ind. 
Schob 1869 70, p. 8. Manche apulisch-lucanische Vasengemälde haben wegen 
ihrer Beziehung auf bakchische Züge einen bühnenartigen Stil in den Gewändern. 

*) Vermuthungen darüber bei Dierkh a. a. O., p. 14. 

**) Suid. XotpiXo? W^jvaio^: .... ooxo^ y.axa x'.vx^ xol^ :cpoo(uneio^ %al tiJ 
zv.ZD'fj Tojv 3ToXojv s::s)^e'lp*rj3E. 

*) Vit. Aesch. p. 121, 74 West.: 7:py>to; Alr/ö^o^ . . . rJ]v ipaYCüStav 
f:rrj64v)33 .... to'j; xs orroxpixa^ /*'?•"• "it»JC«"^? 't'i^l "^^ a6p|JLaxi (v. 1. 0(ujtaxt; 
Westermann Gtujiaxiü); WresELER Ct»fJ'-'>t'0 zio-^xui'srxt;, |xetCoo'l xs tot? xoö-opvoi? 
u,exsu>pi3a?. Ibid. p. 117, 4: xal tcoX'j xouc jrpo aOxoö OTcspYjps xaxa xs xyjv KOiTjotv 
. . . xa: xYjv 3X£0Y^v xt«v oiroxpixwv. Arist. Ran. 1061 : xal y«? fotg t|jLaxio'.? Yj|j.d>v 
/piövxat Tzokb 32jJLvoxepo'.-iv. Suid. s. v. Alzy/Aoc.. Philostr. V. Soph. p. 208 
Kays. Id. Vit. Apoll. VI, 11, p. 113 Kays. Hör. A. poet. v. 278. Dioscor. 
Anthol. Gr. ed. Jacobs I, p. 248 Xro. XVII. 

^) Athen. I, 21 E: xal Atr/oXo? ?s oo jjlovov s^söp* xtjv xy^; gxoXt]? soTtps- 
Tzstay xal ae|jLV0XYjxa, "P^v ^YjXm^avxe; ol iips'^avxoi'. xol oaoou/oi a|jL'fis'/vovxott, wo 
Fritzsche zu Arist. Ran. 1062 mit Recht C'^i^tw^a; -i^v schreibt. Hiemit soll 
nach Lobeck, Aglaoph. I, 84 zusammenhangen, was Aristot. Eth. Nicom. in, 2 
erzählt, dass nämlich Aeschylos auf den Vorwurf, Geheimnisse der Mysterien 
bekannt gemacht zu haben (cfr. Eustrat. ad Aristot. a. a. 0., p. 40 A), ant- 
wortet<>, er habe das Mitgetheiltc nicht für a;roppY]xa gehalten. Vgl. Sommer- 
BRODT, Scaen., p. 185. A. Müller, Philol. XXIII, p. 523. Böttiger, Kl. Sehr. 
I, p. 205, A**. 



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230 §• 17' I^as Costüm iu der Tragödie und dem Satyrdrama. 

welche allem Anschein nach fiii* Männer und AVeiber gleich waren '), 
und ebenfalls langen und bunten Oberkleidern. Da ausserdem die 
Schauspieler sich der Masken bedienten, so erschienen diese tragi- 
schen Figuren gleichsam als Gestalten aus einer andern Welt'^). 
Dieser Eindruck wurde dadurch noch besonders verstärkt, dass 
Aeschylos darauf ausging, die Figuren der Schauspieler über die 
menschlichen Dimensionen hinaus zu vergrössern, wozu ihn einerseits 
der Wunsch, die Götter und Heroen als AVesen höherer Art er- 
scheinen zu lassen, andererseits die ausserordentliche Grösse des 
Theaters veranlasst haben wird. Er erreichte dies zunächst dadurch, 
dass er die Fussbekleidung und die Masken erhöhte, sodann aber 
dadurch, dass er die Körperformen selbst verstärkte. Zu diesem 
Zwecke dienten das ;r(>oaT£fyviS'.ov und das 7:,ooYaaTpi§tov^), Polster, 
welche vor Brust und Leib befestigt wurden. Wie dies geschah, 
ist nicht überliefert, jedoch scheint es, dass das neben den beiden 
erwähnten Garderobestücken genannte acojidTiov damit in Verbindung 
stand. Da dies von den emen für ein tricotähnliches Gewand, von 
den anderen füi* ein Mittel zum Auspolstern der Figur erklärt wird, 
so hat die Annahme viel für sich, dass dies Tricot über den durch 
TTpooTcf^vt^iov und u[jrr(OL'3Z[Adiov verstärkten Körper gezogen wurde, 
und dass man dann das fragliche Wort auch für diese Polster ge- 
brauchte ^). 



») Beispiele bei Wieseler, D. d. B. Taf. YII und VIII. 

^) In später Zeit öfters verspottet; Luc. De salt. 27; Xecyoni. Iti; De 
bist, couser. 22; lup. trag. 41; OaHus 26; Nij^riu. 11; Anach. 32; Tox. 9. u. a. m. 
Pbilostr. Vit. Apolb V, 9, p. 89 Kays. 

') Luc. De Salt. 27: eü> Xs^siv itf«o3T£[>viota xal z^oyxz'z^iZir/.^ -oosö-sty^v y.al 
STTtTEyvY^TYjV TtayjTYjTa 7:prjGKfA0''i\LZ'/rj^. Id. lup. trag. 41: TO'j(; sjjLßdxot? xal T065 
Troo'fjpst^ yiTujva^ xal yXajXfjoa? %al ystp'.oa^ xal Korj-^n.zzpi^',rA xal ocvji.dxta (feblt 
im Cod. Marc.) xal iccXXa, ois; exsivo: -jsij.vüO'js'. T*r)v xpv(iii^irj.'/. DiERKS a. a. O., 
p. 7 denkt })eim :rpo^t2f»vtoiov an die Nacbalmiung des weiblicben Busens; docb 
ist das zu eng. Die Bedeutung des -poYasxo'l^iov ist an sich klar. 

*) Poll. IV, 115: xal r/.£OY] |ilv -Ir^ xiov 'jzoxf»'.xoiv sxoXr^ {■}] 0' a'^x-rj xal siotia- 
x:ov ExaXsixo). Id. II, 285: 3to|idx'.ov 4] xtov oiroxp'.xiov 3xoX*rj. Pbot. 3(i>jidx'.a, xä 
ävairXd-aaxa, oic ol »j-o/pixal o'.a^dxxoo^'.v aöxo'jc. Luc. lup. trag. 41. AVieseler, 
Satyi-sp., p. 188 nabni eine Aebnlicbkeit zwischen 3t»>jüLdx'.ov einerseits und :rpo- 
'3X£pv'^iov und :rf>oYa3Xf»'o:ov andererseits an; im Gott. Ind. Schol. 1869/70, p. 3 — 8 
erklärt er es als Tricot, vgl. I). d. B. IX, 11. 12. 15, A. 25, wo dieses Gewand 
nicht nur die Stelle des iroo^xsjiv'loiov und -poYasxf^'oiov vertritt, sondern auch 
das verstärkte Gesäss und den Phallus zeigt. Dagegen folgt Sommerbrodt, Rh. 
Mus. 1870, p. 424 — 427 ledigbch Photius und erklärt es für ein Polsterstück, 



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§. 17. Das Cüstüm in der Ti-agödie mid dem Satyrdrama. 231 

Den eigentlich tragischen Chiton nennt PoUux TrotxtXov *); der- 
selbe reichte bis auf die Füsse ^), und war entweder mit hoiizontalen 
bezw. verticalen Streifen verziert^), oder mit allerhand Ornamenten 
und Figuren reich gestickt*). Während die Aermel der im ge- 
wöhnhchen Leben übhchen Cliitonen kurz waren, reichten die der 
tragischen bis auf die Hand^). Die Gürtel sassen ziemlich hoch 
unter der Brust ^), wodurch lange, die Gestalt vergrössernde Gewand- 



Die im Texte gegebene Deutung habe ich Philol. XXXV, p. 353 aufgestellt, 
wo über die ganze Frage ausfuhrlich gehandelt ist. Anders Dierks a. a. O., 
p. 8, der irrthümlich auch Luc. Gallus 26 hieherzieht, wo es von hingefallenen 
Schauspielern heisst: xat tu»v sxsXwv bttI zoKb fü|JLvoo|jL6Vü>v uiz xt^<; T8 e39-rjto<; 
xa 5v?od-ev cpaivs^ö-at ^axta 86orrjva ovxa; es handelt sich dort aber um Unter- 
kleider, die bei dem langen Chiton nicht zu entbehren waren. 

*) Poll. IV, 115: xal tafl-rjij? [jl^v xpa^ixal irotxtXov (ootw fdp txaXelxo 6 
yixcuv). Id. Vn, 47: xb H itoixiXov Aiovuooa yixu}'/ ßaXto^ (so statt ßaxj^ixo^ 
Wieseleb, Gott. Gel. Anz. 1852, p. 1850 und Gott. Ind. SchoL, p. 8). Bekkbr, 
Anecd., p. 289, 22 : «oixlXov . . . Xrftxat 5^ xal xb Atovootaxöv Ip^tiov. ScHOEKE 
a. a. 0., p. 22 f. Sommebbbodt, Scaen., p. 188. Dqbrks a. a. 0., p. 86. Cbameb, 
Anecd. Paris. I, 19 : xal xaoxl xä itoixtXa aoppiaxd xt wird das itoixtXov von dem 
später zu erwähnenden oüp(jLa unterschieden. 

*) Luc. lup. trag. 41 s. oben p. 230, A. 3; bestätigt durch sämmtliche bild- 
liche (Quellen. 

') Poll. VII, 53: at jtsvxot «v xol^ ycxu>-i noptp'jpal pafiooi sapo'^al xaXoövxat. 
ibid. 62: uia Se xb ^mx^xw xoö y'.xwvoi; exaxcpcoiHv. WuiSELEB, Satyrsp., p. 85. 
D. d. B. VII. VIII und p. 46. Becker, Charikl. III, p. 254 f. Blümner, Pr.- 
Alterth., p. 179, A. 4. 

*) Hes. Ttotx'Xov ijidxtov • CwYpaf^itov. Plat. Civ. VIII, p. 557 C : Äoitep 
t|jLdx'.ov KoixtXov :ra3'.v avd-sat irsiro'X'Xjisvov. Poll. VII. 55: o Zk xaxdaxtxxo? ytxtov 
esx'.v eymv Jtoa yj avO-rj evo'fasjiiva xal fiornxo^ Oc y'.xwv sxaXtixo xal JwS'.coxo^. 
Phot. xaxdxtv.xo? (sie). Unter ^utfA sind nicht inniier Thierfiguren zu verstehen, 
8. AVblckek zu Theogn., p. LXXXIX, A. 127. Vgl. das Vasenbild Wieseler, 
I). d. B. VI, 2. Nähere Beschreibung Athen. XV, p. 682 E. Beispiele ge- 
sammelt von Wieseler, Satyrsp., p. 86. 

*) Sie hiessen yjtpioe^. Luc. lup. trag. 41 und doi*t der Scholiast: yiip'.oa^ 
OE xa; xo'.vdi; XsYOjJLSva |jLavlx'.a. Wieskler, Satyrspiel, p. 187 fl*. Sommerbrodt, 
Scaen., p 198. A. Müller, Philol. XXIII, p. 527. Dierks a. a. ()., p. 6. Bei- 
spiele auf sämmtlichen tragischen Darstellungen. Böttiger, Kl. Sehr. 1, p. 201 A. 
und Blümner, Pr.-Alterth., p. 183, A. 7 fasHcn sie als Handschuhe. Sie stammten 
aus dem Orient. Xen. Cyrop. VIII, 3, 13. loauu. Chrj'sost., Hom. VIII in Tim. 
T. VI, p. 457 D. Wieseler, D. d. a. K. II, 27, 293. 

^) Strab. XI, 13, 12, p. 530: o:ov xoo; ßaiJ-si; /txu>va^, oo; xoXoöst Hjxxa- 
Xtxo'j<; SV xa'5 xpaYti)otat<; xal C«>wooo-'. :cspl xd 3X*r]iW|. Auf allen Darstellungen ; 
diese Gürtel wurden nicht nur von Vornehmen getragen, wie Schoene a. a. O., 
p. 26 meint, sondern auch von niedriger Stehenden. Vgl. Wieskler, D. d. B. 



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I 



232 §• 17. Das Cüstüm in der Tragödie und dem Satyrdrama. 

falten hervorgebracht wurden, und waren mitunter reich verziert; 
auch Personen niederen Standes trugen einen Gürtel, jedoch war 
ihr Chiton kürzer ^). Für Frauen wird insbesondere ein purpurnes 
Schleppkleid (^jpröc itop^»jpox) ^) erwähnt; über das ebenfalls den 
Frauen, aber auch dem Dionysos zugeschriebene und nach seiner 
Farbe xpoTcwtöc *) genannte Gewand ist man nicht völUg zur Klarheit 



VIII, 12 und Gott. Ind. Schol. 1869/70, p. 18. Die Breite ist ziemlich be- 
deutend. Wieseler, D. d. B. IX, 2; XIII, 2 und p. 53. Mon. dell' Instit. VI. 
VII, Taf. LXXX, Fig. 1. Böttiger, Kl. Sehr. I, p. 212, A***. Der Gürtel 
des Dionysos war besonders verziert nach Poll. IV, 117: Atovooo^ . . . 6xi>*?)xo . . . 
|jLa3/aXt3f^pt avOtvij». ScHOENE a. a. O., p. 30. Becker, Charikles IQ, p. 249. 
' ») Wieseler, D. d. B. VHI, 12, IX, 1. 

*) Poll. IV, 118: Y^vatv-stac §i oopxo^ icoptpupoög. Suid. opd-oaxd^ta* ol oxa- 
xol y.Kuvj^ opO-oata^iot, oi §i oopofisvoi GopxoL Aehnlich Hesych. opO-otsia^iot 
/tiÄvs^, Photius und Schol. ad. Arist. Lys. 45. Beispiele Wieseler, D. d. B. 
XI, 5 und p. 51. 86. Maass, Mon. d. I. a. a. 0., Fig. 3. 6. 11. 15. 17. Dies 
Gewand hiess auch oop/ia. Poll. VII, 67: oopjxa 8i isxt tpa^uiv ?p6p7]jta iizi- 
3op6|j.8vov. Irrthümlich hielten Böttiger, Kl. Sehr. I, p. 405, 32. 33 und Schneider, 
Att. Th., p. 160 das sopixa für einen Mantel; das Wort kann jedoch im allgemeinen 
eine tunica talaris bezeichnen. Schoene a. a. O., p. 49. Sommerbrodt a. a. 0., 
p. 189. Wieseler, Gott. Ind., p. 5. Dierks a. a. 0., p. 37. Dass der Schlepp- 
chiton die Gestalt erhöht, bemerkt Hieron. Ep. 4. Ed. Paris. 1706. Vol. IV, 
p. 732: si (vestis) per terram, ut altior videaris, trahatur. — Frauen trujren 
auch Chitonen aus Byssos. Aesch. Sept. 1039: x6X;ro) ^cpousa ßoaotvoo tcsiiXtu- 
fji'/xo?. Eur. Hei. 1186 f.*: aorfj, xi ninkoo^ fJisXavar e^'tj']'«) /p'>i< Xeoxtov api'j/as"; 
Bacch. 821 f.: atslXai vov api^l XpwTt ß'j3Gtvoo<; ttekXo'j^. Dass Byssos Leinwand 
war, lehrt Blümnbr, Priv.-Alterth. §. 190, A. 2; vgl. Becker, Charikles HI, p. 234. 

') Poll. IV, 117: 6 ok xpoxoito^ Ijtaxtov Aiovooo«; Sl aüxcj) r/pYjto. Suid. 
xpox(ux6<;* tfidxtov Atovootaxov ; aber hernach tt$o<; yittüvo^. Schol. Arist. Ran. 46: 
Atovo3iaxov f6pY)|j.a 6 xpoxtoio^. Dionysos trägt es Arist. Ran. 46 : opcuv Xeovrrjv j;tl 
xpox(uT(}> xstfisvYjV und wahrscheinlich in Aesch. Lykurgee nach Arist. Thesm. 134: 
xoti 3', (M V8xvi3y^', Z'SX',^ sl xat^ At3^6Xov sx tyj; AoxoupYJta? tpesd-at ßo'JXojjiat, Äo8a- 
:to; Y'jvv'.?-, Ti(;;:dTpa; xi^ Y^ sxoXyj; xi<; -rj xapa^t? xoü ßioo; xi ßdpßtxo<; XotXsl xpo- 
xtoxcj» ; Athen. V, p. 198 C : ä'^aXiia A'.ov630o, . . . yyzGi^'A :top'f opoöv cj^ov ^idseCov, 
xal ztC a5xoO xpoxwxöv $ta;pa'/7]' TrsptsßeßXrjXo 8i tptdxtov ffop'fupoöv ypusoKotxtXov 
Welcker, Nachtrag, p. 109. Es ist eigentlich ein Stück der weiblichen Toilette. 
Arist. Thesm. 138. 253; Eccl. 332. 879. Wo Männer es tragen, ist absichtliche 
Costümverwechslung vorauszusetzen. Dio Chrys. Or. XXXU, 94; Vol. I, p. 432 
Dind.: xöv 0^ 'llpaxXia xoioöxov 6pu»3i '^t\oloy ooxet, napa'fsp6{j.evov, xal xaJ^direp 
ttiu8'a3tv, SV xpoxiux({>. Luc. De bist, conscr. 10 und dazu K. F. Hermann; Athen. 
IV, p. 155 C. Mehr bei Blümner, Priv.-Alterth., p. 189, A. 1 und AVikselkr, 
Gott. Ind., p. 17. Offenbar ist /ixtüv zu ergänzen, und für einen solchen halten 
dies Gewand auch Becker, Charikl. UI, p. 252 und Wieseler, Satyrsp., p. 149; 
für eine tunica, welche über das ;toixiXov gezogen wurde, erklären es Schoene 



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§. 17. Das Costüm in der Tragödie und dem Satyrdrama. 233 

gelangt. Auf den Bildwerken sind die Farben des xotxiXov regel- 
mässig hell und lebhaft; wir wissen jedoch, dass UnglückUche, 
namentUch Flüchtlinge , schmutzige *) oder graue -) , grüne ^) oder 
blaue*) Kleider trugen; schwarz*) ist die Farbe der Trauer. Mit- 
unter waren diese Gewänder zerlumpt, namentlich hat Euripides 
seine Helden in solchem Aufzuge auf die Bühne gebracht •). 

Die Obergewänder zerfallen im allgemeinen in die oblongen 
t|taTta, welche um den Körper geschlagen wurden, und die rund ge- 
schnittenen yXajxo?*;, welche durch eine Spange auf der rechten 
Schulter gehalten wurden ^, und waren meist sehr prächtig ^). Wir 



a. a. O., p. 24 f. nnd Wieseleb, Gott. Ind., p. 17, der es mit dem xokT:iu\La 
identificiert und zeigt, dass l|jL<ixtov auch für 5vBo|ia stehen kann. Blümner a. a. O., 
p. 189 hält es für ein Umschlage tuch. Dierks a. a. O., p. 39 lässt die Form 
unentschieden; vgl. auch dens. p. 37, A. 5. 

*) Poll. IV, 117: ol J' h $ocxt>ytat^ ovts; yj Xsoxa $03::tvY] el/ov, |jLaXtaTa 
ot ff)'(6^i^, ^ ffOiirx ^ pii).a\a, ^^ pLYjXiva ^ Y^aoxiva. So Oedipus im Oed. Col. 
1597: tlx' ?Xoae SosTctvtt^ axoXot?, Elektra in Soph. El. 191 : u>§« jxiv ttstxtl o'jv 
otoX^. Bellerophon nach Arist. Ach. 426: aXX' ^ xa 5o3mv?j H'kti^ irtitXo»- 
ixaxa, OL BiXXtpocpovxYj«; sl*/' b ywXö^ o6xoat; 

*) ^otoc ist nach Poll. VII. 56: ^ot^v ZI xal jAsXotv äXXyjXwv taxlv c^fj? ent- 
weder grau (Phot. 'f atov, ypw^oi sovö-itov Iv. ptlXavo; xal Xeoxoö), oder braun, Böt- 
tiger, Kl. Sehr. I, p. 205. Vgl. Maass, Affr. scen., Fig. 17 den Mantel. 

^) Ueber |iy|X'.vo; s. Becker, Charikl. III, p. 253. Vgl. Maass a. a. 0., Fig. 3 
(Chiton\ 4 (Chiton und Himation), 8 (Chiton und Chlamys), 11 (Mantel). Für 
apfelgrün erklärt es BlI^mner, Technologie und Terminologie der Uewerbe und 
Künste I, p. 252. 

*) Ueber -cXotoxtvo? s. Becker. Charikl. a. a. O. Wieseler, D. d. B. VII, 5 
und öfters. 

*) Aesch. Choej>h. v. 19: xi; tco^^ rfi^ b\i.-i\'(op:^ zztv/ti •(">vatxd»v 'f apsatv juXaY- 
•/•(JL0'.(; Tcpe^ioo-sa; (Elektra und der Chor). Eum. v. 52: jjiXatvat ?' 6<; xö ttäv 
ß^eXrjxxpoxot (die Eumeniden). Eur. Ale. v. 818: xal xo'jpav ^\zKt'.^ pLtXajAKE- 
::Xooc 5xoXjio'>5 xj (der Sklav). v. 843: eXö-oiv $' Svaxxa xhy jisXajJLKcirXov vtxpcov 
Havaxov '^oXaJo*. v, 922: vOv o' 6|jL8vai(uv yöo<; avxi-aXo? Xsoxdiv xs Kt;cXt«v |j.EXav£<; 
3xoX(jLol :i£ji::o'j'3t ja' ssüj (Admet). Vgl. Or. 457 (Tyndareos); Herc. für. 702 (Am- 
phitryon), 442 (die Kinder des Herakles); Hei. 1186 (Helena); Phoen. 322 
(lokaste); Sup])l. 97 (der Chor). 

•) Poll. IV, 117: ^ax'.a oi <I>iXoxiy,xo'> -rj ^xoXtj xal TYjXefoo. Eur. Telephos, 
Nadck, Fr. Tr. Gr., p. 457, Nro. 698: :cxu»y' a[i'fiJiXT|Xa swfjiaxo; Xa^wv paxv) 
apxx^p'.a xüy7]<;. Von Eurip. erwähnt Arist. Ach. 412 fr., Oineus, Phoenix, Phi- 
loktet, Telephos, Thyestes in den Kreterinnen und luo ; vgl. femer Phoen. 322 
(lokaste); Hei. 554 (Menelaos); El. 184 (Elektra). Vgl. Arist. Ran. 1063 f.: 
:rpcoxov ^£v xoo^ fla^iXs'jovxa? ^axf otjATttr/tuv, Tv' tXcivol xot; av«>pto7co'.? '^atvo'.vx' etvai. 

') Ueber Schnitt und Umwurf des t|iaxiov s. Becker, Charikles III, p. 215; 
über die /Xa^xot; ibid. p. 219, "Wibsbler, D. d. B., p. 72. BlIJmner a. a. O., 



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234 §• 17. Das Costüm in der Traj^ödie und dera Satyrdrania. 

sind jedoch nicht im Stande, für jedes genannte Gewand den Schnitt 
zu bestimmen. So können wir zunächst die S'^otCc^) ledigUch als 
Prachtgewaud charakterisieren. Die yXavtc, leicht und shawlartig, 
scheint ein i(i.dTiov gewesen zu sein^), wie auch die ßaTpayi<; ^), welche 
ihren Namen ebenso von der grünen Farbe hat, wie die yotvtxtc^) 
von der purpurnen; die Form derselben bleibt jedoch unbestimmt. 
Oft war die Bühnenchlamys mit Gold verziert, wie aus den Bezeich- 
nungen '/\a\v)^ diOLyyyjo^ und yfvooÖTraoTOc ^) hervorgeht. Der otatöc 

p. 178, A. 1 und 2. A. Müller, Philolog. XL, p. 227 f. Wdsseler, D. d. B. 
Xni, 2 (die 3 Schausp.); A, 24; X, 7. 

®) Arist. Ran. 1061 : xal y^p 'coU ^lAatiot? •rjfJiÄv /pdivtat koko oe|j.voxE{>oia:v. 

») Poll. IV, 116: xa §' e«ißXYjp.axoi JosTi? xxX. Tim. Lex. Plat. ed. Ruhnk. : 
4t)ax(53<; Tio^-fjpYj evBü|jLaxoi, ol hk /Xot/xoSa^ xui^ix'i«; «pastv. Harpocr. p. 134: fu- 
vatxE'ov XI EvBü|J.dt 83Xtv 4j 5ü3X'.<; KBKO'.xtXjAsvov . . . tzx: ptiv xal xpa-(tx6v x'. IvSopta 
oüxtu xaXoupievov . . . foxt 8^ xal licittxöv svSojJLa. Lex. rbet. in Tim. ed. Ruhnk., 
p. 188: iozxl^ ' x^xu>v ico^YjpTj«; fovatxsto«; • ol Ss xpa-jctxöv fv$ü|jLa saxeüOTTOtTjjJLjvov 
xa'f f^ov eTCt:r6p:rr)jia . . . ldcu>^ 8^ xö xü>v xpaf ixu>v fvSojJia . . . ol 8^ x6 Xticxöv icapa 
xb 56?3Ö-ai. Schol. Arist. Nubb. 70: Joaxt^ Xrcexa: xi xpoxouxiv IjjLdxtov, 8 ol 
•J]v:oyo; |ji/p'. xoö vöv ^popoösi :to;x::euovxJC. ypwvxat 8i a6x(f> xal ol xpa^txol ßaoiXtl^. 
. . . {oaxl^ etSo; Ijtax'loo Koptpopoö. Plut. de glor. Athen. 6, p. 348 F. Id. Alcib. 32. 
Athen. XU, p. 535 E. Während es im Bühnenwesen ein Obergewand ist, scheint 
es im gewöhnlichen Leben sowohl einen Chiton, als ein Iftaxiov bezeichnet zu 
haben. Poll. VU, 79: £v8o|jLa xs op.o5 xal ir£pißXY||i.a xal ytxiwv. Becker, Cha- 
rikles 111, p. 258 meint, der Name beziehe sich gar nicht auf eine bestimmte Form, 
sondern lediglich auf Stoff und Schmuck. Böttiger, Kl. Sehr. I, p. 273, A. ***, 
ScHOENE a. a. ()., p. 41 f. Blümner a. a. 0., p. 178, A. 4. Wieselbr, Gott. 
Ind., p. 18, A. 12 und p. 20. 

*) Poll. VII, 48: "/Xavl? ^h tjxaxiov Xsi:x6v. xal yXavi^ta 5' ahzä xal */Xavi- 
5i3xia exdXoDv. Hesych. yXav'Ss^ • Xs;:xa Ifiaxia. Poll. X, 124: ot jievxot 'Axu>:ol 
x^ XsTTXöv yXavtoa. Nach Arist. Av. v. 1114: u>? ojacmv oc jx-r] jjlt^v' f/y^, oxav t/'rjxz 
yXavi^a Xcox-rjv und v. 1693: aXXa faixtx'rjv yXavloa oox(u xi<; Beöpo [tot für Männer; 
Lys. 1189: yXav.^ioiv xal Joaxlotüv xal yp03iu>v, hz* Izxi jjloi, oh cpO-ovo? eve^xi fioi 
Tzäz: '^zrxpiyz'.v cpspstv xoi^ iratsiv für Weiber. Ilop'^opä^ )(Xavi^a^ tragen die Sileuo 
bei der alexandrinischeu Procession Athen. V, p, 197 E. Becker, Chariklos 
111, p. 231. Blümner a. a. 0., p. 177, A. 3. Dierks, p. 38. Wieselkr, Satyrsp., 
j). 145 und 153, wo es D. d. B. VIII, 11 erkannt wird. 

*) Poll. VII, 55: at o^ anb ypojjjLaxcov eaO^^xsg xaXoüjAsvat dXoopYi?« ::of»'fop^, 
'foivixl^ xal tfo'.v'.xofj^ ytxtov, ßaxpayl?, aoxai p.ev avopwv. Schol. Arist. Eq. 14()6. 
BöTTiüER, Kl. Sehr. I, p. 294. Becker, Cliarikles 111, p. 244. Dierks, p. 38. 

*) ScHOENE a. a. O., p. 31. Dierks, p. 39. 

^) Poll. IV, 116. Dem. Mid. 22: sx^ovxo^ oi |JLot Atj/xo^iJ-svoo; . . . sxs^avov 
yc»o3oOv mzxi Y.oLX'xzy(.zo''jLzai xal ifiaxtov oiayp'jaov iroiTj-sa», ottcu^ irojJLiCcoaat sv aoxoi? 
xr^v xo6 Atovoaofj Tiojxirrjv. Aesch. Ag. 776: xa /p«')-6::a3xa o' eoEd-Xa. Luc. 
(jall. 26: ota8Y|[iax' lyovxa^; . . . xal yXajt'iSa ypo^otraGXOv. Menipp. 16: a;rooü- 



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§. 17. Das Costüin iu der Tragödie uud dorn Satyrdrama. 235 

wird zwjir von den meisten liir einen yttwv gehalten, indessen da ihn 
Pollux unter den snßXr)(j.aTa aufifülirt, hat man ihn neuerdings für 
einen Umwurf erklärt, der die Länge des yixm hatte und über diesem 
getragen wurde ^). Das xöX;ra)|j*a scheint eine kurze Tunika gewesen 
zu sein, welche über das rotxiXov gezogen und so gegürtet wurde, 
dass ein Sinus entstand^). Den Sehern war das aYfvYjvöv^) eigen, 
ein netzartig geflochtener, bis auf die Füsse reichender Ueberwurf. 
Bei Jägern und Kriegern konmit die eyazTt<; *) vor, eine kleine pur- 



sajijvo^ ixasto^ aotdbv tY|v yposoTrastov exsivYjv t^br^a. Blümner a. a. 0., p 199, 
A. 2. DnsRKs, p. 39. Ueber derartige Arbeiten Blümner, .Technologie I, 
p, 157. 194. Wahrscheinlich benutzte man unechte Goldfäden. 

*) Suid. of>9"oaxd?ioi: ot staiol yixmvs^ opO-oaxd^io:. Phot. opO-ootaSto:. Poll. 
VII, 49: yixtov opO-osxa^'o«; 6 fi'r) {(o'/v'>pL3vo?. Schol. Arist. Lys. 45. Plut. 
Alcib. 32. Becker, Charikles III, p. 222. Die oben gegebene Deutung ist die 
Wiesbler's, Gott. Ind., p. 9, der auf D. d. B. XIII, 2 und Bürsian im Anz. für 
Schweiz. Gesch. undAlterth. 1865, Nro. 1, Taf. 1 verweist. So auchDiERKs, pag. 39. 

*) Ausser Poll. IV, 116; r.6\Kiu\i.a, S 6i:ip xa notxtXa tvtJiiovxo ol 'Axptl^ 
xal 'AYajiipovj^ xal Soot xotoöxot nur Gramer, Anecd. Paris. I, 19 (s. p. 117 A. 4) 
erwähnt; auf scenischen Darstellungen nicht zu finden. Wieseler, der Gott. 
Ind., p. 12 die obige Ansicht aufstellt, verweist auf D. d. a. K. II, 48, 606; 
49, 616 und Overbeck, Gal. her. Bildw. XXVIII, 4. Dierks, p. 39 leugnet die 
Gürtung; ob es indessen Mon. d. Inst. XI, 13 zu erkennen ist, bleibt zweifel- 
haft Vgl. auch A. Müller, Philol. XXIII, p. 525. 

') Poll. IV, 116: ttYpT^vov • x6 5' •Jjv irXf(|JLa sj tp»iü>v oixxoAosi; irjpt n&v x6 
zihikOL, Taipsata; iTzz^aKKszo r^ x:; aKKo<; p.dcvxi':. Cramer, Anecd. Paris. I, 19. 
Et. M. ftY{>*rjv6v jto'.x'Xov (dafür Wieseler mit Recht TcXoxavov), Epsouv SixxooEtSs^ • 
xal sv^ofJLa $s reotov. Phavor. fügt hinzu: o K£p'.x'>svxat ol ßaxyeuovxei;. WiESELER, 
Zcitschr. f. Alt.-Wiss. 1845, p. 105. Bullet, d. Inst. 1845, p. 19. Satyrspiel, 
p. 93. Gott. (iel. Anz. 1852, p. 1880; 1853, p. 671. Schoene a. a. 0., p. 54. 
SoMMERBRODT, Scacu., p. 190. Fehlt auf scenischen Abbildungen, doch s. D. d. 
a. K. n, 49, 619, wo der Ueberwurf etwas kurz ist. Die Seher trugen dies 
(lewand auf der Bühne wohl nicht immer; schwerlich Teiresias in Eur. Bacch., 
dagegen Kassaudra Eur. Troad. v. 256: oirexj, xsxvov, Call"Soo<; xX'jJa<; xal cnzb 
yyjh^ EvooxÄv -sxE'fitov Uyy}^ axoXjio'i?, vgl. v. 451 ff. und in Aesch. Agam. 
v. 1265: xal 3x*f^:iTj>a xal piavxsla irspl Uyr^ ^'^'f*';» vgl. v. 1269: t$oi) o' 'AiroXXtüV 
a'ni; exoücdv i|jLE yp.Y^'3XYjp'av b(^Y;x\ S. die ausführlichen Erörterungen von Wie- 
sKLKH, Gott. Ind., p. 9—12. Dikrks, p. 41. f. Das Netz galt wie die Wollbinde 
für heilig; sein Vorkommen auf dem delphischen c.}JL'f a/.6; stellt es in Beziehung 
zum Apollo; indessen kommt es auch im Bacchuskult vor. 

*) Poll. IV, 116: i'faaxl? 303T{>sjt{j.axtov x: ;:op'f')p»oOv -7^ '^otvtxoöv, ö zz^/'. xy^v 
ys:f»a slyov ol -oXsuoövxs^ y^ {HjpibvxcC. Ibid. V, 18: xal yXa|JLO^ ojtola, y^v 0£t x'^ 
/£'.f#l x^ Xala :t£p'.sXixxs'.v, ozoxt |JLSxa{)-Eot xa iWjpla yj ;rpo3(JLayo'.xo xooxot^. Mehr 
bei Wieselkr, Gott. Ind., p. 13 f. Dai*stel hingen Annali XXV, tav. A B, 4, 
Weisser, Lebensbilder XXJX, 2. Vgl. Dierks, p. 40, 



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236 §• 17. Das Costüm in der Trajjödie und dem Satyrdrama. 

pumo Chlamys, welche um den linken Arm gewickelt \Mircle, um im 
Kampfe Schutz zu geAvähren. Königinnen trugen das zapdrr^yo*), 
ein weisses Himation mit einem Purpursaume. Von Kopfbedeckun- 
gen kennen wir die persische Ttd[>a-), und als der weiblichen Toilette 
eigen die xaXojrcfya ^), einen Schleier, und die (xitf^a*), ein Haarband. 
Ausserdem kommen Hüte^) vor. Die Götter trugen ihre Attribute, 
Athene die Aegis^), Hermes das XTjp>xstov ^), Herakles die Keule ^). 
Bakchanten hatten die VcßfiU '*), den ^if^aoc ***), auch r)(i.xava'\). Man 

*) Poll. IV, 118: sapäicYj/o Xs?jxöv xrfi ßot^tXjoo'JOTj?. Ibid. VII, 53: xb 5b 
TrapdKYjyo Ijtaxtov yjv ti Xsoxov, tttj/ov (Streifen) xop'f »jpoOv lyov ;rapütpacM.evov, xal 
:tapo^lc ^k xal Kapa)>oupYl5 tö ^xaiepto^sv eyov :tapo'fa3|i.evYjv «op'^papvv. Dagegen 
Hesych. Trapairfjyo Iji'XTiov xi zap' exoctrpov p.epo^ s/ov ::op^opav. So auch Phot. 
;rap'jc:rr]y'j- Pollux scheint hier das Richtige zu peben. Wieseler, SatyrspieJ, 
p. 115 A. hält es für ein oblonges Tuch, dessen beide gesäumten Seiten mit 
Purpurstreifen verbrämt sind; Jahn, Ajch. Aufs., p. 49, A. 11 fiir ein shawl- 
artig über die Schultern geworfenes Obergewand. Vgl. Schoene a. a. 0., p. 49. 
SoMMERBRODT, Scaen., p. 191. Wieseler, Gott. Gel. Anz. 1852, p. 1881. 
A. Müller, Philol. XXIII , p. 525. Becker, Charikles lU, p. 256. Dierks, 
pag. 40. 

*) Poll. IV, 116. Aesch. Pers. v. 661: ßasiX.ioo r.dpa<; cpaXapov ntcp aoaxwv. 
Schoene a. a. O., p. 142. 

^) Poll. IV, 116. Cramer, Anecd. Pai-is. I, 19. Sommerbrodt, Scaen., p. 191. 
Blimner, Pr.-Alterth., p. 194, A. 4. WrcsELER, I). d. B. VII, 5 (links). 

*) Poll. IV, 116. Pentheus in Eur. Bacch. v. 838: ItX xapa o" f^ta: fitxpa. 
Arist. Thesm. 257: xsxp')'^dtXo'j osi xal juxpac:. Frgm. Arist.Thesm.il, p. 1078, 
Nro. 6, V. 2 M. = Nro. 320 K. Sohoenk a. a. 0., p. 14. 135 ff. Becker, 
Charikl. HI, p. 304. Blümner, Pr.-Alterth., p. 194, A. 2. 

*) Soph. Oed. Col. 313 (Ismenc): xpaxl o' •fjXiooTEpY]; xovtj Tcpö^toica HioaotXl; 
vtv ri|i,3tr/£'.. Soph. Inach. bei Xauck, Fr. Tr. Gr., p. 150, Nro. 251 (Iris). Viel- 
leicht der Emporos und der Chor in Soph. Phil, nach Plaut. Mil. glor. IV, 
4, 41 if. Suid. s. v. <I>awc beim Eumenidencostüm : xal jwiXo^ 'Apxaotxi<; e;:i 
T-rj.; xs'faXt^?. Tclephos nach Arist. Ach. 439: t6 ::tXiotov zsf: rr^v xE'faX-f;v xb 
Moaiov. Vgl. Donatus, De comocdia, j). 11, 13 Reift*.: Ulixen pilleatum semi)er 
inducunt, sive quod alirjuando insaniam simulavit, quo tempore tectum sc esse 
voluit, ne agnitus cogeretur in bella prodire, seu ob singularem Bai)ientiam, qua 
tectus munitusque plurimum sociis i)rofuit. — Frauen schlugen wohl das tjiat'.ov 
über den Koi)f. So Antigone in Eiir. Phoen. v. 1490: xpd^s^va otxoö^a x6|ia? 
olk' ejiäc. AVieseler, D. d. B. VIII, 11. Dierks, p. 29. 

*) Aesch. Eum. 404: -tepmv 5xsp potjiooo^a x6X;cov «'.7100^. 

7) WiESKLER, D. d. B. VIT, 5. 

**) WiESELER, D. d. B. VII, 2. 3. Die Löwenhaut in der Parodie Arist. 
Ran. 47: xt xoO'opvo^ xal posa/^ov ^fi'^r^Kx^ixr^y ; 

^) Eur. Bacch. 249 : ev sotx'.Xatai vsj^pbi Tstps^iav opcö, und ibid. 835 : t)"jp3ov 
•(2 ystpl xal vsgpoO Gttxtov $ipa; Pentheus. 



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§. 17. DaH Costüiu in der Tragödie und dem Satyrdraina. 237 

hat jedoch anzunehmen, dass der allgemeine Charakter des tragi- 
schen Costüms stets gewahrt blieh, wie das auch bei den mit der 
:ravt£oyia *) gerüsteten Personen der Fall gewesen sein wird. Von 
WaflFen finden sich Schwerter^), Speere^), Bogen und K()cher*). 
Hirten trugen die Sif^poL^), einen wahrscheinlich küi-zeren Chiton 
aus Leder. Bekränzung*) war bei verschiedenen Gelegenheiten 
üblich, Fackeln finden sich bei den Eumeniden und auch sonst ^). 

***) PoU. IV, 117: Atovo^o; os . . . s/rtio . . . iJ-üjisu); Eur. Bacch. v. 495: 
6Ks:':a ö-'jp^ov tovos Kapdoo; sx yepoiv, Dionysos; v. 250: Tiaispa xs jJLYjXp^y^ rr^q 
ijjLTj;, zoK'jy '^zKoi'^f vctf^xt ßax/süovx'', Kadmos; v. 8i^5 Pentheus. 

*') Eur. Bacch. v. 58: aipioiJ's xot^iycop'.' ev koKü ^pu^"*'^ x'jjJLicava der Chor. 

*) Nach den Darstellungen Bewaffneter auf der vatikanischen Mosaik und 
den pompejanischen Wandgemälden ist anzunehmen, dass der lange Chiton auch 
l)eim Panzer getragen wurde; auf einen solchen weist auch Eur. Hei. v. 1382: 
-xiKhoo^ a[i.?'.'j/a? avxl v-xo'^O-ojioo axoXYj; hin. Wenn Eteokles Aesch. Septem 
V. 675: 'f£p' tt»; tayo^ x'/Y^ji.ioa? Beinschienen fordert, so ist die Echtheit der 
Verse zweifelhaft; vgl. jedoch Arist. Ran. 1016: akkä Kvsovxa^ oop'i xal Xoy"///*; 
xal Xj'jxoXo^O')^ xp'JtpaXs'la^ xal iffjX-rjxa^ xal xvTjjJtl^a^ xal i^'ijj.oo^ inxa^osioo;. 
In der Panoplie erschienen die Führer in Aesch. Septem, Eteokles in Eur. 
Phoen. V. 779: cx'fspsxs '•'V.'H '^^i^^^'^^i 'c' a^^'.ßX-fjpiaxa und v. 861: ^az'.'hsf)^ |i.sv 
o'jv f;£^TjXs y,oz\it]^z\<; okXoi^ und Menelaos in Eur. Helena v. 1375 ff. Im Satyr- 
spiel WiKSELER, D. d. B. VI, 2, trägt Herakles einen kurzen Chiton. 

*-) Wieseler, D. d. B. VII, 4. 6. 12, IX, 1. Maass, Affreschi, Fig. 4. 11. 
Soph. Phil. 1283 (Odysseus); Eur. El. 225 (Orest); Or. 1504 (Orest); Phoen. 
267 (Polyneikes) ; Hei. 971 (Menelaos); Ale. 74 (Thanatos). Aias bei Sophokles 
wird ein Theaterschwert gehabt hab(m, von dem Achill. Tat. III, 20: tu^ oi 
avsX^^[i.3vo5 xo J'l^o^ 6 MsviXoo^ eXad** jJLExaaxps'^a^ xaxa xo xoö aio*f|(>oo ji.epo^, xh 
jjL'.xpiv sxsivo ii'^o^ ofSTZcO anb yYjpajJLOö vi]^ xa>7rfjC xaxaxpr/Ei xogooxov, Saov siysv 
•r| xtuTTT] xo jJLEYS^o^ ' tu^ Se av£-xp£'j;ftV sl^ x6 sjiKaXiv, aoO-t^ 6 ai^Yjpo^ si^to xaxa- 
Gosxat. xo'jxcü o' 5pa, tu^ slxo^, o xaxo5a'ljjLo>v jxsivo^ £v xoi^ ^jaxpot«; r/pf^xo i:pö; 
xa; xtßo-f^Xoo<; zyA^xc, Becker, Charikles I, \}. 283. Lobeck ad Ai., p. 360 f. 
Latemisch cluden, Apul. Apol. 78. 

») Maass a. a. O., Fig. 4. 

*) Wieseler, D. d. B. VH, 2. 4. Aesch. Eum. 181 (Apollo); Soph. Phil. 
287 (Philoktet); Eur. Ale. 35 (Apollo^ Ion. 108 (Ion). 

^) Poll. IV, 117. VII, 70: xal :;x6xiva: oi rpav eaf^YjXs; . . . oi'fö-lf^a o^ 
ziiyizzh^ y.xtüv £;r'xp»avov syoiv. Becker, Charikles III, 2>- 260. Als Hirtenkleid 
Arist. Nubb. 71 f. Also wohl der alte Hirt in Soph. Oed. R. 

0) WrcsELER, D. d. ß. VIII, 11. Aesch. Ag. 493 (Herold); Soph. Oed. 
R. 82 (Kreon); Trach. 178 (Bote): Eur. Bacch. 177 (Kadmos und Teiresias); 
Phoen. 856 (Teiresias); Hippol. 73 (Hippolytos); Ale. 759 (Herakles); El. 882. 
887 (Orestes und Pylades). 

') So die Erinnyen nach Arist. Plut. 423 ff.: ÜA. T-w; ^Kpivic s^xt sx xpaYcooia;. 
JlXs-si fE xot jxav.xov xt xal xpaYtooixov. XP. a/.X' oüx syst '{a^ oaoa;. Eur. Hei. 



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238 §• 17. Das Costüm in der Traoxidie und dem »Satyrdrama. 

Schutzflehende bedienten sich der mit Wollbinden umwundeneu 
Zweige*). Könige hatten das Scepter; ältere Männer stützten sieh 
auf Stäbe, die jedoch auch bei anderen Personen vorkamen*'^). 

Scepter und Stäbe waren den Schauspielern um so nöthiger, 
als ihr Gang infolge der hohen Schuhe^) recht unsicher sein musstc. 
Diese hal)en auf den Abbildungen höhere^) oder niedrigere^) Sohlen, 
erscheinen sogar als förmliche Stelzen ^) ; mitunter bemerkt man den 
Schuh, in welchem der Fuss steckt^). Die Erfindung dieser Fuss- 
bekleidung wird dem Aeschylos zugeschrieben*^), es scheint jedoch, 
dass eine derartige, bereits vorhandene von ihm nur weiter ausge- 



8^i5: 'Ir^yA Z') }uv '^ipoo-a XajjiTCT-rjpiiiv csXa; und 868 ff.: z-) o^ a'j xsXe'jiVjv, sI z:c 

K''/poc die Dienerinnen der Tlieonoe. Ferner Wikskleh, D. d. B. VII, 1 und 
paff. 50. 

») Aesch. Suppl. 23 (der Chor); Choeph. 1035 (Orest); Soph. Oed. R. 37 
(die Volksmenjre); 831 (lokaste); Eur. Suppl. 10 (der Chor). 

^) S. oben p. 197, A. 3. Aeseh. Aj^fam. 1265 (Kassandra). Vjfl. Hesych. 
tO">vrf^piov • ö 'f sf»0fj3tv ot jiavxsi^ 3X7|-tgov citzo rA'^^rc^<^. Aeseli. Aoram. 75 (der 
Chor). Eur. Andr. 588 (Pehms) ; Ion. 743 (der Pädagog); Herc. für. 108 (der 
Chor). Schol. Arist. Av. 512: sv xocl? xpaYto^w.^ uTwOxptvrtai it; lo \\^Vi.\\.un 4^01- 
-S'.Xtxov i:po3cuKOv, syov opviv snl xou oxYjTtxpo'). Wikskler, 8atyrspiel, p. 106 A. 
Maass, Affreschi, Fifj. 1. 4. 8. 9. 11. 15; krummer Stab ibid. Fig. 17. 

') BüTTiftER, Kl. Sehr. T, p. 213. Schoene a. a. (), p. 32 ff. Schneider, 
A. Th., p. 162 ff., wo namentlich die Lexikographen citiert sind. Wfkseler, 
Satyi'sp., j). 72 ff. und an mehreren Stellen der D. d. B. Sommerbrodt, Scaen., 
]). 192 ff; Becker, Charikles III, p. 280. 282. Blümner, Pr.-Alterth., p. 183; 
p. 196, A. 3. DiERKS, p. 6. 9 ff. 17 ff. 42. 48 ff. 

^) AViESELER, D. d. B. XIII, 2. IX, 1 (der Heros). A, 23. TV, 10. IX, 2 
unter dem rechten Fusse der Melpomene. 

") I)>id. TV, 11. 12. IX, 1 (der Diener; jedoch bemerkt Wiesfj.er, Annali 
d. Inst. 1859, p. 368, dass auf einer neueren Zeichnunf«: die Sohlen nicht an- 
tregeben seien). IX, 2 imter dem linken Fusse der Melpomene. Cic. De finn. 
III, 14: ut, si cothurni laus illa esset, ad pedem apte cou venire, ne(|uc multi 
cothurni paucis anteponerentur, nee maiores minoribus. 

") Auf der vatikanischen Mosaik AVieseler, D. d. B. VII. VIII und aui 
unserer Figur 14, p. 228. 

Wieseler. D. d. B. IV, 10 (reich verziert). 11. 12. IX, 1. 2. Bei der 
Heroine XI, 5 sind ihrer Grösse wegen Kothurne vorauszusetzen, indessen sind 
sie durch den 30f»x6? völlig? verdeckt. 

®) Philostr. Vit. Soph. I, 9, 1, p. 208 Kays.: st •(''^p "^^'V Ai^yoXov sv{^e>[j.Tp 
ifciT^jXEv, üij; noXXa x*J xpaY^^iot 5'JV*^oc).£XO ealH^x: xs a?!)XY]v xaxa-xsüa^a^ xal oxp'l- 
^a'/xi 'VWjXü) y.xX. Id. Vit. Apoll. V, 11, p. 113 Kays.: oyjii^avxo; os xo'jc 'j:ro- 
•xf*;xa; Evs^t^a-ssv. Mehr bei Dierks a. a. <)., ]>. 11. 



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§. 17. Das Costüni in der Tragödie imd dem Satyrdrania. 239 

bildet wurde *). Dieselbe ist dann für die Tragödie stets beibehalten, 
wie Berichte aus der hellenistischen Periode'^), der letzten Zeit der 
römischen Republik und der Kaiserzeit ^) zeigen. Bezeichnet wird 
sie mit dem Worte s[i.ßdnf]c, einige Äfale mit oxf^tßoc; die Römer 
nennen sie cothurnus, und wo die Griechen dieses Wort gebrauchen, 
scheint es unter römischem Einflüsse geschehen zu sein^). Ursprüng- 
lich bedeutet ejxßdnric einen hohen Reiterstiefel ^) und xöd-o^voc einen 
ebenfalls weit hinaufreichenden Stiefel, wie ihn namentlich Jäger 
trugen®). Es ist daher anzunehmen, dass auch der tragische £|i.ßa*n;c 

') Vit. Aesch., p. 121, 79 West.: jJLEiCoai x* toi^ xoO-opvoi? [xsTstoptsot;. 

*) Athen. Y, p. 198 A (heim Fc'stzuge des Ptolemaeos Philadelphos) : \i.izoc 
fjk TO'Wiuv e^äotCev 'StvYjp jis'l^uiv TSTpaKYj/'JC, SV TpaY'.y.-j otaö-E^ei xa: irpo-:!«!:!}). Maass, 
Aiinal. 1881, p. 115 will diese (Trosse auch ohne Kothurn erklären. Suid. 4>aio; 
wenlen hei dem Eumenideneostüm des Menii)p08 erwähnt: ep-jV/xa: x^ai.y,v.rA. 

") Cic. De finn. III, 14. Ovid. Amor. III, 1, 18 f.: laeva manus sce])trum 
late rejj^ale movehat , Lydius alta pedmn vinela cothurnus erat. Martial. VIII, 
3, 13: an iuvat ad tra^icos soccum transferre cothurnosV Philostr. Vit. A])<dl. 
V, 9, |). 89 Kays.: s'fx-Toixa oxpißa-siv ooxu>^ O-J/y^Xo:;. Luc. Nero 9: si3-f|ti:s'. 
Nepo» JTc^ oxptji'i'/xuiv xoo, eaoxoO fiicoxpixa^. I)io Cass. LXIII, 22, 4: S'oov xov 
otvopa Exj'.vov . . . eyovxa icox^ o» £;i.,Vixa^ xai ?:po-o*Tr*tov. Luc. De salt. 27: 
£|i.,VJtxa'.; 'rj/TjXol; enoyo6|i.£vo^. Id. De hist. conscr. 22. lup. trag. 41. Necyom. IH. 

*) DiERKs, p. 12, A. 3; p. Iß. Cl'r. Vit. Aesch. a. a. O. C^ramkr, Aneed. 
Paris. I, 19. Auflallcnd ist, dass Poll. IV, 115: xal xa •jKOOY^ji.axa xoO-opvo: jjlsv 
xd xpa-fix« xal sp.j^dtos':, £}j.j5«xa' Zk xd xwjuxd ; VII, 91: £|i^dxa'. ol ovojia xotc: 
xo>;xixot': o7coo*fj^a'3tv; Bkkkkr, Anecd., p. 74H, 17: osoxspov os jiooXo|uvo: xal xd 
Ga)[xaxa ^S'.xvJstv Y^po/ixd sji^doa^ s'^opoov xal l|JLdxia i:o5tjPT| und Schol. Voss. 
Luc. Neeyom. IH eine ahweichende Nomenclatur hahen. Vgl. Rohdk, De Pol- 
hieis . . . fontihus, p. H3 und DiKRKs a. a. ()., p. 49. Die ührigen Grammatiker 
wie Thom. Mag., p. 300: tii^dos; xd x(«|xixd »irooYijtaxa, i}i.^dota os xdt;di:Xü»c 
''>rooYj}i.axa . . . E|ijlaxa os xal g|ifidxai xd xpaftxd; Ammonius p. 49: s[i.,3do£^ xal 
r^jV/xa ota'f6f»£'. • s}xJido£^ |J.£v Ydf» xd xiojitxd OKOOYjfi-axa, siJiJiaxa ofe xd xpaytxd 
u. a. nennen richtig die Fusshekleidung £|i^dxa:. Vgl. die reiche Samndung von 
Stellen hei Schnkidkr, Att. TIi., p. 162 ff. 

^) Xen. De re cj^u. 12, 10: xv?j|iai $£ xal köoe? 6n£p£/oi*v jiiv dv slx&xw^ xoiv 
KapajiYjpioitüV , osXtaO^iYj oi xal xaOxa, £i £|x^dxai '(v/ov/xo sxüxof>;, fj oIookz^ at 
xo'rjTCios^ :cotoüvxai. o5xtu y^P ^'^ ct}J.a StcXov x£ xvYjiioti? xal Kodv owooY^jJiax" dv th], 

^) Herod. IV, 125: ('AXxp.aiiuv) evoo«; . . . xoiJ-opvoo^ xoo^ £5p'.3X£ sopüxdxoü^ 
iovxa; üKO^-rjodiJLsvo; Y|*t3 e*; x6v ö-r^^aopov . . . £37:£3ü>v ok l^ -ü>p6v ']/Y|Y|i.axo;, 
Kptoxa |JLSv icapE^a^e irapd xdc xvY,[i.a^ xoö ypusoö oaov r/copcov ot xoö-opvot xxX. 
Poll. V, 18 nennt heim Jagdcostüm onooYjiaxa xoiXa e*; {aesy^v xy^v xvyjJjlyjV dvYj- 
xovxa Zsz\L(b dxptßei icEptE^xaXjiEva. Vgl. WiESELER, D. d. B. VI, 2 (Herakles). 
Dieser im gewöhnlichen Lehen ühliche Stiefel enthehrte jedoch der hohen Sohlen 
des tragischen Schuhs. Eine andere Art des Kothurns wurde vtm Weihern 
getragen. Arist. Lys. 657: xuios xd'!/-fjxx(p ^axd^tu ^y*" xoO-opvu) x*rjv 'fvai^^ov. Ran. 



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240 §• 17. Das Costüui in der Tragödie und dem Satyrdrania. 

bis zur Wade reichte, doch ist dies auf den Abbildungen nicht zu 
erkennen *). Die Sohle war bei jeder Art des Kothurn viereckig, 
so dass derselbe auf beide Füsse passte^); bei den tragischen war 
sie von Holz^). Die auf das Fehlen des Kothurnes bei den Figuren 
der porapejanischen Wandgemälde begründete Annahme, dass dieser 
in der alexandrinischen Zeit bei den neueren Festen abgeschafft und 
höchstens bei den althergebrachten Dionysosfesten beibehalten worden 
sei, hat berechtigten Widerspruch gefunden*); auch ist es unmöghch 
nachzuweisen, dass auf der römischen Bühne der Kothurn nicht üblich 
war^). Auf der griechischen Bühne trugen untergeordnete Personen 

47: II y.o9'Opvo(; xal poiraXov iovYjXö-sTYjV; Eccl. 346: li iu> xoO-opvm xu> ::oo' jvO-sl^ 
Ts|ia'... Becker, Charikles III, p. 282. 

*) Wieseler, D. d. B. IV, 9 und 12 zeigen nur einen Halbstiefel, der bis 
zu den Knöcheln reicht, aber auch recht niedrige Sohlen. 

^) Et. Magn. xoiiopvo^, •, üvaiX£:ov 6i:ooYj|Ji'jt xstpaY"*^^^ '^ -/"'ll^''^» ÄpjJLoJov 
otjt'fotspo:? Tol; 'izozi. Xen. Hell. II, 3, 31: 6 y^p y-'>«l'0{>vo<; otj^pLOTi^iv p.r/ xoi; 
;t03lv a|icpotE^o'.5 ooxst. Schol. Arist. Ran. 47: xi^Az ov. ö xöf^opvoc si^ ttji'^oxlf^oj^ 
Too^ zo5'/; ot^pLO^s'., Ol oi ^Tt avo{>a3i xal •jovot'jlv o^pjaottei. Vgl. Schol. Arist. 
Eccl. 34H. 

'j Schol. Luc. E]). Saturn. 19: E{j.j5dta'. * la i''//va ä i'i^'lX/.oo^'.v »jno too; 
;cooa;, Iva '^avo>3i pLaxf-ot^pot. Luc. Auach. 23: 6noo*r,jjLotia |asv Jivpsrx xal o'^Y^Xa. 
Die hölzernen Stelzen waren bemalt. Wieseler, D. d. B. VII. VIII. Mon. 
d. Inst. XI, 13. Wieseler a. a. O. IX, 1 hat der Heroc gelbe, der Diener 
braune Kothurne. Schoene a.a.O., p. 34. Ueber die Höhe s. Luc. De imagg. 3: 
£1 in; 'jKOOYj3d[i.*vo^ xoö-opvoo? [JL'.xpi; a'jto^ (MV l^[!^o'. Kij>l ikz-^kx^o')^ Tci^ aso t3o- 
Tisooo oXcij TCYj/st 'jTTSf/s/oostv xtX. Wieseler, Satyrsp., p. 81, A. 

*) Maass, Annal. d. Inst. 1881, p. 114 f. meint, infolge der Richtung, 
welche die Tragödie seit Euripides eingeschlagen habe, sei der Kothuni abge- 
schaffl, entsprechend dem Streben der Zeit, den Göttern und Heroen eine mehr 
menschliche (xestalt zu verleihen, jedoch nur bei Sjiielen an neu eingerichteten 
Festen. Es hängt diese Ansicht damit zusammen, dass Maass, p. 154 ff. die 
Onginale der Affreschi scenici in die alexandrinische Zeit setzt. S. dagegen 
Leo, Rhein. Mus. XXX VII F, p. 343 ff., der diese Originale nicht in eine wesent- 
lich frühere Zeit als die neronisch-flavische Epoche setzt, sie auf griechische 
Stücke bezieht und annimmt, die Kothurne seien aus malerischen Gründen 
weggelassen. So erscheinen auf Darstellungen mit dem Costüm der alten 
Komödie die Schauspieler aus gleichem Grunde (ifters barfuss. Wieseler, 
D. d. ß. IX, 9. 11. 12. 15 u. a. m. Vgl. Philolog. XXXV, p. 355. Ueber 
griechische Aufführungen in Italien vgl. unten § 26. 

^) DiERKs a. a. O., p. 17 f. sucht wahrscheinlich zu machen, dass die be- 
treftenden Aeusserungen römischer Schriftsteller sich auf die griechische Tragödie 
beziehen. Daher deutet er die Aflreschi scen. auf römische Scenen, den 
Hemkles aber auf dem Relief l»ei Wieseler, I). d. B. XIII, 1 auf ein griechisches 
Stück. Weim auch nirgends ausdrücklich der Gebrauch des Kothurns für die 



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§. 17. Des Costüm in der Tragödie und dem Satyrdrama. 241 

wahrscheinlich niedrigere Sohlen *) ; vielleicht war in einzelnen Fällen 
auch eine bloss schuhartige FussbeHeidung in Gebrauch*). Doch ist 
darüber nichts Näheres bekannt. Das Costüm des Chors, über das 
Einiges bereits in den Anmerkungen') angeführt ist, bestand aus 
einem, des Tanzes wegen kürzeren, Chiton und einem Himation, die 
beide zu dem Charakter der jedesmaUgen Rolle passen mussten*). 
Als Fussbekleidung werden die niedrigen xpY]irt8e<; genannt*). Aus den 
Abbildungen ist wenig zu entnehmen*). 

Darstellungen, welche das Costüm des Satyrdrama zeigen, 
sind mehrfach vorhanden'); was jedoch Pollux (IV, 118) anfuhrt, 
bezieht sich lediglich auf die Thiasoten des Dionysos®); die übrigen, 
höhere Götter oder Personen der Heroenmythologie darstellenden, 
Schauspieler trugen im wesenthchen das Costüm der Tragödie, nur 
waren die Cliitonen kürzer*), wie das durch das lebhaftere Spiel 

römische Bühne der Kaiserzeit l)ezeugl ist, so führen doch eine Anzahl von 
Stellen mit Nothwendigkeit auf die Annahme desselben: so Ovid. Am. TI, 18, 13: 
sceptra tamen sumpsi curaque tragoedia nostra crevit, et huic operi quamlibet 
aptus eram. Risit Amor pallamque meam pictosque cothumos sceptraque privata 
tam cito sumpta manu. Ibid. III, 1, 63: altera me sceptro decorus altoque 
cothumo. Femer Trist. II, 653. Ex Ponto IV, 16, 29. Sen. Ep. 76, 31. 
Martial. XI, 9. Tertull. De spect. 23. Cyprian. Epist. 11, 2, p. 46 Frob. 
Lactant. Inst. div. VI, 20. Vgl. m. Ausführimg Philol. Anzeiger XV, p. 141. 

*) Vgl. WiESKLER, D. d. B. XI, 5. 

') Wieseler, Satyrsp., p. 82 A. Vielleicht gehören hieher die xp-rjittSe«; 
Vit. Soph., p. 128, 30 West.: «p-rjol Zi xal "laxpo; tä«; XeüxÄ(; xp-rjTttJa^ a^jxov fi^so- 
pYjx^vat, a; OTio^oüvrat oT t£ oiroxpttal xol ol ^opeütat. Bekkeb, Anecd., p. 273, 18: 
xpYji:l(; Si et?o; t)ico^}jLato^ av^ptxoö o'^-rjXot lyovto«; ti xattojjLaTa. WiESELER nimmt 
sie in Anspruch für untergeordnete Frauenrollen oder weibische Männer. 

•) Vgl. oben p. 233, A. 5; p. 236, A. 5. 11; p. 238, A. 1. 2. 

*) Ueber das Costüm des Chors in Eur. Bakchen ausführlich Schoene 
a. a. 0., p. 78 ff. 

*) Vit. Soph., p. 128, 30 West. Schoene a. a. O., p. 33. Mehr bei Wie- 
seler, Satyrsp., 189 f. • 

«) Wieseler, D. d. B. XII, 45. Xin, 2 mit der Erklärung. 

^) Wieseler, D. d. B. VI, 1 — 10, von denen das Vasenbild Nro. 2 
der Schrift über das Satyrspiel zu Grunde gelegt ist. AVieseler hat auch 
I). d. B. VUI, 11 (Satyrsp. p. 153) auf das Satyrspiel bezogen, doch s. Dierks 
a. a. O., p. 20, der die fragliche Figur nicht für einen Silen, sondern für einen 
Dionysos hält. Mit Unrecht ist auch Mon. d. Inst. XT, Taf. 30 Nro. 2 von 
Mäass auf eine Scene aus einem Satyrspiel gedeutet: vgl. Leo, Rhein. Mus. 
XXXVIII, p. 344 und Dierks a. a. O., p. 19. 

*) Wieseler, Satyrsp., p. 89. 

•j Wieseler, D. d. B. VI, 2 trägt Herakles den xüicaaoK; grenannten kurzen 
Heriuann, Lehrbuch III. Ii. IQ 



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242 §• 17. Das Costüm in der Tragödie und dem Satyrdrama. 

bedingt war'). Aus demselben Grunde fehlte auch wahrscheinlich 
der tragische Kothurn, an dessen Stelle wir bei mehreren Bühnen- 
personen dieser Art den hohen Jägerkothurn finden^). Der Silen, 
dessen Person für das Satyrdrama von besonderer Wichtigkeit war, 
trägt auf mehi-eren Darstellungen eine eigenthümUche zottige Ge- 
wandung. Für diese Tracht sind zwei Fälle zu unterscheiden, je 
nachdem der ganze Körper mit Ausnahme des Kopfes, der Hände 
und der Füsse mit diesem eng wie Tricot anschliessenden und in 
grosser Regelmässigkeit mit Zotteln besetzten Gewände bedeckt ist, 
oder die Beine mit einer Hose aus Ziegenfell imd der Oberkörper 
mit einem aus demselben StoflF gearbeiteten kurzen, nur bis zum Knie 
reichenden, Chiton bekleidet sind^). Dies letztere Kleidungsstück 
ist der yixm '/optatoc, oder (JLaXXcoTÖg und a(JL'f i(JLaXXo<; ^) ; in dem ersten 



Aermelchiton. Poll. VII, 60: h ^h xuiraact^ Xtvoa iztizoir^zo, ajjLixpcx; )^'.Tü>vbxo? 
Sl-/j^i {xIgoo fi.Yjpo5. Müller, Arch. §. 337, 3. Vgl. dagegen den tragischen 
Herakles D. d. B. VIT, 2. 3. Ausserdem hat jener Harnisch, Löwenfell, Keule 
und Köcher. Wieseler, SatjTsp., p. 88 A. Der Chiton des unbekannten Heros 
D. d. B. VI, 2 ist ebenfalls kürzer, als der in der Tragödie übliche. 

^) Verfolgungsscenen Millin, Gal. raythol. CXX, 471. Philolog. XXVH, 
Taf. II. 0. Jahn zeigt in dem Aufsatze Terseus, Herakles, Satyrn auf Vasen- 
bildem und das Satyrdrama' ibid., p. 25 f., dass manche bezügliche Vasenbilder 
unter dem Einflüsse des Satyrspiels entstanden sind. Vgl. femer Aristid. IT, 
p. 405 Dind. : r^^t\ ^e Ttg xal Satopoc xäv lizl oxfjVYj^ xarr|paaato tu) 'HpaxXst, 
tlxa y' exü^j^e itpootovio^ xaito. Eur. Cycl. 544: xXtd-/jxt vüv ptot irXeupa ö-el^ etcl 
X^ovo?. Id. Syleus (Naück, Fr. Tr. Gr., p. 455, Nro. 692): xXt^x: xal KttojjLsv. 

*) Wieseler, Satyrsp., p. 80 ist der Ansicht, die hervorragenden Bühnen- 
personen seien je nach den Umständen sowohl mit dem hohen tragischen Kothurn, 
als ohne denselben, aber in diesem Falle doch mit einem Kothurn aufgetreten; 
anders mit Recht Dierks, p. 20. Vgl. auch Maass, Annali 1881, p. 116. 

») Der erste Fall Wieseler, D. d. B. VI, 2. 6. 7. 10-, der zweite ibid. 
8. 9; der Chiton ist gegürtet, und die Aermel gehen bis auf die Handwurzel 
herab. 

*) Poll. rV, 118: yopfbilo^, Saoüg, ov ol SstXiqvol cpopooot. Hesych. x^P'^^-o?' 
5aoü<; ytttüv, ofog xAv SeiXYjvcBv. Id. xopTa'.oßa}jL(üv. . . . /opxalov xb ev$ü}jLa toö 
SciX. und xopxatoßafJLo; • 6 SeiATjVo^. Cfr. Poll. VII, 60. Suid. yopxalo^' ö Saso^ 
xal iLokXiüxb^ x^X(wv. Dion. Hai. VTT, 72: oxeoal 51 otüxol? rizav, xol(; jilv et«; 
XeiX7]vo6<; slxao^elot jxaXXtuxol ytxÄvs^, oS^ evtoi /opxato'); xaXoöct. Ael. V. bist. 
HI, 40: ea^j^ hk -r^v xol«; Ss'.XtjvoI<; a^^ijiaXXot j^txÄvs^. Nach Wikseler, SatjTsp., 
p. 120 sind jedoch jiaXXtüx^? und aji^t}jLaXXo': für gewöhnlich auf AVollstoflfe zu 
beziehen. Welcher zu Theogn., p. XC und Nachtrag z. äsch. Tril., p. 214 meinte 
mit älteren Gelehrten, dieser Chiton sei ursprünglich aus Gras oder Heu ver- 
fertigt. Dagegen Wieseler, Satyrspiel, p, 92. Vgl. im allg. ibid., p. 99 und 
Schoene a. a. 0., p. 85. 



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§. 17. Das Costüm in der Trajj^ödie und dem Satyrdrama. 243 

Falle hat man ein küDstlich mit Zotteln besetztes <3<«>[jLdTtov (Tricot) 
anzunehmen*). Der so bekleidete Silen ist der TcdTncoc SetXr^vö<;^). 
Die Ansicht, dass die Zotteln die natürliche Rauharigkeit seines 
Körpers nachahmen sollte, ist zurückgewiesen*). Hinsichtlich des 
theatraUschen Costüms anderer Silene fehlt es an Abbildungen, man 
ist daher auf Vermuthungen nach Maassgabe der in der Kunst sonst 
übUchen Trachten der Silene angewiesen*). Bestimmt genannt wer- 
den für den Bühnensilen das ^f>atov^), welches mit dem /ttd)v Cöho- 
tö«; oder dem [(la-ciov Cw^pa^r^töv zu identificieren ist, da es sowohl 
7tT(i)v als tjxdTtov sein kann; die x^avlc iv^vTiJ, ein kleiner bunter 
Ueberwurf, welcher als eine Art Schurz vorkommt®), und das ^otvt- 
xoov tjiaTtov, das entweder auf der Schulter ruht oder um den Leib 
geschlagen wii*d'). Dass die aif^ und die veßpfc, und zwar beide 
als wirkliche Felle, nicht gefehlt haben werden, lässt sich von vom 
herein annehmen ^): die jrapSaX*^ war meist durch Weberei hergestellt®). 



*) WiKSELKR, Satyrsp., p. 106 nannte dies Gewand ava4'jft^t(;, ersetzt jedoch 
Gott. Ind., p. 7 diese Bezeichnung durch otüji-iTtov. Aehnliche Zotteln voraus- 
zusetzen FicoKONi, De larv. scen., Taf. m. Wieseler, D. d. B. XII, 42. Vgl. 
desselben Satyrsp., p. 117 if., die Annahme von Thierfellen wird jedoch durch 
die auffallende Regelmässigkeit der Zotteln widerlegt. Nur VI, 2 sind die Füsse, 
wohl infolge der Nachlässigkeit des Künstlers, nackt, auf den übrigen Ab- 
bildungen erscheinen Schuhe mit dünnen Sohlen. 

*) Poll. rV, 142: 6 TzdicKo^ SeiXyjvö^ ttjv I^Aolv cotl ^pKwi^atepo^. Müller, 
Arch. §. 386, 5. Wieseler, Satyrsp., p. 133. 

') Visconti, Mus. Pio-Clem. I, p. 84; dagegen Wieseler, Satyrsp., p. 124 ff. 

*) Reiche Sammlung Satyrsp., p. 145 — 153. 

^) Poll. IV, 118: xh i'Hjfa'ov xb Atovoataxov. VTI, 77: ^patov xt icotxtXov 
(Phot. s. V. ^patov); VTI, 48: xal ^paiov Ipwittov rjxoi ^LTzb r?]^ vrfjGOo yj xh u>5 
^p'lov evo'vfaijJiEvov. Hesych. O'fjpeov ( — a'ov) iziizXov xh TCOtxiXov, ol 'Atxtxot* 
$0X5» hl anb H-r^pa^ r?j^ vrpoo icpos-rjfOpsöaO'at. Hesych. 6-r]posi5sl<;* e(pa?:Tt^s? iroi- 
xtXw; SfTjvO-iopLsvat. Schoene a. a. 0., p. 23. Satyrsp., p. 150 f. Das Wort be- 
zieht sich nicht auf die Form, sondern auf den Stoff, nur nicht auf Thierfelle. 
Das Gewand ist vorzugsweise bakchisch, findet sich aber auch im Apollokult. 
Athen. X, p. 424 F: üjp)^oövto ooto: itspl xby xoö 'AicoXXtovo^ vewv xob AtjXioo tu>v 
;tpa»Twv oVTS^ 'AtWjvaitov, xal eveSüOVXO Ijiaxta xuiv BYjpaixAv. 

•» Poll. IV, 118. Vn, 48: x^^avl? U IjjiAxtov Xbtixov. Plat. Civ. VHI, 
p. 557 C: SiZTZcp l^ax'.ov iroixiXov, Käotv SvO-eai KSTcoixtX/ievov. Wahrscheinlich zu 
erkennen Wieseler, D. d. B. VT, 10. Keinenfalls ein Gewand aus Blumen, 
worüber Satyrsp., p. 151 f. 

») Poll. IV, 118. D. d. B. VI, 6. 8 und 7. 9. Satyrsp., p. 147. 

*) Poll. IV, 118: vsßpt^, a^Y*^' ^i^ ^*^ lirAr^v cxaXoov xal xpaY*?jv. Phot. 
t5<iXY|* -i] al^eta, sicel t^aXol ol al^e«;. xal i^ako^y irrj^-rjxtxo*;. ScHOENE a. a. 0., 

16* 



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244 



§. 17. Das CoBtüm in der Tragödie und dem Satyrdrama. 



Der ältere Silen trägt einen Stab ^). Das Costüm der Chorsatyrn 
wai* ein sehr einfaches, da sie lediglich einen Schurz aus Ziegenfell 
trugen, an welchem vorn der aufgerichtete Phallos, hinten der Schwanz 
befestigt war^). Im üebrigen hatten sie ein die Nacktheit nach- 
ahmendes a(0(JLdtttov (Tricot)*). Dass sie, wie die Abbildungen aller- 
dings zeigen, mit nackten Füssen aufgetreten seien, ist keincnfalls 
anzunehmen, sondern eine leichte Fussbekleidung vorauszusetzen. 




Fig. 15. 



Was das Costüm des Musiker betriflFt, so zeigen einige bildliche 
Darstellungen, dass dasselbe sowohl in der Tragödie, als im Satyr - 

p. 31. 79 ff. Wieseler, Satyrsp., p. 92, nach dem diese Felle mitunter nach- 
geahmt waren. Welcher, Nachtrag, p. 194 und 213. 

•) Poll. IV, 118: xat 1:00 xal Tcap^aXYj ocpao/AevYj. WiESELER, D. d. B. VI, 
2. 10 und Satyrsp., p. 91; nur selten natürlich. Schoene a. a. 0., p. 79. 

>) D. d. B. VI, 2. Satyrsp., p. 90. lieber die Utensilien, welche in Eur. 
Cyclops zur Anwendung kommen, s. Wieseler, Seen, und kritische Bern, zu 
Eur. Kykl., p. 17. 19. 23. 25 u. a. m. 

*) D. d. B. VI, 1. 2. 3. 4; meist aus Ziegenfell, jedoch einige Älale aus 
mit Stickerei verziertem Zeug. VI, 1 von weisser Farbe, Eur. Cycl. 80: xp^^oo 
yXalva. — Aretaeus De morbis acutis 12: ol i^axypot, xou Atovoaoo lepol, sv rjst 
Ypa^f^at xal xotst a^aXp-aat opO^.a tx/ooat ta alBola, 56}JLßoXov toö ^eioü KpYjf jxaTO<; 
(dagegen in der Komödie Arist. Nubb. 538: oxütivov xaO-etpievov). Eur. Cycl. 
439: oj^ Sia ptaxpoo ^s xov oi?p(üva tov ^»Xov */Yjpe6o|jL£v lovS' o'jx s)^ovxa xaxa'f üytjv. 
Satyrsp., p. 156 ff. Unsere Figur 15 wiederholt D. d. B. VI, 3. 

•) S. die citierten Abbildungen. Hör. A. poet. 221: mox ctiam agrestes 
Satyros nudavit. Luc. Bacch. 3 nennt die Satyrn ^t}\i.vr^zfx^ op^^Tjaxd*;. Welcker, 
Nachtrag, p. 336. Uebrigens macht Wieseler, Satyrsp., p. 161 ff. wahrscheinlich, 
dass ihnen auch die bunte Bühnentracht nicht ganz fremd war, vgl. p. 182 ff. 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 245 

spiel aus dem langen gegürteten Aermelchiton und dem l|idcTiov be- 
stand, also der Kleidung der tragischen Schauspieler entsprach, und 
dass diese Künstler bekränzt waren ^) 



§• 18. 
Das Gostfim in der alten nnd neueren Komödie. 

Während das Costüm der Tragödie sich von der im gewöhn- 
Ucrhen Leben üblichen Tracht durchaus unterschied, musste das der 
Komödie der Natur der Sache nach sich enger an diese anschliessen. 
In der neueren Komödie ist das vollständig geschehen; die alte 
Komödie dagegen, welche zwar ihre Stoffe aus dem Leben nahm, 
jedoch karrikierte, brachte dieses Streben auch in dem Costüm zum 
Ausdruck, so dass dasselbe einige Eigenthümlichkeiten zeigt, welche 
Singular dastehen, während es in anderen Stücken von der üblichen 
attischen Tracht nicht abweicht. Obwohl eingehende Nachrichten 
aus dem Alterthum über die in der alten Komödie verwandte Gar- 
derobe fehlen'), sind wir doch einigermaassen über dieselbe unter- 
richtet, da dasjenige, was sich aus den Komödien selbst entnehmen 
lässt®), durch eine Anzahl unteritalischer Vasenbilder veranschaulicht 
wird *). Diese beziehen sich zwar zunächst auf die unter dem Namen 



*) Für die Tragödie vgl. das kyrenäische Wandgemälde bei Wieseler, 
D. d. B. Xin, 2 und p. 101; für das Satyrspiel das. VI, 1 und 2 und Satyr- 
spiel, p. 16. 22. 202. Arnoldt bei Baumeister, D. d. klass. Altert. I, p. 388. 

') Pollux IV, 118 — 120 bezieht sich auf die neuere Komödie. 

') Baumgarten, Untersuchungen über die Tracht der Athener auf Grund- 
lage einer Zusammenstellung aller einzelnen Ausdrücke, welche sich in den Ko- 
mödien und Fragmenten des Aristophanes finden. Programm von Mies 1876. 
DiERKS, lieber das Costüm der griechischen Schauspieler in der alten Komödie. 
Arch. Ztg. XLni, p. 31 ff. 

*) S. Panofka, Arch. Zeitung 1849, p. 36 und Taf. IV, 1 (= WresELER, 
Annali d. Inst. 1853, p. 38 und tav. d'agg- A B, 5), ibid., p. 42 f. und Taf. V, 1. 
WiESELER, D. d. B. ni, 18; IX, 7—15; A, 25, 26 (IX, 8 jetzt besser Arch. 
Zeit. XLIII, Taf. 5, 1). Derselbe, AnnaU 1853, p. 33 und tav. A B, 4 (= Arch. 
Zeit. 1849 Taf. V, 2); ibid., p. 49 ff. und tav. AB, 8; p. 43 ff. und tav. CD, 6; 
p. 48 und tav. E, 7. AnnaU 1859, p. 369 und Monum, d. Inst. VI, Taf. 35, 1 ; 
p. 384 und Mon. VI, 35, 2; p. 379 und tav. N. Annali 1871, p. 97 ff. und tav. 
G H I (vgl. Philol. XXXV, p. 354 ff.). S. ferner Bull. d. I. 1864, p. 136 und Arch. 
Zeit. 1872, p. 95, 1885 (XLIII) Taf. 5, 2. Dieses letztere im Louvre befind- 
liche Vasenbild wiederholt unsere Figur 16. Thonfigur eines Schauspielers in 
Phlyakencostüm Bullet, d. Inst. 1881, p. 204. Vasenbild bei Heydkmann, Neuntes 



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246 



§. 18. Das Cüstüm in der alten und neueren Komödie. 



f Xoaxe«; bekannten Possenreisser '), indessen ist die Annahme durch- 
aus berechtigt, dass sie das Costüm der alten Komödie wiedergeben % 
da eine dieser Darstellungen entschieden mit einer Scene des Aristo- 
phanes zusammenzustellen ist*) und verschiedene Besonderheiten der 
Tracht sich bei diesem Schriftsteller nachweisen lassen. Hienach ist 
es mm zunächst als eine wesentliche Eigenthümlichkeit des älteren 



^g ^^^f^y i')^ 





rjgfQj/cü/^j'^jfgT^/g/^j^ y^jOj^^^mfW^f^r^ 



Fig. 16. 



komischen Costüms zu bezeichnen, dass dem Urspuunge der Komödie 
otTTÖ TÄv e^apx^vTcov ta ^aXXtxa*) gemäss sämmtliche männliche Per- 



Hallisches Winckelmannsprogramm. Halle 1884. Die Mehrzahl dieser Bilder sind 
ausgezeichnete Karrikaturen. 

*) Athen. XIV, p. 621 E: enaXoövxo ^h ol pLext6vxe(; frjv Totaürr|v watStav 
irapa toi? Adxtoot 8txY|XtOTat, tu? Äv tt? axeooiroiou? zXk'q xat pitfJifjTd?. toö 8i eiSou? 
TÄv Stx-rjXtotwv xaxd totcoo? rlol irpooYjYoptat. Stxotuvtot jiiv ^dp «paXXo'f opoo? ahzob^ 
xaXoüGi, dXXot 5' aoxoxaß5dXoo(;* ol hk ^Xoaxa?, o)? 'IxaXoi. Steph. Byz. s. v. 
Tdpa?: dv5Ypd^*r| xal *Piv9-ti>v Tapavxlvoi;, tpXüoJ xd xpa^txd jisxappoö-pLiCtov gl? x6 
YeXolov. Bernharpy, Gr. Litt. 11, 2, p. 536. Dierks a. a. 0., p. 37 ff. 

») 0. Müller, Archäol. §. 390, 7. Pers., Gr. Litt. II, p. 206. Wieseler, 
Satyrsp., p. 115; 141; 156; 183. BüRSiAN, Hist. Taschcnb. 1875, p. 32, A. 28. 
') Wieseler, D. d. B. A, 25 stellt die erste Sccne aus Aristophanes Fröschen, 
allerdings etwas modificiert, dar; vgl. ibid., p. 110. Ob Dierks a. a. 0., p. 48 ff. 
das Vasenbild D. d. B. IX, 8 mit Recht auf Dikacopolis und Amphitheos bezieht, 
steht dahin. 

*) Aristot. Poet. 4: Y^vojitvir] 8' oüv die' ötpX*^? aüxoayeStaoxtxYj xal aßxY) xal 
•fj xwpoS'la, "Tj fi^v diri xuiv e^ap^^ovxtov xiv 8tö'6pa|J.ßov, 4j 81 dicö xd>v xd cpaXXtxd, 
OL ext xal vöv ev 7coXXal<; xu>v koXswv Sta^ivei vopLtCo|ieva xxX. Schol. Arist. Ach. 
V. 243. Bernhardt, Gr. Litt. II, 2, p. 509. 0. Müller, Gr. Litt, n, p. 197. 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 247 

sonen einen grossen hangenden Phallos trugen*). Aus einer Stelle 
des Aristophanes ^) könnte man schliessen, dass in den ersten Stücken 
dieses Dichters der Phallos nicht getragen sei; jedoch scheint es 
richtiger, die betreffenden Worte auf eine decentere Art des Phallos 
zu deuten, wie sich solche auch auf Vasenbildern findet^). Eine weitere 
EigenthümUchkeit besteht darin, dass das acoji/zTtov, welches bei dem 
tragischen Costüm imter den weiten Gewändern verborgen war*), 
in der Komödie offen getragen wurde, so dass auf den bezügUchen 
Darstellungen manche Personen auf den ersten BUck als nackt er- 
scheinen — vgl. das oben über die Choreuten des Satyrspiels Ge- 
sagte*) — , jedoch lehrt die starke Auspolsterung mit dem TupoYa- 
otpiStov, dem häufig auch eine grosse Verstärkung des Gesässes ent- 
spricht, dass man eine enge anUegende tricotähnhche Kleidung zu 
erkennen kat. Einige Personen tragen ausser dem oü)(i/xTtov weiter 
nichts*), oder nur eine Chlamys"^. In dieser Weise muss der Sklave 
in Aristophanes* Vögeln bekleidet gewesen sein, nachdem er auf Peithe- 
taeros* Geheiss dem Dichter v. 934 seine oTtoXic und v. 947 seinen xitod- 
vCoxoc gegeben hat. In den Ekklesiazusen tragen sowohl die Männer als 
die Frauen des Ohors in gleicher Weise lediglich das aa>|idttov, als sie 
bezw. V. 615 und v. 637 das Obergewand, und v. 662 bezw. v. 686 den 



*) Schol. Arist. Nubb. v. 538 : ela ißeaav ^ap o\ xu>;xixol ^uCtuspivo'. ispjxdxiva 
ot^ola '^skoioD X^P'^* Suid. '-paXXot : ßaxepov Zk Iv. Sep|i.dTti>v epüö-pwv oyri\i.rx. alootoü 
i'/ovxt(; dvSpetoD. xal xoöxo iaoxol? Kzpi^i\i.zvoi h xe xoi< xpa/'r^Xo^; xal [jlsook; xol? 
p,Tjpol(; e4">p/oüvxo, xt/iTjv xtj) Aiovoso) sv zol<; Atovuotot? i'^ovxz^, Arist. Nubb. 538 
in der folg. A. Bestätigt durch die bildlichen Darstellungen; selbst der als Weib 
verkleidete Mnesilochos hat Thesm. 643 den ^olkk6<; unter dem Gewände; vgl. 
D. d. B. IX, 7. Zu dem epo^pov ej 5xpoo Nubb. v. 539 vgl. Wiesbler, Annali 
1853, p. 33 zu tav. AB, 4. S. sonst Arist. Lys. 985 ff. 1074. 1085. Thesm. 62. 
Eccl. 1019 f. 

*) Nubb. 537: tu? 5i otu'fpwv eaxt «pooet (4] xa>^(i>8ia) axe'J^aGO-'* ^i^ KpÄxa 
\i.kv oü5lv YiXO-s ^a']>ajjivY] oxoxivov xa^si^svov epoO-pov s^ ^xpoo, Kfxyß, xoig irai5tot^ 
iv' -J '(i\m<;. Doch lässt Nubb. 734 auf das Vorhandensein des Phallos in diesem 
Stücke, wie wir es lesen, schliessen. Vgl. Bürsun a. a. 0., p. 33, A. 28. 

») Vgl. D. d. B. IX, 7; 12; A, 26. 

*) S. oben p. 230, A. 4. 

*) S. p. 244, A. 3. DiERKs a. a. 0., p. 40 macht darauf aufmerksam, dass 
an dem oto/Adxtov auch die Brustwarzen angegeben sind. 

«) z. B. D. d. B. A, 25 der Xanthias. 

Wieseler, Annali 1871, tav. (}, wo das kugelartige KpoyjLzzpioiov auflTällt. 
Annali 1859, tav. N. D. d. B. A, 25. Annali 1853, A B, 4 hat Neoptolemos die 
Chlamys um den linken Arm gewickelt, also die l'f anxic, über welche zu vgl. oben 
p. 235 A. 4 und AVibseler, Annali 1853, p. 37 ff. 



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248 §• lÖ- I^as Costüm in der alten und neueren Komödie. 

Chiton abgelegt haben. Diese Stelle ist um so interessanter, als 
sie auch für Weiberrollen den Gebrauch des <3<«>[jLdttov nachweist. 
Auf starke Auspolsterung des Leibes lässt eine Scene aus Aristo- 
phanes' Fröschen schliessen, wo v. 663 f. Aeakos den Dionysos imd 
und Xanthias auf den Bauch schlägt, also die Anwendung des TUf/OY«- 
otpiStov gefordert wird^). Mitunter erscheint dies eng anUegende 
aü)(i/xTtov mit eingewirkten oder eingestickten Punkten oder Augen ver- 
sehen*); auf anderen Darstellungen ist es etwas weiter, was durch 
Falten angedeutet wird*); auch bemerkt man Nähte oder horizon- 
tale Streifen*); einige Male gleicht die Beinbekleidung einer ziemUch 
weiten Unterhose*). Li allen diesen Formen macht das ocoiiAttov 
nicht mehr den Eindruck der Nacktheit, sondern den der modernen, 
aus Jacke und Hose bestehenden, Tracht, zumal meist nur Beine 
imd Arme in dieser "Weise bekleidet sind, während sich das aus- 
gestopfte "Wamms, auch durch die Farbe, deutlich als besonderes 
Kleidimgsstück abhebt*). Nach der Zahl der bezüglichen Darstel- 
lungen zu urtheilen, muss diese Art des ocü|idcTtov vorwiegend üblich 
gewesen sein. Ob dieses stets aus Leder verfertigt wurde, steht da- 
hin^. Da übrigens solche Phlyaken auch auf Bildwerken, welche 
sich entschieden nicht auf die Komödie beziehen, als immittelbare 
Begleiter des Dionysos vorkommen, so dürfen wir diese charakteri- 
stische Tracht der komischen Bühne in engen Zusammenhang mit 
dem Dionysoskult setzen®). 



*) Vgl. Arist. Ran. v. 200, wo Dionysos Ya^'cp*"^ genannt wird, und den 
Schol. zu d. St. : dooir^ooof. y«? töv Atovooov icpoYdotopa xal ol^aXiov iirö t**]? ap^^*? 
xal ohorfiko-^ioL^. 

«) D. d. B. m, 18. A, 25. 26. Annali 1871, tav. H. Wieselbr, Satyrsp., 
p. 116 und was dort citiert ist: Salmas. ad. Script. Hist. Aug. II, p. 850 ff. 
Lob. ad Soph, Ai. v. 847. Böttiqer, Kl. Sehr. II, p. 271. 

») D. d. B. IX, 9. 11. 12. 13. Arch. Zeitg. 1849, Taf. V, 1. Annali 1853, 
tav. AB, 4. CD, 6. 1859, tav. N. Mon. d. Inst. VI, 35, 1. 2. Annali 1873, Taf. I. 
Arch. Zeit. XLIH, Taf. 5, 2. 

*) D. d. B. IX, 11. 15. Arch. Zeit. a. a. 0. 

*j D. d. B. IX, 7. 

«) D. d. B. IX, 11. 12. 15. Mon. d. Inst. VI, 35, 1. Annali 1859, tav. 
N. 1871, tav. H. 

^ Jenes nimmt Wieseler, Satyrsp., p. 115 an, jedoch steht dem die häufige 
Andeutung von Falten und das Vorkommen von Horizontalstreifen entgegen, so 
dass man für einige Arten des o(ü|Aatiov wenigstens gewobene Stoffe anzu- 
nehmen hat. 

») WiBSELBB, Satyrsp., p. 116. Denkm. d. a t. Kunst II, Taf. 50, 623 ist 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 249 

Hinsichtlich der übrigen neben dem (3a)|i.dtTtov erscheinenden 
Kleidungsstücke schloss sich die alte Komödie an die im gewöhn- 
lichen Leben übliche Tracht an. Wir haben demnach auch hier 
^S6(JLata und iTctßXTJii/xTa zu unterscheiden. Was die ersteren anbe- 
trifft, so erscheint der durchweg sehr kurze Männerchiton entweder 
als aiiftixaT/oXoc, d. h. mit zwei Armlöchern versehen *) , oder als 
kiiA^i<;^ bei der die rechte Schulter und der rechte Arm vom Ge- 
wände frei bleibt; auf dem unbedeckten Stücke der Brust und der 
Arme nimmt man im letzteren Falle das aoDjxiuov wahr -). In 
beiden Fällen kann ein t(JLittov hinzutreten. Bei Aristophanes wird 
der x^'^**^^; ^s allgemein übUches Kleidungsstück, nur selten erwähnt; 
einen oL\ifi\iÄriako<; giebt der Wursthändler dem Demos ^) ; die IS<«>(xt<; 
wird für Sklaven genannt *), bei denen auch die Sirpdi^ja üblich war *). 
Ein kurzer Weiberchiton ohne Ijxdttov findet sich bildlich nur bei 
einer Gestalt, die etwa der TcavSoxeotpia oder ihrer Magd in den 
Fröschen gleicht*); bei Frauen höheren Standes ist ein langer Chiton 
üblich, zu dem auch das IjxAttov getragen wird^. Ein hSo^a ist 
jedenfalls auch der xpoxcoröc des Weibes in den Ekklesiazusen, des 



Dionysos und ein kleines geflügeltes sileneskes Wesen in Phlyakentracht und 
zwischen beiden ein kleiner Altar mit Früchten dargestellt. ü'HANCARvnJiE, Antiq. 
Etr., Gr. et Rom. I, Taf. 43. IV, Taf. 118. Mus. Borbon. X, Taf. 30. 

*) Annali 1853, AB, 5, wo die Arme und Beine wohl in Folge von Nach- 
lässigkeit des Zeichners nackt erscheinen; ibid. Taf. E, 7. Mon. d. Inst. VI, 
35, 2. D. d. B. IX, 9. 15 und 14, wo sich an das nur bis zum Knie reichende 
Tricot eine eigenthümliche, an lange Strümpfe erinnernde Bekleidung des unteren 
Beines anschliesst. lieber den ajjLcpijjLdo/aXoc im AUg. s. Becker, Charikles IIl, 
p. 207. Blümner, Priv.-Alterth., p. 173. 

«) AnnaK 1853, AB, 4. 1871, I. Mon. d. Inst. VI, 35, 1. D. d. B., A, 26. 
IX, 13, wo eine Person die Exomis um den Leib geschlagen hat, so dass der 
Oberkörper ganz entblÖsst ist; wahrscheinlich auch Annali 1853, CD, 6 bei der 
mittleren Figur, lieber diese Art der e?ü>}jL^ s. Wieseler, Satyrsp., p. 167 ff. 
D. d. B., p. 73 f. 91. Schneider, Att. Theaterw., p. 167 ff. Becker, Charikles 
UI, p. 207. Blümner a. a. 0., p. 176, 3. 

•) Arist. Eq. 882 f.: o^ttwäot' apuftfiar/dXoo xov Ayjjjlov r^^.iu'sa^ yei|j.iüVo^ 

*) Arist. Vesp. 443: oh^kv iu>v irdXat jieptvY^/JLsvot SttpO-spAv xa£tu|j.io(üv. a^ 
ouTo^ rjSixol<; riiiKohA, xal xüvä? xxX. Sie trägt der Chor der Männer in der 
Lysistrate v. 662: öiXXa tY|V cJ«»^-^^' ex$oa»|JLe^', u>^ tov ^v^pa ^st ftvop6^ oC^tv soO-o^ 
und V. 1021 : ötXXa rrjv sJmiJLt^' sv^oam os itpootoöa' eY"** 

^) Arist. Vesp. 444. Vgl. oben p. 237, A. 5. 

«) Annali 1853, AB, 5 = Arch. Zeit. 1849, Taf. IV, 1. Arist. Ran. v. 549 ff. 

') Mon. d. Inst. VI, 35, 2. D. d. B. UI, 18. IX, 7. A, 26. 



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250 §• 18- 1^8 Costüm in der alten und neueren Komödie. 

Dionysos in den Fröschen und des Agathon in den Thesmophoria- 
zusen '). Ein feinerer yyztby ist das TfjjJitStTrXotStov % welches an der 
betreffenden Stelle mit xpoxcotiSiov identisch ist. 

Die IrtßXT^ixata anlangend, so wird für Männer das IjxaTtov häufig 
erwähnt ®), und für Leute geringen Standes der abgeschabte und aus 
schlechtem Stoff verfertigte, Tf>ißa)v oder Tptßwvtov genannte, Mantel*). 
Ein schlechtes t(i/ÄTtov wh-d auch als XiQSdptov^) bezeichnet, während 
die yXoLv^oL ein weicher, namentlich für alte Männer geeigneter, Um- 
wurf ist®). Auch prächtige Gewänder scheinen nicht gefehlt zu 



^) Arist. Eccl. 879: eorr|xa xal itpoxtüxöv Y)^^tsop.lvY]. Ran. 48: 6pu>v Xsov- 
x-r^v 67:1 xpoxu)T(f» xe:jj.6v^v, wo die Löwenhaut die Stelle des Ifidttov vertritt. 
Thesm. 137: xi ßdpßtxo; XaXst xpoxtoxÄ; Vgl. oben p. 232, A. 3. 

*) Arist. Eccl. 317: Xajxßdvo) xooxl xö vt]^ •^o^^a'.Y.b^ •^jit^t^XotStov ; vgl. 331: 
aXXd x^g '(ovMv.b^ l^eXv^Xo^a xö xpoxujxtStov äjjiirto)^6^evo< o6v8üexat. v. 374 wird 
es yttwvtov genannt. lieber diesen Chiton, dessen überlanger oberer Theil um- 
geschlagen wurde und bis auf die Taille herabfiel, s. die reichen Nachweisungen 
bei Blümner a. a. 0., p. 188, A. 4 und 0. Müllrb, Archäol. §. 339, 4. CIA 
n, 754, V. 61. 62: xpoxwxiv JitcXoöv. 

•) Arist. Ach. 1139: h(d^ H ^olfJidxtov Xagcbv tSIpxofJtat. Eq. 891, wo der 
Scholiast irrthümlich an einen x^'^'^v denkt; Nubb. 497. 856. 1498; Vesp. 408; 
Av. 1416; Lys. 1094. 1096. Thesm. 214; bei den verkleideten Weibern Eccl. 40. 
542 u. a. m. Ibid. 408 ff,: p.8xöt xooxov Eoatoiv 6 8eStu>xaxo(; itapYjXO^ Topo(;, tu^ 
8^6x6'. xol(; irXeioatv a?)x6<; ^e |j.evxo5cpa3xev Ijiaxtov exetv wird ein Mann ohne 
Ijj^xtov YOfJ'-vo«; genannt (vgl. Dem. Mid. §. 216. Arist. Lys. 150 ff.). Av. 1567: 
eit' Äpioxep' oüxtui; ajjiTCEyst; oh jisxaßaXel*; ^ol/xdxtov (I>y eirl Se^^iv; wird der 
Triballer wegen des verkehrten Umwurfs getadelt. Vgl. Artemid. III, 24: e^a- 
pioxspa TCsptßeßXTj^ai 9j Znm<; kozI •^z'Koiia^ xal jj.7] xo3^tu>^ waot wovYjpov. K. F. 
Hermann zu Luc. De bist, conscr., p. 135. Becker, Charikl. III, p. 216. Blümner 
a. a. 0., p. 174, A. 4; dargestellt Wieseler, D. d. B. XII, 9; femer Mon. d. Inst. 
VI, 35, 2. D. d. B. ni, 18; IX, 7. 9. 13. Annali 1853 CD, 6. In allen diesen 
Fällen tragen die Personen auch den Chiton. 

*) Arist. Plut. 881: eitel ro^ev W.fJiaxtov etXiqtpag xoSi; Ix^H 5' e/ovx' elhov 
Ol' t'^Cti xp'.ßiuvtov wird das schlechtere xpißmvcov dem besseren Ifjiaxiov entgegen- 
gesetzt. Vgl. Stob. Floril. V, 67 (I, p. 167, 15 Meineke): tuaicep Ip-axiov xpißcuva 
Ysvojisvov. Suid. xptßiovtov . . . t|jLdxiov iiaXaiov. Vesp. 1122. 1131. Beim Chor 
Ach. 184. 343, und Ran. 404 ff.: co y»? xaxsGXtoto fJisv £7:1 y^Xiox: väk* eüxeXsia 
xov X8 3av5aXtaxov xal xh faxoc, wo der Schol. f»axo<; durch xpißcoviov erklärt. 
Vgl. Schol. Arist. Plut. 882. Becker, Charikl. III, p. 217 f. Blümner a. a. 0., 
p. 175, 6. 

*) Bei dem Poeten in Arist. Av. 915: oax Ixhq oxpYjpov xal xh X-gSaptov 
syei;, wo der Scholiast: oxi xexpYjjjLevov -Jjv aüxoö xal xh l/tcixiov. Hes. X^^iov 
xp'.ßoivtov eüxsXI;. Suid. Xig^dptov s6xsXI? tjjtdxiov ^epivöv. Poll. VII, 48. Becker, 
Charikl. HI, p. 231. 

®) Arist. Vesp. 736; xal |J.*r)v ^ps'loi y' ^oxbv :cape5^a>v Ssa :ipeoßux)j 5'J|J'-'f6pa, 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 251 

haben, wie das purpurverbrämte des Bdelykleon *) oder die ßatpayig 
des Agorakritos ^). Endlich mögen noch die oTcoXdc, ein über den 
Chiton angelegtes ledernes Wamms für Sklaven®), und die otoöpa, 
zunächst ein als Schlafdecke dienendes Ziegenfell, aber auch ein 
dicker Mantel *), erwähnt werden. Auch für Weiber findet sich das 
t(j.aTtov erwähnt^), insbesondere das &^xoxXov*); sehr lehrreich ist 



yov^pov Xei)^stv, /Xalvav {i.aXax'fiv, 3t3'Spav. 1131 ff.: xyjvBI 51 -/Xalvw/ ötvaßaXoö 
Tptßoiv'.xü)^ xtX. Vgl. Av. 1089: ot xs-jJ^tovo^ ji^v yXatva^ oox ötiAÄiayvoüvta:. Eccl. 
507: ^iiccelte yXatva(;, e{J.ßa( rx icoSu>v Ttüi legen die Weiber die ^Xalva wieder 
ab. Poll. X, 123: rrjv yXalvav 8e o5xu>< exdtXoov ol tyj<; xtti^(}>$toc( icotYjtat, fJiova 
ta Tta/ia Ijidtta Taüxr^g iyj? i:poTr]Y*^P'°^ iStoövxjg. BECKER, Charikl. III, p. 230. 
Blümner a. a. 0., p. 177, 2. 

*) Arist. Vesp. 475: xod (popu>v xpdioittSa oxt^fjidKuv (wo vielleicht xpdcoKcS' 
tx 0Tt)X}jLdit(uv zn lesen ist) und Schol.: ;xaxp^ tot xpdoictSa (popiTv, 8 tati xob^ 
xpdoaODc. Blümksr a. a. 0., p. 179, 4. 

") S. oben p. 284, A. 8. 

') Arist. Av. 988: ohxo^, ob jiivtot oicoXdSa xal y(j.z(öy* f/*'^» i'^^Sud-t xal 86^ 
x(f^ icotTjt^ T<f» ootpcf). Vgl. Poll. Vn, 70; OTcoXd^ Si d-wpaS ix 8^p[jLaT0c, v-axd xoö^ 
&|jLOüC t?paiix6jxtvoc. Der Schol. zu Av. a. a. 0.: nph^ z^v onoKiJ^a, Bxt Ät^Wpa 
6icoia6öv, zeigt jedoch im übrigen Schwanken. Wiesbleb, Satyrsp., p. 86. Crött. 
Ind., p. Uff. 

*) Arist. Nubb. 10: aXXA nipSexat ev icivxe ataopa'.f; l^xexop^oXiqpLlvo?. Lys. 
933: otoüpav o6x e^si^; vgl. Eccles. 347: tva jiyj 'YXcsat/i' e^ xi^v otoopav, und 421. 
Poll. X, 123: xal yet|jL(jjvo<; obopat. Becker, Charikl. III, p. 29. Als Mantel Vesp. 
738 (s. oben p. 250/51, A. 6), wo der Schol. : otaopa xaXstxat wapi jxiv xtotv yj ßaixiq. 
eaxt hk itepißoXatov ex §ep[i.axu>v 0üV8ppafJL|J.lvü)V TCpoßaxettov eyovxcov xd ?pta. ol 81 axpj- 
ßioxepot ipaat yXalvav traXatav (rea/slav Meineke F. C. G. IE, p. 133) elvat ditXotSo. 
Schol. Ar. Ran. 14.59: yXa{v7]<; et5o<; eöxeXoö^* .. . xiv^^ hk l|idxiov xpay?) xal irayu, 
TTCptßoXatov ötYpotxixiv SouXtxov, icaXatov ^ ytxtov 85ppLdxtvo(;. Becker, Charikl. 
III, p. 79. Blümner a. a. 0., p. 176. Vielleicht zu erkennen an dem Bewaffiieten 

D. d. B. rx, 7. 

*) Arist. Thesm. v. 250: dXX' l[i.dxtov y^öv yp-rjocv 4jpLlv xooxtpl xal oxpo^tov. 
568: Xaß^ Wt|j.dTtov, ^iXioxtj. 656 f. 1181. Plut. 1199: eyooaa 8' •?)XÖ'E(; aoxT] 
::otxiXa ein buntes. Es mag einen etwas andern Schnitt gehabt haben, als das 
der Männer, wenigstens werden Eccl. 75 und 275 tji.dTia avopeta, CIA 11, 754, 15; 
755 V. 8 f. Ijidxtov y)yatv.zlov erwähnt. Darstellungen D. d. B. III, 18; A, 26? 
IX, 7 ein als Weib verkleideter Mann. Mon. d. Inst. VI, 35, 2 ein am Saum 
reich ornamentiertes. Becker, Charikl. lU, p. 225. 

^) Arist. Lys. 113: rfio ^ev Sv xdv ei p yps''*'] xooyxoxXov xooxl xaxaO^Toav 
exKtetv a60-fj}j.spov. Thesm. 261: cpsp' fjc^oxXov xt. 499. Aelian. Var. hist. VH, 9: 
zv^2 xal •?! ^cüxuovo^ '^ovi] xh ^a>xt«>vo(; Ijidxiov e'^opsi, xal oh^lv PjbIxo oh xpoxiü- 
xoö oö xapavxtvtotoo oox dvaßoX:^*; o&x ey^^^^^Q^ ^^ xsxpocpdXoo oö xaXoKXpa^ öt» 
ßa:rx(üv ytxtovbxtüv ; CIA 11, 756, 25 und 754, 48 svxoxXov ^rotxiXov. Schol. Thesm. 
261: StjXöv H 3xt xb rfxoxXöv IjJLaxiov, 6 5s xpoxiuxo^ ev8ü|ia. Eustath. ad H. 



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252 §• 18» I^as Costüm in der alten und neueren Komödie. 

die Scene der Thesmophoriazusen, in welcher Mnesilochos verkleidet 
wird ; derselbe legt über das oü>|iteov mit dem Phallos zunächst den 
xpoxü>TÖ^*) an, gürtet diesen mit dem otpöyiov ^), lässt sich darauf 
den untern Theil des xpoxcotö«; ordnen') und erhält zidetzt das 
r^xoxXov *). Man vergleiche ferner Lysistrate v. 925 ff., wo Myrrhine 
sich entkleidet. 

Auch die Kopfbedeckungen sind der Tracht des Lebens entlehnt. 
Aristophanes erwähnt die xovfj^); auf den Abbildungen begegnen 
verschiedenartig geformte Mützen^). Ob Zeus, wie es scheint, den 
modius trägt, ist zweifelhaft ^) ; Hermes hat den 7r^aoo<; ®) ; bei Herr- 
schern sehen wir die Krone®); Apollo ist mit dem Lorbeerkranze 
geschmückt'*^). Bei Aristophanes erscheinen bekränzt ein Seher '*), 



XIV, 178, p. 976, 12 und dazu Fritzsche ad Arist. Thesmoph., p. 90 f. Becker, 
Charikl. m, p. 223. Blümner a. a. 0., p. 188, 3. Die Form lässt sich nicht 
genau bestimmen; es war wahrscheinlich rund geschnitten. — Thesm. 730 ist 
der ein Kind repräsentierende Schlauch mit dem KpY)tix6v bekleidet; Hes. s. v. 
Kp-rjttxiv IfjLaxl^tov Xtirtöv xal ßpaxo. Phot. s. v. Enger und Fritzsche zur St. 
d. Thesm., wo der letztere glaubt, bei Aristophanes sei ein anderes Gewand zu 
verstehen, als das, von dem PoU. VTE, 77 sagt: ixaXtlxo hi tt xal KpYjttxiv, ^ 
'A^VYjotv 6 ßaotXtö; i^prixo, 

*) Thesm. 253: t6v xpoxu>töv ^tpÄTov evSaoo Xaßouv. 

*) Ibid. 255: o6Cü>oov <iv6ooi?, alpe vov otpo^iov. Letzteres ist hier, wie 
Thesm. 139 und Lys. 931 der über dem Gewände liegende Gürtel, während es 
Thesm. 638 : x*^^** taysiu^ xb OTpotptov, (Lvaia/üVTe zö die Busenbinde zu sein scheint. 
Vgl. Becker, Charikl. HI, p. 226. Blümner a. a. 0., p. 193, A. 3. Müller, 
Archäol. §. 339, 3. 

') Thesm. 256: i^, vov xatdsteiXov jxe xa i:«pl tu> ox^Xt). Fälschlich wird 
Charikl. UI, p. 223 behauptet, der xpoxwxo^ sei zu kurz und um diesem Mangel 
abzuhelfen, bekomme Mnesilochos das rjcxoxXov. Auch an die goldenen Beinringe, 
irepiaxcXtSs^, von denen Alciphr. Ep. frgm. 4: ptexa xyj^ aXaatw^ xal täv Kep»- 
sxeXi^cov; Hor. Ep, I, 17, 55; Petron. 67 die Rede ist, ist nicht zu denken. 

*) Thesm. v. 261: ^pep' s^x^x^ov. 

*) Arist. Vesp. 445 (vgl. oben p. 249, A. 4) für Sklaven. Nubb. 269: 
To ?e l^ffi^ xovrjv otxoO-ov sXO-civ tji.^ tov xaxooaijxov' e/ovxa. Vgl. den Krieger, D. 
d. B. IX, 7. W1ESEI.ER, Satyrsp., p. 146. Becker, Charikl. lU, p. 264. 
Blümner a. a. 0., p. 180, 3. 

«) Annali 1853, AB, 4; 1859, N. Mon. d. Inst. VI, 35, 2. 

') D. d. B. IX, 11 und dazu Wieselbr, p. 59; vgl. ibid., p. 92 zu 
XII, 10. Die Mütze des Zeus, Annali 1859, tav. N ist keinenfalls als modius 
zu fassen. 

«) D. d. B. IX, 11. «) Ibid. IX, 7 und 9. 

»«) Mon. d. Inst. VI, 35, 1. 

") Arist. Pac. 1044: xal f^p ouxool :tpo3£px^xat 5d'fv*jj xii eoxe'foivü>}JL6vo;. 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 253 

die Rednerinnen in den Versammlungen ^), Karion, als er vom Orakel 
kommt, und der zum Gelage gehende Jüngling im Plutos^). Bei 
weiblichen Personen finden sich einige Male die 1\l6lxiol über den 
Hinterkopf gezogen*), auch Mützen und das Diadem*) fehlen nicht; 
speciell werden erwähnt xexpoydüwoc ^), (ittpa ^) und xs^aX*}) TueptÖ'STo^ ^). 
Was die Fussbekleidung betrifl't, so ist leider aus den Abbil- 
dungen nur wenig zu entnehmen, da dieselben fast ohne Ausnahme 
nackte Füsse zeigen, was jedenfalls auf Nachlässigkeit des Zeichners 
zurückzuführen ist. Einige Male sind niedrige Schuhe dargestellt, 
indess lässt sich ein. Unterschied zwischen Männer- und Weiber- 
schuhen nicht constatieren ®). Wir werden in denselben die häufig 
erwähnten SfißiSs^ ®) zu erkennen haben, die gemeinere Tracht *^), wie 

*) Arist. Thesm. 380: wsptö-oo vüv xovSe icpAxov irplv Ks^v.v. Eccl. 122: t'^m 
oh (fsloa xoo^ OTS'^avoo^ KB^iZrpo^i xat)x*yj ixsö«' 6}i.a>v, y^v xt piot ^ö^-q Ki-^v.v. Vgl. 
131. 133. 148. 163. 171. 

*) Arist. Plut. 21: oo -^rxp ^s xoKxrpti^ oxl^avov l^ovra y^* 1040: TP. eotxs 
^^ eicl x(I»[iov ßa^t{etv. XP. <patV8xat. oxe^pdvoa^ y* '^^^ ^?^' r^^cuv tcopsosxat. Vgl. 
die Darstellungen Annali 1871, Taf. I. D. d. B. IX, 4. 5. 6. 

») D. d. B. IX, 3. Mon. d. Inst. VI, 35, 2. 

*) Annali 1871, H eine ziemlich hohe Mütze; ein gezahntes Diadem Mon. 
d. Inst. VI, 35, 2, wo sich dasselbe jedoch auch bei dem Diener ßndet. Vgl. 
Wieseler, Annali 1859, p. 384. 

**) Arist. Thesm. 138 : xi hi Xopa xexpu^aX«}). 257 : xexpo^pdXoo 8et xal jilxpa^ 
ein Haarnetz beim verkleideten Agathon. Vgl. PolL VEI, 179 : xexpü^paXoKXdxo?. 
Becker, Charikl. III, p. 303. Blümner a. a. 0., p. 194. 3. 

^) Arist. Thesm. 257. 941 : tva ji-rj 'v xpoxiuxoi^ xal ixtxpai^ -^i^üiv avYjp f^Xiwxa 
itapr/(u xolq xopa^tv £axtu>v, eine Haarbinde. Poll. IV, 154: 4| Zk oidcfjiixpo^ H-^'^p? 
TTO'.xtX-jj x^v xs^a^Y^v yxxziXtiKxrxi. Bei Aristophanes scheint sie zum Festhalten 
der Kopfbedeckung zu dienen. Becker, Charikl. HI, p. 304. Blümner a. a. 0., 
p. 194, 2. 

^) Arist. Thesm. 258: 4^51 ;x^v odv, xetpotA^ itepiOrcov tJv l'fm vuxxoup ^opu). 
Poll. H, 35: IXs^ov Sl xal XE^paX*r]v Tcepidexov, tu^ 'Aptaxo^dtvY]^, u>$ äv etitotev ol 
vöv irspiO-sxYjv, xal iraXiv xtjv icept^xov xofifjv, eine dem Agathon als Nachtmütze 
dienende Haartour. Vgl. Ael. V. bist. I, 26 von einer Tänzerin: ir8p'>exov 8e 
sl/e x6/xYjv xal Xo^ov eitl xyj^ xecpaXYjc;. Krause, Plotina, p. 192. Charikl. III, 
p. 306. Blümner a. a. 0., p. 201, 5. Fritzsche, Arist. Thesmoph., p. 88 denkt 
an eine weibliche Maske. 

«) Annali 1853, tav. CD, 6; E, 7. 1871, tav. G H. Mon. d. Inst. Yl, 35, 1. 2. 
D. d. B. ni, 18; IX, 12. 14; A, 27. 

®) Z. B. Arist. Eq. 872: aXX' rfu> ooi Csö^og Ttpta/xsvo^ e{J.ßdooiv xooxl (popsiv 
^i$m{JL'.. Nubb. 858: xa<; o' t\i^a^jri^ icol xsxpocpa<;, a»v6*fjxs 3ü; vgl. Vesp. 274. 
447. 1157. 1162; Eccl. 47. 341. 507. Ammon. De differ. vocabb. p. 49: ep-ßd^j? 
xal sjJL^axa $ta'f spei * sjißdSs^ jjlIv ^ap xA xu>|ut.ixd oKoZrjj^axaf e|JLpaxa oi xd xpa^ixa. 



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252 §• 18» I^as Costüm in der alten und neueren Komödie. 

die Scene der Thesmophoriazusen, in welcher Mnesilochos verkleidet 
wird ; derselbe legt über das oü>|idTtov mit dem Phallos zunächst den 
xpoxcoTÖ^ ^) an , gürtet diesen mit dem otpöyiov ^), lässt sich darauf 
den imtem Theil des xpoxcotö«; ordnen') und erhält zuletzt das 
^oxXov *). Man vergleiche femer Lysistrate v. 925 ff., wo Myrrhine 
sich entkleidet. 

Auch die Kopfbedeckimgen sind der Tracht des Lebens entlehnt. 
Aristophanes erwähnt die xovr^^); auf den Abbildungen begegnen 
verschiedenartig geformte Mützen*). Ob Zeus, wie es scheint, den 
modius trägt, ist zweifelhaft ^) ; Hermes hat den 7r^Taoo<; ®) ; bei Herr- 
schern sehen wir die Krone®); Apollo ist mit dem Lorbeerkranze 
geschmückt^®). Bei Aristophanes erscheinen bekränzt ein Seher*'), 



XrV, 178, p. 976, 12 und dazu FRrrzscHB ad Arist. Thesmoph., p. 90 f. Becker, 
Charikl. HE, p. 223. Blümner a. a. 0., p. 188, 3. Die Form lässt sich nicht 
genau bestimmen; es war wahrscheinlich rund geschnitten. — Thesm. 730 ist 
der ein Eand repräsentierende Schlauch mit dem Kpvjtixov bekleidet; Hes. s. v. 
Kp-Tjttxöv IfjLaxt^tov Xtirtöv xal ßpax«. Phot. s. v. Enger und FRrrzscHE zur St. 
d. Thesm., wo der letztere glaubt, bei Aristophanes sei ein anderes Gewand zu 
verstehen, als das, von dem PoU. VTE, 77 sagt: ixaXttto U tt xal KpYjxtxiv, 4> 
'A^VYjatv 6 ßaatXsö? i^pf^o, 

*) Thesm. 253: t6v xpoxü>t6v Kpdjtov tviuoo Xaßwv. 

*) Ibid. 255: ooCü>oov avoaa^, alpe vt)v oxp6^tov. Letzteres ist hier, wie 
Thosm. 139 und Lys. 931 der über dem Gewände liegende Gürtel, während es 
Thesm. 638: /«iXa Taysux; zh otpotptov, (Mvatoxovxe z6 die Busenbinde zu sein scheint. 
Vgl. Becker, Charikl. III, p. 226. Blümner a. a. 0., p. 193, A. 3. Müller, 
Archäol. §. 339, 3. 

') Thesm. 256: t^. vüv xaxastetXov |ie xa Kspl xü> oxeXt). Fälschlich wird 
Charikl. III, p. 223 behauptet, der xpoxcoxo; sei zu kurz und um diesem Mangel 
abzuhelfen, bekomme Mnesilochos das rYxoxXov. Auch an die goldenen Beinringe, 
irsptaxsX'lSs^, von denen Alciphr. Ep. frgm. 4: [xsxa r/]^ dXüssiu^ xal xibv :rsp'- 
3XeXt$a>v; Hör. Ep, I, 17, 55; Petron. 67 die Rede ist, ist nicht zu denken. 

*) Thesm. v. 261: tpep' eYXoxXov. 

*) Arist. Vesp. 445 (vgl. oben p. 249, A. 4) für Sklaven. Xubb. 269: 
zh ^k \i.rßh xovYjv otxo^sv eXO-etv t\Lh xov xaxooatjxov' e/ovxou Vgl. den Krieger, D. 
d. B. IX, 7. Wieseler, Satyrsp., p. 146. Becker, Charikl. III, p. 264. 
Blümner a. a. 0., p. 180, 3. 

ö) Annali 1853, AB, 4; 1859, N. Mon. d. Inst. VI, 35, 2. 

') D. d. B. IX, 11 und dazu Wieseler, p. 59; vgl. ibid., p. 92 zu 
XII, 10. Die Mütze des Zeus, Annali 1859, tav. N ist keinenfalls als modius 
zu fassen. 

») D. d. B. IX, 11. «) Ibid. IX, 7 und 9. 

»♦0 Mun. d. Inst. VI, 35, 1. 

") Arist. Pac. 1044: xal y«P ooxosl :tpo3£px^xai oa'fvijj xt-: eaxe'favcojxEvoc. 



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§. 18. Das Costüra in der alten und neueren Komödie. 253 

die Rednerinnen in den Versammlungen *), Karion, als er vom Orakel 
kommt , imd der zum Gelage gehende Jüngling im Plutos ^). Bei 
weiblichen Personen finden sich einige Male die tjiatta über den 
Hinterkopf gezogen^), auch Mützen und das Diadem*) fehlen nicht; 
speciell werden erwähnt xexpixpaXoc *), (iitpa ®) und xs^f oX-Jj Tuspcä^toc ^). 
Was die Fussbekleidung betrifft, so ist leider aus den Abbil- 
dungen nur wenig zu entnehmen, da dieselben fast ohne Ausnahme 
nackte Füsse zeigen, was jedenfalls auf Nachlässigkeit des Zeichners 
zurückzuführen ist. Einige Male sind niedrige Schuhe dargestellt, 
indess lässt sich ein. Unterschied zwischen Männer- und Weiber- 
schuhen nicht constatieren ^). Wir werden in denselben die häufig 
erwähnten £(ißd5s^ ^) zu erkennen haben, die gemeinere Tracht *^), wie 



*) Arist. Thesm. 380: irspt^^o vov x6v3c TCpu>xov irplv Xrceiv. Eccl. 122: efw 
Zi fl-slaa TOü(; ots^pavoü^ mpi^jrpo^kai xaoxYj ixsö-' rjjjLmv, -/jv xt [Loi ?o5|ß Xl^stv. Vgl. 
131. 133. 148. 163. 171. 

*) Arist. Plut. 21: oo ^otp ^s xüicx-rjast^ oxl^avov e^^ovxa y*» 1040: TP. eotxs 
B^ em xu>|JLov ßa§t{etv. XI*. cpatvjxat. <3X8',pdvoa^ y* '^^^ ^?^^ e^^tov icopsosxai. Vgl. 
die Darstellungen Annali 1871, Taf. I. D. d. B. DC, 4. 5. 6. 

») D. d. B. IX, 3. Mon. d. Inst. VI, 35, 2. 

*) Annali 1871, H eine ziemlich hohe Mütze; ein gezahntes Diadem Mon. 
d. Inst. VI, 35, 2, wo sich dasselbe jedoch auch bei dem Diener findet. Vgl. 
WiESKLER, Annali 1859, p. 384. 

^) Arist. Thesm. 138 : xi 3i Xopa xexpu^dX(}>. 257 : xexpo^pdXoü 8el xal fiixpa^ 
ein Haarnetz beim verkleideten Agathon. Vgl. Poll. VII, 179: xsxpo^paXoirXoxo^. 
Becker, Charikl. III, p. 303. Blümner a. a. 0., p. 194. 3. 

*) Arist. Thesm. 257. 941 : Iva ji-rj 'v xpoxwxot? xal jitxpat^ y^P*"^ ^^P •yiXwxa 
icapr/o> xoi; xopa^tv iaxwov, eine Haarbinde. Poll. IV, 154: 4| 81 otafitxpo? H-^xpa 
-o'.xiX-g XTjv xscpaX-fjv xaxstXirj^rxat. Bei Aristophanes scheint sie zum Festhalten 
der Kopfbedeckung zu dienen. Becker, Charikl. III, p. 304. Blümmer a. a. 0., 
p. 194, 2. 

^) Arist. Thesm. 258: rßi /xlv oov, xsjpaX^ itep'lö'sxov r^v h^oa vüxxcop ;pop4u. 
Poll. II, 35: Tas^ov 8e xal xe^oXYjv Tctp'ö-sxov, (og 'Apioxo^pdvY]^, u>$ 5v el^ioiev ot 
vöv ic8pi0^xY]v, xal TiaXtv xtjv icept^exov xojjLfjv, eine dem Agathon als Nachtmülze 
dienende Haartour. Vgl. Ael. V. bist. I, 26 von einer Tänzerin: ir5p'>8xov 8s 
sr/E xo/xYjV xal Xo'fov etil xt]; xe^paXri^. Krause, Plotina, p. 192. Charikl. III, 
p. 306. BlOmner a. a. 0., p. 201, 5. Fritzsche, Arist. Thesmoph., p. 88 denkt 
an eine weibhche Maske. 

«) Annali 1853, tav. CD, 6; E, 7. 1871, tav. G H. Mon. d. Inst. \% 35, 1. 2. 
D. d. B. UI, 18-, IX, 12. 14; A, 27. 

*) Z. B. Arist. Eq. 872: <3tXX^ h^vn ooi Ceö^og trptafJievo<; 8|JLßdc8otv xooxl (fopsiv 
8t8iüjjLi. Nubb. 858: xa<; o' eji^a^a; izol xsxpo'^a?, wvoyjxs ao; vgl. Vesp. 274. 
447. 1157. 1162; Eccl. 47. 341. 507. Ammon. De differ. vocabb. p. 49: 6|xpa8£? 
xal sjiflaxa 8ia'f epst ' e{JLßa8s<; |jl^v y^P ti xaijULixa ütro^-rjjxaxa, gjxpaxa o^ xa xpa-ytxa. 



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254 §• 18« I^ftß Costüm in der alten und neueren Komödie. 

die Zusammenstellung mit den besseren Aaxwvtxat ^) zeigt. Die letz- 
teren werden für Männer mehrfach genannt^), wie für Weiber die 
üepotKai^). Ausserdem findet sich die allgemeine Bezeichnung otto- 
Si^jiÄTa*). Wenn ausserdem vom xö&opvo? die Rede ist, so haben 
\vir nicht an den tragischen Kothurn zu denken, sondern an einen 
Weiberschuh, der vielleicht mit den IIsf^otTtai zu identificieren ist^). 



Thom. Mag.: ejxßdSe? ta xwjxixi uito5*fjji.axa. l\i,^6L^',0L ^k zu a^Xdi^ 6TtoOYj|JLaTa. Ptol. 
Ascal. §. 42: 6|xß<4?e5 jiiv xiujyitxa üico5*r]^ata, e|J.^dxat xpa^ixi. Hes. eftßoc^ • slio? 
ü7ro8"fj/xaTO^ • toü>5 irapi xö epißcrivs v xo6^ icoSoi^ xaxü>v6p.aoxai. Mehr bei ScHNEroER, 
Att. Theaterw., p. 162 f. Vgl. oben p. 239, A. 4. Indessen ergiebt sich aus 
Aristophanes, dass die tii^aZz^ nur für Männer üblich waren. Suid. ijJLßd? • xa 
uJCoSYjjJLaxa xd dvSpsia. 

*®) Poll. VII, 85 : sfißdSe? • soxeXl^ jilv xh 67c65Yj|J.a, Bpaxtov St xb £üp*r]|j.a, 
xYjv St ISiav xoö^pvot; xaicstvot^ Toixev. Isaeus V, 11, p. 51: xal Kpi<; xoi? 5XXot^ 
xaxoi^ ovttSijEt xal rj-xaXtl auxö», oxi efißdSa^ xal xpi^wvia tfopsl, u>3icep . . . oox 
dSixÄv, Sxt d^£X6|j.gvo^ at>x^>v x& ovxa wsvYjxa Tcsicot-rjxsv. Charikl. III, p. 277. 
Blümner a. a. O., p. 181. 

*) Arist. Vesp. 1157: dys vov, dicoSuoo xd? xaxapdxou<; £jj.ßd5a?, xaaSl 8* 
dvooa? üTCoSuö't xd? Aaxu)vixd?. Dni:RKS, Arch. Zeit. XLIIT, p. 43 sieht hier den 
Unterschied nicht in der Form, sondern darin, dass die einen Schuhe alt, die 
anderen neu sind. 

*) Arist. Thesm. 142: itoO yXalva; nob Aaxtuvtxat; EccI. 74. 296. 345 werden 
sie von den verkleideten Weibern getragen. Sie sind eleganter und von rother 
Farbe. Poll. VII, 88: al 8i Aaxüivtxal x6 jjlIv XP"*J^* spüO-pat, xo5vo|jLa 8i 8yjXo; 
x6v xYj? s6p^3tu>? xojcov. Da sie indessen nach Eccl. 314: xd? Jjißdio? {-rjxÄv 
XaßE'v ev xü> ^xoxo* und 345: oü?^ eYü> ydp xd? Ejid? Aaxtuvtxd? verglichen mit 
507 ff.: Sji.^? 8x TCO^Äv ixü», /dXa ^oyrxKxoh^ -r^vta? Aaxcuvtxd? mit den e/xßdie? 
identificiert werden, so müssen sie in einer feineren und einer gröberen Form 
vorgekommen sein. Charikles III, p. 278. Blümner a. a. 0., p. 181. Ddcrks a. a. O. 

') Arist. Eccl. 319: xal xd? cxeivr^? Ihpatxd? u^sXxopia'.. Thesm. 734: dax6? 
sfsvstf^ Yj xopTj otvoo irXsto?, xal xaöxa Ihp^ixd? syiuv. Lys. 229: oo wpi? xiv 
opotpov dvaxevci» xui Ihpotxd. Poll. VII, 92: TSta 8fe •^ovw.^vii'^ oKO^Yj/xaxa Ihpsixai. 
Xeoxiv üTt68Yj|i.a, jxdXXov ixatptxov. Jedenfalls ein gewöhnlicher Frauenschuh. Hes. 
Ilepatxd . . . coxsXtj uiro54jjiaxa. Charikl. III, p. 281. WiESELER, Satyrsp., p. 73, 
A. denkt an Stelzenschuhe, und Blümner a. a. 0., p. 196 schreibt sie den höheren 
Ständen zu. 

*) Ohne Zusatz eigentlich Sandalen nach Poll. VII, 84: Xrfoixo ^^ dv xal 
6;ro?*rjji.axa xotXa, ßa^a, e»? iiear^v xr^v xvt^xYjv dvYjxovxa. xd 81 |jl*>j xocXa auxi jxovov 
d::o/pYj elicilv öicoS-r^fiaxa. Bei dem verkleideten Agathon Thesm. 262 : 6TCoSirjp.dxu>v 
§el dürften jedoch Schuhe vorauszusetzen sein; vgl. ibid. 263: MNII. dp' dpp.6oEt 
/iot; Kn*. yaXapd -(obv yatp-t? <fOpä»v und dazu Fritzsche. 

*) Der als Herakles verkleidete Dionysos trägt sie Ran. 47: xt xoO-opvo? 
xal foicaXov {üvtiXO-ex^v; 556: ob |J.8v oov |jls icpoosSoxa?, 6xfrj xoö-opvou? etyrt?, dv 
fvtuvat o' fxt; als seiner weibischen Dionysostracht eigenthümlich. Als Weiber- 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 255 

Im übrigen ist zu bemerken, dass die Götter ihre Attribute 
haben, Zeus den Blitz ^), Apollo den Bogen ^), Hermes das XYjpö- 
xstov*), Herakles Keule und Löwenhaut^). Könige haben ein Scepter ^), 
und bei Landleuten imd Personen niederen Standes finden sich Stäbe 
in verschiedener Form*). Auch Waffen') fehlten auf der komischen 
Bühne nicht, und Lamachos erscheint in den Achamern in der 
PanopUe^). In den Vögeln wird die Bewaffhimg parodiert®). 

Ausserdem kamen auch groteske Costüme vor, wie das des 
Pseudartabas in den Achai'nem ^®) , welches jedoch verschieden ge- 
deutet wird, und das der Iris in den Vögeln, welche durch den 



schuhe auch Eccl. 346: Iq tü* xoö-opvtu tu> koS' evö^l? rsjJLat. Dieselben werden 
jedoch ibid. 319 ÜEpatxat genannt. Suid. xoO-opvo^ OKO^Yjiia aii'^oxspooeitov. . . . 
xod-opvo^ Kpb^ xä^ OKOOrrpzi^ av^paat xal Y^vatjlv e^ap[j.6tT£t. Et. Magn. xo^opvo^ 
Yfivatxeiov oiro^Y^p-a xb ox^P'-^» «ippiofov a|j.?pox6pot(; xol<; icoat. Wieseler, Satyrsp., 
1>. 72 f. Charikl. III, p. 282 werden sie mit Bezug auf die Stellen der Eccl. für 
die gewöhnlichsten Frauenschuhe erklärt, auf beide Füsse paasend, daher geeignet 
zu Hausschuhen. Blümner a. a. 0., p. 196 dagegen nimmt sie für die besseren 
Stände in Anspruch. Trug Meton Arist. Av. 994: xi^ yj ^mvota, xi^ ö x60'opvo<;, 
vri<; oooö; den tragischen Kothurn? 

>) Annali 1859, tav. N. 

2) Mon. d. Inst. VI, 35, 1. 

») Wieseler, D. d. B. IX, 11. 

*) Beides D. d. B. IH, 18. Die Keule allein ibid. IX, 9; A, 26. Mon. d. 
Inst. VI, 35, 1. Auch der verkleidete Dionysos hat beides. Arist. Ran. 44 f., 
495 f.; auf dem Vasenbilde D. d. B. A, 26 jedoch Keule, Bogen und Chlamys. 

^) D. d. B. IX, 7. 9. Annali 1859, N. 

^) Knotenstock D. d. B. IX, 10, gewundener Stab ibid. IX, 13. Annali 
1853, CD, 6. Mon. d. Inst. VI, 35, 2; gerader Stab ibid. In den Eccles. 74: 
Aaxiuvtxöf: -(ap exexe xal ßaxrrjpia^, vgl. 151. 276. 509 tragen die verkleideten 
Weiber die ßaxxYjpia: der Männer. 

') D. d. B. IX, 7. 14. 

®) Arist. Ach. v. 574 ff.: xi^ Pop^ov' e5*^Ystpsv ex xo5 odY|J.axo?; AI. u» Aap.a)(^ 
Yjpu)^, x&v X6fu)V xal xü»v X6*/üjv, und die Rüstungsscene von 1095 an. Speer 
V. 1120: ^epe, xo5 Sopaxog a:psXxü3ü>^at xooXoxpov. Panzer v. 1132: cpeps Beöpo, 
:iai, ^(«paxa iroXepitoxYjpiov. 

®) Arist. Av. 357: aXX' rfo» xot aoi Xt-^ut 8xt |j.Ivovx£ 8el pLd/eaO-ai XajjLßdvsjv 
xe xÄv yaxpÄv setzen Euelpides und Peithetaeros Töpfe als Helme auf und be- 
dienen sich V. 359: xbv oßsXbxov dpirdaa? etxa xaxdirrjjov icpi caoxoö eines Brat- 
spiesses als Lanze. Wieseler, Adversaria ad Aesch. Prometh. vinct. et Arist. 
Aves. Göttingen 1843, p. 87 f. 

*^) Arist. Ach. 64, der 92 ßa^tXlo)? o^fO-aXjxo; heisst. Unter dem aaxwiJLa 
V. 97 : Soxiopi' B/ ei^ itoo :rspl x^v ocpö^Xjxov xax(o verstehen die Ausleger den Bart, 
BüRSL\N, Hist. Taschenb. 1875, p. 33, A. 28 dagegen den Phallos; im Uebrigen 
war er durch ein gewaltiges Auge charakterisiert. Dierks a. a. 0., p. 33. 



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256 §• lÖ. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 

segelartig sich bauschenden Chiton und die Elügel an ein Schiff er- 
innerte und einen gewaltigen, vielleicht mit einem Regenbogen ver- 
zierten, TTSTaooc tnig *). Besonders auffallend muss aber das Costüm 
mehrerer Schauspieler in demselben Stücke gewesen sein, welche 
wahrscheinUch statt eines Chiton Federansätze am ocofidTtov trugen, 
mit Flügeln versehen waren und zum Theil einen Federkamm auf 
dem Kopfe hatten^). Dass auch sonst die tolle Laune* des Dichters 
im Costüm viel Lächerliches auf die Bühne brachte, daran mag hier 
nur erinnert werden *). 

Das Costüm der Choreuten bestand, wie bereits erwähnt ist, 
aus o(i>(iaTtov, -/itcüv und tjidttov; letzteres wurde vor dem Tanze ab- 
gelegt*), da der lebhafte xöpSaS die Behinderung durch das weite 
Gewand nicht duldete; Weiber gürteten den langen Chiton auf^). 
Die Tracht des Choi-s in den Vögeln glich der der Schauspieler; 
der Wolkenchor soll durch bunte t(i4na*) ausgezeichnet gewesen 
sein, und die Choreuten in den Wespen hatten wahrscheinUch eine 
sehr dünne Taille und einen am Gesäss angebrachten Stachel,, welcher 



*) Arist. Av. 1203: ovo|j.a 8e cot xt Mxt; irXolov ^ xovyj; wo der Schol. 
::Xotov |jlIv, xaO*' S 8Ktlpu>xai xal eiajifxa>p.lvov s/ei xiv )^txÄva xat xa Kxe^a hia- 
TztKzrxxfii lu^ xÄicat. xf)V7j U , 5xt r/(j£', itsptxe^aXatav xöv tisxaoov. S. KocK 
z. d. St. 

*) Trochilos Av. 60 ff.: TP. xtvc^ oiixoi; xi^ b ßoü>v xiv Äsoicöxyjv; ET. ^AicoXXov 
areoxpOKoiie, xoö ya3jj.Yijj.axo?. TP. Oi/xot xdXa?, opv.O-oö-fipa xoüxcut. Epops v. 94: 
xt? Yj Tcxepiuot?; xt? 6 xpoiro? xyj? xptXocpia?; indessen kann nach v. 103 ff.: KU. 
opvt? i-^üf^s. KT. xaxd 001 icoö xi irxspa; KD. l^t^ptW^v.z der Federansatz nicht stark 
gewesen sein. Von v. 800 an auch Euelpides und Peithetaeros. Vgl. v. 803: KT. £iri 
Xü) feXa?; LIE. bkI xotct cot? uixwTcxfpoi?. oloiJ*' y jj-aXiox"* eoixa? eicxep(u{jivo? ; et? 
suxeXstav '/yi'A. oo^YSYpct/xpievu). KT. au Zk xo?];ty(j) ^s oxatptov a7toxFXiXp.evü). 

') So z. B. die simulierte Schwangerschaft Lys. 742; der in Lumpen gekleidete 
Euripides Ach. 413; derselbe als altes Weib verkleidet Theslnoph. 1172; Pro- 
metheus mit dem oxta^stov Av. 1508 u. a. m. 

*) Arist. Ach. 607: aXX' ätio^üvxs? xot? ävaicabxoi? E:;tu){JLev. Thesm. v. 655: 
•fjjia? xotvov |JLsxa xoöx' rfif\ xa? Xa|JL:ra5a? aJ/a^ilva? y^pyj 4üC(03ajj.eva? cu x^vSpstui? 
xü>v ^^ i|A.axtu>v aitoSuaa? {yjxbiv legen die Choreuten zwar die Ijiaxta ab, tragen aber 
beim Tanze Fackeln. Ebenso werden Utensilien abgelegt Pac. 729: Yj/Aei? hk xlcu? 
xi^j xa oxeüY| itapa^ovxt? xot? axoXooO-ot? ^Ajisv acujstv. Nicht hiehergehört Vesp.^ 
408 : aXXd W.pixta Xa^ovxt? tu? xd'/^toxa, saiSia. ö-slxs xal ßodxe, wo nicht ßaXovxe? zu 
lesen, sondern Xaßovxs?, wie ^o^xeXXe-O'at Eccl. 98: ^jV ^' i-^yLOL^t^^vniLtz^rx TrpoxEpat, 
Xvj'sofj.sv 5'^"'C£tXd[ievat ^atfidxia zu fassen ist. Fritzsche ad Thesm. p. 240. 

") Arist. Thesm. 656: 5«Jt"3a|XEva?. 

®) Schol. Arist. Nubb. 289: jJLsXXst Se xd? Ns'fiXa? Yovaixojxop'fou? ei-dfstv, 
s3iHjxt TwOtxtX-jj ■/pwp.iva?, tvtt xd xu»v oupavtcuv ^t>Xdxxü>3t r/Yjftaxa. 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 



257 



vielleicht den Phallos vertrat^). Als Fussbekleidung werden einmal 
-lavSaXiaxoi, ein anderes Mal xö&opvot genannt^); Weiteres ist nicht 
nachzuweisen. 




Fig. 




Hinsichtlich der Chormusiker wissen wir nur, dass die dem Chor 
in den Vögeln voranziehenden vier Musiker als Vögel costümiert 
wai'en^); wir dürfen indess annehmen, dass sich auch in anderen 



^) Arist. Vesp. 1072: eita O-aüjiaCst |x' 6pa*v {xssov SisscpYjXüjjjLevov und dazu 
Richter-, ferner v. 405: vöv ey.stvo . . . xsvtpov b-stoc:^ o^'i, und v. 1073; dass der 
Stachel am Gesäss angebracht war, zeigt v. 1075: Yjasi?, o:; tz^ozzzx'. toöxo tooppo- 
TCü-ftov, wo der Scholiast: lO'j&po-uY'.ov os xb ly/.z'/.iyz^uiiiiyo'^ Ki^si. 

^) Arist. Ran. 404: cj '(ap v.rxxszyiziu /xkv e:il '(iKiuv. y-Ciz" e'jxrXeta xov xs 
oavoaA'.G/.ov v.al x6 paxo; und der Schol.: vcaxYjpxbtü xal s/t^xä u-oo-rj,aaxa '^opisat 
E;:oLYj-a;. Sandalen dargestellt D. d. B. IX, 10, ein Bild, welches des mangeln- 
den Phallos wegen vielleicht zur neueren Komödie gehört. — Lys. 656 sagt der 
Chor der Weiber: sl os hfi-K'fpz'.^ xi [j.*, xtoos 'f a'{/YjXX(ü naxot;«* 'C'j^ v.OrJ'&pviü 
xYjV Yva^ov. 

'j Arist. Av. V. 273 der ?fO'v:x&::x£po;; v. 277 der My^oo; (Hahn); v. 280 
der Bizo'l-, v. 288 der vtaxu>'f aY«;. Ygl. Wieselkr, Adversaria in Aesch. Prom. 
vinct. et Arist. Av., p. 33 — 65, wo man allerdings den Bemerkungen über die 
X6'^üi3i; nicht beistimmen kann. 

Hermann, Lehrbuch UI. ll. 17 



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258 §• lö. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 

Komödien ihre Tracht nicht wesentKch von der der Choreuten unter- 
schieden hat. 

Das Costüm der neueren Komödie, welches sich eng an die 
Tracht des gewöhnlichen Lebens anschloss, kennen wir aus Terra- 
cotten, Statuetten, ReUefs, Wandgemälden *), den schon genannten 
Miniaturen der Handschriften des Terenz^), sowie aus schriftlichen 
Nachrichten, namentUch einem Abschnitt des PoUux ^). Ob und in- 
\vieweit zwischen der Praxis der attischen Komödie und der römischen 
Palliata ein Unterschied stattfand, ist nicht bekannt. Im Einzelnen 
ist zunächst zu bemerken, dass auch in der neueren Komödie das 
ocojiATtov getragen wurde, jedoch ohne die starke Auspolsterung der 
Tragödie und der alten Komödie. Personen, welche ledighch mit 
demselben bekleidet sind, finden sich auf den Denkmälern nicht, 
dahingegen ist es auf manchen Abbildungen, wo die Beinbekleidung 
und die Aermel aus dem nämlichen Stücke gearbeitet sind, deutUch 
zu erkennen*). Was sodann die Form der Gewänder anbetrifft, so 



*) Collection Camille Lecuyer. Terres cuites de Tanagre et d'Asie mineure. 
Catalogue par Fröhner. Paris 1882, p. 5, Nro. 29; p. 11, Nro. 62; p. 12, Nro. 67. 
p. 16, Nro. 107; p. 36, Nro. 206; p. 37, Nro. 211;^ p. 43, Nro. 245; p. 44,' 
Nro. 254 ; p. 45, Nro. 255 u. a. m. von Rhoden, Die Terracotten von Pompeji. 
Stuttgart 1880, Taf. XXXV, 1 und 2 = Wieseler, Annali d. Inst. 1853, tav. 
d'agg. A B, Nro. 2 und 1 und p. 29 ff. Archäol. Zeit. 1879, p. 105, zwei Terra- 
cotten aus Athen. Bullettino d. Inst. 1870, p. 58, vier Terracotten aus Cometo. 
Heuzey, Les figurines antiques de terre cuite du musee du Louvre. Paris 1883, 
pl. 54, Nro. 5 und von Cesnola, Salaminia. London 1882, p. 218, Fig. 211; 
vielleicht auch p. 205, Fig. 207. — Statuetten: Arch. Zeit. 1879, p. 102. Wie- 
seler, Annali 1859, tav. d'agg. P und p. 396 f. 1853, tav. d'agg. AB, 3 und 
p. 33. D. d. B. XI, 8—11. — Reliefs ibid. XI, 1 und Wieseler, Annali d. 
Inst. 1859, tav. d'agg. und p. 393 ff. — Wandgemälde: Wieseler, D. d. B. 
/XI, 2. 3. 4. 6. HEI.BIG, Wandgemälde Nro. 1469. 1473 bis 1476. Bullettino d. 
Inst. 1872, p. 239. 1847, p. 136. Maass, Aflfreschi scenici, Annali d. Inst. 1881, 
p. 109 ff. und Mon. d. Inst. XI, tav. 30-32, Nro. 2. 5. 10. 14. 16. Vgl. oben 
p. 226, A.3 und p. 240, A. 4. Unsere Fig. 17 wiederholt Taf. 30, 5. Prbsuhn, Pompeji, 
Hfl. IX, Taf. 5. Femer bieten Mehreres Ficoroni, De larvis scenicis et figuris 
comicis. Romae 1754 und Wieseler, D. d. B. Taf. XU. 

*) Wieseler, D. d. B. Taf. X, vgl. oben p. 199, A. 3 und namentlich die 
erschöpfenden Erörterungen Wieseler's a. a. 0., p. 63 — 98. 

«) Poll. IV, 118—120 und 154. 

*) Wieseler, D. d. B. zu Xn, 2, p. 90. IVIaass, Affreschi Fig. 2. 5. 10. 16. 
D. d. B. XI, 1. 2. 4. 8. XII, 5. Ibid. XI, 6 sind bei dem Alten die Bein- 
bekleidung und' die Aermel gelb. Vgl. X, 6 (Menedemus) und Annali 1853, tav. 
AB, 1. Solche Aermel schliessen indes« Aermel des Chiton nicht aus. Car- 
riertes 3U)|jLdttov bei einem Manne und einem Weibe Wieseler, D. d. B. A, 34. 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 259 

ist die Länge der Chitonen, soweit sich das der Obergewänder wegen 
beurtheilen lässt, verschieden, und haben dieselben entweder nur 
Armlöcher, wo dann die Aermel zum owjiATtov gehören *), oder 
Aermel, bei denen man wieder lange enge *), lange faltige *), kürzere 
sackartige*) und ganz kurze ^) imterscheiden kann. Greise und 
Männer gesetzteren Alters tragen meist einen längeren Chiton*), 
wie auch die Jünglinge^), die Parasiten®) und einige Sklaven®), 
während der Chiton der Soldaten^®) und der Mehrzahl der Sklaven^*) 
kurz ist. Als Oberkleid erscheint für Männer jedes Alters meist 
das l[i^Ttov oder pallium, und zwar vielfach ganz regelmässig ange- 
legt, so dass das letzte Drittel des Gewandes von vom über die 
linke Schulter geworfen ist'*); indessen findet sich wiederholt ein an- 



1) D. d. B. XI, 1 (der Hausherr und der Sklave); XI, 6 (der Alte); X, 7 
(Hegio und Crito); Annali 1853, tav. A B, 1 u. a. m. 

«) D. d. B. XI, 1 (der zweite Alte ); XI, 3 (der Hausherr); XI, 2 (der 
Soldat); X, 4 (Parmeno); X, 7 (Geta) u. a. m. Nackte Arme, wie sie Annali 
1853, tav. A B, 3 und 1859, tav. bei allen drei Figuren vorkommen, scheinen 
dem Bühnengebrauch nicht zu entsprechen. 

8) D. d. B. XI, 9 und das. p. 89. 

*) D. d. B. X, 6 (Chremes und Gnatho), X, 6 (Menedemus), X, 7 (Demipho, 
Phormio, Cratinus); solche Aermel sind auch anzunehmen für X, 4 (Phaedria), 
X, 6 (Chremes), X, 8 (Prologus), wo sie jedoch so verzeichnet sind, dass ein 
unmögliches Gewand entstanden ist. 

*) Annali 1853, tav. A B, 1 und D. d. B. XI, 6 (der Sklav); in beiden 
Fällen sind noch die zum omjidxtov gehörenden ünterärmel sichtbar. 

•) D. d. B. X, 6. 7. XI, 1. 6. Ein etwas kürzerer Maass, Affreschi, 
Figur 2. 16. 

') D. d. B. X, 5 (Chremes), 4 (Phaedria) und der wie ein adulescens ge- 
kleidete Prologus X, 8. 

8) D. d. B. X, 5. 7 (Gnatho und Phormio). 

*) D. d. B. X, 4 (Parmeno), 5 (Sanga, der in der Handschrift als Syrus 
und von Wibseler, p. 65 als Simalio irrthümlich bezeichnet wird. Vgl. Leo, 
Rhein. Mus. XXXVIH, p. 339 f.), 7 (Geta). 

»<>) D. d. B. X, 5. XI, 2. 

") D. d. B. XI, 1. 2. 3. 6. Annali 1853, tav. AB, 3. Maass, Afireschi, 
Figur 10. 

^*) D. d. B. X, 6 (Chremes und Menedemus), doch ist Menedemus mit der 
Si^S'epa (über diese s. oben p. 237, A. 5) aufgetreten nachVarro, De re rust. 
II, 11, p. 270 Schneider: cuius usum apud antiquos quoque Graecos fuisse 
apparet, quod in tragoediis senes ab hac pelle appellantur St^^pwxt et in co- 
moediis, qui in rustico opere morantur, ut . . . apud Terentiuin in Heauton- 
timorumeno senex. Poll. IV, 119: St^O^pa iirl ttuv &r^poiynav, Böttiger, Opusc, 
p. 225, A. *. WiESELBB, D. d. B., p. 73. Femer X, 7 (Demipho) ; die Jüng- 

17* 



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260 §• lÖ. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 

derer Umwurf, indem das Gewand an der linken Hüfte angelegt, in 
der Taillenhöhe nach rechts um den Körper herum gefülirt, dann 
nochmals vor dem Körper hergezogen und endUch der Rest des Ge- 
wandes von hinten üher die linke Schulter geschlagen wird*); einige 
Male ist in diesem Falle der obere Saum als gürtelai'tiger Wulst be- 
handelt^). Dieselbe Art des Umwurfs findet sich auch an mehreren 
Statuetten von auf Altären sitzenden Sklaven^), indessen ist dann 
das Gewand selbst schmäler und kürzer. Ob man darin eine Art 
der e4()0(it<; zu erkennen hat, bleibt bei der Mangelhaftigkeit der 
Quellen zweifelhaft*). Die y\oL\Lb^ findet sich bei den Soldaten^) 



linge X, 4. 5. XI, 1. Annali 1853, A B, 1. Die Parasiten X, 5. 7. Der Ad- 
vocatus Cratinus X, 7. Der Prologus X, 8 (verzeichnet). 

.*) Die Alten, D. d. B. XI, 1. 3. Annali 1859, tav. 0, wo jedoch die reichen 
Falten auf der Brust auf Verzeichnung deuten. Maäss a. a. 0., 5. 16. Der 
Sklave XI, 4. Mitunter hat das Ijxaxiov am unteren Saume Franzen, wie XI, 1. 3; 
Xn, 1. 2 und 16, wo die eigenthümliche Verzierung zu bemerken ist. Vgl. 
WiKSELER, Satyrsp., p. 111, A. 1; 112, A; 113, A. 

«) D. d. B. XI, 1. 3. xn, 1. 2. Maass a. a. 0., 5. 16. 

«) D. d. B. XI, 8—11. XII, 5. Annali 1859, tav. 0. Man hat sich zu 
denken, dass diese Sklaven aus Furcht vor Strafe wegen eines Vergehens auf 
den Altar geflohen sind. Terent. Heautont. V, 2, 22: nemo accusat, Syre, te; 
tu aram tibi nee jirecatorem pararis. AVieseler, D. d. B., p. 89 und was dort 
citiert ist. 

*) Die e5ü>|J.t? ist zunächst der yixmv ^xepojidG'/«Xo;, bei dem die rechte 
Schulter und der rechte Arm vom Gewände ganz frei bleibt. S. Clarac, Mus. 
de Sculpt. V, 881, 2243 B. 882, 2247 A ^ Weisser, Lebensbilder XXX, 4, 
wo auch 5 und 9 zu vergleichen sind. Panofka, Bild. ant. Leb. XV, 3. Die- 
selbe e5u>p.tc, jedoch so, dass die linke Schulter und der linke Arm frei bleibt, 
Clarac, ibid. 2247 B = Weisser, ibid. XXX, 10. Diese eJwjAt; ist auf Bild- 
werken der neueren Komödie jetzt nicht nachzuweisen, obwohl sie vorgekommen 
sein wird. Dass sie indessen eine Vorrichtung haben konnte, um sie zum /itüiv 
a|i.cpi|jiaT/aXo? zn machen, zeigt die Statuette D. d. B. XII, 3; dort hat der 
yixoiv ÖLiLfiiiaz/fxkot; auf der rechten Schulter eine Commissur, an der Knöpfe 
angedeutet sind, nach deren Oefihung das Gewand herabfiel und die Schulter 
mit dem Arme entblösste. Vgl. den Chiton des Hephaestos bei Millin, (Jal. 
mji:hol. LXXXIH, 336. Hieraus fällt Licht auf Poll. IV, 118: Hoip.i<;- tzxi U 
yixuiv \sov.bq aaY]|iO(;, 'Aaiä T7]v ötpistspav TcXeopav ^a'fYjv oox eyiuv, äfvaKXO^ 
(*-= Schol. zu Dio Chrys. LXXII, §. 1, p. 789 Emper.). Hes. etepojiaayaXo? • 
X'.Xü>v ^ooKixh^ epYattxo^* ajzh (xoö) vf^'/ exspav pÄayaXrjV sys'.v eppaji|i.lvYjV. Schol. 
Arist. Eq. 882: Yiv ^h xal £x£po|id3yaXo^ b ^äv epYOixoiv, 6?) x^v jiiav [kOLzyaXrr^v 
eppaitxov. Mehr D. d. B., p. 91. Vgl. ob. p. 249, A. 2. Sodann aber scheint £4">M-k 
ein IjJLotxtov zu bezeichnen. Poll. VII, 47 : yj 5' ejcufj.'^ xal repi^Xfjjjia YjV xal ytxu>v 
£x£po}JLa3yaXri;. Et. Magn., p. 349, 49 (Schluss des ersten Artikels): ol U vs««- 
xsoo'., xal ö-o'jidx'.ov sJojjJLtSa xb jJLtxpiv xal eüxe^e;. Die Art des Umwurfs wird, 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 261 

und deren Dienern ^), auch sonst einige Male ^), namentlich beim Eu- 
nuchen®). Mitimter bemerkt man ein schmales shawlartig um den 
Körper gelegtes oder über die Schulter geworfenes Gewandstück, die 
xooö{jLßY], vielleicht nur ein zusammengedrehtes Pallium*). Wie man 



zwar nicht völlig klar, beschrieben Et. M., p. 349, 56: avsgaXXttö $1 ^azipaq 
^stpö^ öjto^xeXXojJLevYj? xal xartuO-ev 7:ph<; xoix; tz6Zol<; uxk; xC\i üj/jlcj) eKavaiiO-ebr,^, 
rxh':b jiYj5lv {(«vfj<; 8e6|jLevov. Die betreffenden Worte des Scholiasten zu Dio 
Chr}'8. a. a. 0. sind unverständlich. Dagegen ist vielleicht Hes. H">fAi;' ;^:xü>v 
6jj.oö xal l|iaxtov, x^v Y^p h.(xxipoo ypstav Tcapst/EV xal ytxuivog iJLh/ 8ta x6 {(uvvü- 
o^at, IjjLaxtoü ZI 5xt xb exspov piepo^ ^tveßaXXexo hieher zu ziehen, wie auch Eustath. 
ad 11. XVIII V. 595, p. 1166, 54: yiixot^^oz elSo; xal 4j eiwjJL'l^' ejwjxlg y"P» 9''1^'-> 
X'.xmv ttfjia xal lp.(ixtov x6 aüxo, Stellen, welche von Wibseler auf das tY^ojigtoiia ge- 
deutet werden. Vgl. denselben Satyrsp., p. 167 ff. D. d. B., p. 73 ff. Charikles m, p. 207. 

^) D. d. B. XI, 2, wo der Miles die Chlamys nach Art der Imperatoren 
über die linke Schulter geworfen und um den linken Arm geschlagen hat ; femer 
Thraso in den Miniaturen (im Cod. Paris, ist die Chlamys vor Eun. V, 9, 19 
am unteren Saume mit Franzen versehen); D. d. B. X, 5 hat er jedoch nur den 
Chiton trotz Donatus zu Eun. IV, 7, 1 : Militis ... ad amicam . . . pergentis . . . 
inclinata chlamyde. Vgl. femer Plaut. Mil. glor. V, 30-, Pseudul. 11, 4, 45; 
Epid. m, 3, 55, und die Bezeichnung chlamydatus Pseudul. IV, 7, 40; Rud. 
n, 2, 10. Im Terenz wird die Chlamys nicht erwähnt. Wieseleb a. a. 0., p. 72 f. 

D. d. B. XI, 2; ein anderer Sklave XI, 3. 

*) D. d. B. X, 7 die Advocati Hegio und Crito. Maass, Affreschi 2. Mehr 
bei Wieseler a. a. 0., p. 72, namentlich über die Chlamys der Epheben. 

') In den Miniaturen z. B. vor Eun. m, 4. Vgl. sonst Winckelmaiw, 
Werke. Donaueschingen 1825, IV, p. 74. 323. Wieseler a. a. 0., p. 72. 

*) Auch xoaoy|j.ßYj geschrieben. Die Nachrichten sind sehr dunkel. Suid. 
x6aDji.ßo<;, xal xogoii^yj • öcvd^saij.O': y) y[}Xü}V xpo33u>x6^. Hesych. xooo/xßf]* htz\k6q' 
ava^so^JLa tj l^v.6\L^ui\ioL. xal S:rep al KpYjoaai cpopoöa'.v, 3[j.otov ftairtStoxw. xal sepl- 
Ccü|j.a AiYOKXtov. xal xb eYxofxßoöaO-at. Aehnlich der Scholiast zu Dio Chrys. 
LXXn, §. 1, p. 789 Emper. Zonaras xoaojißo^- xpooai? ^ o avdSea/xo^. Et. M. 
p. 311, 4: eYx6^ß(ü|i.a, b Ssafiö; xAv ysipihuv, S Xi^zxoLi sap' 'A^vaiot<; o^^o'-ßo«;, 
DTzb ^k ÄXXtov xo3ü|xßr^. Ibid. p. 349, 43: e^cDjJLic* x^'^"*^ ^H** '^® ^*^ Ijaocx'ov yjv 
fdp exEpojidGyaXo?, xal dva^oXr^v zlys^^ t^v ftveSoövxo, xoaofJLßTjv, und die ver- 
stümmelte Glosse im Et. Gud. xoa'jjj-ßoc, dvdos-siJLo? xöoootox .... ytxwv. Blümner, 
Pr.-Alterth., p. 176, A. 2 erklärt sie für ein zottiges Troddelkleid von Hirten 
und Landleuten, Becker, Charikles III, p. 209 für eine in späterer Zeit an der 
Exomis übliche Art von Aufschlag. AVieseler, I). d. B., p. 75 giebt die oben 
befolgte Erklärung, s. auch Leo, Rh. Mus. XXXVIQ, p. 339. Sie erscheint 
aut den Miniaturen mehrfach: X, 4 (Parmeno) um die rechte Schulter ge- 
schlagen, über die linke Schulter gezogen und der Zipfel mit der linken Hand 
gehalten; X, 5 (Simalio) um den untern Theil des Rückens geschlagen und mit 
beiden Händen gehalten; ibid. (Donax) um den Leib geknotet; X, 7 (Geta) ist 
nur der mit der linken Hand gehaltene Zipfel sichtbar; überall passt die Er- 
klärung als dvd$£aji.o^. 



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262 §• 18. Das Coetüm in der alten und neueren Komödie. 

das einige Male nach Art eines Umschlagetuches auf beiden Schultern 
ruhende und vorn zusammengenommene Gewand bezeichnen soll, ist 
imklar, wenn man dasselbe nicht etwa nur für eine Art des tii/i-ctov 
zu halten hat ^) ; an die paenula ist jedenfalls nicht zu denken. Den 
Sklaven fehlt häufig das Obergewand ^), jedoch berichtet Pollux, an 
ihrer Exomis habe ein, i']fxö(ißa)|i.a oder iTrfppijjia genanntes, kleines 
Himation gesessen *). Da das zweite griechische Wort sicher falsch 
ist, so hat man i7:ippa\i\sj%, hdp(ji\i^ oder IjiürspövYjjia lesen wollen*), 
und zwar scheint die letztere Vermuthung das Richtige zu trefifen, 
da nach der Grundbedeutimg des von xojtßrfo) bezw. Tcöjtßo^ abzu- 
leitenden Synonymons anzunehmen ist, dass dieses {[tatCSiov, welches 
wir uns als ein Mäntelchen vorzustellen haben, niemals angenäht, 
sondern nur angenestelt wurde '^). WabrscheinUch ist das lYXÖ|tßa)[ia 
lediglich ein einfaches, zur Erleichterung der Bewegimg des 
Körpers und zur Ermöglichung des Gebrauchs beider Hände hinten 
an den Chiton angeheftetes Sklavenpallium*). Bezügliche Darstel- 
lungen sind sehr selten''). Bekleidung des Beines war durchweg 
übUch; wo nacktes Bein erscheint, wird das auf Nachlässigkeit des 



^) D. d. B. XI, 2; Xu, 32; Annali 1863, tav. AB, 3. 

») D. d B. X, 3. 6; XI, 1. 6. 

•) Poll. IV, 119 : TQ hk xü>v 2o6Xa>y t^tu^iSi xal lp,axi$i6v tt Kpooxttxat Xeux6y, 
B eY^ojißtojia Xffetat^ e:rtppir|}i.a. 

*) Meinekb, f. C. Gr. IV, p. 683 eictppajxfjia, so auch Wieselbr, D. d. B., 
p. 74; Meinkkb, f. C. Gr. ed. min. II, p. 1243 l^ipptpifia; Wieseler, Göttinger 
Index 1869/70, p. 19 ejiirepovYjjjLa. 

*) Et. M. 8. V. ef^ojißü>]ULa 8. ob. p. 261, A. 4. Suid. ^cxojj.ßcoaaoO'at. 'AtcoX- 
X65tt)po; Kapuaxto^ 'AitoXtiröooTg • rfjv 6:ca>}i.i$a itxo^aoa BuX7|V ÄvcuO-sv Ivsxofißcuoap.fjv. 
'EKt/ap|j.05 'Afi6x<f)* 85 '^a jiotv 8xt xexofjißwxat xaXu»^. Suid. xop-ßo?* 6 x6ji.ßo^ 
xu)V ^00 x^'.ptSttov, 3xav xt^ ^*h^'S ^'^^ '^^v iStov xp6L-/y\Xov. Hes. rjfxojißwO'ei^* ^eO'si^ 
und derselbe xojjLßtMoaoO-ai* oxoXtoaoO-at. Wieseler, D. d. B., p. 73 f. zieht 
hieher Et. Magn. s. v. i'(x6|j.gü>|j.a, Eustath. ad H. XVUI, 595 und Hes. HwjjlU 
(s. oben p. 260, A. 4). Die Form dieses angehefteten Gewandes betreffend 
8. Poll. Vn, 67: oüpfiA hk xpa-ytxov eoxt (p6p7]|xa eictaopojJLevov, iRtppYjjia (rectius 
e|j.icep6vY]ji.a) Zt %m\ki%hy xaivttu^e^, x6 jilv icXdxog xax& o?rtdap.'f|V, xh hk ji^xo^ xax' 
öpYütdv. 

•) Wieseler, D. d. B., p. 74, wo die ältere Litteratur verzeichnet ist. 
Schneider, Att. Th., p. 168 vergleicht passend „das Mäntelchen mancher unserer 
Kirchendiener." Schoene, De person. hab., p. 66. Charikles m, p. 224. Blümner, 
Privatalterth., p. 188, A. 4. 

') Maass, Afireschi, Nro. 16. Vgl. die Mäntel der Musiker D. d. B. XIII, 2 
und des Sklaven XU, 33. 



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§. 18. Da« Costüm in der alten und neueren Komödie. 263 

Künstlers zurückzuführen sein^); sie ist sehr selten faltig^), meist 
als enges Tricot behandelt'); in den meisten Fällen jedoch hängt 
die Beinbekleidung mit den Aermeln zusammen. Die SixXfJ der Köche 
ist ein Schurz*). Kopfbedeckungen erscheinen nur selten. Auf den 
Miniaturen trägt der Eimuchus eine phrygische Mütze*); ein Miles 
hat dort einen eigenartigen cylinderformigen Hut ^), ein anderer auf 
einem "Wandgemälde ein plattes weisses Barett'). Bei mehreren 
Terracotten findet sich der iriXo^®), imd einmal hat ein Greis ein 
weisses Tuch um den Kopf gewickelt ®). Sklaven erscheinen mehr- 
fach bekränzt, ein Attribut der Trunkenheit^®). Die Fussbekleidung 
endlich besteht aus dem niedrigen Halbschuh, ijißd^ oder soccus^^), 



*) D. d. B. XI, 2. 3. 11. 

«) D. d. B. XI, 9. xn, 1. 

») D. d. B. X, 8. 6; XI, 1. 2. AnnaH 1853, tav. AB, 3; 1869, tav. P. Der 
Eunuch trägt (z. B. vor Ter. Eun. HI, 5) enge punktierte (so Cod. Paris.) Hosen. 

*) PoU. IV, 119: t<j) Zk fJiaYttp<|> Zink^i ÄpaKto; 4j ia^;. Auch C^ji-a oder 
tctpC{ü>|xa. Mkdikkb, f. 0. Gr. HI, p. 186. Claeac, IV, 742, 1786. Panofka, 
Bild. a. Leb. XII, 6; vgl. auch MnxiN, Gal. myth. LXII, 289. Wiesei^sb, 
Satyrsp., p. 169 f. 178. D. d. B., p. 74. — PoU. VI, 48: Äxvaictov hh xp'xyb xal 
^Ypot^ov Iji-dTtov, und mehr bei Blümnbr, Technol. u. Terminol. d. Gewerbe und 
Künste I, p. 165, A. 4. — Dabei wird noch ein Chiton getragen sein. 

*) S. die Bilder vor Eun. m, 2. 4. 5; IV, 4; V, 2. 

®j Thraso, D. d. B. X, 5. Bei Coquelines ist die Kopfbedeckung der 
Thurmkrone der Cybele und Rhea ähnlich, worauf derselbe die D. d. B., p. 76 
mitgetheilte eigenthümliche Erklärung gründete. Anders Böttiger, Opusc, 
p. 273 fl Wieseler nimmt Verzeichnung für einen Petasus an, mit dem die 
Milites nach Plaut. Pseud. 11, 4, 45 und IV, 7, 90 auftraten. Im Cod. Paris, 
(z. B. vor Eun. IQ, 1) gleicht die Kopfbedeckung einem Modius und ist mit 
Punkten versehen; ibid. vor Eun. V, 8 ist sie erst später mit blasser Dinte 
hinzugefügt. 

') D. d. B. XI, 2. Auch hier vermuthet Wieseler, p. 77 Verzeichnung 
für den Petasus. 

») Collection Lecuyer, p. 5, 29; p. 16, 107; p. 44, 254. D. d. B. XII, 40 
imd die Bemerkungen zu XII, 39, p. 97 und XU, 13, p. 93. 

•) D. d. B. XI, 6. Die Abbildungen (vgl. ibid. p. 87) weichen von ein- 
ander ab ; doch hat man anzunehmen, dass das turbanähnliche Tuch den Scheitel 
und den Hinterkopf ganz bedeckt. Es ist Attribut des Alters und vertritt die 
Stelle des «iXo; oder der xüvyj des Landmanns. D. d. B., p. 87 f. 

»«) CoUection Lecuyer, p. 11, 62. D. d. B. XI, 6. 8; XII, 5 und p. 89. 
Plaut. Menaechm. IV, 1. 5: pallam ad phrygionem cum Corona ebrius ferebat; 
2, 65: post ante aedeis cum corona me derideto ebrius. Pseudul. V, 2, 2. 

»») Vgl. ob. p. 253, A. 9. 10. Isid. Orig. XIX, 34, 12: socci non ligantur, 
sed tantum intromittuntur. Wieseler, D. d. B., p. 77. Becker, Gallus ed. GöU 



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264 §• 18» I^as Costüm in der alten und neueren Komödie. 

oder einem Schuh, welcher die obere Fläche des Fusses nur zum 
Theil bedeckt und den Vorderfuss mit den Z(ßhen frei lässt ^); auch 
finden sich blosse Sohlen mit Riemen, neben denen Socken oder 
Strümpfe getragen wurden*). Nacktheit des Fusses, wie sie sich 
einige Male auf Bildern findet^), wird auf der Bühne nicht vorge- 
kommen sein. 

Was nun die weibliche Kleidung anbeirifft, so sind die Chitonen 
mit wenigen Ausnahmen^) so lang, dass sie die Füsse verdecken; 
bei einer Hetäre^) und bei einer Flötenspielerin findet sich ein 
doppelter Chiton^), in dem letzteren Falle ist der obere vom mit 
einem eingesetzten oder aufgenähten senkrecht herablaufenden Besatz- 
streifen versehen. Eine besondere Art des Chiton war die ot)(i|jL6Tp{a, 
welche genau der Länge des Körpers entsprach und deren Saum 
mit einem bunten Besatz versehen war'). Als Obergewand finden 



m, p. 229. Vgl. D. d. B. XI, 4. 8. 9. AnnaH 1868, tav. AB, 8; 1869, tav. P. 
Maass, Afireschi, 2. 6. 10. 16. Ein einzehier soccus D. d. B. XU, 43. Ter. 
Heautont. I, 1, 72: Mened. adsido: accummt servi, soccos detrahunt. Plaut. Pers. 
I, 3, 44 werden für den Parasiten genannt ampuUa, strigilis, 8caphium, socci, pal- 
lium; vom Miles Trin. III, 2, 94: fiilmentas iubeam suppingi soccis? Ferner 
Pseud. IV, 7, 91. 

^) D. d. B. XI, 1. 2. 3. XII, 1. 3. 5. Annali 1859, tav. 0, die mittlere 
Figur. "WiESELER, p. 77 glaubt hier die xpirj::l8E? erkennen zu düifen, doch sind 
die schriftlichen Nachrichten über diese Fussbekleidung nicht klar, vgl. Charikles 
ni, p. 274 f. Blümneb, Priv.-Alterth., p. 182. 

') Annali d. Inst. 1853, tav. AB., 1. 2, und immer auf den Miniaturen, wo 
die Füsse meist von buuter Farbe sind, so X, 2 (Pamphilus) bläulich, X, 4 (bei 
beiden Figuren) hellviolett, X, 5 (Gnatho) hellbraun. X, 3 bei Davus haben 
Beinbekleidung und Füsse dieselbe dunkelgrüne Farbe. Poll. VIT, 91: 5 ^l 
izooslrx Kpixifxq xaXei, stie wtXotx; abxä oIyjxsov stxg icspteiXYj^axa «oSaiv, xaöxa iceX- 
Xüxpa xaXet ev ^po^lv AIt/üXo;* „TceXXoxp' 6)(oüt.v eüO-exot^ h apßüXatg." xa 81 
jteXXüxpa xal elSog 67ro5*r][j.axo^, &GKsp ah xd TzoZzla xahxbv YjV xai^ dva^opbiv, S^ 
oxsXla^ Ev.ot övojiaCofj3tv. Mehr D. d. B., p. 77. 79. Charikles III, p. 284. 

•) D. d. B. XI, 2 (Diener des Soldaten); 11 (sitzender Sklave); Annali 
1859, tav. 0. 

*) D. d. B. XI, 4 bei der Alten und der Hetäre. S. Varro bei Non. Marc. 
De var. signif. verb. s. v. dimissum: cum etiam Thais Menandri tunicam dimis- 
sam habeat ad talos. 

^) D. d. B. XI, 4. 

^) D. d. B. XI, 6. XI, 3 hat der Chiton des Weibes am Halsausschnitt 
einen zackenförmigen Omamentstreifen. 

^) Poll. IV, 120: ivta:^ Ss 'fo'/on^i xal ^capct^Yj/o xal cüp.gLEXp:a, Sjrep eoxl 
/^txtt)V :ro$T,pTj<; dXoopYT^? x6xXu). Ibid. VII, 54: 4j Ss aü}i.|j.expia yixwv laxt zo^yj- 
pYj<;, eoxe Kpoc xou^ doxpaYdXotx; xa6-fjx(uv. Hes. aüjj.|JL6xpta' Ev8ü|JLa Y^>«txetov 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 265 

wir fast überall das ifiattov, die Erbtöchter trugen an demselben 
Franzen*); auch das 7rapd;nj5(» kam vor^). Einmal hat eine Magd 
eine Art xooojißY] ^), ein anderes Mal fehlt einer solchen das Ober- 
gewand gänzlich; dies scheint auch sonst üblich gewesen zu sein, so 
z. B. bei den Flötenspielerinnen*). Eine Hetärenmutter erscheint 
einmal mit einem kuraen über die linke Schulter und den linken 
Arm geworfenen Tuche *). Von weiblichen Kopfbedeckungen finden 
wir nur wenig; eine Hetäre hat ein Diadem*), eine andere gelbliche 
Haarbänder^, eine Flötenspielerin einen Kranz®). An den Füssen 
tragen die Weiber, soweit die Länge des Chiton darüber zu urtheilen 
gestattet, entweder socci®) oder Sohlen mit Riemen^®). 

Von Attributen berichtet Pollux Mehreres, was auch zum Theil 
durch die Bildwerke bestätigt wird. Die Alten hatten nach ihm 



KoZ9^p9^, o5x ^^ov oüp|jLa. D. d. £. XI, 5 die beiden Personen rechts, und dazu 
WmsELEB, p. 86. Oharikles III, p. 224. 

») Poll. rV, 120: ImxXYjpiüv ^k (b^;) Xeax«»] xpoQomv^, Ibid. VII, 64: 
^üoavot Se ol XtfOH-^vot xpoooot. (66) xal a?)Tol hl ol xpoaaol 8oxoltv Sv (uvoji^cO-at, 
'Apapoxo^ etnovTO^ ev Katvet* „icapO-svo^ 5' elvat 8ox8l, ;fopd»v xp030ü>To6^ xal füvai- 
xetav oioXyjv." fvtoi f^P oSto) 'fp&^öooiv ävtI to5 xpoxtutoo^. Annali d. Inst. 1853, 
tav. AB, 1, wo Wieseler jedoch eher eine Hetäre, als eine Erbtochter annimmt. 
Satyrsp., p. 112. Charikl. HI, p. 256. 

«) ö. oben p. 236, A. 1. 

«) D. d. B. X, 3, Mysis. 

"*) D. d. B. X, 2, Mysis; namentlich bei Sklavinnen, von denen es in den 
Versen bei Plut. De ser. num. vind. 12, p. 557 D heisst: ai xal ävajJLir^ovot Y^fJ"-- 
voi<; K03'.v, rfixt ooöXat .... v6o,pi xp-rj^ejjLvoio. luven. III, 93: an melior, cum 
Thaida sustinet, aut cum uxorem comocdus agit, vel Dorida nullo cultam palliolo 
(wo die Ausleger fälschlich an eine Hetäre denken). Poll. FV, 154: ^j H Sßpa 
itep'lxoopoc ^spanatviStov eaxi icsp'.xsxap/JLsvov, y.iojvi jiGvip 6KsCtüa|j,EV(j) Xeoxtp XP*"" 
[levov. xh Zk rcapa'j/YjOTOv O-epaicatviSiov Staxsxpttat xa^ Tpi)^a^, 6TC6ot|iov S' eaxl xal 
SooXsüet Ixaipai^, 6T:E{a*ojiBV'..v ytxcwva xoxxoßa'^Yj. Dagegen hat die Hetärensklavin 
bei Plaut. Trucul. H, 2, 16 ausserhalb des Hauses eine pallula. Bei der Flöten- 
spielerin D. d. B. XI, 6 fehlt das t|idxtov und die XI, 1 dargestellte hat das- 
selbe um den untern Theil des Körpers geknotet. Die meretrices haben immer 
ein Ifiixiov, vgl. D. d. B. X, 5 (Thais), das mitunter klein gewesen sein mag, 
wie es Plaut. Trucul. I, 1, 32; IE, 6, 55 pallula genannt wird. Dio Chrys. IV, 96i 
p. 85 Emp.: ßa;:x6v xpißtuvtov jitd? x'.vo^ x<üv katpwv. WiESELER, D. d. B., p. 76. 

'^) D. d. B. XI, 4. 

«) Vor Ter. Hec. V, 2. 3. 4 (Cod. Par.). 

D. d. B. XI, 4. 

«) D. d. B. XI, 6. 

«) D. d. B. XI, 1. 3. 4. 

»^) Annali d. Inst. 1853, tav. AB, 2. 



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266 §• 13< ^^ Costüm in der alten und neueren Komödie. 

die xx|xä6Xy] *), Landleute einen geraden Stab ^) oder das XaYwßöXov ^) 
neben Ranzen und Lederkittel, der Bordellwirth einen geraden, apeo- 
xo«;*) genannten Stab, der Parasit ozksrf^'K^ und XtJxo^o?*). Auch 
andere Attribute finden sich'). 



*) Poll. IV, 119: fspovituv 5i ?p6pYj|j.a l|iax'.ov, xa|j.ic6X*r]. WiESELEE, Satyrsp., 
p. 90 und p. 104, A. 2. D. d. B., p. 70. S. oben p. 197, A. 3 und p. 238, 
A. 2. Der Krummstab allein abgebildet D. d. B. XU, 43. Sonst ibid. XI, 
1. 3; XII, 16. 17. 18. Maass, Affreschi, Fig. 16; überall in der linken Hand 
getragen. 

*) Poll. IV, 119: irfjpa, ßaxrrjpta, dicpd'epa Ik\ xwv cqpoiyntiv, WiESELER, 
Satyrsp. a. a. 0. Charikles I, p. 140, A. 18. Blümner, Priv.-Alterth., p. 184, 
A. 1. D. d. B. XI, 6, wo sich der Alte mit beiden Händen auf einen geraden 
Stab stützt; Annali d. Inst. 1859, tav. 0, Figur rechts (in d. 1. H.); Maass, 
Affi*eschi, 2. 5 (in d. r. H.). Ein eigenthümlicher Stab mit Zweigen, den der 
alte Crito vor Ter. Andr. IV, 6 (in d. 1. H.) trägt, ist wohl auf Rechnimg 
des Zeichners zu setzen. 

•) Poll. IV, 120: Tol^ 8i Kapaotxotc Kp6o50xt xal oxXtYfU ^«^ X'fjxoöt)^, tu; 
xoI< &YP^^^^^ XaYu>ß6Xov. SoHOENE, De person. hab., p. 65. 98. Wqbseler, 
Satyrsp., p. 104, A. 2. D. d. B., p. 94. BuUettino d. Inst. 1847, p. 186. 1872, 
p. 239. Demea vor Terent. Ad. IV, 6. 

*) Poll. rV, 120 : icopvoßooxol hk yiyzmi ßa:cT<{> xal &v6-iv({> icsptßo\ai((> 4jodnr]v- 

xat, ^ißÖov e5^tav '^ipovxt;. Hes. Äpcoxo; ....•?) 8t8o|xivY| p&^^o^ xol; 

v,a>\UY.ol^ (offenbar aus Pollux zu ergänzen; vgl. Rohde, De lulii PoUucis . . . 
fontibus, p. 58). Plaut. Pers. V, 2, 35: cave sis me attingas, ne tibi hoc scipione 
malum magnum dem. Auf Monumenten nicht nachgewiesen, von Wieseler, 
Satyrsp., p. 106 A. für eine Art von Stutzerstäbchen gehalten. 

*j Poll. IV, 120, 8. oben A. 3. Plaut. Stich. I, 3, 75: robiginosam 
strigilem, ampuUam rubidam ad unctiones Graecas sudatorias vendo. Pers. I, 
3, 43. Wieseler, D. d. B., p. 70 meint, solche Geräthe fehlten auf den Minia- 
turen gänzlich, doch kann nach Cod. Paris, der Gegenstand, welchen Phormio 
vor V, 6 in der Hand hält, recht wohl eine strigilis sein. 

*) So sind D. d. B. X, 7 die Advocati Cratinus imd Crito durch libelli 
charakterisiert; doch fragt Wieseler, p. 71, ob das mit Recht geschehen sei. 
Die Milites haben bei Plautus Waffen, vgl. Mil. glor. I, 1, 5: nam ego hanc 
machaeram mihi consolari volo; Pseud. IV, 7, 90; Rud. H, 2, 10. Dieselben 
finden sich, weil Terenz nie Waffen erwähnt, auf den Miniaturen nicht. D. d. B. 
XI, 2 hat der Soldat eine Lanze. — Der Prologus zum Phormio D. d. B. X, 8 
und der zu den Adelphoe (Cod. Paris, fol. 96 b) tragen einen Zweig in der linken 
Hand; verschiedene Erklärungen s. bei Wieseler, p. 71, der selbst aufHesiod. 
Theog. 30: xat jioi oxTjTixpov eSov Sitpwj^ eptÖ-rjXeo? oCov Zpi^a^d'ai ö-rjvjxov ver- 
weist. S. femer Schol. Arist. Nubb. 1364: jiopptvTj^ ^dp vX6Zoy xax^ovxe? ^8ov 
xd AloyoXoo, wanep xd n)|iT|poo fiexd 8d;pvY)5, und ibid.: Atxaiap/^o? Iv xu) icepl 
jioüoixwv dYtuvtuv „txi ZI xo'.vov xt TCdö-o^ ^paivtxat aovaxoXooö'slv xot^ ottp^^ojievotc 
etxe |iexd ji^Xoo^ etxe 5v8ü jieXoo^, e^^ovxd^ xt ev x^ X^'P^ Roieiad-at xtjv a^ri'^'fioiVy 
oT xe Y^P $^ovx5^ ev xot^ ot)|j.icoatot^ ex icaXatä^ xtvo^ :capa$6oetu^ xXiuva Sd?pvrj^ y| 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 267 

Was PoUux sonst anfuhrt, bezieht sich zumeist auf die Farbe 
der Gewänder, womit die späteren Nachrichten des Donatus ') zu 
vergleichen sind. Letzterer berichtet, die Greise hätten weiss ge- 
tragen, doch findet sich das auf den Abbildungen nur zum Theil 
bestätigt^). Die veckepo^ d. h. Männer im kräftigen Alter, sollen 
purpurne Gewänder und zwar in derjenigen Nuance, welche man mit 
(potviTcoöv bezeichnete, getragen haben; auch dies wird durch die Bild- 
werke nicht bestätigt^). Jünglingen wird der eigentliche Purpur 
zugeschrieben, und in der That finden sich solche Farben auf den 
Denkmälern ^). Die Farbe der Parasiten soU schwarz oder grau ge- 
wesen sein, Pollux statuiert jedoch eine Ausnahme für ein Hochzeits- 
gewand. Bei dieser Vorschrift handelt es sich jedenfalls nur um die 
in der Komödie meist übliche Art der Parasiten, von denen es ver- 
schiedene Klassen gab. Die dunkeln Gewänder werden durch die 
Miniaturen bestätigt*). Den Miles übergeht Pollux, Donat jedoch 

jjLopptv^^ Xaßdvxec ^iooatv." Ueber das Costüm der Prologi s. Wieseleb a. a. 0., 
p. 72. — Vor Hec. I, 2 hat die meretrix Phüotis einen Zweig oder Strauss in 
der Hand. 

^) Donatus De comoedia et tragoedia, p. llf. Reifif. Ind. SchoL Breslau 1874/75. 

•) Donat. p. 11, 20 : comicis senibus candidus vestitus inducitur, quod is 
antiquissimus fuisse memoratur. Der Alte D. d. B. XI, 6 hat einen weissen 
Chiton; X, 6 ist bei Chremes und Menedemus der Chiton weissbläulich, das 
Himation gelbroth ; bei Demipho X, 7 sind die* Farben bezw. violett und 
hellbraun. 

•) PoU. IV, 119: ^otvtxl^ ^ ^eXa{jL:c6p^u{>ov l^dcxtov «pop-rj^ia vstoxspcöv. Nicht 
wahrscheinlich ist es, dass die vrtuxcpoi hier identisch sind mit den veaviaxoi. 
S. Wieseler, p. 79 und Charikl. HI, p. 245. Maass, AiFreschi, 2. 5 und 16 findet 
sich weisser Chiton und bezw. gelblich-rothes, und ins gelbe und grüne spielen- 
des Himation. Ueber das ?poivixoöv s. Blühner, Technologie und Terminologie 
I, p. 227, A. 8 und p. 241, A. 5. In der merkwürdigen Notiz des Donatus, p. 11, 23 : 
laeto vestitus candidus, aerumnoso obsoletus, purpureus diviti, pauperi phoeni- 
cius datur handelt es sich nicht mn diese Farbe, sondern um die purpura ple- 
beia ac paene fiisca (Cic. Pro Sestio 8, 19), die für die Kleidung des gemeinen 
Mannes gebräuchlich war. S. Blümner a. a. O., I, p. 247. 

*) PoU. IV, 119: xal icopcpopa 8' Esd-Yjx'. 6/pd»vxo ol veaviaxoi. Dasselbe will 
wahrscheinlich Donatus p. 11, 21 mit den Worten: adulescentibus discolor attri- 
buitur bezeichnen. Wieseler, p. 79. Dort hat X, 2 Pamphilus bräunlich- 
violetten Chiton, bläuliches Himation; X, 4 Phaedria hellvioletten Chiton, brand- 
rothes Himation; X, 5 Chremes blauweissen Chiton, dunkelblaues Himation. 

*) PoU. IV, 119: ol 81 itapdotTOt fieXatv-jy ^ f**^» kX-^jv ev Xixoiuvit)) Xsox^, 
5ie jilXXet '^ol^lbXv b wapaaiio^. Der Stxüoivto? war eine Komödie des Menander 
nach Harpocr. s. v. ävaiveo^at. Der Parasit war Schmeichler des Soldaten 
STpaxo9dwj<;, vgl. Meinbke, Men. et Phil, reliqu., p. 154. D, d. B. X, 5 trägt 



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268 §• 18» I^as Costüm in der alten und neueren Komödie. 

legt ihm eine purpurne Chlamys bei, womit die Abbildungen einiger- 
maassen übereinstimmen*). Was die Sklaven anbetrifft, so soll ihnen 
die weisse Farbe eigenthümlich gewesen sein, eine Notiz, die um so 
auffallender ist, als man sonst für die arbeitenden Klassen dunkle 
Farben angenommen hat; die Vorschrift wird jedoch durch die Wand- 
gemälde bestätigt, nicht aber durch die Miniaturen^). Der Eunuch 
hat gestreifte Kleider^) und die Advocati im Phormio dunkle*). 

üeber die Farben der weiblichen Garderobe spricht sich Pollux ^) 
nicht genau aus, da unklar bleibt, ob er imter lodn}? nur den Chiton, 



Gnatho blauweissen Chiton und hellbraunee Himation, X, 7 Phormio violetten 
Chiton und hellbraunes Himation. Indessen kommen die Parasiten auch in 
stutzerhafter Tracht vor; so Ter. Eun. II, 2, 11: qui color, nitor, vestitus, quae 
habitudost corporis! lieber die verschiedenen Arten der Parasiten s. Athen. 
VI, p. 237 B: itapaaiTiov 8' slvat ^r^^i "^ivri 86o ''AXe^i?, ev Ko^tpvr[X-Q, 8tA toü- 
Xü)V A . . . . 8v |j.iv xh xoivöv xal x8xu>fi.ü)8'r]|JLsvov • ol ji4Xav8^ •Jjji.tl«;. N. ö-dlxtpov 
{y|Tü) y^o^. A. oatp^na^ irapaotxou^ xal oxparrjYob^ tjA^avel^* otfivoRapdotxov tx 
jiiooo xaXoüjjLtvov xxX. Meineke, F. C. Qtr. III, p. 438 f. Mehr bei Grysab, 
De Doriensium comoedia, p. 252 ff.; TVieseler, D. d. B., p. 75. 77; Charikles 
I, p. 156 ff.; BLtJMNER, Pr.-Alterth., p. 502, A. 2. Ribbeck, Kolax, Abhdl. d. 
phil.-hist. Cl. d. K. Sachs. Gesellsch. d. Wiss. IX, Nro. 1. Leipzig, 1888. 

*) Donatus a. a. 0., p. 11, 24: militi chlamys purpurea (purp, von Reiff. 
gestrichen). D. d. B. XI, 2, weisser Chiton, violettes Himation; X, 5 Thraso 
roth-brauner Chiton. Wieseler ibid., p. 79. 

*) Poll. IV, 119: x^ ^ xtüv ^oüXuiv 6$ü)|i.idi xal l/iax'lStov xt icpoaxeixat Xtoxov. 
Artemidor. Onirocr. II, 3: oo ^^p ^^p^? ^P'i^ Svxe^ ol ÄvO-pcuirot xal /laXioxa ol 
xac ßava6oou<; X£)^va^ epYaC6|jLevot Xsfixot<; IfJLaxlot? /pÄvxai. Charikl. III, p. 251. 
Vielleicht hat man, wie Wieseler, D. d. B., p. 80 andeutet, an die Xsoxd ^ostcivy] 
des Poll. IV, 117 zudenken. Maass, Affreschi, 5: Chiton weiss, Hinlation weiss, 
ins gelbliche und grüne spielend; ibid. 10: Chiton gelblichweiss. D. d. B. XI, 2: 
Chiton und Himation weiss; ibid. der Soldatendiener Chiton roth, Chlamys 
weiss;. XI, 4: Chiton weiss, Himation hellgelb; XI, 6: Chiton grün, Himation 
weiss. Dajregen X, 3 Davus: Chiton dunkelgrün ; X, 5 Sanga: Chiton rothbraun, 
ins weissliche spielend; X, 4Parmeno: Chiton hellviolett, Himation dunkelgrün; 
X, 7 Geta: Chiton violett, Himation orange roth. 

') Ter. Eun. IV, 4, 15: ita visus est dudum, quia varia veste exomatus 
fuit, und dazu Eugraph.: eunuchi veste utebantur versicolore, ut multis colori- 
bus texta lulgerent. AV'ieseler a. a. 0., p. 72. 

*) D. d. B. X, 7: Chiton bei allen dreien violett, Himation bei Cratinus 
hellbraun, die Chlamys bei den übrigen dunkelbraun. 

^) Poll. IV, 119: Yj 81 '^D'^avAvii'/ lod-yj; xiojitxu», Tj |jlev xtov Ypatov /itjXI'/y^ 
Y| aspivr^, ^tXtjV bpsiwv xaoxai^ ^k Xeoxyj- (120) al 8i |iaaxpOT:ol •?] fi-rjxsps? Ixatpmv 
xatv'.^tov XI :rop^'>po5v :repl x^ xs'faX'g eyoostv. vj hk xtov vscov Xsoxyj iq ßo'satvTj, 
ETrtxX-Tjptüv oi Xe')XYj xpo-saiuxYj. Pollux scheint hier den gelben elischen Byssos 
zu meinen, über den zu vgl. Paus. V, 5, 2; VI, 26, 4; Blümner, Die gewerb- 



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§. 18. Das Costüm in der alten und neueren Komödie. 269 

oder auch des fji/xttov verstanden wissen will^) und ob die Hetären- 
mütter und Hetären zu den Ypötsc und v^t gerechnet werden sollen, 
was um so weniger walu-scheinUch ist, als wir anderweitig wissen, 
dass die letzteren gern bunte Kleider trugen ^), während Pollux den 
jungen Weibern weisse Kleider zuschreibt. In der That zeigen die 
Abbildungen auch für Hetären rothe oder grüne Chitonen und weisse 
oder gelbe t(xdna ^). Die alten Frauen trugen nach Pollux grün oder 
himmelblau, was durch die Darstellungen einigermaassen bestätigt 
wird^). Dass der TCopvoßoaxög mit seinem bunten Chiton und ge- 
stickten Himation unter den Weibern aufgeführt wird, kann um so 
weniger auffallen, als auch sonst bezeugt wird, dass er sich gelegent- 
lich w^eibUcher Gewänder bediente^). Bezüglich der Mägde haben 
wir nur spärhche Nachrichten ; die aßpa 7rspixoo(>oc soll einen w^eissen, 
und die 7rapa'];Y]aTov statpiStov genannte Hetärensklavin einen schar- 



liche Thätigkeit der Völker des klassischen Alterthums. Leipzig 1869. und 
Becker, Charikles III, p. 234. 

^) Wieseler a. a. 0., p. 79 versteht unter ea^j^ nur den Chiton; Becker, 
Charikles III, p. 252 meint sogar, Jungfrauen hätten eine aiLKV/ö'^t] überhaupt 
nicht getragen, wogegen Gull a. a. O. die tanagräischen Terracotten bei 
Kekül6, Taf. 2. 8. 9. 10. 14. 15 anführt. 

') Suid. 8. V. kaipdiv avd-tvtüV v6[jloc 'Aö^jvtjSi xa? ixaipa; äv8".va cpopeiv • 
Athen. XII, p. 521 B: irap^ Xopaxooaioi^ vojjlo? yjv, x^q -^ovaXyLfx^ |i*r] xo^iislsO-at 
/po3ü) [iY|3' ävO-tva cpopstv, fiY|5' esd^xac v/tiv itoptpupag eyoüaa^ «apu^pdc;, eav piYj 
Ti^ aOTÄv ot)YX*"P^ exaipa elva: xotvvj. Jedoch existierten wohl kaum bestimmte 
Gesetze, wie Böttiger, Kl. Sehr. II, p. 44 A. meinte. Vgl. Artemid. Onirocr. 
II, 3: Y^va'.xl hk KotxtkTj xal avö^jp« esd-)]^ aoji'^epst, jiaXiaxa Zh kxcapcf. xal icXoo- 
aia* vj \i.kv ^ap ^t^ tTiV ep^aatav, -fj Zk b.ä xtjv xpo?p4]v avö^pait; eo^at ypwvxat. 
Mehr Charikles II, p. 103 und III, p. 248 f. Wenn Donatus a. a. 0., p. 12, 1 sagt: 
meretrici ob avaritiam luteum datur, so ist luteus als Bezeichnung der Krokos- 
farbe zu nehmen, und in ob avaritiam liegt ein Missverständniss, worüber Wie- 
seler a. a. 0., p. 79. Daher schreibt Reiflf: meretricibus autem ricinium luteum 
datur. 

•) D. d. B. XI, 4 : unterer Chiton blauroth, oberer hellroth, Himation weiss. 
Maass, Affreschi, 10: Chiton hellgrün, Himation gelb; 14: Chiton blaugrün. 
D. d. B. XI, 6: unterer Chiton gelb, oberer roth; eingesetzter Streifen dunkel- 
roth. Die Notiz des Donatus a. a. 0., p. 11, 24 puellae habitus peregrinus in- 
ducitur stammt wohl daher, dass Mädchen wie Glycerium (vgl. Ter. Andria I, 
1, 119; in, 1, 11) als peregrinae bezeichnet werden. Wieseler, D. d. B., p. 79. 

*) D. d. B. XI, 4: Chiton hellgrün, Himation ziegelroth; Maass, Affreschi, 10: 
Chiton violett ; 14 : Chiton hellgrün, Himation gelb. Ueber |i*fjX:vo<; und aspivo? 
8. BlIJmner, Technologie und Terminologie I, p. 252. 

*) S. ob. p. 266, A. 4. Donatus a. a. 0., p. 12, 1 : leno pallio varii coloris 
utitur. Dio Chrys. IV, 96, p. 85 Emp. s. ob. p. 265, A. 4. Wies. a. a, O., p. 79. 



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270 §. lö. Die Masken. 

lachenen Chiton getragen haben, womit die Denkmäler allerdings 
nur zum Theil übereinstimmen*). 

§. 19. 
Die Masken. 

Zum dramatischen Costtim gehörte auch die Maske*). Die- 
selbe stammte von der an den dionysischen Festen, aus welchen 
das Drama entstanden ist, üblichen Färbung und Vermummung des 
Gesichtes^), da es nur natürlich war, dass die Person, welche 



») Poll. rV, 154, 8. oben p. 265 A. 4. D. d. B. X, 2: Chiton roth mit 
schwarzblauen Streifen ; X, 3 : Himation grün. 

•) FicORONi, De larvis scenicis et figuriB comicis antiquomm Romanorum. 
Romae 1754. Böttiger, De personis scenicis, vulgo larvis. Weimar 1794 = 
Opuscula, p. 220 ff. Derselbe, Die Furienmaske im Trauerspiele und auf den Bild- 
werken der alten Griechen, Kl. Sehr. I, p. 189 ff., und Heber das Wort Maske 
und über die Abbildungen der Masken auf alten Gemmen ibid. III, p. 402 ff. 
(von Köhler), Masken, ihr Ursprung uud neue Auslegung' einiger der merk- 
würdigsten auf alten Denkmälern. Petersburg 1833. Witzschel, Persona in Pauly's 
R.-Encycl. V, p. 1373 ff. Sommerbrodt, Scaenica, p. 199 ff. Wieseler, D. d. B., 
p. 40—46 und sonst, namentlich p. 77. A. Müller, Philol. XXTII, p. 528 f. 
Bernhardt, Gr. Litt. U, p. 122 f. du Märil, Histoire de la Com^die, 2 Voll, 
Paris 1864. 1869. 11, p. 364. 369. B. Arnold, lieber antike Theatermasken, in den 
Vhdl. d. Insbrucker Philol. -Vers., p. 16 ff. Dierks, De tragicorum histr. hab. etc., 
p. 23 ff., 33 ff., 47 ff. — Die Ausdrücke irpoocoicov und itpoacuiretov stehen ohne 
wesentlichen Unterschied; einander entgegengesetzt sind sie Epigr. Lucian. 6 
(Anal. Br. U, 309; Jac., Anthol. Gr. lU, p. 22) und Greg. Naz. Carm., p. 147 c, 
wozu Sommerbrodt a. a. 0., p. 199. 

•) lieber solche Mummereien s. Welcker, Nachtrag zur Aesch. Tril., 
p. 220 ff. und Böttiqer, Kl. Sehr, m, p. 404. Färbung des Gesichts: Tzetzes 
Chil. V, 860 ff.: 6 irpoirr|XaxiO|i.ö? , (paat xtvt? ex tujv aaxsTCTcov, etp-rjxat bt toö 
)^pi838'a'. irrjXcj» x(u|i.ci)5oü;iivoo<;. TCexC*'!? H otvoo X^et ^i icäv toütcuv e6petv xX-yjaiv 
TTf\Xbv TÖv olvov Yoip fa^t >ta^. xiirrjXov ix toüxoo. Ibid. 866 ff.: cpYjsl foöv icpoTO)- 
Xaxwjiiv T*i]v xXYjotv 8a)^Yjx^va: iic6 Tpof ö<; ty]? toö irrjXoö, 4jyoüv aoxou xoö otvoo, 
jj xax' Äpx^? 0^ x(üji(i)8ol xA icp6au>7ca yptaö-^vxe? iroXXo6<; xaxexcujiw^Yiaav tv {jioai^ 
xal<; 'Aö-fivat<;. Schol. Arist. Eq. 522, Nubb. 296. Proll. De com. lU ed. Dübner: 
5xt jiYjitcu npoomnstcuv •rjöp'rjfjivtuv xpüfl Sta)^ptovx85 xa TCp63(uicrx 6nexptvovxo. S. je- 
doch Weclker a. a. O., p. 248. Die rothe Färbung ist dionysisch nach Paus. 
IT, 2, 5 und VIT, 26, 4. Verhüllung des Gesichts mit Blättern Suid. s. v. 
d"p'lajj.ßo?: xal 8xi «pAxov, Kplv mvoTjO^ivat xä, icpoacüireta, aoxY]; <püXXot? ftxaXoirxov 
TcavxE«; xa iaoxÄv itpoGcu::« xal hC tajißtov faxcu^cxov. Auf Laubmasken, über 
welche Grimm, Deutsche MythoL, p. 744 zu vergleichen ist, hat von Köhler 
einige Darstellungen (vgl. Sommerbrodt, Scaen. Taf. Fig. 1 — 4 und p. 200 und 
Wieseler, D. d. B. V, 2. 3 und p. 41) bezogen, welche zwar bakchisch sind, 



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§. 19. Die Masken. 271 

den Gott darstellte^ das eigene Gesicht unkenntlich zu machen 
suchte. Auch später scheinen hei festhchen Gelegenheiten manche 
Priester die Maske ihrer Gottheit getragen zu hahen *). Ueber die 
ältere Geschichte der tragischen Maske sind wir nur unvollkommen 
unterrichtet. Nach einer mit Vorsicht aufzunehmenden Nachricht 
soll Thespis beim Spielen das Gesicht zuerst mit Bleiweiss gefärbt, 
dann mit Portulak verhüllt, endlich Masken aus unbemalter Leinwand 
benutzt haben ^). Choirilos erwarb sich um die Maske ein nicht 
näher bekanntes Verdienst^); Phrynichos brachte zuerst Frauen- 
masken auf die Bühne ^); Aeschylos endhch Uess die Leinwand- 
masken bemalen, und solche Masken blieben dauernd im Ge- 
brauch ^), Nur vereinzelt werden Masken aus Baimirinde oder Holz 

jedoch mit dem Theater nichts zu thim haben: s. A. Müller, Philol. XXrH, 
p. 528. Vermimimung aus Leinwand Wibseler, a. a. 0. V, 5. 7. 

*) Paus. Vni, 15, 1, wo die Maske der Demeter Kidaria von dem Priester 
in der grösseren xeXctYj aufgesetzt wird. Schol. Aristid. m, p. 22: cv xal^ 
TCOjiicat^ b \i.kv Aiovü30ü, b hk Xaiupou, 6 jjlIv ßa%xot) ötvcXaßsxo OX'^P^^ Cbeüzer, 
S>Tnbol. n, p. 322; vgl. K. F. Hermann, Gottesd. Alterth. §. 35, 21. Die Sitte 
des Maskentragens bei dionysischen Festzügen bezeugen Dem. De falsa leg. 
§. 287: xal xoö xaxapdxoü Kop-rj^ttovo?, S? 6v xal^ noiiizal^ Ävsü itpooontoo xü>]j.(iC6t. 
und Plut. De cupid. divit. 8, p. 527 D: 4; itaxpto^ x&v Atovootwv Sopx4] xoicaXatöv 
sicejATCSxo ^YjjioxtxÄ; xal iXapu)?, afx^opeö«; otvoo xal xX7i|j.axt;, elxa xpa^ov xt? elXxsv, 
SXXot; la^aScüV 5ppt)^ov TjxoXoüO^t xopi:C<"v, in\ itaa: hh 6 vpaXXo?* iXXd vöv xaöxa 
irapop&xac xal Yj;pdvtaxat, y(j^of30i\L6L'zoi'^ i:spC(pepop.ev<i>v xal l/iaxtti)v icoXuxeXwv xal 
Ceo^Äv ftXaovo jiivü>v xal i:po9u>icelu>v. Ueber Verwendung einzelner Masken als 
oscilla vgl. O. Müller, Archäol. §. 383,3 und 345*, 3; Böttioer, Kl. Sehr, m, 
p. 405; Du MfiRiL a. a. 0., p.431. Bötticher, Baumcultus der Hellenen, p. 85 ff. 
Jahn, Archäol. Beiträge, p. 324 jff. und Annali d. Inst. 1860, p. 8. 

*) Suid. Si^vi^i xal icpÄxov p.lv yj^iaoLq x6 icpooioTCOV ^((jLudtip IxpaYcpÄirjaJv, 
sixa iv8pdt)^viß ssx^asey rv xw 5irt8sixvoa9'at, xal [lexi xaöxa cloTjveYxe xal x+^v xwv 
icp03(uiceiu)v XP*^^'^ ^^ l^ovg öö-ovtq xaxaoxsoaaa^. Von der Vermummung mit Blättern 
spricht auch Semos von Delos Athen. XIV, p. 622 E: ol Si «paXXocpopot itpoau>- 
irelov [aIv oh XajJLßdvooai, itpoßoXtov 8i 6? ipKokXoo TCeptxtO^|i.evot xal icat^epcuxa^ 
iicdcvü) xoüxoo iii'.xt^evxat, oxctpavov xc baobv t<i)v xal xtxxoö. 

') Suid. XoipiXo?: oSxo? xaxi xiva^ xoT^ Rpoawicstot^ xal x^ oxeo^ xwv axoXdiv 
eire/«p*r]oe. 

*) Suid. ^povi^o?! o&xo? hl i:ptt)Xog 6 4>püVtxo<; fovatxeTov irpoocuKov etoYjYaYcv 
£V x^ oxiqv^. 

*) Suid. Alo/üXo^: ooxoc irpÄxo^ B&pe itpoawircla Ssiva xal xpwfiaai xr/pta- 
jj.6va ex^tv xohq xpaY«{>5oü5. Horat. A. p. 278: post hunc personae pallaeque 
repertor honestae Aeschylus etc. Noch in später Zeit in Gebrauch nach Isid. 
Origg. X, 119: nomen autem hypocritae tractum est a specie eorum, qui in spec- 
taculis contecta facie incedunt . . . habentes simulacra oris lintea, gypsata et 
vario colore distincta nonnumquam. 



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272 §. 19. Die Masken. 

erwähnt*). In wie weit Sophokles und Euripides zur Ausbildung 
der Maske beigetragen haben, ist nicht nachzuweisen. Ueber die 
Geschichte der komischen Maske sind wir ohne jede sichere Nach- 
richt; was überliefert wird, ist unglaubwürdig; schon Aristoteles 
kannte ihren Erfinder nicht mehr^). Auch hinsichtlich des Satyr- 
spiels fehlen die betreffenden Angaben. Getragen von religiöser 
Scheu, hielt sich der Gebrauch der Masken bis in die späteste Zeit, 
und man übersah das in der Maske liegende Unnatürliche um so 
eher, als die Schauspieler einerseits bei den mehr typischen als in- 
dividuellen Gestalten der Tragödie im Stande waren, das ganze Stück 
hindurch eine Grundstimmung festzuhalten, andererseits unter der 
Maske sich leichter den oft allen Anstand überschreitenden Scherzen 
der Komödie hinzugeben vermocliten ^). Jene EigenthümlicWkeiten 
des griechischen Drama, dass verschiedene Rollen von einem Schau- 
spieler und Frauenrollen von Männern dargestellt wurden, hangen 
mit der Anwendung der Maske aufs engste zusammen*). Ausser 
den Schauspielern waren auch Statisten, Choreuten und, wie es scheint, 
die Musiker maskiert^). 



*) Die Masken aus Baumrinde Verg. Georg. II, 387: oraque corticibus 
sumunt horrenda cavatis, vgl. Wieseler, D. d. B. V, 8, betrachtet von Köhler 
als Vorläufer der Masken aus Holz, von denen Prudentius c. Symmach. II, 
646 ff.; ut tragicus cantor ligno tegit ora cavato, grandc aliquod cuius per 
hiatum crimen anhelet. 

*) Aristot. Poet. 5 : i'l? ^h izpoziuna «aTisStwxsv . . . r^-^yoTixrjL'.. — Nach Athen. 
XIV, p. 659 A C, Festus Moeson (p. 134 Müll.), Eustath. ad Od. S, 78, p. 1751, 56 
und anderen von Meineke FCG I, 22 — 24 zusammengestellten Nachrichten soll 
ein komischer Schauspieler Mabwv die von Poll. IV, 148 erw'ähnten Masken O-s- 
pGcnuiv Maiotuv und iJ-spctTttov teilt; erfunden, und nach Eustath. ad Od. o, 106, 
p. 1885, 20 ein anderer Komiker MoXXo? mit Mennig gefärbte Masken an- 
gewandt haben •, vgl. Meineke a. a. 0., I, p. 26 f. Dagegen hält von Wilamowitz- 
MöLLENDORF, Herm. IX, p. 338 M6XX0; imd Mabujv für Personen der Posse 
und stellt letzteren mit dem Maccus zusammen. Die Annahme Meineke's 
(a. a. 0. 1, p. 562), dass die Xoy,o\i.-f^^v.o<; und die beiden 'Ep(j.iove'.o; (Poll. IV, 143) 
genannten Masken nach Et. M., p. 376, 48: 'Ep(j.(uvsta Tcpostosa ofjxü) xaXo'jji.£va 
jio'.a OL-izb "EptjKüvo^ TOü TCpwtov stxovbavio^ auf einen Hermon (Poll. IV, 88) und 
Lykomedes, welche Dichter oder Schauspieler gewesen sein sollen, zurückzu- 
fuhren seien, ist sehr zw^eifelhaft. Rohde, Rhein. Mus. XXXVII I, p. 286, A. 1 
denkt hinsichtlich des ersten an einen axEü07:oi&; 

') DU Meril a. a. 0., p. 303. Theophr. Char. 6, Kepl aTwOvoia;* aiisXe'. 
Süvaxo? xal op/si^ö-ai vr^'^tuv xov xopoaxa 7:po3tu::stov oüx Tywv fv x(u|jl'.xu> /op<«. 

S. oben p. 171, A. 1 und 2. 

*) Statisten: Hippocr. No^o;, p. 2, 5 ed. Foes: ^p-ototaxot 'fap sbiv ol xot- 



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§. 19. Die Masken. 273 

Unsere Kenntniss der Masken beruht theils auf mancherlei Denk- 





Flg. 18. Fig. 19. 

malern der Malerei *) und der bildenden Kunst *), unter denen zahl- 

oiSs total 7caps'.oaYO|xevo'.at KpoatuTcoiatv ev x^3'. xprx-^iohi'ffZ'.v' oi^ y°^P ß^sivoi ^X'^iH-* 
jiev xal aioXYjv xal jrpoaturtov üKoxpiiou ^/Oüstv, oüx etat ^k o^oxpitai xxX. Luc. 
Toxar. 9; xol; xevoi; to'jto'.^ xal xw^o:; TCpoatuKsiot; — a ^tr^piilva xö oxojJLa xal 
itafifieYsO-c^ xr/Y]v6xa ooSs x6 -/A'.xp&xaxov tf/JJ-sY^exat. Id. De histor. conscr. 4. — 
Für den Chor der Eumeniden erfand Aeschylos eigene Masken mit Schlangen 
im Haar, Paus. I, 28, 6. Ueber den Chor der AVolken vgl. Schol. Ar. Nubb. 343: 
£lztKf])J}^r/.z'. fap ol xoü yopoö Kpo'tüTusta K5p'XEi,aevot iLz-^oikfx:; lyovxa ^iva; xal 
aXXtu; YsXola xal aT/-f|u.ova. Vgl. ferner Theophr. Char. 6. Für den Chor des 
Satyrspiels erwiesen durch AVieselkr, D. d. B. VI, 2-, vgl. Satyrsp., p. 155. — 
Die Chormusiker in den Vögeln trugen Masken, vgl. Wieseler, Adversaria in 
Ar. Av., p. 69 und Satyrsp., p. 44; ob indessen die Doppelflöte derselben die 
Stelle des Schnabels vertrat, ist zweifelhaft. Das Xg/x|ia der Prokne (Av. 674) 
ist als Maske zu fassen, der x6pa| s jj.ir£'^op^-tüjjjLsvo; ibid. 861 hatte wohl nur 
eine Halbmaske. Auf Bildwerken ist die Maske bei Musikern nicht nachzu- 
w^eisen. Bei dem Kpod^wv im üdeion trugen die Schauspieler weder Masken 
noch Costüm. Schol. Aeschin. Ctesiph. §. 67: E^iYvexo itpo xu»v iif^aKiuv Atovo- 
attüv Yjjxspat^ OKi'(rx'.:; ejirpo-ö-ev sv x(h to^stü) xaXoojxsvw xäv xpa^cü^uiv aYu>v xal 
eni^E'.J'? <^»>v |i.£XXoo3'. $pa|j.axtüy aYtoviCssö-a'. ev x<j) ö-saxpcp, 8:' S exot|iü>^ rz^oof^iav 
xaXelxai. tlziazi 5e Sr/a Kpo3u»K(üV ot 'jiroxpixal "^dilvoL 

') Abgesehen von den bereits in den vorigen §§ citierten Abbildungen 
dramatischer Scenen kommen hier in Betracht Wieskler, D. d. B. V, 18. 
22 — 26; Helbig, Wandgemälde Nro. 1728—1755*'; Robert, Maskengruppen, 
AVandgemälde in Pompeji; Archäol. Zcitg. 1878, p. 13 ff. und Taf. 3. 4. 5. 
SoGLiANO, Le pitture murali campane scoverte negli anni 1867 — 1879, p. 149, 
Nro. 740—752. 

Hermann, Lehrbuch UI. II. |3 



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274 §• 1^- l^^ß Masken. 

reiche, zum grossen Theile erst neuerdings gefundene, Terracotten ') 




Fig. 20 I. 




Fig. 20 n. 




Fig. 21 T. 

heiTorzuheben sind 




Fig. 2: 11 

ein Material, liinsiclitlicli dessen es nicht 



') Mosaiken: Wieseler, D. d. B. V, 9— IH. 31—36. Marinorniasken : ibid. 
V, 17 (vgl. unsere Figur 18). 20. 41. Bullett. d. Inst. 1844, p. 172. Fröhner, 
Notice de la sculpture antique du musee national du Louvre. Paris 1875, Bd. I, 
p. 310, Nro. 323. Bronzen: Louvre Nro. 591. 593. 598—602. AVieseler a. a. 0. 
V, 38. Reliefs: Wieseler D. d. B. V, 37. Annali d. Inst. 1859, tav. O. Ge- 
schnittene Steine: Wieseler D. d. B. V, 19. 42—52. Die Elfenbeinstatuette 
oben p. 228 unsere Fig^r 14. Vgl. femer Salinas, Annali d. Inst. 1866, 
p. 18 ff. 

>) Braun, Bullett. d. Inst. 1848, p. 76. Wieseler, D. d. B. V, 39. 40. 
Robert, Bullett. 1875, p. 34 f. Derselbe, Mittheil. d. archäol. Inst, zu Athen 
m, p. 83 ff. und Taf. 2. Helbio, Bullett, 1879, p. 30. 1880, p. 47. Fivet, 



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§. 19. Die Maskon. 275 

immer feststeht, in wie weit es auf die Bühne Bezug hat — , theils, 





Flg. 22 I. Fijf 22 fl. 

abgesehen von gelegenthchen Env*ähnungen und den bezügHchen Stellen 

Gazette archeol. von de Witte und Lenormant, 1877, p. 39. B. Arnold, An- 
nali d. Inst. 1880, p. 73 ff. und Mon. d. Inst. XT, Taf. 18. Maass, ibid. XT, 
31, 1. 2. und Annali 1881, Taf. I K (= Hklbki, Bullett. 1880, p. 204 ff.) 
H. VON RoHDEN, Die Terracotten von Pompeji. vStuttg. 1880, p. 3. 13. 14. 22. 24. 
Taf. IX, 1. XIV, 1. 2. XV, 1. 2. 3. Martha, Catalogue des figurines en terre 
cuite du musee de la societe archeologique d'Athenes. Paris 1880, p. 19 — 21. 
28. 38. 50. 51. 71. 106. 133. 174. 198. 199. Fröhner, Terres cuites d'Asie mi- 
neure. Paris 1881, Taf. 20. 31 und 37. Collection Camille Lecuyer, Terres 
cuites de Tanagre et d'Asie mineure. Catalogue par Fröhner. Paris 1883, p. 5. 
11. 12. 16. 36. 37. 42—45, und namentlich p. 46—50. Dütsciike, Bonner Jahr- 
bücher LXXVIII, p. 126 ff. und Taf. II. Endlich Bildwerke aller Art bei 
FicoRONi a. a. 0. Die Masken dienten zum »Schmuck der Wände in Wohn- 
häusern und Gi-äbem (namentlich etruskischen), als Wasserspeier oder Antefixen. 
lieber diesen Wandschmuck in Gräbern s. Helbio, Bull. d. Inst. 1879, p. 31 
und 1880, p. 214. Auf solchen Gebrauch weisen auch die gewöhnlich oberhalb 
der Stirn paarweise eingebohrten Löcher hin. Die Beziehung der Theatermaske 
auf den Tod ist noch nicht völlig klar; man sieht in diesem ursprünglich bakchi- 
schen Attribut im Zusammenhang mit der Mysterienlehre ein Unterpfand des 
Wiedererwachens, oder erkennt darin eine poetische Allegorie der auf Täuschung 
beruhenden Sinnenwelt; vielleicht diente die für diesen Gebrauch bevorzugte 
fratzenhafte Maske der neueren Komödie und des Satyrspiels auch als Apo- 
tropäon. Vgl. Dütschke a. a. 0., p. 127. Das reiche Material bedarf der 
Sichtung. Vgl. die Bemerkungen von Robert, Mittheil. d. arch. Inst, in Ath. 
JUy p. 83; Arnold, Annali 1880, p. 75 f.; Maass, ibid. 1881, p. 156. Arnold 
a. a. O., p. 76 bezieht die Masken aus etruskischen Gräbern auf die griechische 
Bühne, wenn sie älter sind als die Einführung der Maske in Rom, welche in 
die Zeit des Terenz fällt (Arnold, Vhdl. d. Insbrucker Philol.-Vers., p. 20; 
Ribbeck, Römische Tragödie, p. 660), später ist auch Beziehung auf die römische 
Bühne anzimehmen. Wir geben Fig. 19 einen jugendlichen Satyr nach Coli. 

18* 



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276 §• lö. Die Masken. 

der Dramen *), auf einem von PoUnx überlieferten umfassenden Ver- 
zeichnisse in welchem diejenigen tragischen, satyrischen und komischen 
Masken, welche in alexandrinischer Zeit zu den Requisiten einer 
Schauspielertruppe gehören mochten, mit einer leider nur kurzen 
Beschreibung aufgezählt sind. Jedoch ist bemerkt worden, dass sich 
Masken finden, welche auf keine der dort beschriebenen zurückgeführt 
werden können^). 

Die Masken, welche vom oxeoojrotö^ *) verfertigt wurden, be- 
deckten in der Regel nicht nur das Gesicht, sondern auch das Vorder- 
und Hinterhaupt des Schauspielers, mussten daher wie ein Visier- 
helm über den Kopf gezogen werden*)-, unter dem Kinn wurden sie 
durch Bänder festgehalten^)-, oben waren sie mit einer Handhabe 
zum Tragen oder Aufhängen versehen®). Von den drei Theilen, 



Lecuyer, p. 48, Nro. 284; Fig. 20 einen Silen nach Mon. deir Inst. XI, Taf. 32, 
Nro. 2; Fig. 21 den 4jYe[i«>v itpssßofr]«; nach Annali deir Inst. 1881, tav. d'agg. I; 
Fig. 22 den 'KpjKuvtoc nach Mon. d. Inst. XI, Taf. 32, Nro. 1. 

*) Das aus den Tragödien und Komödien hieher Gehörige s. bei Dierks, 
bezw. De tragicorum histrionum habitu scaenico apud Graecos und Archäol. 
Zeit. XLHI, p. 32 ff. 

*) Robert, Arch. Zeit. 1878 p. 22. Beispiele nicht bestimmbarer Masken 
Robert, Bullett. d. Inst. 1875, p. 34; mehrere Figuren auf den von Maass, Mon. 
d. Inst. XI, Taf. 30 ff. publicierten Wandgemälden; Dütschke a. a. 0. Taf. 11, 1 
u. a. m. 

*) PoU. rV, 115: oxsüoitoti«; 81 b Kpoownoitoto^. Vgl. II, 47. Ueber seine 
Bedeutung Arist. Poet. 6: Irt Zk xupicuxEpa itspl xr^v aitepYaotav täv o'j;eu>v "Tj toö 
axeooiroiou xiyyri rrj^ t(mv TC0i7]td»v Izxi. 

*) Gell. N. Att. V, 7 : nam caput et os cooperimento personae tectura 
undique. Luc. Anach. 23; Nigrin. 11; Phaedr. Fab. 1, 7. PHn. N. Hist. VII, 54. 
Die Art des Aufsetzens dargestellt bei Wieseler, D. d. B. VI, 4. Während der 
Pausen wurde die Maske über den Kopf zurückgeschoben, vgl. Wieseler a. a. 0. 
V, 51; VI, 1 ; rX, 2; XU, 45. B. ARNOLD, Vhdlg. d. Insbr. Philol.-Vers., p. 22, 
A. 13 verzeichnet folgende technische Ausdrücke: irpoawirov avstXYj^pots^ Luc. 
Nigr. 11; öicoSt)^ xö oiv TtpoacoTCov Luc. Apol. 2; xh Kpoomirslov icsptO^jisvoi Luc. 
Tim. 28; «epid^Tov irpootuicov Schol. Arist. Thesm. 258; K^ooiaizzlov ÄEpixetfisvoi; 
Luc. Nigr. 11; icpoatüicov bizlp xecpaATj; avaxstvo/isvov sictx£t|ievo(; Luc. Salt. 27; 
ftKO^jievo«; xh icpoaioirsiov Luc. Menipp. 16. Ueber Filzkappen als Unterlagen 
vgl. Ulpian ad Dem. De fals. leg., p. 421, §. 255 zu den Worten 5v irtXi5tov Xaßtov 
lizl x-fjv xstpaXYjv: ol \i.h (^aziv 2xt ev xal? KOfATtal^ D.oi^opoDvxo aXX*fjXot^ «poacoTCsTa 
tpopoövxe^, ÖKOxdxü) Sl iciXi^ia ecpopoov, tosxe jx"rj ßXiirxead'ai xal xptßeoO-at xyjv xs- 
«paXYjv. 8xt xiv OtvofAaov ö?toxpiv6/ievo5 xal xaxaTtsawv eKXTjY'H >ta^ EXpaüjiaxb^ xal 
t^e^EXo x^v xscpaX'fjv. oü <p8ü5*jj oov xb |i*r] ^oövai StxYjv, xäv mXi^tov ^op-j;. 

^) Vgl. Helbio, Wandgemälde Nro. 1469. 1729. 1736. 

«) Wieseler, D. d. B. VI, 2 mehrfach. 



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§. 19. Die Masken. 277 

welche an jeder Maske zu unterscheiden sind, war der untere bei 
Männern meist durch den Bart verdeckt ^), während der mittlere 
durch die Gesichtsfarbe wesentHch das Alter und den Charakter 
bezeichnete und an dem oberen der Unterschied des Haares sowie 
die grössere oder geringere Höhe der Stime zu bemerken war. 
Diese bedingte wesentlich der S-pco«;, ein dreieckiger Aufsatz, an 
dem der vordere Theil der Haartour befestigt war, so dass sich das 
Haar mitten auf der Stime hob und zu beiden Seiten herabfiel, 
während der S-pcoc selbst nicht zum Vorschein kam*). Pollux er- 
wähnt denselben nur bei tragischen Masken, bei denen er zwar nicht 
auf vornehme Rollen beschränkt, aber doch nur für solche Masken 
üblich gewesen zu sein scheint, denen durch Erhöhung der Stirn 
ein würdiges Aussehen verliehen werden sollte. Bei weibUchen Masken 
war er überall kleiner. Vom äyxoc ist das irspixpavov zu imterscheiden, 
in welchem wir eine Art Kopfbedeckung zu erkennen haben*). 

Pollux sondert in seinem Katalog^) die Masken nach den Gat- 
tungen des Drama und nennt zunächst für die Tragödie 6 Yipovtec^); 



^) Es gab auch Halbmasken, welche den unteren Theil des Gesichtes un- 
bedeckt Hessen. Wikseler a. a. 0. V, 68 und p. 46. 

•) Poll. IV, 133; ofxo«; Zk liv, xb bizkp xh itpoocoicov av^ov ri? 5t|/oc XaßBo- 
vM^ Tcj> ox^ifiaxt. Luc. Salt. 27 (s. ob. p. 276, A. 4). Wkseler, D. d. B., p. 42. 

') ScHOENE, De person. habitu etc., p. 66. Wieseler, Gott. Gel. Anz. 
1852, p. 1894 erklärt es als Mütze oder Haube und macht darauf aufmerksam, 
dass Masken, welche mit einer eigentlichen Kopibedeckung versehen waren, 
keinen Onkos hatten. Vjfl. densclb. D. d. B., p. 61 zu Ym, 12 und p. 86 zu 
XI, 6. Es wird bei der Maske des 8if 8'epia(; und des '^pc^iwv olxextxov erwähnt, 
bei dem letzteren aus Schaffell. 

*) Poll. IV, 133—154. Vgl. Geppert, Die altgriechische Bühne, p. 266 
bis 272; WiTZSCHEL in Pauly's Real-Enc. V, p. 1376 ff., wo die Beschreibungen 
übersetzt sind. Das Verzeichniss der komischen Masken ist mit einigen An- 
merkungen ediert von Meineke, F. C. Gr. I, p, 561 ff. 

^) Nro. 1 (§. 133). 6 fi^v S^pta? (avi^p) zpz^^oxaxoq twv fcpovituv, Xeoxö? 
TTjv x6|j.Y|v • ^cpocxetfJLSvat TO)- o-pn^ al tptye^. xb ^A ysvsiov ev ypu) xoüpta«; eoxiv b 
4opia^, e7ct|iYix*r]c üiv xa^ wapeiig. Maske des Kadmos nach Schoene a. a. 0., 
p. 53, des Priamos nach Hes. icpiajiio^aofiat und Suid. npiafAtud^vat. Doch hat 
dieser Mon. d. Inst. XI, Taf. 30, 4 einen starken Bart. Vgl. über die Priamos- 
maske IMaass, Annali d. Inst. 1881, p. 127 und 138. Wieseler ibid. 1853, 
p. 35 f. — Nro. 2 (§. 134). 6 H ktoinb^ ävvjp sä^ jiev eoxt itoXto?, gooxpo^^oü^ 
$' iyti itepl Tß xs'^aXTj xal fs^stov Ksirty^b^ xal :rpoitsxet^ Ovppö^ xal itapdtXeoxov xo 
•/pwjia. Maske des Teiresias nach Schoene a. a. 0., p. 54, und des Pädagogen 
in der Elektra nach Soph. El. v. 44. Vgl. Arch. Zeitung 1878, Taf. 4, 2. 5, 1. 
Aehnlich Mon. d. Inst. XI, Taf. 30, 4 und Taf. 31, 8, wenn sich nicht bei beiden 



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278 §. 19. Die Masken. 

8 vsavioxot ^), 3 O-epdÄOvtcg *^) und 11 Yovaixe^.^). Die tragischen 
Masken haben nach den Abbildungen und Monumenten sämmtlich 



Spuren von brauner oder rother Farbe im Gesichte fanden. — Nro. 3. o -(s |J.''jv 
GTcaptoTcoXto«; S-rjXoi jisv ttjv xoiv itoXiojv (pfjaiv, ^eXa^ 8' eoxl xal oirtu^^po^. Arch. 
Zeitung 1878, Taf. 5, 1. Maske des Oedipus nach Soph. Oed. R. v. 742 f. — 
Nro. 4. 6 8^ jjieXa^ avrjp, cnzo ^cv ttj^ Xpo'^? toovojiot, ooXo^ 81 y.al t6 Y^^^tov 
xal Tf^v x6|iY^v, zpayh^ ^l xh npo^iuicov, xotl [JisYa^ 6 oy^o;. Robert, Arch. Ztg. 
1878, p. 23 zu Taf. 5, 1 bezieht fieXa^ auf die Haarfarbe, Arnold, Vhdl. der 
Insbr. Phil.-Vers., p. 34 richtiger auf die (iresichtsfarbe. — Nro. 5 (§. 135). 6 ZI 
^avO-ö^ avr]p 4«v^oi)^ lyet ß6atp.6you^ xal o^^öv yjtxu), xat eaxtv eü^^pou;. Arch. 
Zeitung 1878, Taf. 4, 2 und 5, 1. — Nro. 6. 6 U ^avö-oxepo? xa [ilv 5XXa 
8|iOio?, üTTCü/po^ hi jAdXXov, xal Z'qXol voaoövxa. 

*) Nro. 7 (§. 135). b \ihy nd'^ypri^xo^ Kpssßüxaxo^ xdiv vaavbxcov, öcYSvsio^, 
eSypo*^, }jLsXa'.v6|j.8vo? • ^asslou xal fxtXatvai crl tpr/e?. Maske des Achilles, Mon. 
d. Inst. XI, Taf. 30, 1. 4. — Nro. 8 (§. 136). 6 8' OüXo« ^avÖ-ii; örepoYxoi;- al 
xpi^j; x(j) oYX(p irpoa:csirYjYa3'.v • 6'fpö^ 8cvaxixaxai, ßXosopö^ x6 jIBo^. Maske des 
PentheuB nach Schoene a. a. 0., p. 88. TVieseler, D. d. B. V, 20, falls die 
Maske nicht weiblich ist. — Nro. 9. 6 8i itapoüXo; xäXXa eotx<ü; xtj» nph a6xo5 
jxaXXov viavtCst. — Nro. 10. 6 8' dicaXö; ßocxpo/ot; JaviS-ö?, XtüxoypcöC, fat8p6<;, 
TtpcTTcov ö-ecj) ^ xaXtf». Maske des Dionysos nach Schoene a. a. O., p. 18; vgl. 
DiERKS a. a. 0., p. 25. — Nro. 11. bhk irtvapö^ öyxcü^y)^, okotcIXiSvo^, xaxfjcprj;, 
SoontvYj?, 5avö^ xcii-j eittxojiÄv. — Nro. 12. 6 8i 8eüX8po; ictvapö^ xoooüX(|) xoti 
TüpoxEpoo loyvoxepo^ 2a(}) xal vsapmspo^. — Nro. 13 (§. 137). 6 81 (o/P^? cppo^^vo? 
eoxi xal^ oap^t xal 7C5ptxo(j.O(;, OTTO^avö-o*;, voatuSirj^ X7]v xp^iav, o[oc st8(uX(i) •?] xpao- 
•j.ax'.a irp^TTf.v. — Nro. 14. 6 81 Tcdpioypo^ xa /lev äXXa oio? 6 icaYXp*'lGxo<;, w/pt« 
8i ü)^ 8*r]Xoöv vocoövxa yj epÄvxa. 

*) Nro. 15 (§. 137). b jifev StcpÖ-sp'la? ©yxov o5x e^^wv ictpixpavov 8' e/et 
xal xpix*<» 6XXeVi3[j.eva5 Xsoxa^, itpoauiicov oirw^^pov xe xal öiroXeoxov, xal [loxxTjpa 
xpayov, ETtioxüVtov jiexEtupov, ^^O-aXiJLO^x; GXoO-pu>Tco6<;* 5;ro>xp05 8' eaxl xal xb ^eveiov 
::po;caXa:xspo»;. Arnold a. a. O., p. 23 übersetzt „Lederkittel" und vergleicht 
Varro De re rust. 11, 11, p. 270 Sehn. Maske des ä^T^^^'S nach Schoene a. a. O., 
p. 62. — Nro. 16 (§. 138). 6 Zi ocpYjvoKWYtuv axjiaCet, xal oyxov u^J/iqXöv v/e: 
xal irXaxov, xoiXaivopiEvov ev x^ ic*ptcpopa • 5av^'>?> '^P'»*/.^?» epüO-po*;, jrpsKüiv aYY^Xw. 
Vielleicht Maske des sxepo^ aYY^Xo; nach Schoene a. a. 0., p. 61; vgl. Dierks 
a. a. O., p. 34, der sie für die Boten in Aesch. Sept. 371 und Pers. 247 in An- 
spruch nimmt und Ar. Av. 1121 vergleicht. — Nro. 17. b ok avaotjio; oicep- 
OY*o? i'Jiy^bi' ix pLsaoü avaxExavxat at xpl/e«;' a-^hsiöq soxiv, üitspoO-po?, xal ooxo^ 
aYY^XXst. Maske des O-epaircüv nach Schoene a. a. 0., p. 61. Dierks a. a. 0., 
p. 34 erkennt bei Wieseler, D. d. B. IX, 1 die Maske eines älteren Sklaven, 
der nicht als Bote verwandt wird. 

') Nro. 18 (§. 139). tj ^^v KoXia xaxdxojio«; bnlp xciq 5XXa? xy^v x* 4jXi- 
xiav xal xyjv a^'lioa'.v, Xsox6xo[io;, jisxp'la xb^ oyxov, oTctuypo«; • jcdXai 81 Tcapd^^ptajio^ 
exaXetxo. Mon. d. Inst. XI, 30, 3. — Nro. 19. x6 8' iXeoS-spov Ypa8iov ötco- 
4av^ov xYjV :coXtdv, piixpiv oyxov I)^ov |xr/pi xwv xXswwv at xpi)(E; • OTTO^aivet ouji- 
^opdv. — Nro. 20. x6 8^ olxextxöv '(^aoic^ itEptxpavov e4 dpvaxt8u»v dvxl xoö 



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§. 19. Die Masken. 279 

ein würdiges, zum Tlieil schönes Ansehen ; die Mundöffhung ist, um 
das Pathos zum Ausdruck zu bringen, regehnässig eine weite*). 
Schon aus den in den Anmerkimgen mitgetheilten Namen der Masken 
erhellt, dass wie gegenwärtig die Schauspieler nicht für einzelne Rollen, 
sondeni für ein bestinmates Rollenfach engagiert werden, so diese 
Masken nicht für einzelne Rollen bestimmt, sondern Charaktermasken 
waren, welche für die verschiedensten einschlagenden Rollen'') ver- 
wandt werden konnten; in der Regel wird auch ein solcher Bestand 
ausreichend gewesen sein. Da indessen doch für manche Rollen die 
einfache Nachbildung des menschhchen Gesichts nicht genügte, so 
gab es für diese besondere Masken, welche Sxoxsoa jrpöawTra genannt 
wurden. Dahin gehörte der gehörnte Aktäon, der bhnde Phineus, 
die Gestalten der Fluss- mid Berggötter, sowie die allegorischen Fi- 
guren der Dike und Hybris u. a. m. Pollux*) zählt einige der- 



ofxoo f/tt, xal ^üoov estt xä^ odpxa;. TViESELER, D. d. B. XI, 6. — Nro. 21. 
xb ^k olxstix6v ^co6xoupov, ßpa^u^ ^^xo^, X9^^ Xsox*f], icdpu>}(po(» ob ndvxa 
TCoXiov. — Nro. 22. 4j hk Sicpd>spit(( vtcuTspa t« Ixttvr)^ xal Sy^ov o6x I)^«. — 
Xro. 23 (§. 140 j. 4]iixaTdxo|JLO? ^X9^ jiiXaiva x^v x6|xir)v, ßXl|jL|ia Xoirr)p6v, 
xö Ik XP^l^'^ ^^ ^^^ öy6(jLaxo(. WiESELEB, D. d. £. V, 20, wenn die Maske weib- 
lich ist; V, 24; VIII, 12; XI, 5. Arch. Zeitung 1878, Taf. 8, Andromeda. 
Mon. d. Inst. XI, 30, 6; 31, 11. Maske der Ino nach Schol. Ar. Vesp. 1413. 
— Xro. 24. -rj Si p^soxoupo^ ^^XP^' 6ji.ota x-fj xaxaxojjitp, «Xr^v 8aa tx jjiaoo 
xixapxat. Vielleicht Wusseler a. a. O. XI, 5. — Nro. 25. 4j 8i jj.8o6xoopo$ 
K^ozfOLXO^ XTjv |i£v xoopotv v/2i xatd Ti]v icpö ot-hvi]^, obv.ixi ZI xtjv («)^p6x^xa. — 
Nro. 26. Vj hi xooptjio? irap^J-evö^ ivxl oyxoü S)(et xpi/^wv xaxetj/*r]Y|JLivü)V Staxptotv, 
xal ßpa^^ea tv xoxXu) iteptxixapxai. uTttü/po? 3^ xtjv ypoiav. Maske der Antigene 
und Elektra nach Dioscorid. Epigr. 28, v. 7 fF = Anal. Br. I, p. 500 (Jacobs, 
Anthol. Gr. I, p. 252). — Nro. 27 (§. 141). -^ U exlpa xo6ptjio<; itapO-evo? 
TotXXa o\koifi itXyjv ty]^ otaxptaecug xal tmv x6xX(j> ßoaxp6/(i>v, tu^ tx koXXöö Soaxo- 
yobza. — Nro. 28. tj 5i xopT] vsapiv iiposcunrov, oTa fiv Aavat^ y^"^®'"^® ^ 5XXf] 
naio'l'SXTj. 

*) Luc. Salt. 27: xal atoji-a xr/Y^vo^ :rd|iarj^a u>^ xaxaictojJLJvo^ xoo? ^5«xd^. 

*) Auch in komischen nach Poll. IV, 142: aXXa xaöxa [jlsv öv eItj xal 
xü>|i.'.xd. Diese typischen Masken, welche DnsRKs, De tragicorum histr. hab., 
p. 23 erst dem Euripides zuschreibt, müssen, als mit der Vorliebe der antiken 
Tragödie für typische Charakteristik stimmend, jedenfalls schon zu Sophokles* 
Zeit üblich gewesen sein. Vgl. Arnold, Philol. Rundschau 1884, p. 895. 

*) Poll. IV, 141: xa 5' sx^xeoa nposmica 'Axtaitov 63x1 xipaa^popo?, 
Tj <l>'.vc'>; xo'fXo<;, Tj Ha^iopi^ xov |j.^/ eytuv YXaoxov o'^O-aXp-iv x6v ZI jieXava, yj 
^ApY^? -oXoo'f O-aXpio^ , Yj E'jiicirTj T| Xeiptuvo^ oKaXXaxxo|ievYj et^ t:rjcov :rap' 
K'jpin'loTg, Yj Topci) TcsXt^'/Yj xtt^ Tiaps'.a^ ffapa lo-foxXci (xoöxo o** ütco xy]? ^Yjxpotä? 
XiOYjpoO^ iiXYiY'it:; ^clirovö-ev), yj 'AytXXso^ Iki llaxpoxXco 6ixojj.o<;, yj 'A|iU}i.tt>VYj, ^ 
jcoxa|i.O(;, yj opo<, y^ TopY**»» ^ 5i*'tYj yj ö'avaxo^ Yj sptvo? yj Xiaaa yj oioxpo^ yj ußpi^v 



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278 §. lö. Die Masken. 

8 vsavbxot *), 3 O-sf/dJtovTs^ ^) und 11 Yovaixsc.^). Die tragischen 
Masken haben nach den Abbildungen und Monumenten sämmtUch 



Spuren von brauner oder rother Farbe im Gesichte Hinden. — Nro. 3. o -^t jiy^v 
3i:apTOTc6Xto<; StjXo: jisv T*rjv luiv jcoX'mv ^'iaiv, juXag 8' estl xal ü;:ü>)(f>o^. Arch. 
Zeitung 1878, Taf. 5, 1. Maske des Oedipus nach Soph. Oed. R. v. 742 f. — 
Nro. 4. 6 8fe ji-eXa^ oivrip, ciKh filv r?]; ypotd^ Toovojia, ooXo? 51 xal t6 y^^siov 
xal TY]v x6jiY|V, x^txyh^ 81 t6 ^f^oscuKov, xal jirj-a^ 6 oyxo^. Robert, Arch. Ztg. 
1878, p. 23 zu Taf. 5, 1 bezieht jisXa; auf die Haarfarbe, Arnold, Vhdl. der 
Insbr. Phil.-Yers., p. 34 richtiger auf die Gesichtsfarbe. — Nro. 5 (§. 135). h 81 
JavO-ö^ otvT^p ^n'^^ob^ tyn ß6aTpü)^ooc xal ©yxöv *yjxito, xal ssiiv ioypu}^. Arch. 
Zeitung 1878, Taf. 4, 2 und 5, 1. — Nro. 6. b U 5avö-6xEpo<; td jjlIv äXXa 
S{JLOio^, OTzutypoq H jxdXXov, xal Sr^Xot voooövta. 

*) Nro. 7 (§. 135). h jjiiv KaY/pYjato; icpsaßoraio^ xäv vjavbxtuv, aYevsto^, 
50)(piu5, p.sXa:v6fi.«vo; • öassla: xal /AsXatvai ai "fp'/.*?« Maske des Achilles, Mon. 
d. Inst. XI, Taf. 30, 1. 4. — Nro. 8 (§. 136). 6 ^ öüXo^ {avO-ö; 67r8poYxo(;- al 
tpi^t^ x(j) oYX(p 7:po3fff irfjYQisiv • ocppö^ Ävaxixatai, ßXosupö^ xö «ISo^. Maske des 
Pentheus nach Schoene a. a. 0., p. 88. Wieselee, D. d. B. V, 20, falls die 
Maske nicht weiblich ist. — Nro. 9. 6 8i icdpouXo^ xiXXa totxw^ x<5» icp6 a5xoö 
pidXXov vjavtCet. — Nro. 10. 6 8' dicaXi^ ßoaxpo/ot^ iav^o^, Xcoxoypco^, fai8p6(, 
«piKcov ö-tij) ^ xaXij). Maske des Dionysos nach Schoene a. a. 0., p. 13; vgl. 
DiERKS a. a. 0., p. 25. — Nro. 11. 6 8k ictvap6; ÖYxco8*r|5, 6iroi:^Xt8vo5, xax*r|<p'f|5, 
SoaTitvYj^, 5'*vO^ '^^ji'jy emxo{xu>v. — Nro. 12. 6 8i 8tux8po( ittvapö^ xooouxy xot> 
upoxepo'j loyvoxspo^ 03(j) xal vsapmepo^. — Nro. 13 (§. 137). h 8^ (i>)(pi^ ^puYavo^ 
eoxi xal^ aap5l xal :repixo|i.o;, oTcoJavd-o«;, voooi8*r]^ x*rjv ypotdv, oioi; et8a>X(}) tj xpao- 
jjtaxia irplKetv. — Nro. 14. h Zk Kapcu^po^ xd /aIv aXXa ofo^ 6 T^orf/^^r^ozo^, "»Xp^d 
8i u>^ 8tjXoöv vocoövxa 9j epwvxa. 

') Nro. 15 (§. 137). 6 jx^v Sttpö-epta^ ©yxov o6x e)(^(üv «eptxpavov 8' e^^ei 
xal xplya^ exxsvtSfJLEvag Xsoxd^, irpoawTiov o;:o>xp6v xe xal 6tc6Xsüxov, xal fi.uxx7jpa 
xpayov, entoxuviov jAexItopov, i^O-aXiAoo^ axüO-pcunO'j^* üjriuj^po? 8' eaxl xal xi y^^'°^ 
iipo^raXa'lxspo?. Arnold a. a. 0., p. 23 übersetzt „Lederkittel" und vergleicht 
Varro De re rust. 11, 11, p. 270 Sehn. Maske des aYYeXo? nach Schoene a. a. 0., 
p. 62. — Nro. 16 (§. 138). 6 8^ G<pYjvoictüYw v äxp.aCet, xal oyxov 6«J/y]Xöv t'/z: 
xal rXaxov, xoiXa'.vöp.svov ev x*J «epnf opd ' JavO-o^, xpa^^o^, epoO-po^, T:pl::u>v «yy^Xco. 
Vielleicht Maske des ixspo? aYYfXo; nach Schoene a. a. 0., p. 61; vgl. Dierks 
a. a. ()., p. 34, der sie für die Boten in Aesch. Sept. 371 und Pers. 247 in An- 
spruch nimmt und Ar. Av. 1121 vergleicht. — Nro. 17. b 8e avdotjjLo^ ojcep- 
oYxo^ 4'*vO'6;' EX JXS30Ü avatexavxat al xpi/eg* aY£ve:6< eaxtv, uitEpoO-po^, xal oaxo^ 
aYYsXXsi. Maske des O-epaircuv nach Schoene a. a. 0., p. 61. Dierks a. a. 0., 
p. H4 erkennt bei Wieseler, D. d. B. IX, 1 die Maske eines älteren Sklaven, 
der nicht als Bote verwandt wird. 

•) Nro. 18 (§. 139). 4] ^ev iwoXtd xaxdxojjio? bizkp xd^ ÄXXa; x*f|v xz r[ki" 
x'lav xal xTjV a^ltoatv, X£üx6xo(j.o^, jiexpla xiv oyxov, u::tü/po<; * TtaXai 81 :rapd)^pcwpL05 
sxaXtixo. Mon. d. Inst. XI, 30, 3. — Nro. 19. x6 8' iXetiO-spov Yp«8tov ö:r6- 
5avt)-ov XY|V rtoXidv, jitxpiv oyxov ^/>v /Aeypi xuiv xXc'.8aiv at xp'lys^ * OTco'faivst ooji- 
(fopdv. — Nro. 20. xö 8^ olxextxov yP^^^^v nepixpavov l^ dpvax(8a>v avxl xoö 



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g. 19. Die Masken. 279 

ein würdiges, zum Tlieil schönes Ansehen ; die Mundöffiiung ist, um 
das Pathos zum Ausdruck zu bringen, regebnässig eine weite*). 
Schon aus den in den Anmerkungen mitgetheilten Namen der Masken 
erhellt, dass wie gegenwärtig die Schauspieler nicht für einzelne Rollen, 
sondern für ein bestimmtes Rollenfach engagiert werden, so diese 
Masken nicht für einzelne Rollen bestimmt, sondern Charaktermasken 
waren, welche für die verschiedensten einschlagenden Rollen*) ver- 
wandt werden konnten; in der Regel ynrd auch ein solcher Bestand 
ausreicliend gewesen sein. Da indessen doch für manche Rollen die 
einfache Nachbildung des menschhchen Gesichts nicht genügte, so 
gab es für diese besondere Masken, w^elche Sxoxeoa 7rpöaa)7ra genannt 
wurden. Dahin gehörte der gehörnte Aktäon, der bUnde Phineus, 
die Gestalten der Fluss- und Berggötter, sowie die allegorischen Fi- 
guren der Dike und Hybris u. a. m. Pollux*) zählt einige der- 



07x00 tyit, xal ^t)36v i3x: xa; adipxa^. WiBSKLKR, D. d. B. XI, 6. — Nro. 21. 
T^ li olx6xix6y jtsooxoüpov, ßpa/^^ oT^o?» XP^* Xfox-fj, napiu^^po^, o5 icivta 
KoXtov. — Nro. 22. r^ 8« Jt^O-tpStt^ vtCDXspa xt IxtivYj? xal Sy^ov o6x I^'^ "" 
Xro. 23 (§. 140 j. 4j Ih xaxixofj.05 *^XP^ fxiXaiva x*^v x^^yjv, 3X4fj.|jL« Xoirrjpöv, 
xö 8k XP"*H-* '^ ^^^ öv6fj.axo;. WiESELEB, D. d. B. V, 20, wenn die Maske weib- 
lich ist; V, 24; VUI, 12; XI, ö. Arch. Zeitung 1878, Taf. 3, Andromeda. 
Mon. d. Inst. XI, 30, 6; 31, 11. Maske der Ino nach Schol. Ar. Vesp. 1413. 
— Nro. 24. "i] oh jieooxoupog ««XP^ 6jiota x tJ xaxaxopKp, izKr^v 8aa tx ^300 
xExapxat. Vielleicht Wusseler a. a. 0. XI, 5. — Nro. 25. -^ hl jjieooxoüpo«; 
TTpoa^axo; XYjv jjl^v xoupocv iyti xaxct xy^v itp6 a&XY]^, o2>x£xt hk vr]v wxpoxTjxa. — 
Nro. 26. "i] 8i xooptjio? TtapO-svo? itvzi o^^i/loo J/ct xpi/^wv *»'ce't'''lYfJ'ivu>v Sidrxptoiv, 
xal ßpa^sa «v x6xX(|> Kjpixsxapxott. OTituypo^; $• xtjv ypotdv. Maske der Antigone 
und Elektra nach Dioscorid. Epigr. 28, v. 7 ff = Anal. Br. I, p. 500 (Jacobs, 
Anthol. Gr. I, p. 252). — Nro. 27 (§. 141). r^ hk ixspa xoüpijto<; napO-evo^ 
xctXXa ojjioia Tz\r^v xvj; 8iaxpb£u>^ xal xäv xoxXto ßo3xpüya*v, to? sx icoXXöö Süoxü- 
yoöaa. — Nro. 28. y] $i xopY] veapöv Kpostoicov, ota Äv Aavat^ ^tvoizo yj 5XX*r| 
:tatOiaxTj. 

*) Luc. Salt. 27: xal axojia xf/r^vi^ jrd|jiij.rca ü>; xaxaictojxsvo; xoo^ d-saxdi^. 

*) Auch in komischeu nach Poll. IV, 142: dXXd xaoxa jisv Sv et*r] xal 
xcüjuxd. Diese typischen Masken, welche Dierks, De tragicorum histr. hab., 
p. 23 erst dem Euripidos zuschreibt, müssen, als mit der Vorliebe der antiken 
Tragödie für typische Charakteristik stimmend, jedenfalls schon zu Sophokles' 
Zeit übhch gewesen sein. Vgl. Arnold, Philol. Rundschau 1884, p. 895. 

^) Pull. IV, 141: xöc 5' £X3xet)a irpoawrta 'Axxatcuv tsxl xspastfopo^, 
Yj <I>tv«'j; xo'fXo^, •?! Hajiopi^ xov jiiv eytov '^'KafrAby O'^O-aXjiov xov ^k jieXava, ^ 
''ApY^? KoXoo'^t^-aXjio^ , y^ Eoiicirrj y] XE'piuvo? onaXXaxTOjiEVYj et; t:t:cov irap' 
Köp'.;:io*ß, Yj Topu> äsX'.ovy^ xa; ;:ap-'.a; :rapa i^OfOxXe: (xoüxo S' üjcö xyj; |XYjXp'Jtä; 
il'.OYjpoO; ^Xyjy'^U «^stcovö-cv), yj 'A/tXXs'j; l:cl llaxpox/a« ^xopio;, tj 'Ap.u|Ji(üVYj, ^ 
jTOxajJLo;, Y] opo;, Yj ropY<w, Yj ^IxY] 1^j Ö-avaxo; ^ eptvu; yj X633a -Pj ol3xpo$ yj 5^pt?, 



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280 §• Id- I^ie Masken. 

selben leider ohne Beschreibung auf; jedenfalls ist anzunehmen, dass 
das Charakteristische nur angedeutet war. Wenn der Gang der 
Handlung wesentUche Veränderungen im Gesichte einer agierenden 
Person erforderte, so musste der Schauspieler die Maske wechseln, 
wie Oedipus nach seiner Blendung, oder es musste in anderer Weise 
Abhülfe geschaffen werden ; so hatte z. B. die Maske des Thamyris, 
welcher in dem gleichnamigen sophokleischen Stücke von den Musen 
geblendet wurde, ein graublaues und ein schwarzes Auge, so dass 
der Schauspieler vor der Blendung den Zuschauem die Seite mit 
jenem, nach derselben die andere zuwenden musste ^). Da im Satyr- 
spiel alle nicht zum speciellen Kreise der dionysischen Gestalten 
gehörenden Rollen im tragischen Costüm gespielt wurden^), so nennt 
PoUux aus demselben nur 3 durch Alter unterschiedene Satyrn und 
1 Silen®). Hinsichtlich der alten Komödie erfahren wir nur, dass 



9) Kivtaopoc 9) Tit&v ^ Tv^oi^ ^ 'Ivdöc 9) Tpttwv, x&yia. ^k %a\ ic6Xi( %oX üplafio^ 
xal Ktib'äi %üX p.o5oai xal J>pai xal Mi^dxoo vofA^ai xal IlXtiddt^ xal d^n&xt] xal 
|ii^ xal oxvo? xal «pö-ovo;. Hiezu giebt Wieselbr, Gott. Index schol. 1869/70, 
p. 21 f. folgende treffliche Verbesserungen : für E^iKirrj „"Iittrr]" (vgl. Wblckee, 
Gr. Tragg. U, p. 848 f. und Nauck, Frgm. Trag. Gr., p. 404. 408); für 'AjioficuvYj 
„itotVYi** ; für UpiafjLO«; „TcepYajio«;** (vgl. Suid. iclpforj^o; und Hes. wepYa/Jtov und 
WiESELBB, Satyrsp., p. 71), ohne Grund verworfen von Maass, Annali 1881, 
p. 127; Mt^xoo wird gestrichen. — Keinenfalls ist Wibseler, D. d. B. IV, 8 b 
in der Kuh mit Geppert (Altgr. Bühne, p. XXII) und anderen eine lo zu er- 
kennen. — Femer gehören hieher die schwarzen Masken der Eumeniden bei 
Aesch. V. 48. 52, die ausserdem Schlangen im Haar hatten nach Paus. I, 28, 6; 
vgl. BöTTiGER, Furienmaske, Kl. Sehr. I, p. 194 ff. Wieseler, Coniectanea in Aesch. 
Eum. Gott. 1839 U, p. OXXXIIIff.; der Minotaur mit dem Stierkopf in Eur. 
Theseus, vgl. Nauck a. a. 0., p. 378, Nro. 383. 384; Welcker a. a. 0., p. 735. 
Gehörnte Maske der lo, Terracotte aus Sicilien, Bullett. d. Inst. 1848, p. 76; 
vgl. Aesch. Prom. 674. Perseus mit der Hadeskappe, Arch. Ztg. 1878, p. 14 
und 22, Taf. 3, gleicht im Uebrigen dem i:6rfipfioxo<;. — Hes. exoxsoa* xa iraps- 
icojwva KpootuTza eirl oxyjvyj^ deutet Wieseler, Gott. Gel. Anz. 1852, p. 1895 auf 
die imtergeordneten Nebenrollen, wie sie z. B. D. d. B. XI, 2 erscheinen; anders 
SoBOfERBRODT, Scacu., p. 205, A. 2. Die Erklärung der sxoxsoa irpoowica bei 
Bernhardt, Gr. Litt. 11, 2, p. 123 reicht nicht aus. 

*) So Bdrsian, Histor. Taschenb. 1875, p. 15; umgekehrt Lessing, Leben 
des Sophokles, Werke. Leipzig Göschen V, p. 231. Vgl. Nauck a. a. O., p. 144. 

») S. Wieseler, Satyrsp., p. 66 ff. und D. d. B. VI, 1. 2. 

') PoU. rV, 141. Nro. 29. Saxopoi; kokioq, Nr. 30. Sdtüpo(; fsvetwv, 
Nro. 31. Sdxopo^ ÄY^veto^j Nro. 32. SetX-rjvö^ K&itKoq, läAXa o|xota x« 
np6a(u;cQc, tcXyjv 5oot$ ex xd»v ävojidxcuv al icapaXXaYal SYjXoövxat, «üaiiep xal b koltzko^ 
SetXYjvi^ X7]v ISeav eaxl 0-rjpiü>5eaxcpo<;. lieber den Satyrtypus s. Furtwängler, 
Annali d. Inst. 1877, p. 240 ff.; Maass ibid. 1881, p. 156; Egbert, Mitth. des 



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§. 19. Die Masken. 281 

die Masken derselben theils den verspotteten Personen porträtähnlich 
nachgebildet, theils stark karrikiert waren; bestimmte Masken werden 
nicht aufgeführt'). Die phantastischen Figuren der alten Komödie 
trugen menschliche Masken, welche nach Bedarf durch irgend ein 
charakteristisches Merkmal ausgezeichnet waren ^). Zahlreich sind 
die Masken der neueren Komödie'), welche sich zimi Theil in der 



arch. Inst, in Ath. III, p. 83 ff. und über das Thierische in dieser Gattung von 
Masken Arnold a. a. 0., p. 35 und Wieseleb, Satyrsp., p. 156. — Zu Nro. 29 
vgl. Collect ion Lecuyer Nro. 275. 279. Helbio 1749; zu Nro. 30 Mabtha, Cata- 
logue 72-74. Coli. Lee. 267. 269. 286. 296; zu Nro. 31 Mon. d. Inst. XI, 18, 1. 
Coli. Leo. 281. 293. Einen vierten Satyr, den Sxtpto; icoppoY^vtio; gewinnt 
Wiesbleb, Satyrsp., p. 34 aus Dioscor. Epigr. 29, v. 3 = Anal. Br. I, p. 501 
(Jacobs, Anthol. Gr. I, p. 252). Silensmasken Wieseleb, D. d. B. VI, 6. 8. 10; 
Mon. d. Inst. XI, 82, 2; CoU. Lecuyer 265. 272. 277. 306. Nach Xen. Conv. 
4, 19 : vYj Ai', f;p*r| b KptxoßooXo^, ^ icdvrüiv SiiXijvtuv x&v tv toi? oatopixoi? atoxi- 
oto? &v tii]\f und PoU. IV, 118: xoX ypptalo^, /"^^ 8aa6c, Sv ol ItiXfjvol «popoöaiv 
gab es noch andere Silene. Vgl unsere Figg. 19 und 20. 

*) PoU. IV, 143: xä Ik xu>(ux^ icpoaünca xÄ jiiv x^; iraXaiä? xm^cpSEa? 6>i 
x6 itoX6 xol; irpoocüicot? J>v rxcujitpJoüv atctixdiCtto ^ titl x^ '(t\ot6xtpov lar/y]\i.6ixioxo. 
Piaton. De differ. com. v. 80 Dübner: tv jjiv y^P t)} icaXotf tixafov xä itpooaiictla 
xolg xü>/iü)^ooji6vot?, tva irptv xt xal xo5? 6iroxptxd(; tlitetv 6 xü>p.(|)8oüp.tvog ix xffi 
6|i.ot6x^xoc xYj? o^8ü>( xaxdi*r|Xo? ^. Die Maske des Kleon wollte Niemand nach- 
bilden, Arist. Eq. 230: xal jiy] St^td-'. ob y«? «3xtv tSigxaajuvoc • 6ici xoö 8Ioü; 
Yotp ahxh'j oh^tX^ Yjd«Xtv xäv oxeooicoiuiv stxdsou. Vgl. Schol. ad h. 1.; Suid. iia- 
xaajiivo;. Hypoth. II zu Arist. Eq. Vita Arist. v. 15 ff. Dübner. Indess folgt 
daraus keineswegs, dass Aristophanes selbst den Kleon spielte. Sokrates in 
den Wolken war porträtähnlich nachgebildet, Aelian. Var. bist, 11, 13; dasselbe 
wird der Fall gewesen sein mit den von Eupolis in den A-fj^Lot von den Todten 
citierten Athenern Miltiades, Aristides u. a. m. Meineke, P. C. Gr. I, p. 126 f. 
Die Masken auf den zur alten Komödie gehörenden Darstellungen zeigen zwar 
stark karrikierte, aber trefflich charakterisierte Züge und eine grosse Mundöffnung. 

*) Ueber den Chor in den Wolken s. Schol. Arist. Nubb. 343, ob. p. 272 A. 5. 
Schnäbel und Federbüsche an den Masken der Vögel Arist. Av. 99: xh ^(ijA^o? 
Yjfitv ooü Y^Xotov cpaUsxat, bezw. 94: xtc o xpoKO^ xyjc xptXo'fio^; femer v. 61. 278. 
804. 806. Ueber die Maske des Pseudartabas vgl. Schol. Arist. Acham. v. 95 
e^etai Xtpatto^Yj^ xt^ y^^^^*"? eoxsoaajiivo^ xal i?p^aXfj.iv S)^u>v Iva inX 7:avx6^ xoö 
:rpoaun:oü und p. 255, A. 10. Im Allgemeinen Diebks, Arch. Zeit. a. a. 0., p. 33 ff. 

•) Meistens waren auch diese ins Lächerliche gebildet. Luc. De salt. 29: 
•Jj X(up.u)0ia $i xal xu)V :cpoau>icu>v aüxÄv xb xaxaYeXaaxov p-ipo«; xoö xspicvoö aöxij 
vsvojjLtxev, ola AdoDv xal Ttßuov xal fiaYtiptov irpoouiTca. Piaton. De differ. com. v. 83 
Dübner: ev ^i x^ ii.i<Tg xal vicf, xu>{jL(|>dta eicixYj^s^ xa icposwicaia icpö^ x6 Y^Xoto- 
xepov eSr^pLtOüpYYjaav. v. 89: 6pd>pLev y^öv xä icpoatunsla xr^^ Mevdv^pou x(i>p.u)$ia{ xi^ 
O'^pö^ bKoiaq fy^fii xal 5^(0^ cjeaxpajjijievov x6 3x6|i.a xal oh^k xax' ivO-ptuirtuv ^pootv. 
Diese oft geradezu muschelförmige Mundöffnung findet sich in den Miniaturen 



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282 §. 19. Die Masken. 

römischen Palliata ') mederfiiulen, nämlich 9 Y^f>ovTs<; ^), 11 vsavcoxot ^), 
7 SoöXoi*), 3 pvatxs^^) und 14 vdai pvatx£(;®). 



des Cod. Parisin. des Terenz nur bei den Senes, Servi, Prologi (Heaut., Ad. 
und Hec.), Parasiti, Lenoncs, den Ordinum ductores im Eiinuchus, dem älteren 
Advocatus Cratinus im Phormio, und ausnahmsweise bei C-litipho adulesccns vor 
Heautontim. I, 2, während sonst der Mimd junger Männer nur eine gewöhnliche 
Oeffnung hat (vgl. Annali d. Inst. 1853, Taf. AB, 1). Von Weibern finden sich 
mit muschelförmiger Mundöftnung mu* die Lesbia obstetrix in der Andria und 
die Sophrona nutrix im Eunuchus, ausnahmsweise auch Mysis ancilla und (ily- 
cerium vor Andria III, 1. Damit stimmen auch die sonstigen bildlichen Quellen. 
Diese Mundöfiiiung kann Verstärkung der Stimme bewirkt haben, wie sie Gell. 
N. Att. V, 7 : nam caput et os cooperimento personae tectum undique, unaque 
tantum vocis emittendae via pervium, quoniam non vaga neque difiusa est, in 
unum tantummodo exitum collectam coactamque vocem ciet et magis claros 
canorosque sonitus facit. Quoniam igitur indumentum illud oris clarescere et 
resonare vocem facit, ob eam causam persona dicta est, o littera propter voca- 
buli formam productiore ohne Grund für alle Masken behauptet; bei der 
tragischen Maske wenigstensi bei der es doch hauptsächlich auf Verstärkung der 
Stimme ankam, findet sich diese unschöne Oefinung gewiss aus ästhetischen 
Gründen nicht; dieselbe Bücksicht wird für die jugendlichen männUchen und 
die weiblichen Masken der Komödie bestimmend gewesen sein. S. WibseleBi 
D. d. B., p. 42. 53. Schauspieler ohne Maske Annali 1859, p. 396 imd tav. P. 
— Im Cod. Paris, sind die Masken vor jedem Stücke in Reihen gruppiert und 
architektonisch eingefasst; an ein Maskenrepositorium ist bei Wibseler, D. d. B., 
V, 28 nicht zu denken. 

') Quintil. Inst. Or. XI, 3, 73. 178. Vgl. die Zusammenstellung bei Arnold, 
Vhdlg. d. Insbr. Philol.-Vers., p. 35. 

^) Nro. 33 (§. 143). b \i.kv itpcoxo; tzoltzko^ Tipea^oxaxoc, cv /pw xoopta?, 
•fjjiepoixaxo^ xa? o^^b^, sh'(hv,o^, iT/yb^ xol(; ita^zid(;, xy]v o'Jiv xaxY]'>p*rj^, Xsuxö; xo 
ypü)|xa, xb jtsxtoTTOv o«6^pai$pO(;. WiESELER a. a. 0. XI, 4. — Nro. 34 (§. 144). 
6 8^ ixepo^ KfltnTco«; W/yoztpoq xal svxovoixs&o^ x^ ßXs^jia xal hjKt]p6<;, o:cto)(po^, 
e^Y^vsto^» TropaoO-ptJ, ti>xoxaxa4ta^. Auf dem Vasenbilde im Neunten Hallischen 
Winckelmannsprogr. 1884 angenommen von Heydemann. — Nro. 35. 6 ^k •i]'^s\i.div 
Tcpc3ß6xY]? GxstpdvTjV xpt/töv Kfpl x'/jv xe',paX*rjv f/et, zni^^oiio^, TiXaxoicpostono;, 
XY^v 0'fp'>v ftvaxexaxat xy^v Sg;tav. WiESELER a. a. 0. X, 1; XI, 1. 3; XIT, 16. 
Annali 1881, Taf. I, s. unsere Fig. 21. Arch. Ztg. 1878, Taf. 5, 2, doch sind 
dort beide Brauen aufgezogen. Quintil. a. a. 0. XI, 3. 74. — Nro. 36. 6 os 
TcpeaJl'iXY]^ pLaxpo;:toY«*v xal siriaeuov axs'fd'/tjv xptywv irspt xtjv x£'faX*rjv syst, 
sOKtü^wv $^ S3xl xal oüx dvaxsxaxat xa^ <''fpö^, vioO-po^ oi xry o'}iv. Arch. Ztg. 1878, 
Taf. 5, 2. Mon. d. Inst. XI, 30, 5. 32, 16. — Nro. 37. o ?s ^Ep|jit«vio; dva- 
'faXavxta?, e'j7ru>Ytüv, dvaxsxaxat xd^ O'fpö?, xo ßXsjijia Spijiü^. WiESELER a. a. 0. 
V, 39. Mon. d. Inst. XI, 32, 1, s. unsere Fig. 22. — Nro. 38 (§. 145). 6 5^ 
3',pYjvo;i(uY«*v dva'faXavxta;, ocppö^ dvaxsxajjisvai, o^oysysto?, 6-oo65xpo:ro?. WiESE- 
LER a. a. O. V, 43. IX, 10. Martha a. a. 0., Nro. 75. — Nro. 39. 6 o^ Aüxo- 
\i.rfitioq o'jXoxojJLog, (JLaxpoYSvsto;, dvaxstvst xt^v sxspav O'fp'jv, zoXüTcpaYH036vY,v 



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§. 19. Die Masken. 283 

Die Bezeichnungen der Masken sind von der Haartracht, der 



irapsvÄEtxvotat. WiESELER a. a. 0. V, 37. — Nro. 40. h ^k icopvoßoaxö^ tiXXa 
jilv £otxe xd) Aüxojifj^siü), tot hk yetXfj 6iioola*r]p8 xal 3ovaY8t ta^ ^^p'J?) ^«^ ätva- 
^aXavTia«; 63tIv ^ 'faXaxpo;. WiESELER a. a. O., p. 94 zu XII, 21. DÜTSCHKE, 
Bonner Jahrbb. LXXVIII, p. 132 und Taf. 11, 2. — Nro. 41. 6 a^ Seritepo? 
Ep^wvio; aTce^'Jpvjfisvo; e3tI xotl Z'^r^'/oizm-^iav. WiESELER a. a. O. A, 27. 

*) Xro. 42 (§. 146 J. h ji^v jcaYXp'''i3Tog oTcepoO-po;, Yf>|J^V''^'3r.x65, oTtoxsyptoa- 
jievo?, p'iTi^a^ oXi^a«; l/tuv twl xoö jisT(«:roo xai oisfavfjv xpi/tov, avaTsxafxjvo^ xa^ 
o^pD;. Arch. Zeitg. 1878, Taf. 5, 2. — Xro. 43. oSl jjisXa^vjaviaxo; vsa»- 
xepoc xaö-.tjisvo^ xag ö'^pö^, itsna'SiOjJ.sxp y] tptXoY'J[i.va3x^ goixu>^. — Nro. 44 
(§. 147). 6 Si oüXo^ vsavtaxo^ xaXi; xotl vio;, 6;rjpo9'po; xö yptojia • al 8^ 
xp'lys; xaxa xoovojia • ö^pö; öcvaxixaxai, xal poxl^ 8:rl xoö \i.tzmKOO jAtou WiESELER 
a. a. 0. V, 49, wo jedoch der Mund zu weit geöffnet ist. — Nro. 45. 6 8idKaX6^ 
vsavioxo^, xpiy8<; jjlIv xaxi xov KdYXP*rjaxov, irivxtov 5i vsu»xaxo^, Xtoxoi;, axta- 
xpo'f'la;, öt;raX6x^xa 6ko5y]X(üv. Mon. d. Inst. XI, 30, 2. — Nro. 46. xip tl 
aYpoix(p xb jjitv XP'^H'^ fJ.jXotiV8xat, xa 5i X«^***! ^Xaxta xal •?] f»!; oifJ^"'!, xal 0X8(pdvY| 
xptxcBv. Mon. d. Inst. XI, 80, 5. — Nro. 47. 48. x<p V iKiottoxy oxpaxicox-g 
Svxt xal dXaCovt, xal x^v xpo^^v fj.lXavt xal xtjv xofiYjv, ttcostovxai al tpix«C> «ooittp 
xal xtj) Jtot^py iici3tt3X(|), ditaXwxipcp Svxt xal {avö-ip tyjv xoiayjv. WiESELER 
a. a. 0. A, 32. — Nro. 49. 50 (§. 148). x6Xa4 hk xal jcapdsixo^ piXavt;, oh 
\i'i]\f iiüi icaXabxpa^, siciYpoicot, 6&icad-tl; * xip hh icapasixip piaXXov xaxiaYt t& J>xa, 
xal ^patSpoxtpog iaxtv, waictp 6 x6Xa4 ivaxixaxai xaxo*r|d^Gx4pai? xd; ifpö;. lieber 
die Adlemase s. Wieseler a. a. 0., p. 46 zu V, 47; vgl. ibid. XII, 9. 11. 12. 13. 
Mon. d. Inst. XI, 18, 3. Annali 1880, p. 74. — Nro. 51. 6 U elxovtxe><; Ix« 
jiK 8vs3;capjiiva? xd^ TcoXid^ xal ditoiopdxat xb Y^vttov, eütcdpüf o^ 8"* eaxl xal 4evog. 
Zonaras elxoviCetv ^^x^^P^^'^'^P^J^^v? nachGEPPERTMenaechm. des Plautus,p. XIII ein 
verkleideter Parasit und einem bestimmten Falle angehörig. Böttiger, Kl. Schriften 
I, p. 293 will Sixüiuvtxoi; lesen. — Nro. 52. o 8i SixsXtxi^ itapdsixo^; eaxt xptxoi;. 

*) Nro. 53 (§. 149). b piiv kolkko^ jjlovo; xdiv ^epaicovxtov noXtog eaxi, xal 
$7]Xo: direXeüO-spov. Mon. d. Inst. XI, 30, 2. — Nro. 54. 6 hl r^^i\i.it}V O-epdKü^v 
oireipav ex^i xptxwv Kopptuv, dvaxsxaxs xd(; ö'^pö^, aovdYst x6 etcioxuviov, xo'.oöxo^ 6.^ 
xol<; 8o6Xo'.;, oto^ 6 £v xoi^ eXeoS-ipot^ itpe3^6xvj^ Yf^l^***''' Wieseler a. a. 0. V, 
40. 42. 44. 45. Arch. Ztg. 1878 Taf. 4, 1. 5, 2. — Nro. 55. b U xdxo* xpt- 
yta; dva^aXavxta^ 83x1 xal K'jppoö-ptJ, 8jrr|pji£V0^ xd^ o?ppö<;. — Nro. 56. 6 5' 
00 Xo^ O-fpdiciuv SyjXoI jisv xd^ xpix«?* s^^l 5^ Koppal (ü3:rsp xal x6 XP"*!^^ * ^*- 
dva-paXavxta^ £3x1 xal oidsxpofo? xyjv o'^tv. — Nro. 57 (§. 150). b Zk Mat3a)v 
O-epdTTwv ^aXaxpi^ Tcüppo? e3xtv. Wieseler XII, 17. Vgl. oben p. 272 A. 2. — 
Nro. 58. b 51 O-epaniuv xsxxij cpaXaxpo; [isXa?, ^oo Yj xpta ßosxpoyta jtsXava 
entxsipLsvo;, xal opioia sv xo» Y8V2t(ü, 5td3Tpo^o^ x'Jjv o'J^iv. — Auf dem Vasenbilde 
im Neunten Halliscben Winckclmannsprogr. angenommen von Heydemann. — 
Nro. 59. b 5' 8i:t38i3X05 •rjYsp-t'wv ioixoi dv x(p YjY*JAövt d'8pd:rovxt itXtjv nepl xd^ 
xptya^. Wieseler a. a. 0. A, 29. 

*) Nro. 60 (§. 150). x^ ftiv (Ypdoiov l3xv6v T|) Xoxaiv.ov ütcojiyjx*^ • po- 
xto**; Xsnxal xal icfixvod • Xeoxov, üirtu/pov, 3XpsßX6v xb ojJL|xa. — Nro. 61 (§. 151). 
•rj ol Ka'/^zloL Yp'xö*; Kay8ia; eyet xd; poxl§a^ 8v e'j3apx'a xal xatv'.^tov xd< xpiya(; 
TTcpiXajigdvov. Auf dem Vasenbilde im Neunten Hallischen Winckelmannsprogramm 



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284 §• 19. I>ie Masken. 

Gesichtsbildung, und ähnlichen Kriterien^) hergenommen. Die Haarfarbe 
ist nicht bei allen Masken angegeben, soweit dies geschehen, wird zur 
Andeutung der verschiedenen Stufen des Greisenalters weisses, graues 
imd meliertes Haar unterschieden; ausserdem findet sich, nament- 
Uch an den Masken der Leidenden und Unglücklichen dunkles Haar, 
während das blonde besonders den durch Schönheit ausgezeichneten 
Personen und das fuchsrothe den schlauen Dienern eigen ist^). Von 
Haartrachten findet sich eine grosse Zahl ; so das ganz kurze für Geiz 
imd philosophische Strenge charakteristische^), das volle krause, welches 



angenommen von Hbydemann. — Nro. 62. x6 ^k olxoopiv (^ olxextxöv ^ 
h^b) YP^^tov ot|x6v • ev ^xaiepqc x^ ota^ovi ayä 86o e/et •^o^Lt^ioo^. 

*) Nro. 63 (§. 152). 4j \iiv Xsxxixyj icepixojxo^ • "^^oyj^ irap6^*r|a|xevat al 
xpixe«;, ^pO-otl ö^poe«, /poa XeoxYj. Arch. Ztg. 1878, Taf. 5, 2. — Nro. 64. 4j 8' 
oÖXt] x^ xpc)^u>act icapaXXdxxet. — Nr. 65. 4] ^h x6p*r| Stdxp'.oiv ^ti icaprj^Yjapivuiv 
X(Bv xpt)^Äv, xal h^pb^ hp^^ fj.8Xatva(, xal XeoxöxiQxa ßic<up)^ov Jv rj XP^^^* — 
Nro. 66. "fj 21 tj^to^oxopT] Xtoxoxipa x^v xp^tiv, xal irepl xö ßpi^fta ^iJgxat x&(; 
xpix«?, xal JTotxe vioYdifAy. Arch. Ztg. 1878, Taf. 4, 1. 5, 2. — Nro. 67. 4) ^^ 
ixtpa ^fo^ox6p*r| B'.aYtvu>3xexat fj.6v(|) xcf> A^iaxptx(|) cfj^ xofj.*/]?. Arch. Ztg. 1878, 
Taf. 4, 1. — Nr. 68 (§. 153). 4j 8k oi:apxoic6Xto; Xtxxix^j 8*r|XoI x<J) ivojjiaxt 
x4)v IB^av, jiYjvott 8k kxaipav i:8icaü|JL{vY)v x^? x^vy)^. Mon. d. Inst. XI, Taf. 31, 14. 
— Nr. 69. 4j 8i naXXax^j xaov^ p.kv fotxe, ireptxop.O(; 8' laxtv. — Nr. 70. xb 8k 
xeXetov kxatptxov r?]^ t]/8o8ox6p*r|(; loxlv epaO-poxepov, xal ßoaxpoxoo? ?X^t «epl xa 
u)xa. Wieseler a. a. 0. A, 31. — Nro. 71. xö 8k ((opalov) exaiptSiov äxaX- 
X(i)7ttox6v ecxi, xaivi8t(j) xyjv xs^aX-Jjv KepijocpiYpvov. WiESELBR a. a. 0. XI, 4 und 
Annali 1853 Taf. AB, 2. — Nro. 72. -rj 8k 8tdxpt)00(; kxatpa ?roX5v iysi xiv 
Xpooöv Kspl x^ ^o^-lO» — Nro. 73 (§. 154). 4j 8k Stdfiixpo^ (kxatpa) jitxpqt tcoi- 
xtXiQ TTjv xe(paXY]v xaxsiXYjuxat. ScHOENE, De person. hab., p. 142. "Wieseler, 
D. d. B., p. 59. — Nro. 74. x6 8k Xa|iica8tov I8sa xptxoiv icX^YI^axo«; ioxtv sl? 
o46 ftTCoX-fjYOvxo^ i'f' o& xal x^xX-rjxat. — Nro. 75. -rj 8k 5ßpa irepixoupo^ ^epa- 
7ca'vt8'.6v eoxt Keptxexapjievov, xt'C<*>^t |x6vtji 6:rsC(üop.ev(p Xeoxo) xpt»>|J^vov. — Nr. 76. 
x6 8k irapd(J/irjoxov O'spairatvt8tov 8taxexpixai xd^ 'zpiy/x^, Ö7r6ot|xov 8' eoxl xal 
8of)Xe6et kxatpat^, 67reC««3ji8vov x^xtüva xoxxoßacpYj. WiESELER a. a. 0. A, 34. 

>) Nach der Haartracht Nro. 8. 9. 21. 26. 27. 44. 47. 48. 56. 59. 74; nach 
der Haarfarbe Nro. 3. 5. 6. 29; nach dem Barte Nro. 1. 16. 30. 31. 36. 38; 
nach der Gesichtsbildung oder Gesichtsfarbe Nro. 2. 4. 13. 14. 17. 43; nach der 
Körperbeschaffenheit Nro. 10. 45. 60. 61 ; nach dem Lebensalter Nr. 28. 32. 53. 
65—67; nach der Lebensstellung Nro. 19. 20. 40. 46. 54 62. 69 u. a. m. Siehe 
mehr bei Arnold a. a. 0., p. 23. 

*) Xeoxat bei Nro. 1. 15. 18; TcoXiai bei 2. 19. 21. 53; osapxoiroXto^ bei 3. 51; 
jjLsXatvai bei 7. 14. 23—25. 47. 48; ^avö-at bei 5. 6. 8—13. 16. 17. 48; ;tüppai 
bei 34. 54 — 56. 

») ev xpÄ xoüpta<; Nro. 33, vgl. 41. Blümner, Privatalterth., §. 207, A. 21. 
Luc. Hermot. 18: k(up(uv ^dp aoxoug xoajitm^ ßa8iCovTa^, dvaßEßXYj[jivoü<; e^axaXdi^, 
(ppovxtCovxa(; dsl, dppsvü>itoü?, ev xp*p xoop'la(; xoü^ nXsiaxoix;. 



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§. 19. Die Masken. 285 

kräftigen Personen eignet'), das rund um den Kopf herabhangende ^), 
das die Stirn diademartig umgebende') und das raähnenartige der 
Königsgestalten und Soldaten*). Mehrere Masken haben Locken^). 
Bei weiblichen Masken, welche sich im allgemeinen in der Haar- 
tracht wenig von den männlichen unterscheiden, ist kurzes Haar 
Zeichen der Trauer*). Auch verschiedene Arten von Flechten wer- 
den erwähnt'), sowie gescheiteltes Haar®) und eine eigenthümliche 
tonsurartige Frisur*). Von den komischen Masken waren einige 
mehr oder weniger kahlköpfig '®). Könige waren durch das Diadem 
ausgezeichnet), einige weibUche Masken durch besonderen Kopf- 
schmuck'*). Der Bart diente zur Bezeichnung des noch kräftigen 



Durch oüXo^ bezeichnet; Nro. 4. 7. 13. 14. 39. 44. 56. Müller, Arch. 
§ 330, 2. 

•) Bei 19 durch pi/p' 'f**»^ xX6'.5u)V, bei 18 und 23 mit xaxdtxofio^ bezeichnet. 

•) Eine über dem Haar liegende Flechte, oxs<f<irr| ipt/Av, durch welche 
die Maske wie durch den o^xo? erhöht wird, Nro. 35. 36. 42. 45. 46. Wieseler, 
D. d. B. V, 25, Vn, 4; Vni, 9; IX, 1; XI, 1; p. 42 und Satyrsp., p. 68. Ficoroni 
a. a. O., Taf. 10. 22. 23. 48. 84 u. a. m. Arch. Zeitg. 1878, Taf. 5, 2. Mon. 
d. Inst. XI, 30, 5. Martha, Catalogue etc., p. 28 Nro. 128. Vgl. PoU. H, 40: 
4] ii tiXeotaia täv ipt/civ iwpl t^ xe^aX'g R6pio8o( xal oxe^avY| xal icepi^pofio^ 
E::txXY]v f/et. Die oxe^dvYj ist jedoch vom o^xo«; zu unterscheiden. Dieser ist 
sehr gross bei 4 und 16, massig bei 18, klein bei 2. 5. 19. 21; einfach erwähnt 
bei 1 und 8; sein Fehlen hervorgehoben bei 16. 22. 26. 27. 

*) ricbetato^ xopt-rj , Nr. 47. 48. 69. Luc. Gall. 26 : toi? 'zpfx'^unol^ ÖROxpital;, 
ü>v :roXXo?)<; ISelv foxt xltog jtiv Kcxpoica^ Zrfi^y ovxa? ^1 Sta6tpOü<; ^ TfjXE^poo;, Bta- 
^ILOLX* IX°VTa<; xal {i^yj iXecpavtoxuiica xal eittosioxov xojiyjv. 

*) Nr. 2. 10. 70. Wieseler, D. d. B. V, 17. Ficoroni, Taf. 38. 41. 

«) Nro. 26. 27. 

') Nr. 64. 66. 74, Poll. II, 31; ei^sxvjaai hk eXe^ov xa? xpi^'^t?» **l ö^^o- 
OKStpav slSo^ xpiyatv itXi^fwtxo^, u>3icep xal OKclpav. 

*) Nro. 26. 66. 76. 

*) Die fitairj xoopdi, bei Nro. 24 durch ex piaot) xfxapxat bezeichnet, vgl. 
21. 25. Theophr. Charact. 26: ^Xt^ap^o^ pia-riv xoop&v xexapjievo;. Salmas., De 
Caesar, vir. et mul., p. 171: jts^oxoopoü«; vocabant ad eundem modum tonsos, 
ut hodie monachi tondentur et pueri vocales sive symphoniaci ecclesiastici. Hes. 
{xesoxoopd^e^. 

*^) Die verschiedenen Grade werden bezeichnet mit avacpaXavxto^ Nro. 38. 40. 
55. 56 und ?paXaxp6^ Nro. 57. 58. Phrynichus App. soph. bei Bekker Anecd., 
p. 16, 31 : avatpaXavxta^, oü/ b (^ oXaxpo;, aXX' 6 apj^ojjievog airo^paXaxpoöaö'a'.. 

") Luc. Gall. 16; Menipp. 16: xov |i.Jv ^ap Xaßoöao, sl xoyot, ßasiXixiL^ 3te- 
oxsoaoe, xtdtpav xs eirtO-sioa xal Sopotpopoü^ TCapaSoöoa xal xtjv xecpaX4]v Gxe'|a3a x<j) 
5ta3Y||i.axt. 

") Mit Goldfaden durchflochtenes Haar Nr. 72; ein buntes Kopftuch Nro. 73. 



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286 §. l^. Die Maskon. 

Greisen- und des Mannesalters, die Jünglings- und die ältesten 
Greisenraasken sind bartlos *). Was die Gesichtsfarbe anbetrifft, so 
zeugt die gebräunte*^) von leiblicher und geistiger Gesundheit und 
ist daher den in voller Kraft stehenden Mcännern eigen. Die weisse ^) 
gilt als Zeichen eines zurückgezogenen, weichlichen Lebens; die 
blasse *) lässt auf körperliches oder geistiges Leiden schliessen, dunkel- 
rother*) Teint findet sich bei Personen, welche in Aufregung er- 
scheinen wie die Boten, ein lielleres Roth ^•) deutet auf Verschmitzt- 
heit und eignet daher den Sklaven der Komödie. Daraus, dass 
Pollux in mehreren Fällen auch den Blick charakterisiert'), ergiebt 
sich, dass an den Masken nicht nur das AVeisse des Auges, sondern 
auch die Tris angebracht war. Auch die Form der Augenbrauen 
entsprach dem Charakter der Mfiske. Hochgeschwungene Brauen be- 
zeichnen einerseits Stolz und heftiges AVesen und sind desshalb den 
Masken der ersten jugendlichen Rollen eigenthümlich ^), andrerseits 
Hochmuth und Unverschämtheit, so dass sie auch den Schmeich- 



>) Einen starken Bart haben Nro. 4. 33. 34. 36. 37. 39; einen Spitzl)art 
Xr. 16. 41; einzelne Locken am Kinn Xro. 58; ausdrücklich werden als bartlos 
bezeichnet Nro. 1. 7. 17. 51. ftvstfv kjtitjYo; bei Nr. 2 bezeichnet nach Robert, 
Archäol. Ztfr, 1878 zu Taf. 5, 1, dass die Haare des kurzen Kinnbartes an die 
Maske festgeklebt und unbewejrlich waren, während man sich den Bart der 
l»eiden ältlichen Komikermasken auf derselben Tafel als frei herabhängend und 
beweglich vorstellen müsse. 

*) luXa;, Nro. 4. 7. 43. 46. 47. Aristot. Probl. 38, 8: xo'ji; o' avi^pa»::oo; 
|üv YjXio^ jisXaiv«'., Tö OS 7ci»p oo. Luc. Anach. 25: ootot Zk yjjjlIv oirlpoifpoi ec 
10 [isXdvTspov oTzh xob Y]Xioo xr/püi-sfisvoi xal appsvtunot, 1:0X6 xo E/x'|oyov xal O^Epp-iv 
xat otv^ptö^s? eit'.'<paivovT*^. 

') Xsüx6(;, Nro. 10. 45. Eur. Bacch. 457 f.: Xsoxyjv 51 ypoictv ei; icapasxfo'ijv 
ty[ii^y ooyi^ Y|Xioü ßoXalatv, äW 6ko oxiä?. Luc. Anach. 25: 00 i:oXü3apxtav ocp^iv 
xal /»soxTjV rj aoapxtav jisTa (u'/porr^TO«; gretSstxvüjxevoo^, oia 'pvotixAv G(up.aia oiro 
3xtd^ ji£^paaji5va. 

*) wxpo;, Nro. 3. 6. 13—15. 18. 23. 24. 26, 27. 34. 60. 65. 66. 

^) spo^po;, Nro. 16. Aristot. Physiogn. 6: oi«; ti /pwfia spoO-pov, o^si;, 
Ott KOtvTa Tot xaia xh Ciwfxa oi:h xivr^osco^ exd-spji.a'.yojjLsva spotl'patvsTat. 

•) Tcoppo^. Nr. 56. 57. Arist. a. a. 0: ot iroppol ayttv reavoöpYOi* avoi'fIpsTa'. 
tTcl xotc: aXttutsxa^. 

') Nro. 15 den mürrischen, Gxoö-pcoKo^ ; Nro. 23 den schmerzlichen, XoKvjpo«;; 
Nro. 33 den niedergeschlagenen, xax-rj'f Yj^ ; Nro. 34 den feurigen, s'vtovo;; Nro. 36 
den matten, vcui^^-po?; Nro. 37 den stechenden, $pifi.y?. Nro. 56, 58 (ota^xpo^poc) 
und 60 (sTps^Xo;) schielten. 

«J Nr. 8. 42. 44. 



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S. 19. Die Masken. 287 

leni^) zukommen. An einigen Masken ist nur eine Braue in die 
Höhe gezogen^). Gesenkte Brauen^) deuten auf ernsten Charakter; 
sanft geschwungene*) passen für den jovialen Alten; zusammen- 
gezogene^) lassen auf Bosheit schhessen. Die Stirn war sorgfaltig 
charakterisiert; emporgezogene Stirnhaut®) bezeichnet finstern Sinn; 
glatte') Stirn giebt den Ausdruck ungetrübter Heiterkeit; zahlreiche 
Falten^) gebühren dem höheren Alter, einzelne^) dagegen deuten auf 
ernstes, gediegenes AVesen. Die Form der Nase ist bei tragischen 
Masken in der Regel die rein griechische*^), die einzeln vorkom- 
mende gebogene gilt als Zeichen der Unverschämtheit '*); einige Male 
findet sich auch die für unschön geltende Stülpnase '^). Auch die 
Wangen sind verschieden charakterisiert'*), und bei einigen Masken 
wird eine eigenthümliche gequetschte Form der Ohren hervor- 

*) Nro. 49. 50. Eiir. Iphig. Aul. 379: Xtav avto ^Xl'fapa wp^; xavatol; 
«Y^Yiuv. Ausserdem finden sich die eingezogenen Brauen bei Nro. 37. 38. 54. 55. 

*) Nro. 35; vgl. Quintil. Inst. or. XI, 3, 74: pater ille, cuius praecipuae 
partes sunt, quia interim concitatus, Interim lenis est, altero erecto, altero com- 
posito est supercilio, atque id ostendere maxime latus actoribus moris est, quod 
cum iis, quas agunt, partibus congruat, und Nro. 39. Eine derartige, jedoch 
im TTel)rigen weder zu Nro. 35 noch zu 39 passende, Maske s. bei Robert, Bull, 
d. Inst. 1875, p. 34 f. Vgl. Maass, Annali 1881, p. 156 zu Taf. I. 

') v.ad>ffijj.ivxt, Nro. 43. 

*) TjfjLspiüxaxat, Nro. 33. Quintil. a. a. O, XI, 3, 79: tristitia dediictis 
(superciliis), hilaritas remissis ostenditur. 

^) süva-fst T«^ o<ppü;. Nro. 40. Philostr. min. Imagg. 2: to Ik\ tyj^ nrApvAc. 
r&eü^o? 'f ovüjvto?, otfxai, xat yj o^p'jg Zk uicepxstxat toö o|Jip.axo^ s; oioy^^v 5ovvjy|asvt, 
xal ZiZobza xi tu) O-ojaü) vjiK)^. 

^) iirtaxoviov jistscopov, Nro. 15. 

^) cpoii^po;, Nro. 10. Ar. Eq. 550 : '^ai^pi; XafiTcovtt ÄpoaoiTCcj). Philostr. Imagg. 
I, 8, p. 386 K.: evxaoO-a ol 'fa'.$pO(; '^i^prxKXV, xal tXapiv ß/etcei. Aber auch 
beim Parasiten Nro. 50; Aristot. Physiogri. 6: ol Zk (xo p.£xo>i:ov) axsvig syovxe? 
x6Xaxe(;. 

») Nro. 60. 61. 

•) Nr. 44. Arist. Physiogn. 3: av^peioo cY|jj.5Ta . . . jaexcokov o?)X8 Xstov ooxs 
-avtctrast ^rjxtSui^s^. 

'«) Müller, Archäol. §. 329, 4. 

^^) Nro. 35. 49. 50. Aristot. Physiogn. 6: ot Zk (xyjv ptva) ejciYpoicov (eyovxe?) 
CiTzb xoö jisxtuTCOü eüO-t)^ ar^o\iivr^y avatosl^ * ocva'^lperai Ik\ xob^ xopaxa^. 

^^) Nro. 46. 62; anmuthiger bei Nro. 76. Auch an den Satyrmasken bei 
Wieseler, D. d. B. VI, 2 zu bemerken. 

*•) Hangend = eTCtjiirjx4j?, Nro. 1; mager = «ppw^avi*; xal^ ^ap5'', Nro. 16; 
ly/yo^, Nro. 33. 34; faltig = ^oao?, Nro. 20; rundlich = ev eoaapxia, Nro. 61; 
Aristot. Physiogn. 3: icpaio? aTjjitta • lo^opö*; xb elSo^, eoaapxo^ • oYpa oapj xal tcoXXyj. 



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288 §. Id. Die Masken. 

gehoben*). Von der Mundöffhung ist bereits gesprochen; bei einer 
Maske wird grinsendes Lachen*) erwälint und bei einer anderen 
waren nur noch einzelne Zähne dargestellt^). Bei solcher Sorgfalt 
in der Herstellung der Masken ^) kann es nicht verwundem, dass die 
Schauspieler die Züge derselben vor dem Gebrauch genau studier- 
ten^), und nach dem Siege ihre Maske dem Dionysos weihten^). 
Die Maske ging auf die römische Bühne über'), und die tragische 



*) cüToxaxotSia; bezw. y,0Lxicc(o xä (Lxol, Nro. 34. 49. 50, infolge der in der 
Palästra erhaltenen Faustschläge; vgl. Winckelmann , Werke. Donauesch. IV, 
p. 277 ff. und Abbild. Nro. 63. Müller, Archäol. §. 329, 7. Arnold, Annali 
1880, p. 74 und Mon. d. Inst. XI, 18, 3. Böttioher, Olympia, Taf. XI und 
p. 100 und 334. 

*) xa X^^^*'] oTzoohfips Nro. 40. Philostr. min. Imagg. 2: akXä xal oeo-rjpev 
^Yptov Ti bjzh Td»v jxeXXovTwv aoxü) SpaoO-ai xal o5x oW, ette xatpwv xat avocSo63Yj<; 
e? TT^v o<f>aYY]v ttj*; "^voiiLr^:;. Quint. a. a. 0. XI, 3, 80: naribus labrisque non fere 
quicquam decenter ostendimus, tametsi derisus iis, contemptus, fastidium signi- 
ficari solet. (81) Labra . . . diducuntur et dentes nudant et in latus ac paene 
ad aurem trahuntur et velut quodam fastidio replicantur et pendent et vocem 
tantum altera parte dimittunt. 

*) Nro. 62. Da sonst die Zähne nicht dargestellt waren, so ist die Bonner 
Jahrbb. LXXVIII, Taf. 11, 1 abgebildete Maske, an der sämmtliche Zähne 
sichtbar sind, um so auffallender. Vgl. Dütschke ibid., p. 129 ff. 

*) Vgl. die Bemerkungen von R. Foerster, Die Physiognomik der Griechen. 
Kiel 1884, p. 13 ff. 

*) Fronto De orat. ed. Med. 11, p. 253: tragicus Aesopus fertur non prius 
ullam induisse suo capiti personam, antequam diu ex adverso contemplaretur pro 
personae vultu gestum sibi capessere ac vocem. 

•) Dedication einer Maske dargestellt bei Wieseler, D. d. B. IV, 2; vgl. 
p. 37. Le Bas, Asie min. 92 (Teos): [h Jstva vtxYj]aa<; avlö-rjxsv xa irpocwTra xal 
To6? oie^dvoix; . . . ev xol? Aiovuo'lot^ xtX. Aehnliches berührt Jacobs, Animadv. 
Anthol. Gr. I, 2, p. 280. 

') Eibbeck, Eöm. Trag., p. 660' f. In älterer Zeit waren in Kom Masken 
nicht üblich, wohl aber Perrücken. Diom., p. 489, 10 K : antea galearibus, non 
personis utebantur, ut qualitas coloris indicium faceret aetatis, cum essent aut 
albi, aut nigri, aut ruii. Varro Eumen. frgm. 40 Buch.: item tragici prodeunt 
cum capite gibbero, cum antiqua lege ad frontem superficies accedebat. Auf 
Spiel ohne Maske deutet Terent. Phorm. I, 4, 32: An. quid si adsimulo, satin 
est? Ge. garris. An. voltum contemplamini : en, satine sie est? Ge. non. An. 
quid si sie? Ge. propemodum. An. quid sie? Ge. sat est. Donat. De com. et 
trag. p. 10, 1, Reiff. berichtet: personati primi egisse dicuntur comoediam Cincius 
Faliscus, tragoediam Minucius Prothymus; dagegen Diomed. a. a. 0.: personis 
vero uti primus coepit Roscius Gallus, praecipuus histrio, quod oculis pervems 
erat nee satis decorus sine personis nisi parasitus pronuntiabat — Notizen, welche 
Ribbeck a. a. 0. dahin vereinigt, dass Minucius Prothymus derjenige Director 



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§. 20. Das Publikum. 289 

scheint dort lebhaftere Züge angenommen zu haben ') ; die komische 
wurde schliesslich ganz abgeschafft*^). Ueberhaupt sah man in späterer 
Zeit über das UnnatürUche des Maskengebrauchs nicht mehr hinweg'^). 



§. 20. 
Das Publikum. 

Die Zuschauer bei den dramatischen Auö'ührungen zu Athen 
bildeten zunächst die Bürger*) und die Metöken^); ob den Frauen 
der Zutritt zu den Schauspielen gestattet war, ist eine vielfach be- 
handelte Frage *^). Mit Rücksicht auf das zurückgezogene Leben 
der athenischen Frauen, welches denselben nur selten das Erscheinen 
in der Oeffentlichkeit gestattete, einerseits, und auf den fiir das 
weibliche Geschlecht oft wenig geeigneten Inhalt der Dramen anderer- 
seits haben einige Gelehrte diesem die Theilnahme an sämmtlichen 
Schauspielen abgesprochen^), andere wollten dasselbe zu den Tra- 



j^ewesen sei, unter dem Roscius zuerst maskiert auftrat. Die zwischen 114 und 
104 a. Chr. zu setzende Neuerung gefiel anfangs nicht nach Cic. De orat. III, 
59, 221: personatum ne Roscium quidem magnopere laudabant (uostri senes), 
scheint sich aber später durchaus eingebürgert zu haben. Vgl. Arnold, Vhdl. 
der Insbrucker Philol.-Vers., p. 20. 

*) Vgl. die Maske des Mon. d. Inst. XI, Taf. 13 abgebildeten Schauspielers 
ol)en p. 228, Fig. 14 und dazu Robert, Annali 1880, p. 210 f. 

*) Donat. ad Terent. Andr. IV, 3: et vide non minimas partes in hac 
comoedia Mysidi attribui, hoc est personae feminae; sive haec personatis viris 
agitur, ut apud vet^res, sive per mulierem, ut nunc videmus. 

') Dies erhellt aus den Spöttereien bei Philostr. Vit. Apoll. V, 9, p. 89 K. 
und Luc. De saltat. 27; Anach. 23; Gall. 26; Nigrin. 11. 

*) Arist. Ach. 604: aüxol y^P cojjlsv o6irl AY|vat(j) x' OtYtov, xoaico) ^hoi 
«apitGtv. 

*) Ibid. 507: aXX' lo\i.h ahxoi v5v y^ icepteicTi3|xivoi • xoo; focp jiexotxoo; 
a/t>pa xÄv otaxÄv y^ta^ wo die Erklärer zu vergleichen sind und der Scholiast zu 
V. 508: pipo? y®P ^^"^^ "^"^^ icoXtxwv ol jiixotxot eoxeX^<; to^ xa Ä^opa xwv xptd-Av. 

•) Uebersicht über die Litteratur bei Bbcker, Charikles ed. GöU III, 
wo p. 168—186 die Frage behandelt ist. Vgl. BlOmner, Privatalterth., p. 73, 
A. 1. Hermann, Gottesd. Alterth. §. 43, 9. Göll, Privatalterth., p. 127. 

^) Böttiger, Waren die Frauen in Athen Zuschauerinnen bei den drama- 
tischen Vorstellungen? Kl. Sehr. I, p. 295 ff.; ibid. p. 308 ff*, und 313 ff".; der- 
selbe, Furienmaske, ibid. I, p. 190, A. ***; derselbe, Aldobrandinische Hochzeit, 
p. 137. Jacobs, Anmerkungen zu den Athen. Briefen I, p. 239. Wachsmüth, 
Hellen. Alterthuroskunde 11, p 391. 

Hermann, Lehrbach Ul. ii. ]^9 



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290 §. 20. Das Publikum. 

gödien zwar zulassen, von der Komödie dagegen ausschliessen *), und 
endlich haben einige den Zutritt zu jeder Gattung von Dramen fiir 
die Frauen in Anspruch genommen *). Die letzteren haben Recht, 
da nicht nur manche schriftliche Zeugnisse aus verschiedenen Zeiten 
lediglich imter dieser Voraussetzung erklärt werden können^), sondern 



*) BoECKH, Trag. Gr. principes, p. 37. Heindorf zu Plat. Gorg., p. 502 D. 
Welcker zu Arist. Ran. 1050. Schlegel, Vorles. üb. dramatische Kunst I, 
p. 287. Jacobs, Verm. Schriften, IV, p. 272 ff. Passow, Ueber den Theater- 
besuch der athenischen Frauen in der Blüthezeit des Staates, Zeitschr. f. Alter- 
thumswiss. 1837, Nro. 29. Bergk, bei Meineke F. C. Gr. 11, p. 1140. Meweke 
zu Menand., p. 345. Schwanitz, Platonische Studien 1864. I, p. 25. dd Meril, 
Kevue archeol. 1863, VIII, p. 128. Becker, Charikl. a. a. 0. Bernhardt, 
Gr. Litt, n, 2, p. 132 mit grossen Bedenken und beschränkt auf „gebildete 
Frauen von besserer Geburt oder Hetären.** 

*) Casaub. zu Theophr. Char. 5. Voss zu Arist. Ran. 174, Eccl. 210. 
F. Schleoel, D. Griechen und Römer I, p. 812. ScHNEmKR, Att. Theaterwesen, 
p. 254. Richter, Aristophanisches. Berlin 1845, p. 22 ff. Sommerbrodt in der 
Recension dieser Schrift, Scaenica, p. 70 ff. K. F. Hermann zu Becker 's Char. 
m, p. 139. Wecklein, Philol. XXXI, p. 457. Benndorf, Beiträge zur Kenntniss 
des att. Theaters, Ztschr. f. Oesterr. Gymn. 1875, XXVI. Separatabzug, p. 10 ff. 

') Plato Gorg. p. 502 D: vöv Äpa 4j|jl«1^ t6p*r]xa|xey ^xoptx-fjv xtva Kpig Syjjjlov, 
totoüiov olov icai8a>y tc b\i.ob xal Y^vatxwv xal avSptov xat $o6Xu>v xal cXeuOipuiv, 
T^v oh icdvo ^afiid-a. Weil vorhergeht ^ oh f Yjxopeoetv ^oxouat oot ol icorr|xal sv xolg 
^sdxpo'.?; geht diese Stelle auf alle Guttungen des Drama, worauf besonders 
Sohmerbrodt a. a. 0. aufmerksam gemacht hat. Ebenso sind allgemein zu fassen 
Schol. Ar. Eccl. 22: f> Zk ^opojJiaxo? ^•r\tfi^\UA üofi'crpaxOf äsxj x6l^ 'fovalv.oi^ xal 
xoüi; 5v8pa? X*"P^^ xaS-eCs^O-ot xal xa? ixoipa^ X"*P*^ "^^^ eXtoOtpcov, von dem frei- 
lich nichts Näheres bekannt ist, (vgl. CIA I, 539 und 177 zum Namen). Satyros 
bei Athen. XU, p. 543 C: oxs U X^f'''iT®'-''l CAXxi^tdSfj^;) KOfAireüwv tv irop^poptSi, 
eiatiov Et; xh ^iaxpov e^up.dC£XO oh |x6vov onb xäv dy^pu»y älXä xal öi:6 xwv Yf>- 
vatxÄv bezieht sich vielleicht nicht auf das Drama. Alexis bei PoU. IX, 44 
(III, p. 402. M. = n. p. 312 K.): evxaö^ Tcepl xvjv soydx^jv hil xepxtSa 6p.a? xaih- 
Cooaac ^ü»p8lv ok; ^sva«;. Plut. Consol. ad uxorem 5, p. 609 D : ooxe xwv itoXtxAv 
(ooSst^ tottv) 4> jfJ] ^ajia napi/ti^ tv Upol^ xal O-ootat^ xal d-sdxpoc^ x^v osaorfj^ 
d^iXetav. loann. Chrysost. Homil. in Ep. ad Tit. c. 3, p. 762 a : xd Spdpiaxa aüxol? 
;jdvxa xooxtov Y^I^^^'» M-O'X'^'*^' d^eXftta^, Statp^opd? • TCavvoyiSe^ t-j"^^^^® jAtapat, xal 
Yüvaixf<; rxaXoüvxo etcl xrjv O-sav. tu r?j^ }JL'.apia(. ev vüxxl, «v ^axpcp itawo^l^ tjv 
xal ?rap^^og exdcHjxo p.(xa$u viwv |jä;jlyjv6xü)v xal jjlc^oovxo? oyXou. Auf die Tra- 
gödie gehen Plato Legg. 11, p. 658 C: »dv U y' ol jtstjotx; iralSeg (xptvüici), xöv 
xd^ xtü|jL(i)5ia^ (siri^sixvüvxa xpivouGt), xpaY^potav 3i at X8 TrsicoiSsufjivai xd»v Yüvatxwv 
xal xd via {JLsipdxta xal c/eSöv laox; xb izkr^(; ndvxwv, und ibid. VU, p. 817 C, 
sowie die Vorwürfe, w^elche Arist. Ran. 1049 ff. : ET. xal xt ßXdKxooa', to <sy(ixkC 
dv^pu>v, XTjv TCoXiv djjLal XO-svi^otat; AI. oxt '(zyvrj.ia^ xal Y^^valtov dvdptiiv dX6)^0üg 
dvlTcet-sag xu»vF;a ::ttlv, aloyüvd-sbag ^td xou^ ooog BeXXspo'f ovxa^ xxX. dem Euripides 
gemacht werden. Auf die alte Komödie bezieht sich Ar. Pac. v. 964: xciv ^sco- 



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§. 19. Das Publikum. 291 

auch durch die aus römischer Zeit stammenden Proedrieinschriften 
des Dionysostheaters die Theilnahme von Frauen direkt bezeugt ist. 
Von denselben gehören hieher die des Ehrensessels einer Priesterin *), 
und auf den höheren Sitzreihen, eine grosse Zahl von Inschriften 
auf tlieils für Priesterinnen % theils für andere Frauen ^) bestimmten 
Plätzen. Endlich ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass Tra- 
gödien und Komödien einen einzigen Agon bildeten, so dass Zu- 
lassung der Frauen zu jenen auch ihre Zulassung zu diesen be- 
dingte *). In wie weit jedoch anständige Frauen von dem ihnen zu- 
stehenden Rechte Gebrauch gemaclit haben, ist nicht zu bestimmen; 
wahrscheinUch wird auch in dieser Beziehung entsprechend der son- 
stigen weiblichen Sitte grosse Zurückhaltung geherrscht haben ^). 



{jLsvcuv oox eotiv ohhil^ Ssxt? o& xpi6-}]v lyet. TP. o^^ ol\ ^ovacx^? y' ^<*ßov. ^^I. 
äW 81^ ioTCspav iu»ooooiv a'jxol? &v?pe?, wozu Benndorf a. a. 0., p. 12, A. 1; 
auf die neuere Komödie Alciphr. Ep. 11, 3, 10 : |i^ xbv Aiovoaov xal to6<; ßaxxtxo'j<; 
otüTOÖ x'.3'3o6(;, ot^ 3TScpavu»d-?jvat {jl&XXov yj loig nxoXEjxoioo ^0'SXop.a'. Bta^-fjiüLaaiv 
opiu-sTj^ xal xaö^[iiv7|^ ev xu) ^saxpü) FXüxepa^. Luc. De sali. 5 bezieht sich 
auf Pantomimen; bei Phintys ap. Stob. Serm. 74, 61* , Vol. III, p. 65, 21 
Ed. Teubn. bleibt unklar, was unter ^eiupia zu verstehen ist. Aus den von Pollux 
IT, 56; IV, 121; VI, 158 erwähnten Wörtern ^sdtxpta und aüvö-saxpta ist nichts 
zu entnehmen. Die Erzählung von dem Eindruck der Eumeniden des Aeschylos 
auf schwanjfore Weiber Vit. Aesch., p. 119, 48 Westermann: xtvi^ St (paatv ev 
x*j «ctSstie: xu>v EüjisvtStov CKOpaSfjv sloaYaf^vxa xov yopiv xoooöxov ex^X-yj^ai xiv 
o^jjLOv, Ä-sxs xa jjiiv vYjicta ex^j/öjat, xA 3"* c}i.ßp*ua eJajJLpXcod^vat ist Fabel. Von der 
Heranziehunpr des Vasenbildes bei Millin, Peint. d. Vases pl. 55 = Wieseler, 
D. d. B. IV, 8 * wird bei der Unsicherheit der Erklärung besser abgesehen. 

*) Vgl. oben p. 95, A. 3. Dieselbe Priesterin CIA III, 668 aus Herodes 
Atticus' Zeit. 

») CIA lU, 313. 815. 316. 319—323. 331. 335—340. 345. 349—353. 356. 

357. 359. 361. 365. 367—376. 380—383. Ausserdem 312. 324. 325. 327. 343. 

358. 379, wo die betreffenden Frauen zwar nicht direct als Priesterinnen be- 
zeichnet sind, aber doch wahrscheinlich diesen Charakter hatten. Vgl. Gelzer, 
Monatsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1872, p. 164 if. 

*) CIA m, 342: 'AXxiok; xaxot '^Yj^iojta ist für die Gattin des Herodes Atticus 
bestimmt. Bei 341: xaxa t{/Ynpto|Aa Aotju^too und der fast gleichlautenden 344; bei 
348: ^iXi^ioo; 379: 'Avtwvsiva? ; 384: H6oi2va; ist der Grund für die Einräumunpr 
eines Ehrensitzes nicht zu erkennen. S. Gelzer a. a. O., p. 179. 

*) Wecklein, Philol. XXXI, p. 457. 

^) Daher wird Arist. Av. 793 — 796: st xe \i.ov/s6ioy xt; 6fJLu>v eoxiv 03X'^ 
xoYX^vsi, xid-'' opa x6v Mpa xyj? '^ovrxi%b(; ev ßooXeoxtxu», ooxo? 5v izah.v «ap' üjxäv 
TtxepüYba; avs:rx*xo, slxa ßtvrjaa; exsld-cv ah^iq at> xaO-fCsxo für die Komödie und 
Thesm. 395 tiV: äcx"* sij^6$ £toi6vxs; cuTzh xd»v ixpiiuv oTzo^XiKOoi" •r\ii.ai oxoiroövTat 
x"* £üö4oi?, |i.-i] iio'.yh^ Tvoov -J xt^ aitoxjxpofijilvo; für die TrajBfödie ohne Weiteres 

19* 



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292 §• 20. Das Publikum. 

Auch für Knaben ist der Besuch der Schauspiele — allerdings, was 
die Komödie betrifft, für unsere Anschauungsweise kaum glaublich 
— sicher bezeugt *); davon dass Sklaven neben den Freien zuschauten, 
finden sich Spuren, jedoch lässt sich nichts Näheres darüber fest- 
stellen 2). Endlich war auch den Fremden der Besuch des Theaters 
gestattet und zwar nicht nur den in officieller Eigenschaft^) nach 
Athen kommenden, sondern auch Privatpersonen^). 

vorausgesetzt, dass die Frau zu Haus geblieben ist. Hetären, über welche 
Alciphr. a. a. O. und Athen. IV, p. 157 A, wo die Hetäre Melissa ^eaxpoxopuvr^ 
genannt wird, zu vergleichen sind, werden sich freier haben gehen lassen. 

^) Böttiger, Kl. Sehr. I, p. 310 hält es für eine ausgemachte Sache, dass 
vor dem mit dem 18. Jahr stattfindenden Eintritte in das Ephebenalter kein 
junger Athener das Theater besuchen durfte ; doch vgl. im Allgemeinen Theophr. 
Char. 9: xal ^hoii; ^i abxob O-eav a-^o^azoL^ p-Tj Sou^ xo }iipo{ ^topsiv (Benndorf 
Oüv^empelv), ä^*^^ ^^ ^'*- "^^'^^ ^'-^^^ ^^^ '^''1^ öaiepafav xal t6v TZfxiZrx^af^ov , imd 30: 
xal Ik\ O-sav XYjvtxaöxa nopsüSoO-at Sl-^iuv xoo? ütet<;, -Jjvtxa icpoTxa ecpcdoiv ol d-ea- 
xpÄvai. Plato Gorg., p. 502 D. Luc. Anach. 22: xal jiivxot xal i^ x6 ^axpov 
aovocYOvxeg aoxoo^ 8Yj|JLOo:a TCatSeuofJisv OKb x(op.(j)3tat^ xal xpa^cüStat^, &pex<i<; xs 
av^püiv TcaXatuiv xal xaxia^ ^£(up.£vou^, to? xüiv jjiiv airoxpeKOivxo, Ik' exelva Zk o?re'j~ 
$ot*v. Für die Tragödie insbesondere Plato Legg. VII, p. 817 C: jx-}^ S-i] SoJtjxs 
•fjjjLa? ^a^'ltug Y* oüxtü^ üjAä? «toxe ::ap' -^/aIv eaastv oxYjva? xe irrjSavxa^ xax' aYOpav 
xal xaXXi^ptuvoü^ OKOxptxa? elaaYOjiivoa^ jjLeiCöv <p^sYYO|J''6voo(; 4]p.u>v CKtxpItJ/civ 6jilv 
^irjjiYjYOpEiv Tcpi^ irat^d^ xe xal Y^valxa? xal x6v i:avxa Oy^Xov. Paus. I, 3, 3: X^^exat 
jtlv OYj xal äWa oüx aXirj^ :rapa xot^ tcoXXoI? ola bxoplai; öcvyjxook; 0ü3t xal 6it6oa 
Yjxoüov eoO-üg 6x «ai^tüv ev xe x°P°^*S *cil xpaY<|)5tat<; ictoxa T|YOf)|JLsvoig. Für die 
Komödie Ar. Nubb.537 ff.: Yjxt? itpAxa ^Iv ob^kv yjXO^ f^a'j^ajxevY] oxoxivov xaO^t- 
ji^vov, ?pü\)"piv e5 Äxpoü, wayo, xol^ izonhioi^ ?v' -J y^^*"?» Pac. 50 f.: eY*« 5^ xöv 
XoYOv Y^ 'cotat ira'.Stot? xal xols'.v avSploiat xal xol^ avSpa^t . . . (ppasui. 765 ff.: 
Tipi; xaöxa xped)V elvat p-ex' sjjloö xal xoo; avSpa? xal xoo;; «atSa?. Eupol. bei 
Meineke II, p. 521, N. 2, v. 3 = K., p. 323, N. 244 : y^Xäo'.v, co; öpa;, xa TcatSta. 
Isae. De Cii'onis hered. §. 15 : xal oo jxovov et«; x^ xotaöxa irapexaXoüfxeö'a, aXXa xal 
el^ Atovüoia ei^ aYp6v "rjYev (6 irainro^) ael "rjjia^, xal lAex"* exetvou xe ed-ecupoö/xev xaO-fj- 
jjLevoi Kap' aoxov. Aristot. Polit. VII, 17, p. 1336**, 20 Bekker: xou? Si vecoxepooc 
oox^ lajüL^tuv ooxe xiu^wSia^ O-eaxa^ vojio^exYjxeov, i:plv ^^ xyjv •rjXtxtav Xdßiustv ev ^ xal 
xaxaxXbeoj^ 6ffdp5ei xoivtovelv steht also mit der herrschenden Sitte in Widerspruch. 

*) In speciellen Fällen bezeugt. Theophr. 9 für den Pädagogen; und 2: 
xal xo5 icat^o^ ev xtj) ^eaxpcu a'peX6p.evo(; xd irpooxe'^dXaia, aoxb^ ü:ro3xpd)oat, wo 
der Diener vielleicht das Theater wieder verlassen musste, nachdem er seinen 
Herrn bedient hatte; da indessen Plato Gorg., p. 502 D die SooXot geradezu 
als ßestandtheil des Publikums nennt, wird man annehmen müssen, dass sie 
auch selbständig ins Theater gehen durften. 

') Unter den 5svo: sind häufig die Bundesgenossen zu verstehen, welche an 
den Dionysien den Tribut brachten, Ar. Ach. 505. 643 f. Gesandte : Demosth. 
De cor. §. 28; vgl. die Erzählung von den spartanischen Gesandten bei Cic. 



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§. 20. Das Publikum. 293 

Da die Athener grosse Liebhaber des Theaters waren*), so 
wird die Zahl der Besucher regebnässig eine sehr grosse gewesen 
sein; doch fehlen bestimmte Angaben darüber. Wenn Plato von 
30 000 Zuschauem spricht, so hat damit nur eine grosse Menge be- 
zeichnet werden sollen ^). Die Zahl der Theorikonempfanger ist auf 
etwa 18 000 berechnet, wozu dann noch die übrigen Einheimischen 
und die Fremden gekommen sein würden*). Das Dionysostheater 
enthielt etwa 27 500 Sitzplätze*). Was nun die Ordnung dieses so 
zahlreichen Publikums anbetrifft, so darf man die moderne Vorstellung 
von einer gi'össeren Anzahl verschieden bezahlter Ränge auf das 
athenische Theater nicht übertragen; im Gegentheil bildete dort der 
Proedrie ^), d. h. den Ehrenplätzen an bevorzugter Stelle, gegenüber 
der weite Saum des übrigen Theaters einen einzigen Rang. Die 



Cat. mai. 18, 63, Valer. Max. IV, 5, 2 und Plut. Apophth. Lac. var. 52, 
p. 235 E. 

*) Ar. Pao. 45: x$t^ a&ttj) y' ^vt^p 'Iwvtxö^ xi^ cpfjot «apaxa^jfuvo^ xtX. 
Theophr. Char. 9. Dem. Mid. §. 74: rfw ^ 6t«' l^^poö vYj^povto;, twO-ev, 3gp«t 
xal o6x oTv({) xoÖTO tcoioövto?, evavxtov tcoXXäv xal ^svtuv xal koXitäv ößptCo^t-rjv, xal 
Taöt' 8v Ispcp xal ol icoXXyj fiot fy etv6tr(%ti ßaSifetv )^opY)Yo5vxt. Alexis ap. Poll. 
IX, 44, 8. oben p. 290, A. 3. 

*) Theopomp, bei lustin. 17, 9: in dies festos apparatusque ludorum reditus 
publicos effundunt, et cum actoribus nobilissimis poetisque theatra celebrant, 
frequentius scaenam quam castra visentes, versificatoresque meliores quam duces 
laudantes. 

*) Plat. Conviv., p. 175 E: yj^s (oo(p;a) kol^ol coö veoo ovxo*; ooiüi acpoopa 
e4EXa|jL'|/s xal ex'^pavYj!; l'^hjzxo icptuYjv ev jACipTüa'. täv *KXXy|VU>v icXeov nfj xpi^\i.tioioiq. 
Vgl. Saüppe, De causis magnitudinis iisdem et labis Athenarum, p. 4 f. Bergk, 
Ztschr. f. Alterthumsw. 1837, p. 450 f. Bernhardy, Gr. Litt. II, 2, p. 131. 
30000 für die Cxesammtheit der Athener Arist. Eccl. 1132: 8Gxt^ tcoX'.xwv tcXsIov 
•?j xpio|j.üp'.a)v oYziov xö nXYj^o? oü ^o^EtTCvvjxa^ |i.6vo?. Herod. V, 97. 

•) BoECKH, Staatshaush. II, p. 11. 

*) S. oben p. 47, A. 1. 

^) Groddeck, De aulaeo et proedria in Friedemann's Mise. crit.I, p. 293. 
Westermann, De publ. Athen, honor. et praemiis. Leipzig 1830. Schneider, Att. 
Theaterw. , p. 250 ff. Richter, Proll. ad Arist. Vesp., p. 124. Auch mit dem 
älteren Austlruck Tcpwxov ^oKo"^ bezeichnet. Poll. IV, 121: Trpcuxov Ss ioKov yj 
;rpos5pia, ^xaXtaxa Zi Sixasxdiv . . . loax; 5' av xal lizl O-caxpoo xaxa xaxa/pY]3tv 
Kv(0'.^j Vgl. Vni, 133. Schol. Arist. Eq. 575 (= Suid. s. v. zpojop-la): xiix-fj^ 
xal 00X0*; xpoiro^. s^y^v ^k xoi? x*?]«; xi^xy^^ xaoxrj*; xoyoöa: xal iv ßoüXpoxYjpt(j> xal £v 
ExxXrjata xal sv O-Eaxpot? xal ev aXXü) icavxl ooXX6y<j) xou<; icpoxaxaXajJLßdvovxa^, oi- 
x'.vs? Yjaav, sJsYslpavxa? a'jxo6(; Et<; x6v ixsivuiv xo^ov xaö'bat. Phot. und Suid. 
s, V. itpoeSpoi. 



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294 §. 20. Das Publikum. 

Ehre der Proedrie wurde Wohlthätern *), Feldherren ^), den Waisen 
der im Kriege Gefallenen % den Gesandten fremder Staaten *), selbst 
ganzen Städten^) verliehen, ausserdem kam sie den Archonten®), 



») CIG 1625. CIA n, 575. 576. 589. 592. Arist. Eq. 1404: xot o' avtl 
TO'JTWV iq xh irpotavstov xaXd> e*; rijv i^pav 0*', tv' exelvo^ yjv 6 (pap»^ax6^. Sie 
wurde auch erblich verliehen CIG 1691. CIA 11, 410: Soövat hi a^xA xal otrrjotv 
£}!. itpüxavsu|) xal itp»osSptav sv Sicasi xot<; CL'(ih<3'y xol*; xy]^ icoXeu)^ xal exYovcov x(j) 
itpsaßoxdx(|). Vgl. die Psephismata hinter Plut. Vitt. X oratt. 1, p. 850 F: Tt- 
inoyiipti^ , . . alxel Arj^toa^lvct . . . Scupsav elxova ^(^aXxYjv ev &y^P?» ""^^^ alxTjatv ev 
zpoxav«t(|), xal irpos^piav a&x(j), xal IyT^^"*^ ^^' ^*^ wpeoßoxdxc}). Vgl. 2, p. 851 F. 
Die 80 Geehrten wurden mitunter auch durch einen Beamten an ihren Platz 
geleitet. CIA IE, 576: xal sloa^exo) a5x6v 6 ÖY^pLap^o^ cl; xyjv 04av, ibid. 589. 

') Kleon wegen Pylos Arist. Eq. 702: aitoXJi os vt] x4jv «poeSptav jx IloXoo, 
sonst ibid. 575; doch war diese Auszeichnung nur persönlich, nicht mit dem 
Amte verbunden. Im Dionysostheater hat sich nur e i n bezüglicher Ehrensessel 
und zwar für den oxpaxYjYo^ ««l twv 5:rXü)V (CIA lH, 248) gefunden. Aus Theophr. 
Char. 5: xoö hl O^axpoo xa^oO-at, 5xav "J O-co, irX*rjaiov xäv oxpaxYjY«>v lässt sich 
nur schliessen, dass die Strategen auf irgend einer Stelle zusammensassen. Vgl. 
Bbnndorp a. a. 0., p. 27. 

') Aeschin. in Ctesiph. §.174: «pocX^wv 6 x^jpoS . . . exYjpoxxt th xaXXtaxov 
XYjpüYP-a ... 5xt xoooSe xo6g vcavbxoo^, (ov ol icaxipt^ txeXtüXY)oav tv x(j) icoXefKp 
avdps; iY^^^®- "^i^foiuevoif ja^XP*- P-^^ ^ß''l< ^ S-YjjAog expe^c, vovl 81 xaO-oiiXba^ x-pSs 
x^ nawonkidf a^pitjotv a^aö^ '^^XIO xpe;ieo9'at eitl xa 4auxu)V, xal xaXst tl<; icpoe^plav. 

*) Dem. De coron. §. 28: eixa xoöxo fAiv 05^1 Xl^et x6 4^^tapx, oü$' ava- 
Y'-Y'^tMO^st ' 6^ ^i ßoüXeowv eY"* itpoo^Ystv xoo^ icpsaßsi^ H^P**'!^ ^^'^> xoöxo fxoo 8ta- 
ßaXXec. 6tXXa xt exp*'!^ H""*] ^o'^^^i P-**! i^poaaY^tv Ypo^^'^^ "^^^^ ^^^ xoöö"' YJxovxa«;, tv' 
ö|ilv StaXex^tt>otv ; ^ ^av ^7] xaxavelftat xöv apxitexxova a5xoi^ xeXcüsat; äXX' ev 
xotv Süotv oßoXolv ed^cupouv 5v, et [x-i] xoöx' ^yP^^*'! ' ^ '^°' jAtxpi oupKpepovxa xyj? 
iroXeox; f^et jis <püXdxx8tv, xa 8' 5Xa, woicsp o&xoi, iceicpaxevac ; oö S-rjitoo. Aeschin. 
de fals. leg. §. 55 : oü xotvov xaöxa /iovov fj-pa^ev, ^XXa xal jisxi xaöxa tv xtJ ßooX^ 
öiav sl? xd Atovoota xaxivetjie xolg irploßeo'.v, eicst^dv ^xcooi, xot? <^tXtJCJcoo. vgl. §. 110. 
Id. in Ctesiph. §. 76 : Ay]|j.ooö^vy]<; y«P evtaoxiv ßooXeoaa^ ohht\L{av ^avtjaexat :rp80- 
ßetav et^ :cpoe$piav xaXeoa^, dXXd xoxs :rpu>xov icpeaßet^ st^ icpoe^piav exdXeas xal 
- :cpo3xetpdXata I^O^xe xal cpotvtxtSa^ mpiznhaos xal fijia x^ "^ipiptt '^'{zl'zo xol? itpea- 
ßeatv 81^ x6 ^axpov, Äoxe xal oopixxtoO'at 8ta X7]v aax*rjpioaüVYjv. Es erhellt, dass 
dies Verfahren nicht Regel war. CIA 11, 164 wird den Gesandten von Ko- 
lophon die Proedrie bei den Dionysien im Peiraieus bewilligt, v. 32: xaxavetjjtat 
$' aoxot^ xod O^av x6v dpxttixxova el^ xd Aiovüaia xd ITstpaTxd. 

*) CIG 1692. Dem. De coron. § 91: 5e86x^at tu) 8d[jL(t> xw BoC'itvxiwv xal 
lleptvd'iwv 'Aö-avatot*; oojiev entYoi|J.tav, iroXtxstav, EYXxactv y«? xal olxtdv, icpoe^piav 
EV xoF«; dYoJot xxX. Poll. ELT, 59. Femer fremden Kaufleuten Xen. De vectig. 
3, 4: dYaO-ov ^i xal xaX6v xal itpoeSptat^ xtfida^-at s(j.ic6pot>{ xal vaoxX-rjpooc:, xal 
ItzX 6evta y' so'ctv ßxt xaXelaö'at. — Den Epheben wird Proedrie bewilligt CIA 11, 341. 

") Die Inschriften aus dem Dionysostheater s. oben p. 93. Vgl. Dem. 
Mid. §. 178: ixspo^ d^ixstv kqx' e^o^ev ujitv xcspl xd A;ovü3'.a, xal xaxsvetpoxovYjaax' 



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§. 20. Das Publikum. 295 

Priestern ^) und Cultusbeamten zu. Ueber das System der Proedrie, 
wie es sich etwa aus Hadrians Zeit im Dionysostheater fast voll- 
ständig erhalten hat, ist §. 10 zu vergleichen. Auf den auf der untersten, 
der Orchestra zunächst hegenden, Sitzstufe befindhchen 67 Ehren- 
sesseln hatten Priester, Oultus- und Staatsbeamte ihren Platz ^), unter 
denen der Priester des Atövoooc 'EXeo^sps'x ^) auf dem mittelsten 
Platze den Vorsitz führte; ausserdem sassen auf den höheren Sitz- 
stufen noch viele Proedristen, wie aus 82 Inschriften, welche auf Sitz- 
plätzen, jedoch nicht über die 24. Stufe hinaus, eingegraben sind, 
hervorgeht. Es sind dies überwiegend Priesterinnen, jedoch auch 
Priester und sonstige Männer und Frauen*). Diese Inschriften bilden 
eine zusammenhangende Gruppe nicht; es ist daher anzimehmen, 
dass die Proedristen zwar zusammensassen, aber nur einige von ihnen 
die Namen einschreiben hessen, wie denn auch die Form der In- 
schriften auf den ledigUch privaten Charakter derselben schhessen 
lässt*). HinsichtUch der Ordnung und Eintheilung der grossen 
Masse des Publikums fehlt es an ausreichenden Nachrichten; wir 
wissen zwar, dass im Dionysostheater eine Abtheilung für den Rath, 
das ßooXeortxöv, und eine solche ftir die Epheben, das lyvjßtxöv •), be- 
stand, aber nicht, wo dieselben lagen; es ist auch die Annahme 



a'jxoö itapsSpfüOVTO«; ä^yovzi xu> ölet, 5tt 9iav xv/b<; xataXajißavovto*; Yj'|axo, e^eip- 
Yü»v EX toö O-BttTpoo • ^v 5' o5to^ xoö ßcXxtoTOo icaxYjp XaptxXstSoo, xoö Äpjotvxo^. 

*) CIA n, 589: xal ewaYsxto aüx&v 6 84]|jLapxo? sk tö O-taxpov xaO-aitep 
Ispel^ Y.OÜL xoü^ ÄXXoo^ ol^ Seroxat yj zpos^pia itapa Oetpatiiov. CIG 2421. Schol. 
Arist. Ran. 297: ;iapa xal? 9ioLi(; wpoe8pt<jt extxipivjxo 6 Ispeu? xoö Atovosoo. Hesych. 
s. v. v6jj.Y|3i? dia^, Hermann, Gottesd. Alterth. §. 35, 10. 

*) S. oben p. 92, A. 3 fl. Von den 52 erhaltenen Sesseln sind 21 Priestei-n 
männlicher Gottheiten, 9 Priestern weiblicher Gottheiten, 4 Priestern von Heroen, 
4 Priestern römischer Gottheiten, 7 Cultusbeamten und 7 bürgerlichen Beamten 
bestimmt. 

') Arist. Ran. 297: Ispeö, StacpüXa46v \C, Iv' u» oot 5ofi.ii6xYi(;, imd der Schol, 
zur St.: Jcapot xaT$ ö^ai? ;:pos8pia ex£X'|j.Yjxo b tepsi? xoö Aiovosoö. Eq. 536: 
akVx d-zaafl-at Xiiuapiv icapa xcj) Aiovüsoü, wie Elmsl. zu den Acham. 1086 für 
Atovoacj) geschrieben hat. Diese Aenderung erscheint mir noch immer als richtig-, 
vgl. m. Ausführung Philolg. XXIII, p. 496. 

*) Vgl. oben p. 291 A. 2 f.; ausserdem Priester CIA HI, 314. 325. 329. 
334. 346. 347. 360. 362. 378; andere Männer 309. 310. 330. 356. 364; wegen 
Verstümmelung bleiben 14 Inschriften unklar. 

*) Vgl. Benndorp a. a. 0., p. 9. 

") Arist. Av. 794: x^ö*' opa xov 5v$pa r?j? '(ovai%b(; ev ßooXeoxixA, und der 
Scholiast: ohxo^ xono^ xoö ^edxpoo, b ävei}i.lvo? zolq ßooXsoxal;, wq xa» h xoi^ 
hf-f^^oi^ e'fY)ßix6<;. Hes, s. v. ßooXeoxtxov, Suid. s. v. ßooXeoxtxo*;. Poll. IV, 122. 



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296 §• 20. Das Publikum. 

nicht ausgeschlossen, dass je nach Zeit und Umständen mit den 
diesen Klassen angewiesenen Plätzen gewechselt wurde. Auch aus 
den Theatern anderer Städte ist nur sehr wenig hieher Gehöriges 
bekannt. So gab es im Theater oder Odeion von Melos einen Platz 
für vsavCoxot und einen solchen für opcpSot*), und im Theater von 
Larissa kennen wir einen mit toIc zsr/ylxcac; bezeichneten Platz, der 
neuerdings mit unseren Schauspielerlogen vergUchen ist^). Im 
üebrigen ist man auf Vermuthungen angewiesen. Da nun der 
grossen Zahl der Zuschauer wegen an nimierierte Sitze nicht zu 
denken ist, so ist es eine sehr glaubwürdige Annahme, dass das 
PubUkum in Athen nach Phylen') geordnet war. Genau würden 
die 13 xepxlSec des Dionysostheaters der Zahl der Phylen nur in 
der Epoche der 13 Phylen entsprochen haben, während in der Pe- 
riode der 12 bezw. 10 Phylen 1 bezw. 3 Keile anderweitig verfugbar 
gebheben sein würden *) ; es spricht aber für diese Vermuthung nicht 
nur die Bedeutung der athenischen Phylen in mancherlei Hinsicht ^), 
sondern auch die Analogie römischer Colonieen*), der Umstand, 



*) CIG 2436 auf 4 Steinen, von Lenormant, Annali d. Inst. 1829, p. 344 
folgendermassen combinieiii : vcavtaxwv xoico;, . . . xoito^, 6[j.v({)§u»v xono^. 

*) UssiNG, Inscript. ined. 15, p. 26: xol; XByyixai^. vgl. Benndorf a. a. 0., 
p. 6. HüBMER, Iscrizioni esistenti sui sedili di teatri ed anfiteatri antichi. 
Annali d. Inst. 1856, p. 52 ff. führt noch an CIGr 2421 (aus Naxos) : äp^tepew? 
'Apioiap^oo TOTTo^ TzpoY.aziyijsxai und einige Inschriften aus dem Theater von Ta- 
ormina bei Serradifalco, Antichitä della Sicilia V, p. 42; tav. XXIV fig. 10 a, 
welche freilich nicht sicher zu deuten sind. Auf den Stufen des Theaters von 
Thasos stehen verschiedene Zeichen und Marken, auch einige Namen von In- 
habern, z. B. Mapxoü, Zioot|ioü und Anfangsbuchstaben wie KA und All, Miller 
Rev. arch. 1874, p. 322 ff. 

*) Benndorf a. a. 0., p. 4—26. 

*) Benndorf a. a. 0., p. 15 nimmt eine Restauration des Dionysostheaters 
durch Hadrian an und beruft sich auf die "Wieseler, D. d. B. I, I publicierte 
Münze; doch s. oben p. 88, A. 1. 

*) Hinsichtlich der Choregie Dem. Mid. §. 13; der foXexixa Selicva De- 
mosth. adv. Boeot. de nomine §. 7; der Wahlen Aeschin. in Ctesiph. §. 29; 
der Bildung des Rathes Hermann, Staatsalterth. §. 111; des Kriegswesens eben- 
das. §. 152, 3. 

") CIL Vin, 3293 zeigen die cunei des Amphitheaters zu Lambaese auf 
den Sitzstufen die Namen verschiedener Curien. Vgl. Mommsen, Ephem. epigr. 
n, p. 125 über die Eintheilung der Municipien und Colonieen in Curien imd 
Tribus. Nach Dionys. Halic. III, 68 wies Tarquinius den 30 Curien im Circus 
maximus je eine Abtheilung zu. Vgl. Liv. I, 35. HObner, Annali d. Inst. 1856, 
p. 55 und Mommsen ibid. 1859, p. 122. 



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§. 20. Das Publikum. 297 

dass, wahrscheinlich zum Andenken an die Agonothesie des Hadrian 
im März des Jahres 126 n. Chr. *) die 12 Phylen dem Kaiser je 
eine Statue in je ehiem Keile des Dionysostheaters errichtet haben ^), 
und endlich die Existenz von bleiernen Theatermarken, welche mit 
den Namen von Phylen bezeichnet sind^). Ausserdem lässt sich 
vermuthen, dass in älterer Zeit die Frauen abgesonderte Plätze auf 
den höchsten Sitzreihen gehabt haben ^); später sassen sie jedoch 
unter den Männern^). Die Fremden nahmen Platz zwischen den 
Einheimischen •). Vielleicht wurden auf den höchsten Sitzreihen auch 



*) ViscHBR, Entdeckungen im Theater des Dionysos, p. 46. Benndorf 
a. a. 0., p. 14 ff.; über die Zeit vgl. den Nachweis bei Dübe, die Reisen des 
Kaisers Hadrian. Wien 1881, p. 46. 

') Erhalten sind davon 3; die erste, von der Erechtheis gewidmet (CIA 
in, 466), stand im ersten Keile von Osten; die zweite, von der Akamantis 
gesetzt (CIA m, 467), im sechsten Keile von Osten; die dritte, von der Oeneis 
errichtet (CIA HE, 468), im sechsten Keile von Westen — jede genau auf der 
Stelle, die der betreffenden Phyle in der officiellen Keihenfolge der Phylen zu- 
kam. Dass zur Zeit der Aufstellung nur 12 Phylen vorhanden waren, erhellt 
aus der Erwähnung des Bathes der 600, da mit der Einführung der 13. Phyle 
dieser wieder atif 500 beschränkt wurde. (Die officielle Keihenfolge ist Erechtheis, 
Aegeis, Pandionis, Leontis, Ptolemais, Akamantis, Oeneis, Kekropis, Hippothontis, 
Aiantis, Antiochis, Attalis.) Sie standen sämmtlich auf der zweiten Sitzstufe. 
Im mittelsten Keile auf der dritten Stufe stand eine dem Hadrian als Archon 
im Jahre 112 n. Chr. errichtete Statue, deren Basis (0,76 m im □ und 0,56 
hoch) sich erhalten hat; CIA HE, 464. 

*) S. Benndorf a. a. 0., p. 25 f. und namentlich die daselbst Tafel Nr. 42 
wiedergegebene Marke, deren Avers einen Dreifuss mit Thyrsos und die Bei- 
schrifb EPEXf^ zeigt, während auf deren Revers Dionysos mit Kantharos und 
Thyrsos dargestellt ist. 

*) Alexis bei Poll. IX, 44 s. ob. p. 290 A. 3 Der Witz Ar. Pac. 962 ff.: TPf. 
xal Tot? ^saxait; ^Iicte täv xpiO-wv. OIK. l8o6. TPT. ^Scuxa; ^^i ^I^» "^ "^^^ 
'EpixYjv, (3)0X8 Y^ TooTcbv ßooticlp etot tAv ^to^ivwv oüx loTtv ohht\<; 80x15 oh xpiO-rjv 
zy(ti, TPr. obx otl Yi>vatxe5 y' t^aßov. OIK. diW et^ ^oTiepav Swooootv aöxot^ 
5v§ps? ist nach Benndorf a. a. 0., p. 12 nur verständlich, wenn die Weiber weit 
von der Bühne entfernt sassen. Damit stände das oben p. 290 A. 3 erwähnte Pse- 
phisma des Phyromachos (vgl. Suid. s. v. Icpüp6jiaxo?) nicht in Widerspruch. 
In Rom sassen die Frauen vor Augustus unter den Männern, Plut. Sulla 35; 
Aug. wies ihnen Plätze in der summa cavea an. Suet. Aug. 44. Vgl. Hübneb 
Annali 1856, p. 60. Friedländer bei Marquardt, Rom. Staatsverw. in, p. 
514, A. 1. 

*) Luc. De saltat. 5: ex». Y^p xoöxo /xot Xotitov yjv, ev ßaO-sl xooxu) xw kwyiovi 
xal TzoXiq, x-g xofJLiu xa^a^at jxioov £v xot^ -^uvaioi^ xal xol«; |ie|Ji*r]v6o'.v exeivoi«; 
O-saxal*;, und die oben p. 290 A. 3 citierte Stelle des loannes Chrysost. 

«) Theophr. Char. s. ob. p. 292 A. 1. Alexis bei PolL IX. 44. 



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298 §. 20. Das Publikum. 

Plätze nach dem Maass vergeben, auf denen, je nachdem sich die 
Personen einrichteten, eine möglichst grosse Zahl von Zuschauern 
untergebracht werden konnte *). 

Der Eintrittspreis betrug für einen Spieltag 2 Obolen, wie gegen- 
über abweichenden Berichten verschiedener Grammatiker*) durch eine 
Stelle des Demosthenes sicher gestellt ist ^). Dass die besseren 
Plätze tlieurer bezahlt wurden, Avie man vielfach*) vermuthet hat, lässt 
sich durchaus nicht nachweisen. Für die Proedristen wurde der 
Eintrittspreis wahrscheinlich aus der Staatskasse bezahlt*). Das 



*) Dies ßchliesst Benndorf a. a. 0., p. 28 f. aus Theoph. Char. 9. Aus 
Rom ist Aehnliches bekannt; vgl. Cic. Att. U, 1, 5 und die Arvalinschrift 
WU.MANNS n, 2875 = CIL VI, 2059. 

*) Auf 1 Obolos setzt ihn Ulpian. ad Dem. Ol. I, p. 13: Aots XapLßeätvsiv 
ev x(j) ^edtptp ixaatov täv ev fj Tiokn 860 h^oXooq, iva tiv jifev eva %axaoY^ ^^^ 
l^tav TpotpYjV, t6v S' äXXov Kape/etv ?)^tt)Ot tu» ötpx^xexxovt toö ^edxpoo. Schol. Dem. 
Do coron. §. 28: 860 y^P ovctuv xwv :rp£oßsü>v, Joo rpav ol oßoXoi, vgl. Poll. 
Vni, 113; auf 3 Obolen Schol. Dem. a. a. 0.: SXktai xptwßoXov itapalyov oi 
^tuipoüvxt^ (i>( rfii] ^vi^iLzv^ nach Boeckh, Staatshaush. I, p. 308 A. e „arm- 
seliges Geschwätz". Wo von 1 Drachme die Rede ist: Philoohoros ap. Har- 
pocrat. 8. V, O^üiptxd: xb 8i O^copixöv «Tjv xö irpÄxov vopitafl'kv Spa^ii*'] tf^i O-Ia? = 
Phot. 8. V. ^eioptxd zweiter Artikel; femer Suid. in. Phot. s. v. Otojptxd erster 
Artikel : irXsovexxoüjuvcwv 8i xäv icevtjxtuv 8td x6 ^ocSfux; xol; itXooo'.ot^ irXetovo*; 
xt|i,7j^ xoöxo Yivea^at, e'^Yjcpiaavxo erel Spa^pt-J jj.6vov etvat xö xi|i.Y]pia. Schol. Luc. 
Timon c. 49 : Spa)^7] ^h -rjv x6 8f Sopievov, xal oSxe icXeov H'^jv Soövai Spa^jiTj? ooxe 
r/vaxxov. Lucian. Encom. Demosth. 36 — ist das Eintrittsgeld für drei Spiel- 
tage, wie sie von Sauppe, Ber. der Sachs. Ges. d. Wiss. 1855, p. 18 — 21 nach- 
gewiesen sind (vgl. Hermann, Gott. Alterth. §. 59, 24 und Mommsen, Heortologic, 
p. 388 u. 396), zusammengerechnet. Dass Plato ApoL, p. 26 D nicht hieher 
gehört, darüber s. oben p. 80, A. 1. Schneider a. a. 0., p. 35 und 240 nimmt 
2 Spieltage an und je 3 Obolen für den Platz. 

') Dem. De cor. §. 28, wo ev xotv Soolv oßoXolv mit Boeckh Staatshaush. 
I, p. 308 f. als „Zweiobolenplatz" zu fassen ist. Die richtige Tradition geben 
Phot. u. Suid. 8. V. ^2ü)p'.xiv xal d^wptxYj: xö saXatöv oxXoü '^t'^o\uyoo £v xot? 
O-saxpot^ xal xwv ^svcov xa? O-sa^ zpoxaxaXafJtßavovxtov, S'.£$t?oxo xolq aoXixat*; x6 
O-stoptxov, SicEp -rjsav 5uo ößoXoL Et. M. s. v. d-ecupixiv ap^üptov. Liban. in 
Hypoth. ad Dem. Olynth. I. Schol. Ar. Vesp. 1189. Vielleicht ist mit Boeckh, 
Staatsh. I, p. 310 auf diesen Eintrittspreis auch Arist. Ran. 139 fif. zu beziehen, 
nach ViscHER, Unters, üb. d. Verf. Athens in d. letzten Jahren des peloponn. Kr., 
p. 20 jedoch auf den Richtersold. 

*) Boeckh a. a. 0. Anm. e ohne Beweisstelleu; Schneider a. a. 0, p. 240 
setzt den Preis für einen bessern Platz für den Spieltag auf 3 Obolen an, doch 
sind seine Beweisstellen schwach. Becker, Charikles III, p. 190 beruft sich auf 
Plato Apol., p. 26 D. 

*) Folgt wenigstens hinsichtlich der Gesandten aus Dem, De cor. §. 28, 



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§. 20. Das Publikum. 299 

Übrige Publikum kaufte an der Kasse *) Eiiitrittsmarken, welche je- 
doch schwerUch zu einem bestimmten Platze, sondern nur zu einem 
solchen auf dem für die betreffende Phyle bestimmten Keile des 
Zuschauerraums berechtigten. Es ist neuerdings sehr wahrscheinlich 
gemacht, dass sich eine Anzald solcher Eintrittsmarken in einer Klasse 
der in gi*osser Menge vorhandenen sogenannten Piombi^) erhalten hat. 
Diese haben die Form kleiner Münzen, sind mit verschiedenen Typen 
bezw. Inschriften versehen und werden in ausgedehntester Weise als 
Marken zu den verschiedensten Zwecken gedient haben; einige der- 
selben zeigen Darstellungen, welche sich auf das Btihnenwesen beziehen, 
und sind daher fiir Theaterbillets erklärt. Benndorf beschreibt 29 
Exemplare, von denen eins einen Dionysos nebst Dreifuss, 17 Theater- 
masken zeigen, imd macht darauf aufioaerksam, dass für eine weitere 
Anzahl von mit Darstellungen bakchischer Gegenstände, bezw. Phylen- 
Namen oder -Nummern versehenen Bleimarken wenigstens die Mög- 
lichkeit einer gleichen Verwendung eingeräumt werden müsse ^). Die 
Proedristen werden in alter Zeit eines Eintrittsbillets kaum bedurft 



8. oben p. 294, A. 4; denn dem Staate kann der kleine Yortheil nur dann ent- 
gangen sein, wenn die Ehrenplätze dem Theaterpäcbter vom Staate bezahlt werden 
mu88ten; wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte jener den Schaden getragen. 
Vgl. BoECKH a. a. 0. Hinsichtlich der übrigen Proedristen ist das (lleiche 
wahrscheinlich, da dem Theaterpächter doch der AusfSall für die angewiesenen 
Plätze und die ihm aus der Instandhaltung der Ehrensessel erwachsenden 
Kosten vergütet werden mussten. 

*) Die Kasse wird an den Eingängen der Orchestra gewesen sein; zwei 
Kassen sind nach Theophr. Char. 30 (s. oben p. 292 A. I) anzimehmen. 

*) Catalogue d'une collection d'antiquites de feu Monsiemr le Baron 
de Stackeiberg. Dresden 1837, p. 44; Hase, Annali d. Inst. 1839, p. 279, tav. 
d'agg. R, 9. 10; Garucci, Revue numismatique 1862, pl. XV; Beülä, monnaies 
d'Athenes, p. 78; Lenormant et de Witte, Elite ceramographique I, p. XLI; 
Salinas, Annali